Das Gute in unserer menschlichen Welt scheitert meist daran, dass Menschen es umsetzen sollen.
@Sandra Matteotti
Denkzeiten – Philosophie in Theorie und Praxis
Dr. Sandra von Siebenthal
Das Gute in unserer menschlichen Welt scheitert meist daran, dass Menschen es umsetzen sollen.
@Sandra Matteotti
Kleine Sorgen machen viele Worte, große machen stumm.
(Emanuel Geibel)
Menschen, die nicht müde werden, andere von ihrem Glück überzeugen zu wollen, versuchen meist, sich selber zu überzeugen.
@Sandra Matteotti
Kunst ist für mich, wenn jemand ohne äusseren Zwang und gegen denselben tut, was er tun will. Immer mit Bezug auf das da draussen. Unermüdlich. Und so etwas schafft. Bis zum letzten Atemzug.
Hüte dich vor Menschen, die all das, was nicht gut ankommt, als Ironie deklarieren.
@Sandra Matteotti
Manchmal möchte ich böse sein. Und gewissen Menschen, die mich verletzt haben, ihr eigenes Elend um die Ohren hauen.
Und ich lösche es.
Es wäre ihr Stil.
Und dann gibt es noch die, welche für kaum Geld um die Welt jetten, dann aber einen Euro/Franken/Dollar zum Erhalt des ökologischen Gleichgewichts spenden.
@Sandra Matteotti
Zwei Segel erhellend
Die tiefblaue Bucht!
Zwei Segel sich schwellend
Zu ruhiger Flucht!Wie eins in den Winden
Sich wölbt und bewegt,
Wird auch das Empfinden
Des andern erregt.Begehrt eins zu hasten,
Das andre geht schnell,
verlangt eins zu rasten,
Ruht auch sein Gesell.
Conrad Meyer (1825 – 1898) hat dieses Gedicht 1882 verfasst. Sonst eher für seine melancholischen Gedichte bekannt, stimmt er hier eine positive Grundstimmung an. Das Gedicht gehört durch seine idealisierten Züge zur Epoche des Symbolismus.
Man sieht es vor sich, das kleine Segelschiff mit den zwei Segeln. Es tanzt auf den Wellen, Wind kommt auf, bläst eines der Segel auf und das zweite geht mit. In schneller Fahrt gleitet das Schiff nun dahin, die beiden Segel ziehen es zusammen in die gleiche Richtung, bestimmen zusammen das Tempo. Würde eines in eine andere Richtung ziehen, bestünde für das Schiff die Gefahr, zu kentern.
Das Gedicht nimmt den Inhalt in die Form auf. Es ist in einem regelmässigen Rhythmus geschrieben, drei Strophen mit je vier Versen, alle zweihebig mit Auftakt, nur der letzte Vers verzichtet auf denselben, wechselt den Rhythmus, so dass das Gedicht, das vorher den Segelschiffen gleich dahinglitt, auch formal zum Stehen kommt.
Das ist die eine, bildhafte Ebene, das, was dasteht. Darunter liegt aber natürlich eine zweite, eine, für welche die bildhafte Ebene als Metapher steht.
Wenn wir mit einem Menschen zusammen sein wollen, gilt es, sich diesen Segeln ähnlich zu verhalten. Nur wenn man in die gleiche Richtung schaut, das gleiche Ziel ansteuert, ergibt sich ein gemeinsamer Weg. Nur wenn einer auf den anderen Rücksicht nimmt, sich vom anderen berühren und mitziehen lässt, befindet man sich auf gemeinsamer Fahrt.
Vielleicht würde man gewisse Dinge alleine anders angehen, hätte auch mal andere Ziele, ist nicht immer einer Meinung – es hilft nichts: Wenn zwei auf Dauer in entgegengesetzte Richtungen steuern, verliert man das gemeinsame Ziel aus den Augen. So verlangt ein Miteinander immer mal wieder, nachzugeben, Kompromisse einzugehen. Es heisst, sich anzupassen, auch mal den Wind des anderen aufzunehmen und am gleichen Strick zu ziehen. Alles andere wäre ein Kräftezehren, ein ständiger Kampf und Wettbewerb, die schlussendlich das Beziehungsschiff zum Kentern bringen, weil sie das Ende der ruhigen Fahrt bedeuten würden.
