Ich stiess über Miasraum (LINK) auf diesen Fragebogen, den sie auch über sieben Ecken fand. Spannende Fragen, denen ich mich gerne stellen möchte. Und während ich das hier schreibe, weiss ich noch nicht, wo es enden wird. Ich leg einfach mal los.

Zorn

  1. Würdest du je einen anderen Menschen schlagen?

In der Theorie nicht, da ich absolut nicht aggressiv bin, aber: Ich habe es schon getan. Als mir jemand gegen meinen Willen zu nah kamen. Ich bin nicht stolz drauf.

  1. Was ist dein persönliches Lieblingsärgernis?

Menschen, die sich über dich stellen, die sich für etwas Besseres halten und dir die Welt erklären wollen.

  1. Würdest du gegen jemanden einen Groll hegen? Oder kannst du es einfach loslassen?
    Groll hilft nie und schadet nur – aber nie dem anderen, nur mir selber. Trotzdem bin ich nicht gefeit.

Trägheit

  1. Kannst du etwas nennen, das du jeden Tag tun solltest, aber was du trotzdem nicht tust?
    Ich bin relativ pflichtbewusst. Ab und an denke ich: Zu sehr… also: Nein.
  1. Wann hast du zum letzten Mal eine faule Ausrede gemacht?
    Ich habe keine Ahnung, ich versuche, solche zu vermeiden.
  1. Wie lange hast du heute Morgen die Schlummertaste gedrückt?
    Mache ich nie, ich stehe beim ersten Ton auf.

Völlerei

  1. Isst du Fleisch?
    Ich starte grad den nächsten Versuch, es (wieder – ich war viele Jahre Vegetarier) zu lassen.
  1. Wie viel Alkohol hast du zu einem gegebenen Zeitpunkt getrunken?
    Was ist ein gegebener Anlass? Ich habe so oder so kein festes Mass. Ich höre auf, wenn es sich nicht mehr gut anfühlt. Und das tut es für mich, wenn nicht mehr klar denken kann.
  1. Was isst du am liebsten: Süßigkeiten, fetthaltige oder salzige Lebensmittel?
    Salzig. Süss mag ich kaum, fettig auch eher wenig.

Geiz

  1. Wie viele Kreditkarten hast du?
    Eine.
  1. Was würdest du mit einer Million Euro tun?
    So weiterleben wie bisher – einfach mit einem sichereren Ruhekissen.
  1. Würdest du lieber reich oder berühmt sein?
    Am liebsten wäre ich schlicht zufrieden und glücklich. Was dabei hilft, nehme ich – wobei ich nicht denke, dass es eines von den Beiden wäre….

Stolz

  1. Ärgerst du dich, wenn du den ersten Platz nicht erlangst?
    Wenn ich an Wettbewerben teilnehme, will ich auch gewinnen. Alles andere ist irgendwie sinnfrei.
  1. Würdest du mogeln, um eine bessere Note zu bekommen?
    Nein
  1. Worauf bist du wirklich stolz?
    Dass ich immer wieder aufstehe.

Wollust

  1. Wie viele Menschen haben dich nackt gesehen (außer Familie, Ärzte, usw.)?
    Es war mir nie bewusst, dass ich die zählen müsste…
  1. Was ist dein Lieblingskörperteil an anderen Menschen?
    Oberarme…
  1. Hat je eine Prostituierte dich angemacht?

Neid

  1. Welches Objekt hat ein Freund von dir, das du auch für dich selbst haben willst?
    keins
  1. Wer würdest du am liebsten sein, wenn du jemand anders sein könntest?
    Niemand, den ich kenne
  1. Welches physische Attribut würdest du an dir selbst ändern?
    Keine Ahnung – darüber möchte ich auch nicht nachdenken.

