Toleranz

Wir sind heute ach so tolerant. Alles was geht, muss gehen, muss akzeptiert werden, denn es geht und wir sind ja – ich sagte es bereits – tolerant. Intoleranz ist das Buhwort schlechthin und so jubeln wir bei allem, was unkonventionell ist, denn es ist neu und da erst zeigt sich der Hardcoretolerante. Da die Menschheit immer weiter forscht, ist immer mehr möglich, was toleriert werden soll und muss, um der toleranten liberalen Gesellschaftsdoktrin zu genügen – und damit fängt das Problem wohl an.

Irgendwo war mal noch Natur. Die hat etwas für uns festgelegt, das am Überleben orientiert war. Sich nun auf rein animalisch naturale Argumentationen zu versteifen wäre sicherlich arg rückständig, nur: Wohin soll und wird es führen? Der Mensch strebt danach, die Natur zu knacken und zu überlisten. Vielerorts ist es gelungen und dem verdanken wir eine gesteigerte Lebenserwartung und vieles mehr. Ganz vieles davon ist gut und wertvoll. Aber: Wie weit kann und wie weit soll man gehen? Und was sind die Konsequenzen?

Soll eine 65-Jährige Vierlinge kriegen? Ein homosexuelles Paar adoptieren dürfen? Wenn die dürfen, dürfte es eine alleinstehende 65-Jährige auch? Wenn nein, wieso darf sie dann Vierlinge kriegen? Und: Wer darf entscheiden? Und: Wo kommen Gesetze ins Spiel?

Wir streben nach Fortschritt und überfordern das Zusammenleben im Rechtsstaat damit selber. Der Forscher ist nur darum bemüht, herauszufinden, was geht. Wenn etwas geht, ändern sich Weltsichten. Wenn die sich wandeln, bemühen sie neue Gesetze. Und da prallen Welten aufeinander. Und Werte. Die einen schimpfen die andern rückständig, die andern argumentieren mit dem, was war, was natürlich ist, damit, was sie kennen. Und jeder fühlt sich im Recht – und keiner weiss, was Recht wirklich ist.

Soll ein homosexuelles Paar Kinder haben dürfen? Wenn sie es lieben und ihm alles geben: Wieso nicht? Aber könnten das nicht auch alte Menschen? Die dürfen aber nach unseren Bestimmungen kein Kind adoptieren. Wieso aber darf eine 65-Jährige dann durch künstliche Befruchtung Vierlinge kriegen? Die zu verbieten würde heissen, jungen Paaren, die keine Kinder kriegen können, die letzte Hoffnung zu nehmen. Fortschritt scheint nicht nur Segen zu sein, er ist vielmehr Herausforderung.

Ich habe auf keine meiner Fragen und Punkte Antworten. Ich sehe nur, dass jeder schnell urteilt, aber selten sich aufdrängende Fragen bedacht werden. Schwarz und weiss wäre zu einfach. Ich versuche Antworten zu finden, aber: Jeder Versuch endet in einer Sackgasse und jede Antwort bringt mehr Fragen ans Licht. Ich bin um jede Antwort, jeden Lösungsansatz dankbar – also her damit.

Welt der Papiere

Irgendjemand ist immer der Unterhund. Man redet gross über Gleichberechtigung, über gleiche Rechte für alle und wie man diese erreichen will. Erreicht man es schon in den viel besprochenen Fällen nie, so bleibt daneben immer wieder eine neue Gruppe Menschen, die durch alle Maschen fallen. Über diese richtet man von oben herab, weil sie nicht den Status haben, selber mitzurichten. Sie sind Menschen zweiter Klasse, sofern man ihnen überhaupt eine Klasse zugesteht, sie nicht nur einfach als zu behandelnde Ware abtut.

