Heute ist so ein Tag. Meine Laune ist gelinde gesagt bescheiden. Das stimmt nicht ganz, es begann schon gestern. Mich regt alles auf, nervt alles und natürlich geht auch einiges daneben, so dass die schlechte Laune sich gut genährt  weiter erhält. Und so starre ich missmutig an meinem Computer vorbei ins Freie, von wo eine graue Suppe zurückblickt. Wir starren uns an, weder meine Laune noch der Nebel weicht. Beides sture Böcke. 

Vor dem Haus steht ein Umzugswagen. Es ist nicht meiner, ich bleibe. Im Moment würde ich gerade gerne tauschen. Egal wohin, einfach weg von allem, vor allem weit weg von dieser Laune. Die wäre bestimmt überall besser als sie es hier ist. Sähe ich ein paar Berge, den See, röche ich die Alpenluft oder wüsste mich in meiner Lieblingsstadt München – alles wäre besser als das hier.

Ich denke zurück an all die Wege, die ich hätte gehen können und die ich nicht gegangen bin, um nun hier zu landen. Alle erscheinen sie besser, schöner, leuchtender, weniger grau. Ich wäre heute Lehrerin in den Bergen, Referentin auf Reisen, Redakteurin verschiedener Blätter irgendwo in den Bergen. Wo könnte ich nicht überall wohnen, hätte ich mich nicht dagegen entschieden an einem Punkt meines Lebens. Nun sitze ich hier, wo ich mal hin wollte und starre mit dieser absolut miesen Laune ins Graue. 

Gut, ich hatte Gründe. Ich entschied an jeder Weggabelung relativ frei und war immer in der positiven Lage, von wenig äusseren Zwängen gesteuert zu werden. Grundsätzlich führe ich momentan auch das Leben, das ich eigentlich leben möchte, wenn ich nicht grad mies drauf bin und ins Graue starre. Und wären da nicht all die Menschen, die mich grad nerven (wobei ich es ihnen leicht mache, zum Objekt meines Nervens zu werden), könnte es eigentlich ganz ok sein dieses Leben. Sogar an diesem Ort hier, der bei Lichte (welches grad fehlt) betrachtet ein schöner und guter ist.

Mir kommt gerade diese nette ältere Nachbarin in den Sinn, welche auf der Strasse immer meinen Hund freudig knuddelt und heute unvermittelt meinte, sie würde ihn jederzeit hüten, wenn ich wen brauche. Mir fällt meine Freundin ein, mit der ich jede Woche zum Kaffee gehe, mir fällt mein Sohn ein, welcher Fuss gefasst und Freunde gefunden hat, den Knopf in der Schule geöffnet hat und freudig gute Noten bringt. Mir fallen meine anderen Freunde ein, welche immer da sind, auch mal kritisch, aber stets hinter mir und für mich da. Und mir fällt der Postbote ein, welcher mich schon von weitem erkennt und mir zuruft, er hätte ein Paket in meinen Briefkasten gelegt (und ich wohne nicht auf dem Dorf). Die ältere Frau mit dem süssen Hund, mit welcher ich plaudere auf dem Hundespazier und vieles mehr. 

Ich glaube, ich hake den November ein paar Tage früher ab und stürze mich in die Weihnachtszeit. 

Zusammen mit ein paar Kerzen, Kaffee und selbst gebackenen Weihnachtsplätzchen wird auch dieser Tag noch gut enden. Irgendwie geht es mir schon besser.