Das heisst nicht, dass man sich selber aufgeben sollte. Jedes Segel steht trotz allem für sich und jedes Segel ist mal am Zug, die Richtung anzugeben, je nachdem, woher der Wind kommt. Das Schiff bewegt sich nur gut auf dem Wasser, wenn beide Segel für sich intakt sind, beide ihren Dienst fürs Ganze tun.
Es sagen alle nur, dass man lachen würde, wäre es nicht zum weinen. Keiner sagt je, man würde weinen, wäre es nicht zum lachen….
@Sandra Matteotti
Nicht wobei man lügt oder betrügt zählt, sondern dass man es tut. Das Wobei ist individuell gewichtet, die Lüge selber Charakterfrage.
@Sandra Matteotti
Wenn alle nur schweigen
und nur einer spricht.
Dann halte den Mund
und urteile nicht.
Es sagt nichts über ihn aus,
es zeigt nur die Welt,
die lieber mal schweigt als
auf Wunden zeigt.
©Sandra Matteotti
Wir finden immer noch politisch korrektere Begriffe für Minderheiten, vergessen dabei, dass das, was wirklich zählt, die Haltung ist, die wir gegenüber Menschen generell einnehmen.
@Sandra Matteotti
Das Gedicht „Heimweg von Delphi“ musste leider gelöscht werden, da der Verlag mit rechtlichen Schritten drohte bei einer Publikation hier.
Im vorliegenden Gedicht haben wir ein lyrisches Ich, das seine Grösse daran erkennt, dass es die eigene Kleinheit sieht, seine Stärke daran, dass es sich die eigene Schwäche einsieht. Seine Klugheit aber zeigt sich daran, zu vergessen, dass es eben klein, schwach, dumm und vergesslich ist. Aufgrund seiner Ratio, seiner Vernunft neigt das lyrische Ich zu einer Selbstüberschätzung, die das Ich blind werden lässt gegenüber den eigenen Schwächen und Fehlern.
Der Titel weist auf das Orakel von Delphi hin. Die Inschrift am Apollotempel von Delphi lautet „Erkenne dich selbst“ (griech.: gnothi seauton, Γνῶθι σεαυτόν). Ursprünglich gemeint war damit, dass der Mensch seine eigene Begrenztheit erkennen solle (im Gegensatz zu den Göttern). Ziel dieser Erkenntnis sollte sein, nicht zu Selbstüberschätzung zu neigen, sondern bescheiden zu bleiben. Die Forderung zur Selbsterkenntnis wurde von verschiedenen Philosophen aufgenommen. Während die Philosophen vor Platon eher zur Bescheidenheit und zum Akzeptieren des eigenen Platzes in der Welt rieten, sah Platon nur noch den Körper als beschränkt, in ihm aber eine unsterbliche, gottähnliche Seele wohnend.
Das Orakel von Delphi hatte einst Sokrates als weisesten Mann Athens bezeichnet, was dieser nicht verstehen konnte und sich auf die Suche nach jemandem machte, der weiser als er selber wäre – er fand keinen. Im Zusammenhang damit entstand das wohl bekannteste Diktum von Sokrates, dass er wisse, was er nicht wisse. Da er immerhin dieses wisse, könne er vielleicht doch als weiser Mann gelten, so seine Schlussfolgerung – wir kennen sie nur aus Platons Überlieferungen.[1]
Erich Fried hat sich in verschiedenen Gedichten und Texten mit Sokrates beschäftigt. Dabei fällt immer wieder seine Skepsis gegenüber der Vernunft auf. Fried spricht ihr die Fähigkeit ab, die wirkliche, „letzte Wahrheit“ über das Sein zu erkennen. Das zeigt sich auch in diesem Gedicht deutlich: Während die erste Strophe die eigentliche Selbsterkenntnis zeigt, wie sie das Orakel von Delphi mit seinem „Erkenne dich selbst“ fordert, kehrt das lyrische Ich zurück zu seinem Verstand und verschliesst sich gegenüber jeglicher Selbsterkenntnis.
