Rezension: Hans Rath – Manchmal ist der Teufel auch nur ein Mensch

Gott ist tot

„…Und ich dachte, es wäre für uns einfacher, in die Verhandlungen einzusteigen, wenn wir uns darüber einig sind, dass es einen Gott gibt.“
Wieder mal stehe ich auf der Leitung. „Weil?“
„Weil dann meistens auch über die Existenz des Teufels Einigkeit herrscht…“

Vor drei Jahren hatte der Psychotherapeut Jakob Jakobi eine Begegnung mit Gott. Zumindest hatte Abel Baumann behauptet, Gott zu sein. Noch heute ist sich Jakob nicht sicher, ob er es wirklich mit Gott zu tun hatte oder aber eine Psychose vorlag bei dem guten Mann. Da dieser mittlerweile tot ist, lässt sich das nicht mehr klären. Anton Auerbach scheint ein dringendes Anliegen zu haben, denn er lässt nicht locker, bevor sich Jakob nicht Zeit für ihn nimmt. Das Anliegen ist denn auch klar: Er ist ein Abgesannter des Teufels und er will Jakobs Seele. Dafür ist er bereit, so viel zu zahlen, wie Jakob nur will, denn in der Hölle ist Geld unbeschränkt vorhanden. Kein Wunder, wenn schon Banken Unsummen davon beschaffen können.

Das Leben wird nicht einfacher, als sich auch noch Jakobs Exfrau Ellen auf den Leibhaftigen einlässt, irgendwie scheint der Teufel plötzlich überall die Finger – und mehr – im Spiel zu haben.

„Ihr habt sogar schon über das Thema Familienplanung gesprochen“, sage ich. „Beeindruckend.“
„Nicht nur das“, erwidert Ellen lächelnd. „Wir haben auch längst mit der Familienplanung angefangen.“

Manchmal ist der Teufel auch nur ein Mensch ist ein witziges Buch, das die Faust-Thematik in die heutige Zeit transportiert, sie mit Liebeswirren anreichert und so zu lockerer und leichter Unterhaltung werden lässt. Hans Roth lässt subtile Seitenhiebe gegen diverse Institutionen heutiger Zeiten fallen, ohne dabei moralisierend oder politisch zu wirken. Das Buch ist durch und durch unterhaltend, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Fazit:
Lockere, leichte, witzige Unterhaltung. Sehr empfehlenswert.

 

Zum Autor
Hans Rath
Hans Rath, Jahrgang 1965, studierte Philosophie, Germanistik und Psychologie in Bonn. Er lebt mit seiner Familie in Berlin, wo er unter anderem als Drehbuchautor tätig ist. Mit der Romantrilogie Man tut, was man kann, Da muss man durch und Was will man mehr hat Rath sich eine große Fangemeinde geschaffen. Zwei der Bücher wurden bereits fürs Kino verfilmt. Sein Roman Und Gott sprach: Wir müssen reden! ist ebenfalls ein Bestseller.

 

Angaben zum Buch:
RathTeufelBroschiert: 288 Seiten
Verlag: Wunderlich Verlag (26. September 2014)
ISBN-Nr.: 978-3805250740
Preis: EUR 14.95 / CHF 22.90

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Rezension: Ingrid Noll – Hab und Gier

Begleitung bis in den Tod

Immer wieder wunderte ich mich, dass die Verstorbenen persönlich angesprochen wurden: Ruhe sanft! Wir werden dich nie vergessen! Du fehlst mir. […] Ob man davon ausging, dass die Verstorbenen die Botschaften mit Genugtuung zur Kenntnis nahmen? […] Während ich mich noch bei dieser Vorstellung amüsierte, entdeckte ich sie wieder, diese eigenartige und nicht eben freundliche Inschrift auf einer grauen Granitplatte: Bleib, wo du bist!

Wolfram Kemperer lädt seine ehemalige Bibliothekskollegin Karla zum Gabelfrühstück. Da er bald sterben wird, hat er einen letzten Wunsch, für den er Karlas Hilfe braucht. Er möchte zu Hause sterben. Wenn Sie ihn bis zum Tod betreut, wird sie die Hälfte seines Vermögens (unter anderem ein grosses Haus) erben, wenn sie ihm gar noch hilft, zum von ihm festgelegten Zeitpunkt auf die von ihm gewünschte Art aus dem Leben zu treten, kriegt sie alles.

Überfordert von diesem Ansinnen vertraut sich Karla ihrer Freundin Judith an.

…um ehrlich zu sein, bin ich nicht Mutter Theresa, sondern denke dauernd gierig an sein grosses Haus. Sein Auto steht mit jetzt schon zu, wenn ich für ihn einkaufe. Irgendwie hat er mich mit materiellen Anreizen geködert, das ist in hohem Masse unmoralisch.

Judith verspricht ihre Hilfe und bringt auch gleich noch ihren halbseidenen Freund Cord als Mann fürs Grobe mit. Zu dritt leben sie fortan mit Wolfram unter einem Dach, wobei keiner dem anderen richtig traut. Der Tod lässt nicht lange auf sich warten, allerdings kommt er anders als geplant.

 

Ingrid Noll ist mit Hab und Gier eine rabenschwarze Komödie gelungen, die von der ersten bis zur letzten Seite Lesespass verspricht. Das eigentlich ernsthafte Thema der Sterbehilfe und des würdevollen Todes wird in eine makabere Geschichte verpackt, die durch ihre Figuren lebt. Karla, die biedere Rentnerin, Judith, ihre jüngere Freundin, durchtrieben und geschäftstüchtig sowie Cord, eine Mischung aus gutmütigem Bär und Kleinkriminellem, laden den Leser ein, mit ihnen zusammen zu wohnen, immer im Wissen, dass bald etwas passieren wird, von dem man nur noch nicht genau weiss, was es sein wird.

Fazit:
Rabenschwarz mit viel Humor, eine gelungene Komödie mit grossem Unterhaltungswert. Sehr empfehlenswert.

 

Zum Autor
Ingrid Noll
Ingrid Noll, geboren 1935 in Shanghai, studierte in Bonn Germanistik und Kunstgeschichte. Sie ist Mutter dreier erwachsener Kinder und vierfache Großmutter. Nachdem die Kinder das Haus verlassen hatten, begann sie Kriminalgeschichten zu schreiben, die allesamt sofort zu Bestsellern wurden. Viele Ihrer Romane wurden erfolgreich verfilmt, für Die Häupter meiner Lieben wurde Ingrid Noll mit dem Glauser-Preis ausgezeichnet. Von Ingrid Noll erschienen sind unter anderem Der Hahn ist tot (1993), Die Häupter meiner Lieben (1994), Die Apothekerin (1996), Kalt ist der Abendhauch (1998), Röslein rot (2000), Rabenbrüder (2005).

 

Angaben zum Buch:
NollHabundGierGebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag (29. Januar 2014)
ISBN-Nr.: 978-3257068856
Preis: EUR 21.90 / CHF 30.90

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