Die Pfauen der Grossstadt

Ein Bahnhof in Zürich. Heimreisependler stehen sich die Füsse platt. Es ist heiss, alle schwitzen, alle sind müde. Alle drehen in ihrem Universum. Sie lesen Gratiszeitungen, tippen auf dem Handy, hören Musik. Und mitten drin liegt ein Mann. Einfach so am Boden. Der Kopf ist hochrot, Schweissperlen auf der Stirn. Aber das sehen die anderen nicht. Ihr Blick ist gebannt. Und wenn sie es sehen, dann nur aus den Augenwinkeln, genauer hinzuschauen, erlaubt sich keiner, denn: Würde man sehen, dass er was gesehen hätte, müsste er helfen. Und das scheint keiner zu wollen.

Ein Mann steht auf dem Perron. Auf einem anderen. Er sieht den Liegenden und all die Menschen in ihren eigenen Universen. Er läuft unter den Gleisen durch, kommt zum liegenden Mann. Noch immer liegt er alleine da. Noch immer kümmert sich niemand. Noch immer schaut keiner hin. Schauen alle bemüht weg.

Der Helfer kühlt mit dem vorhandenen Wasser das Gesicht des Liegenden, lagert ihn entsprechend, dann kommt endlich die Bahnpolizei, kurz darauf dann auch der alarmierte Notarzt.

Nun schauen alle hin. Sie verändern sogar die Position, um besser sehen zu können. Schliesslich hat man dann später was zu erzählen. Man war dabei, man war Zeuge. Man wird spannend und kann sich mit einer Situation brüsten. Beim gepflegten Weisswein in der angesagten Gartenbeiz.

So funktioniert das Leben in der heutigen Zeit: Ein Dummer findet sich immer, der rennt, der Rest knüpft sich die Federn ans Hemd.

Für all die, welche keine Federn wollen, sondern als Dumme rennen (ist auch gut für die eigene Fitness):

Sonnenstich: Erste-Hilfe auf einen Blick

  • Wenn der Betroffene noch beweglich ist: an einen kühlen, schattigen Ort bringen
  • Mit leicht erhöhtem Kopf und Oberkörper lagern
  • kalte Umschläge auf Kopf, und Nacken – notfalls auch sachte Wasser an die Stellen giessen
  • Nicht allein lassen und beruhigen
  • Wenn kein Brechreiz besteht, langsam Flüssigkeit zuführen

Musik und das Leben

Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.

Der Ausspruch stammt von Nietzsche. Nun kann man sagen, das sei bloss ein irrer Philosoph gewesen, der am Schluss seinem Wahnsinn erlegen ist. Nur: Ich denke, er hat ganz viel ganz klar gesehen. Wohl zu klar. Mitunter kann man auch an der klaren Sicht, die anderen vernebelt ist, verzweifelt. Viele kennen das aus Situationen, wenn sie sich im Streit unverstanden fühlen. Statt Nietzsche einen Irren zu schimpfen können sie im nächsten Streit sagen:

Schon Nietzsche wusste von meinem Leiden.

Aber von vorne:

Ich liebte – man glaubte es kaum, wüsste man, dass ich um eine absolut unmusikalische Mutter aufgewachsen bin – Musik schon immer. (Nun gut, die besagte Mutter las auch kein Buch lief aber unermüdlich mit mir zur Bibliothek und hat mich so mit der wohl prägendsten Sache infiziert: Literatur) Ich war die, welche irgendwo irgendwas aufschnappte und das haben wollte. Sie beauftragte den Papa und der zog los. Durch alle Geschäfte der (nicht gar so grossen, aber immerhin damals auf siebter Stelle im helvetischen System rangierenden) Stadt. Auskunft war immer: Das hört hier noch keiner, oder: das hört hier keiner mehr. Ich war immer ausserhalb von Zeit und Raum.

