Man erreicht die Dinge nicht, weil man die Gründe aufzählt, wieso man sie haben will, sondern weil man die Wege geht, die dahin führen.
©Sandra Matteotti
Denkzeiten – Philosophie als Lebenskunst
Dr. Sandra von Siebenthal
Man erreicht die Dinge nicht, weil man die Gründe aufzählt, wieso man sie haben will, sondern weil man die Wege geht, die dahin führen.
©Sandra Matteotti
Du brauchst: eine Zeichenfeder, einen Federhalter, gute Augen
Wer möchte nicht auch gut zeichnen können und sagt sich immer wieder: Ich kann nicht zeichnen, ich lass es sein. Jean-Vincent Sénac zeigt, dass es ganz einfach ist, ein Huhn zu zeichnen:
Man zeichne ein Dreieck, darunter eine senkrechte Linie, noch eine, und dann noch ein paar Striche dran… und merkt: Da fehlt was. Neuer Versuch.
Man merkt es wohl schon: Das vorliegende Buch ist keine Zeichenschule, auch wenn Jean-Vincent Sénac durchaus zeigt, wie man ein einfaches Huhn zeichnen kann. Dabei beschreibt er, was er tut, und zeigt es anhand kleiner Illustrationen. Das Ganze macht er mit viel Witz, Charme und Ironie. Ein Buch, das einen oft schmunzeln lässt, ein Buch, das eigentlich nur aus wenigen handgeschriebenen Worten und wenigen Tintenstrichen besteht, aber ganz viel Freude beinhaltet, so dass man es immer wieder anschauen möchte – und ja, man versucht das mit dem Hühnerzeichnen, ganz bestimmt. Man wird angeregt, kreativ zu werden, neue Wege zu gehen, mit Formen zu spielen. Und dann sieht man, was auch Jean-Vincent Sénac sagt: Es ist ganz einfach, ein Huhn zu zeichnen – und vieles mehr. Und: Es macht Spass.
Da ich Hühner sehr liebe, war dieses Buch natürlich ein Muss für mich.
Fazit:
Ein wunderbares, witziges kleines Buch für Kinder und Erwachsene. Absolut empfehlenswert.
Zum Autor
Jean-Vincent Sénac ist ein in Frankreich lebender Illustrator. Er produzierte bereits Bücher, Daumenkinos und Spielzeuge und gibt Kunstworkshops für Kinder.
Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 70 Seiten
Verlag: Prestel Verlag (21. März 2016)
ISBN-Nr: 978-3791372471
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
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Der Anlass zum Zeichnen ist komplex und lässt sich in Worten nur schwer beschreiben. Oft ist es ein interessanter Moment, ein Höhepunkt beim beobachten, der festgehalten werden will. Dabei muss einem klar sein, dass dieser augenblickliche Vorgang niemals in der gleichen Form wiederkommt. Das Gesehene soll deshalb in der Zeichnung gesichert werden.
Das Festhalten eines Augenblicks ist immer subjektiv. Man entscheidet sich als Zeichner dafür, was man zeichnet und was man weglässt, sowie auch für die Art der Zeichnung. Piotr Sonnewend widmet sich in diesem Buch dem Monochromen Zeichnen. Er führt ein in die verschiedenen Papiere, die zum Zeichnen geeignet sind und wie man damit die Welt darstellen kann. Auch stellt er das geeignete Zeichenmaterial vor, indem er bei jedem aufzeigt, wie man damit arbeitet und wozu es am besten eingesetzt wird. Auch dem zeichnerischen Konzept und der Komposition widmet er sich, um aufzuzeigen, wie solche Vorüberlegungen das fertige Bild beeinflussen können.
Nach all der Technik geht Sonnewend in die Praxis und zeigt anhand von verschiedenen Motiven die jeweiligen Abläufe seines Zeichenprozesses vom weissen Blatt hin zu einem fertigen Bild. Dadurch lässt sich dieser Arbeitsprozess gut nachvollziehen und auch selber ausprobieren.
Fazit:
Ein sehr informatives Buch, das zum monochronen Zeichnen anregt und dieses auch gut anleitet. Sehr empfehlenswert!
