Was ist ein Mensch und wann ist er tot?

Im Folgenden meine Rezension von Rafael Ferbers Buch „Philosophische Grundbegriffe 2“ – trotz der sehr komplexen Materie ein lesbares Buch, das durch die sehr weit und breit greifenden Verweise quer durch die Theorien seit der Antike ein Lesevergnügen und eine Bereicherung ist.

Folgende Wesenszüge zeichnen also den Menschen aus: Er ist das sprechende und denkende Wesen, nach dem Bilde Gottes geschaffen und bildet sich selbst nach seinem eigenen Urteil.

Rafael Ferber widmet sich im zweiten Band seiner Grundbegriffe den philosophisch komplexen Themen wie Mensch, Bewusstsein, Leib und Seele, Willensfreiheit und Tod zu. Diesen Begriffen gemeinsam ist, dass sie nicht leicht zu fassen sind. Was ist ein Mensch? Was macht ihn aus? Wie kann ich das, was ihn ausmacht als ihn ausmachend begründen und beweisen? Diese Fragen führen in die Innenperspektive des Menschen, aus der heraus er über sich selbst und sein Menschsein urteilen muss. Die Fähigkeit, über sich selber zu urteilen, die eigenen Gedanken reflexiv zu betrachten und zu werten ist sicher eine menschliche Eigenschaft, sie hebt den Menschen von den anderen Lebewesen ab.

Die in der Fähigkeit zur Argumentation begründete Autonomie hebt den Menschen insbesondere über das Tierreich hinaus. Sie begründet aber auch einen Unterschied zwischen den Menschen untereinander.

Um so weit zu kommen bedarf es der Erklärung, was überhaupt das Bewusstsein ist. Ein Wesen hat dann ein Bewusstsein, wenn es in einer Beziehung zu sich selber steht. Das menschliche geht über das tierische hinaus, insofern es reflexiv ist. Zudem verfügt ein Mensch als Person über eine intuitive Einheit seines Bewusstseins.

Als Einheit/Eins erscheint uns auch ein Mensch, selbst wenn er über psychische wie physische Phänomene verfügt. Die Frage, ob ein Mensch nun wirklich eins ist, Leib und Seele eine Einheit oder aber zwei Dinge sind, stellt das nächste Problem dar, welchem sich Rafael Ferber widmet. Dazu beleuchtet er die unterschiedlichen Theorien und philosophischen Strömungen seit der Antike quer durch die Zeit, um am Schluss sein Fazit zu ziehen, dass das eine Wesen Mensch in zwei Aspekten erscheint, deren Einheit nicht vollständig erfassbar ist.

Ebenso wenig erfassbar ist auch die Willensfreiheit, welche zwar als Illusion so stark ist, dass sie kaum von einer Realität zu unterscheiden ist, da sie auch Wirkungen zeigt. Die Lösung zeigt sich in einer relativen Freiheit, welche mit dem Determinismus vereinbar ist. Die absolute Freiheit bleibt unbegreiflich.

Schlussendlich endet jedes Leben mit dem Tod, wovon der Mensch ein Bewusstsein hat, trotzdem er ihn nicht aus der Innenperspektive beschreiben kann. Der Tod als solches existiert als Begriff, wird aufgrund von Kriterien begründet, welche mit bestimmten Verfahren erfasst werden. Schlussendlich bleibt zu sagen, dass der Tod als biologische Tatsache philosophisch je nach Seelenbegriff variiert. Was über den Tod hinaus bleibt, sind Erinnerung und Nachkommenschaft sowie das Interesse am Überdauern des guten Namens.

Fazit:

Das Buch  zeugt von der Belesenheit, dem Wissen und der Fähigkeit des Autors, dieses trotz der Komplexität der Materie wiederzugeben. Die wohl schwierigsten Begriffe dessen, was den Menschen zum Menschen macht und damit sein Wesen ausmachen werden in diesem Buch vorgestellt, beleuchtet und hinterfragt. Das Buch ist uneingeschränkt zu empfehlen.

Rafael Ferber: Philosophische Grundbegriffe 2, C.H.Beck Verlag, München 2003.

