War, ist, wird – Tschüss 2017

Nun ist es also so weit: Der letzte Tag des Jahres neigt sich dem Ende zu. Was war es für ein Jahr? Wie fühle ich mich heute? Wo führt mich das neue hin?

Persönlich war es das wohl schlimmste Jahr überhaupt. Und doch: Es gab ganz viel, wofür ich sehr dankbar bin. Ich bin dankbar,

  • hatte ich die Möglichkeit, so tief in die Kunst einzutauchen und mich auszuprobieren
  • traf ich auf Menschen, die diesen Weg unterstützten und an mich glaubten
  • fand ich den Weg zurück auf die Yogamatte für mich (und kriegte die Zusage, eine Lehrerweiterbildung nächstes Jahr fortsetzen zu dürfen, nachdem ich sie unterbrechen musste)
  • habe ich dieses Zuhause, das für mich Burg, Hafen, Rückzug, Sicherheit ist
  • traf ich auf unglaublich tolle Menschen, die mir – jeder auf seine Weise – viel gaben und mich viel lehrten
  • darf ich für die Zukunft hoffen und mir Wege ausmalen, die möglich werden können
  • habe ich ein Naturell, das immer wieder aufsteht, egal wie tief es fällt
  • habe ich einen Körper, der alles trägt und
  • eine Psyche, die standhält

Ja, auch die Dankbarkeit ist nicht nur himmelhochjauchzend, sie trägt Untertöne. Aber die gehören zum Leben. Ich bin dankbar, die schweren Zeiten überstehen zu können. Das ginge nicht ohne die Menschen, die für mich da sind und teilweise über viele Jahre waren. Ich hoffe, ich kann auf irgend eine Weise etwas zurückgeben.

Was nehme ich mir vor? Nichts. Wozu auch? Ich lebe mein Leben und gehe auf meinem Weg weiter. Ich werde weiter malen, freue mich auf all die Impulse, die kommen, all die Projekte, die mir zufliegen. Ich wünsche mir von Herzen, auch weiter so viel Freude verbreiten zu können, wie ich es mit meinen „Schrägen Vögeln“ schaffte (die mir auch immer wieder von Neuem Freude bereiteten beim Machen – sie flogen mir förmlich zu). Ich freue mich auf meinen weiteren Yogaweg und werde ihn diesmal noch viel achtsamer beschreiten als früher – für mich. Ich hoffe sehr, dass gewisse Wege weniger steinig werden als sie es dieses Jahr waren. Und ja, nicht zuletzt hoffe ich natürlich, dass der Mensch, den ich seit bald 45 Jahren an meiner Seite weiss, dies noch weiter sein wird und es für sich selber geniessen kann. Ich war immer sein Sonnenschein, er mein Fixstern am Universum.

Damit beschliesse ich dieses Jahr. Ich möchte mich bei all denen bedanken, die hier mitlesen, ab und an ihre Gedanken da lassen und mir zeigen: Auch das Internet ist keine Einbahnstrasse. Ohne euch gäbe es den Blog hier wohl nicht mehr – und er liegt mir am Herzen.

Ich wünsche allen da draussen einen schönen Rutsch ins neue Jahr und für dieses alles nur erdenklich Gute. Mögen Licht und Liebe eure Wege begleiten.

Christian Morgenstern: Nachts im Wald

Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Nachts im Wald
(1906)

Bist du nie des nachts durch Wald gegangen,
wo du deinen eignen Fuss nicht sahst?
Doch ein Wissen überwand dein Bangen:
Dich führt der Weg.

Hält dich Leid und Trübsal nie umfangen,
dass du zitterst, welchem Ziel du nahst?
Doch ein Wissen übermannt dein Bangen:
Dich führt dein Weg.

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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, das man lesen kann, wenn man von der Angst geplagt ist

Ab und an fühlen wir uns verloren: Wo geht der Weg hin? Oft blockiert man sich auch selber mit seinen Ängsten, traut sich kaum, weiter zu gehen, man könnte fallen, man könnte scheitern, man könnte unter gehen. Doch: Wenn man nie den nächsten Schritt wagt, wird man nie sehen, wohin alle Schritte führen könnten. Deswegen hilft es ab und an, zurückzudenken, sich daran zu erinnern, dass man schon Schritte wagte, dass es gut kam! Und mit der Zuversicht dieser Erinnerung kann man dann den nächsten Schritt wagen.

