Gerald Hüther: Würde

Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft

Wir alle wollen in Würde sterben, aber sollten wir nicht erst einmal in Würde leben?

Der erste Artikel des Grundgesetzes besagt, dass die Würde des Menschen unantastbar sei. Was aber meint man, wenn man von Würde spricht, und wie kann man diese schützen. Wie müssen wir miteinander und jeder für sich leben, dass wir unsere Würde bewahren und die des anderen nicht antasten?

41eEyy5txmL._SX311_BO1,204,203,200_Diesen Fragen geht der bekannte Neurobiologe im vorliegenden Buch nach. Anhand von Beispielen aus der Biologie erläutert er, wie die Vorstellung der Würde beim Menschen überhaupt entstanden ist, weswegen wir eine solche Vorstellung brauchen und wie ein Bewusstsein für die eigene Würde entsteht. Ziel ist es, den Menschen für den Begriff der Würde wieder zu sensibilisieren und ihn damit in die Lage zu versetzen, ein würdevolles Leben zu leben.

Hüther schreckt in seinem Buch nicht davor zurück, einmal mehr Schule und Erziehung zu hinterfragen, Diagnosen wie ADHS und die Gesellschaft kritisch zu beleuchten.

Fazit:
Ein wichtiges Thema gut lesbar, informativ und kompetent umgesetzt. Leseempfehlung.

Zum Autor und Mitwirkenden
Gerald Hüther, geboren 1951, zählt zu den bekanntesten Hirnforschern in Deutschland. Der Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung schreibt Sachbücher, hält Vorträge, berät Politiker und Unternehmer und ist häufiger Gesprächsgast in Rundfunk und Fernsehen. Er versteht sich als Brückenbauer zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftlicher bzw. individueller Lebenspraxis mit dem Ziel, günstige Voraussetzungen für die Entfaltung der menschlichen Potentiale zu schaffen.

Für „Würde“ arbeitete Gerald Hüther wie auch bei dem Bestseller „Jedes Kind ist hoch begabt“ mit dem „Stern“-Autor Uli Hauser zusammen.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Albrecht Knaus Verlag (5. März 2018)
ISBN-Nr.: 978-3813507836
Preis: EUR 20 ; CHF 29.90

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Lev Tolstoj: Familienglück

Es schien mir einfach und klar, dass man leben musste, um glücklich zu sein, und die Zukunft schien mir viel Glück zu verheissen.

Die junge Masa verliebt sich nach dem Tod ihrer Mutter in ihren viele Jahre älteren Vormund. Nachdem dieser sich anfänglich weigert, zuzugeben, dass die Liebe gegenseitig ist, kommt es schlussendlich doch zur Offenbarung und die beiden heiraten. Zusammen ziehen sie aufs Land, auf Sergej Michailycs Gut. Eine wunderbar verliebte Zeit beginnt.

…es gab nur das eine selbstsüchtige Gefühl der Liebe zueinander, den Wunsch, geliebt zu werden, grundlose, unaufhörliche Heiterkeit und das Vergessen von allem anderen auf der Welt.

Schon bald wird es Masa langweilig auf dem Land, sie sehnt sich nach mehr Abwechslung, nach dem Stadtleben und den Gesellschaften da. Sergej hat Bedenken, kann ihr aber keinen Wunsch abschlagen. Seine Bedenken sollen sich aber bewahrheiten, das grosse Glück bekommt Risse.

TolstojFamilienglückFamilienglück ist eine wunderbare Liebesgeschichte, eine Charakterstudie, die Geschichte einer Ehe durch schwierige Zeiten hindurch. Masa kann dabei als Vorgängerin Anna Kareninas gesehen werden, viele Züge Annas sind schon in Masa angelegt, auch Teile der Geschichte lassen sich wiederfinden.

Mit dieser neuen Übersetzung von Dorothea Trottenberg liegt nun eine wunderbar moderne Fassung des Romans vor, es ist ihr gelungen, Tolstojs Poesie ins Deutsche zu übersetzen. Dass das Buch auch optisch schön daher kommt, ist das Sahnehäubchen obendrauf. Ein wahrer Lesegenuss, bei dem man kaum umhin kann, ab und an laut zu seufzen, Sätze nochmals zu lesen, weil sie so wunderschön sind.

Fazit:
Ein wunderbares Buch rund um die Liebe, die Ehe, das Glück. Absolute Leseempfehlung.

Zum Autor
Leo Tolstoi wurde 1828 in Jasnaja Poljana als Sohn eines Grafen und Großgrundbesitzers geboren. 1847 brach er sein Studium ab, um sich um die Verwaltung des elterlichen Gutes zu kümmern. Durch Landreformen versuchte er die Situation der Leibeigenen zu verbessern. Nach Militärdienst und diversen Reisen durch Europa zog er sich schließlich nach Jasnaja Poljana zurück, wo er seine großen Romane schrieb. Tolstois lebenslange Suche nach der geeigneten Lebensform kulminierte 1910 darin, daß er seine Frau verließ, da diese nicht bereit war, sich von den gemeinsamen Besitztümern zu trennen. Er starb kurze Zeit darauf an einer Lungenentzündung am 7. November 1910 in Astapowo, heute Lew Tolstoi in der Oblast Lipezk.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 189 Seiten
Verlag: Dörlemann Verlag (20. Juni 2018)
Übersetzung: Dorothea Trottenberg
ISBN: 978-3038200628
Preis: EUR 17

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Thich Nhat Hanh: Im Hier und Jetzt zuhause sein

Innehalten und den Augenblick wahrnehmen

Wir sollten versuchen, eine neue Kultur zu schaffen, in deren Zentrum das Sein steht. […] Lebendig zu sein. Frieden zu sein, Freude zu sein, zu lieben. Das ist, was die Welt am dringendsten braucht.

Thich Nhat Hanh beschäftigt sich in seinem Buch Im Hier und Jetzt zuhause sein mit der Achtsamkeit dem Augenblick gegenüber. Wir verplanen unser Leben, eilen von Termin zu Termin, hechten Zielen hinterher und verpassen dabei das, was wirkliches Leben ist, das einzige, das wir haben: Das Leben im Hier und Jetzt. Alles, was wir erstreben ist noch nicht da, alles, was uns prägt in unseren Entscheidungen, Meinungen und Gefühlen, liegt bereits in der Vergangenheit und hängt uns nach.

Bevor wir aber lernen, wirklich zu sein, fehlt uns die wirkliche und objektive Grundlage für jegliches Tun, stattdessen tun wir etwas, um überhaupt tätig zu sein.

Und wenn wir die Kunst beherrschen, friedlich zu sein, stabil zu sein, dann haben wir die Grundlage für jedes Handeln geschaffen, denn Grundlage jedes Tuns ist, zu sein.

Innehalten und Achtsamkeit üben helfen, wirklich zu sehen, zu verstehen und zu erkennen – Friede und Glück werden daraus wachsen.