Steglitz stellt Sandra Matteotti mit „Bücherwelten“ und „Denkzeiten“ vor

Das Netz-Buch-Dickicht etwas lüften will die Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“. Gedacht ist das so: Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber ich wiederum einlade, die acht Fragen zu beantworten. –  Langfristig, könnte so ein bibliophiles Blog-Brevier entstehen, das von allgemeinerem Interesse ist. Und darüber hinaus profitieren wir von den Erfahrungen anderer Blogger für unsere eigenen Wege im Netz … (Wer es noch genauer wissen will, was die lose Gesprächsreihe soll, kann das hier nachlesen.)

Den acht Fragen stellt sich heute die Schweizerin Sandra Matteoti, die seit einigen Jahren bloggt. Ihre beiden Hauptblogs sind „Bücherwelten“ und „Denkzeiten“. Als Interviewgäste empfiehlt sie die Betreiber von „Buchkolumne“ und „Zeitspiegel“.

Dein Steckbrief in wenigen Stichworten …

Ich habe als Kind die ganze Ortsbibliothek verschlungen und die Liebe zu Büchern, zur Literatur führte mich dann geradewegs ins Studium. Ich habe Germanistik, Philosophie und Geschichte studiert, mit einer Arbeit über Thomas Mann, der mich als Schriftsteller und Mensch fasziniert, abgeschlossen. Danach promovierte ich in Philosophie, mit literarischem Exkurs. Dabei ging es mir weniger um den Titel als mehr ums Schreiben, die Vertiefung in ein Thema. Danach schrieb ich in den unterschiedlichsten Bereichen und zu unterschiedlichen Themen weiter. Sei es freischaffend als Journalistin, als Texterin im Bereich Kommunikation und PR oder als Autorin in eigenen Projekten. – Schreiben ist mein Leben, bestimmt es maßgeblich.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit einigen Jahren. Den genauen Anfang weiß ich nicht mal mehr, der erste Blog existiert auch nicht mehr. Früher war es Tagebuch, waren es Texte für die eigenen Notizbücher und die Nachttischschublade, heute geschieht das meiste Schreiben am Computer. Schreiben ist meine Leidenschaft, ich muss schreiben, sonst fehlt mir etwas. Ich drücke mich in Buchstaben und Texten aus, lebe mich aus, finde auch immer wieder ganz neue Dinge über mich heraus, indem ich schreibe, Texte fließen lassen. Oft haben die Texte wie auch die Gedichte eine eigene Dynamik. Ich beginne irgendwo und am Schluss hat mich mein Schreiben geleitet. Das geht natürlich nicht in allen Bereichen. In mir gibt es zwei Seiten, die sehr strukturierte und die kreativ-intuitive. Ich habe gelernt, dass ich beiden ihren Raum geben muss.

Sandra Matteotti © Sandra Matteotti

Ich habe zwei Hauptblogs. Einer enthält meine Gedanken, meine Gedichte. Er befasst sich mit dem Leben, der Welt, mit dem, was mir gerade durch den Kopf geht, mich beschäftigt, mir zufliegt. Er heiß Denkzeiten. Hier lebe ich meine philosophische Ader aus. Der andere heißt Bücherwelten. Hier findet man hauptsächlich Rezensionen, aber auch Artikel und Gedanken zur Literatur. Den zweiten Blog habe ich relativ neu gestartet. Ich habe früher schon Rezensionen verfasst und natürlich rund um die Literatur geschrieben, allerdings in anderen Formaten und zu anderen Zwecken.

Ich bloggte zuerst auf Blogger, wechselte dann zu WordPress. Das hatte nicht einmal wirkliche Gründe. Zuerst hatte ich meine Blogs auf beide Portale verteilt, dann entschloss ich mich, dass es einfacher wäre, nur bei einem zu sein. Bei WordPress habe ich mehr Vernetzung, da die meisten Blogs, die mir gefallen, bei WordPress sind. Dazu kommt, dass mir die Plattform irgendwie sympathisch ist. Bauchgefühl.

