Tagesbild: Ein schöner Rücken…

„Ein hübsches Lärvchen ist ein Schmuck, der schnell vergeht,
Ein Röslein, das nicht lang in voller Blüte steht,
Ein Reiz der flüchtig an der äussern Haut nur klebt,
Indes ein schöner Geist die Zeiten überlebt.“

Zwar mag man Molière recht geben, dass die inneren Werte die wichtigeren sind als die äusseren, und doch ziehen sie unweigerlich an, die Schönheiten dieser Welt. Zum Glück ist es nicht immer ein Abwägen zwischen zweien, und zum noch grösseren Glück lässt ein wunderbares Wesen oft das Aussen schön erscheinen.

Es gab vor Jahren einen Schlager, der hiess „Für mich bist du schön“. Für mich liegt da die Schönheit der Beziehung drin, das Empfinden, das Schönheit entdecken lässt. Und wer weiss: Wenn wir mit offenem Blick durch die Welt und auf Menschen zu gehen, entdecken wir vielleicht überall Schönheit. So könnten wir die Welt zu einer schönen machen für uns, doch noch mehr: Ich bin überzeugt, die Welt und die Menschen in ihr werden sich auch öffnen und dasselbe anstreben, wenn ihnen mit Offenheit und Zugewandtheit begegnet wird.

Ein weiteres Kapitel der Morgengedanken einer Idealistin…

Habt einen schönen Tag!

(Aquarellstift auf Papier)

Tagesbild: Skizze aus dem Vorhof des Grauens

Das Schöne an Skizzenbüchern ist, dass Wartezeiten fast erwünscht und teilweise viel zu kurz sind. Das Porträt entstand beim Zahnarzt… ich hätte lieber weitergezeichnet…
Irgendwann verschwand mein Modell im Klo, ich bin bis heute nicht sicher, ob sie wirklich musste oder aber bemerkt hat, dass ich sie zeichne… etwas, womit ich noch hadere: wie zeichne ich unbemerkt?

Habt einen schönen Tag! 💕

Tagesbild: Hello, it’s me

Ich
„
Sklaverei ertrag ich nicht

Ich bin immer ich

Will mich irgend etwas beugen

Lieber breche ich.

Kommt des Schicksals Härte

oder Menschenmacht

Hier, so bin ich und so bleib ich

Und so bleib ich bis zur letzten Kraft.

Darum bin ich stets nur eines

Ich bin immer ich

Steige ich, so steig ich hoch

Falle ich, so fall ich ganz.
(Ingeborg Bachmann)

Aristoteles plädierte für den mittleren Weg als guten Weg, ein Gedanke, der sich in vielen Philosophien findet. Extreme sollen vermieden werden, weil sie oft ein „zu“ in sich tragen, welches dann Unruhe oder gar Leid mit sich bringt. Leider musste ich über die vielen Jahre merken, dass ich für mittlere Wege irgendwie nicht das Naturell bin. Es wurde etwas milder mit den Jahren, doch es blieb dabei: Was ich bin, das bin ich ganz. Und so verschreibe ich mich den Dingen auch ganz, mag keine halben Sachen.

Würde ich es empfehlen? Nein. Ich stelle mir einen gemässigten, ruhigeren Weg sehr schön und friedlich vor. Es ist einfach nicht meiner. Wenn ich früher hörte, ich müsste das lernen, fühlte ich mich schlecht. Ich dachte, mit mir ist etwas nicht in Ordnung. Und ich habe gelernt. Nämlich: Das ist Quatsch. Den mittleren Weg finde ich zwar toll, es ist einfach nicht meiner.

Wie haltet ihr es? Ganz oder gar nicht oder aber die goldene Mitte?

Habt einen schönen Tag!

Tagesbild: Up to the sky

„Das Herz hat Gründe, die der Verstand nicht kennt. Blaise Pascal

Up to the sky… heisst es bald, Spanien ruft. Trotzdem es eigentlich zur Normalität gehört, dieser Wechsel immer wieder, spüre ich in mir eine Unruhe. Und hier ist noch so viel zu tun, es kommt zu früh.

Die Erfahrung zeigt, dass das immer so war und es dann doch gut ist, nein, sogar schön ist. Im Moment kann ich es doch nicht ganz glauben. Ein Zeichen dafür, dass der rationale Geist noch so viele Argumente auffahren kann. Die Gefühle sind stärker.

Habt einen schönen Tag! 💕

Tagesgedanken: Ich hab’ ne Meise

«Hätte Gott mich anders gewollt,

so hätt’ er mich anders gebaut.»

Johann Wolfgang von Goethe

Als Kind hörte ich oft den Spruch:

«Du bist anders als die andern.»

