Eigentlich wäre es so einfach…

Das Leben könnte so einfach sein, merkte man, wie sehr man jemanden liebt, wenn er da ist, schätzte man, was er tut, so lange er es tut, lobte man, was gut ist, so lange es noch gut ist und wäre dankbar für das, was ist, so lange es ist, statt zu zürnen, was nicht ist. 

Irgendwann ist der nicht mehr, den man gering achtete, tut er nicht mehr, was einem gut tat, ist nicht mehr gut, was mal war und ist überhaupt alles ganz anders. Und man denkt plötzlich zurück und sieht, was man eigentlich hatte, aber zu wenig schätzte. Und man bedauert, nicht früher hingeschaut zu haben, denn oft ist es zu spät, es gibt keine zweite Chance. 

Das Leben ist kein Ponyhof und selten kriegt man alles, was man sich so sehr wünschen würde. Man sieht es immer deutlicher vor sich, denkt, wie schön es wäre, es zu haben. Man malt sich aus, wie das Leben wäre, wenn die Umstände rosiger, das Licht heller, der Erfolg grösser wäre. Man sieht die vielen positiven Aspekte des so sehr gewünschten und sehnlichst vermissten Abwesenden. Wie klein wirkt dagegen das, was da ist, wie langweilig, profan.

Und man fängt an zu zürnen, zu hadern, schimpft auf das, was ist, weil man es als Grund dafür sieht, nicht zu haben, was sein könnte. Man misst das Sein am Sollen und sieht es gleichzeitig als Hindernis hin zu diesem. Und verstrickt sich so selber in den Netzen der unendlichen Unzufriedenheit. Auf Dauer helfen da auch Zigaretten, Alkohol und Essen nicht mehr, der Schmerz des Nichterreichten nagt. 

Und plötzlich ist alles anders. Man hat sich vom Hindernis getrennt oder aber es fiel einfach weg. Und mit ihm das alte Leben. Alles neu. Alles frisch. Man fühlt sich frei, man fühlt sich… leer. Das vorher Gewünschte ist noch immer nicht da, das gering geschätzte aber weg. Und plötzlich merkt man, was es alles war. Viel mehr als man gesehen hatte. Viel mehr, als man in Worte fassen konnte. Es war nicht nur öde Langweiligkeit und fader Alltag. Es war das eigene Leben. All die kleinen Dinge, all die Puzzleteile des funktionierenden Lebens – sie sind weg. Und nun fehlt viel mehr als das, was man so erstrebenswert fand, weil es Luxus bedeutete. Nun fehlt die Basis. Das, auf dem das Leben fusste, das, aus dem man Kraft schöpfte. 

Zu spät….

Es ist nie zu spät. Nie zu spät, hinzuschauen, was ist, was man wirklich braucht im Leben, was wirklich zählt im Leben. Es ist nie zu spät, zu schätzen, was gut ist und gut tut. Und es zu sagen. Es ist nie zu spät für Dankbarkeit. Und jeder, der hier denkt, das sei gar kitschig und abgehoben, darf sich fragen, wieso er das so sieht. Und ja, vielleicht ist es auch klitschig, aber es ist, was momentan grad wahr und wichtig scheint. Manchmal ist Loslassen wichtig. Weil man sonst das wirklich Wichtige verpasst. Manchmal verkennt man das Wichtige, weil man vielen Kleinigkeiten nachtrauert. 

Bewusstsein ist das Zauberwort. Für das, was war, ist und sein soll. Aus diesem Grund habe ich das Wochenfazit eingeführt. Was war gut die Woche, was schlecht, was wünsche ich mir für die nächste. Und selbst wenn es keine hochtrabenden Dinge sind, sie lassen mich hinschauen zu den Wünschen, Träumen und Dankbarkeiten sie lassen mich hinsehen, was ich denke, fühle, will.

Mein Fazit für heute?

Schlecht war ein Abschied.

Gut ist das Wissen, dass Liebe existiert und so unendlich tief und schön ist, dass es fast weh tut – nein, dass es weh tut.

Wünschen tue ich mir nur, dass ich immer weiter schätzen kann, was ich habe und mich nicht in den Unendlichkeiten der eigentlich nichtigen Wünschen verliere.