E-Books, Such- und Teilfunktionen

Im Hause M. reifte der Entschluss, Papier zu mindern. Der Ansatz war nicht neu, schon oft wurde der Entschluss gefasst, Papieragenden wurde der Abschied bekannt gegeben, ebenso sollten Notizen und ähnliches nicht mehr geschrieben, sondern getippt werden. Immer wieder kam die so Entschlossene zum Papier zurück. Es fing beim einen an und breitete sich über alles.

Nun stecke ich grad im Umzug. Ich packe meine Bücher ein. Es sind viele. Sehr viele. Tausende. Und Ordner habe ich auch. Weil ich alles ausdrucke. Und alle Ausbildungsnotizen in den Computer hämmere und auch ausdrucke. Und ablege. Um es wohl nie mehr anzuschauen, weil ich eh nichts mehr finden würde. Obwohl ich zu meiner Verteidigung sagen muss, dass alles fein säuberlich abgelegt und beschriftet ist. Klick und Find ist trotzdem nicht möglich.

Mein letzter Papierlosversuch scheiterte an mangelnder Kommentierfunktion im PDF. Nachdem ich nun aber eine Lösung dafür gefunden habe und mein Vorurteil, dass ich am Computer nicht gerne lese durch meinen letzten Korrekturauftrag widerlegt ist, will ich nochmals einen Anlauf wagen (Für alle, die nun geschockt die Hände über dem Kopf verwerfen, sei gesagt: Papierbücher sind trotzdem toll und sie werden auch so immer mehr werden….).

Nun startete ich guten Mutes meine Kindle-App auf dem Computer, fand auch just eine Kafka-Gesamtwerk-Edition, die ich gleich runterlud (auch wenn ich das gesamte Werk schon in Papier hier stehen habe, kann so eine leicht zu portierende Ausgabe nicht schaden). Hell begeistert nutzte Markier- und Kommentierfunktionen, fand das für meine Zwecke noch viel geeigneter als jedes Papierbuch (keine Bange, siehe oben…), doch dann kam’s…. Ich kann zwar Notizen machen, aber ich kann nicht in den Notizen suchen. Wozu mache ich die denn, wenn ich sie nicht wiederfinden soll?

Gleichzeitig schaute ich mein Programm iBook an. Da konnte ich auch markieren, konnte notieren und man höre und staune, ich konnte sogar in den Notizen suchen. Dass das Layout viel schöner war als bei Kindle, lass ich mal aussen vor, Ästhetik ist überbewertet (oder nicht?). Ich war noch begeisterter. Gleichzeitig aber auch sehr frustriert, kaufte ich doch all meine E-Books über Amazon (böse, böse), von wo sie mit einem Klick (OneClick eben) auf meine diversen Geräte geschickt werden. Und da liegen sie nun in dieser App, die keine Kommentare suchen kann. Ich – so bin ich eben – will aber Kommentare finden und ich will meine Bücher, die ich schon habe, so nutzen können, wie ich es brauche.

Die Lösung scheint (!!!) einfach: Die Bücher müssen vom Kindle rüber zu iBook. Ich google, suche, probiere. Und ich finde. Anleitungen, wie ich mit dem Download von xxxx Programmen genau das hinkriegen kann. Direkt geht nicht, da Amazon sein Format schützt. Gut. Ich lade alles runter und sehe plötzlich ein Fenster am Bildschirm prangen, dass ein Virus entdeckt worden sei, der nicht zu reparieren wäre, weshalb er nun in Quarantäne geschickt wäre. Der Gedanke an Ebola geistert durch mein Hirn, allerdings bin ich anderweitig beschäftigt. Sollte diese vermaledeite Situation nun gar meinen Computer geschrottet haben? Nun – einen Mac bringt so schnell nichts um, er geht noch (offensichtlich).

Fazit: Es scheint keine (legale und machbare) Möglichkeit zu geben, meine E-Books vom Kindle auf einen anderen E-Reader zu kriegen. Das ist bedauerlich, denn ich habe die gekauft. Ich möchte die auch nutzen und nun nicht auf einem neuen E-Reader neu kaufen. Bei Amazon sehe ich keine Möglichkeit, E-Books, die ich nicht im Kindle-Reader lesen möchte, zu beziehen. Wo finde ich sie dann??

Was ich daran bedenklich finde: Papierbuch und E-Buch liegen sich in den Haaren. Jeder denkt, der andere hätte, was eigentlich einem selber gehöre. Dass beide nebeneinander existieren können und sollen, muss wohl wachsen. Aber: Das ach so proaktive E-Book lässt sich in Formaten nieder, die man nachher nicht mitnehmen kann. Man zahlt für etwas und ist gebunden. Auf Gedeih und Verderb. Ich packe für meinen Umzug meine Bücher in Kisten. Gekauft wurden sie in diversen Buchhandlungen, online, sogar bei Amazon (böse, böse). Aber: Ich kann sie am neuen Ort wieder auspacken und sie sind lesbar. Ich kann sie, wenn ich sie gelesen habe, meiner Freundin geben (ich verleihe grundsätzlich keine Bücher, die einzige Ausnahme darf sich geehrt fühlen). Das E-Book hockt, wo es hockt und ich finde nicht mal mehr meine Gedanken dazu. Das ist ärgerlich. Ich gebe noch nicht auf. Aber ich finde es ärgerlich. Es hat mich heute viele Stunden gekostet. Nicht nur mich, den mir eifrig Helfenden auf nicht Apple basierten Maschinen ebenso – das Argument, dass es nur bei Apple so doof sei, zieht also nicht.

