Wir haben heute viele Mittel, die früher nicht da waren, allen voran die netten Gadgets wie Smartphone, iPad, Computer und dergleichen. Da wir es haben, richten wir unseren Alltag so ein, sie zu brauchen, sie einzubinden, den Alltag durch sie organisierbar zu machen. Entsprechend aufgeschmissen sind wir, fällt eines mal aus. Dann kommen die Stimmen:

Früher hatte man das alles nicht, da ging das ja auch.

Nur: Früher richtete man sich ohne diese ein, weil sie nicht waren. Drum ging es. Der Alltag funktioniert immer, weil man ihn mit dem organisiert, was da ist. Heute zu sagen, früher ging es ohne Smartphone, wirkt zwar auf den ersten Blick wie ein Totschlagargument, auf den zweiten ist es einfach doof. Glaubt man nicht?

Meine Oma wusch von Hand. Waschmaschine gab es nicht (Jahrgang 1902). Jeder, der findet, früher ging es ohne Handy, soll doch mal ein Jahr ohne Waschmaschine Wäsche waschen. Meine Oma konnte das. Du nicht?

Tja… vielleicht greift das Argument, dass es früher auch ohne ging, doch nicht so wirklich… Ich will ja nix behaupten, ich tendiere aber dazu… ziemlich stark.

 

Hier sitze ich, habe eine ganze Serie von Liebesschnulzen hinter mir, bin also eher rührselig und denke: Das ist die richtige Stimmung für Rück- und Ausblick.

Der Rückblick lässt sich relativ einfach zusammenfassen: Es war ein schwieriges Jahr. Es war ein Jahr voller Brüche, Hindernisse, Neuorientierungen. Das machte es zu einem spannenden Jahr mit vielen Highlights, vielen Erkenntnissen, aber auch zu einem Jahr mit Tiefschlägen, Tiefgängen und Trauertälern. Den tiefsten Graben durchschritt ich wohl grad kurz vor Schluss, zum Glück bewahrheitete sich der Spruch:

 Wenn irgendwo eine Tür zufällt, geht irgendwo ein Fenster auf.

Das Fenster hat sich aufgetan, als ich ganz dringend Licht suchte in all der dominanten Dunkelheit. Ein neues Projekt kam mir praktisch ins Haus geschneit, eines, wie ich es mir seit Jahren gewünscht hatte. Auch kristalisierte sich mein Weg sonst klarer heraus, so dass der Ausblick auf das neue Jahr ein hoffnungsvoller, ein freudiger ist: Er steht unter dem Motto

 Follow your bliss

Das versuchte ich immer, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Allerdings ist zu sagen: Auch die Nicht-Erfolge brachten mich weiter. Im Nachhinein. Ich wäre nie da, wo ich nun bin, wären sie nicht gewesen. Trotzdem hätte ich manchen Tiefschlag gerne übergangen. Aber nun denn: Ich bin dankbar für das, was ist.

Und so sind wir nach Rück- und Ausblick bei dem angelangt, was wirklich zählt im Leben: Das Hier und Jetzt. Alles, was war, ist vorbei. Ich kann drauf schauen, kann sehen, wohin es führte, nämlich ins Jetzt, aber es ist vorbei. Egal ob gut oder schlecht – es ist vorbei. Alles, was kommt, sind Pläne, Ziele, Wünsche, Hoffnungen. Sie sind realistisch – mal mehr, mal weniger – aber nicht da. Leben tu ich heute. Und dieses Heute ist reich an Gefühlen. Heute überwiegt bei mir die Dankbarkeit – für das, was ist, für das, was dahin führte, für das, wohin es deutet. Zuerst aber dafür, was ist.

An dieser Stelle ein ganz grosses Dankeschön an alle, die hier auf Denkzeiten mitlasen, mitdachten, mitdiskutierten. Ich habe von vielen Gedanken, Einwänden, Kommentaren gelernt, mich über sie gefreut, aus ihnen auch Kraft geschöpft.

Danke!