Ich könnte nun noch anfügen, wie mein Papa die unmusikalische Mutter damals erobert hatte: Er zog von Diskothek zu Diskothek und sang denen ein Lied vor, das seiner Angebeteten ach so gefiel, um diese dann mit der Platte zu überraschen. Ob er gut sang, sei dahin gestellt, nur: Welche Frau würde sich so einen Einsatz nicht wünschen? Er hatte es gefunden. Ich füge das nun nicht an, es würde zu weit führen, wenn es auch erklären könnte, wieso ich exakt ihn engagierte, meine Musikwünsche heimzubringen (die eigene Bequemlichkeit kehre ich mal ganz unter den Teppich).

Langer Rede kurzer Sinn: Irgendwann war das besagte Album bei mir zu Hause. Zuerst auf Vinyl, dann auf CD. Meist gefiel das eine Lied, weswegen man das Album haben wollte, der Rest war so „na ja“. Klar gab es Sampler, die beherbergten dann viele tolle Lieder. Nur: Die waren nie alle dem Geschmack entsprechend. Also auch mehrheitlich „na ja“. Weil man die Künstleralben schon mal hatte, hörte man sie auch. Wir hatten nicht so viel, es ist lange her. Und irgendwann erschloss sich meist auch der Sinn in den weniger eingängigen Stücken. Und nicht selten war plötzlich ein ganz anderes Lied Liebling auf einem Album, welches wir nur wegen eines Liedes gekauft hatten.

Zwischendurch hörte man Radio. Daher hatte man ja all die Lieder, die es nicht oder nicht mehr gab – ab und an auch von obskuren Bekanntschaften oder aus Diskos, Filmen oder mehr…. Das ist heute obsolet. Wir haben Spotify. Da kann man suchen, was man will und findet es. Man dreht musikalisch im immer gleichen Universum. Am Anfang nur ansatzweise, weil man reinträgt, was man irgendwo hörte. Bald schon schlägt einem Spotify vor, was einem gefallen könnte. Spotify packt das gar in einen Mix der Woche. Da klingen dann alle Lieder so wie das, was man oft hörte. Und klar gefällt es, man hätte das andere sonst nicht gehört. Wenn man ein wenig Musikvergangenheit hat, kennt man auch alles Vorgeschlagene. Und man hat nie mehr das Bedürfnis, weiter zu suchen, denn: Man kriegt geliefert, was gefällt. Was will man mehr? Man dreht im eigenen Universum, man muss nie mehr raus. Man muss nicht suchen, nicht Neues entdecken. Da ist ein Dienst, der einem sagt, was zu einem passt.

So funktioniert wohl bald das ganze Leben. Nicht nur in der Musik.

Hermann Hesse: Der Steppenwolf – ein Abgesang

Ein Sonderling, gebildet, das Bürgertum verachtend, nicht davon loskommend. Er ist ach so leidend und analysiert sein Sein und sein Leiden am Sein. Über Seiten. Und er dreht im Kreis. Immer wieder definiert er sich. Als Wolf. Und er definiert seine Abneigung gegen das Bürgertum und konstatiert seine Anhänglichkeit an dasselbe. Und dann verzweifelt er wieder. Und hadert mit dem Sein, liebäugelt mit dem Nicht-mehr-Sein, vor dem er sich aber doch fürchtet und plötzlich wieder dem Sein anhängt.

Anfangs fand ich ein paar Stellen, die ich grossartig fand. Dann wurden es weniger. Dann noch weniger. Dann war es bemühend. Dann ödete es mich an. Dann kämpfte ich, weil es ja ein Klassiker ist. Und dann gab ich auf.

So viel Pseudo-Psychologie. So viel Innensicht, die im Kreise dreht. So viele Klischees, die wie ein Steak in der Pfanne gedreht und gewendet werden.

Ich bekenne mich schuldig: Ich kann Hesses Prosa kaum lesen. Ich liebe seine Gedichte, seine Romane sind für mich schlicht psychologisierendes, klischeehaftes, zu Offensichtliches als tiefgründige Erkenntnisse erzählendes Schreiben.