Eine dieser Klassen sind die Behinderten. Man diskutiert über Eingliederungsmassnahmen und missachtet dabei, dass sie genauso Menschen sind wie wir. Nur weil jemand im Rollstuhl sitzt, hat er sein Hirn nicht abgegeben. Nur weil einer geistig nicht mehr mitdenken kann, ist er nicht minderwertig, sondern hat Bedürfnisse, die er teilweise sogar formulieren kann, wenn man nur zuhören mag. Aber man mag gar nicht, man rechnet schon, wie viel kostbare Zeit da flöten ginge und diskutiert seinen Fall lieber vor x Gremien, vor denen man sich mit ach so tollen Vorschlägen profilieren kann, die zwar oft allesamt an den Bedürfnissen des davon Abhängigen vorbei gehen, aber gut klingen. Darauf kommt es an.

Und immer wieder ein gefundenes Fressen sind die Jenischen. Die Sans-Papiers. Die gehören eh nirgends hin. Die kann man rumschieben. Wo sie auftauchen, schickt man sie weg. Man will sie nicht haben. Befindet, was ihnen zusteht und was nicht und wie man sie wieder loswird. Dass sie auch Menschen sind, interessiert nicht. Ihnen fehlen die nötigen Papiere, damit sind sie nutz- und schutzlos. Nicht gewollt in dieser Welt, zumindest nicht in diesem Staat – und wohl in keinem anderen, was dann irgendwann wieder die Welt wäre.

Papiere sind es, die zählen. Hast du die richtigen, zählst du was, hast du sie nicht, bist du nichts. Sei es bei Tieren, die nur mit Stammbaum wertvoll sind, sei es bei Stellen, wo nur Diplome zählen, nicht wirklich Können. Alles steht auf Papieren. Du tust gut daran, dir eine Flut davon zuzulegen – für alle möglichen Notwendigkeiten eines. Dann gehst du auf Nummer sicher. Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen dir nicht mehr auf die Hände und in die Augen schauen, sondern nur noch dein Dossier prüfen, um zu sehen, ob du passt. Partnersuche geschieht von ferne über Tasten, Bewerbungen werden via Analyse der vorhandenen Papiere entschieden (oder Vitamin B – was man mit Abstammungs- der Hinternwischpapieren gleichsetzen kann).

Und so schliesst sich der Kreis: Fehlen die nötigen Papiere, sind wir alle irgendwie behindert in dieser Welt. Es wird von irgendwo über uns entschieden und wir werden entweder ausgesiebt oder mit gut gemeinten (und für den Meinenden profitablen weil Ruhm bringenden) Massnahmen abgespeist.

Fair? Gerecht? Gibt es die beiden überhaupt? Ich denke nicht. Ich denke auch nicht, dass es erstrebenswert ist, eine gerechte oder faire Welt zu schaffen. Gerechtigkeit ist ein Kunstbegriff, Fairness ein Ideal. Das erste ist unerreichbar, das zweite anzustreben. Es reichte in meinen Augen schon, offen und ehrlich an die Dinge heranzugehen, hinzuschauen, wirkliche Lösungen finden zu wollen und den Menschen als Menschen mit seinen wirklichen Fähigkeiten und Talenten (aber auch Schwächen) und nicht als Summe seiner Papiere zu sehen. Ob man das je wollen wird?

Wenn Profitgier die Schere zwischen arm und reich weiter macht

Die NZZ und auch „Le Temps“ wollen ihre Onlineportale kostenpflichtig machen. Das ist sicher ihr gutes Recht, jeder kann für das Produkt, das er anbietet die Verteilungsstrategie wählen, die ihm beliebt. Dass kaum mehr was umsonst ist, ist in dieser Welt nichts Neues. Ein Experte meinte denn auch, dass die Strategie wohl aufgehen werde, die NZZ damit eine Vorreiterrolle übernähme, der andere folgen könnten. Dazu käme, so der Experte, dass die NZZ eher ein Blatt für die höhere Schicht sei, die dadurch auch zahlungskräftiger sei und damit wohl bereit, die Gebühr zur Nutzung aufzubringen. 