Nicht gesucht – gefunden

Ich war wohl meines Lebens eine Suchende. Suchte nach Liebe, die ich nie kannte, weil sie nicht da war oder zumindest nicht gezeigt werden konnte. Weil sie missbraucht wurde, indem sie versprochen, nie gelebt wurde oder aber mit Lügen erkauft. Oder einfach ungewollt genommen. Ich suchte nach meinem Platz im Leben, den ich immer wieder aufgab, um eben andere Suchen zu ihrem Ende zu führen – und immer wieder auf die Nase fiel.

Ich habe seit Jahren mein Lebensmotto:

Ohne Liebe ist alles nichts.

Die Liebe selber lebte ich kaum. Mal fehlte sie, wo sie hätte sein sollen oder gar versprochen war, mal war sie nicht lebbar, weil zu viele Hindernisse da standen oder zumindest geahnt und gefürchtet waren. Das war kein wirklich grosses Problem, war ich doch sowieso ein eher rationaler Mensch, einer, der immer alles hinterfragte, auf zwei Beinen stand und die auf den Boden stellte. Kurze Höhenflüge landeten schnell, teilweise eher unsanft.

Wer in der Liebe schon so kläglich versagt, sollte wenigstens im Leben sonst besser bauen. Aber auch da baute ich auf Sand. Studierte, was kein Mensch braucht – war zwar gut darin, aber auch das half nichts, schadete wohl mehr. Die hochgezogenen Augenbrauen, die auf der einen Seite abschätzigen, auf der anderen Seite eher abgeschreckten Blicke,  kriegte ich gratis obendrauf. Jobs gab es nicht, weil zu viele Titel, zu wenig Erfahrung und vor allem keine Ellenbogen, Vitaminspritzen und anderen hilfreichen Mittel zum Zweck.

Und so sass ich immer mal wieder hier und fragte mich, was denn eigentlich aus mir werden sollte. Wer ich denn sei und was ich denn solle in dieser Welt. Was ich vor allem erwarten könnte und wie überleben. Von Natur Mimose (der Herr Papa würde das jederzeit unterschreiben und die nötigen Anekdoten gratis mitliefern),  tiefgründig, sensibel, eigensinnig und auch stolz, sah ich mich nicht vor den wirklich besten Voraussetzungen. Suchte mich mal hier, mal da, strandete, schwamm weiter, strauchelte, stand auf, erreichte doch eigentlich dieses und jenes, ohne es wirklich hoch zu schätzen, weil ich viel zu sehr damit beschäftigt war, was ich grad nicht hatte oder war. Und immer, wenn ich vor einem Feld „Berufsbezeichnung“ stand, fing das Hirn zu rattern an. Beim Zivilstatus fehlte jedes Mal „gescheitert“.

Bin ich gescheitert? Beruflich? Im Leben? Ich denke nicht. Ich ging vielleicht keinen gradlinigen Weg. Ich ging nicht den Weg des „nine-to-five-job“s, sterbe nicht mit der Sandkastenliebe, aber ich blieb mir wohl immer treu – selbst wenn ich nicht wusste, wo ich gerade stand und wo ich hin wollte. Ich wusste immer, was ich nicht will und hatte das Glück, dazu stehen zu können. Insofern hatte mein Geburtstag recht: Ich bin ein Sonntagskind, ich habe Glück. Ich muss es nur sehen. Ab und an geht der Blick verloren, aber man kann ihn wieder zurückholen. Ausrichten an dem, was ist. Und darauf zoomen, was man will. Weil alles, was nicht richtig ist, genau darauf zielt, was sein soll.

Und irgendwann. Kommt der Moment. Man weiss: Das ist es. So soll es sein, so soll es bleiben.  Das sang schon einer. Dass ich es nicht zitiere bedeutet, dass er es nicht erfunden hat, da wäre noch Goethe:

 »Werd ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch! Du bist so schön! / Dann magst du mich in Fesseln schlagen, / Dann will ich gern zugrunde gehn!« (V 1699–1702)

Augenblicke können lange sein, auch kurz. Es können ganze Lebensmuster sein oder kleine Entscheidungen. Ich denke, relevant in dem Wunsch des Verweilens ist das Gefühl der Stimmigkeit. Das Gefühl: Das ist es. Und es wird kommen. Ab und an auf Umwegen, ab und an spät, manchmal ganz schnell, wenn man jemandem in die Augen blickt, ihn von Weitem gar sieht. So oder so: Es ist das Gefühl, das zeigt, wohin man gehen sollte. Es ist dieses Gefühl, nach dem man sich richten sollte. Der Verstand hat seine Berechtigung, er kann die Argumente liefern. Wenn das Gefühl ausbleibt, wird er es nie ersetzen können.

Der Verstand sucht – nach Argumenten, nach Umständen, nach Kriterien. Das Gefühl sagt nicht gesucht, aber gefunden:

 So ist es gut.