 

Eine unfestliche Geschichte

Es war einmal ein Berliner, dem fiel just am Silvester ein Bleiklumpen auf den grossen Zeh. Der Schmerz war so gross, dass er jaulend auf einem Bein um den Christbaumständer hüpfte, dabei in der einen Hand den schmerzenden Fuss hielt, in der anderen den Karpfen, den er seiner Liebsten vorher mit einem Kuss entlockt hatte. Diese tat besorgt, doch er wusste es genau: Das war pure Heuchelei, denn insgeheim hegte sie die Hoffnung, bis spätestens zum Neujahrsläuten ihn in die Notaufnahme gebracht und so den Karpfen wieder zurückerobert zu haben.

Unweigerlich schoss es ihm durch den Kopf: So waren sie also, diese Rauhnächte, an denen jeder hehre Vorsätze fasste und dabei zur Unterstützung Wunderkerzen schwang. Alle wollten sie bessere Menschen werden, aber erst im neuen Jahr, im alten gönnten sie einem nicht mal einen Karpfen. Vermutlich hatte ihm die – nun plötzlich nicht mehr so – Liebste den Bleiklumpen gar extra auf den Zeh geworfen, aber da hatte sie die Rechnung ohne ihn gemacht, denn dieser Karpfen war seiner und er gäbe ihn nicht mehr her.

Die Uhr schlug Mitternacht, er wollte mal nicht so sein, ging auf die Liebste zu und umarmte sie, wenn auch zögerlich, ohne zu merken, dass sich hinterrücks die Katze derselben angeschlichen hatte, schwupps, den Karpfen eroberte und damit von Dannen zog. Sie hatte sich keine guten Vorsätze gefasst…*

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Für die abc.etüden, Woche 51.17: Was für die Adventsetüden galt, gilt auch für die Sonderedition Weihnachts-/Neujahrsetüden, Textwochen 52.17/01.18.
Die Grundregel bleibt: 3 Wörter, maximal 10 Sätze, und darf wie schon in den letzten Wochen gern zu einem „mindestens 3 Wörter“ erweitert werden.
Erneut gilt: Die 3+ Wörter können aus der nachfolgenden Liste (12 Wörter) selbst ausgewählt werden:

Berliner, Bleiklumpen, Christbaumständer, Karpfen, Kuss, Heuchelei, Hoffnung, Neujahrsläuten, Notaufnahme, Rauhnächte, Vorsätze, Wunderkerze

 

*alle 12 drin und erst noch in der richtigen Reihenfolge J Und ich habe extra mehrfach nachgezählt: Exakt 10 Sätze. Wenn das mal kein fulminanter Jahresschluss ist. An dieser herzlichen Dank für diese Etüden, die doch immer wieder Spass machen!

Der Ursprungspost: HIER

 

Immer in meinem Herzen

Es ist Weihnachten, ich musste dran denken. Ich schaute mir sein Bild an und dachte, wie schön es war, so lieben zu können – und geliebt zu werden. Und ja, ich schimpfte mit mir, wieso ich so feige war. Vielleicht hätte es was geändert? Es ändert nichts. Es ist, wie es ist… Liebe sollte mal leben, wenn sie sich zeigt. Irgendwann ist es zu spät. Und:

Ohne Liebe ist alles nichts.

Avatar von Sandra von SiebenthalDenkzeiten - Philosophie als Lebenskunst

Lieber Michael

Ich erinnere mich noch gut, wie du mir damals im Bahnhof Bern entgegen kamst. Von weitem schon sah ich dich. Du lächeltest mich an. Ich konnte dir nicht entgegen gehen, war wie festgenagelt. Ich stand schon lange da, viel zu früh war ich gekommen. Die Vorfreude hatte mich getrieben, die Neugier, die Aufregung. Wie ich dich so kommen sah, warst du mir vertraut. Und innerlich warst du es ja auch. Wir hatten so viele Stunden geredet, so viel geschrieben. Wir kannten uns so tief. Das hier war nur noch der letzte Funke – und er sprang über.

Wir verstanden uns blind und ohne Worte, trotzdem ging uns der Gesprächsstoff nie aus und ein Blick aus deinen Augen bedeutete mir die Welt. Er hüllte mich ein mit Wärme und gab mir die Geborgenheit, die ich so lange gesucht hatte. Du hast mich immer verstanden, in meinem Sein, in meinem…

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Von der Liebe und anderen Dingen


Kürzlich sass ich im Zug zurück nach Hause und hörte dieses Lied. Es gefiel mir, es war eingängig, bewegte was in mir. Auf den Text hörte ich nicht wirklich, was ich aber zu Hause nachholte.

