profil_beschtart_bwKünstlerin – Mensch – Punkt. Mehr bin ich nicht – und minder auch nicht. Meine Kunst- fernab von abstraktem Nihilismus und Unvermögen in Abstrakt getarnt, weg von emotionsloser Frontalfotografie.

Mit diesen Worten stellt sich Ute Bescht selber vor. Lieber erfährt sie vom anderen etwas, als sich selber mit Worten in den Mittelpunkt zu stellen:

Sei du mal anders. Erzähle (mir) & DIR deine Geschichte zu meinen Werken. Lenk dich ab, denke quer, traue dich zu träumen – auch dunkel!

avatar_bescht_uteEinige Punkte aus dem Leben sind denn doch bekannt: Geboren wurde sie am 14. Mai 1968, ihre künstlerischen Stationen führten sie zu Reinhold Pichler, Kunstverein Rosenheim, zu einer Zulassung an der AdbK München und über viele autodidaktische Weiterbildungen und experimentelles Gestalten mit immer neuen Medien. Ihre unermüdliche Kreativität und Entdeckerfreude führten sie immer weiter. Wichtig ist ihr dabei

Ich male nicht zur Gefälligkeit – ich mache Kunst für wache Augen und Köpfe

Waren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?

Nein – eher schlimmer (lach) – ich habe alles Mögliche zu Malmaterial umgemünzt: Sand, Dreck, etc. und habe, während ich eigentlich Mittagsschlaf halten sollte, Mamas Auftragsarbeit in Öl bearbeitet, was das sonst nicht so übliche Lächeln meiner künstlerischen Ergüsse auf ihre Lippen gezaubert hat . Aber wenn man so will, bin ich mit Stiften und Pinseln aufgewachsen.

Wie sah Ihr Weg in die Kunst aus?

Wenn man von Förderung sprechen möchte, war da neben meinen Eltern ein Erlebnis in Bad Bevensen: mein Besuch bei der Oma, die nicht so recht wusste, was sie mit einem 9jährigen Mädchen anstellen sollte. So steckte sie mich in den Malkurs eines dort ansässigen Künstlers, der allerdings recht bald merkte, dass mir die als Gruppenaufgabe zugeteilten Blumen zu lahm waren und ich sie auch konnte. Also gab er mir ein Pferdeskelett zum Abzeichnen und hinterher haben wir das Tier dann „angezogen“ – und es sah selbst mit Umrissen aus wie ein Pferd.

lamarr_done_1200Wann haben Sie gesagt: Ich bin Künstler? Beim ersten verkauften Bild? Schon früher?

Ich habe mich immer als Künstler bezeichnet – weil eigentlich alles mit Passion eine Kunst ist – egal welches Genre, ob auf der Leinwand, dem Instrument oder auch als Chirurg am Menschen.

Ist eine Ausbildung zum Künstler unabdingbar oder wird/ist man Künstler eher im Stil von learning by doing? Oder anders gefragt: Alles Talent oder kann man es überhaupt lernen?

Ich denke eine Spur Talent sollte sein – dann etwas professionelle Anleitung – allerdings nicht in Form von stil-tötenden Akademien und eitlen Professoren, die ihre Studenten als Mal-Lakaien missbrauchen, sondern durch einen strich-vertiefenden Förderer. Und dann: Leidenschaft, Leidenschaft, Leidenschaft. Und Durchhaltevermögen.

garbarekWas macht einen guten Künstler aus?

Der Willen, sich weiterzuentwickeln, und auch die Empathie, sein Wissen weiterzugeben – frei nach dem Motto: Wer oben angekommen ist, sollte den Aufzug wieder nach unten schicken!

Sie beschreiben Ihre Kunst als „fernab von Nihilismus und Unvermögen in Abstrakt“ – ist abstrakte Kunst nur getarntes Unvermögen?

In vielen Fällen ja.

Muss ein Maler fotorealistisch zeichnen/malen können?

Nein, ein Maler nicht – aber ein Künstler muss für mich persönlich definitiv Anatomie, Perspektiven und klassische Elemente erkennbar und leicht beherrschen.

Was zeichnet Ihren Stil aus?

Dass man mich nicht in eine Schublade stecken kann – ich fühle mich im Realismus/ Surrealismus genauso zuhause wie im angehaucht Abstrakten, im Symbolismus oder auch schlichtem Porträtieren und Comic oder Mystic/ Dark Art.

familylegacyWo holen Sie Ihre Inspirationen/Ideen?