Wenn das Gestern langsam verschwindet

Es macht mich so wütend. Ihre Güte und Geduld machen mich wütend. Mein ganzes Leben habe ich versucht, ihr zu beweisen, dass ich alleine klarkomme, dass sie mich nicht ständig zu retten braucht. Mein ganzes Leben habe ich mich getäuscht. 

Claire ist Lehrerin, liebt ihren Beruf. Sie ist verheiratet, hat zwei Töchter und eine Mutter. Das Leben war nicht immer einfach, eine Scheidung liegt hinter ihr, das Verhältnis zur Mutter ist angespannt, trotzdem ist sie mit ihrem Leben zufrieden. Zuerst vergisst Claire nur einige Dinge, denkt, sie sei unkonzentriert, denkt, das könne mal passieren. Die Vergesslichkeiten häufen sich und irgendwann gibt es eine Diagnose dafür: Alzheimer. Damit nicht alles verloren geht, schreibt Claire Geschichten, die ihr einfallen, in ein Erinnerungsbuch. Das Buch wird mit der Zeit Bestandteil der ganzen Familie, alle halten ihre Erinnerungen fest, lesen die der anderen. DIe ganze Familie versucht, mit der Situation umzugehen, für alle Betroffenen bedeutet die Diagnose eine Herausforderung. Das Gestern verliert langsam die Konturen, an eine Zukunft wagt man kaum zu denken, alles, was bleibt, sind die Augenblicke, das, was ist. Das ist erscheint oft als viel zu wenig, ist manchmal ganz viel.

Rowan Coleman ist mit Einfach unvergesslich eine berührende und bewegende Geschichte gelungen. Sie wirft den Leser gleich von Anfang an mitten ins Geschehen, indem er mit der Diagnose in die Familiengeschichte einsteigt. Durch Rückblenden in Form der Einträge ins Buch erhält der Leser nach und nach einen umfassenden Blick auf die Vergangenheit, sieht den Weg dahin, wo die Familie und jedes Mitglied darin steht. Bei aller Schwere des Themas gelingt es Coleman, eine gewisse Leichtigkeit des Erzählens zu bewahren, so dass der Leser allein durch das erzählte Geschehen die Tragweite der Krankheit spürt, nicht durch die Form, wie es präsentiert wird.

Das Buch behandelt ein schweres Thema, lässt den Leser durch die einfühlsame Art, mit der die Charaktere gestaltet sind, in die Familie und ihre Konflikte im Umgang mit der Krankheit eintauchen und mitfühlen. Dabei hilft, dass die Geschichte immer wieder aus anderer Perspektive geschrieben wird, so dass man das Thema aus der Warte der verschiedenen Betroffenen kennenlernen kann.

Fazit:
Ein feinfühliger und berührender Roman, der trotz der Schwere des Themas nicht erschlägt.

Zum Autor
Rowan Coleman
Rowan Coleman lebt mit ihrer Familie in Hertfordshire. Wenn sie nicht gerade ihren fünf Kindern hinterherjagt, darunter lebhafte Zwillinge, verbringt sie ihre Zeit am liebsten schlafend, sitzend oder mit dem Schreiben von Romanen. Da kann das Bügeln schon mal zu kurz kommen. Rowan wünschte, ihr Leben wäre ein Musical, auch wenn ihre Tochter ihr mittlerweile verboten hat, in der Öffentlichkeit zu singen. »Einfach unvergesslich« ist ihr elfter Roman.

Angaben zum Buch:
ColemanEinfach_unvergesslichGebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: Piper Paperback Verlag (11. August 2014)
Übersetzung: Marieke Heimburger
ISBN-Nr.: 978-3492060011
Preis: EUR  14.99 / CHF 22.90

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Das Gestern ist nicht mehr, das Morgen noch nicht hier. Alles, was du hast, ist das Heute.