Und ja, nun frage ich mich natürlich: Was ist falsch mit mir? Ich erinnere mich an meine Anfänge im Germanistik-Studium. Ich war jung und traf den einen oder anderen Mann. Man diskutierte und immer kriegte ich erst zu hören:

Ich lese nicht gerne.

Knapp gefolgt von:

Aber Hesse, den las ich gerne.

Ich habe Hesse gemieden, da alle, die nicht gerne lesen, ihn mochten. Das war kindisch. Aber ich war jung. Ich lernte seine Gedichte kennen, ich liebte (und liebe noch immer) sie. Ich las das eine oder andere Werk von ihm, die kurzen gingen grad noch, die langen waren tödlich. Und nun wollte ich einen neuen Anlauf starten. Am Anfang war ich begeistert, es liess schnell nach.

Darf man das sagen? Er ist ja… einer der Grossen. Muss man den mögen? Was ich grosse Literatur? Ich bleibe dabei – für mich: Er ist ein grossartiger Lyriker, in der Kürze trifft er Gefühle, Erfahrungen, Erkenntnisse. Auf den Punkt. Aber in der langen Form schweift er aus. Er packt die selben kurzen Erkenntnisse in Schleifen, Packpapier, Tüll und verziert mit Blumen. Oder er dreht im Kreis. Immer und immer wieder. Und ich würde gerne schreien:

Ich habe es begriffen!!!!

Aber er kann mich nicht mehr hören, es bleibt nur noch:

Buch zu. Ende. Aus.

Menschen, die wissen, was geht

Auf Facebook treffe ich sie immer wieder: Menschen, die wissen, was geht und was nicht. Sie definieren Kleidung, Musik und Bücher und stellen es so rein:

Leute, DAS geht gar nicht

Widerworte werden nicht geduldet. Jedes Aber wird abgeschmettert, wagt man ein nächstes, fällt man schon in die Ecke der Total-Ignoranten. Argumentieren geht gar nicht. Nicht, weil man sich über Geschmack nicht streitet, sondern: Sie haben recht. Alles Weitere ist obsolet. Und sie stehen da und glauben dran. So total.

Es gibt dann immer bewundernde Stimmen: Wow, du hast so recht. Wow, du bist so toll. Und der/die so ursprünglich Schreibende suhlt sich im Lobespfuhl und schiesst weiter auf seinem absolutistischen Pfad.

Ich finde es erschreckend. Zumal sich oft die wirklichen Argumente für oder gegen solche Absolutismen widersprechen. Sie kämpfen mit Mitteln gegen Männer, die sie bei Frauen nie gelten liessen, greifen aber Männer an, die bei Frauen genau diese Kriterien anwenden. Sie reden gegen Absolutismen, wenden sie selber an. Sie sind für freie Meinung, lassen sie nicht gelten.

Oft sind halt ganz viele Prinzipien nur Argumente, wenn diese für die eigenen Meinungen eingesetzt werden können. Und nein, ich mag das nicht. Ich habe meine Meinung, aber ich diskutiere diese, ich setze sie nie absolut. Denn:

Die Wahrheit zeigt sich immer nur im Diskurs. Im eigenen Universum dreht man im Kreis.

Menschlichkeit im Alltag

Der Sommer ist da und die Sonne brennt, die Temperaturen bewegen sich gegen 30 Grad und der Schweiss rinnt. Es liegt wohl allen etwas auf der Zunge:

Es ist heiss!

