Kürzlich hat unser Bundesrat entschieden, Vaterschaftsurlaub gebe es nicht. Zu teuer wohl. Die Enttäuschung in vielen Kreisen war gross. Einige meinten dann, man sollte statt dessen Elternzeit gewähren. Auch dagegen kamen gleich Stimmen, da ja doch die Frau das Kind kriege.

Ich persönlich finde die Bezeichnung Elternzeit gut. Schlussendlich werden zwei Menschen Eltern. Klar muss sich die Frau körperlich erholen, aber dann? Soll der da sein dürfen, der es will und kann im individuell gelebten System. Gesichert sollte in meinen Augen vor allem eines sein: Einer der Elternteile ist für das Kind voll da.

Was mich viel mehr erstaunt und befremdet: Man nennt das Vaterschafts- oder Mutterschaftsurlaub. Urlaub? Kinderbetreuung ist Urlaub? Ich bin wahrlich kein Fan der Goldwaage, aber da wird ein Bild zementiert, das schlicht nicht akzeptabel ist.

Ja, wir leben in einer Welt, in der nur Arbeit zählt, die man für Geld ausser Haus erledigt. Wir leben in einer Welt, die ohne Gratis-Arbeit von vielen Frauen in der Betreuung von Familienmitgliedern – die Bandbreite reicht von kinderbetreuenden Müttern über ebensolche Grossmütter hin zur Altenpflege von bedürftigen Anverwandten – nicht auskommen könnte. Aber:

Nicht nur, dass man sie nicht wertet, wenn es darum geht, zu belegen, was man geleistet hat, man benennt es als Urlaub. Wir haben noch viel zu tun. Nicht nur in Sachen Gleichberechtigung, sondern auch darin, Leistung von monetären Gegenleistungen zu trennen und den Wert für die Gesellschaft, den Wert an sich zu sehen. Und anzuerkennen.

Conny und Felix werden Eltern. Das Kind ist geplant, das Modell bestimmt. Conny bleibt zu Hause, Felix verdient die Brötchen. Die beiden sind happy und überzeugt, Kind Franz wird es auch sein. Nun kommt Sabine, Connys Freundin, und sagt: „Wie kannst du nur so ein antiquiertes Lebensmodell wählen? Heute gehen Frauen arbeiten, Kinder in die Krippe. Wofür haben wir sonst gekämpft? Sag deinem Felix, er soll seiner Verantwortung nachkommen und auch was tun.“. Gut, Conny redet mit Felix und sie entschliessen, modern zu sein. Zwar wollen das beide nicht, aber was tut man nicht alles, um mit der Zeit zu gehen.

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Conny und Felix werden Eltern. Das Kind ist geplant, das Modell bestimmt. Sie sind modern, Felix bleibt zu Hause, Conny verdient die Brötchen. Beide sind happy und überzeugt, Kind Frieda wird es auch sein. Nun kommt Hermann, Felix’ Freund, und sagt: „Was bist du für ne Lusche, ein echter Mann bleibt nicht zu Hause. Conny und Felix kriegen sich in die Haare, das Ende ist noch offen… immerhin wäre eine alleinerziehende Mutter mit Beruf und Kind in der Krippe modern.

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So oder so: Franz oder Friede kommen auf die Welt. Einer muss zumindest am Anfang zu Hause sein, dem neuen Erdenbürger den Einstand in derselben Erde zu ermöglichen. In der Schweiz ist es nun amtlich: Das muss die Mutter sein, denn der Vater kriegt keinen Vaterschaftsurlaub. Das geht gar nicht. Eltern müssten selber entscheiden können, wer den Urlaub nimmt. Klar nicht beide, denn sonst wäre bald die ganze Welt auf Urlaub.

War da nicht was von wegen „vor dem Gesetz sind alle gleich“? Und waren Frauen nicht auch gemeint mit „alle“? Männer waren es ja schon immer. Nur: Hier offensichtlich nicht. Der Schweizer Nationalrat kann sich gegen ein Grundrecht stellen und dem Mann Rechte absprechen, welche die Frau hat. Was genau zählen Grundrechte in einem Land, in dem man sie einfach mal so umstossen kann? Klar, wir bringen keinen um und sind auch sonst recht moderat und meist neutral… aber das soll einfach mal so gehen?

Mein Vorschlag:

Ein Kind kommt auf die Welt. Es hat einen Erzeuger und eine Erzeugerin. Die sind in der Pflicht. Mit der Geburt sollte geregelt sein, wie das Leben des Kindes finanziert wird. Egal, wer nun was macht im Leben, egal, ob die Liebe hält oder nicht. Das wäre Eigenverantwortung. Aber das ist wohl naiv oder unromantisch. Je nach eigenem Standpunkt. Trotzdem fände ich es den einzig gangbaren Weg. Für das Kind, für das Individuum und für den Staat. Das löst nie die emotionalen Probleme, die sind und bleiben, aber sie wären weniger vermischt.

 Fazit:

Was ich mit all dem sagen wollte? Elternteile sollten unabhängig vom Geschlecht gleiche Rechte, Pflichten und Möglichkeiten haben. Die Reihenfolge ist nicht hierarchisch, ich musste eine wählen. Das hiesse, alle gleicht zu behandeln. Alles andere ist Bullshit!