Legitim ist das sicher alles. Trotzdem stossen mir gewisse Dinge auf:

In der heutigen Zeit hat nicht jeder mit einer hohen Ausbildung auch eine gut bezahlte Stelle hat. Der Arbeitslosenmarkt macht auch vor Uniabgängern nicht halt. Des Weiteren ist zu bemerken, dass nicht jeder nicht Studierte gleich ungebildet und vor allem desinteressiert ist. Die Gleichung: Interessiert = zahlungskräftig ist eine, die nicht aufgeht. Wenn man nun den Interessierten jeglichen Zugang verunmöglicht, ist das zwar wirtschaftlich legitim, doch auch irgendwo traurig. Die volle Version war schon bisher zahlungspflichtig, wenn die abgespeckte Variante nun folgt, sind die Türen dicht. Klar gibt es andere Zeitungen, keine Frage, wenn die aber wirklich nachziehen?

Es gibt noch ein weiteres Problem: In einer Demokratie gilt der Mehrheitsentscheid. Entscheide sind dann vernünftig und durch Argumente und Wissen abgedeckt, wenn man sich informieren konnte, wenn man die Möglichkeit hat, den Dingen auf den Grund zu gehen und sich eine Meinung zu bilden. Woher soll die Meinung kommen, wenn die Informationen nicht mehr zugänglich sind? Wie soll man sich weiter bilden, wenn am Schluss nur noch 20 Minuten Und Blick gratis sind? Die Demokratie ist in der Krise. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Krise ist ein Wort, das heute in aller Munde ist, damit nicht sympathischer wird. Man kann aber sagen, dass die Beteiligung an demokratischen Mitteln abnimmt und die Entscheide oft eine Richtung annehmen, die mehr als ungeheuer ist. Die Einschränkung des Zugangs zu Informationen, die über Boulevardniveau hinausgehen, wird das nicht verbessern. 

Schon die Vorreiter der Demokratie, zu nennen sind neben anderen  Rousseau und Tocqueville, haben alle dasselbe gesagt: Eine Todesursache für eine funktionierende Demokratie (wie sie damals gesehen wurde) ist ein zu grosser Wohlstandsunterschied. Die Stütze dieses Staatsmodells wäre ein gesunder Mittelstand. Dass dieser heute schon lange krankt, ist eine traurige Tatsache, doch die Schere tut sich immer mehr auf. Ob dem entgegenzuwirken ist, sei dahingestellt, wie das geschehen könnte oder sollte braucht mehr Platz und Zeit und bräuchte vor allem den Willen derer, die in Positionen sind, welche es erlauben, an den Zuständen zu schrauben. Wenn die Wohlstandsschere aber immer mehr auch Bildung und Informationszugang betrifft, dann nimmt das Ganze Züge an, die mehr als bedenklich sind. Und das wäre spätestens der Zeitpunkt, an dem man sich fragen müsste, ob man damit wirklich etwas Gutes tut oder ob diese Profitgier, die sich bei der Erhebung von Gebühren für die Onlineplattform zeigt, nicht schlussendlich – wenn diese Tendenz um sich greift und sich mehr und mehr vertieft, weil einer dem anderen nachfolgt – das Fundament zerstört, auf dem die ganze Wirtschaft überhaupt steht. 

Wenn diese Tendenzen um sich greifen, wird irgendwann die Basis einer gerechten Demokratie völlig unterlaufen sein. Dann werden sich arme Information nicht mehr leisten können, sie werden dadurch entweder der Chance beraubt, wirklich am Entscheiden teilzuhaben oder aber man läuft Gefahr, dass sie sich auf die Informationen stützen müssen, die ihnen noch gratis geboten werden. Das wäre ein gefundenes Fressen für all die, welche durch manipulative Informationsstreuung ihre eigenen Interessen stärken wollen. Am Schluss wundert sich dann jeder, wieso Volksentscheide ausfallen, wie sie es tun, wieso gewisse Parteien Zulauf haben, andere Treten an Ort praktizieren. 

Es ist mir klar, dass die Gebühren für eine oder zwei Onlinezeitungen noch nicht den Untergang der Welt bedeuten und es durchaus andere Missstände gibt. Trotzdem denke ich, dass sie Auswüchse dessen sind, was an den Grundfesten heutiger Gesellschaftsordnungen rüttelt: Die Kurzfristigkeit des Denkens und die Ausrichtung auf den eigenen Profit ohne Rücksicht auf mittel- und langfristige Folgen, ohne Rücksicht auf ein gewisses Mass an Fairness. 