 

Vor einiger Zeit startete ich mit dem ersten Fragebogen von Max Frisch Fragebogen (HIER), der zweite folgte (Thema Ehe: HIER), dann der dritte (HIER) – wir kommen zur vierten Runde, das Thema ist dieses Mal die Hoffnung. Hier ist auch wieder nur eine Auswahl aus den Fragen des Fragebogens, den ganzen findet ihr im am Schluss genannten Buch.

Fragebogen IV

  1. Wissen Sie in der Regel, was sie hoffen?

Meistens schon. Ich bin aber nicht immer sicher, ob es auch gut ist, wenn es eintrifft.

  1. Beneiden Sie manchmal Tiere, die ohne Hoffnung auszukommen scheinen, z. B. Fische in einem Aquarium?

Mit Fischen habe ich keine Erfahrung. Ich beneide ab und an meinen Hund um sein Leben, es muss sehr entspannt und schön sein – so wirkt er auf alle Fälle meistens. Hoffnungen hat er aber durchaus, wie mir scheint. Immer nach dem Abendessen hofft er ganz offensichtlich auf einen Knochen für sich. Und den kriegt er dann auch meistens, da er in seiner hoffnungsvollen Haltung (und vor allem seinem Blick aus Knopfaugen) unwiderstehlich aussieht.

  1. Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?

Wirklich aufgegeben wohl keine – zumindest keine, die ich noch als wünschenswert erachte, wenn sie eintreffen würde. Ich male mir nur die Chancen auf Erfolg ab und an verschwindend klein aus, aber: Die Hoffnung stirbt trotz allem zuletzt.

  1. Kann Hass eine Hoffnung erzeugen?

Das wäre in meinen Augen keine Hoffnung, sondern ein Rachegedanke.

  1. Hoffen Sie angesichts der Weltlage: a) auf die Vernunft? b) auf ein Wunder c) dass es weitergeht wie bisher?

Weder noch. Am ehesten hoffe ich auf ein zunehmendes Bewusstsein, was wir tun, auf mehr Einsicht, dass keiner allein überleben kann, dies nur im Miteinander geht, und auf mehr Menschlichkeit.

  1. Können Sie ohne Hoffnung denken?

Hoffnungslosigkeit ist ein sehr lähmendes Gefühl. Da fällt mitunter alles schwer, auch das Denken. Hoffnungslosigkeit kann aber auch das Resultat von zu viel Denken sein. Wenn man in einer Abwärtsspirale denkt, mögliche negative Folgen ausmalt und alles in düstere Farben kleidet, führt genau dieses Denken zur Hoffnungslosigkeit. Vielleicht ist es dann und wann sogar sinnvoll, mit dem Denken aufzuhören und sich mal abzulenken. Das kann vieles sein: In die Natur gehen, zeichnen, lesen, tanzen, singen – alles, was hilft, den Kreislauf der Gedanken zu unterbrechen. Und dann, wenn wieder Hoffnung da ist, langsam und behutsam wieder zu denken beginnen.

  1. Was erhoffen Sie sich von Reisen?

Neue Eindrücke, Inspirationen, Anreize – aber auch: Eine Auszeit, Ruhe für mich, mal dem Alltag entkommen.

  1. Wenn Sie jemand in einer unheilbaren Krankheit wissen: machen Sie ihm dann Hoffnungen, die Sie selber als Trug erkennen?

Nein, das fände ich nicht richtig. Grundsätzlich würde ich mit ihm über andere Themen sprechen als über seine Krankheit, da er diese ja selber kennt. Wenn er aber darüber sprechen will, dann würde ich ihm zuhören und versuchen, auf ihn einzugehen.

  1. Was erwarten Sie im umgekehrten Fall?

Dasselbe. Ich hasse Lügen, ich hasse Beschwichtigungen oder Schönfärberei.

