Tagesgedanken: Anfangen

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – das sagte Hesse und es deckt sich oft nicht mit unserem Gefühl für den Montag. Vielleicht aber müssten wir ihn nicht als Ende des schönen Wochenendes sehen, sondern als Chance, etwas Neues zu beginnen? Ganz im Stil von Anais Nin, welche sagte:

„Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind, wir sehen sie so, wie wir sind.“

Der Montag ist nicht an sich schlecht, wir sind es, die ihn so bewerten. Diese Art von Bewertung zeigt sich in verschiedenen Bereichen des Lebens, auch in Bezug auf eigene Fähigkeiten: Wie oft denken wir, etwas nicht zu können, trauen uns die Dinge nicht zu, malen schwarz und den Teufel an die Wand? Das ist die beste Methode, sich von vornherein den Mut und die Motivation zu nehmen, und wir beherrschen sie gut. Und wenn wir es nicht selbst tun, findet sich sicher einer da draussen, der von unseren Vorhaben, Plänen, Wünschen, Ideen hört und uns sagt: „Das geht nie, das ist nicht realisierbar!“ – Und wir fangen an zu zweifeln oder noch schlimmer: Wir glauben es unbesehen und hören auf, an unsere Ideen zu glauben und sie umzusetzen, oder schlimmer noch: Wir fangen erst gar nicht damit an.

Mark Twain sagte einst:

„Sie wussten nicht, dass es unmöglich war, also haben sie es getan.“

Wenn wir die Dinge nicht angehen, wissen wir nie, was daraus werden könnte. Natürlich lässt sich nicht jede realisieren und nicht aus allem wird ein Erfolg. So werden wir wohl kaum allein mit unseren Ideen oder auch Taten die Weltarmut beseitigen, aber vielleicht können wir dazu beitragen, dass das Thema präsenter wird und mehr dahingehend passiert? Auch werden wir die Klimakatastrophe nicht alleine abwenden, aber wir können unseren Beitrag dazu leisten. Es mag sein, dass wir mit unseren Ideen nicht die Welt retten, aber vielleicht gelingt uns, Teil einer Bewegung zu sein, die gemeinsam versucht, das Leid auf dieser Welt zu mindern. Und das wäre doch ein schöner Anfang.

Wände

Ab und an verreisen meine Gedanken einfach. Ferien machen sie dabei nie, im Gegenteil, sie laufen auf Hochtouren. Sie drehen sich um die Themen, die bewegen, laufen dabei nie rund, sondern ecken an. Und immer, wenn sie wieder stocken, drehen sie noch mehr, weil sie diesen Stau überwinden wollen, sich nicht damit abfinden können, dass es nicht weiter geht. Und man sitzt drin im Strudel und sieht ihn drehen und fragt sich wo er endet. Und ab und an sieht man das Ende, das man haben will und sieht den Weg nicht und sieht das Drehen und fragt sich, wie es aufhören könnte und einfach auf das Ziel zugehen, das richtig wäre.

Doch die Gedanken sind frei und will man sie packen, entziehen sie sich, wie Fische mit glitschigen Schuppen, wie Schmetterlinge im grossmaschigen Netz. Man weiss, man kann sie nicht aufhalten und alles Beschwichtigen  hilft nicht. Alles Ablenken wird nicht zur Erleichterung, sondern zur Qual, weil man den Weg des Drehens als noch länger sieht durch die Unterbrechung. So schwer das Drehen fällt, so wichtig ist es, weil man das Ziel will, das so fern scheint und doch so präsent. Und man denkt sich die  verschiedenen Möglichkeiten und sieht sie klar, so klar, dass man sie nur noch ergreifen müsste und doch kann man es nicht, weil man gegen unsichtbare Wände prallt.

Die Wände sind alt, sie sind errichtet durch die Zeit. Die Zeit der Entbehrungen, die Zeit der Entfremdungen, die Zeit der Abwertungen durch einen selber, durch die anderen, durch niemanden als Gefühle, die als nicht genügend werteten, als nicht ausreichend, nicht fähig, unfähig. Es sind Wände, die den Fluss der Gedanken stoppen und den Weg zum Ziel versperren. Wände, die so hoch sind, dass sie unüberwindbar scheinen und doch will man nicht aufgeben, weil man weiss, dass auf der anderen Seite eigentlich das wäre, was man will, was man muss, ohne das man nicht ist, was man sein will, sein kann, ist. Wäre wenn. Man sie überwände. Die Wände.