Wie ist der Mensch?

Der Mensch ist von Natur aus böse, drum braucht es die Gesetze, den Staat, die diese Boshaftigkeit, die aus purem Egoismus entspringt, einzudämmen. Nur durch ein Netz an Regeln und Verhaltensmaximen schafft es der Mensch, einigermassen friedlich zu koexistieren. Noch schlimmer, er schafft es nicht mal dann. Kriege überfluten die Erde, Menschen, die auf eigene Macht und eigenen Profit aus sind, instrumentalisieren andere mittels wohlklingender Heilsversprechen oder angsteinflössender Prophezeiungen, den designierten Feind zu bekämpfen. Helfen tut es selten den Instrumentalisierten, sie sind Opfer des Systems. Helfen tut es denen, die das Geld und die Macht hatten, das anzuzetteln, was sie anzettelten. 

Eine schwarze Sicht? Pessimistisch? Mag sein. Ich tendiere ja in einer absolut blauäugigen Naivität immer wieder dazu, zu glauben, niemand wolle einem was Böses, die Welt sei gut und die Menschen wollen alle geliebt werden und lieben dementsprechend auch. Dass vor allem der zweite Teil so nicht stimmt, ist mir leider oft im Leben hautnah gezeigt worden. Wie oft wurde ich verletzt, wie oft musste ich erkennen, auf ein falsches Spiel, auf Intrigen, auf falsche Worte und Heuchelei hereingefallen zu sein oder gar manipuliert für eigene Zwecke eines anderen. Den Fehler suchte ich dann meist bei mir, dachte, mich nur falsch verhalten zu haben, nicht gut genug gewesen zu sein. Wenn ich das einmal nicht dachte, war mein Fehler immerhin, es nicht gesehen zu haben, auf etwas hereingefallen zu sein. Was nun schwerer wiegt, die eigene Naivität oder der Glaube an das eigene Versagen, bleibe dahingestellt.  Aber: eigentlich müsste ich es mal lernen und wissen: Der Mensch ist böse. 

Und doch stimmt das so nicht. Es gibt viele tolle Menschen. Liebe Menschen. Menschen, die zu unrecht in einen Topf geworfen werden mit denen, die lügen (zu andern, wohl aber auch zu sich selber), betrügen, hintergehen und ausnutzen. Wie oft im Leben stiess ich schon auf Engel, auf Menschen, die einfach nur toll waren. Also was nun? Ist der Mensch gut und wird böse? Oder ist der Mensch böse und es gibt gute Ausnahmen, Engel halt? 

Vermutlich ist beides in einem angelegt, in jedem von uns. Alles hat zwei Seiten, die diametral verschieden sind. Diese Komplementarität macht das Ganze erst ganz. Alles ist angelegt, die Ausprägung liegt in unseren Händen, ist aber meist gespurt durch Kultur, Erleben, Erziehung, Einflüsse sonstiger Art. Ich bin aber nach wie vor der Überzeugung, dass der Mensch grundsätzlich geliebt werden will. Und ich denke weiter, dass genau da der Knackpunkt liegt. Ist die Liebe da, das Gefühl, in dieser Welt angenommen, willkommen zu sein, dann ist man zufrieden – mit sich, mit der Welt. Wenn man aber in diesem Bereich einen Mangel sieht, sich im Nachteil sieht, traurig ist, nach Liebe sucht, sie vermisst… dann passiert was in einem. Dieser Mangel muss behoben werden, denn er ist nicht auszuhalten. Säuglinge gehen ohne Liebe ein. Kleinkinder entwickeln Ticks, werden krank, sterben ab und an auch. Liebe ist Lebenselixier, ist wohl sogar Leben. 

