Ich sollte am Silvester zur Welt kommen. Ich habe mich standhaft geweigert, sass noch eine ganze Woche länger in Geborgenheit, weit ab von allem, was kalt, grausam, schrecklich, schwierig sein könnte. Ich fühlte mich vielleicht ein wenig beengt langsam, aber das machte mir offensichtlich nicht so viel aus. Irgendwann war es doch so weit, ich wurde in diese Welt hineingepresst. Gefragt, ob ich das will, hat mich keiner, es wurde für mich entschieden. Und da sass ich nun. Mit fünf Jahren befand ich, dass es des Älterwerdens nun genug sei, das Leben so genau perfekt wäre, ich so bleiben möchte. Auch da wurde nicht auf mich gehört. Das Leben nahm seinen Lauf.

Es blieb also nicht aus, dass ich ein paar Jahre älter wurde, dass ich die eine oder andere Erfahrung machte – auf einige davon hätte ich gut und gerne verzichten mögen, aber – ganz richtig – ich wurde nicht gefragt. Es war kein schlechtes Leben, es hatte viele ganz tolle Momente, viele Möglichkeiten, immer mal wieder Glück, Sonnenschein, Jubeltrubelheiterkeit. Neben dem Himmelhochjauchzenden fand sich auch das Zutodebetrübte. Die Medaille hat immer zwei Seiten, das erst macht sie ganz.

Nun sitz ich hier (ich armer Tor, um es mit Goethe zu sagen) und frage mich: Was nun? Ist das Leben nun gut? Ist es schlecht? Ist es leicht? Ist es schwer? Habe ich es in der Hand oder es mich? Wie gehe ich damit um? Habe ich wenigstens das in der Hand? Denke ich nur zuviel?

Das Leben ist, wie es ist und wir selber sind, wie wir sind. Damit treffen zwei Variablen aufeinander, die zwar nie statisch sind, allerdings auch nicht in unserer Hand liegen. Wir können immer wieder schauen, wo einer von beiden grad ist und wie wir damit umgehen, allerdings ist nie alles so, wie wir es gerne hätten. Nun kann man daran verzweifeln und finden, man hätte alles gerne anders, wäre gerne anders, als man ist und befände sich im Leben an einer anderen Stelle, als man aktuell steht. Kann man machen, bringt aber wohl wenig ausser Frust, Verdruss und ab und an gar Überdruss.

Man kann auch akzeptieren, dass das Leben nicht nur dazu da ist, einem die ach so sehnlich erwünschten Dinge auf dem Silbertablett zu servieren. Gewisses kriegt man serviert, um dann zu merken, dass es doch nicht so toll ist, anderes muss man sich erkämpfen – im besten Fall ist es dann wirklich toll, im schlechtesten ein Flop. Und manchmal fliegt einem der Jackpot ins Haus. Man erkennt ihn nicht mal immer, lässt ihn manchmal sogar verfliegen, um ihm danach nachzuweinen.

Was also tun? Schimpfen, dass dieses verdammte Life eine Bitch ist, sich dabei ins Komma saufen und sich dabei voll im Recht fühlen? Ja, das darf durchaus mal sein und tut sogar gut. Wenn man es mit dem eher günstigen Wein macht, den guten für den Tag drauf aufhebt, an dem man beschliesst, das Leben wieder in die Hand zu nehmen und auch die schönen Dinge zu sehen, sie mit Lust anzugehen, hat man doppelt gewonnen.

Prosit!

Sommer, Sonne und neue Lebenswege

„Wenn du das Zeitliche segnest, kannst du das ebenso gut unterschreiben“, sagte Frekksen gerade. Er hatte sich den Zigarillo angezündet und blies eine dicke Rauchwolke in Stens Gesicht. „Dann kann dir doch egal sein, was auf der Insel passiert. Hier, unterschreib, du oller Sturkopf.“

Frekksen, schon seit Jahren hinter Stens Grundstück mit dem Strandkorbverleih her, wittert an dessen Sterbebett seine Chance. Allerdings bevorzugt es Sten, zu sterben und seinen besitz seinem Neffen Falk zu vermachen. Dessen Freundin liegt ganz auf Frekksens Linie, auch sie ist für den Verkauf, möchte sich mit dem Geld eine Reise nach Goa leisten. Falk, stur nach Familienart, trennt sich lieber von der Freundin als vom Paradies an der Nordsee, mit dem er Kindheitserinnerungen verbindet. Kurzerhand steigt er ins Auto und freut sich auf seine neue Karriere als Strandkorbverleiher, wenn er auch nicht abschätzen kann, wie sich sein Leben nun entwickeln wird.

Bald schon sieht er sich ungeahnten Schwierigkeiten gegenüber und zwischen den Fronten sich streitender Inselbewohner. Dank der Hilfe von neu gewonnenen Freunden und einer neuen Liebe am Horizont fällt er nicht auf die Nase, sondern stellt sich der Herausforderung.