Frieds Aussage: Wir, die wir uns für so klug halten, sehen eigentlich das Wesentliche nicht. Wir verschliessen unsere Augen vor der wirklichen Wahrheit, indem wir uns aufgrund unserer Ration eine zurechtbasteln. Analytisch, kompromisslos, deutlich – ein echter Fried halt!
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[1] Platon: Apologie des Sokrates (21d): Denn es mag wohl eben keiner von uns beiden etwas Tüchtiges oder Sonderliches wissen; allein dieser doch meint zu wissen, da er nicht weiß, ich aber, wie ich eben nicht weiß, so meine ich es auch nicht. Ich scheine also um dieses wenige doch weiser zu sein als er, daß ich, was ich nicht weiß, auch nicht glaube zu wissen.
Früher gab es das nicht. Black Friday. Und ja, er ist rabenschwarz. Ich kriege fast minütlich Nachrichten, was ich alles günstiger haben könnte. Eigentlich brauche ich nichts, ich habe alles, aber: Der Fernseher wäre grad zum halben Preis zu haben. Nie käme ich so günstig an einen neuen Fernseher. Klar, ich schaue nie fern, zumindest nie an einem Fernseher, aber: Das kümmert grad nicht, oder?
Stereoanlagen wären grad unglaublich günstig. Ich höre mehrheitlich klassische Musik, sehr gerne Opernsängerinnen. Ohne die entsprechende Wiedergabequalität könnte ich auch selber singen. Und nein, ich kann nicht singen. Ich treffe die Töne, aber die Stimme reicht nicht. Ich müsste das haben. Auch wenn ich das nie gedacht hätte, aber wo sie es so anbieten???
Notebooks kriegte man aktuell zum halben Preis. Nur Windows, aber ich bin ja kein Banause. Und: Ich habe grad erlebt, wie es ist, wenn das eigene Notebook aussteigt… wäre doch praktisch, eines für den Notfall zu haben??
Alle meine Künstlerseiten präsentieren mir Prozente auf Farben, Malgründe und alles drum rum. Ich habe zwar von allem genug, aber irgendwann brauch ich das wieder und dann wäre es teurer….
Und so sitze ich hier und kämpfe. Gegen Verlockungen. Ich brauche nichts von alledem, aber ich denke, es wäre nie mehr so günstig wie jetzt. Nur wenn ich es jetzt nicht kaufen würde, kaufte ich es wohl kaum je. Und wenn, dann würde ich es dann wirklich brauchen. Und da ich all das, das ich eigentlich nicht brauchte, nicht kaufte, wäre das, was ich dann wirklich brauche, immer noch günstiger, als wenn ich wegen des schwarzen Freitags eine neue Stereoanlage, einen neuen Computer, Farben, Malgründe und alles mehr gekauft hätte….
Er: „Was machst du denn so Anstrengendes, dass du schon zum dritten Mal laut stöhnst?“
Sie: „Du weisst doch, dass ich mir ein neues Hobby zulegen wollte, weil ich finde, dass jeder Mensch etwas haben sollte, mit dem er sich vom Alltag erholen kann, mit dem er ein bisschen mehr zu sich selber findet und ausgeglichener ist.“
Er: „Also ich habe nichts solches.“
Sie: „Das merkt man gut, darum bist du so unausgeglichen.“
Er: „Wenn du das sagst – aber was machst du denn nun zur Selbstfindung?“
Sie: „Ich klöpple, muss aber feststellen, dass es extrem langwierig ist, mit diesem Geklöppel eine einigermassen grosse Decke zu bekommen – das ist fast wie wenn ein dünnes Rinnsal durch ein Flussbett strömt und das Meer füllen sollte.“
Er: „Und du willst nun mit Klöppeln das Meer füllen?“
Sie: „Du verstehst mal wieder gar nichts.“
Er: „Du hast vom Meer gesprochen, aber was auch immer du füllen willst, Selbstfindung braucht halt Zeit.“
Er hatte kaum war das letzte Wort ausgesprochen, da wurde er auch schon von einem Klöppelhagel getroffen.
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Für die abc.etüden, Woche 48.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für Textwoche 46.17 kommt von Frau Myriade vom Blog la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée, die Wörter lauten: Flussbett, langwierig, klöppeln.
Der Ursprungspost: HIER