Auf Twitter kann man Listen anlegen – ich weiss das nur, weil ich immer mal wieder eine Meldung erhalte, ich sei gerade zu einer Liste hinzugefügt worden. Was es mit diesen Listen genau auf sich hat, weiss ich nicht. Ich könnte es natürlich herausfinden, doch es interessiert mich zu wenig. Gut, ich gebe zu, ich habe eine leise Ahnung, wozu sie sind, aber eigentlich ist das hier gar nicht das Thema. Zumindest nicht direkt. Wobei – eigentlich wohl doch? Der Reihe nach:

Ich habe heute ein Foto auf Instagram gestellt und es gleich mit Facebook und Twitter verbunden (das nennt sich effiziente Social-Media-Nutzung – eine Handlung, drei sichtbare Ergebnisse). Auf dem Bild war eine – zugegeben etwas seltsam geformte – knallrote Chilischote (oder war es ein Peperocino? Oder ist beides dasselbe? Ich weiss es nicht mal so genau – es war einfach klein, knallrot und scharf [das weiss ich von seinem Bruder – oder seiner Schwester? – die ich leichtsinnigerweise mal einfach so probiert hatte, danach der Farbe der gekosteten Frucht Konkurrenz machte und Wasser trank (und ja, ich weiss, man sollte dann kein Wasser trinken, weil das alles noch schlimmer mache, was ich aber immer noch nicht glaube und es drum immer wieder tue) – ich habe grad den Faden verloren, wo ich bei meinen Klammern, Bindestrichen und Nebensätzen bin… Mooooment…..die eckige Klammer fehlt noch: ].

Nun erschien das also mit passendem Hashtag #garden (ich mag ja lieber Deutsch, aber Englisch bringt mehr Treffer, wobei ich die wirkliche Relevanz nicht abschätzen kann, mich findet eh kaum jemand auf Instagram, es sind immer in etwa dieselben Verdächtigen [und ich freue mich echt immer!], und jedes Mal frage ich mich, wie es Menschen schaffen, dass 34.5K Menschen ihnen folgen und ihre Bilder anklicken, selbst wenn da nur ein in den Sand geworfener alter Turnschuh oder ein unbesetztes Sofa steht….ich schweife ab…) auf Twitter und ich wurde zu einer Liste hinzugefügt. Die Liste hiess „gartenbaublog/garten-heros“. Wer mich kennt, liegt nun schon unterm Tisch vor Lachen. Ich schaffe es, Kakteen verdursten zu lassen. Ich würde auch Reis ersäufen. Und das ist nicht vererbt, ich kann mich auf keine Entschuldigung berufen, meine Mama rettet sogar Plastikpflanzen und lässt sie blühen. Zumindest kommt imr das so vor und mein Papa baut grummelnd ständig neue Abstellplätze für noch mehr Pflanzen. Das erinnert mich grad an die Situation, als ich auszog und mir eine Katze ins Haus holen wollte, um nicht so allein zu sein. Meine Mama, wie sie leibt und lebt, meinte nur mit unheilschwangerer Stimme: „Denk an deine Pflanzen (ich wollte immer welche im Zimmer haben und liess sie dann elendiglich verdursten). Katzen brauchen Wasser und Essen. Regelmässig.“

Die Katze hat überlebt. Sie hat sich gewehrt. Pflanzen machen das nicht. Dafür kann ich nichts. Die Chilischote war – ich geb es zu – schon am Baum, als ich ihn kaufte. Aber ich geniesse es nun ein wenig, ein Gartenbau-Hero zu sein. Ich glaub’, ich muss das gleich meiner Mutter erzählen. Wobei: Ob die Twitter kennt? Und dann müsste ich ihr erklären, was Listen sind. Und… ich glaube, ich geniesse still….

Hier übrigens das Corpus delicti

Eigentlich wäre ja alles anders geplant gewesen. Ich hätte studiert, den perfekten Mann gefunden, ein Kind gekriegt, ein Haus gebaut, wäre glückliche Hausfrau gewesen, hätte meine Projekte gemacht und ansonsten den Garten bewässert, den Haushalt geschmissen, das Kind erzogen, den Mann beglückt. Das war mein Traum. Eigentlich.

Nun mag man einwenden, dass dies ein eher veraltetes Ansinnen sei, dass man, wollte man das tun, auch gar nicht studieren müsste, sondern gleich die Schürze umbinden könnte. Trotzdem war es mein Traum und bei aller Unlogik und Antiquiertheit war er genau so! Und da gehörte all das zu diesem Traum dazu. Eigentlich.

Ich habe gut begonnen, das Studium habe ich gemacht, den Mann kennengelernt. Er war nun nicht wirklich perfekt. Ich auch nicht. Das Kind kam. Also wieder auf Kurs. Doch dann war der Mann weg – oder ich – vermutlich beide. Aus dem Haus wurde nix, die Projekte starben an täglichen Notwendigkeiten. Haushalt machte ich nie gerne und das blieb bis heute so. Und der grüne Daumen hat sich auch noch nicht gebildet, was mangels Garten aber kein Problem ist, die Zimmerpflanzen gehen bei uns ein und aus. So gesehen: eigentlich alles falsch. Eigentlich.

Eigentlich könnte man nun sagen, das war’s, gescheitert. An den Träumen, in der Realität. Allerdings ging das Leben weiter und es hatte gute Zeiten. Auch andere, die gehören aber wohl dazu. Die wären auch im Traumleben so gewesen, da ein zur Realität gewordener Traum immer den lebendigen Herausforderungen ausgesetzt ist. Und eigentlich ist es auch gut so. Klar, ich träume noch heute ab und an vom Familien-Haus-Garten-Leben mit Projekten und Kuchenduft in der Küche, blicke auch mal wehmütig zurück und frage mich, wo die Abzweigung falsch war, was gewesen wäre, wenn ich dann oder wann anderes gewesen wäre, anders gehandelt und entschieden hätte. Und schaue dann wieder nach vorne und gehe weiter.

Eigentlich war also alles anders gedacht gewesen. Und nun sitze ich hier und alles ist so, wie es ist und damit anders, als ich es gewollt hatte. Und ich werde wohl nie mehr dahin kommen, wo ich hin wollte. Weil das Leben kein Traum, sondern eben Realität ist. Das muss aber auch gar nicht schlecht sein, denn wären meine Träume in Erfüllung gegangen, wäre mir ganz viel in meinem Leben nicht passiert, auf das ich nicht verzichten wollen würde. Ich wäre Menschen nicht begegnet, die mir viel bedeutet haben, und auch denen nicht, die mir heute was bedeuten, weil ich ganz andere Wege gegangen wäre. Ich hätte viele Erfahrungen nicht gemacht, die mich im Leben weiter gebracht haben, dahin, wo ich heute bin. Nicht alle waren schön, nicht alle waren erträumt, einige waren sogar ziemlich übel, traurig, schrecklich. Und doch haben sie alle etwas in meinen Rucksack gepackt, den ich tagtäglich durchs Leben trage, auf den ich zurückgreifen kann, wenn ich auf Situationen stosse und etwas davon brauche.

Eigentlich ist also alles gut. Eigentlich.