Man geht  durchs Leben, möchte wohl meist ein guter Mensch sein. Zumindest kann ich mir kaum vorstellen, dass ein Mensch aktiv beschliesst, er müsse ein schlechter Mensch sein. Vielleicht bin ich da naiv, aber ich möchte das gerne so glauben. Nur: So ganz scheint das nicht zu klappen, sonst wären mir seine Gedanken nicht so vertraut. Die Angst, man könnte ausgenutzt werden oder das Gesicht verlieren, ist nicht fremd. Was, wenn man jemandem sagt, dass man ihn mag, der aber nur lachen würde und fände: Ich dich aber nicht? Hielte man nicht besser zurück? Was, wenn man jemandem hilft, der aber, wenn man selber im Schlamassel sitzt, einfach wegschaut? Wäre man dann schlicht blöd gewesen?

Verliere ich das Gesicht, wenn ich zu meinen Gefühlen stehe? Bin ich der Dumme, wenn mein Mitgefühl und meine Hilfsbereitschaft ausgenutzt werden? Ich denke nicht. Und doch befürchten wir es im Alltag wohl immer wieder. Wir halten zurück mit unseren Gefühlen, um nicht das Gesicht zu verlieren. Wir wollen keine Schwäche zeigen und schon gar nicht der Dumme sein. Und wir verpassen damit wohl ganz viel, das eigentlich dazu gut wäre, das Leben schön zu machen.

Ohne Liebe ist alles nichts.

Das ist ein Spruch, der mich seit Jahren begleitet. Ich denke, ihn erfunden zu haben, aber es gab ihn wohl schon vor mir. Er ist zu gross, als dass ihn ein Mensch erst heute erfunden haben könnte. Liebe und Mitgefühl sind nie falsch. Wenn sie nicht erwidert werden, ist das sicher nicht schön, aber immer noch weniger schlimm, als wenn man nicht lieben könnte. Man könnte sich dann ja wohl selber nicht lieben.

Während ich hier so schrieb, ging meine Musikliste weiter, wir sind nun bei dem Lied:

Dazu überlege ich mir ein anderes Mal was….

Stilblüten des Internets….

Daraus müsste man ne Reihe machen, es gibt so viele. Eine, die mir heute grad wieder unterkam….

Die Unpackings. Das ist, wenn jemand ein Paket kriegt und das mit der Welt teilen will… also lässt er die Kamera laufen und holt dann… so ganz spontan… das Paket ins Bild.

Leute, ich habe das Paket gekriegt. Lasst uns gemeinsam schauen, was drin ist.

Die Leute dürfen dann zuschauen, wie besagter Mensch an der Verpackung rumnestelt, es schliesslich geöffnet kriegt und den ach so tollen Inhalt präsentiert. Aber he:

Was kümmern mich Pakete anderer Menschen? Und: Ich habe noch nie was abgekriegt. Wie egoistisch ist das denn? Nur neidisch machen wollen? Ne… geht ja gar nicht. Und überhaupt: Wenn ich was brauche, bestelle ich es gerne selber. Und packe es dann mit viel Freude ohne Kamera aus.

#sachegits

Jean-Francois Mallet: Das einfachste Kochbuch der Welt deluxe (Rezension)

Richtig gut kochen mit maximal 6 Zutaten

MalletdeluxeFesttage sind immer auch eine Gelegenheit, zusammenzusitzen, etwas Leckeres auf den Tisch zu stellen und gemeinsam zu essen. Gerade an Weihnachten darf es auch mal etwas Anspruchsvolleres sein, nur: Der zu erwartende Aufwand lässt einen schon vor dem Fest innerlich schwitzen.

Dass es auch anders geht, zeigt der französische Koch Jean-François Mallet. Nachdem er schon mit „Das einfachste Kochbuch der Welt“ zeigte, dass kochen nicht aufwändig sein muss, legt er mit der deluxe-Version nach und beweist, dass auch Festtagsmenues mit einfachen Mitteln gekocht werden kann.

Im Buch finden sich Rezepte für Aperitifs, Vorspeisen, Hauptgänge sowie Käse & Desserts, darunter sind so lecker klingende Sachen wie Blätterteigpasteten mit Antipasti, Sardinen-Clementinen-Tarteletts, Trüffel-Crostini mit Olivenöl, Caesar Salad mit Langusten, Sesam-Scampi mit Romanesco, Käsesoufflees, Kalbsröllchen mit Steinpilzen, Lammkarree mit Minze und Apfeltarten mit Mandelschnitten – um nur einige zu nennen.