Ich bin ein Fotoapparat: Eindrücke entwickeln sich aus einem Sekundenbruchteil in ein fertiges Bild – das kann aus Nachrichten, Film, dem Eindruck an der Kasse, einem Gespräch entstehen. Inspiration ist mein tägliches Leben. Allerdings geht es mir aktuell wie „Vergil“ aus Dante Alighieris` göttlicher Komödie: Nur aus Leid schöpfe ich die besondere Kraft des Schaffens.

Gibt es Maler/Künstler, die Sie inspiriert haben oder die Ihnen speziell gefallen?

Sehr viele – ich nenne hier nur ein paar: Leon Ariev, Giger, Istvan Sandorfi, Monet, Picasso, Jens Rusch, Jake Baddely, moderne Künstler wie Gregory Hergert… und viele mehr

Machen Sie auch Auftragsarbeiten oder arbeiten Sie immer frei?

Sowohl als auch.

Haben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese (sofern Sie auf Auftrag arbeiten) dem jeweiligen Thema/Auftrag an?

Ich passe sie tatsächlich an – so sind zum Beispiel meine ganzen Splashporträts© entstanden: Tuschebilder, Aquarelle, die ich ursprünglich nur aus Farbflecken entstehen lasse. Und die sind auf Papier. Sonst Platte/ Leinwand – wahlweise Acryl oder Öl.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? Strenge Arbeitszeiten oder warten Sie auf den Musenkuss und legen los, wie man sich das gerne so vorstellt?

Herrlich.. die Muse ist bei mir männlich. Nein, im Ernst.. ich habe damals NICHT den professionellen Weg der Akademie der bildenden Künste in München, auf der ich bereits eingeschrieben war, gewählt, um nicht künstlerisch sein zu MÜSSEN. Denn ich bin ein Individualist, der unter Zwang und Doktrin keine Leistung bringt. Ich habe zwei Jobs, mit denen ich mir meine Materialien bezahlen kann. Aber ja: Disziplin spielt insofern eine Rolle, sich immer weiterzuentwickeln, und auch beharrlich dran zu bleiben, selbst wenn man den Pinsel gerade schwebend mit zwei Daumen der linken Hand führt. Ich selbst bin ein sehr schneller Künstler – soll heißen: Ich brauche im Schnitt weniger Zeit im Gesamten – arbeite aber auch nie mehr als drei Stunden am Stück , weil ich danach einfach müde bin durch die Konzentration. Aber sie ist schon frei, die Arbeit.

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zum fertigen Bild beschreiben? Legen Sie einfach los oder gibt es Notizen, Vorskizzen?

Ich male im Kopf und fange physisch sofort an. Außer bei Auftragsarbeiten – da gibt es den sogenannten Konzeptentwurf, um den neuen Besitzer ins Bild zu setzen, meinen Leitfaden zu haben und auch später ein Stück Original meines Werkes zu haben. Ich bin da sehr eigen – ich habe immer das Gefühl, ein Stück von mir wegzugeben – und so behalte ich jedes ein bisschen bei mir. Allerdings wird das Resultat dann immer ein Stück anders – weil mir während des Schaffensprozesses dann noch Feinheiten auffallen, die ich vorher im Kopfentwurf nicht beachtet hatte.

Wie ist das Klima zwischen Künstlern? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?

Oh nein, ich selber bin in großartiger Gesellschaft und wir befeuern und stützen und werben für uns gegenseitig. Ich selber feature andere Künstler, die ich für förderungswürdig halte mit meiner Manpower im Sinne von Webdesign (einer meiner Jobs) und der Bildung von Gruppen – lokal oder genre-technisch. Es soll eine Gemeinschaft sein, wir haben alle eine phantastische Leidenschaft. Außerdem – gibt man jedem Künstler aus meinem Genre ein Motiv, das alle gleich malen sollen, kommt jedes Werk individuell daher – wir fürchten untereinander keine Konkurrenz – wir sind uns unseres Könnens und unseres Stils bewusst. Das „Künstler-Stuten-Beißen“ haben nur die nötig, die auch Konkurrenz und somit wohl weniger Butter auf dem Brot fürchten müssen. Sprich die, die doch eher den malerischen Einheitsbrei bedienen oder schlicht die Materie / das Material nicht beherrschen.

Habe ich noch eine Frage vergessen?