Es war nicht als Kompliment gedacht, im Gegenteil, das war einer der grössten Vorwürfe überhaupt, denn die anderen, das waren die Normalen, das waren die, welche waren, wie man zu sein hatte. Nur ich, ich war anders.

Es kam eine lange Phase, in der ich zwar meine Unsicherheiten behielt, aber nie mehr mit solchen Aussagen konfrontiert wurde, im Gegenteil. Ich war in einem Kreis ähnlich denkender und funktionierender Menschen wie ich. Plötzlich war ich in Teilen vielleicht doch anders, aber in anderen auch gleich. Vor allem war da ein gegenseitiges Verständnis für das jeweilige Sosein.

Später hörte ich den Spruch auch wieder, teilweise begleitet mit einem

«Du bist komisch.»

Ich nahm mir das zu Herzen, zumal es mir auch vorkam, dass ich anders war als all die um mich. Zwar war ich mit mir zufrieden, fühlte mich mit mir wohl, doch mit den anderen umso unwohler, Denn: wenn die alle anders als ich waren und sich sicher waren, ihr Sein sei in Ordnung, das Normale eben, dann konnte ich nur daneben sein.

Vielleicht ist die tiefe Wahrheit aber im Ganzen zu sehen: Es gibt solche und andere. Und beide haben Platz. Schön, wenn es gelingt, die (Vor-)Urteile abzulegen und offen das Anderssein des anderen anzunehmen. Wichtig dabei ist jedoch nur eines: So zu sein, wie man sich selbst mit sich wohl fühlt. Allen wird es nie gefallen, doch die leben mein Leben dann nicht, wenn ich mich nach ihnen verbiege. Und so stehe ich heute dazu:

«Ich habe eine Meise. Ich mag die.»

Habt einen schönen Tag!

Tagesbild: Schlafende Katze

«Die Fähigkeit, das Wort Nein auszusprechen, ist der erste Schritt zur Freiheit.» Nicolas Chamfort

Wie frei können wir sein? Keiner ist eine Insel, wir leben in einem Netz von Abhängigkeiten, in einem Miteinander mit anderen Menschen. Wie viel Nein steht mir zu und wo muss ich das Nein als Dienst für das Ganze hintenanstehen? Wann verliere ich das Mitspracherecht an meinem Leben, weil ich mich anderen füge oder fügen muss? Wann bin ich zu sehr bei mir und vernachlässige andere und die Beziehung zu ihnen?

Aristoteles propagierte den Weg der Mitte: Nichts zu sehr und nichts zu wenig. Ein kluger Rat. Auf den ersten Blick, auf den zweiten sagt er gar nichts aus, denn diese Mitte muss man zuerst mal finden. Und vermutlich ist sie nicht ein für allemal festgelegt und auch nicht für jeden gleich.

Das Leben als Katze scheint mir da einfacher, sie scheinen ihren Weg gefunden zu haben. Allerdings wage ich zu bezweifeln, dass es einer der Mitte ist.

Habt einen schönen Tag!

(Tinte im Skizzenbuch)

Tagesbild: Der Hase

«Drei Hasen tanzen im Mondenschein
im Wiesenwinkel am See:
Der eine ist ein Löwe,
der andre eine Möwe,
der dritte ist ein Reh.

Wer fragt, der ist gerichtet,
hier wird nicht kommentiert,
hier wird an sich gedichtet;»

Das An-sich-Tun propagiert hier Morgenstern. Abstand nehmen von den ewigen Fragen «Wozu», «Warum» und vor allem «Was soll das sein?» Wir wollen oft die Antworten präsentiert haben, oder noch schlimmer, haben sie schon, bevor wir genau hingeschaut haben. Dabei ist gerade das Hinschauen die Tür zu so viel Schönem, Neuem, auch Spannendem. Und wenn man ganz tief in sich hineinsieht, dann findet man da Dinge über sich heraus, die das Weitergehen im Leben stimmiger werden lassen, weil es plötzlich von innenheraus und nicht mehr von aussen bestimmt passiert.

Was einem so in den Sinn kommt, wenn man einen Hasen zeichnet…

Habt einen schönen Tag.

Tagesbild: Der Stoiker

Manchmal muss man stoische Gelassenheit an den Tag legen, die Dinge nehmen, wie sie nun mal kommen. Noch viel Schlimmer als alles, was kommt, ist nämlich die Mördergrube, die wir daraus machen.