Der Austausch ist dir beim Bloggen wichtig …

Ja, ich schätze es, wenn ich Menschen kennen lerne, die mit ähnlichen Interessen und Themen beschäftigt sind, ich finde einen Austausch da schön. Das ist mir insofern auch wichtig, als ich doch meistens alleine zu Hause an meinem Tisch sitze und vor mich hin schreibe. Vom universitären Bereich bin ich jedoch vielleicht ein wenig vorbelastet, als ich da sehr viel Neid und Intrigen kennenlernte. Das hat mich sicher ein Stück weit zurückhaltend und vorsichtig gemacht. Bislang kann ich mich aber nicht beklagen. Alle werden sich nie mögen, in keinem Bereich …

Deine Themenschwerpunkte …

Die Schwerpunkte sind – wie bereits erwähnt – Literatur und Philosophie. Ich bin lange Zeit immer hin und her geschwankt, dachte, mich für das eine oder andere entscheiden zu müssen. Es hat beides Platz, manchmal überwiegt das eine, manchmal das andere …

Was treibt dich in der Literatur-, Kulturszene derzeit besonders um?

Eigentlich nicht viel. Ich befasse mich wenig mit der Szene.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich verbreite sie momentan hauptsächlich über Twitter und Facebook. Die Rezensionen findet man auch auf anderen Bücherseiten wie LovelyBooks und Amazon.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ich denke, das muss jeder für sich selber wissen. Wichtig ist, dass man sich immer bewusst ist, dass das, was man schreibt, danach öffentlich sichtbar ist, wenn man es nicht schützt. Man muss sich also immer überlegen, was man preisgeben will, wie offen man sein will. Es kommen Reaktionen und die Menschen neigen dazu, das, was steht, eins zu eins auf dich anzuwenden.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Ab und an kommt die Sinnfrage auf: Wozu machst du das eigentlich? Das liest doch eh niemand, das braucht die Welt doch nicht, niemand wartet auf deine Texte. Das zweite Problem ist die Isolation teilweise. Kein berufliches Umfeld da ist beim Schreiben, wie ich es tue. Auf der anderen Seite ist es ja genau das Leben, das ich leben will. Die Zweifel gehören wohl einfach zu mir dazu.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Schön sind Feedbacks, die mir sagen, sie hätten sich wiedererkannt in meinen Texten, die Texte hätten ihnen etwas gegeben. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit und Freude. Es ist schön, jemandem etwas mit auf den Weg geben zu können. Und wenn es nur ein Lächeln ist oder eine kleine Hilfe, etwas zu sehen.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Grundsätzlich freue ich mich darüber. Schwierig wird es ab und an, wenn ich das Buch wirklich schlimm finde. Schönreden werde ich nie ein Buch, dann verzichte ich eher auf eine Rezension. Einen Verriss schreiben möchte ich eher nicht, Kritikpunkte anmerken aber immer!

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich habe ein iPad und sowohl darauf wie auch auf dem Computer die Kindle-App. Ich war schon einmal froh darum, im Store Bücher zu finden, die nicht mehr publiziert werden und vergriffen sind. Sie waren sogar gratis! In schlaflosen Nächten nutzte ich den Kindle auch deshalb, weil man dann kein Licht anmachen muss. Ich mag es allerdings nicht wirklich, so zu lesen. Ich bin sehr technisch interessiert, kenne mich mit Technik auch recht gut aus, aber etwas wird dadurch nie zur Seite geschoben: Papier und vor allem Bücher. Dass ich auch meine Papieragenda liebe, gehört hier wohl nicht her. Ist aber auch so.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

SteglitzMind darf ich nicht empfehlen, lese ich aber sehr gerne. Daneben lese ich eigentlich wenig Bücher- oder Literaturblogs. Ich klicke mich ab und an durch die Blogs durch, finde einzelne Artikel gelungen. Einige möchte ich aber doch nennen, die mir als Ganzes positiv aufgefallen sind: Gunnar Kaisers Philosophieblog Philosophisch leben – eine Reise durch verschiedene Themen des Alltags, philosophische Themen, die zum Nachdenken anregen.Zeitspiegel – vielfältige Themen wie Politik, Kultur, Leben, Wissen. Schön geschrieben, mit viel Hintergrund und Tiefe. Christian Köllerers Blog „Dr. Christian Köllerers Notizen“ – ich mag seinen Zugang zur Literatur und seine Auswahl der Werke. Und Karla Pauls Buchkolumne –  ein Blog direkt aus dem Leben. Ihre Texte gefallen mir durch ihre Natürlichkeit. Zudem spricht eine große Liebe zur Literatur aus ihren Zeilen. Ich kenne sie nicht persönlich, aber irgendwie habe ich sie ins Herz geschlossen. – Für ein Gespräch würde ich gerne die Betreiber von „Buchkolumne“ und „Zeitspiegel“ empfehlen. Da möchte ich mich nicht festlegen.

