Ich habe mich heute durch Pinterest gesucht. Ich mag die Plattform als Ideenlieferant in verschiedenen Bereichen – all meinen vielfältigen (Fotografie, Essen, Wein, Interior Design, Literatur….) halt. Heute war der Schwerpunkt auf den Rezepten.

Mir wurde schon beim Hinschauen ganz schwummrig:

Vegan, glutenfrei, Low Carb, Low Fat, proteinreich…

Danach teilt man heute Essen ein. Nicht natürlich, saisonal oder gar – Gott behüte: Schmeckt fantastisch.

Wir Menschen scheinen Labels zu brauchen, denen wir uns dann selber zuordnen. Im Leben sind wir erst mal unser Beruf, dann haben wir noch private Rollen als Mutter, Ehefrau, Geliebte oder Single inne… wir sind kaum je Mensch, schon gar nicht geniessender. Noch weniger das Leben geniessender.

Wir leben dieses Leben und suchen uns unsere passenden Schubladen, in die wir uns dann stecken – oft auch stecken lassen. Und da machen wir es uns dann bequem und verteidigen die Wände der Schubladen. Kann ja nicht sein, dass es eine Welt ausserhalb der Schublade gibt. Wo kämen wir da hin? Das wäre Lotterleben ohne Grenzen. Und: Wir wüssten nicht mehr, mit wem wir noch sprechen und mit wem nicht, denn:

Das könnten wir nun genau bestimmen. Alle mit gleichem Schubladendenken sind die Guten, die mit fremdem lehnen wir ab. Vehement. Oft mit Hashtag, das macht man heute so. Beispiel aus einem anderen Bereich:

#wirsindmehr

Dabei kümmert die Frage nicht, wer genau „wir“ ist und wer dann „die anderen“. Es geht auch nicht drum, differenziert hinzuschauen. Kritik mag man schon gar nicht, schliesslich meint man es gut. Und findet: Wir müssen nun hinstehen. Mauern bilden, Stellung beziehen und ausgrenzen. Alle, die nicht denken wir wir, sind draussen. Woraus eigentlich? Und worin sind wir? Und was machen „wir“ (wer auch immer das ist) da genau, ausser einen Hashtag befüttern?

Bei „füttern“ fällt mir ein, dass da ja was war. Ich wollte was essen. Nur:

Ich habe auf alles mal wieder keine Antwort, ich stelle nur Fragen. Davon mal wieder gar viele:
Wer bin ich?
Was will ich?
Wer sind wir?
Wofür stehen wir genau ein?
Was tun wir dafür?
Wer sind die anderen?
Und: Was essen wir heute?

Auf Twitter kann man Listen anlegen – ich weiss das nur, weil ich immer mal wieder eine Meldung erhalte, ich sei gerade zu einer Liste hinzugefügt worden. Was es mit diesen Listen genau auf sich hat, weiss ich nicht. Ich könnte es natürlich herausfinden, doch es interessiert mich zu wenig. Gut, ich gebe zu, ich habe eine leise Ahnung, wozu sie sind, aber eigentlich ist das hier gar nicht das Thema. Zumindest nicht direkt. Wobei – eigentlich wohl doch? Der Reihe nach:

Ich habe heute ein Foto auf Instagram gestellt und es gleich mit Facebook und Twitter verbunden (das nennt sich effiziente Social-Media-Nutzung – eine Handlung, drei sichtbare Ergebnisse). Auf dem Bild war eine – zugegeben etwas seltsam geformte – knallrote Chilischote (oder war es ein Peperocino? Oder ist beides dasselbe? Ich weiss es nicht mal so genau – es war einfach klein, knallrot und scharf [das weiss ich von seinem Bruder – oder seiner Schwester? – die ich leichtsinnigerweise mal einfach so probiert hatte, danach der Farbe der gekosteten Frucht Konkurrenz machte und Wasser trank (und ja, ich weiss, man sollte dann kein Wasser trinken, weil das alles noch schlimmer mache, was ich aber immer noch nicht glaube und es drum immer wieder tue) – ich habe grad den Faden verloren, wo ich bei meinen Klammern, Bindestrichen und Nebensätzen bin… Mooooment…..die eckige Klammer fehlt noch: ].

Nun erschien das also mit passendem Hashtag #garden (ich mag ja lieber Deutsch, aber Englisch bringt mehr Treffer, wobei ich die wirkliche Relevanz nicht abschätzen kann, mich findet eh kaum jemand auf Instagram, es sind immer in etwa dieselben Verdächtigen [und ich freue mich echt immer!], und jedes Mal frage ich mich, wie es Menschen schaffen, dass 34.5K Menschen ihnen folgen und ihre Bilder anklicken, selbst wenn da nur ein in den Sand geworfener alter Turnschuh oder ein unbesetztes Sofa steht….ich schweife ab…) auf Twitter und ich wurde zu einer Liste hinzugefügt. Die Liste hiess „gartenbaublog/garten-heros“. Wer mich kennt, liegt nun schon unterm Tisch vor Lachen. Ich schaffe es, Kakteen verdursten zu lassen. Ich würde auch Reis ersäufen. Und das ist nicht vererbt, ich kann mich auf keine Entschuldigung berufen, meine Mama rettet sogar Plastikpflanzen und lässt sie blühen. Zumindest kommt imr das so vor und mein Papa baut grummelnd ständig neue Abstellplätze für noch mehr Pflanzen. Das erinnert mich grad an die Situation, als ich auszog und mir eine Katze ins Haus holen wollte, um nicht so allein zu sein. Meine Mama, wie sie leibt und lebt, meinte nur mit unheilschwangerer Stimme: „Denk an deine Pflanzen (ich wollte immer welche im Zimmer haben und liess sie dann elendiglich verdursten). Katzen brauchen Wasser und Essen. Regelmässig.“

Die Katze hat überlebt. Sie hat sich gewehrt. Pflanzen machen das nicht. Dafür kann ich nichts. Die Chilischote war – ich geb es zu – schon am Baum, als ich ihn kaufte. Aber ich geniesse es nun ein wenig, ein Gartenbau-Hero zu sein. Ich glaub’, ich muss das gleich meiner Mutter erzählen. Wobei: Ob die Twitter kennt? Und dann müsste ich ihr erklären, was Listen sind. Und… ich glaube, ich geniesse still….

Hier übrigens das Corpus delicti