Zum Autor
Piotr Sonnewend, 1953 in Poznan (Polen) geboren, absolvierte ein Studium in den Fachrichtungen Malerei, Grafik und Bildhauerei an der Kunstakademie Poznan und ist seit seiner Umsiedlung nach Deutschland 1981 als freischaffender Künstler, Bühnenbildner und Performer tätig. Der Preisträger in vielen Zeichen und Grafikwettbewerben hat eine Dauergastprofessur für Zeichnung, Lithographie und Bühnenbild an der Kunstakademie Posen, Danzig und Breslau sowie Lehraufträge an der Universitäts-Gesamthochschule Paderborn, an der Freien Kunstakademie Essen, Kunststudentenprojekte an der Kunstakademie Enschede/Niederlande.
Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 72 Seiten
Verlag: Edition Michael Fischer (20. Juli 2017)
ISBN-Nr.: 978-3863558185
Preis: EUR 14.99 / CHF 21.90
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Als der kleine Eisbär Lars eines Morgens die Nase aus der Winterhöhle steckt, merkt er, dass es warm ist. Sein Vater schimpft auch gleich los, er schimpft über die Wärme und über die Schiffe, die immer mehr Menschen in die Gegend bringen – ein Teufelskreis, denn die machen das Klima und damit die Heimat der Eisbären kaputt.
Lars will dem Ganzen auf den Grund gehen und zieht los. Je weiter er kommt, desto mehr sieht er von den negativen Veränderungen. Unterwegs trifft er auf einen kleinen Seehund und einen Vogel. Gemeinsam überlegen sie, wie sie diese Veränderungen durch die Menschen verhindern können. Ob es ihnen gelingen wird?
Hans de Beer hat mit dem kleinen Eisbären Lars eine Figur erfunden, die schon viele Kinderherzen erobert hat. Die vorliegende Geschichte greift ein ernstes Thema auf, schafft es aber, ohne Moralismus und erhobenen Zeigefinger auszukommen, sondern einfach zu erzählen, was ist.
Ein wunderbares Buch über das Miteinander und die Möglichkeit, gemeinsam stark zu sein und etwas zu bewirken. Die Zeichnungen sind wunderschön, die Figuren niedlich und herzerwärmend. Ein Buch, das schöne Momente und gute Gefühle mit sich bringt!
Fazit:
Ein schönes Buch mit einem liebenswerten Helden und wunderbaren Zeichnungen. Sehr empfehlenswert.
Der Autor und Illustrator
Hans de Beer
Hans de Beer, geboren 1957 in Muiden in der Nähe von Amsterdam. Nach einem kurzen Geschichtsstudium ließ sich Hans de Beer an der Kunstschule Rietveld Art Academy in Amsterdam ausbilden. Seine Examensarbeit über den kleinen Eisbären Lars bescherte de Beer 1987 weltweiten Erfolg. Seit seinem Abschluss 1984 arbeitet Hans de Beer als freier Illustrator. Er lebt mit seiner Lebenspartnerin, einer italienischen Illustratorin, in Amsterdam und in der Nähe von Florenz.
Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 32 Seiten
Verlag: NordSüd Verlag (September 2017)
Empfohlenes Alter: 4 – 6 Jahre
ISBN-Nr.: 978-3-314-10413-8
Preis: EUR 13.99 / CHF 21.90
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Vor einigen Monaten schaute alles nach USA und schimpfte lauthals. Wie konnten sie nur. Wie konnten sie nur so blöd sein, einen Menschen wie den an die Macht zu wählen. Nun war Wahl in Deutschland. Was passierte? Die AFD ergatterte 13% – so die aktuelle Hochrechnung, es könnte noch ein wenig schwanken.
Drittstärkste Partei? Echt jetzt? Während manche sich im Vorfeld übermässig über die Kanzlerin ausliessen (eine wirkliche Alternative gab es ja nicht), zog die AFD einfach vorbei…. Einmal mehr haben vielleicht pseudoplakative Scheingefechte verursacht, dass etwas Macht gewann, das niemals an selbige hätte gelangen dürfen.