  1. Muss eine Hoffnung, damit Sie in ihrem Sinn denken und handeln, nach Ihrem menschlichen Ermessen erfüllbar sein?

Wenn eine Hoffnung nur auf Erfüllung eines Zieles ausgerichtet ist, das Handeln und Denken nur Mittel zum Zweck ist dahin, dann wohl kaum. Allerdings erachte ich solche Ziele und Hoffnungen als wenig sinnvoll. Wenn einer nur schreibt, weil er reich werden will, nur malt, weil er umjubelt werden will, selber aber nicht gerne schreibt oder malt, dann sollte er wohl besser damit aufhören, wenn er denkt, es eh nie dahin zu schaffen. Wieso sich vergebens quälen? Wenn man aber gerne malt und schreibt, dabei klar auch mal denkt, es wäre schön, das würde mal jemandem Freude bereiten, dann wird man auch weitermachen, wenn das nie eintritt. Gauguin hätte kein Bild gemalt sonst, Fontane hätte das Schreiben beendet, zu gross waren seine Zweifel oft, Kafka wollte sogar alles verbrennen… er hat es also geschrieben, obwohl er nicht an den Erfolg glaubte. Langer Rede kurzer Sinn: Ich würde keinen Weg gehen wollen, nur um ein Ziel zu erreichen. Wenn ich aber einen Weg mag, gehe ich ihn auch, wenn das Ziel unerreichbar scheint.

  1. Hoffen Sie auf ein Jenseits?

Ich hoffe nicht, dass es das gibt! Irgendwann muss mal fertig sein.

Vielleicht regen euch die Fragen ja auch an? Wenn ihr mitmachen wollt, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir den Link zu eurem Beitrag in den Kommentar schreibt und/oder diesen Beitrag hier bei euch verlinkt. #FrischsFragebogen

Zum Autor
Max Frisch
Max Frisch (1911-1991), einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, konnte nicht nur mit dem Wort etwas erschaffen: Er arbeitete auch erfolgreich als Architekt. Über journalistische Arbeiten und erste literarische Versuche fand er schließlich seinen eigenen Stil als Autor. In seinen Essays, Erzählungen, Hörspielen, Dramen und Romanen war er nicht nur ein großer Literat, sondern auch ein streitbarer Humanist. Sein kritischer Geist rieb sich an seiner Schweizer Heimat ebenso wie an Demagogen in aller Welt – um doch anlässlich seines 75. Geburtstags ernüchtert festzustellen: „Am Ende der Aufklärung steht das goldene Kalb.“ Bekannt wurde er u. a. mit den Romanen „Stiller“, „Homo Faber“ und „Sein Name sei Gantenbein“ sowie Theaterstücken wie „Andorra“ und „Triptychon“.

Angaben zum Buch:
FrischFragebogenTaschenbuch: 96 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag (24. August 1998)
ISBN: 978-3518394526
Preis: EUR 6 / CHF 9.90

Online zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE oder BOOKS.CH

Vor einiger Zeit startete ich mit dem ersten Fragebogen von Max Frisch Fragebogen (HIER), der zweite folgte (Thema Ehe: HIER) – wir kommen zur dritten Runde, die sich um das Thema „Frau“ dreht. Das war nicht ganz einfach, da die Fragen offensichtlich aus Männerperspektive (und für Männer?) geschrieben waren. Hier ist auch wieder nur eine Auswahl aus den Fragen des Fragebogens, den ganzen findet ihr im am Schluss genannten Buch.

Fragebogen III

  1. Tun Ihnen Frauen leid?

Nicht mehr als Männer.

  1. Warum? (Warum nicht?)

Frau zu sein ist ja kein grundsätzliches Leiden.

  1. Welche Probleme löst eine gute Ehe?

Keine. Sie bringt aber keine neuen wie eine schlechte.