In kurzen aber tiefgründigen Texten lädt Thich Nhat Hanh den Leser ein, dem Leben auf den Grund zu gehen, wirklich hinzusehen, im Augenblick zu leben, ihn achtsam wahrzunehmen. Das Gewahrsein, das Wahrnehmen dessen, was ist, ohne es nach hergebrachten Mustern zu beurteilen und mit über Jahre eingeprägten Gefühlen darauf zu reagieren, lässt uns erst wirklich lebendig sein. Dann sind wir nicht mehr Opfer unserer Gedanken und auch nicht unseren Emotionen ausgeliefert. Auch Leiden gehört zum Leben, lässt es uns doch erst das Glück wirklich spüren.

Lassen wir unser Herz ganz weit werden, damit wir wahrnehmen können, dass die Bedingungen für unser Glücklichsein schon da sind und die Ungerechtigkeit, die Grausamkeit oder Gemeinheit nicht ausreichen werden, um unser Leben zu zerstören.

Fazit
Ein wunderbares, kleines, lehrreiches Buch; eines der Bücher, die man liest und viel für sich mitnimmt. Prädikat: Absolut empfehlenswert.

Thich Nhat Hanh
Thich Nhat Hanh, 1926 in Vietnam geboren, gehört als sozial engagierter buddhistischer Mönch und Zen-Meister zu den bedeutendsten spirituellen Lehrern der Gegenwart. Die schmerzhaften Erfahrungen des Vietnamkriegs haben sein Bewusstsein dafür gestärkt, wie die buddhistische Lehre und insbesondere die Entwicklung von Achtsamkeit dazu beitragen können, Konflikte zu lösen oder erst gar nicht entstehen zu lassen. Thich Nhat Hanh lebt im Exil, seit ihm anlässlich einer Reise in die Vereinigten Staaten 1966 die Regierung von Südvietnam die Rückkehr in seine Heimat verweigerte. Er ist Autor zahlreicher Bücher und engagiert sich in der Friedensarbeit und Flüchtlingsbetreuung.

Angaben zum Buch:
ThichNhatHanhHierGebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Herder Verlag, 3. Auflage (9. Februar 2010)
ISBN: 978-3451071003
Preis: EUR: 8.90 ; CHF 14.30

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Laetitia Colombani: Der Zopf

Es ist der Beginn einer Geschichte.
Einer neuen Geschichte, jedes Mal.
In meinen Händen erwacht sie zum Leben.

ColombaniDrei Frauen, drei Geschichten, die ihren Lauf nehmen. Smita, eine Frau aus Indien, die für ihre Tochter ein besseres Leben wünscht, als sie selber hatte, Giulia, die nach dem Tod des Vaters den Familienbetrieb retten will, und Sarah, Karrierefrau, die an Krebs erkrankt. Sie alle finden sich in den Gefängnissen ihres Lebens und setzen zum Befreiungsschlag. Sie alle könnten verschiedener nicht sein, leben an den unterschiedlichsten Orten, und doch: Etwas verbindet sie, bindet sie wie Strähnen eines Zopfes zusammen.

Ein wunderbares Buch, das einnimmt und es in einem Zug lesen lässt. Die Geschichte, die aus drei Einzelgeschichten besteht, ist von Anfang an absehbar, was dem Buch keinen Abbruch tut. Colombani ist es gelungen, authentische Figuren zu schaffen, mit denen man weiter gehen will. Sie schafft es, Schicksalsschläge ohne zu viel Betroffenheit und doch mit viel Mitgefühl zu schildern, sie erzählt gekonnt, wie Menschen aus ihren (teilweise selber, teilweise von aussen geschaffenen) Gefängnissen auszubrechen, was in ihnen vorgeht, wie sie ihre Ängste und Muster überwinden.

Fazit:
Ein wunderbares Buch, leicht zu lesen. Dass die Geschichte sehr absehbar ist, tut ihr keinen Abbruch. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Laetitia Colombani wurde 1976 in Bordeaux geboren, sie ist Filmschauspielerin und Regisseurin. ‚Der Zopf‘ ist ihr erster Roman und sorgte gleich nach Erscheinen für internationales Aufsehen. Der Roman steht seit Erscheinen weit oben auf der Bestsellerliste und erscheint in 27 Ländern. Die Filmrechte sind bereits vergeben. Laetitia Colombani lebt in Paris.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: S. FISCHER; Auflage: 3 (21. März 2018)
Übersetzung aus dem Englischen: Claudia Marquardt
ISBN: 978-3103973518
Preis: EUR 20/ CHF 29.90
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Pema Chödrön: Den Sprung wagen

Wie wir uns von destruktiven Gewohnheiten und Ängsten befreien

„Sich mit sich selbst anfreunden“

Wir finden Frieden nur, indem wir ihn auf dem Fundament der bedingungslosen Offenheit gegenüber allem gründen, was auch kommen mag. Frieden ist keine Erfahrung frei von Herausforderungen, frei von Höhen und Tiefen, er ist eine Erfahrung, die umfassend genug ist, um alles einzuschliessen, was kommt, ohne dass wir uns bedroht fühlen.

Wir Menschen leben oft in Gewohnheiten und Strukturen. Erfahrungen prägen unser Verhalten, wenn uns Menschen oder Situationen treffen, die uns herausfordern, reagieren wir auf eine Weise, die uns das Leid verdrängen lässt. Oft sind diese Reaktionen nicht dazu gut, uns wirklich besser zu fühlen, sie verhaften uns im Gegenteil im negativen Gefühl – dem ursprünglichen und einem, das in unseren Erfahrungen gründet.

Wenn wir Furcht, Besorgnis oder irgendein Gefühl von Haltlosigkeit empfinden oder merken, wie die Furcht uns bereits in den Gedanken verstrickt: „Dafür werde ich mich rächen“ oder „Ich muss zu meiner Sucht greifen, um dem zu entrinnen“, können wir diesen Augenblick neutral betrachten: als einen Augenblick, in dem wir eine von zwei Richtungen einschlagen können.

Wenn wir diesen Mechanismus erst einmal wahrnehmen, können wir bewusst damit umgehen. Das, was uns passiert, begegnet, ist nicht das wirkliche Übel. Das kommt erst, wenn wir uns darauf stürzen und daraus eine Geschichte spinnen, die sich aus unseren Gewohnheiten und eingeübten Reaktionen speist. Pema Chödrön spricht hier von Shenpa, was so viel wie „anhaften, einrasten“ bedeutet. Erst durch dieses Anhaften kommt wirkliches Leid und wir sind nicht mehr frei, sondern gefangen in den negativen Gefühlen. Ein Schritt zurück, innehalten, kann helfen, das wahrgenommene Übel in seiner Relation und wirklichen Tragweite zu sehen.

Dann wird uns vielleicht deutlich, dass unsere Notlage nur ein winziger Augenblick in der Zeit ist und wir die Wahl haben, alte gewohnte Reaktionen zu stärken oder frei zu sein.