So wusste schon Epiktet:

„Einige Dinge stehen in unserer Macht, andere hingegen nicht. In unserer Macht sind Urteil, Bestrebung, Begier und Abneigung, mit einem Wort alles das, was Produkt unseres Willens ist. Nicht in unserer Macht sind unser Leib, Besitz, Ehre, Amt, und alles was nicht unser Werk ist. Was in unserer Macht ist, ist seiner Natur gemäß frei, kann nicht verboten oder verhindert werden; was aber nicht in unserer Macht steht, ist knechtisch, kann verwehrt werden, gehört einem anderen zu… prüfe nach den von dir angenommenen Grundregeln, besonders nach der ersten, ob es zu den in unserer Macht stehenden Dingen gehöre oder nicht. Gehört es zu den nicht in unserer Macht stehenden, so halte dies Wort bereit: »Es berührt mich nicht.«“

(Bleistiftskizze im Skizzenbuch)

Tagesbild: Jungfernkranich im Skizzenbuch

Eine kleine Kritzelei im Skizzenbuch. Ich mag es, mit wenigen Strichen auf schwarzem Hintergrund ein Bild entstehen zu lassen. Hier ein Motiv, das ich in letzter Zeit häufig aufgegriffen habe in verschiedenen Medien. Vielleicht stelle ich die auch mal noch rein.

Ich merke immer wieder, wie befreiend es ist, Dinge probieren zu können. Ja, manches gelingt nicht. Aber immer wieder passiert etwas, womit ich selbst nicht gerechnet hätte. Oder aber ich lerne mehr über mich, finde heraus, was ich will, was nicht. Das sind sehr wertvolle Prozesse und in ihnen liegt eine grosse Freiheit. Dafür bin ich sehr dankbar.

Kommt gut in den Tag hinein.

Tagesbild: Affengesicht

Manchmal denke ich

«Ich mach mich doch nicht zum Affen.»

Bei Lichte betrachtet stellt sich die Frage: Wieso eigentlich nicht? Woher diese Scham, diese Zurückhaltung? Wieso nicht einfach mal frisch drauf los und ja, dann mache ich mich vielleicht zum Affen. Aber wer weiss? Vielleicht hätte ich Spass dabei? Und die anderen würden statt über mich mit mir lachen. Sich freuen. Mitmachen beim Affenzirkus.

Der Gedanke kam mir nur gerade, und er will sich weiterspinnen, doch ich stoppe ihn hier. Ich weiss auch nicht, ob ich beim nächsten Mal, wenn ich denke, mich nicht zum Affen machen zu wollen, dies dann freudig tue. Ich wage es zu bezweifeln. Aber nur schon daran zu denken, ist witzig. Vor allem, wenn ich es mir bildlich ausmale.

Habt einen schönen Tag!

Tagesbild: Katzendame

Irgendwo las ich mal das Zitat von jemandem, den ich vergessen habe:

«Was andere hinter meinem Rücken über mich sprechen, geht mir am Arsch vorbei.»

Die Wortwahl mag sehr deftig sein, den Inhalt möchte ich mir gerne auf die Fahnen schreiben können. Ich ertappe mich doch immer wieder beim Gedanken: «Was denken wohl die anderen?» Und noch schlimmer: «Ich kann doch nicht XXX, sonst denken andere…»

Damit stand ich mir zu oft selbst im Weg. Lao-Tse sagte dazu:

«Sorge dich um die Anerkennung anderer und du wirst immer ihr Gefangener sein.»

Als ich das erkannt habe, was für ein Befreiungsschlag war das. Natürlich ist es mir auch heute nicht egal, so weit bin ich nicht, aber immerhin steht die Tür des Gefängnisses offen und ich gehe freier rein und raus.

Katzen sind da schöne Vorbilder. Sie machen ihr Ding, kümmern sich wenig um das, was andere wollen oder denken. Wenn sie aber etwas wollen, dann fordern sie es ein. Unbeirrbar.

Habt einen schönen Tag!

Tagesbild: Der Nachtschwärmer

Guten Abend

„Vergiß, vergiß, und laß uns jetzt nur dies 
erleben, wie die Sterne durch geklärten 
Nachthimmel dringen, wie der Mond die Gärten 
voll übersteigt. Wir fühlten längst schon, wies 
spiegelnder wird im Dunkeln; wie ein Schein 
entsteht, ein weißer Schatten in dem Glanz 
der Dunkelheit. Nun aber laß uns ganz 
hinübertreten in die Welt hinein 
die monden ist – 
Rainer Maria Rilke

Und wieder bricht die Nacht heran. Es ist die zweitletzte in Spanien. Kennt ihr das auch, dass ihr zählt, wie oft ihr noch schlafen müsst, bis…? Ich denke manchmal, ich bin noch gar Kind geblieben, aber ich mache das ständig. Tage und Nächte zählen. Und mich freuen auf das, was kommt. Spanien war wundervoll, Aber nun ist es Zeit, zu geh’n. 

Habt eine gute Nacht!

(Tagesbild: Der Nachtschwärmer – Skizze im Skizzenbuch)