70648206-00-00Pierre-Joseph Redouté kam schon in jungen Jahren mit der Botanik in Berührung: Ein Mönch der Abtei S. Hubert führte ihn in dieselbe ein und hat damit wohl seine Liebe zu den Blumen geweckt. Später ging Redoute nach Amsterdam, wo er das Werk des berühmten Blumenmalers Jan van Huysum studierte, nachher nach Paris, um als Dekorateur und Bühnenmaler zu arbeiten. Er weckte mit seinem Können bald die Aufmerksamkeit und wurde fortan mit seiner Blumen-Aquarellmalerei gefördert, unter anderem von der Königin Marie Antoinette und später von der Kaiserin Joséphine.

Der vorliegende Bildband präsentiert über 2000 seiner detailgetreuen und anmutigen Zeichnungen. Ergänzend liefert Professor H. Walter Lack, Experte für die Geschichte der Botanik, einen erläuternden Text, welcher in drei Sprachen publiziert ist.

70648206-63-00Das Buch ist mit seinen 608 Seiten, um die 4,5 kg und den Massen 26,7 x 5,7 x 36,2 cm
imposant, es besticht durch eine hochwertige Verarbeitung, klare Farben, ein schönes Layout. Ein wunderbares Buch, um in die filigrane Welt der Blumen und Blüten einzutauchen. Es gewährt einen Einblick in die Schönheit der Blumenpracht der vergangenen Pariser Gärten sowie in das herausragende Können des Künstlers Pierre-Joseph Redouté.

Fazit
Ein wunderbares Buch für Blumenliebhaber und Bewunderer herausragender Zeichenkunst. Absolute Empfehlung.

Angaben zum Buch:
Hardcover: 608
Verlag: Taschen Verlag (24. Februar 2018)
ISBN: 978-3836568937
Preis: EUR 50 / CHF 96.60

Erhältlich in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

IMG_8705Familie M. wohnte in einem Wohnblock am Rande der Stadt. Vor ihrem Haus war ein kleiner Hang mit einer wunderbaren, wilden Wiese, in welche Familie M. eigenhändig Mohn gesät hatte. Schon bald schauten die wunderschönen roten Blumen aus dem Grün der Wiese heraus – ein Meer mit roten Inseln. Wer immer vorbeilief, blieb stehen, freute sich, machte ein Bild und schickte es in die Welt hinaus.

Eines Tages stand auf dem Tagesplan des Hauswarts, dass sätmliche Wiesen gemäht werden müssen. Und: Was auf dem Plan stand, wurde ordungsgemäss durchgeführt. Der gute Mann packte also seinen Rasenmäher und tat, was man mit dem Ding eben tut: Er
mähte. Hatte sein Vorgänger vor kurzem um das Blumenmeer rumgemäht, zumal es sowieso an einem sonst nicht nutzbaren Hang neben dem Gehweg lag, machte dieser kurzen Prozess. Er metzelte sprichwörtlich alles nieder. Wo vorher noch einIMG_8704e Augenfreude herrschte, war nun ein Totenbett. Mit groben Zügen rechte der fleissige Mann das Grünzeug runter, sammelte es ein. Zurück blieb ein unansehlicher braun-grüner Hang.

Zufrieden wischte der Hauswart die Hände an den Hosen ab: Nun hatte alles seine Ordnung, ein Punkt weniger auf der Liste.

 

Innerer Monolog eines Mannes, der einer verflossenen Liebe gedenkt. Er denkt an ihre letzte Begegnung, denkt an den Abschied, an die Gefühle, die schon lange schweigen. Er erfährt von ihrem Tod, der ihm nichts bedeutet. Er fühlt sich gefühllos, hart. Alles ist kalt, alles ist tot, bis er Blumen erhält. Wie jeden Monat an einem bestimmten Tag, ihrem gemeinsamen Tag. Diesen Blumen gegenüber empfindet er all die Gefühle, welche er vorher nicht zulassen konnte. Er steht in ihrem Bann, sieht sie langsam verwelken, kann sich nicht trennen. Und er merkt, dass er alles beherrschen konnte und kann in seinem Leben, nur die eigene Erinnerung nicht. Und diese Erinnerung haftet an den Blumen.

Gespenster! – Sie sind, sie sind! – Tote Dinge spielen das Leben. Und wenn welkende Blumen nach Moder riechen, so ist das nur Erinnerung an die Zeit, wo sie blühten, dufteten. Und Gestorbene kommen wieder, solange wir sie nicht vergessen. 

Eine Geschichte über die Macht der Gedanken. Arthur Schnitzler, im Denken Freud und seiner Psychologie verwandt, zeigt auf, wie das Unbewusste sich an Dinge klammert, die man im Bewusstsein unterdrückt. Erst wenn man sie durchlebt, sie verarbeitet, kann man sich von ihnen befreien. Die Blumen in dieser Geschichte dienen als äusserer Anstoss für diese Arbeit an der Vergangenheit und an den eigenen Gefühlen. Oft ist es einfacher, die inneren Konflikte im Aussen zu sehen und zu lösen. Sinnbildlich für das Innen. Das Innen wird dem Aussen folgen.

Fazit: 

Eine grossartige Charakterstudie eines tiefgründigen Schriftstellers.

(Arthur Schnitzler: Blumen, in: Arthur Schnitzler: Fräulein Else, Fischer Taschenbuch Verlag, 17. Auflage, Frankfurt am Main 2000.)