Lernen wir was draus? Vermutlich nicht.
Ich bin leider nicht erstaunt, aber sehr besorgt. Wir leben keine Demokratie mehr. Die, welche gemässigt und menschenfreundlich denken, blockieren alle, die das nicht tun. Die, welche Ängste haben und ihre Pfründe schützen wollen, gehen so ungehemmt weiter. Wir lassen uns aus über kleinere oder grössere Übel, lassen dabei aber das grösste einfach mal durchmarschieren. Wir urteilen über die anderen, während wir selber genauso Mist bauen.
Wo soll es hinführen? Wir leben in einer Welt, in der sich die USA und Nordkorea Sandkastengefechte liefern, die leider nicht im Sandkasten ausgetragen werden, sondern globale Konsequenzen haben können. Wir sind soweit, dass ein Putin als Vernünftigster im Umzug erscheint. Nur schon das müsste einem zu Denken geben. Ein Machthaber, der jegliche Menschenrechte missachtet, der nicht Gleichgesinnte mit fadenscheinigen Begründungen aus dem Verkehr zieht – die Kette wäre unendlich länger – steht plötzlich da und man denkt: Wenigstens einer sieht, was passiert.
Ja, ich mache mir Sorgen. Wobei: Wenn dieser verrückte Nordkoreaner die Welt in die Luft sprengt – who cares? Alle Merkelgegner können aufatmen, sie ist nicht mehr relevant, die AFD ebensowenig, auch Trump ist Geschichte. Wir alle mit. Und wenn das doch zu radikal ist, sollte man vielleicht mal anfangen, die wirklichen Gefahren zu sehen und da anzusetzen. Merkel mag nicht optimal sein, aber die Probleme liegen tiefer. Da schwelen sie und untergraben alles, was wir mal unsere Werte nannten. Und das tut sie nun weiter. Merci, danke!
Manche wollen ganz viel, sie tun’s nur nicht.
©Sandra Matteotti
Buchstaben sind überall: auf unserer Zahnbürste, auf der Zuckerverpackung für unseren Frühstückskaffee, auf der Brötchentüte, auf dem Bus, auf der Computertastatur….
Während über lange Jahre der Computer Handschriftliches immer mehr in die Ecke gedrängt hat, erobert sich diese Stück für Stück ihren Platz zurück: Lettering, die Kunst des Buchstaben-Malens findet immer breitere Anhänger, ein Blick auf Instagram oder auch Buchcover (um nur zwei Beispiele zu nennen) macht diesen Trend offensichtlich.
Frau Hölle ist vielen ein Begriff im Internet. Angefangen hat bei ihr alles mit Sketchnotes (dem visuellen Erfassen von Informationen), also sie bei amerikanischen Instagram-Accounten die ersten Letterer sah und gleich in den Bann gezogen wurde. Und wenn Frau Hölle was sieht und will, dann setzt sie sich hin und macht es. Sie letterte, was das Zeugs hält und schon bald erklärte sie auf Instagram den anderer, wie man lettert. Um die noch mehr zu unterstützen entwarf sie den Brush-Lettering-Guide, den man erwerben kommte – das Buch war eigentlich längst fällig, auch wenn es mittlerweile von Büchern übers Lettern nur so wimmelt auf dem Markt. Wieso also sollte man sich noch eines kaufen?
Tanja Capells Buch hat ganz viel Frau Hölle drin. Sie plaudert quasi aus dem Nähkästchen, erzählt über ihre Erfolge und Misserfolge. Fast könnte man meinen, man sitze mit ihr auf dem Sofa und trinke Kaffee zu leckeren Zimtrollen. Was sie liefert, ist weit mehr als Plauderei: Zuerst erfährt man kurz und informativ etwas über einzelne Lettering-Arten und Schriftenfamilien sowie das jeweils nötige Zeichenmaterial, die Handhaltung wird angesprochen und so manches, was man im Vorfeld kennen muss, bevor man den Stift in die Hand nimmt.