Ich erinnere mich gut an letzten Sommer. Die Temperaturen waren ebenso hoch und es schallte vom Nachbarsbalkon durchs ganze Quartier:

„Hans, es ist heiss!“

Manchmal doppelte die Nachbarin noch nach:

„Hans, eine Hitze ist das, unglaublich.“

Wir wussten dann, dass es heiss ist und wir wussten: Den beiden geht es gut. Das war nicht immer so. An diese Rufe gewohnt, blieben sie im Jahr davor plötzlich aus. Auch sah man die Nachbarin nie mehr auf dem Balkon. Dachten wir kurz noch an Urlaub, machten wir uns bald Sorgen. Da besagte Nachbarin aber im Haus nebenan wohnte, hatten wir keine Ahnung, wie sie heisst und wo wir klingeln müssten oder sonst etwas erfahren könnten. Täglich blickten wir zum Balkon hoch, versuchten, Veränderungen festzustellen und beratschlagten, ob man nicht doch jemanden fragen könnte. Alle, die wir ansprachen, wussten nichts. Irgendwann klang es wieder vom Balkon:

„Hans, alle meine Geranien sind kaputt.“

Es tat uns leid um die Blumen und das offensichtliche Leid der Frau, aber wir waren so froh, ihre Stimme zu hören. Von da an freuten wir uns immer über die Rufe, die im Winter lauteten:

„Hans, es ist kalt!“

oder

„Hans, hier liegt so viel Schnee, unglaublich!“

und im Sommer in Hitzerufe übergingen (oder den Regen bemerkten oder die Blumen lobten).

Diesen Sommer rief sie nicht mehr. Schon im Frühling war es still gewesen, aber sie war noch da, wir sahen sie immer. Irgendwann hörte ich, wie sie einem Nachbarn erzählte, dass ihr Mann im Pflegeheim sei. Er muss schon lange Krebs haben, bislang hatte die Spitex geholfen, nun ging das nicht mehr. Die Frau klagte von einsamen Abenden. Und nun gab es keinen Hans mehr, dem sie ihre Beobachtungen mitteilen konnte.

In der Erinnerung höre ich sie immer noch:

„Hans, es ist heiss!“

Und ich vermisse es. Diese Rufe hatten etwas Vertrautes, sie gaben ein Gefühl von Zuhause und von Nachbarschaft. Ich weiss, dass die Frau immer unseren Hund beobachtet und ihn mag. Einmal dankte sie mir für meine Weihnachtsbeleuchtung, die ihr jeden Abend Freude bereitete. Es ist eine Verbindung, die wohl für beide schön ist. Ich stehe nun immer mal auf den Gartensitzplatz und rede mit ihr von mir unten zu ihr hoch. Und ich höre, wie andere Nachbarn das auch tun. Das finde ich wunderschön. Ein Stück Menschlichkeit im Alltag der Grossstadt.

50 Fragen an mich

Auf dem Blog Buchstabengewölk

stiess ich auf 50 Fragen, die ursprünglich auf dem Blog Piksyn

gestellt worden waren.

Da mir die Fragen gefallen, mache ich mich auch mal ans Beantworten – vielleicht gefallen sie euch ja auch und ihr macht mit?

1. Zweifelst Du manchmal daran, ob es ein Wort wirklich gibt, z. B. Sprenkel?

Ich zweifle an vielem, so auch an Worten. Wobei: Wenn das Wort dahin passt, wo ich es hinpacke, dann existiert es zumindest für den Augenblick und in dem Kontext. Ich finde das gut so.

2. Was liest Du morgens als Erstes?

Die Zeit auf dem Handy. Und wenn ich das schon in der Hand habe, schaue ich schnell bei Instagram rein. Und dann lese ich ein Gedicht – und stelle es auf Instagram, damit andere auch mitlesen können. Ich finde, den Tag mit einem Gedicht zu starten, gibt dem Tag einen guten Anfang.

3. Träumst Du horizontal oder vertikal?

Im Kreis und um die Ecke, rauf und runter, kreuz und quer.

4. Welches Lied macht für Dich die Welt groß?

Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum (Nietzsche) – Es gibt nicht das EINE Lied, es gibt Lieder für alle Lebenslagen.