Die Rezepte sind wirklich simpel, die Bandbreite riesig und: Kein Rezept hat mehr als 6 Zutaten und die Zubereitung ist einfach und wenig zeitintensiv. Es ist für jeden Geldbeutel was dabei, man muss, um die Gerichte zu kochen, kein Meisterkoch sein und bei einigen Rezepten gibt es auch Alternativen, mit denen sich die Gerichte verändern lassen. Um sich im Buch zurechtzufinden, gibt es ein Register, das nach Kategorie geordnet ist, und ein zweites, welches die Gerichte nach ihren Hauptzutaten auflistet.

Einem Weihnachtsessen deluxe ohne Stress steht also nichts mehr im Weg.

Fazit:
Ein tolles Buch für alle, die gerne mal etwas Ausgefallenes kochen, dabei aber nicht stundenlang in der Küche stehen wollen. Sehr empfehlenswert.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: Edition Michael Fischer; Auflage: 1 (14. September 2017)
ISBN-NR: 978-3863557829
Preis: EUR: 24.99 ; CHF 38.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Rainer Maria Rilke: Abschied

Wie hab ich das gefühlt, was Abschied heißt.
Wie weiß ich’s noch: ein dunkles, unverwund’nes,
grausames Etwas, das ein schön verbund’nes
noch einmal zeigt und hinhält und – zerreißt.

Wie war ich ohne Wehr, dem zuzuschauen,
Das, da es mich, mich rufend, gehen ließ,
Zurückblieb, so als wären’s alle Frauen
Und dennoch klein und weiß und nichts als dies:

Ein Winken, schon nicht mehr auf mich bezogen,
Ein leise Weiterwinkendes -, schon kaum
Erklärbar mehr: vielleicht ein Pflaumenbaum,
Von dem ein Kuckuck hastig abgeflogen.

Schon kehrt der Saft aus jener Allgemeinheit,
Die dunkel in den Wurzeln sich erneut,
Zurück ans Licht und speist die grüne Reinheit,
Die unter Rinden noch die Winde scheut.

Die Innenseite der Natur belebt sich,
Verheimlichend ein neues Freuet euch;
Und eines ganzen Jahres Jugend hebt sich,
Unkenntlich noch, ins starrende Gesträuch.

Des alten Nußbaums rühmliche Gestaltung
Füllt sich mit Zukunft, außen grau und kühl;
Doch junges Buschwerk zittert vor Verhaltung
Unter der kleinen Vögel Vorgefühl.

Ab und an fehlen eigene Worte. Es sind meist Zeiten, die weniger Worte bedürfen, weil das, was ist, gefühlt ist. In den Zeiten ist die Lyrik besonders wertvoll, denn was, wenn nicht sie, stiesse vor ins Herz und träfe den Punkt?

Thomas Mann schrieb nach dem Zweiten Weltkrieg mal (sinngemäss) an Mascha Kaléko, sie solle weiterschreiben, denn Lyrik sei es, was die Menschen brauchen. Die beiden liegen mir sehr am Herzen, Rilke ist für mich der Stern am Himmel der Dichtung.

Drum möchte ich das Gedicht mit euch teilen. Es passt grad in mein Leben. Und bringt auch Hoffnung mit.

Das Jahr, das war – 2017

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, unter anderem immer auch Zeit, Bilanz zu ziehen. Ich habe mich dieses Jahr gefragt, ob ich einen Rückblick schreiben soll, denn erfreulich war das Jahr nicht. Ende 2016 dachte ich, das Jahr sei nicht zu toppen, 2017 könne nur besser werden. Ich hatte mich getäuscht. 2017 packte alles aus, was es gab. Ich kam psychisch und körperlich an und über meine Grenzen. Will man das jemandem zumuten oder nicht besser einfach still schweigend ins neue Jahr rutschen?

Das müsste man wohl tun. Den Schein wahren. So war ich nie. Und drum gibt es den Rückblick. Er wird nicht alles beinhalten, ich möchte versuchen, dem Positiven mehr Raum zu geben als dem Rest – und ja, so schlimm alles sein mag, es gibt immer auch das Schöne. Und: Es hilft, das zu sehen, gerade in dunklen Zeiten.