Dann geht es los: Das Buch gliedert sich in 4 Teile, die unterschiedliche Letterings behandeln:
In jedem Kapitel stellt Tanja verschiedene Stifte vor und zeigt gleich, wie das Schriftbild damit aussieht. Zudem präsentiert sie Aufwärmübungen und einzelne Alphabete zum Üben sowie deren Variationsmöglichkeiten.
Wer genug geübt hat und sich mal an ein grösseres Projekt wagen will, der wird sich am letzten Kapitel freuen, wo es ganz viel Inspiration für Projekte gibt: Ob Bilderrahmen, Kaffeetassen, Ordner oder Schneidebrettchen – alles kann belettert werden.
Ein sehr schön gestaltetes, gut aufgebautes und informatives Buch. Gerade die absoluten Neulinge beim Digital Lettering werden viel lernen können – mit diesem Teil hebt sich das Buch von der Masse der vielen anderen Letteringbüchern ab. Eine schöne Zugabe sind auch die zwei Poster, welche alle Alphabete enthalten, so dass man sie gut abpausen kann und dann daran üben. Denn wie heisst es so schön:
First fake it, than make it!
Fazit:
Ein sehr schön aufgemachtes, gut nachvollziehbares, informatives und anregendes Buch zum Erlernen des Handletterings. Sehr empfehlenswert!
Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
Verlag: Edition Michael Fischer (17. August 2017)
ISBN-Nr.: 978-3863557683
Preis: EUR 19.99 / CHF 24.90
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Der Freitagfüller geht in die 12. Woche für mich. Ich bin sehr müde heute. Ich schlafe momentan schlecht, die Gedanken drehen, die Nacht ist zu Ende – zumindest was den Schlaf betrifft. Aber: So hat man mehr Zeit für all die Dinge, die man tun möchte. Und los geht es:
Die Nummer sieben kann ich eigentlich meistens einigermassen übernehmen:
Danke für die Inspiration an Barbara, die diese tolle Aktion gestartet hat. Ihr Ursprungspost: HIER
Nicht jeder, der dich was fragt, will auch deine Antwort hören.
©Sandra Matteotti
Stell dir vor, es gäbe keine Länder mehr –
dass kann so schwer nicht sein.
Es gäbe nichts dafür zu töten oder sterben
und auch Religionen gäb es nicht.Stell dir all die Menschen vor,
sie lebten in Frieden.Da kannst nun sagen, ich sei ein Träumer,
doch: Ich bin nicht der einzige.
Und eines Tages bist du mit uns
und die Welt wird eine sein.Stell dir vor, es gäbe keinen Besitz
Ich frage mich, ob du0s kannst.
Kein Grund für Neid oder Hunter,
die Menschen wären Brüder.Stell dir die Menschen vor,
sie teilten sich die Welt.Du wirst sagen, ich sei ein Träumer,
doch ich bin nicht der einzige.
Ich hoffe, eines Tages bist du mit uns
und wir leben in einer Welt, die eine ist.
Das sang John Lennon. Imagine (Übersetzung S.M.). Ein wunderbares Lied mit einer Vision. Die Vision von einer Welt, in welcher alle Menschen miteinander leben – nicht gegeneinander. Die Vision von einer Welt, in welcher die Menschen teilen, nicht einander wegnehmen. Die Vision von einer Welt, in der Friede herrscht.
Unter den Linden
Die Blätter der Bäume fallen
Die herrlichen Linden entlang,
In allen Farben und Formen
Bestreut ist der reizende Gang.Ihr Blätter und Bäume und Menschen,
Verschieden in Farbe so sehr:
Ein Windstoss weht alles zusammen,
Man merkt keinen Unterschied mehr!
Das hat Friederike Kempner (1882 – 1904) gedichtet. Im Zentrum steht der Gedanke, dass die Menschen im Kern alle gleich sind, sie sind alle Menschen. Würden wir Menschen das erkennen, wäre die Welt eine friedlichere. Dann würden die Menschen die Welt teilen und sich gegenseitig Sorge tragen – als Gleiche unter Gleichen.