Eventuell vielleicht ein Vorurteil, mit dem Künstler immer zu kämpfen haben – Ist Kunst das Geld wert, das man für sie zahlt? Wie oft hört man: „Das ist doch nur ein Bild, wie kann das soooo teuer sein?“ Manch einer zweifelt sogar selber die Legitimität an, für ein eigenes Bild überhaupt Geld zu nehmen. Kunst ist immer noch in vielen Köpfen „brotlos“ – allerdings, wächst die Zahl der Liebhaber. .

Was raten Sie jemandem, der als Künstler leben will?

Durchhalten. Netzwerken.

Welchen Künstler soll ich hier noch vorstellen?

Dajana (Danny) Larsen (Larsen Art)

Weitere Informationen zu Ute Bescht finden sich auf ihrer Homepage: LINK

Auch zu finden ist sie bei Facebook: LINK

selbstportrait

Saskia Wragge,
geb. 1989 im Sauerland, lebt und arbeitet als Illustratorin in Köln.
Sie hat an der ecosign Akademie für Gestaltung bei Boris Servais,
Leo Leowald und Ivo Ringe Illustration studiert.
Sie bebildert Romane und Magazine und Anderes.

Waren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?

So könnte man es ausdrücken. Eine Freundin, die ich schon seit Grundschulzeiten kenne, sagt immer „Gebt ihr bloß keinen Stift in die Hand, sie hört nie wieder auf!“

Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?

Nach der Schule wollte ich Kunst studieren und in der Reihe meiner Bewerbungen, wurde ich dann an der ecosign/ Akademie für Gestaltung angenommen, wo ich zunächst Illustration und Typographie studierte, mich dann aber relativ schnell auf Illustration spezialisierte.

bilder-3Ist eine Ausbildung zum Illustratoren unabdingbar oder lernt man Illustration eher im Stil von learning by doing? Oder anders gefragt: Alles Talent oder kann man es überhaupt lernen?

Ich finde, dass das zwei sehr verschiedene Fragen sind.

Zum Thema Talent: Ich bin der Meinung, dass einem nichts in die Wiege gelegt ist und man kann es einfach. Sicher fällt jedem Menschen das Lernen von Irgendetwas leichter als anderen. Das ist dann Talent. Aber auch da muss man daran arbeiten, um es auszubauen.

Zum Thema Ausbildung oder Autodidakt: 
Ich glaube, dass Menschen viel ohne Ausbildung lernen können, zumal es abgesehen von Lehrbüchern ja heute etwas wie „Unterrichtsstunden“ durch Youtube-Videos gibt. Ob in einer gesteuerten Ausbildung oder als Autodidakt, wichtig ist bei beidem das regelmäßige Üben, um Fortschritte zu erzielen. Der Vorteil bei einer Ausbildung ist aber, dass die Ausbilder einem selbst – zumindest am Anfang – einiges voraus haben und sehen können, in welche Richtung man arbeiten sollte oder wo man noch optimieren kann. Eine geführte Ausbildung kann dabei helfen, nicht unkoordiniert in alle Richtungen zu Strampeln.

bilder-4Was macht einen guten Illustratoren aus?

Ein guter Illustrator muss verstehen, worum es in einem Text, in der Musik, oder was immer er illustrieren soll, geht. Bei einem Roman beispielsweise ist es wichtig, dass man nicht nur die Sachebene erfasst, sondern sein Augenmerk auch auf den Erzählstil des Autors legt. Illustrieren bedeutet, etwas anderes mit einem Bild zu unterstützen, verständlicher zu machen und ihm vielleicht sogar einen zusätzlichen Blickwinkel zu geben. Hübsche Bilder allein reichen nicht.

Ist Illustration Kunst oder Handwerk?

Illustratoren sind zunächst einmal Dienstleister. Sie bekommen einen Auftrag und setzen diesen um. Daraus kann Kunst werden. Auch die Bilder der alten Meister, die wir heute in Kunstmuseen sehen, waren oft Auftragsarbeiten. Wenn man sein Handwerk beherrscht, kann daraus Kunst werden.

bilder-1Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?

Das kann ich kaum einschätzen, da ich schon mit den elektronischen Medien angefangen habe. Sicher ist, dass es durch die Computerprogramme andere Möglichkeiten gibt, als ohne diese, und dass diese eng mit Onlinemagazinen, animierter Werbung und Blogs verbunden sind.