Pema Chödrön spricht in diesem Buch ein Thema an, das wohl jeden Menschen – mehr oder weniger – beschäftigt: Wie gehe ich mit eigenen negativen Gefühlen um, wie kann ich mich aus Spiralen von Leid befreien. Manche Lehren und Übungen mögen für einen sehr westlich eingestellten Menschen mit wenig buddhistischem Hintergrund gar weit gehen, im Grossen und Ganzen sind es aber einfach zu praktizierende und durchaus nachvollziehbare Übungen, die Pema Chödrön in diesem dünnen, leicht verständlichen, trotzdem aber tiefgehenden Büchlein präsentiert. Statt einfach unbewusst auf Herausforderungen zu reagieren, ist es sinnvoller, achtsam zu sein, innezuhalten, auch mal auszuhalten. Denn:

Nichts bleibt, wie es ist, nichts ist von Dauer.

Jedes Leid wird wieder vergehen. Es vergeht schneller, wenn wir es nicht künstlich verlängern.

Fazit
Ein tiefgründiges Buch, ein lehrreiches Buch mit einfachen und nachvollziehbaren Übungen; eines der Bücher, die man liest und viel für sich mitnimmt. Prädikat: Absolut empfehlenswert.

Pema Chödrön
Pema Chödrön ist US-Amerikanerin und buddhistische Nonne in der Tradition des tibetischen Meditationsmeisters Chögyam Trungpa. Sie ist Leiterin des tibetischen Klosters Gampo Abbey auf der kanadischen Insel Cape Breton. Neben Ayya Khema gehört Pema Chödrön heute zu den bekanntesten buddhistischen Lehrerinnen der Welt. Wie diese wurde sie Mutter, bevor sie ihre Gelübde als Nonne ablegte und ist somit bestens sowohl mit dem weltlichen als auch dem geistlichen Leben vertraut.

Angaben zum Buch:
Chödrönden_sprung_wagenTaschenbuch: 128 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (17. Dezember 2012)
Übersetzung: Margarethe Randow-Tesch
ISBN: 978-3442220120
Preis: EUR: 7.99 ; CHF 12.90

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Martin F. Meyer: Illustrierte Geschichte der Philosophie

Eine Reise durch die Philosophie von der Antike bis in die Neuzeit

Epochen – Autoren – Werke, so heisst der Untertitel dieses reich bebilderten Übersichtswerk über die Geschichte der Philosophie. Martin F. Meyer startet bei den Vorsokratikern und führt den Leser in einer gut verständlichen Sprache durch die Zeit bis hin in die Neuzeit. Dabei bettet er die einzelnen Philosophen immer in ihre Zeit ein, gibt einen kurzen Einblick in ihre persönliche Herkunft und den Werdegang und geht dann auf die zentralen Werke und deren grundlegenden Aussagen ein.

Die Illustrierte Geschichte der Philosophie ist sehr geschmackvoll aufgemacht, das Layout ist schlicht, übersichtlich und überzeugt ästhetisch. Kleine Infoblöcke (in Kreisform, was dem Layout ein gewisses Etwas gibt) bieten schnell erfassbare Überblicke über die vorherrschenden Denker einer Zeit oder aber erläutern deren wichtigsten Theorien. Eine schöne Auswahl an Bildern rundet den Gesamteindruck ab.

Philosophie hat mitunter nicht den Ruf, sehr unterhaltsam und prickelnd zu sein, dieses Buch hat aber Suchtcharakter und es birgt die Gefahr, zur nächsten Buchhandlung rennen zu wollen und alle vorgestellten Bücher gleich auch noch lesen zu wollen. Ich kann es jedem, der sich mal einen Überblick über die Geschichte der Philosophie verschaffen will, nur ans Herz legen. Aber: Nicht nur denen, das Buch ist wirklich einfach eine wunderbare Unterhaltung und man entdeckt ja auch als alter Hase immer wieder etwas Neues oder findet etwas wieder, das in Vergessenheit geriet.

Fazit
Ein sehr fundiertes, umfassendes, lesbares und schön aufbereitetes Buch, das eine breite Übersicht über die Geschichte der Philosophie bietet und zu weiterer Lektüre verleitet. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor:
Martin F. Meyer ist Privatdozent am Philosophie-Seminar der Universität Koblenz-Landau

Angaben zum Buch:
MeyerIlluPhiloTaschenbuch: 186 Seiten
Verlag: J. B. Metzler Verlag (16. März 2016)
ISBN: 978-3476026484
Preis: EUR: 24.95 ; CHF 31.90

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Harlan Coben: Böses Spiel

Myron Bolitar ermittelt

CobenEigentlich will Myron Bolitar seinen Urlaub geniessen, doch als er erfährt, dass seine Freundin und Geschäftspartnerin Esperanza verdächtigt wird, einen gemeinsamen Klienten umgebracht zu haben, lässt er alles stehen und liegen und fliegt heim. Wenn er gehofft hatte, Esperanza würde es ihm danken, sieht er sich eines Besseren belehrt: Sie lehnt seine Hilfe kategorisch ab, was ihn natürlich nicht davon abhält, auf eigene Faust zu ermitteln.

Seine Suche nach der Wahrheit führt ihn nicht nur zu einem weiteren Fall, den er auch gleich lösen will, er wird auch mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Als wäre das nicht schon genug, ist er plötzlich verdächtig.

Böses Spiel ist bereits der sechste Fall von Myron Bolitar, doch auch wenn man die vorhergehenden Fälle nicht kennt, fehlen einem keine wichtigen Informationen, um sich zurechtzufinden. Es gelingt Coben allerdings nicht, die hohen Erwartungen zu erfüllen, die er mit den vorhergehenden Fällen geweckt hatte. Bestach er da noch durch einen leichten, humorvollen Schreibstil, wirkt vieles diesmal schlicht nur aufgesetzt und gewollt. Die Passage

Der Sonnenschein war so kraftvoll und wohltuend, wie es sonst allenfalls eine schwedische Masseurin war, die zur Entspannung ein Glas Cognac servierte

ist nur ein Beispiel, es wimmelt von schlechten Metaphern und plumpen Witzen.

Leider sind auch die Figuren diesmal eher blass, die Geschichte ist zwar gut, vermag aber nicht so zu fesseln, wie man es von Coben sonst gewohnt ist. Was das Buch rausreisst, sind die Stellen, wo der altbekannte Schreibstil durchscheint, wo witzige Dialoge und überraschende Kniffs die Geschichte antreiben.

Fazit:
Leichte Urlaubslektüre, aber nicht Harlan Cobens grösster Wurf.