5. Wen schaust Du gerne an?

Meinen Hund

6. Wer sagt, dass Du etwas machen musst?

Ich bilde mir manchmal ein, ich sei es, aber es sind die vielen kleinen Stimmen in mir, die von ganz unterschiedlichen Seiten gespeist werden: Verantwortung, Rücksicht, Pflicht, Ambitionen, Wunschvorstellungen, etc.

7. Welches war die erste Farbe, die Du gesehen hast?

Ich weiss ab und an nicht mal mehr, was ich am Vortag gegessen habe, da ist es eher illusorisch, etwas von vor 44 Jahren noch wissen zu wollen. Die Frage ist wohl nun sehr pragmatisch und wenig kreativ, aber so bin ich ab und an.

8. See oder Meer?

See – mangels Meer glücksbringender

9. Norden oder Süden?

Alles relativ

10. Wenn Du aussteigen würdest, was wäre das Letzte, was Du in Deinem jetzigen Leben tun würdest?

Die Tür hinter mir zuziehen

11. Wenn Du wählen könntest: hättest Du lieber Synästhesie und durchschnittliche Intelligenz oder einen IQ von 160?

Nur 160?

12. Lässt Du andere Menschen von Deinem Brötchen abbeißen? Und wenn es ein Döner ist?

Nein. Und nein. Und auch wenn es sonst was wäre: Nein. Ich würde aber das ganze Brötchen abgeben. Und auch sonst alles.

13. Welches war der erste Kosename, den Du bekommen hast?

Fröschli

14. Findest Du das Floskelgerüst nach Terroranschlägen beruhigend oder macht es Dich verrückt?

Weder noch, ich finde es schlicht bemühend und unnötig. Ich mag aber generell keine Floskeln und sähe ein wenig mehr Substanz – und daneben mehr Ruhe – lieber

15. Weinst Du oft?

Wenn mir danach ist

16. Fenster auf? Fenster zu?

auf – es könnte ja eine Tür zugehen

17. Magst Du mich?

Kommt drauf an, wer fragt

18. Hast Du schon mal aus Liebeskummer einen Rieseneisbecher im Bett gegessen, weil Du in einer Sitcom gesehen hast, dass man das tut, wenn man Liebeskummer hat?

Nein

19. Setzt Du Dich mit Straßenklamotten auf das Bett?

Ja

20. Was ist Dein Lieblingswort?

Caruso – weil mit Freude und Liebe verbunden

21. Wann hast Du das letzte Mal jemanden kennengelernt, mit dem oder der Du befreundet sein willst?

Letzten Donnerstag

22. Kaffee? Tee?

Beides

23. Liebst Du Dein Leben?

Es ist das einzige, das ich habe

24. Was hast Du später gelernt als andere?

Mich selber zu mögen

25. Hast Du eine persönliche Hymne?

Früher war es „I will survive“ – passt immer noch irgendwie

26. Bist Du der, der die Witze macht oder der, der den Kuchen backt?

Ich höre den anderen beim Kuchenessen beim Witze Erzählen zu.

27. Oder beides?

Ab und an auch das

28. Ist Musik für Dich die Zeitmaschine oder Duft?

Zeitmaschine

29. Wie viele Liter Wasser trinkst Du am Tag?

Ich rechne nicht

30. Was ist Deine Verlegenheitsgeste?

Nase rümpfen

31. Wie oft denkst Du, ab sofort lebe ich vegetarisch?

Habe ich schon einige Male gemacht und dann auch getan für eine Zeit

32. Stellst Du manchmal Fragen, die Du hinterher bereust?

Ja

33. Hast Du schon mal „nein“ gesagt, obwohl Du „ja“ meintest?

Ja

34. Wie oft lügst Du am Tag?

Ich versuche, so ehrlich wie möglich zu sein, ohne Menschen grundlos zu verletzen, aber…

35. Sehnst Du Dich nach dem Ende dieses Fragebogens?

Langsam sind es viele Fragen…

36. Wieviel Geld brauchst Du zum Glücklichsein?

Soviel, dass es für ein angenehmes Leben reicht

37. Hast Du manchmal einen Kloß im Hals, wenn Du Fernsehwerbung siehst?

Nein

38. Wenn Du die Zeit zurückdrehen könntest: wohin?

Nirgends – denn dann käme ja all das, was vielleicht nicht gut war und weswegen man die Zeit zurückdrehen wollte, nochmals – so hat man es hinter sich.