Was zeichnet Ihren Stil aus?

Im Stil bin ich vielseitig. Meine Herangehensweise bei Aufträgen ist nicht an einen festen Zeichen- oder Malstil gebunden. Ich entscheide mich nach einiger Vorarbeit, welches der passende Stil für den jeweiligen Auftrag ist. Das wechselt zwischen Tuschezeichnungen, Aquarellen, Acrylmalereien, digitalen Arbeiten und Mischtechniken aus diesen. Wenn ich frei arbeite, bin ich eher motiv- als stil-gebunden.

bilder-5Wo holen Sie Ihre Inspirationen/Ideen?

Ich gehe oft in verschiedene Museen – nicht nur Kunstmuseen – und lese viel.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Ich wache früh auf und lese im Bett (zur Zeit die Biographie von Vincent van Gogh, S. Fischer Verlag), dann arbeite ich bis zu einer frühen Mittagspause meist Bürokratisches ab. Den Rest des Tages sitze ich über dem Papier. Ein bis drei Tage in der Woche habe ich einen Nebenjob, bei dem ich viel mit Menschen rede. Das ist ein guter Ausgleich.

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?

Wenn ich nicht „einfach nur so vor mich hinmale“ und einen Auftrag habe, leiste ich schon vor der „ersten Idee“ zu einem Bild viel Denkarbeit. Wenn eine Bildreihe entstehen soll, beschäftige ich mich zuerst mit dem Thema und welches die wichtigsten Punkte desselben sind, oder was im bereits vorhandenen Material zu kurz kommt, worauf ich den Blick des Betrachters lenken will. Danach entscheide ich mich für ein Format und die Technik. Erst dann überlege ich, wie die jeweiligen Themen darstellbar sind. Die ersten Ideen schreibe ich untereinander auf und überlege, wo in der Reihe noch etwas fehlt oder gegen welche Idee ich mich entscheiden muss, um ein stimmiges Ganzes zu erzeugen. Wichtig dabei ist, welche Perspektiven, Schwerpunkte und Kontraste die einzelnen Bilder haben und wie sie aufeinander folgen. Wenn das alles erledigt ist, male ich irgendein Bild aus der Reihe, das mich gerade am meisten anspricht. Daraus ergibt sich die Bildsprache der ganzen Reihe.

Durch viel Einschränkung schaffe ich mir einen sicheren Rahmen, in dem ich dann frei arbeiten kann.

Sie haben kürzlich Neil Gaimans „Niemalsland“ illustriert. Was hat Sie an dieser Aufgabe besonders gefreut/gereizt?

Neil Gaiman ist einer meiner liebsten Autoren, deshalb habe ich auch schon in meiner Diplomarbeit das Buch „Der Ozean am Ende der Straße“ von ihm illustriert. Neil Gaiman war ursprünglich Comic-Autor und daher kann er sehr bildgewaltig schreiben. Ich fand an der Aufgabe „Niemalsland“ zu illustrieren besonders reizvoll quasi genau das Gegenteil von dem zu machen, was Chris Riddle tat, der Illustrator der englischen Ausgabe von „Niemalsland“ („neverwhere“), der dem comichaften treu blieb und die Figuren darstellte, wie er sie sich vorstellte. Ich finde das schwierig für den Leser eines Romans, da der Illustrator dem Leser so viel vorgibt. Darum habe ich bewusst auf die Darstellung von Protagonisten verzichtet. Folgt man der Interpretation von Volker Klotz (Literaturwissenschaftler), verwendet Neil Gaiman subtil Tiere als „Helfershelfer der Geschichte“: Welche Tiere wo auftauchen und welche Stellung sie im Roman einnehmen, weist noch auf viel mehr hin. Diesem Aspekt der Geschichte habe ich durch meine Illustrationen Raum gegeben.

bilder-2Wenn Sie ein Traumprojekt nennen könnten: Was würden Sie gerne illustrieren?

Ich würde sehr gerne ein Plattencover gestalten, für Musik, die ich mag.

Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?

Ich habe bis jetzt noch keinen Konkurrenzkampf wahrgenommen und bekomme immer hilfreiche Tipps. Wir schicken uns gegenseitig mögliche Jobs zu. Ich finde es spannend mit anderen Illustratoren über den Job zu reden und mir ihre Arbeiten anzusehen.

Was raten Sie jemandem, der Illustrator werden will?

