Traue nicht deinem Nächsten

Sibyl Adams, eine Professorin am College, sass auf der Toilette, den Kopf gegen die gekachelte Wand gelehnt, die Augen geschlossen. Ihre Hose war bis zu den Knöcheln hinuntergezogen, die Beine waren weit gespreizt. Sie hatte eine Stichwunde im Unterleib. Blut füllte das Toilettenbecken, Blut tropfte auf die Bodenkacheln.

Als Sara, Kinderärztin der örtlichen Klinik und Gerichtspathologin, die schwerverletzte Sibyl Adams auf der Restauranttoilette findet, versagen alle lebensrettenden Massnahmen ihr Ziel. Die Brutalität, mit der das Opfer behandelt worden ist, übertrifft alles bislang Gesehene und es ist erst der Anfang einer grausamen Serie von Vergewaltigungen und Schändungen an jungen Frauen. Ihr Exmann, Polizist in dem verschlafenen Ort, übernimmt den Fall mit seinem Team, tappt aber lange im Dunkeln. Ein Wettkampf mit der Zeit beginnt, denn wer weiss, wann der Täter das nächste Mal zuschlägt?

Belladonna ist ein rasanter und packender Thriller. Er hat einen stringenten und stimmigen Plot, einen Hauptkonflikt, dessen Auflösung man als Leser entgegenfiebert, ebenso packende Nebenkonflikte, so dass man das Buch kaum mehr aus der Hand legt. Die Figuren sind plastisch, man meint, sie zu kennen, kann mit ihnen mitdenken, mitfühlen, versteht ihre Handlungs- und Denkweisen.

Was ab und an störend war, war die Übersetzungsleistung; so heisst es im Buch zum Beispiel ständig „Er machte die Liebe mit mir“ statt richtig „Er machte Liebe mit mir“ – eine Wendung, die mehrfach falsch vorkam und dementsprechend störte. Das aber nur eine Kritik am Rande.

Fazit:
Ein gelungener, packender Thriller mit Suchtfaktor. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor
Karin Slaughter
Karin Slaughter, Jahrgang 1971, stammt aus Atlanta, Georgia. 2003 erschien ihr Debütroman Belladonna, der sie sofort an die Spitze der internationalen Bestsellerlisten und auf den Thriller-Olymp katapultierte. Ihre Romane um Rechtsmedizinerin Sara Linton, Polizeichef Jeffrey Tolliver und Ermittler Will Trent sind inzwischen in 32 Sprachen übersetzt und weltweit mehr als 30 Millionen Mal verkauft worden. Von ihr erschienen sind unter anderem Schattenblume, Belladonna, Vergiss mein nicht und Dreh dich nicht um.

Angaben zum Buch:
SlaughterBelladonnaTaschenbuch: 480Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (8. Juli 2012)
Übersetzung: Teja Schwaner
ISBN-Nr.: 978-3442379064
Preis: EUR  8.99 / CHF 14.90

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Ein Unglücksrabe kämpft sich durch

An seinem letzten Morgen im Knast wachte Sami Macbeth früh auf, putzte sich die Zähne, faltete seine Decken ordentlich zusammen und setzte sich wartend auf das Bett.
Er hatte sich gesagt, dass er alles, was er machte, zum letzten Mal machte. […] Heute Mittag ist er hier raus. Nicht vollkommen frei, aber so gut wie.

Nach drei Jahren Knast für einen Juwelendiebstahl, den er nicht begangen hat, will Sami Macbeth nur zwei Dinge im Leben: nie mehr in den Knast zurück und ein berühmter Gitarrist werden. War ihm Das Glück schon drei Jahre vorher nicht hold, so hat sich das nicht geändert. Seine Schwester Nadja, die einzige, die von seiner Familie noch lebt und für die er sich verantwortlich fühlt, ist entführt worden und nur er kann sie retten. Allerdings hat das seinen Preis.

Der pensionierte Detective Inspector Vincent Ruiz   erfährt von der Geschichte durch seine Exfrau Miranda Wallace, welche Samis Bewährungshelferin ist. Er macht sich auf die Suche nach Sami und Nadja und sieht sich immer grösseren Herausforderungen gegnüber. Mittlerweile wird Sami Macbeth als gefährlicher Terrorist gesucht, welcher nach einem Bombenanschlag in der U-Bahn in einem Restaurant Geiseln genommen hat und nun auf der Flucht ist. Dabei ist die Polizei nicht allein darum bemüht, ihn unschädlich zu machen.

„Erlauben Sie mir, Folgendes zu sagen, Mr Macbeth. Ich habe die letzte Nacht damit verbracht, die genaueren Umstände dieses Falles zu studieren, und kann daraus nur schliessen, dass Sie ohne Zweifel einer der grössten Unglücksraben sind […]. Sie scheinen ausserdem über die unglückliche Gabe zu verfügen, eine verzweifelte Situation in eine hoffnungslose zu verwandeln. Könnte ich damit recht haben?“

Michael Robotham macht in Bis du stirbst alles richtig. Die Geschichte besticht durch durchdachte und lebendige Charaktere, einen spannenden und folgerichtigen Plot, sie hat die nötigen Aufhänger, Spannungsträger und Nebenhandlungen. Sami Macbeth ist ein Verbrecher wider Willen, der durch seine menschliche, trotz allen Unglücks humorvolle und vielschichtige Art die Sympathie und das Mitgefühl des Lesers auf seiner Seite hat. Die Motive seines Handelns sowie auch des Handelns der anderen Figuren sind nachvollziehbar und realistisch, die Grenzen zwischen gut und böse weichen langsam auf, zurück bleibt die Frage, wie das alles bloss enden soll. Und bis man das weiss, legt man das Buch nicht aus der Hand.