Zum Autor
Harlan Coben wurde 1962 in New Jersey geboren. Nachdem er zunächst Politikwissenschaft studiert hatte, arbeitete er später in der Tourismusbranche, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Seine Thriller wurden bisher in über 40 Sprachen übersetzt und erobern regelmäßig die internationalen Bestsellerlisten. Harlan Coben, der als erster Autor mit den drei bedeutendsten amerikanischen Krimipreisen ausgezeichnet wurde – dem Edgar Award, dem Shamus Award und dem Anthony Award – gilt als einer der wichtigsten und erfolgreichsten Thrillerautoren seiner Generation. Er lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern in New Jersey.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (18. September 2017)
Übersetzung: Friedo Leschke, Gunnar Kwisinski
ISBN-Nr.: 978-3442484621
Preis: EUR  9.99 / CHF 14.90

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Iwan Turgenjew: Väter und Söhne

TurgenjewVäterSöhneIm Frühling 1859 reist Arkadi, der an der Universität in Petersburg soeben den Grad eines Kandidaten erworben hat, nach Hause in den Süden aufs väterliche Gut. Begleitet wird er vom Nihilisten Basarow, einem Medizinstudenten aus ärmlichen Verhältnissen, der sich durch einen strebsamen und streitbaren Charakter auszeichnet: immer auf Konfrontationskurs. An allem und jedem findet er etwas auszusetzen, Arkadis Onkel, der auch auf dem Gut lebt, ist zu nobel, sein Vater zu romantisch, die Gesinnungen der beiden älteren Herren sind nicht mehr Zeitgemäss  – eigentlich die der ganzen Welt.

“diese alten Romantiker! Entwickeln ihr Nervensystem zu äusserster Sensibilität… tja, und dann ist das Gleichgewicht dahin.“

Es erschüttert den sich in seiner Ablehnung von allem und jedem gefallenden Basarow in den Grundfesten, als er sich in die schöne Wittwe Anna verliebt, die seine Liebe noch dazu nicht erwidert. Dass sich Arkadi ebenfalls in dieselbe Frau verliebt hat, treibt zudem einen Keil in die Freundschaft der beiden Männer.

Turgenjew ist es gelungen, in einer leichten und lockeren Erzählweise, die immer mit einer Prise Humor und philosophischem Gespür versehen ist, ein Abbild der Zeit zu zeichnen. Ohne den Moralfinger zu heben, weist er auf die Missstände in Russland in der Mitte des 19. Jahrhunderts hin, beleuchtet die Sorgen und Ängste der Menschen, den Konflikt der Generationen. Turgenjew überzeugt des Weiteren durch plastische Figuren mit stimmigen Charakteren. Er versteht es, die Beweggründe ihres Handelns, Fühlens und Denkens offenzulegen, ohne zu psychologisieren.

Ganna-Maria Braungardt ist es zu verdanken, dass dieser wunderbare Roman in einer neuen, zeitgemässen Übersetzung erscheint. Ein ausführlicher Anhang rundet das Buch ab. Ein Personenverzeichnis mit den –oft verwirrenden und vor allem vielen – Namen der im Roman vorkommenden Figuren und deren Beziehungen untereinander erleichtert das Verständnis, ein informatives Nachwort liefert Hintergründe und Erklärungen zum Roman.

Fazit:
Grosse Literatur: Ein flüssiger und lockerer Erzählstil, der mit Humor und philosophischem Feingefühl ein Abbild der Gesellschaft Russlands im 19. Jahrhundert zeichnet – Genuss pur und absolut empfehlenswert.

Zum Autor
Iwan Turgenjew
Iwan S. Turgenjew, geb. 1818 in Orel, gest. 883 in Bougival bei Paris gestorben, stammt aus altem Adelsgeschlecht. Nach dem Studium der Literatur und der Philosophie in Moskau, St. Petersburg und Berlin war er für zwei Jahre im Staatsdienst tätig. Danach lebte er als freier Schriftsteller und verfasste Erzählungen, Lyrik, Dramen, Komödien und Romane. Turgenjew gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des russischen Realismus und zählt zu den großen europäischen Novellendichtern. Seine Novellistik bedeutet einen Höhepunkt der Gattung in der russischen Literatur.

Angaben zum Buch:
Gebundenes Buch: 336 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (8. Dezember 2017)
Übersetzung: Ganna-Maria Braungardt
ISBN-Nr.: 978-3-423-28138-6
Preis: EUR  26 / CHF 36.90

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Wer sich vom Roman überzeugen will, findet HIER eine Leseprobe.

Mascha Kaléko: Verse für Zeitgenossen

Wie Janus zeigt zuweilen mein Gedicht
Seines Verfassers doppeltes Gesicht:
Die eine Hälfte des Gesichts ist lyrisch,
Die andere hingegen fast satirisch.
Zwei Seelen wohnen, ach in mir zur Miete
– Zwei Seelen von konträrem Appetite

Dies ein Ausschnitt aus dem Gedicht Masha Kalékos, das sie „Statt eines Vorworts“ an den Anfang ihres Gedichtband „Verse für Zeitgenossen“ stellte. Der Gedichtband erschien 1945 im amerikanischen Exil, 13 Jahre später wurde er auch in Deutschland publiziert.

„Ich habe mehr gelitten in den letzten zwei Jahren, als es menschenmöglich ist.“

KalekoZeitgenossenSo heisst es in einer Tagebuchnotiz aus dem Jahr 1938. Nachdem Kalekos Gedichte anfänglich grossen Erfolg hatten, wurden sie in dem Jahr von den Nationalsozialisten als „schädliche und unerwünschte Schriften“ verboten, Mascha emigrierte mit ihrer Familie in die USA. Der Gedichtband setzt sich denn auch mit den Themen Heimat und Fremde auseinander. Melancholisch und doch mit leisem Witz fliessen Gedanken und Gefühle Worten aufs Papier.

Gebet
Herr: unser kleines Leben – ein Inzwischen,
Durch das wir aus dem Nichts ins Nichts enteilen.
Und unsere Jahre: Spuren, die verwischen,
Und unser ganzes Sein: nur ein Einstweilen.
[…]

Eine wunderbare Dichterin, die es verdient, gelesen zu werden. Schön, hat die dtv Verlagsgesellschaft es sich zur Aufgabe gemacht, die Gedichtbände neu zu verlegen.

Fazit:
Ein Gedichtband voller melancholischer, sprachlich und inhaltlich pointierter Gedichte, die mitten ins Herz trifft. Sehr empfehlenswert.

Autorin
Mascha Kaléko (1907 – 1975) fand in den Zwanzigerjahren in Berlin Anschluss an die intellektuellen Kreise des Romanischen Cafés. Zunächst veröffentlichte sie Gedichte in Zeitungen, bevor sie 1933 mit dem ›Lyrischen Stenogrammheft‹ ihren ersten großen Erfolg feiern konnte. 1938 emigrierte sie in die USA, 1959 siedelte sie von dort nach Israel über. Mascha Kaléko zählt neben Sarah Kirsch, Hilde Domin, Marie Luise Kaschnitz, Nelly Sachs und Else Lasker- Schüler zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 112 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (8. Dezember 2017)
ISBN-Nr: 978-3423281393
Preis: EUR 12/ CHF 19.90
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Dalai Lama, Desmond Tutu: Das Buch der Freude

Nicht düsteres Schicksal bestimmt unsere Zukunft – wir bestimmen sie selbst. Tag für Tag, in jedem Augenblick können wir nicht nur unser eigenes Leben, sondern auch die Lebensqualität anderer Menschen auf unserem Planeten formen und erneuern. Wir verfügen über diese Macht.

