Halloween – oder: Wer bin ich?

Heute ist Halloween. An der Tür klingelt es im Minutentakt. Alle wollen was. Ich öffne nicht. Ich mag Halloween nicht. Es ist nicht mein Fest. Im Netz lese ich von Gleichgesinnten. Ich lese aber auch viele Deutungsversuche. Alle versuchen, den Tag einer Tradition zuzuordnen und sich darin zu verorten.

Ich bin ich und ich lebe heute. Ich kenne viele der verschiedenen Theorien. Greifen sie noch heute? So echt? Oder wollen wir nur in einer Tradition stehen? Und in welcher stehen wir? So wirklich? So ganz? Ich bin durchaus für Traditionen, da zählt für mich aber immer die, in welcher ich aufwuchs. Gar zu oft stemmen wir uns aber genau gegen diese und legen uns eine neue, fremde zu. Wir denken, die sei viel toller als unsere. Und das oft nur, weil wir von aussen kommen und uns nur nehmen, was uns gerade passt.

Der Westen wendet sich dem Osten zu, turnt Yogaübungen und meditiert. Der Osten sieht den Westen als Rettung und sucht, da unterzukommen. Die Halloweengegner sehen sich als Kelten und feiern was, die Christen sehen die christliche Deutung und feiern das. Und alle tun was, alle begründen und keiner schaut auf sich. Ich öffne derweil eine Flasche Wein, schaue ins Glas und feier mich. Ich weiss nicht viel, weiss nur, dass ich von allen oft verlacht werde, weil ich ab und an gerne die Musik meiner Kindheit höre, weiss nur, dass mir fremde Feste nie in Mark und Blut übergingen, weiss nur, dass ich wohl zu viel denke – wobei ich eigentlich nur fühle, dass all das mit MIR nichts zu tun hat.