„Ich bin sicher, du machst das Richtige“, sagte Grit. „Und du wirst wissen, was das ist, wenn der Zeitpunkt gekommen ist. Überstürze nichts. Okay?“

Marie Matisek gelingt mit Nackt unter Krabben ein unterhaltsamer Roman, der den Leser an die Nordsee entführt und das ganz normale Leben in einer Kleinstadt erleben lässt. Liebenswürdig beschriebene Figuren, Lokalkolorit und eine witzig-leichte Erzählweise vereinen sich zu einem unterhaltsamen Lesegenuss.

Fazit
Locker flockige Geschichte für die leichte Lektüre zwischendurch. Flüssig geschrieben, mit einer Prise Humor, holt das Buch Ferienfeeling in die Lesestube.

Zum Autor
Marie Matisek
Marie Matisek führt einen chaotischen Haushalt mit Mann, Kindern und Tieren im idyllischen Umland von  München. Neben dem Muttersein und dem Schreiben pflegt sie ihre Hobbys: kochen, ihren Acker umgraben und Kröten über die Straße helfen. Ihre große Leidenschaft allerdings gehört der schönsten aller Inseln: Heisterhoog (die in Wirklichkeit ganz anders heißt, aber das ist geheim). Von ihr erschienen sind Mutter bei die Fische (2013) und Nackt unter Krabben (2013).

 

MatisekKrabbenAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: List, Verlag der Ullstein Buchverlag GmbH (12. April 2013)
ISBN-Nr.: 978-354828547
Preis: EUR  8.99 / CHF 14.90

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Wie oft verharrt man in Situationen, die einem nicht gefallen, die einen leiden lassen, die weh tun. Wie oft versagt man sich ein Glück, das eigentlich zum Greifen nah sein könnte, das man sich aber nicht zu greifen getraut. Wieso? Weil man dafür etwas aufgeben müsste. Etwas, das da ist, das man kennt. Man kennt es mit all seinen negativen Seiten, all seinem Schmerz, all seinen Schwierigkeiten. Aber man kennt es.

Das Neue klingt toll, aber was, wenn es nicht hält?Was, wenn es auch schwierige Seiten hat, die man nicht kennt? Solche, die man erst erfahren muss, damit umgehen lernen muss? Mit den alten Schwierigkeiten hat man sich – mehr schlecht als recht, aber doch – arrangiert. Drum bleibt man dabei, leidet vor sich hin, sucht weiter nach dem Glück, um es jedes Mal wieder gehen zu lassen, wenn man nur eine blasse Ahnung davon hat. 

Lebe deine Träume, träume nicht dein Leben.

Es klingt so gut, es klingt so wahr und vor allem klingt es einfach. Aber alles andere als das ist es. Man wünscht sich ein Leben nach seinen Plänen, nach seinen Massstäben, nach seinen Zielen. Erfüllt soll es sein, voller Liebe, voller Zufriedenheit, lebendig.

Leben bedeutet immer auch Veränderung. Mal im Kleinen, mal etwas grösser. Wir jedoch halten krampfhaft fest, was ist. Brechen ab und an vielleicht in Gedanken aus, vielleicht auch ein wenig real, um dann schnell und unbemerkt wieder zurück zu krebsen. Im Schoss der Gewohnheiten, des Althergebrachten fühlen wir uns geborgen. Ein Gefühl, das wir nicht mehr im Stande sind, uns selber zu geben, weil wir uns und der Welt nicht trauen, weil sie so gross, so schnell, so unbeständig scheint. Alles, was wir haben, ist das, was ist. Und wir krallen uns förmlich fest. Nichts soll entgleiten. Auch wenn es nicht wirklich das ist, was wir uns wünschen.  Es ist alles, was wir haben. Und:

Schlimmer geht immer.

Allerdings könnte es auch besser werden. Wenn man sich traute, wenn man sein Leben in die Hand nimmt und versucht, das aus seinem Leben zu machen, was man sich davon auch wirklich erhofft. Dazu hilft es, auch mal hinzusehen, was ist. Das Leben ist nicht einfach, wie es immer war, man hat es selber in der Hand, es aktiv mitzugestalten, wie es sein soll. Ab und an bedeutet das, Abschied nehmen von lieb gewonnen oder nur einfach vertrauten Gewohnheiten. Etwas zu wagen, einen Schritt nach vorne zu gehen. Nicht jeder Schritt geht direkt ins Glück, einige gehen auch in die Irre. Doch wäre ein Verharren im Leid, im ungewollten Leben wirklich besser?

Drum wünsche ich mir fürs neue Jahr Mut, Zuversicht, Willenskraft und gutes Schuhwerk, um meinen Weg zu gehen. Ich wünsche mir die eine oder andere Hand, die mir hilft, wenn ich falle, hoffe auf viel Licht, damit ich den richtigen Weg sehe und auf viel Freude, ihn mit leichtem Herzen gehen zu können. Ich wünsche mir gleich gesinnte, gut gewillte Wegbegleiter und auch das eine oder andere Hindernis, damit ich die Leichtigkeit des Seins im Gegenzug zu schätzen weiss.