27. April

„Nicht die Dinge selbst, sondern die Meinungen über dieselben beunruhigen die Menschen.“ (Epiktet)

Vor Prüfungen habe ich mich immer dabei ertappt, wie ich mir in den düstersten Farben ausmalte, was alles schief gehen könnte. Vor wichtigen Terminen blieb der Schlaf aus, weil in meinem Kopf die Gedanken drehten – nicht auf erfreuliche Weise. Ich malte mir aus, was alles passieren könnte, stellte mir vor, welche Gefahren und Risiken auf mich warten könnten.

Ich war beunruhigt, ohne dass etwas passiert war. Alles fusste nur auf meinen eigenen Vorstellungen. Eigentlich blöd, oder? Klar können Prüfungen misslingen, Termine können auch wenig erfreulich ausgehen, aber: Sich das schlechte Ende schon vorher immer und immer wieder vor Augen zu führen, wird kaum etwas Positives bringen – im Gegenteil. Es stiehlt mir Zeit und Ruhe und bildet damit keinen guten Boden für das Bevorstehende.

Wie viel besser wäre es also, wenn wir uns vor Herausforderungen aufmuntern und innerlich stärken würden statt uns niederzumachen und in Ängsten zu versinken?

Was ist meine Geschichte?

„Wir erzählen uns Geschichten, um zu leben.“ (Joan Didion)

Wir gehen durchs Leben und erzählen uns und anderen unsere Geschichte. Es ist eine Geschichte unseres Lebens, die Aneinanderreihung von Erfahrungen und Erlebnissen, die schlussendlich das ausmacht, was wir „ich“ nennen. Wir sind uns dabei selten bewusst, dass wir nur eine mögliche Geschichte erzählen, dass es noch viele andere gäbe. Noch seltener sind wir uns bewusst, dass das, was wir aus der Erinnerung als unsere Geschichte erzählen, oft anders war, als wir uns erinnern, da unser Gedächtnis die phänomenale Gabe hat, Erzählungen so zu strukturieren, dass sie Sinn ergeben, dass sie in einem Kontext stehen und darin schlüssig und nachvollziehbar klingen. Das heisst nicht, dass wir lügen, schon gar nicht bewusst, es ist nur nicht die Wahrheit, schon gar nicht die ganze.

Das Gute daran ist: Wir können unsere Geschichten ändern. Auch das ohne zu lügen. Indem wir auf andere Erfahrungen und Ereignisse fokussieren, andere Perspektiven einnehmen, ergeben sich neue Geschichten. Gerade wenn wir mit unserer Geschichte hadern, kann das heilsam sein.

Vielleicht fragst du dich mal: Was ist meine Geschichte? Und dann schau genau hin, ob es die einzig mögliche ist oder ob du nicht noch mehr findest. Und vielleicht findest du sogar die Geschichte, die dir hilft, gut damit weiter zu leben, weil sie dir etwas mit auf den Weg gibt, das dir Kraft für die Zukunft gibt.