So oder so ähnlich lernt man es in der östlichen Philosophie. Wie manche Yogastunde habe ich eingeleitet mit dem Spruch. Wie viele Meditationen drehten sich um das Hier und Jetzt als einzig lebbare Zeit. Der Sinn ist klar, seine Wahrheit offensichtlich. Ich kann nicht widerrufen, was war, ich kann es auch nicht nochmals leben. Ich kann nicht vorwegnehmen, was noch nicht ist, ich kann es nicht mal wirklich wissen, nur ahnen, spekulieren. Alles, was ich habe, ist das Heute. Nur im Hier und Jetzt kann ich wirklich etwas tun. Klar hat dieses Hier und Jetzt Folgen, die in die Zukunft reichen und sollte drum bedacht sein. Klar erwächst es aus etwas, das mal war, fusst also auf der Vergangenheit. Aber jetzt ist immer nur jetzt, es ist alles, was ich habe.

Gehe ich dann weg von der Yogamatte und hinein ins Leben, sind da plötzlich all die Ziele, all die Wünsche, all die Hoffnungen und all die Prognosen. Ich ertappe mich dabei, zu denken, dass ich glücklich bin, wenn nur erst die Woche um ist. Ich male mir den Freitag Abend, das Wochenende aus. Ich denke, dass alles einfacher wird, wenn nur erst mal etwas nicht mehr ist oder etwas anderes erreicht. In den buntesten Farben erscheint mir das angestrebte Ziel. Der Mensch in unglücklicher Beziehung sehnt sich deren Ende herbei und sieht dann die Zeit für Glück und Freiheit, der einsame Single sieht sich am Ziel seiner Träume, wenn er endlich das passende Gegenüber hat, welches natürlich immer perfekt  und in allen Belangen ideal ausgemalt wird. Bis es soweit ist, darbt man dahin, suhlt sich im Unglück, weil noch nicht ist, was sein sollte. Man macht alles davon abhängig und vergisst das Heute, welches man als Wartegleis definiert. Warten auf bessere Zeiten.

Was, wenn die besseren Zeiten nie kommen? Man hätte das Heute vergebens geopfert. Man hätte all das Gute und Schöne verachtet, weil man nur auf das Eine, das noch nicht ist, ausgerichtet war. Man war so versteift auf diese eine ausschlaggebende Veränderung, die einem ganz spezifischen Bedürfnis erwuchs, dass man alles andere ignorierte und das Bedürfnis selber und dessen Glückstauglichkeit gar nicht in Frage stellte.

Was, wenn es käme und man wäre noch immer nicht glücklich? Was, wenn das Glück beim Erreichen des Gewollten zwar da wäre, aber schnell auch wieder weg? Das Leben auf der Wartebank. Warten auf Godot, welcher hier  synonym für Glück verwendet wird. Es wird nie kommen, wenn man es nicht einfach jetzt packt.

Morgen, morgen, nur nicht heute…

Ein alter Spruch und doch so aktuell. Man bedenkt dabei nie, dass es morgen zu spät sein könnte.

Vergangenheit, die nie vergeht

ständig sich aufs Neue regt.

Erinnerung, die ewig bleibt,

einen in die Zukunft treibt.

Doch wäre sie vergessen auch,

weggeweht wie Schall und Rauch,

stets bliebe sie im Untergrund,

und triebe weiter – Stund um Stund,

ohne dass wir uns bewusst,

worauf nun unser Leben fusst.

Gegenwart wird nur erfahren,

wer das Gestern kann bewahren.

Mein Sohn hatte am Montag Schulanfang in einer neuen Schule. Wir zogen kurz vor den Sommerferien um, nun ging es am neuen Ort los. Je näher der Anfang kam, desto bedrohlicher wurde er. Söhnchen ist generell eher schüchtern und zurückhaltend, und er hatte Angst vor dem, was ihn erwartet, von dem er nicht wusste, was es genau war, was ja genau die Angst auslöste. Er stellte sich vor, er könnte keine Freunde finden, die Kinder könnten gemein sein, die Lehrerin nicht gut. Und noch viel schlimmer war, er wusste nicht mal was konkret Angst macht, es war einfach das Neue, das nicht wissen, was kommt, wie es ist, was ihn erwartet.