Museen und Buchläden besuchen und üben. Wenn möglich unter Anleitung.

Welchen Illustrator soll ich hier noch vorstellen?

Boris Servais,
bei ihm habe ich studiert und bin Fan seiner lockeren Linien.

Lars Henkel,
der es wunderbar schafft mit dem Computer zu arbeiten, ohne dass es nach Plastik aussieht. Er bebildert heimlich meine Alpträume.

VK_portrait01Vitali Konstantinov wurde bei Odessa (damals UdSSR, heute Ukraine). Nach dem Studium der Architektur, Grafik, Malerei und Kunstgeschichte in der UdSSR und in Deutschland arbeitet er heute als freier Illustrator in den Bereichen Belletristik für Kinder und Erwachsene, Sachillustration und Editorial für deutsche und internationale Verlage. Er hat in dieser Zeit zahlreiche Bilderbücher und Illustrationen in vielen Ländern realisiert sowie auch klassische Texte bebildert. Mehrfach nahm er auch an internationalen Illustrations-Ausstellungen teil (Belgrad, Bologna, Bratislava, New York, Tokyo) und gewann einige Auszeichnungen: Premio Stepan Zavrel (Italien), Buchmesse Bologna (Italien), Stiftung Buchkunst »die schönsten deutschen Bücher«, 3X3 Children’s Book Show (USA), Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2011, The White Ravens 2012. Neben der freien Illustrationstätigkeit unterrichtete Vitali Konstantinov am Institut für Bildende Kunst der Universität Marburg (2012-2013), an der Bauhaus-Universität Weimar (2011), der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (2009-2010) und leitet zahlreiche Sommerkurse und Workshops für Illustration und Comic in Deutschland, Italien, Spanien, Schweiz.

Vitali_DasFestWaren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?

 Angeblich war ich nicht mal 1 Jahr alt, als ich meine ersten bewussten Linien gezogen habe und dabei von enormer Begeisterung meiner Mutter (ihres Zeichens Bildhauerin (sic) und Kunsthistorikerin (also!) ) überschüttet wurde. Da kleine Kinder zumeist wie Äffchen von den Einflüssen der Aussenwelt gesteuert und geformt werden, hat diese zu frühe und zu positive Verstärkung wohl den weiteren Weg bestimmt. Seitdem ist das Zeichnen mein Instrument auf der Suche nach Zuneigung, Bestätigung und Bewunderung ;-).

Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?

 Zufällig… Oder doch vorbestimmt… Im Elternhaus gab es sehr viele Bücher, Kunstbücher, Bilderbücher, auch Kunstwerke etc. Als Kind habe ich obsessiv gezeichnet, (zu) viel gelesen und mich natürlich auch beim Illustrieren der Lieblingsbücher versucht. Ich war etwa 14, als meine erste „editorial-Arbeit“ in einer lokalen Zeitung erschien und meine Illustrationen zu Voltaire’s „Candide“ im professionellen Kontext ausgestellt wurden. Studiert habe ich dann aber doch Architektur, immerhin wurde man dabei fünf Jahre lang exzessiv in realistischem Zeichnen und Malen gedrillt. Als „russischer Architekt“ in Deutschland gelandet, durfte ich meinen Beruf erstmal nicht ausüben, studierte Kunst, freundete mich per Zufall mit einer Design-Firma an, für die ich ein paar Motive zeichnete. Diese Motive wurden in Bologna (wichtigste jurierte Illustratoren-Ausstellung und Buchmesse) gezeigt. Gleich darauf kamen Verlagsanfragen aus USA, Brasilien, Taiwan und danach die ersten Veröffentlichungen. Ich war begeistert. Hätte ich bloß damals gewusst, …

RodariIst eine Ausbildung zum Illustratoren unabdingbar oder lernt man Illustration eher im Stil von learning by doing? Oder anders gefragt: Alles Talent oder kann man es überhaupt lernen?

Das fragen Sie denjenigen, der Illustration nie studiert hat und trotzdem über 100 Bücher in 35 Ländern veröffentlichen konnte und an deutschen Hochschulen Illustration und Comic unterrichten durfte? ;-]

Was macht einen guten Illustratoren aus?

 Er muss den Text lesen und ihm danach folgen können (möglichst auf der Überholspur ;-). „Gute Illustration“ hat nicht viel bzw. gar keinen Platz für künstlerische Selbstsucht, in erster Linie ist sie die Kunst der Interpretation und des (Mit)Erzählens.

main_alch_coverIst Illustration Kunst oder Handwerk?

