So auf sich gestellt eingeschlossen im einsamen Zuhause lauern doch so viele Gefahren. Eine davon ist, sich ungesund zu ernähren – das Trinken schliesse ich hier mal mit ein. Zuviel heisst das Wort der Angst. Gemeint ist alles, was nicht als gesund deklariert ist: Fleisch, Süsses, Alkohol, Fett – halt alles, was schmeckt und das Leben schön macht.

Zuwenig heisst das zweite Wort der Angst. Gemeint ist hier Gemüse, Obst, Freud- und Trostloses halt, also alles, was man isst, weil man vom anderen eher wenig essen sollte, weil dieses ja ach so gesund ist.

Nun war ich ja lange Jahre Vegetarier, ich mag grundsätzlich Obst, Gemüse auch.. und kochte es nun in diesen schwierigen Zeiten fleissig dem guten Gewissen – und der Gesundheit der Mitessenden geschuldet. Nur: Meist ass ich es dann alleine, ausser ein paar Anstandsbissen ging kaum was weg. Ich fing dann an, das Gemüse in Käsesahnesauce und mit Käse überbacken zu servieren. Nun kam es endlich an – also hauptsächlich die Sauce und die Käsekruste….

Irgendwie erinnerte mich das Ganze an den Turnunterricht in der Schule… zuerst werden die gewählt, die man so wirklich toll findet, dann die noch brauchbaren… und irgend einer blieb am Schluss übrig. Während also Fleisch, Pommes und Konsorten weg gingen wie warme Semmeln, blieb das Gemüse noch immer an mir hängen. Und so langsam frage ich mich….kann das wirklich gesund sein? Für meine Psychohygiene (die will ja schliesslich auch gewaschen sein, nicht nur die Hände) und auch sonst?

Ich hörte mal von einem Ernährungsexperten (ach, es gibt so viele davon), dass Salat den Nährwert von Toilettenpapier (ob das den inflationär angestiegenen Kauf desselben erklärt?) und auch Gemüse den seinen auf dem Teller schon praktisch verloren hätte. Wozu also tun wir uns das an? Vielleicht, weil wir dran glauben (wollen) und denken, uns was Gutes zu tun. Tun zu müssen. Und vermutlich ist schon das unglaublich wohltuend für Körper und Seele.

Und so werde ich wohl auch morgen wieder Gemüse auf den Tisch bringen, die Käsekruste oben abessen und sagen: DAS ist mein Lieblingsgemüse.

Dies ist bereits Björn Moschinskis zweites Kochbuch zur veganen Küche. Sein Erstling  Vegan kochen für alle stiess auf grosses Interesse. Nachdem sich das erste Buch an Kochanfänger und Neulinge in der veganen Küche richtete, konzentriert sich Moschinski  bei hier & jetzt vegan auf Regionalität und Saisonalität. Damit soll eine Küche gefördert werden, die auf Produkte baut, welche keine weiten Wege hinter sich haben und dann verzehrt werden, wenn sie nach dem Plan der Natur reif sind.

Ausserhalb der Saison unreif gepflücktes und künstlich nachgereiftes Obst und Gemüse können nie den Geschmack und die Qualität liefern, welche die Gemüse- und Obstbauern aus der Region durch kurze Lieferwege frisch und knackig auf die Teller der Konsumenten bringen.

In einer anschaulichen Tabelle sieht man, wenn welche Produkte erntereif sind und sich damit für die vorgeschlagene Küche eignen. Das Buch ist aufgeteilt auf die vier Jahreszeiten, innerhalb derer man von Salatkreationen über Vorspeisen, Hauptspeisen bis hin zu Desserts und Drinks alles findet, das man ohne tierische Produkte und mit einheimischen Produkten kochen kann.

Kirschmichel, Flammkuchen, Gedeckter Apfelkuchen, Bruschetta, selbstgemachte Pasta mit geschmortem Fenchel oder Steinpilzrisotto – all das und noch viel mehr findet sich in diesem Kochbuch. Die wirklich tollen Bilder werden begleitet von einer ausführlichen Zutatenliste und einer Kochanleitung, die auch für wenig kochbegabte Esser verständlich ist.

Das Buch ist nicht nur für Veganer geeignet. Es liefert auch tolle und kreative Ideen für experimentierfreudige Mischköstler. Das Buch kann somit als Einstieg in eine vegane Ernährungsweise genauso dienlich sein wie als Alternative zur sonstigen fleischbasierten Ernährung. Es liefert Ideen, welche durch die wirklich ansprechenden Bilder zum Nachmachen einladen.

Wer sich nicht gleich ans Kochen traut, kann sich Moschinskis Küche auch kochen lassen im Kopps, Moschinskis veganem Restaurant in Berlin Mitte.

Fazit:
Schön aufgemacht, tolle Bilder, verständliche Rezepte, appetitanregende Rezepte. Sehr empfehlenswert – auch für Nichtveganer.

Eindruck zum Autor

moschinskiveganAngaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
Verlag: südwest Verlag, Random House Verlagsgruppe (2013)
Preis: EUR  17.90 / CHF 28.90

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