Was also tun, wenn sie fehlt, wenn man sich alleine fühlt, nicht wahrgenommen, nicht angenommen fühlt? Man muss diesen Schmerz, der in einem entsteht irgendwie behandeln. Dafür gibt es verschiedene Strategien:

1) Man lebt ihn aus. Weint, schreit, jammert, klagt – um dann wieder weiter gehen zu können. 

2) Man stürzt sich in Aktivitäten, die einen so ablenken, dass man vergisst, dass da ein Schmerz war.

3) Man betäubt sich – mit Drogen, mit Alkohol, mit Essen, mit irgendeinem Surrogat, das hilft, zu vergessen, zu verdrängen

4) Man fügt anderen Schmerz zu, weil man sich dann kurz Befriedigung verschafft, der eigene Schmerz überdeckt ist vom Triumph, über den anderen gesiegt zu haben, ihm auch weh getan zu haben. Der Schmerz des anderen löst den eigenen Triumph aus, der kurzzeitig den eigenen Schmerz vergessen lässt. 

Ich denke, Punkt 4 ist häufig vertreten. Vor allem in Fällen, wo mal Liebe war, nun keine mehr ist. Und wenn es dem anderen noch gut geht, dann erst recht. Kann doch nicht sein, dass der zufrieden ist, man selber nicht. Dem muss man schnell ein wenig das Leben schwer machen. Ihm eins reinwürgen. Dann fühlt man sich gleich besser. Leider nicht für lange. Doch das merkt man erst später. Und dann ist natürlich wieder der andere schuld. Oder die Nachbarn. Oder der Postbote. Oder der Mitarbeiter, Chef, die Politik, das System, die ganze Welt. Man selber? Besser mal suchen, wer es noch sein könnte. Nur wird man im Aussen nie finden, wer es wirklich war, so dass man selber endlich zufrieden ist. Man wird auch nie die Liebe finden, die man sucht, wenn man so agiert, weil man immer nur noch verbissener wird, nur noch härter. Anziehend ist das nicht. Liebenswert noch weniger. Zwar wären gerade die Menschen die, welche eben am meisten Liebe bräuchten, um aus ihrer Spirale zu kommen. Aber leider stossen sie mit ihrem Verhalten alle weg. 

Es gibt einen Satz in Bezug auf Kinder:

Nimm mich dann in die Arme, wenn ich es am wenigsten verdient habe. 

Genau der tritt auch hier in Kraft. Da es aber schwer fällt, den in den Arm zu nehmen, der einen gerade mal so richtig in die Tonne gehauen hat, kann man kaum aus seiner Haut. Man kann sich aber bewusst sein, dass dieses in die Tonne hauen mehr mit dessen Problemen zu tun hatte als mit der eigenen Person. Und mit dem Denken vielleicht für sich selber ein wenig Frieden finden. Und dem anderen wünschen, dass er irgendwann seine Probleme in den Griff kriegt, einsieht, dass nur er selber für sich zufrieden sein kann. Und wenn er es nicht ist, liegt das selten an den anderen. Es ist die eigene Einstellung zu dem, was um einen und mit einem passiert.

Klar gibt es Schicksalsschläge, klar gibt es Ungerechtigkeiten. Das Leben ist oft hart, unfair und gemein. Es ist oft voller Hürden, Fallen und Löcher. Und doch: es gibt auch viel schönes und wir haben es in der Hand, was wir sehen wollen, worauf wir unser Befinden stützen wollen. Damit sage ich nicht, das Schwere solle man ausblenden, das wäre nicht gut, denn verdrängen hilft nie, sondern schafft nur unbewusste Strategien, die meist in die Irre führen. Das Schwere soll man angehen, es bearbeiten und verarbeiten, immer im Bewusstsein, dass es nicht alles ist, nicht das ganze Leben, dass da noch viel Schönes ist. 

Diese Sicht hilft übrigens auch prima, wenn man über jemanden flucht, schimpft, dem alles Böse wünscht, ihm am liebsten irgendwie an den Karren fahren würde, denkt, das gäbe einem Befriedigung. Tut es nicht. Zumindest nicht für lange. Am meisten hilft, zu denken: Was kann ich für mich tun und nicht, was kann ich gegen den anderen tun.