39. Schläfst Du mit offenem oder geschlossenem Fenster?

Offen

40. Belehrst Du andere über Rechtschreibung?

Wenn sie mich fragen

41. Hörst Du Farben?

Nein

42. Was würdest Du gerne erfinden?

Eine Gedanken-ausschalt-Maschine

43. Wie oft fehlen Dir die Worte, um jemandem etwas zu sagen?

Selten

44. Wer wärst Du gerne für einen Tag?

Ich – mich kenne ich schon einigermassen

45. Wer für ein Jahr?

Ich – mich kenne ich schon einigermassen

46. Denkst Du, man muss zu allem eine Meinung haben?

Nein

47. Wie oft kaufst Du Dir Blumen?

Selten

48. Warst Du schon einmal in New York?

„Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawai, lief nie durch San Francisco in zerrissenen Jeans….“

49. Was ist spannender: die Reise nach New York oder die Reise zu sich selbst?

Eine Reise zu mir selber auf einem Trip nach New York?

50. Oder beides?

Siehe oben

Kunst und Social Media

Kunst ist schwierig. Sie ist schwer fassbar, meist nicht genehm, wenn sie bestehen will, Landläufigem verquer, da dieses zu bequem scheint. In Zeiten des Social Media hat das Ganze noch an Dimensionen gewonnen. Nun erlebt man (selbsternannte) Künstler, die das potentielle Publikum fragen, ob dieses das, was sie zu schaffen gedenken, gut finden, sehen wollen, bejubeln wollen (denn: kritische Gedanken will man nicht hören!).

Die Frage ist eher rhetorisch. Wenn man fragt, ob jemand was sehen will, hat man was, das man dringend zeigen will. Man traut sich vielleicht nicht so aus sich heraus, es könnte ja vermessen wirken, drum fragt man an und: Kriegt man nur ein (einziges) Ja, kann man mögliche kritische Stimmen dem in die Schuhe schieben. Sollte jemand kritisieren, kann man anmerken: Ich war noch nicht fertig, aber DER wollte sehen.

Pendelte Kunst früher zwischen Können und Kommerz, kommen heute noch die sozialen Medien und das damit zusammenhängende Marketing dazu. Da findet man dann Künstler, die fragen:

Publikum, was hättet ihr denn gerne?

Der Künstler möchte ja gesehen und gekauft werden, ergo muss er ja gefallen. Nur: Schon Hannah Arendt sagte:

Wenn ich schreibe, bin ich an Wirkung nicht interessiert.

Ich behaupte mal ganz keck: Wer auf Wirkung zielt, ist kein Künstler, sondern Werbefachmann. Das ist nicht per se schlecht, es ist schlicht was komplett anderes. Ganz viel, das heute als Kunst produziert wird, wäre besser als Werbung deklariert. Es soll Gefallen geliefert werden, drum orientiert man sich an den Kundenbedürfnissen. Kunst jedoch will einen Inhalt portieren, will etwas aussagen, wecken, auslösen. Da kann man nicht vorher fragen:

Wie hättet ihr es denn gern?

Und genau da tut sich auch die Schere auf zwischen U und E. Das eine will unterhalten, gefallen. Das ist nicht per se schlecht, es ist wunderbar, wenn Menschen für eine Zeit Freude haben. Wer das auslösen kann, hat ganz viel geschafft. Anderes hat vielleicht einen anderen Anspruch. Es zielt nicht so sehr darauf ab, was kurz gefühlt wird beim Genuss, sondern darauf, was gesagt werden will/muss – um dann etwas auszulösen. Längerfristig.

