Ich habe heute gebildet. Weiter gebildet. So stand es im Programm. Thema war: Philosophieren mit Kindern. Am Morgen waren zwei Vorträge… ich muss gestehen, ich habe sie ausgelassen. Den einen kenne ich gut -logischerweise, da ich mit dem ihn Haltenden zusammenarbeite -, den anderen erachtete ich für mich nicht als relevant, da es um ein Leben nach der Arbeit ging und ich mir nicht vorstellen kann, dass ich mit meinem Tun irgendwann aufhöre – es ist schlicht ein grosser Teil meines Ichs und muss da sein.

Ich ging zum Mittagessen hin und war geschockt. Zwar konnte ich nichts essen, aber das, was ich sah und von essenden Kreisen erfuhr, war, was ich aus jahrelanger Erfahrung an der Uni Zürich kenne: Das Essen nicht geniessbar zu nennen, wäre eine Schmeichelei…Meine Güte… da sitzen Menschen, die sich anstrengen, die studieren. Gönnt denen doch endlich mal Essen, das mehr als nur Überlebensmassnahme ist – ein wenig Genuss tut dem Denken keinen Abbruch.

Dann ging ich zum Ort meines Workshops. Klar, Philosophieren kann man überall, nur: Die Kinder sitzen in dem Raum Tag für Tag. Und wohlfühlen? Das ist da nicht möglich. Und nein, eine Gelddiskussion müssen wir nicht starten. Für wenig kann man was machen. Da waren lieblos quasi ausrangierte Tische und Stühle in liebloser Frontalsituation aufgestellt. Alles alt, nichts schön, nichts persönlich.

Da sitzen kleine Menschen drin. Tag für Tag. Die müssen was lernen. Und das selten auf eine ihnen angepasste Art. Wohl fühlen in dem Raum? Quasi unmöglich. Da sitzen Lehrer. Tag für Tag. Vor Schülern in immer schwierigeren Konstellationen durch immer mehr Durchmischung (die auch Chance sein kann, aber dazu mehr in einem anderen Artikel). Wohlfühlen? Können sie sich da sicher nicht. Sie sind in einem grässlichen Raum, auf sich allein gestellt, mit klaren Vorgaben eines Lehrplans, der alles andere als kindgerecht und zukunftsorientiert ist. Wie bitte sollen Lehrer das gesund überstehen?

Ging doch immer. Haben wir auch so gehabt und gut überstanden? Wer so argumentiert, hatte Glück. Und ja, die gibt es und ich mag es allen gönnen. Aber es gibt auch die anderen. Und wenn man liest, dass immer mehr Kinder leiden, sich immer mehr Kinder gar umbringen. Wenn man liest, dass immer mehr Lehrer abgehen oder krank werden… müsste man mal hinschauen. Wie gehen wir mit Menschen um in dem Bereich? Und ein grosser Teil davon kann nicht selber wählen… die Kinder müssen in diese Schulen. Ein Teil ist schon geprägt, wenn er aus einer rauskommt. Und das für lange. Können wir uns das wirklich leisten?

Sogar, wenn es nicht um das Kindswohl geht, ist die Antwort klar: NEIN. Mit ein wenig mehr MItgefühl schon ohne die finanziellen und gesellschaftlichen Konsequenzen. Leider werden zu wenig Stimmen laut. Das System ist träge, es befeuert aktuell am liebsten die eigenen Mühlen: Erhalten, was wir haben, erhalten, was uns dient.

Ich weiss von Lehrern, die gerne was bewegen würden. Und oft verzweifeln daran, dass sie zurückgebunden sind. Es sind Lehrer, die gute Leistungen und Ergebnisse erzielen. Trotz System. Auf einer Gratwanderung, die sie fordert und oft auch überfordert, auslaugt. Es gibt Studien, die eine klare Sprache sprechen, nämlich: Das aktuelle System ist nicht zukunftstauglich und schon gar nicht menschengerecht. Wann also setzen wir das alles um? Wann sind uns die Kinder und deren Zukunft so viel Wert, die eigenen Befindlichkeiten in den Hintergrund zu stellen und ein Schulsystem zu schaffen, dass der heranwachsenden Generation hilft, in einer sich immer schneller entwickelnden Zeit sich zurecht zu finden? Wann bilden wir endlich selber denkende Menschen aus und füllen nicht Fässchen ab mit Wissen, das keiner mehr je brauchen wird, es aber aufnehmen muss, um die Schule zu überstehen?

Ich frage mich schlicht: Wann wird der Mensch endlich als Mensch wahrgenommen und als solcher behandelt – damit er sein Menschsein leben kann, es geachtet sieht, sich am richtigen Ort fühlt? Heute und morgen?