Dieser oder jener?

Ich sitze hier und lese Zeitung. Lese von Putin und Obama und deren Treffen. Ab und an höre ich auch im Radio davon oder sehe es im TV. Es ist überall präsent und als Zuschauer weiss ich nach jedem Sehen noch weniger als zuvor. Vor allem die Hauptfrage bleibt: Wer ist denn nun der Böse? Ist Putin der böse Krim-Annektierer, der es auf die Weltherrschaft abgesehen hat und dafür all die Diktatoren dieser Welt auf seine Seiten bringen will? Oder ist vielleicht Obama gar nicht so nett lächelnd, sondern Kopf einer durchdachten Weltherrschafts- und Intrigen-Organisation? Oder sind beide irgendwo dazwischen?

Was ich denke (und ich denke, ich denke es nicht nur, ich bin mir da ziemlich sicher): In eine solche Position (Putins wie auch Obamas) kommt man nicht ohne Machtstreben und das Ergreifen jeglicher Mittel, die zur Macht führen. Nett und brav auf eine sich eventuell auftuende Chance hoffen reicht da kaum. Machtstreben basiert auf Machthunger und dieser ist selten wählerisch bei der Wahl seiner Mittel. Es gibt vielleicht beim einen oder andere grössere Skrupel und höhere Latten, aber: Wenn die Aussicht auf Erfolg gross genug ist, knicken sie wohl alle ein (das ist übrigens nicht nur in der Politik so, das lässt sich auch auf aufstrebende Wirtschaftsmenschen anwenden).

Wer also ist der bessere Mensch? Und: Wären andere Menschen (gar man selber) in diesen Positionen besser? Ich denke: Keiner und nein. Das ist nicht schön, das ist auch nicht erfreulich. Aber: Wir müssen damit leben, denn es ist im Hier und Heute die Realität. Kann man was ändern? Im Grossen und Ganzen wohl nicht auf die Schnelle, im eigenen Umfeld sicher schon. Und wer weiss. Vielleicht stimmt es ja, dass im Kleinen beginnt, was irgendwann im Grossen Früchte trägt.

Und nun? Russland oder Amerika? Ich habe meine Präferenzen, klar. Die sind aber wohl wenig sachlich begründet (wenn ich es auch dann und wann versuche) und mehr gefühlsmässig. Wieso ich es überhaupt versuche? Ich denke, der Mensch neigt dazu, in gut und böse unterteilen zu wollen. Er positioniert sich irgendwie in dieser grossen weiten Welt, indem er sich entscheidet, was er lieber hat und wovon er sich fernhält. Denn: Der Mensch braucht SEINEN Platz in dieser Welt.