Für viele stellt das Zeichnen von Menschen eine grosse Herausforderung dar. Sogar Menschen, die sonst gerne zeichnen, schrecken anfangs oft davor zurück. Eigentlich schad, denn es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, sich dem Modell Mensch anzunehmen. Das vorliegende Buch zeigt einige davon und will dazu anregen, sich inspirieren zu lassen und auszuprobieren.
Vorgestellt werden Zeichnungen und Skizzen, welche in Ateliers entstanden sind, aber auch solche, die zu Hause von der Familie oder auf der Strasse von Menschen in Cafes, an Bahnhöfen, auf Strassen angefertigt wurden. Die Bandbreite an Zeichenlokationen findet sich auch im Zeichenmaterial: Erlaubt ist, was gefällt, Bleistift, Tinte, Aquarell, Filzstifte, Farbstifte, Kugelschreiber eignen sich wie auch jede Art von Papier, Karton oder andere Untergründe.
Wer nun noch denkt, Menschen zu zeichnen sei etwas vom Schwierigsten, dem sei gesagt: Übung macht den Meister! Das vorliegende Buch zeigt, auf wie viele unterschiedliche Arten man sich der Sache annähern kann. Helen Birch stellt dazu die verschiedenen Stile vor, zeigt, wie der jeweilige Künstler an sein Modell herangetreten ist, worauf er achtete, wie er dieses aufs Papier brachte. Fast nebenbei erfährt man auch Wissenswertes über die einzelnen Zeichenutensilien. Diese Informationen finden sich aber am Ende des Buches nochmals als Grundlagen.
Wenn man einen bestimmten Bildstil finden will, bietet sich das Inhaltsverzeichnis mit allen im Buch behandelten Zeichnungen als Thumbnails an, wer nach einem bestimmten Künstler sucht, findet ihn im entsprechenden Verzeichnis. Ein zusätzliches Stichwortverzeichnis lässt nach Stilen, verwendeten Materialien und einigem mehr suchen.
Fazit:
Ein wunderbares, sehr durchdachtes Buch und informatives Buch, für alle, die gerne zeichnen und sich inspirieren lassen wollen. Auch einfach nur zum Anschauen ist es wirklich toll. Sehr empfehlenswert.
Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: Edition Michael Fischer; Auflage: 1 (16. Februar 2017)
ISBN-NR: 978-3863556464
Preis: EUR: 14.99 ; CHF 21.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH
Wenn man bei Facebook jemanden sucht, der etwas tun kann, melden sich immer die, welche es nicht können.
Ich habe kürzlich zum Thema Minimalismus geschrieben (HIER) und gesagt, dass ich das Thema sporadisch weiterverfolgen möchte. Heute habe ich mir Gedanken zu unserer Gesprächskultur gemacht.
Wenn man Gespräche genauer anschaut, merkt man oft, dass es mehr Menschen gibt in ihnen, die reden, als solche, die zuhören. Sagt einer etwas, spielen sich oft folgende Szenarien ab:
Es gäbe wohl noch viele weitere Varianten, aber ich denke, mein Punkt wurde verstanden. Statt dem anderen seinen Raum zu lassen, drängen wir uns an ihm vorbei und stellen uns in den Mittelpunkt. Wir haben etwas zu sagen (glauben wir zumindest) und wollen damit gehört werden. Zum Zuhören fehlt da die Zeit, der Wille und die Geduld. Und schlussendlich auch der Respekt.
Nun könnte man sagen: Böse Nicht-Zuhörer, arme Sprechende. Das wäre wohl zu einfach. Eine Teilschuld liegt sicher auch bei den Sprechenden selber. Wie oft sprechen wir, nur damit gesprochen ist? Wir zerreden Banalitäten, die eigentlich keiner Erwähnung wert wären, breiten das sowieso Offensichtliche in allen Breiten und Tiefen aus, obwohl es schon jeder kennt. Wieso? Weil wir es können. Weil wir da was wissen. Und das wollen wir zeigen. Und ja, wir wollen sprechen, denn: Wer nicht spricht, der wird nicht wahrgenommen und wer nicht wahrgenommen wird, der existiert in einer Weise gar nicht. Er wird übersehen, überhört, er ist inexistent.