 Weiss jemand überhaupt, wo das Handwerk aufhört und die Kunst beginnt? …

Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?

 Die „Medien“ sind selbstverständlicher Bestandteil des heutigen Lebens – wie beheiztes Wasserklosett o.ä. Darauf würden wir jetzt auch ungern verzichten und trotzdem sind wir nicht bei jedem Klobesuch maßlos „beflügelt“, oder? 😉

Was zeichnet Ihren Stil aus?

 Habe ich etwa einen „Stil“? „Stil“ wäre etwas Angekünsteltes, Bemühtes. Ich kann bloß meine natürliche Motorik und Sehgewohnheit vorweisen. Nix Stil da.

main_alch_MendelejewHaben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese immer dem jeweiligen Thema/Auftrag an?

 Mein allerliebstes Medium ist eigentlich meine Ukulele.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Etwa wie bei Fjodor Mischailowitsch Dostojewski, mit dem Unterschied: Ich rauche nicht und mache stattdessen viel Sport 😉

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?

 Vorfreude – Ahnungslosigkeit – Angst zu versagen – Verzweifeln – zufälliger Einfall – Stolz auf Entstehendes – Enttäuschung. Und alles von vorn.

Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?

 Die Atmosphäre unter Illustratoren ist von Sympathie, Austausch und Anerkennung geprägt – und das wirklich international über alle Grenzen und Sprachen hinweg. Man kennt sich, man gehört schliesslich zu einer seltenen und stets bedrohten Gattung. Ausserdem ist jeder Künstler so fest von seiner eigenen Individualität und Unaustauschbarkeit überzeugt, dass ein Konkurrenz-Gedanke als absoluter Nonsens erscheint.

Was raten Sie jemandem, der Illustrator werden will?

 Das nochmal zu überdenken und eventuell einen anderen – anständigen und Geld bringenden – Beruf zu lernen. Es sei denn, er taugt für nichts anderes und kann sich das Leben ohne Illustrieren nicht vorstellen. Dann soll er Visitenkarten drucken, die ihn als Illustrator/in ausweisen, und loslegen. Easy.

Welchen Illustrator soll ich hier noch vorstellen?

 Hm… nur eine/n? und ausschliesslich deutschsprachige/n? … Ich will keine/n vorziehen. Es gibt sehr viele, die ich bewundere, persönlich mag etc. Soll ich eine Liste zusammenstellen?

Ich bedanke mich sehr herzlich für diese humorvollen Antworten, für diesen Einblick in den Illustratorenalltag, und freue mich schon auf die Liste.

Homepage von Vitali Konstantinov: pittore.de

AutorenfotoDorisLecherDoris Lecher wuchs in einem Dorf am Zürichsee auf. Ihre Berufswünsche schwankten zwischen Malerin und Schriftstellerin, nach einem ersten Roman mit 13 kamen Bühnenauftritte und der Gedanke, Schauspielerin zu werden. Mit 24 zog Doris Lecher mit ihrem Mann nach New York, sie nutzte die Zeit und lernte an einer Kunstgewerbeschule das Handwerk des Malens, Illustrierens und Scheibens für Kinder. In New York wurde auch ihr erstes Kinderbuch, Angelita’s Magic Yarn, verlegt.

Doris Lecher lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Basel, wo auch ihre wunderbaren Bildergeschichten entstehen.

“Ein neues Haus für Charlie” @ Beltz und Gelberg
“Ein neues Haus für Charlie” @ Beltz und Gelberg

Waren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?

Ja, ich hab immer schon gern gezeichnet und Geschichten erfunden. Bevor ich schreiben konnte mittels Bildern.

Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?

Irgendwann realisierte ich, dass, wenn ich schreiben und malen will, die beste Kombination Bilderbücher sind. Damals lebten wir in New York. Und ich entdeckte, dass man das sogar studieren kann. So besuchte ich dort die Parsons School of Design.

“Spiegel, das Kätzchen” @ NordSüd Verlag
“Spiegel, das Kätzchen” @ NordSüd Verlag

Ist eine Ausbildung zum Illustratoren unabdingbar oder lernt man Illustration eher im Stil von learning by doing? Oder anders gefragt: Alles Talent oder kann man es überhaupt lernen?