Damit ist nicht das eine besser (grundsätzlich) als das andere, es sind nur zwei verschiedene Dinge. Und sollte ein U-Könner beklagen, vom E-Könner unterschieden zu werden, könnte man ihm sagen:

Aus einem Apfel wird nie ne Birne.

Und das muss auch nicht sein!

Von Poststellen und Goethe

Die Post streicht Stellen – personal wie lokal. Der Aufschrei ist gross. Nur mal Hand aufs Herz: Wie oft nutzen die, welche schreien, die Dienste selber?

Ich schreibe. Briefe. Von Hand. Ich bringe Pakete zur Post und hebe da mein Geld ab. Ich mag den Austausch am Schalter, sowie ich meine Postbotin mag, die immer aufgestellt, laut, fröhlich ins Haus kommt, mich mit Namen kennt, selbst wenn ich im Garten sitze – und nein, ich wohne in einer (für die Schweiz) Grossstadt.

Ich gehe zur Post, weil ich weiss, was diese für Menschen ist. Ältere kennen nur den Schalter, Einsame haben da ihren Austausch. Angestellte ihr Auskommen. Und jeder Besuch ist ein Austausch. Man könnte vieles mit Mausklicken erledigen. Und dann? War bequem, aber: Blosses Geschäft. Das Menschliche ging.

Wer also über den Abbau motzt, sollte sich fragen: Was habe ich für den Erhalt getan? Und ja, ein „aber, ich….“ ist schnell bei der Hand. Man ist ja so eingespannt, so beschäftigt, man kann ja nicht, man will ja nur.“ – Nur: Das Leben funktioniert nie nur danach, was man gerne hätte. Wenn man was will, muss man was tun.

Und so trage ich weiter brav meine Pakete und Briefe zur Annahmestelle, hebe da mein Geld ab, plaudere mit der Angestellten und gehe um einen Austausch reicher wieder heim. Frei nach Goethe:

Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.

Und ja, es wäre bequemer, alles hier abholen zu lassen, Dinge per Mail zu schicken und mit Karte zu zahlen. Nur ist der Weg des geringsten Widerstandes selten der beste.

Ich trage, was ich will

Heute las ich irgendwo einen Artikel einer Frau, die sich selbstbewusst gab und fand, Frau (Mann wohl auch, irgendwie war das kein Thema) könne alles tragen, egal wie alt sie ist und welche Konfektionsgrösse sie trage.

Natürlich darf sich jeder kleiden, wie er will. Sogar bis zur absoluten Blamage. Wenn er sich wohl fühlt? Oft hat das „Ich trage, was ich will“ einfach was extrem Trotziges und Trotz ist irgendwie ein wenig Pubertär.

Nicht jedes Kleidungsstück schmeichelt jedem. Manches möchte man schlicht nicht sehen, manches liefert den Tragenden nur dem Spott der anderen aus. Wenn jemand etwas unbedingt tragen will: Fein, soll er machen. Wenn er aber insgeheim leidet, sollte er auf gute Freunde vertrauen können, die ihm sagen, was passend (zu ihm, nicht zu irgendwelchen Werten), was eher blossstellend ist. Das hat wenig mit „hirnrissigen Regeln“ zu tun, sondern mehr mit gesundem Menschenverstand. Wenn ich als 154 cm grosse eher runde Frau einen weiten Wallemantel trage, wirke ich schlicht wie eine Kugel. Wenn ich mich als 190 cm grosse dünne Frau auf 15 cm High Heels stelle, dazu alles kurz und knapp bemesse, wirke ich wie eine Bohnenstange, die drauf wartet, dass die Bohnen gepflanzt werden.