  1. Befremdet Sie eine kluge Lesbierin?

Herr Frisch? Was hat Intelligenz mit der sexuellen Ausrichtung zu tun? Da könnte ich auch fragen, ob jemand mit einer breiten Nase gute Romane schreiben könne. (Die breite Nase ist mir aus einer Dokumentation über Max frisch geblieben)

  1. Was bezeichnen Sie als männlich?

Eine schwierige Frage, da sie Klischees bemüht. Noch schwieriger ist, dass ich das Gefühl habe, wir leben in einer Zeit, in welcher wir nach innen und aussen mit diesen Klischees kämpfen. ich gehöre noch zur Generation, welcher die Märchen mit schönen Prinzessinnen und rettenden Prinzen vorgelesen wurden, die aber dann lernte, dass Frauen nun keine Prinzessinnen mehr seien, sondern sich selber retten. Da ich von klein an sowieso eher der Cowboy-Typ als das Prinzessinnen-Mädchen war, kam mir das sehr gelegen, nur so ab und an, tief drin, gab es schon Momente, wo so ein rettender Prinz durchaus romantisch gewesen wäre. Selbst wenn er nicht auf dem schnaubenden Rappen dahergeritten käme und auch nicht retten würde, nur ein wenig romantischer Prinz wäre. Wobei ich ehrlich gestehen muss, dass ich – wäre das wirklich eingetreten – wohl eher peinlich berührt oder aber amüsiert gewesen wäre als romantisch erobert. Was also ist männlich? Ich belasse es dabei: Jeder Mensch, der sich durch seine biologischen Anlagen und/oder sein Selbstgefühl als Mann fühlt, ist auf seine Weise männlich.

  1. Wer hat den Kastrationskomplex erfunden?

Siegmund Freud. Er ging davon aus, dass kleine Kinder den Penis als Normalfall anschauen, so dass Mädchen in der Folge einen Peniskomplex entwickeln (weil sie keinen haben) und Jungs einen Kastrationskomplex (weil sie denken, bei den Mädchen sei ihrer durch Kastration verloren gegangen, und das nun auch fürchten). Arme, kranke Welt, alle leiden an Komplexen.

  1. Lernen Sie von einer Liebesbeziehung für die nächste?

Ich glaube, das kann man gar nicht. Man kann sicher gewisse Dinge über sich lernen, das tut man aber immer, nicht nur von Beziehung zu Beziehung, sondern auch innerhalb von Beziehungen. Schlussendlich ist eine Beziehung auch immer ein Zusammenspiel zweier Menschen. Was in einer Beziehung klappt, kann in der nächsten Beziehung harzen, und umgekehrt. So kann man nur immer in der aktuellen Beziehung sehen, was Sache ist, und dann besten Falls in der Beziehung selber lernen, das Beste draus zu machen.

  1. Möchten Sie Ihre Frau sein?

Nein – und auch nicht mein Mann.

  1. Was bewundern Sie an Frauen?

Nichts grundsätzlich. Es gibt einige Frauen, die ich achte für das, was sie machten, nicht aber für ihr Frausein per se.

  1. Warum müssen wir die Frauen nicht verstehen?

Es ist schon viel, wenn jeder sich selber versteht. Wenn er noch sein Gegenüber versteht, ist das wunderbar. Schon das halte ich für quasi unmöglich. Was ich aber sicher denke: Es gibt weder DIE Frauen noch DIE Männer. Und was es nicht gibt, kann man nicht verstehen.

Vielleicht regen euch die Fragen ja auch an? Wenn ihr mitmachen wollt, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir den Link zu eurem Beitrag in den Kommentar schreibt und/oder diesen Beitrag hier bei euch verlinkt. #FrischsFragebogen

Zum Autor
Max Frisch
Max Frisch (1911-1991), einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, konnte nicht nur mit dem Wort etwas erschaffen: Er arbeitete auch erfolgreich als Architekt. Über journalistische Arbeiten und erste literarische Versuche fand er schließlich seinen eigenen Stil als Autor. In seinen Essays, Erzählungen, Hörspielen, Dramen und Romanen war er nicht nur ein großer Literat, sondern auch ein streitbarer Humanist. Sein kritischer Geist rieb sich an seiner Schweizer Heimat ebenso wie an Demagogen in aller Welt – um doch anlässlich seines 75. Geburtstags ernüchtert festzustellen: „Am Ende der Aufklärung steht das goldene Kalb.“ Bekannt wurde er u. a. mit den Romanen „Stiller“, „Homo Faber“ und „Sein Name sei Gantenbein“ sowie Theaterstücken wie „Andorra“ und „Triptychon“.