41HR9WsIoGL._SX311_BO1,204,203,200_Dalai Lama und Desmond Tutu trafen sich anlässlich des 80. Geburtstags des Dalai Lama in dessen Exilheimat Indien und sprachen eine Woche lang über die Freude. Begleitet wurden sie dabei vom Journalisten Douglas Abrams, der die Gespräche schlussendlich zu diesem fertigen Text zusammentrug und das Thema mit Erkenntnissen aus der Neurobiologie wie durch persönliche Beobachtungen aus seinem Leben sowie aus dem Zusammentreffen der beiden alten Freunde anreicherte.

Wie kann man in Anbetracht auf das viele Leid auf dieser Welt Freude bewahren? Diese Frage stand immer wieder im Zentrum. Es ist eine Frage, die man auch dem Dalai Lama immer wieder stellt, welcher als Kind schon Verantwortung übernehmen musste und schlussendlich aus seiner Heimat vertrieben wurde, so dass er seit 50 Jahren im Exil lebt. Auch Desmond Tutu blickt auf turbulente Zeiten zurück, wenn man bedenkt, welchen Kampf er gegen das ehemalige Apartheid-Regime in Südafrika führte. Und strahlen beide Männer eine tiefe Freude und Gutmütigkeit aus. Züge der Verbitterung oder Worte des Hasses sucht man vergebens.

Freude und Glück lassen sich nicht erlangen, indem man eigenen Zielen und Erfolgen nachläuft […] sondern nur im Geist und Herz des Menschen, und wir hoffen, dass jeder dort Freude und Glück findet.

Worauf also gründet die Freude? Wir begegnen in diesem Buch den acht Säulen der Freude:

  1. Blickwinkel: Es gibt verschiedene Sichtweisen
  2. Bescheidenheit
  3. Humor
  4. Akzeptanz
  5. Vergebung
  6. Dankbarkeit
  7. Mitgefühl
  8. Grosszügigkeit

Jede dieser Säulen wird näher erläutert und es werden Übungen genannt, wie man sie aufbauen kann, so dass sie tragend werden.

„Das Buch der Freude“ ist ein inspirierendes Buch, ein lehrreiches Buch, ein Buch, das zum Nachdenken anregt und Freude macht beim Lesen. Durch die Beschreibungen der Hintergründe des Treffens ist es auch ein Buch, das Einblicke in das Wesen einer Freundschaft gibt. Fast hat man ab und an das Gefühl, dabei zu sitzen, den beiden beeindruckenden Männern zuzuschauen und mit ihnen eine Tasse Tee zu trinken.

Fazit
Ein wunderbares Buch: inspirierend, lehrreich, zum Nachdanken anregend – ein Buch, das zeigt, was Freude ist, wie man sie erlangen kann, und das beim Lesen Freude macht. Prädikat: Absolut empfehlenswert.

Über die Autoren
31HEYd66JuL._UX250_Tenzin Gyatso, Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama, bezeichnet sich selbst als einfachen buddhistischen Mönch. Geboren 1935, floh er nach der Besetzung Tibets 1959 nach Indien, wo er seitdem im Exil lebt. Das geistliche und (bis zu seinem freiwilligen Rückzug 2011) weltliche Oberhaupt der Tibeter wurde 1989 mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Seine spirituelle Arbeit, seine Bemühungen um die politische, religiöse und kulturelle Identität Tibets sowie sein Einsatz für den Weltfrieden finden Anerkennung in der ganzen Welt.

21rkvg0J7cL._UX250_Desmond Mpilo Tutu, geboren 1931, ist emeritierter Erzbischof der Anglikanischen Kirche in Südafrika. Als wichtigste Symbolfigur neben Nelson Mandela im Kampf gegen die Apartheid erhielt er 1984 den Friedensnobelpreis. Ab 1995 war er Vorsitzender der Wahrheits- und Versöhnungskommission in Südafrika, die nach den Prinzipien von Mahatma Gandhi arbeitete. Seine Politik der Vergebung und Aussöhnung wurde zum leuchtenden Beispiel für gewaltfreie Konfliktlösung. Auch im Alter von 84 Jahren setzt sich Bischof Tutu unermüdlich weltweit für Frieden und Menschlichkeit ein.

Douglas Abrams ist Lektor, Autor mehrerer erfolgreicher Romane und Sachbücher und seit mehr als zehn Jahren Koautor von Desmond Tutu. Als Gründer der Literaturagentur Idea Architects engagiert er sich besonders für Projekte, die das Ziel verfolgen, mehr Weisheit, Gesundheit und Gerechtigkeit in die Welt zu bringen.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: Lotos Verlag, Auflage 9 (26. September 2016)
Übersetzung: Helmut Dierlamm, Friedrich Pflüger
ISBN: 978-3778782651
Preis: EUR: 22.99 ; CHF 38.90
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Jean-Francois Mallet: Das einfachste Kochbuch der Welt deluxe (Rezension)

Richtig gut kochen mit maximal 6 Zutaten

MalletdeluxeFesttage sind immer auch eine Gelegenheit, zusammenzusitzen, etwas Leckeres auf den Tisch zu stellen und gemeinsam zu essen. Gerade an Weihnachten darf es auch mal etwas Anspruchsvolleres sein, nur: Der zu erwartende Aufwand lässt einen schon vor dem Fest innerlich schwitzen.

Dass es auch anders geht, zeigt der französische Koch Jean-François Mallet. Nachdem er schon mit „Das einfachste Kochbuch der Welt“ zeigte, dass kochen nicht aufwändig sein muss, legt er mit der deluxe-Version nach und beweist, dass auch Festtagsmenues mit einfachen Mitteln gekocht werden kann.

Im Buch finden sich Rezepte für Aperitifs, Vorspeisen, Hauptgänge sowie Käse & Desserts, darunter sind so lecker klingende Sachen wie Blätterteigpasteten mit Antipasti, Sardinen-Clementinen-Tarteletts, Trüffel-Crostini mit Olivenöl, Caesar Salad mit Langusten, Sesam-Scampi mit Romanesco, Käsesoufflees, Kalbsröllchen mit Steinpilzen, Lammkarree mit Minze und Apfeltarten mit Mandelschnitten – um nur einige zu nennen.

Die Rezepte sind wirklich simpel, die Bandbreite riesig und: Kein Rezept hat mehr als 6 Zutaten und die Zubereitung ist einfach und wenig zeitintensiv. Es ist für jeden Geldbeutel was dabei, man muss, um die Gerichte zu kochen, kein Meisterkoch sein und bei einigen Rezepten gibt es auch Alternativen, mit denen sich die Gerichte verändern lassen. Um sich im Buch zurechtzufinden, gibt es ein Register, das nach Kategorie geordnet ist, und ein zweites, welches die Gerichte nach ihren Hauptzutaten auflistet.