2017 war ein Jahr voller Brüche und Umbrüche. Das ist nicht neu, ich war noch nie linear unterwegs. Ich habe 2017 meine Gedichte als Buch herausgegeben, was schön war. Ich bin Teil des Lyrikkalenders von 2018, was auch eine schöne Sache ist. Gedichte sind für mich eine Form, das Leben zu zeigen, zu interpretieren, auch ins Bewusstsein zu rufen, die mir liegt. Ich mag die reduzierte Form, das Auf-den-Punkt-Bringen. Was zum nächsten Punkt führt: Ich kann nicht mehr lesen. Seit der Krebsdiagnose meines Vaters im Sommer sind die Phantasiewelten für mich nicht mehr betretbar. Als er noch im Spital war, reiste ich täglich über 4 Stunden insgesamt, um ihn zu sehen, den Ärztevisiten beizuwohnen, da zu sein. Nun ist er wieder zu Hause, aber die Geschichte wird im 2018 weiter gehen.

Zusammenfassend kann man sagen: Familiär ist 2017 mein ganzes Leben zusammengebrochen. Mehr ins Detail möchte ich nicht gehen. Die Auswirkungen werden an Weihnachten sichtbar sein: Es wird das erste Weihnachtsfest seit vielen Jahren sein, das ich ganz alleine verbringe. Bislang war ich bei meinen Eltern mit meinem Sohn, das wird dieses Jahr nicht möglich sein. Ich bin kein religiöser Mensch, es ist mehr eine Tradition, die dieses Jahr gebrochen wird.

Aufgrund all der Schwierigkeiten rundrum musste ich im Sommer diesen Jahres meine Tätigkeit als Yogalehrerin aufgeben. Ich hatte schlicht keine Kraft mehr. Zog mich ganz von der Matte zurück, da ich auch sonst körperlich angeschlagen war. Aber: Als das Lesen und auch der Yoga aufhörten, kam ich zum Zeichnen zurück. Es war das, was mir gut tat. Ich startete wieder mit Urban Sketching, zeichnete alles, was ich so rundrum unterwegs antraf, ging dann weiter. Ich startete das Projekt der Crazy Birds – jeden Tag entstand ein neuer schräger Vogel. Es hat Spass gemacht, es tat gut, es war ein Schritt in eine Richtung, die schon immer in mir schlummerte. Ich habe den Weg oft begonnen, bin dann anders abgebogen.

Vom Zeichnen kam bald wieder die Lust zum Malen. Und ich legte los, ein neues Projekt wurde geboren: Das tägliche Bild. Die Vögel werden nächstens enden, dafür startet etwas Neues da, das Bild möchte ich durch 2018 durchziehen. Ein grosses Vorhaben. Zwar sind die Bilder sehr klein (20×20), aber sie wollen täglich gemalt sein. Spannend ist, zu sehen, wohin mich die Bilder führen. In eine Richtung, die ich nie von mir gedacht hätte: Stillleben. Und ich erfahre täglich mehr über mich. Dafür bin ich dankbar, auch wenn die Erkenntnis nicht immer ganz ohne Frust zu haben ist. So ist das mit Innenschauen aber wohl oft.

Ich bin übrigens zurück auf der Yogamatte. Und es ist einfach nur schön. Auch in dem Bereich habe ich viel über mich gelernt. Vor allem lernte ich viel über meine falschen Ansprüche früher, die meist von so glänzenden und akrobatischen Videos im Netzt angestachelt worden waren – und auf meine Gesundheit gingen. Nach so vielen Jahren, in denen ich meinen Schülern immer erzählte, sie sollten das nicht tun – Theorie und Praxis. Ich freue mich, das nun besser umsetzen zu können. Vor allem freue ich mich, dass ich nächstes Jahr die leider abgebrochene Weiterbildung weiterführen darf, weil mein wirklich wunderbarer Lehrer grünes Licht gegeben hat.

Und so geht das Jahr zu Ende. Die nächste Woche wird noch den Turbulenzen des Alltags gewidmet sein, danach kehrt hoffentlich ein wenig Ruhe ein. Mein Leben wird sich zwischen Yogamatte, Staffelei, Zeichenstiften und geruhsamen Abenden mit guter Musik, einem Glas Wein und selbstgebackenen Häppchen, die ich illustrieren werde, abspielen. Das Negative versuche ich, so gut wie möglich auszublenden, möchte meinem Papa eine Stütze sein, hoffe für meinen Sohn weiterhin, dass er seinen Weg findet und geht. Und der Rest? Den wird 2018 dann zeigen.

Das war das Jahr, das war. Und noch ist. Es hatte seine schönen Seiten. Ich hoffe, es ist nicht vermessen, zu sagen: Ich hätte 2018 gerne ein paar schlechte weniger.