Angaben zum Buch:
FrischFragebogenTaschenbuch: 96 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag (24. August 1998)
ISBN: 978-3518394526
Preis: EUR 6 / CHF 9.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE oder BOOKS.CH

FrischFragebogenVor einiger Zeit startete ich mit dem ersten Fragebogen von Max Frisch Fragebogen (HIER) Ich kündigte damals an, dass ich mir in unregelmässigen Abständen ausgewählte Fragen weiterer Fragebogen vornehme – heute kommen wir also zum zweiten Fragebogen. Er fiel mir schwerer als der erste, da ich die Fragen vielfach merkwürdig fand und das Thema an sich auch keines ist, das mich wirklich tief interessiert (obwohl ich eine Zeit lang sehr gerne Hochzeitssendungen schaute, was aber mehr mit der Zeremonie als mit der Institution zu tun hatte):

Fragebogen II

  1. Ist die Ehe für Sie noch ein Problem?

Nicht grundsätzlich. Einerseits erachte ich die Ehe als eine sinnvolle rechtliche Institution, die gewisse Dinge für die beiden Vertragspartner regelt. Des Weiteren hat die Ehe durchaus einen ideellen Wert für gewisse Menschen als Zeichen der Zusammengehörigkeit, als Bund vor Staat oder auch Kirche. Ich mag Hochzeiten und ich mag den Gedanken, dass zwei Menschen einen Weg miteinander gehen. Klar kann man sagen, das ginge auch ohne Trauschein – aber es geht auch mit. Jeder muss für sich selber entscheiden, welche Variante ihm besser zusagt – mit allen Konsequenzen.

    1. Was haben Sie andern öfter geraten:
      a) dass sie sich trennen?
      b) dass sie sich nicht trennen?

Ich halte wenig von solchen Ratschlägen, da schlussendlich der andere sein Leben leben muss. Wenn ich ihm raten würde, sich zu trennen, ist er nachher allein und muss damit umgehen. Klar kann ich für mich denken, dass ich mich in der Situation trennen würde (wobei ich nicht weiss, ob ich es auch wirklich täte, wenn ich in der Situation wäre – es ist also reine Spekulation). Ich kann dem anderen zuhören, kann versuchen, ihm zu helfen, eine für ihn gute Entscheidung zu treffen und ihn dann darin unterstützen. Alles andere ist in meinen Augen nicht angebracht.

  1. Welche Probleme löst eine gute Ehe?

Keine. Sie bringt aber keine neuen wie eine schlechte.

  1. Wie erklären Sie es sich, dass Sie bei sich selbst oder beim Partner nach einer Schuld suchen, wenn Sie an Trennung denken?

Schon Heidegger sagte: Alles hat einen Grund. Es hilft uns, wenn wir einen Grund (mir ist das Wort lieber als Schuld, wobei ich umgangssprachlich wohl von Schuld sprechen würde, dies aber nicht im wirklichen Sinne des Wortes gemeint) für etwas haben, denn dann können wir unser Verhalten rechtfertigen und es dadurch auch vordergründig verstehen.

  1. Wenn Kinder vorhanden sind: fühlen Sie sich den Kindern gegenüber schuldig, wenn es zur Trennung kommt, d. h. glauben Sie, dass Kinder ein Anrecht haben auf unglückliche Eltern? Und wenn ja: bis zu welchem Lebensalter der Kinder?