Einem Weihnachtsessen deluxe ohne Stress steht also nichts mehr im Weg.

Fazit:
Ein tolles Buch für alle, die gerne mal etwas Ausgefallenes kochen, dabei aber nicht stundenlang in der Küche stehen wollen. Sehr empfehlenswert.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: Edition Michael Fischer; Auflage: 1 (14. September 2017)
ISBN-NR: 978-3863557829
Preis: EUR: 24.99 ; CHF 38.90
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Brad Wilson: Tiere vor der Kamera

Schau mir in die Augen

Immer schon habe ich mich für jene Präzision interessiert, aus der Schönheit erwächst – für genau diesen einen Moment, in dem eine bestimmte Stimmung und Ruhe und diese besondere Komposition aufeinandertreffen und aus etwas gewöhnlichem etwas Ungewöhnliches werden lassen, aus etwas Erwartbarem etwas Unerwartetes.

titelBrad Wilson hat sich im vorliegenden Buch dem Tierporträt gewidmet. Vor einem schlichten schwarzen Hintergrund porträtiert er Tiere wie Elefanten, Tiger, Löwen, Eulen und mehr. Er lässt sie durch ihre Persönlichkeit zum Betrachter sprechen und auf ihn wirken.

Ohne trennende Gitter einem Elefanten, Tiger oder Schimpansen nur wenige Meter entfernt gegenüberzustehen, lässt niemanden kalt. Irgendetwas Tiefes, Ursprüngliches schwingt in solchen Begegnungen machtvoll mit. Auf dieses ungewöhnliche und fragile Terrain wagte ich mich mit meinem Projekt.

tigerDie Wirkung, die Brad Wilson seiner Begegnung mit den Tieren zuschreibt, spricht auch aus den Bildern und überträgt sich auf den Betrachter. Aus Ihnen sprechen zudem die grosse Verbundenheit und der Respekt, die Wilson den Tieren entgegenbringt. Ohne diese wäre ein solches Projekt nicht möglich gewesen und schon gar nicht so wunderbar herausgekommen.

Das vorliegende Buch ist wohl mitunter eines der schönsten Tierbücher, das ich je gesehen habe. Man kann sich nie daran satt sehen, denn das Buch wirkt immer wieder neu.

Vielleicht können meine Bilder […] uns daran erinnern, dass wir – trotz des tiefen Gefühls der Isoliertheit, das unsere Gegenwart so oft bestimmt – nicht allein sind, dass wir nicht abseits stehen, sondern Teil einer wunderbar reichhaltigen und eng verbundenen Vielfalt des Lebens sind.

euleTiere haben eine Seele, sie sind Wesen wie wir und jedes hat seine eigene Persönlichkeit. Dies wird in diesem Buch offensichtlich. Die hochwertige Aufmachung, die brillianten Farben und das schöne Layout runden das Gesamtbild ab. Eingeleitet wird es zudem mit einem Vorwort von Desmond Morris.

Fazit:
Ein wunderschönes Buch, das die Persönlichkeit der Tiere sprechen lässt. Absolut empfehlenswert.

Autor und Mitwirkende
Brad Wilson begann seine Ausbildung in Visual Arts an der Universität von North Carolina in Chapel Hill, wo er Kunstgeschichte und Studio Art studierte – mit Schwerpunkten in Malerei, Skulptur, Zeichnung und Architektur. Von dort aus besuchte er Seminare in Santa Fe und Maine, um sich schließlich ganz auf die Fotografie zu konzentrieren. 1992 ging er nach New York, wo er mit einer ganzen Reihe angesehener Fotografen zusammenarbeitete und seine Karriere mit kommerzieller Fotografie begann.

Seine Arbeiten wurden weltweit publiziert und waren in zahlreichen Werbekampagnen, in Magazinen, auf Musikcovern und auf über 400 Büchern in den USA, Europa, Asien und Südamerika zu sehen. 2004 zog Brad Wilson nach Santa Fe, New Mexico, wo er, umgeben von der Schönheit und Stille der Wüste, seine Fotoarbeit fortsetzt. Brad Wilson wird vertreten von der Doinel Gallery in London.

Desmond Morris, Zoologe und Verhaltensforscher, wurde international berühmt durch seinen Bestseller „Der nackte Affe“. Es folgten weitere Welterfolge wie „Bodwatching/Körpersignale“, „Catwatching“, „Dogwatching“ und „Babywatching“ (alle bei Heyne).

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe:184 Seiten
Verlag: Prestel Verlag (29. April 2914)
ISBN-Nr.: 978-3791348971
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Walter Moers: Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr

Keine Frage: SIe führte ein anstrengendes und entbehrungsreiches, aber auch ein aussergewöhnliches und interressantes Leben. „Meine Gedanken sind meine Freunde“, dachte die Prinzessin. „Desegen bin ich niemals allein.“

MoersInsomniaPrinzessin Insomnia leidet unter einer schweren Schlafkrankheit. Teilweise kann sie ganze Wochen nicht schlafen, kein Mittel hilft. Zwar war diese Schlaflosigkeit sehr anstrengend und die Prinzessin litt auch dann und wann darunter, sie brachte aber auch Vorteile mit sich: Ihre Sinne wurden geschärft. So konnte sie nach drei schlaflosen Nächten das Gras wachsen hören, nach vier Musik riechen, nach neun Tagen Farben schmecken – und noch vieles mehr. Sie sah auch Gestalten, die nur für sie sichtbar waren und auch das nur nach einer bestimmten Anzahl schlafloser Nächte. Gerne hätte sie darüber eine wissenschaftliche Arbeit verfasst, nur: Wer sollte ihr glauben?

So geht das Leben der Prinzessin dahin, meist schläft sie nicht und erlebt die märchenhaftesten Dinge, hat die speziellsten Begegnungen, dann wieder schläft und träumt sie und erlebt ebensolches. Als Leser blättert man sich so durch die Seiten und fragt sich, wo eigentlich die Geschichte ist? Prinzessin Insomnia mutet ein wenig an wie die Aneinanderreihung sehr phantasievoller Gegebenheiten und auch wirklich zauberhafter Ideen, aber es fehlt das packende Element, ein Motiv, das zu einem Ziel hinführen würde.

Prinzession Insomnia ist der siebte Zamonienroman. Dabei verzichtet er aber auf alles, was ihn mit den vorhergehenden Bänden verknüpfen würde. Zamonien ist – würde es am Anfang nicht erwähnt – nicht existent, die Geschichte spielt sich mehr oder weniger in Prinzessin Dylias Innern ab. Das hat allerdings den Vorteil, dass man für dieses Buch die sechs Vorgänger nicht kennen muss.