Ich kenne das nur zu gut. Ich mag keine neuen Dinge, Ich liebe das Gewohnte. Zwar kann das auch ab und an langweilig anmuten, klar kann man manchmal denken, Spannung, Neues im Leben, das wäre toll. Und doch, wenn es dann kommt, mag ich es nicht. Fürchte mich, hadere mit mir und dem Neuen, versuche es doch noch zu umgehen, werde unleidlich. Bis es da ist. Dann schick ich mich drein und nehme es hin. Und es kommt eigentlich immer gut.

Die letzte Nacht von Sonntag bis Montag konnte er nicht mehr schlafen. Die Angst war zu gross geworden. Sonst eher streng in diesen Angelegenheiten, liess ich die Nacht sausen, setzte mich zu ihm ins Bett, die Kater waren bald auch zugegen und wir plauderten und lachten uns durch die Stunden. Der Morgen kam, der Schulweg wurde unter die Füsse genommen. Dann sass ich zu Hause. Wartete, hoffte, bangte. Merkte, wie sehr ich mit dem Kind mitfiebere, mit hoffe. Merkte, dass ich wohl als Glucke geboren bin und eine bleibe. Dann endlich die Erlösung: Alles gut, die Lehrerin nett, die Kinder ok, mein Kind zufrieden. Tag zwei noch besser, er freute sich gar drauf.

Und was lehrt uns die Geschicht‘: Zermartere dich wegen ungelegter Eier nicht. Wie oft zerbrechen wir uns den Kopf über Dinge, die noch nicht da sind. Malen uns aus, was kommen könnte, kommen sollte, kommen wird und sind in unserem Denken in der Zukunft gefangen, die noch nicht da ist und von der wir nie wissen können, wie sie sein wird. Dabei vernachlässigen wir das einzige, was wir wirklich haben: das Heute. Denn heute ist noch nichts schlecht, gefährlich. Das Leben wäre gut, alles schön. Aber wir sorgen uns. Haben Angst. Rauben uns damit den Schlaf und die Möglichkeit, das Heute wirklich zu leben.

Zu diesem Thema gibt es viele nette Kalender- und Yogitee-Sprüche, zum Beispiel: Gestern ist vorbei, morgen noch nicht da, alles, was du hast, ist das Heute. Und auch Meister Eckehart rief dazu auf, den Moment als den wertvollsten zu sehen, der gerade ist. Logisch ist das so und die Wahrheit in dieser Aussage liegt auf der Hand. Nur: Kann man nur im Heute leben? Dann könnte man keine Ziele mehr haben. Wieso was tun? Wenn ich nur das Heute hätte, läge ich in der Hängematte am Meer und liesse Gott einen lieben Mann sein. Ok, vielleicht auch in den Bergen am See und an Gott glaube ich nicht. Oder wäre ich doch hier, wo ich bin? Da ich ja eigentlich ganz zufrieden damit bin, liegt das nahe.

Was lehrt mich diese ganze Sache? Sohnemann sagte ich ganz weise: Siehst du, deine Angst war ganz unbegründet, alles kam gut. Wenn ich wieder einmal in einer solchen Situation bin, könnte ich mich daran halten. Tue ich aber nicht. Ich kenne mich mittlerweile doch ein paar Jährchen und obwohl ich mir rein intellektuell all die Kalendersprüche merken und sie sogar noch logisch begründen kann, spielt mir die Natur einen Streich und ich reagiere immer wieder exakt gleich: ANGST!

Sind das die alten Schutzmechanismen des lieben Grossvater Neandertalers, welcher Gefahren abschätzen musste, um zu überleben? Ein Tribut an die Evolution, in welcher man nur durch genaue Kenntnis der Gegebenheiten und damit auch Gefahren zum Fittesten und damit zum Überlebenden wird? Oder sind andere anders und können ganz relaxt an Dinge rangehen? Ich glaube fast. Ich kann es nicht. Aber ich lebe noch. Vielleicht habe ich die Evolution überlistet.

