Leseerlebnisse – Oliver Thalmann: Mord im Landesmuseum

«Monti war sich sicher, dass es das Richtige war, aber es fühlte sich trotzdem nicht gut an. «Was kann man gegen die Wahrheit tun?» Urech seufzte: «Man muss sie akzeptieren, sonst frisst sie einen auf.»

16 Jahre lebte ich in Zürich, es war eine schöne Zeit und ich lernte die Stadt nach gewissen Startschwierigkeiten lieben. Es fühlte sich also an wie Heimkommen, als ich in diesen Krimi eintauchte. Ich kannte die Lokationen, ich sah sie vor mir. Damit hatte das Buch sprichwörtlich einen Heimvorteil bei mir, den es aber gut nutzte.

«Nun beging er den gleichen Fehler wie das Rotkäppchen im Märchen der Brüder Grimm: Er kam vom Weg ab.»

«Mord im Landesmuseum» ist der dritte Krimi von Oliver Thalmann. Fabio Monti muss zuerst in fremden Gewässern, da er sich statt mit Mord mit einem Diebstahl beschäftigt, doch das soll sich bald ändern:

Fabio Montis Schwiegervater, der renommierte Anwalt Christian Huber, bittet ihn um Hilfe: Monti soll den Besitzer des Bildes „Rotkäppchen“ von Albert Anker ausfindig machen. Er hatte es vor Jahren erworben und seiner Frau geschenkt, musste es dann wegen Geldsorgen wieder veräussern. Nun soll es in die Familie zurückkommen als Geschenk für seine Frau. Kurz darauf verschwindet just dieses Bild aus einer Ausstellung im Landesmuseum, wo es als Leihgabe hing, wenig später wird dessen Besitzerin umgebracht. Wie hängen der Raum und der Mord zusammen? Als auch noch der Kurator der Ausstellung verschwindet und ein Erpresserbrief auftaucht, tappen die Ermittler vollends im Dunkeln: Welches Motiv steckt hinter all dem und wer hat ein Interesse? Monti ahnt noch nicht, dass die Aufklärung dieses Falls auch für ihn gefährlich werden kann. 

Da haben wir ihn also, diesen grundsoliden Ermittler, der die persönlichen Emotionen aussenvor lässt und im Wissen, sich selbst das eine oder andere Grab zu schaufeln, der Gerechtigkeit zum Sieg verhilft. Dass er selbst dabei die eigene Befangenheit und einiges mehr ignoriert, sei ihm vergeben bei so viel Einsatz. Ich glaube, ein solcher Krimi geht nur in der Schweiz, wie anders sähe er in Italien oder Spanien aus – man schaue nur auf die entsprechenden Krimis und ihre Plots und Nebenplots. Krimis, das liebe ich an ihnen, sind immer auch ein Spiegel der Kultur und der Gesellschaft. Sie decken Mentalitäten und Verhaltensmuster auf, weil sie die Situationen thematisieren, in welchen diese am besten ans Licht kommen: Konflikte zwischen widersprüchlichen Wünschen und Bedürfnissen.

Ein solider Krimi, den ich flüssig weggelesen habe und nun gespannt bin, wie es mit Monti weitergeht. Da muss ich mal nachfragen beim Autor – seid gespannt.

(Oliver Thalmann: Mord im Landesmuseum, emons Verlag, 2024.)

Ina Haller: Aargauer Grauen

Nach ein paar blutigen Thrillern tauchte ich in diesen Krimi ein und dachte erst, nun ein paar gemütliche Lesestunden vor mir zu haben. Weit gefehlt. Ich hätte es wissen können, ist «Aargauer Grauen» doch nicht der erste Krimi rund um Andrina, die sich immer wieder mittendrin in einem Verbrechen befindet und dieses dann auf eigene Faust aufzuklären versucht, wodurch sie selbst in Gefahr oder Verdacht (oder beides) gerät. Immerhin ist sie bei ihren Ermittlungen nie allein, neben Enrico, ihrem Mann, helfen auch ihre Freunde tatkräftig mit, so dass kein Täter ungestraft davonkommt.

«Andrina erblickte Gregor Hartmann auf dem Bett. Er lag auf dem Rücken und starrte mit aufgerissenen Augen zur Decke. Der Mund war wie zu einem Schrei geöffnet.»

Was ich sehr mag an einem Krimi: Die Geschichte nahm schnell Fahrt auf und bald schon fand ich mich atemlos blätternd auf dem Sofa. Worum geht es:

Ein Mitarbeiter aus Enricos Pharma-Unternehmen wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Bald stellt sich sein Tod als Mord durch eine Spinnenbiss heraus. Als kurz darauf Medikamente aus der Firma verschwinden, beschliessen Enrico und Andrina, die Sache selbst zu verfolgen, womit sie jemandem gewaltig auf die Füsse stehen und selbst in Gefahr geraten. Zudem stehen sie bei der Polizei plötzlich im Verdacht, selbst etwas mit allem zu tun zu haben.

„Halte dich lieber von ihr fern. Sie ist nicht die, die sie zu sein scheint.“

Zeitweise fand ich, die Autorin gibt zu viele Zeichen auf den möglichen Täter, doch streute sie gleich hinterher auch wieder Zweifel. Die Auflösung war dann sehr überraschend, mein vielleicht einziger Kritikpunkt.

Ein solider, spannender Krimi mit plastischen Figuren, authentischen Schauplätzen, die ich gut kannte, da ich selbst einmal in Aarau wohnte, und einem guten Plot.

(Ina Haller: Aargauer Grauen, Emons Verlag, Köln 2024)