Ich denke, Kinder verlieren immer bei Trennungen – es gibt wohl nur wenige Ausnahmen. Die Frage nach dem Anrecht auf unglückliche Eltern empfinde ich als sehr plakativ und polemisch. Glücklich ist man auch getrennt nicht zwangsläufig, dann hätten die Kinder dann also unglückliche Eltern, die obendrein noch getrennt sind. Und ja, ich fühle mich schuldig, dass ich meinem Kind keine „heile“ Familie bieten konnte, ich hätte mir das gewünscht. Ich denke, das wünschen sich wohl die meisten Eltern, wenn sie Kinder kriegen.

  1. Wenn Sie vernehmen, dass ein Partner nach der Trennung nicht aufhört, Sie zu beschuldigen: schliessen Sie daraus, dass Sie mehr geliebt worden sind, als Sie damals ahnten, oder erleichtert Sie das?

Weder noch. Ich denke, das der Grund wären noch immer vorhandene Verletzungen und Frustrationen über eine nicht erfolgreiche Ehe. Das hätte wohl wenig mit dem Grad der Liebe zu tun und wäre auch kein Grund für ein Gefühl der Erleichterung.

  1. Was pflegen Sie zu sagen, wenn es in Ihrem Freundeskreis wieder zu einer Scheidung kommt, und warum haben Sie’s bisher den Beteiligten verschwiegen?

Wohl nur, dass ich es schade und traurig finde, wenn Beziehungen zerbrechen. Für alle Beteiligten. Und: Das konnte ich ja nicht vor dem Bruch sagen.

    1. Wenn Sie die Wahl hätten zwischen einer Ehe, die als glücklich zu bezeichnen ist, und einer Inspiration, einer Intelligenz, einer Berufung usw., die das eheliche Glück möglicherweise gefährdet: was wäre Ihnen wichtiger:
      a)als Mann
      b)als Frau

Schwer zu sagen. Ich glaube, jeder wünscht sich eine glückliche Beziehung, da man aus einer solchen unglaublich viel Kraft schöpfen kann. Da Beziehungen aber doch häufig endlich sind, würde ich mich wohl für die Berufung entscheiden, da diese mir ja entspräche und wohl ein Leben lang bliebe, mir durch das Ausleben derselben auch Glück bescheren würde – und vielleicht fände sich ja ein gleich Berufener oder jemand, der mit dieser Art der Berufung leben könnte. Und sonst bliebe ich halt glücklich berufener Einzelgänger. Ich denke, das könnte mir durchaus gut liegen.

  1. Halten Sie Geheimnislosigkeit für ein Gebot der Ehe oder finden Sie, dass gerade das Geheimnis, das zwei Menschen voreinander haben, sie verbindet?

Wenn mit Geheimnis gemeint ist, man tut etwas hinter dem Rücken des anderen im Wissen, dass dieser nicht damit klar käme, im Wissen, dass man damit gemeinsame Regeln verletzt, dann erachte ich das Geheimnis als keine verbindende Angelegenheit, sondern als etwas, das tief drin trennt. Ich bin aber nicht der Meinung, dass man vor dem Partner das Innerste nach aussen drehen muss. Das hat Arthur Schnitzler in seinem Stück „Die Traumnovelle“ schön beschrieben. Der Vorsatz, dem anderen alles zu erzählen, hat das Ehepaar fast in den Abgrund geführt.