Danke sehr, Sandra. Vielleicht unterstützt du mich dabei, Karla Paul und den Betreiber von Zeitspiegel dazu zu bewegen, die Fragen ebenfalls zu beantworten?

Im Original nachzulesen bei SteglitzMind – Ich danke für die Plattform und das Interesse. Hat Spass gemacht!

Alles zu seiner Zeit

Das Leben hält oft mehrere Möglichkeiten bereit. Man steht davor und hadert mit sich, weiss nicht, welche ergreifen. Wenn dann noch äussere Faktoren dazu kommen, von denen man abhängig ist, wird alles noch schwerer. Dann steht man wie auf einem Abstellgleis, wartet auf eine Entscheidung von aussen, auf ein Feedback, auf eine Zu- oder Absage, und hat in dieser Zeit viel Musse, darüber nachzudenken, was man selber wollte, was man selber könnte, wenn man könnte, wie man wollte und wüsste, was man wollte.

Es bleibt nicht aus, dann schwarz zu malen, mit einer Absage von aussen zu rechnen. Man biegt sich diese innerlich zurecht, redet sich ein, andere Wege wären sowieso besser, um dann wieder zurückzufallen auf die Möglichkeit, die eben noch nicht steht. Man schafft sich mit den eigenen Gedanken neue Realitäten, die noch gar nicht wirklich sind, aber wirklich scheinen, weil sie bis ins letzte Detail ausgemalt sind von der eigenen Phantasie. Man wägt Konsequenzen ab, für die noch nicht mal die Ursachen geschaffen sind. Und irgendwann steht man da und weiss nicht mehr, wo einem der Kopf steht. 

 

„Du musst dich endlich entscheiden, was du tun willst, sonst machst du nie etwas.“

Muss ich das? Wieso? Gibt es nicht auch ab und an Zeiten, die zum Suchen da sind? Bringt nicht die Suche auch immer wieder neue Erkenntnisse, solche, die man nie gehabt hätte, wenn man einfach drauflosgeschossen wäre? Klar steht irgendwann eine Entscheidung an, denn keine Entscheidung wäre ein Treten an Ort oder gar ein Rückschritt. Eine vorschnelle Entscheidung kann aber auch Sackgasse sein und wenn nicht, so doch einen Weg zur Folge haben, der einem nicht entspricht. Und ab und an sind die Möglichkeiten, zwischen denen man entscheiden soll, so vielschichtig, dass es nicht leicht fällt, zu sehen, welche am besten passt. 

Ich schwanke seit Jahren zwischen Literatur und Philosophie hin und her. Klar kann man sagen, das eine tun und das andere nicht lassen. Zwei grosse Projekte lassen sich aber nicht parallel verwirklichen, dazu fehlt die Zeit und die Kraft. Und man kann kaum je wirklich auf zwei Hochzeiten tanzen und mit dem ganzen Herzen dabei sein. Und ohne ganzes Herz bleibt die Freude am Tun aus und es bleibt auch die Tiefe im Ergebnis aus. Und das würde mich nicht befriedigen. 

Welche Strasse nehme ich also? Tauche ich besser in Plots und Charaktere ein oder verstricke ich mich in Gedanken, Thesen und normative Konstrukte? Zeichne ich lieber Welten und lasse die Figuren darin tanzen oder analysiere ich die vorhandene? Ab und an denke ich auch, dass mir die eine liegt, die andere gefällt. Dann wieder sehe ich, dass beide passen, jede auf ihre Weise.

Im Moment gefallen mir beide Welten sehr und ich bewege mich in beiden. Irgendwann wird die Entscheidung für mein nächstes grösseres Projekt fallen müssen. Wie sie ausfallen wird, weiss ich noch nicht – oder weiss es jeden Tag neu, aber jeden Tag anders. Irgendwann wird die Klarheit da sein. Da es dieses Mal wohl  für eine Weile die letzte Weiche ist, die sich stellt, fällt die Entscheidung schwerer als sonst. Treu bleiben werde ich beiden Welten, die Frage ist: Was ist Haupt-, was Nebenwelt.