Ode an Klaus

Ich wohne schon seit Jahrzehnten wohl mit Klaus zusammen. Klaus ist eine treue Seele. Er ist nicht wirklich schön, es sind seine inneren Werte, die zählen. Klaus redet auch nicht viel – eigentlich sagt er nie was. Das macht mir nichts aus, denn ich mag es ruhig. Da bleibt viel Platz für Gedanken. Zudem: Wir verstehen uns ohne Worte, Klaus und ich.

Wenn ich Klaus brauche, ist er da. Er zickt nie rum, er motzt nie, er ist nicht kompliziert. Ich erinnere mich an kalte Winterabende, die wir zusammen auf dem Sofa verbrachten. Teilweise begleitete er mich den ganzen Tag, war immer an meiner Seite. Wenn ich Bauchschmerzen habe oder sonst etwas weh tut: Klaus ist da. Auf Klaus ist Verlass.

Nun haben wir Sommer. Eigentlich macht Klaus im Sommer Urlaub, er erholt sich wohl vom oft häufigen Wintereinsatz. Nicht so dieses Jahr. Gerade sitzen Klaus und ich wieder zusammen auf dem Sofa. Ich bin froh, gibt es Klaus in meinem Leben, es wäre ein kälteres Leben sonst. Das wollte ich ihm einfach auch mal sagen:

Danke Klaus, dass es dich gibt!

Ach ja: Klaus ist meine rote Gummibettflasche.

Was zählen die eigenen Bedürfnisse?

Mir läuft momentan die eine Zeile aus Ina Müllers Lied nach:

Hätt’ ich nen Hund, hätt ich nen Grund…

Es kommt so locker flockig daher, frech und keck erzählt das Lied vom Singleleben, von den Zwängen von aussen, von Barbesuchen, die man nicht möchte, denen man nicht entkommt – es sei denn: Man hätte einen Hund. Dann könnte man sagen, es ginge nicht, weil eben der Hund da wäre.

Wieso fällt es uns oft so schwer, zu unseren Bedürfnissen zu stehen? Haben wir andere (Tiere, Menschen….) als Entschuldigung, ist alles kein Problem, wenn nur wir selber und unsere Bedürfnisse Grund sind, schrecken wir davor zurück, anderen abzusagen, wenn wir keine Lust zu deren Plänen hätten. Sind wir uns wirklich so wenig Wert, dass jeder andere, jedes Tier wichtiger und gewichtiger wären als Grund? (Nichts gegen Tiere, ich habe einen Hund und ich liebe ihn sehr.)

Wenn ich meinem Gegenüber sage, ich hätte keine Lust mit ihm auszugehen, ist das in unseren Augen eine Affront gegen das Gegenüber. Schiebe ich den Hund vor, kann sich das Gegenüber wohl fühlen, denn es muss die Abfuhr nicht auf sich beziehen. Das ist unsere Sicht. Nur unterstellen wir dem Gegenüber dann, dass es unser Bedürfnis nicht als Wert genug erachten würde, dass es eine Absage rechtfertigt, so dass es diese direkt auf sich selber beziehen müsste.

Mit dieser Sicht setzen wir nicht nur uns selber herab, sondern auch das Gegenüber, indem wir ihm einerseits absprechen, uns beim Wort zu nehmen, sondern andererseits auch sich selber gegenüber so unsicher zu sein, dass eine Abfuhr gleich persönlich genommen würde. Vermutlich tun wir das, weil wir a) selber so gestrickt sind und b) solches schon oft erlebt haben.

Und langsam wird es ziemlich kompliziert, weil so viele unterdrückten und unbewussten Gefühle in einer einfachen Unlustbekundung stecken, dass es wirklich einfacher scheint, einfach einen Hund vorzuschieben.

Es ist verständlich, es ist menschlich, es ist erprobt und für gut befunden – und es funktioniert, ohne auf einer der beiden Seiten schlechte Gefühle zu wecken. Trotzdem wäre es ab und an nicht schlecht, genauer hinzuschauen, wenn man oberflächliche Gründe vorschiebt, was wirklich dahinter steckt. Und was es für einen selber bedeutet, was es über einen selber aussieht. Jeder ist es Wert, ernst genommen zu werden. Jeder ist es Wert, sich selber ernst nehmen zu dürfen. Und jeder ist es Wert, Freunde zu haben, die ein Nein einfach als das respektieren, das es ist: Das Zeigen der eigenen, persönlichen Grenzen.