Als Kind wünscht man sich, man könnte gross sein. Dann könnte man aufbleiben, so lange man will, niemand könnte einen zwingen, den Salat zu essen, es gäbe nur Eis und Schokolade. Und auch die Sonntagsspaziergänge wären nicht mehr Pflicht, man könnte zu Hause vor dem Fernseher sitzen, Tag und Nacht, ohne Beschränkung. Das Leben wäre genau so, wie man es sich selber erträumt, man wäre Herr seiner Zeit. Keine Eltern mehr, die befehlen, keine Eltern ,die ermahnen, die immer dann bremsen, wenn der Spass anfängt. Nur noch die eigenen Wünsche, der eigene Wille.

Man wird älter, die Pflichten nehmen nicht ab, sondern zu. Die Schule wird strenger, die Aufgaben mehr. Die Wünsche grösser, die elterliche Toleranz ätzender. Wenn man bloss 18 wäre, die Schule zu Ende, man sein eigener Herr und Meister, am besten mit eigenem Geld, so dass wirklich niemand mehr das Sagen hätte. Und man hat Glück, die Zeit arbeitet für einen. Man wird volljährig, mündig. Hat man das Pech, geht man aufs Gymnasium – kein eigenes Geld, Schule geht weiter. Mit etwas mehr Glück geht man in die Lehre. Aber der Lohn reicht auch nirgends hin. Wohnung, Krankenkasse? Essen sollte man auch noch? Wie kommt man da noch zum Feste feiern? Freie Nachmittage sind auch irgendwie plötzlich weg. Wo ist die ersehnte Freiheit? Das wurde ja nur schlimmer? Wie schön war es, Kind zu sein? Kein Lehrmeister, keine finanziellen Nöte, keine Sorgen um Wohnung, Essen, Kochen, Bügeln, Waschen, Putzen.

Und so merkt man dann, wenn es weg ist, wie schön es war, was man hatte. Und oft im Leben ist es so, dass man zu spät merkt, was gut war. Auffallen tut es, wenn es weg ist. Dann fehlt es und man sieht, was vorher selbstverständlich war. Und die Kehrseite der Medaille: Wir sehnen uns immer nach dem, was wir nicht haben, wünschen uns an eine Stelle, an der wir nicht stehen, weil wir uns ausmalen, wie es da sein müsste. Wissen tun wir es nicht, wir sind ja nicht dort. Wir stellen es uns vor und trauen unserer Imagination so sehr, dass wir das Hier und Jetzt vergessen und nur noch nach dem Gewünschten schielen. Sehnsüchtig. Verklärt. Hoffend, es möge bald kommen. Das Heute vergeht, das Erhoffte kommt vielleicht sogar – und es ist gar nicht so toll. Plötzlich sieht man, was das vormalige Heute, nun Gestern Tolles hatte. Das nun weg ist. Und man sehnt sich zurück. Trauert nach. Hat vergessen, dass man es nur wegwünschte, als es noch da war. Sieht nur noch den Verlust. Bis eine neue Hoffnung auftaucht, die das momentane Heute ablösen soll, weil sie so viel besser ist als das, was ist. Und man sehnt sich.

Wir eilen durchs Leben, getrieben vom Gefühl des Mangels, vom Gefühl, es komme was Besseres nach. Wir ignorieren, was ist und sehen nicht, wie gut es ist, weil wir immer weiter streben. Höher, besser, weiter. Wettbewerb pur. Leistung zählt und nur das Beste ist gut genug – nur gibt es immer noch etwas Besseres. Man nennt das Fortschritt und würde er nicht mehr sein, stagnierte die Welt. Man sieht das negativ. Stillstand ist Rückschritt. Wäre das so schlimm? Was ist vorne, was hinten? Was gut, was schlecht? Und hätte nicht der gewonnen, der sähe, was ist? Und es schätzte. Und dankbar wäre dafür, es zu haben? Egal, was käme oder war. Denn beides ist nicht – ausser in den Köpfen derer, die es sich ausmalen. Und die wissen es nicht, die zeichnen nur, was ihnen gefällt.