Ich weiss auch nicht, ob ich Orangenhaut am Po einer wie auch immer gealterten Frau sehen möchte, die ihren Rock noch über dem Slip enden lässt. Ebenso finde ich den Bierwanst des Mannes nicht wirklich attraktiv, wenn er ihn unterm zu kurzen und taillierten Lacost-Leibchen rausblitzen lässt. Nur: Interessanterweise war der Herr gar kein Thema in dem Artikel. Man schrieb nur für (eigentlich mehr und gegen) die Frau. Und die soll können. Und dürfen. So alles. Weil sie es kann. Und darf. Sie ist ja frei. Und jeder, der einschränkt, ist hirnrissig. Wie ist das denn mit den weissen Socken in Sandalen der Herren? Den Bierbäuchen, die raushängen? Wie ist es mit Unterhemden oder gar nackten Oberkörpern bei Nicht-Adonissen? Dann müssten die alle auch können. Können sie?

Keiner kann alles tragen. An Flachbusigen-Unrundigen sehen dekoltierte und enganliegende Kleider schlicht schrecklich aus. Ebenso ist bauchfrau bei Grösse 54 nicht wirklich schön (bei der Bohnenstange übrigens nicht schöner). Und dazwischen gibt es ganz viel. Schlussendlich entscheidet jeder für sich. Aber: Er muss wissen, was er aussagen will, was er ertragen kann und vor allem: Wieso er es macht. Nur aus Trotz? Das fände ich schlicht (Spät-)Pubertär. Weil es ihm gefällt? Was genau dran?

Hier der Artikel, der mich anregte: LINK

Stefanie Hiekmann: Partyfood – einfach gut

HiekmanPartyIch koche gerne und hole mir dazu auch immer wieder Inspiration aus Kochbüchern. Teileweise koche ich genau nach Rezept, oft hole ich mir einfach Ideen zu Kombinationen, Geschmäckern, die ich dann selber kreativ verarbeite. Zu diesem Zweck zog grad kürzlich dieses wunderbare Buch bei mir ein.

Egal ob das nächste Gartenfest ansteht, ein Geburtstag oder spontaner Besuch vor der Tür steht: Mit diesen Rezepten liegt man immer richtig. In diesem kleinen Büchlein finden sich 20 Rezepte für kleine Snacks, die man entweder einzeln anbieten oder aber zu einem grossen Buffet kombinieren kann. Damit man am Schluss nicht mit vielen Resten dasteht oder aber die Gäste mit knurrendem Magen wieder heimgehen, gibt Stefanie Heizmann auch gute Tipps, die richtige Menge abzuschätzen.

Auf einer Seite des Buches findet sich immer ein gekonnt in Szene gesetztes Bild, auf der anderen Seite das Rezept mit gut nachvollziehbarer Zubereitungsanleitung. Egal ob kleine Süppchen, Salate, Mini-Flammkuchen oder gesunder Knabberspass: Mit diesen Snacks wird die nächste Party ein voller Erfolg.

Fazit:
Das kleine Buch ist übersichtlich und sinnvoll aufgebaut sowie ästhetisch präsentiert. Auch ungeübte Köche und Bäcker werden damit Partyerfolge erzielen. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor
Stefanie Hiekmann ist Journalistin und Foodbloggerin. Im Mittelpunkt ihrer Rezepte stehen Saisonale Obst- und Gemüsesorten. Auf ihrem erfolgreichen Blog schmecktwohl zeigt sie kreative Rezeptideen und anspruchsvolle Foodfotografien, die Lust aufs Selberkochen machen.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 48 Seiten
Verlag: Edition Michael Fischer (11. April 2017)
Preis: EUR: 9.99 ; CHF 14.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

 

Verplant

Die,
welche die Sekretärin
Termine auf dem Golfrasen
planen lassen,
sind auch die,
welche für Bürosex
eine Gebrauchs
anweisung
brauchen.

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Für die abc.etüden, Woche 20.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Ludwig Zeidler (poesiegarage) und lauten: Golfrasen, Gebrauchsanweisung, Bürosex.

Der Ursprungspost: HIER

Das waren herausfordernde Wörter, weil so gar nicht meine Welt. Blieb nur, mich in Opposition zu stellen.