Wie in jeder Kunstsparte läuft ohne Talent nichts und mit nur Talent noch weniger. Ein Werk erschaffen bedeutet Knochenarbeit. Mein Weg war vor allem Learning by doing mit guten Tipps von Lehrern, Lektoren, Kollegen und anderen kritischen Geistern. Ein Diplom in der Tasche bedeutet in dieser Branche aber weniger als ein publiziertes Buch.

Was macht einen guten Illustratoren aus?

Dass er einem Text Tiefe verleiht und ihn erleuchtet, wortwörtlich illuminiert. Dass er die Geschichte ergänzt und das Buch bereichert.

 

“Spiegel, das Kätzchen” @ NordSüd Verlag
“Spiegel, das Kätzchen” @ NordSüd Verlag

Ist Illustration Kunst oder Handwerk?

Ich persönlich unterscheide nicht zwischen Kunst und Kunsthandwerk, sondern halte es wie die alten Meister, die nur einen Begriff dafür hatten. (Ars)

 

Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?

Was eindeutig einfacher wurde, ist die Recherche. Wenn ich heute ein Okapi zeichnen will, muss ich dafür weder in die Bibliothek noch in den Zoo gehen. Obwohl ich mir bei grossen Projekten die Dinge gerne immer live anschaue, weil ich sie dann mit allen Sinnen erfahre. Ansonsten gehöre ich zu den alten Hasen und bin mit Papier und Pinsel und Stiften unterwegs. Den Computer brauche ich manchmal für nachträgliche Korrekturen oder dort, wo er sehr viel praktischer ist (bei Spiegelungen, Wiederholungen etc.) Der erste Strich entsteht aber immer von Hand auf Papier.

 Was zeichnet Ihren Stil aus?

Fantasie, Humor und sehr viele Details vielleicht? Einer bestimmten „Schule“ gehöre ich nicht an.

Wo holen Sie Ihre Inspirationen/Ideen?

Woher die Ideen kommen ist mir selber ein Rätsel. Und ich habe mehr als mir lieb ist. Mein Problem ist eher, wie bündle ich sie, sodass ein Bild oder Text nicht überladen wird.

 Haben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese immer dem jeweiligen Thema/Auftrag an?

Am liebsten male ich mit Aquarellfarben. Für mein letztes Buch „Spiegel, das Kätzchen“ machte ich Kupferdrucke mit Radier- und Kaltnadeltechniken. Das passt mit dem vielen Schwarz gut zu der hintergründigen und auch etwas unheimlichen Geschichte. Jedes Buch verlangt ein bisschen nach einer anderen Technik.

“My Secret Garden” © Doris Lecher
“My Secret Garden” © Doris Lecher

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

 Wie der eines Beamten: Morgens am Schreibtisch die kreative Arbeit, Mittagspause, nachmittags Korrespondenz oder Haushalt oder Tierarzt oder was sonst noch alles anfällt. Wenn eine Arbeit sehr eilt, illustriere ich auch noch am Nachmittag.

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?

Nicht in zwei, drei Sätzen! Die Entstehung eines ganzen Buches ist es ein langer Prozess, der bei mir in mindestens ein Jahr in Anspruch nimmt.

“Spiegel, das Kätzchen” @ NordSüd Verlag
“Spiegel, das Kätzchen” @ NordSüd Verlag

Sie haben kürzlich Gottfried Kellers „Spiegel, das Kätzchen“ illustriert. Wie kam es dazu?

 Als unsere Jugendlichen Gottfried Keller in der Schule lesen mussten, war ich entsetzt über ihr Gejammer. Da hab ich ihn auch wieder gelesen und ganz wunderbar gefunden. Besonders der Spiegel hat es mir angetan. Und weil darin genau das vorkommt, das ich am allerliebsten male: Katzen, Eulen, Hexereien, alte merkwürdige Dinge, Gutes zu Essen und einen leicht schrägen Humor, konnte ich nicht widerstehen, die Geschichte neu und kürzer zu erzählen und Bilder dazu zu malen.

 Wie wählen Sie generell aus, was Sie illustrieren wollen? Gäbe es Dinge, die Sie nicht illustrieren wollen oder sehen Sie hinter allem die kreative Herausforderung?

Wenn eine Weltanschauung mir gar nicht entspricht, (Esoterik z.B.) würde ich ein Buch nicht illustrieren. Und nicht stimmige Geschichten oder sprachlich schlecht geschriebene nehme ich auch nicht an. Dafür arbeite ich zu lange an den Illustrationen und ist mir die Sprache zu wichtig.

 Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?

Natürlich sind wir Konkurrenten, aber ob man die anderen Illustrierenden als Konkurrenz oder Kollegen anschaut ist eine Frage der Persönlichkeit. Ich bin in zwei Vereinen, wo wir uns austauschen, auch mal helfen, und sogar Aufträge weiter reichen, wenn wir selber keine Zeit dafür haben oder denken, der andere kann das besser.

 Was raten Sie jemandem, der Illustrator werden will?

Noch einen anderen Beruf dazu zu lernen! Nicht nur als Einkommensquelle – es ist hart und sehr unsicher, nur vom Illustrieren zu leben –, sondern auch, weil die Arbeit ausgesprochen einsam ist. Da tut es gut, noch ein anderes, sozialeres Tätigkeitsfeld zu haben.

Welchen Illustrator soll ich hier noch vorstellen?

Käthi Bhend und/oder Albertine. Die beiden gefallen mir ganz besonders unter den Schweizer Illustratoren und haben vollendete Kunstwerke von Büchern geschaffen.

Tina Good

Porträ tHomepage: http://gogood.ch/
Tina Good (Jahrgang 1976) besuchte nach dem neusprachlichen Gymnasium den gestalterischen Vorkurs und absolvierte nach einem Praktikum in einer Kommunikationsfirma ein Studium an der Kunsthochschule in Luzern. Nach dem erfolgreichen Abschluss ist sie seit 2003 selbständig als Illustratorin und Malerin tätig. Zudem leitet sie Illustrations-Workshops. Tina Good wohnt in Zürich.

Waren Sie das Kind, dass immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?

Ja, es war immer ein besonderes Interesse.

Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?

Mich faszinierte schon immer das figürliche, erzählerische Zeichnen und ich habe gerne illustrierte Bücher gelesen. Ich wollte wissen, wie das geht, deswegen wollte ich Illustratorin werden.

Was macht einen guten Illustratoren aus?

Das weiss ich nicht. Ich bin fasziniert, wenn ich in Illustrationen die Freude und Leidenschaft am Zeichnen und die Beschäftigung mit dem Thema nachempfinden kann und wenn ich sehe, dass sich daraus eine individuelle Bilderwelt ergibt, die ich so noch nicht kenne.

TinaGood-qualle
Ist Illustration Kunst oder Handwerk?

Je nachdem. Ist beides möglich.

Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?

Weder noch.

Was zeichnet Ihren Stil aus?

Merkmale meiner Bildsprache sind das Interesse an Atmosphären, daran, dass sich ein Ausdruck und eine Intensität manifestieren, die mehrere Deutungsmöglichkeiten erlauben. Diese Rätselhaftigkeit, dass das Bild nicht alles preis gibt, soll den Betrachter ruhig etwas beschäftigen.

Haben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese immer dem jeweiligen Thema/Auftrag an?

Meine Medien und die Umsetzungsart, wähle ich jeweils dem Inhalt und Auftrag entsprechend.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Von aussen betrachtet, nicht so interessant, wie man sich vielleicht denkt. Ich sitze im Grossen und Ganzen täglich am Tisch und zeichne. Übrigens auch wenn ich keine Aufträge habe. Langweilig wird es jedenfalls nie.

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?

Die Vorgehensweise variert. Es geht jeweils um Themenfindung, Skizzieren und die Ausführung. Manchmal ergibt sich aber eine Idee auch erst aus der Beschäftigung mit einem Material.

Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?

Ich sehe das in den meisten Fällen so, dass wir für dieselbe Sache unterwegs sind.

Was raten Sie jemanden, der Illustrator werden will?

Er oder sie soll sich mit Bildern beschäftigen und sich das nötige technisch-handwerkliche Wissen aneignen um solche selber herzustellen. Im Berufsalltag finde ich Offenheit, Freiheitsliebe und Ausdauer wichtig, sich selber treu bleiben. Und lesen, lesen, lesen.

Du gibst auch Illustrations-Workshops. Wer kann da mitmachen?

Antwort: Alle, die Freude am Zeichnen, Malen und Gestalten haben. Vorkenntnisse sind willkommen, aber nicht Voraussetzung.

Welchen Illustrator soll ich hier noch vorstellen?

Dirk Bonsma
http://dirk-bonsma.magnolia.ch/Log-Buch/