Ode an die Schweiz

Es war einmal ein kleines Land, das sich seine Unabhängigkeit hart erkämpft hat – mit Manneskraft und erhobenen Fingern zum Schwur. So will es zumindest die Sage. Die guten Eidgenossen waren stolz auf ihre Eigenständigkeit, sie schrieben sich diese auf alle Fahnen und prahlten fortan damit. Neutral seien sie, meinten sie. Hielten sich raus. Aus allem. Augen zu und durch, geht uns nichts an. Zwar waren sie immer wieder fleissig, ihre Finger reinzuhalten, die Verantwortung für die Folgen wiesen sie weit von sich. Und überhaupt, eigentlich wussten sie ja von nichts, weil sie durch ihre ganze Neutralität mit Scheuklappen gesegnet waren.

Das ist bis heute so geblieben. Der Schweizer mischt sich nicht ein, er macht nicht mit, er ist verschlossen. Noch heute ist er der Kämpfer um die Unabhängigkeit, Netzwerk, Zusammenarbeit – das mag er nur so lange, wie es ihm nutzt, er alle im Netz kennt und ja kein neuer Kopf dabei ist. Fremdes mag er nicht, Fremden geht er aus dem Weg. Das Fremde kennt er zudem besser als dieses sich selber, er weiss alles darüber und hat das ganz alleine mit sich herausgefunden. Andere nennen das Vorurteil, der Schweizer nennt das unabhängige Meinung.  Schliesslich muss der Schweizer aufpassen, dass er nicht vom Fremden überrollt wird, ist die Schweiz doch so klein und das Fremde so gross und gefährlich. Drum bleibt der Schweizer da, wo er ist, verkehrt mit denen, die er kennt, isst das, was er seit Jahren isst, mag noch heute die Komiker, die vor Jahrzehnten lustig waren und hat so seine heile Welt.

Im Ausland mag man die Schweiz meistens. Schliesslich ist sie ja klein, niedlich und auch wunderschön. Berge und Seen, Felder und Wiesen, putzige kleine Städtchen, die sich für ganz gross halten. Sauber ist es hier, so rein wie die Schweizer Seele. Nichts, was nicht rein gehört, soll da sein. Alles Fremde wird schnell weggeputzt. Was für die Strassen schön sein mag, ist für die Seele einengend. Doch das merkt man in der eigenen Verschlossenheit nicht. Wer dagegen aufmuckt, ist halt ein komischer Vogel. Dem zeigt man gerne auch denselben. Und so kommen die Fremden gerne in die Schweiz, loben Käse, Uhren, Sauberkeit und Schönheit der Natur und gehen dann wieder heim. So kurz sind sie gerne gesehen, denn sie bringen dem Schweizer etwas, nur bleiben sollten sie bitte nicht. Dann nehmen sie ihm etwas und das geht gar nicht. Und die, die da sind, sollen bitte nett neutral bleiben, sich nicht einmischen, nichts wollen, schon gar keine Netze bauen oder Ideen haben. Der Schweizer bleibt gerne für sich. Neutral. Verschlossen. Im vertrauten Terrain.

2 Comments

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    • Ich hatte mich heute schon einmal gefragt, was als Asylgrund wohl taugen würde in Bezug auf die Schweiz als Fluchtland… Bei einer Scheidung könnte man wohl sagen: Unüberwindbare Gegensätzlichkeiten 🙂

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