Was an dem Buch bezaubert, sind die schönen Illustrationen von Lydia Rode. Die farbenfrohen, märchenhaften, filigranen und phantasievollen Zeichnungen sind wunderbar.

Fazit:
Eine etwas langweilige, aber durchaus phantasievolle Geschichte, welche wunderbar illustriert ist.

Der Autor und die Illustratorin
Walter Moers ist der Schöpfer vieler erfolgreicher Welten und Charaktere. Von ihm stammen unter anderem die Comicwelten um „Das kleine Arschloch“ und dem „Alten Sack“, „Adolf, die Nazisau“ und die Figur des Käpt`n Blaubär. Seit fast 20 Jahren schreibt er fantastische Romane, die auf dem Kontinent Zamonien spielen. Dazu gehören unter anderem die internationalen Bestseller „Die 13 ½ Leben des Käpt`n Blaubär“, „Die Stadt der Träumenden Bücher“ und zuletzt „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“. „Prinzessin Insomnia“ ist der siebte Zamonienroman.
Lydia Rode lebt, malt und zeichnet in Berlin. Ihre Aquarelle für „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ sind ihre ersten veröffentlichten Illustrationen.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 344 Seiten
Verlag: Albrecht Knaus Verlag (28. August 2017)
ISBN-Nr: 978-3813507850
Preis: EUR 24.99 / CHF 36.90
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Helen Birch: Sketching People (Rezension)

Über 90 Inspirationen zum Zeichnen und Skizzieren von Menschen

BirchSketchingFür viele stellt das Zeichnen von Menschen eine grosse Herausforderung dar. Sogar Menschen, die sonst gerne zeichnen, schrecken anfangs oft davor zurück. Eigentlich schad, denn es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, sich dem Modell Mensch anzunehmen. Das vorliegende Buch zeigt einige davon und will dazu anregen, sich inspirieren zu lassen und auszuprobieren.

Vorgestellt werden Zeichnungen und Skizzen, welche in Ateliers entstanden sind, aber auch solche, die zu Hause von der Familie oder auf der Strasse von Menschen in Cafes, an Bahnhöfen, auf Strassen angefertigt wurden. Die Bandbreite an Zeichenlokationen findet sich auch im Zeichenmaterial: Erlaubt ist, was gefällt, Bleistift, Tinte, Aquarell, Filzstifte, Farbstifte, Kugelschreiber eignen sich wie auch jede Art von Papier, Karton oder andere Untergründe.

Wer nun noch denkt, Menschen zu zeichnen sei etwas vom Schwierigsten, dem sei gesagt: Übung macht den Meister! Das vorliegende Buch zeigt, auf wie viele unterschiedliche Arten man sich der Sache annähern kann. Helen Birch stellt dazu die verschiedenen Stile vor, zeigt, wie der jeweilige Künstler an sein Modell herangetreten ist, worauf er achtete, wie er dieses aufs Papier brachte. Fast nebenbei erfährt man auch Wissenswertes über die einzelnen Zeichenutensilien. Diese Informationen finden sich aber am Ende des Buches nochmals als Grundlagen.

Wenn man einen bestimmten Bildstil finden will, bietet sich das Inhaltsverzeichnis mit allen im Buch behandelten Zeichnungen als Thumbnails an, wer nach einem bestimmten Künstler sucht, findet ihn im entsprechenden Verzeichnis. Ein zusätzliches Stichwortverzeichnis lässt nach Stilen, verwendeten Materialien und einigem mehr suchen.

Fazit:
Ein wunderbares, sehr durchdachtes Buch und informatives Buch, für alle, die gerne zeichnen und sich inspirieren lassen wollen. Auch einfach nur zum Anschauen ist es wirklich toll. Sehr empfehlenswert.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: Edition Michael Fischer; Auflage: 1 (16. Februar 2017)
ISBN-NR: 978-3863556464
Preis: EUR: 14.99 ; CHF 21.90
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Die Ungelesenen

Im Artikel „Gute Bücher, schlechte Bücher“ (Hier) kündigte ich an, dass ich fortan auch Bücher vorstellen will, die ich nicht lesen konnte. Die Gründe dafür können mannigfaltig sein, sie sind aber meist eine durchaus persönliche Einschätzung und nicht zwangsläufig ein Qualitätsurteil für das Buch.

Ich werde diese Bücher nicht mehr einzeln behandeln, sondern ab und an eine Zusammenfassung meiner Ungelesenen präsentieren. Mich würde natürlich interessieren, was andere zu diesen Büchern zu sagen haben. Es ist, wie ich finde, immer spannend, wie unterschiedliche Menschen Bücher unterschiedlich lesen. Hier die erste Präsentation meiner Ungelesenen:

Ingrid Noll: Halali

Klappentext
NollHalaliKarin und Holda sind Kolleginnen und teilen sich das Büro. Vor allem aber verbringen die beiden ihre Freizeit miteinander und teilen ihre Geheimnisse bei der Suche nach dem richtigen Mann. Gerade ist Bonn Hauptstadt geworden, und im Innenministerium gibt es viel zu tun, nicht nur im Vorzimmer, sondern auch in der Dunkelkammer. Ihr Alltag wird immer spannender – und immer gefährlicher: Schon bald haben sie es nicht nur mit toten Briefkästen, sondern auch mit toten Agenten zu tun. Manchmal hilft nur noch Gegenspionage, um die eigene Haut zu retten.

Halali ist eine originelle Mischung aus Kriminalkomödie und Agentenroman. Die große Politik trifft auf die Sehnsucht nach dem kleinen Glück.

Beurteilung
Da ich Ingrid Noll immer liebte, freute ich mich sehr auf das Buch – und war sehr enttäuscht. Das Problem, das ich beim Lesen hatte, war, dass die Geschichte nicht losging. Der Text wirkte wie ein Geplauder aus dem Nähkästchen, er war eine Ansammlung von Rückblicken und Bewertungen von Heute und Gestern, alles sehr wirr, in die Länge gezogen, ohne Tempo, Witz oder Charme. Wenn ich nun den Klappentext lese, wirkt allerdings auch schon der eher wirr. Man hätte es vielleicht wissen können, aber eben: Meine Erwartungen an die Autorin, die mir schon so viele tolle Lesestunden geschenkt hat, liessen mich blind zum Buch greifen. Ich habe nach – ich gebe es zu – kläglichen 20 Seiten aufgegeben.

Fazit:
Ein vom Einstieg in die Geschichte her wenig überzeugendes Buch, das in einem seichten Plauderstil dahinplätschert. Schade!

