Der Tisch ist gedeckt, der Wein kühl gestellt. Häppchen in Schalen, eine neben der anderen. Nüsse, Chips, Knabberzeugs, alles klein, alles fein, alles wartet, wie ich auch. Ich rücke die Kerzen zurecht. Richte Blumen aus. Welche Musik passt? Zu romantisch wär’ zuviel. Zu wild wäre nervös. Ich bin nervös. Ich fühl’ mich dumm. Es ist ein Abend mit Wein und Knabberei. Nichts Besonderes. Einfach mal Zeit gemeinsam, reden, lachen, unbeschwert sein. Wann konnten wir dies das letzte Mal? Ich kann mich kaum erinnern. Der Alltag frass uns auf. Und mit ihm kam die Spannung, die nicht mehr reizte, nur noch zehrte.

Wann hat das alles angefangen? Was war es überhaupt? Und wieso? Ein Wort, ein Blick, schon geht es los. Selbständig reihen sich Worte aneinander, die immer tiefer treffen. Blicke werden stechender, verletzter auch. Ich bin nie zufrieden. Sagst du. Du bist nie da. Sage ich. Wir sind beide woanders. Gefangen in den eigenen Welten, die sich kaum mehr berühren und doch so dringend nach Berührung suchen. Diese erzwingen wollen, wo sie nicht ist. Ein Wort, ein Blick reichen aus, die Distanz zu spüren, den Schmerz zu fühlen, aufzubegehren, weil man es nicht will. Ich nicht, du nicht.

Ich zünde die Kerzen an, wechsle die Musik. Französische Chansons. Das hörte ich auch am Anfang. Du kanntest es nicht, heute gefällt es dir fast besser als mir. Haben wir uns aneinander vorbei bewegt? Du heute da, wo ich gestern war, weil dich aufgabst, ich dort, wo du warst, weil ich zu dir wollte? Im Wollen und Sehnen nach Gemeinsamkeit? Eigentlich gefällt mir die Musik noch immer, nur hat sie nun Untertöne. Ich verbinde etwas damit und weiss nicht mal was. Ein Gefühl, eine erdrückende Ahnung?

Wann fing das Anpassen an? Was ist so falsch daran? Wenn sich zwei finden, bleiben wollen, braucht es nicht Gemeinsamkeit? Sie war auch da, was ist nun falsch? Du hast dich für mich interessiert, alles aufgesogen, mich eingenommen. Mit Haut und Haar. Es war so ernst, so gross, so ersehnt. Zu gross? Bald war es nicht mehr meines. Alles hattest du übernommen, zu deinem gemacht. Da war für mich kein Platz mehr, das Terrain war besetzt. Wo war ich noch? Habe ich es bei dir gleich gemacht? Ich weiss eigentlich so wenig von dir.

Ich schenke schon einmal ein. Es sieht alles so schön aus. So war es immer. Wir zelebrierten diese Abende zusammen. Setzten uns hin und sprachen. Sprachen über uns und das Leben, über Träume und Wünsche. Malten die Zukunft in allen bunten Farben. Wessen Farben waren es? Ich weiss es gar nicht mehr. Das Träumen und Wünschen verkam zur Gewohnheit des Hinsetzens. Die Freiheit wurde gefangen in Ritualen. Und in mir brach der Glaube dran.

Du kommst heim. Siehst alles, lachst vor Freude. Ist sie echt? Sie wirkt so gross, zu gross. Was ist Spiel, was ist Ernst? Und wenn es Ernst ist, wieso ihn so herausstreichen? Ist das meine Welt? Sprechen wir dieselbe Sprache? Lese ich in dir, was nie da stand? Schreibst du Dinge, die ich nicht verstehe? Will ich sie verstehen? Schreibst du nur für mich und nicht aus dir?

Ich frage dich. Du schaust mich an. Du verstehst mich nicht. Ich mich auch nicht. Einfach mal tun als ob. Nicht verstehen wollen, nicht mal müssen. Über Ideen und Wünsche sprechen, Schlösser bauen, seien sie nur aus Luft. All das Schwere aussen vor lassen, einfach sein. Wie es mal war. Bevor das alles anfing. Oder ist das nun Leben, vorher war es Traum? Ich möchte wieder träumen, leben kann ich morgen – oder nie.