Vielleicht regen euch die Fragen ja auch an? Wenn ihr mitmachen wollt, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir den Link zu eurem Beitrag in den Kommentar schreibt und/oder diesen Beitrag hier bei euch verlinkt. #FrischsFragebogen

Zum Autor
Max Frisch
Max Frisch (1911-1991), einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, konnte nicht nur mit dem Wort etwas erschaffen: Er arbeitete auch erfolgreich als Architekt. Über journalistische Arbeiten und erste literarische Versuche fand er schließlich seinen eigenen Stil als Autor. In seinen Essays, Erzählungen, Hörspielen, Dramen und Romanen war er nicht nur ein großer Literat, sondern auch ein streitbarer Humanist. Sein kritischer Geist rieb sich an seiner Schweizer Heimat ebenso wie an Demagogen in aller Welt – um doch anlässlich seines 75. Geburtstags ernüchtert festzustellen: „Am Ende der Aufklärung steht das goldene Kalb.“ Bekannt wurde er u. a. mit den Romanen „Stiller“, „Homo Faber“ und „Sein Name sei Gantenbein“ sowie Theaterstücken wie „Andorra“ und „Triptychon“.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 96 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag (24. August 1998)
ISBN: 978-3518394526
Preis: EUR 6 / CHF 9.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

FrischFragebogenDas vorliegende Buch umfasst 11 Fragebogen zu Themen wie Hoffnung, Humor, Tod, Eigentum Geld und mehr. Jeder Fragebogen umfasst mehrere Fragen, die man als Leser selber durchdenken kann. Ein spannendes Buch, ein Buch, das anregt, hinterfragen lässt – sich, andere, die Welt und die Beziehungen zwischen allen.

Ich werde mir in unregelmässigen Abständen einen Fragebogen vornehmen und mich einigen Fragen daraus stellen. Die Auswahl unterliegt verschiedenen Kriterien, ein Grund ist sicher, dass der Artikel nicht ausufern soll. Wen die vollständen Fragebogen interessieren, der findet die Angaben zum Buch ganz am Schluss. Hier der erste Fragebogen:

Fragebogen I

  1. Sind Sie sicher, dass Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert?

Nein

  1. Warum? Stichworte genügen.

Ich sehe den Menschen nicht als Gewinn für diese Welt.

  1. Möchten Sie das absolute Gedächtnis?

Nein, ich erachte Vergessen oft als Segen. Was dann wieder in die Erinnerung zurück kommt oder da geblieben ist, ist es wert, bedacht zu werden.

  1. Wie heisst der Politiker, dessen Tod durch Krankheit, Verkehrsunfall usw. Sie mit Hoffnung erfüllen könnte? Oder halten Sie keinen für unersetzbar?

Es gibt verschiedene Politiker, die ich lieber nicht mehr im Amt sehen würde, aber: Ich wünsche keinem den Tod, trotz allem, und: Ich glaube nicht, dass das viel helfen würde. Oft liegen die Probleme tiefer und es hängt nicht alles nur an einer Person, sondern auch an den Umständen, die ermöglichten, dass die Person in die Position kommen konnte.

  1. Wen, der tot ist, möchten Sie wiedersehen?

Natürlich gibt es Menschen, die mir fehlen, deren Tod schmerzte. Nur: Was würde ein Wiedersehen bringen? Ich denke, wir sollten eher so leben, dass wir wissen, dass das Leben (das eigene und das des Anderen) endlich ist und zu Lebzeiten realisieren, was möglich ist.

  1. Hätten Sie lieber einer andern Nation (Kultur) angehört und welcher?

Natürlich habe ich dann und wann was auszusetzen an meinem Land, der Kultur hier, aber ich bin grundsätzlich dankbar, in der Schweiz geboren worden zu sein.

  1. Wie alt möchten Sie werden?

So alt, dass ich noch selber denken, essen und aufs Klo gehen kann.

  1. Wenn Sie Macht hätten zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen gegen den Widerspruch der Mehrheit? Ja oder Nein.

Nein

  1. Warum nicht, wenn es Ihnen richtig scheint?

Ich halte wenig von Alleingängen in Situationen, die für alle stimmen müssen am Schluss. Ich schätze das Leben in einer Demokratie und dazu gehört, dass man Entscheide diskutiert, abwägt, abstimmt. Klar kann es sein, dass so nicht immer die Entscheidungen gefällt werden, die man sich wünschen würde, doch ich erachte die Gefahr von Alleingängen als grösser als die Beschwernis, ab und an unliebsame Entscheide mittragen zu müssen.