Fazit
Ein Thriller, der einen von der ersten bis zur letzten Seite nicht loslässt. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Michael Robotham
Michael Robotham wird 1960 in New Sout Wales, Australien geboren. Er arbeitet zuerst in Sydney als Journalist, geht später nach London, um dort für verschiedene Zeitungen zu schreiben. 1993 hängt er seine Karriere als Journalist an den Nagel und schreibt als Ghostwriter Biografien für Politiker und Prominente, darunter Geri Halliwell und Rolf Harris. Später folgt der Wechsel zur fiktiven Literatur. Sein erster Roman The Suspect schläft gleich ein, wird in 22 Sprachen übersetzt und wird zum Bestseller. Robotham lebt mit seiner Frau und drei Töchtern in Avalon bei Sydney. Von ihm erschienen sind unter anderem The Suspect (2004; dt. Adrenalin 2005), Lost (2005; Amnesie 2006), Shatter (2008; Dein Wille geschehe 2009), Bombproof (2009; Bis du stirbst 2013).

  

RobothamBisdustirbstAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (20. Mai 2013)
Übersetzung: Sigrun Zühlke
ISBN-Nr.: 978-3442473397
Preis: EUR  9.99 / CHF 15.90

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Hinter Lügen und Intrigen in Politik und Wirtschaft lauert der Tod

Die Investmentbankerin Hanna Kaul steht kurz vor dem Abschluss eines grossen Geschäfts, von dem sie sich einen Karrieresprung erhofft. Dass genau in dieser Zeit ihre Nichte Leonie zu Besuch kommt, passt nicht in ihr Konzept. Aus unersichtlichen Gründen platzt der Milliardendeal und Hanna merkt, dass sie seit längerer Zeit ausspioniert wurde. Als dann auch noch Leonie verschwindet, liegt ihre Welt in Trümmern. Hilfe findet sie bei Dominik Roth, welcher nicht nur aus beruflichen Gründen helfen will – erstens hat er ein schlechtes Gewissen Hanna gegenüber, weil er an ihrer Beobachtung beteiligt war, zudem gefällt sie ihm zunehmend. Bald schon sieht er sich inmitten eines Falles, der viel grösser ist, als man vorerst ahnen konnte. Hochfinanz und Politik haben die Hände im Spiel, ihre Methoden sind durchtrieben, voller Betrug, und Lügen und sie schrecken auch vor Mord nicht zurück.

Horst Eckerts Thriller bewegt sich im Milieu der Banken und der Politik. Er legt detailliert unsaubere Bankgeschäfte und geschäftspolitische Intrigen offen, zeigt die Politik von ihrer bestechlichen Seite und verwebt diese Wirtschaftsaspekte mit der Entführung einer jungen Frau, der Ermordung einer Aussteigerin aus der Finanzszene, Kleinkriminalität und Burschenschaft.

Die ersten Kapitel sowie diverse Zwischenkapitel sind sehr den Machenschaften aus Politik und Wirtschaft gewidmet, wenn man sich dafür nicht interessiert, ist der ganze Roman sehr schwierig zu lesen und das Dranbleiben mühsam. Die darunter liegende Geschichte ist spannend, man möchte wissen, wie sie ausgeht und das hat geholfen, durchzuhalten, wobei die Geschichte nicht litt, wenn man einige Teile überblätterte beim Lesen. Ab der zweiten Hälfte gewinnt die Geschichte an Spannung und es ist wirklicher Lesegenuss.

Fazit:
Langatmiger Anfang mit spannendem Abgang. Für Wirtschafts- und Politikinteressierte sicher spannender als für andere.

Zum Autor
Horst Eckert
Horst Eckert wurde am 7. Mai 1959 in Weiden/Oberpfalz geboren und wuchs in Pressrath auf. Er studierte in Erlangen und Berlin Soziologie und Politische Wissenschaften, jobte als Bierschlepper und Fahrstuhlführer, später als Hospitant im Berliner ZDF-Studio. Nach einem Umzug nach Düsseldorf 1987, die Liebe war Schuld, arbeitete er 15 Jahre lang als Fernsehreporter, seitdem ist er hauptberuflich als freier Schriftsteller tätig. Von ihm erschienen sind unter anderem Annas Erbe (1995), Finstere Seelen (1999), Ausgezählt (2002), Der Abrsprung (2006), Sprengkraft (2009), Schwarzer Schwan (2011).

Porträt der Frankfurter Rundschau

 

EckertSchwanAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 383 Seiten
Verlag: Grafit Verlag (7. Februar 2013)
ISBN-Nr.: 978-3894254131
Preis: EUR  10.99 / CHF 17.90

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