Zur Autorin
Ingrid Noll, geboren 1935 in Shanghai, studierte in Bonn Germanistik und Kunstgeschichte. Sie ist Mutter dreier erwachsener Kinder und vierfache Großmutter. Nachdem die Kinder das Haus verlassen hatten, begann sie Kriminalgeschichten zu schreiben, die allesamt sofort zu Bestsellern wurden. ›Die Häupter meiner Lieben‹ wurde mit dem Glauser-Preis ausgezeichnet und, wie andere ihrer Romane, auch erfolgreich verfilmt. 2005 erhielt sie zudem den ›Friedrich-Glauser-Ehrenpreis der Autoren‹ für das Gesamtwerk.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag (26. Juli 2017)
ISBN: 978-3257069969
Preis: EUR 22 / CHF 33.90
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Karin Schneuwly: Glück besteht aus Buchstaben

Klappentext
SchneuwlyWir lesen aus Interesse, aus Vergnügen, aus Wissbegier. Die Gebanntheit, das Staunen, das innerliche Zittern, das wir als Kinder erlebten, daran erinnern wir uns vage. Karin Schneuwly erzählt in ihrem Leseverführer von diesem Gefühl und erweckt es zu neuem Leben. Als Kind eroberte sie sich die Welt der Literatur gegen alle Widerstände ihrer Familie und der Umwelt und las manisch jedes Buch, das sie in die Finger bekam. Anhand ihrer Lektüren von „Heidi“ bis zu „Krieg und Frieden“ lässt Schneuwly diese Verzauberung neu entstehen, die Neugier und die Jagdlust, die einen nie wieder loslassen. Eine wunderbar erzählte Buch- und Büchergeschichte, die selbst das Glücksgefühl hervorruft, das nur Lesen bewirkt.

Beurteilung
Schon die ersten zwei Sätze liessen mich stutzen:

Mein Vater hat keine Bücher gelesen. Deshalb kann ich heute nicht genau sagen, wer er war.

Zeigt sich das Wesen von Menschen nur in ihrer Lektüre? Eine merkwürdige Ansicht, vor allem in Bezug auf den eigenen Vater. Auch die Mutter wird über ihr Leseverhalten definiert, die Grossmutter allerdings nicht, da sind Bücher kein Thema, die scheint dann doch auf einem anderen Weg wahrgenommen zu werden. Nach seitenlangen Beschreibungen von dörflicher Landidylle mit Hühnern, Klos und Kartoffelkellern, gestorbenen Grossvätern und deren Krankheiten sowie weitere merkwürdigen Taxierungen verschiedener Verwandter habe ich das Buch abgebrochen. Diese Buchstaben haben mir leider kein Glück verschafft.

Fazit:
Ein für mich wenig überzeugendes Buch, da die vorgebrachten Bewertungen nicht nachvollziehbar und die Beschreibungen schlicht langweilig waren.

Zur Autorin
Karin Schneuwly, geboren 1970, studierte Germanistik, Philosophie und Vergleichende Literaturwissenschaft. Sie arbeitete für Verlage und war Ko-Programmleiterin im Literaturhaus Zürich. Seit 2010 ist sie Texterin, Lektorin und Korrektorin. Glück besteht aus Buchstaben ist ihr erstes Buch.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 208 Seiten
Verlag: Nagel & Kimche Verlag (21. August 2017)
ISBN: 978-3312010417
Preis: EUR 18 / CHF 27.90
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Meine beste Freundin: Geschichten – Gedichte – Briefe

Klappentext
FreundinDie beste Freundin ist ein besonderer Mensch. Bei ihr findet man Freiraum, Vertrauen, Respekt, Nähe, Verständnis, Zuwendung, Akzeptanz, Seelenverwandtschaft und Liebe. Mit ihr kann man sich über alles austauschen: über die eigenen Gedanken und Gefühle, über Berufliches, über Poesie, Literatur, Philosophie. Sie ist die engste Vertraute und Beraterin in allen Lebensfragen.

Zahlreiche literarische Texte wie Briefwechsel, Tagebucheintragungen, biographische Schriften oder Gedichte geben durch die Jahrhunderte hindurch intime Einblicke in die besondere Beziehung zur besten Freundin. Und zeigen: einzigartig und unersetzlich war sie schon immer. Man diskutiert damals wie heute persönliche wie gesellschaftliche Perspektiven, politische Fragen, die Rolle der Frau, spricht über Sehnsüchte, Liebe, Begehren und die Möglichkeiten zu Veränderungen im eigenen Leben.
Mit Briefen von Rosa Luxemburg an Clara Zetkin, Paula Modersohn-Becker an Clara Rilke-Westhoff, Vita Sackville-West an Virginia Woolf, Erika Mann an Lotte Walter-Lindt, Texten von Doris Lessing, Jane Austen, Elena Ferrante und Erinnerungen von Lillian Hellman über Dorothy Parker, Nadeschda Mandelstam über Anna Achmatowa u. v. m.

Beurteilung
Vielleicht scheiterte ich auch hier an zu hohen Erwartungen. Freundschaften sind etwas Wunderbares und ich wollte mehr über beste Freundinnen erfahren. Gefunden habe ich aber eine – wie mir schien – wahllose Zusammenstellung von (mehrheitlich) Briefen. In der Einnleitung erfuhr man kurz über die Hintergründe zur Freundschaft und zum Brief, dann stand dieser für sich da. Alle Briefe, die ich gelesen habe, haben wenig über die Freundschaft von Schreibender und Empfängerin ausgesagt. Zwar fanden sich teilweise interessante Gedanken oder auch persönliche Einsichten der Schreibenden, alles in allem war es aber zu wenig, um mich zu fesseln. Vielleicht sollte man das Buch nicht in einem Zug lesen wollen, sondern eher zwischendurch sich einen Brief vornehmen, nur: Mir erschloss sich der Sinn nicht ganz, wieso ich das tun sollte.

Fazit:
Der Ansatz, an das Thema Freundschaft heranzugehen, hat mich schlicht nicht überzeugt.

Die Herausgeberinnen
Klaudia Ruschkowski, Autorin, Kuratorin, Dramaturgin und Übersetzerin, lebt in Volterra, Italien und Berlin. Sie konzipiert Kunst- und Literaturprojekte und ist als Hörspielautorin tätig. Sie übersetzt aus dem Italienischen und Englischen, zuletzt Etel Adnan, Giuseppe Zigaina, Vincenzo Latronico.
Anna Schloss studierte Slavistik, Kulturanthropologie und Buchwissenschaft in Mainz. Sie lebt und arbeitet als Verlagslektorin in Wiesbaden. Auswahl und Mitherausgabe diverser Lyrik- und Prosa-Anthologien, u. a. von Anton Tschechow, Christian Morgenstern, Guy de Maupassant, Liebesgedichte großer Männer.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: marix Verlag ein Imprint von Verlagshaus Römerweg; Auflage: 1 (18. August 2017)
ISBN: 978-3737410588
Preis: EUR 18 / CHF 26.90
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Ich merke, dass es mir nicht ganz leicht fällt, Bücher zu beschreiben, die ich nicht mochte. Zwar ist es meine ehrliche Meinung und zu der stehe ich auch, aber erstens befasse ich mich ungern länger als nötig mit Dingen, die ich nicht mag, zweitens liegt es mir schlicht besser, positive Dinge zu sagen.