Wo (diktatorische, despotische, idiotische) Alleingänge dominieren, führt das oft zu Chaos, Unterdrückung, Unglück, wie man in der Geschichte oft sah und heute leider in vielen Ländern noch sehen kann.

  1. Hassen Sie leichter ein Kollektiv oder eine bestimmte Person und hassen Sie lieber allein oder in einem Kollektiv?

Ich neige nicht zu Hass, denke aber, dass ein so starkes Gefühl ein individuelles Gefühl ist. Klar gibt es Aversionen in Ländern gegen Teile ihres Landes, einzelne Gruppierungen, oder auch gegen andere Länder. Ich würde die aber nicht als Hass bezeichnen, eher wohl als durch die Muttermilch und Kultur aufgesogene Stimmungen und Haltungen.

  1. Wenn Sie sich beiläufig vorstellen, Sie wären nicht geboren worden: beunruhigt Sie diese Vorstellung?

Nein

  1. Wenn Sie an Verstorbene denken: wünschen Sie, dass der Verstorbene zu Ihnen spricht, oder möchten Sie lieber dem Verstorbenen noch etwas sagen?

Ich hoffe und glaube, dass der Tod das Ende ist. Da spricht keiner mehr, weder ich noch andere. Irgendwann muss auch mal Ruhe sein.

  1. Gesetzt den Fall, Sie haben nie einen Menschen umgebracht: wie erklären Sie es sich, dass es dazu nie gekommen ist?

Einerseits eine zu hohe Hemmschwelle, es bewusst zu tun, andererseits das Glück, nie durch einen Unfall in die Situation gekommen zu sein.

  1. Was fehlt Ihnen zum Glück?

Das Talent dazu.

  1. Wofür sind Sie dankbar?

Dass ich bin in einem guten und sicheren Land geboren bin, dass ich einen Weg gehen konnte, wie er mir lag, und ich die Möglichkeit habe, mich mit Dingen zu beschäftigen, die mir wichtig sind. Ich bin dankbar, dass ich mich mit und durch das Schreiben täglich neu entdecken und weiter entwickeln kann, dass ich Menschen erreiche mit dem, was ich tue, und ab und an anderen eine Freude bereiten kann damit.

  1. Möchten Sie lieber gestorben sein oder noch eine Zeit leben als ein gesundes Tier? Und als welches?

Ich wäre gerne mein Hund Caruso. Wenn ich ihn so ansehe, wirkt er glücklich – und dafür bin ich dankbar.

Vielleicht regen euch die Fragen ja auch an? Wenn ihr mitmachen wollt, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir den Link zu eurem Beitrag in den Kommentar schreibt und/oder diesen Beitrag hier bei euch verlinkt. #FrischsFragebogen

Zum Autor
Max Frisch
Max Frisch (1911-1991), einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, konnte nicht nur mit dem Wort etwas erschaffen: Er arbeitete auch erfolgreich als Architekt. Über journalistische Arbeiten und erste literarische Versuche fand er schließlich seinen eigenen Stil als Autor. In seinen Essays, Erzählungen, Hörspielen, Dramen und Romanen war er nicht nur ein großer Literat, sondern auch ein streitbarer Humanist. Sein kritischer Geist rieb sich an seiner Schweizer Heimat ebenso wie an Demagogen in aller Welt – um doch anlässlich seines 75. Geburtstags ernüchtert festzustellen: „Am Ende der Aufklärung steht das goldene Kalb.“ Bekannt wurde er u. a. mit den Romanen „Stiller“, „Homo Faber“ und „Sein Name sei Gantenbein“ sowie Theaterstücken wie „Andorra“ und „Triptychon“.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 96 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag (24. August 1998)
ISBN: 978-3518394526
Preis: EUR 6 / CHF 9.90

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