Wie viel Platz hätten wir für wichtige Themen, wenn die ganzen Offensitlichkeiten wegfielen? Ich sage nicht, dass wir fortan nur noch bierernst durchs Leben gehen müssen und uns nur noch mit den grossen Problemen der Menschheit beschäftigen dürfen, im Gegenteil. Humor und Witz machen das Leben erst lebenswert. Gerade, wenn es schwer ist.
Aber: Das Wetter sieht jeder selber und was in den Zeitungen steht, kann jeder, den es interessiert, nachlesen. Dass es im Sommer heiss ist und bei Regen nass, liegt in der Natur der Sache. All das erzählen wir uns aber gegenseitig. Um ja nicht still zu sein. Stille scheint bedrohlich, denn man könnte in ihr merken, dass man sich nichts zu sagen hat. Nichts zu sagen hat man sich nicht, wenn man sich nichts sagt, sondern dann, wenn man die Stille nicht erträgt und sie mit Unsäglichkeiten vollstopft.
Manchmal ist weniger mehr. Auch beim Sprechen.
Ich wage es nun mal: Ich sah grad Frau Merkel unter Kindern. So menschlich, so echt. Ich mag sie. Geb ich zu. Könnte ich wählen…. Ja, ihre Partei wäre nicht meine. Aber sie als Mensch schon.
Seien wir mal ehrlich: Wenn ich zählen müsste, was über Angela Merkel geschrieben wird, zieht man mehrheitlich über ihre Handgeste her. Das Zweite sind die Haare, dann kommen die Kleider. Was macht sie konkret falsch? Ja, die Lage ist heikel. Sie ist aber nie überstürzt. Und nein, sie schweigt sich nicht aus, sie schiesst nur nicht rein. Und dann steht sie hin und gibt ihre Haltung preis. Das tut sie klar, das tut sie menschlich. Sie ist damit ihrer Partei oft nicht ganz genehm. Aber sie ist human.
Ich bin kein politischer Mensch. Und ich kann in Deutschland nicht wählen. Aber könnte ich, wäre es für mich klar. Wenn ich die leeren Worthülsen eines Herrn Schulz höre, verspricht das keine wirkliche Alternative zu sein.
Und für alle Rundumnörgler: Wie war das noch? Ein so grosses Land wie USA hat nur die zwei Figuren zur Auswahl? Die Wahl war alles andere als positiv. Ich sage nicht, dass Schulz so schlimm wäre wie Trump (schlimmer geht immer), aber so uninspiriert, so unfundiert… das geht ja wirklich echt nicht.
Ich habe das nun einmal getan, ich tue es nie mehr. Aber es kam grad so über mich.
„Ach du meine kleine Knutschkugel, ich liebe dich ja so!“
„Wieso nennst du mich eigentlich immer Knutschkugel? Bin ich so fett?“
„Nein, mein Schmetterling, du bist die Schönste im ganzen Land.“
„Also war ich früher hässlich? Ich meine, ein Schmetterling entsteht durch die Verwandlung aus einer Raupe?!?“
„Nein, mein…. ich weiss nun auch nicht mehr, was sagen, ich fühle mich hier grad wie vor dem Richter, dem ich mich verantworten müsste für ein Verbrechen, von dem ich nicht mal weiss, dass ich es begangen habe.“
„Du verstehst mal wieder gar nichts.“
„Das kannst du nun so nicht sagen! Ich habe alles immer nur gut gemeint und nun sitze ich quasi auf dem Beichtstuhl und hoffe auf Vergebung meiner nie begangenen Sünden.“
„Richter, Pfarrer, wieso nicht gleich Gott?“
„Gott ist tot! Sagte schon Nietzsche.“
„Stimmt. Wir verstehen uns ja doch!“
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Für die abc.etüden, Woche 37.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche vom Etüdenerfinder und Maler Iz (bei Twitter als @odradet https://twitter.com/odradet) und lauten: Knutschkugel, Verwandlung, Beichtstuhl.
Der Ursprungspost: HIER