3 Inspirationen – Woche 24

Der Sommer hat uns wieder – oder wir ihn. Richtig schön, endlich wieder Sonne und Wärme zu spüren, die Abende draussen geniessen zu können. Das ist doch nochmals ein Stück Lebensqualität mehr, wie ich finde. Ich habe beschlossen, aus den fünf Inspirationen drei zu machen – aller guten Dinge sind drei und das soll nun auch bei meinen Inspirationen so sein.

Was hat mich diese Woche inspiriert?

  • Ich habe ein Hörbuch gehört über Simone Beauvoir: C. Bernd Suchers Leidenschaften: Simone de Beauvoir. Auf eine locker, fundierte und gut nachvollzierbare Weise stellt Bernd Sucher Leben und Werk dieser spannenden Frau vor, immer durchsetzt von Zitaten. Der Podcast hat mich gleich dazu angeregt, ihre Bücher mal wieder in die Hand zu nehmen.

„Mein Unternehmen war mein Leben selbst.“

Eine interessante Aussage, verweist sie doch auf das Leben zurück als Zentrum, nicht auf das Streben im Aussen, dem so viele nachrennen, um da ihren Erfolg zu suchen.

  • Bald steht bei mir ein Tapetenwechsel an und das hat so viele Ideen freigesetzt, die ich dann umsetzen will, dass ich es kaum erwarten kann. Die Vorfreude ist also gross, auch wenn immer ein wenig Unsicherheit mitschwingt, da ich doch meine geregelten Abläufe schätze und auch brauche für mein Schreiben und Sein. Generell bin ich vor Neuem immer unsicher, versuche mir aber immer wieder zu sagen, dass es immer gut war, wenn es erst mal eingetreten ist. Fazit daraus:

Gelassen bleiben und die Dinge kommen lassen.

oder aber das Motto (als Mantra gesprochen):

Es kommt, wie es kommen muss

  • Ein Gedicht ist mir begegnet, welches ich wunderschön finde:

Josef von Eichendorff: Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

Wie schön, das Lied in den Dingen zu sehen – möge die Welt klingen.

Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)

Heute vor 229 Jahren, am 10. März 1788 kam Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff als zweiter Sohn eines preussischen Offiziers, Adolf Theodor Rudolf von Eichendorff, und dessen Frau Karoline auf Schloss Lubowitz in Oberschlesien zur Welt. Er liebte Abenteuer- und Ritterromane sowie antike Sagen und versuchte sich schon als Kind selber im Schreiben. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Breslau studierte Eichendorff in Halle Jura und Geisteswissenschaften. Er reiste viel, liebte das Theater und war überhaupt Kunst und Kultur sehr angetan.

Nach Abschluss seines Jura-Studiums 1812 nahm Eichendorff von 1813 bis 1815 an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil. Kurz nach seiner Rückkehr nach Breslau heiratete er, es folgten 4 Kinder, von denen das letzte kurz nach der Geburt starb. 1818 starb auch Eichendorffs Vater, nach dessen Tod viele der hoch verschuldeten Ländereien und Güter verkauft wurden. Ein Verlust, der an Joseph von Eichendorff zehrte, von dem er sich kaum mehr erholte.

Ab 1816 arbeitete Eichendorff im Staatsdienst und arbeitete sich zum Geheimen Regierungsrat hoch. Nach einer schweren Lungenentzündung 1943 quittierte er seinen Dienst 1944 und trat frühzeitig in Ruhestand. Er schrieb hauptsächlich Romane und Erzählungen, in welche er den grossen Teil seines lyrischen Werkes einbaute. 1857 auf, selber zu schreiben, um publizistisch zu betätigen. Er starb im selben Jahr am 26. November in Neisse.

Zum literarischen Schaffen:
Zahlreiche Gedichte Eichendorffs wurden vertont, allen gemein ist die idyllische Darstellung der Natur, die bildliche Sprache:

Mondnacht

Es war, als hätt‘ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt‘.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Entstanden  um 1835, das erste Mal veröffentlicht 1837 zählt das Gedicht zur Spätromantik und gehört in die Gattung der Naturlyrik. Es wurde 1840 von Robert Schumann vertont und zum Mittelpunkt seines Liederkreises gewählt.

Wenn der Himmel die Erde küsst, kann das als Segnung Gottes verstanden werden. Diese träumt von der Erhebung hin zu ihm. Es breitet sich eine Idylle auf der Erde auf, die sich in wogenden Ähren und rauschenden Wäldern ausdrückt. In der sternenklaren Nacht kann sich die Seele des Menschen erheben, durchs stille Land gleiten, in Frieden,  und frei aller Sorgen. Es ist ein Gefühl von Heimkommen in die Geborgenheit.

Heimweh, Erinnerung und Sehnsucht sind zentrale Elemente i Eichendorffs Lyrik. Sicherlich drückt da der nachwirkende Verlust der elterlichen Güter durch.

Eichendorffs bekanntestes Werk war sicher Aus dem Leben eines Taugenichts. Die 1826 erschienene Novelle wiederspiegelt ganz deutlich das Lebensgefühl der Spätromantik. Es handelt von jungen Sohn eines Müllers, welcher (nicht ganz freiwillig, sagt doch der Vater:

Du Taugenichts! Da sonnst du dich schon wieder und dehnst und reckst dir die Knochen müde und lässt mich alle Arbeit allein tun. Ich kann dich nicht länger füttern.)

in die weite Welt hinaus geht, um sein Glück zu finden. Zufälle und Abenteuer säumen seinen Weg, er wird Gärtner auf einem Schloss, verliebt sich in Aurelie, welche unerreichbar scheint, und wandert weiter. In Italien sieht er sich inmitten farbenprächtigen Lebens und einiger Liebschaften, bis ihn die Sehnsucht nach der Heimat und nach Aurelia die Zelte abbrechen lässt und er zum Schloss zurückfährt. Es folgt die Aufklärung eines Missverständnisses, Heirat und das märchenhafte Happy End. Die Novelle gleicht einem naiven Märchen, in eben dem Ton ist sie auch geschrieben.

Werke

  • Ahnung und Gegenwart, Roman (1810-12 geschrieben, erschienen 1815)
  • Das Marmorbild,  Novelle (1818)
  • Die Freier, Lustspiel in drei Aufzügen (Vorstufen entstanden 1816-1820, fertiggestellt und erschienen 1833)
  • Krieg den Philistern, dramatisches Märchen in fünf Abenteuern (1824)
  • Aus dem Leben eines Taugenichts, Erzählung (1817 begonnen, abgeschlossen 1822/23, erschienen 1826)
  • Auch ich war in Arkadien, Politische Satire in Form eines Reiseberichts (1832 entstanden, 1866 posthum erschienen)
  • Dichter und ihre Gesellen, Novelle (erschienen 1834)
  • Das Schloss Dürande, Novelle (1837)
  • Die Glücksritter, Novelle (1841)
  • u.a.