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  1. Freiheit empfinde ich im Grunde als ein Modewort. Und auch die psychologische Literatur vergangener Jahrzehnte „Befreie Dich!“, die in immer die gleiche Kerbe schlug, war vermutlich vergebens: Mit dem nahezu gewalttätigen Befreien aus inneren und äusseren Fesseln ist es oft nicht so leicht bestellt wie es von aussen scheint. Unsere Fesseln sind oft sehr stark und wenn man an ihnen ruckelt, dann merkt der eine oder andere, was für eine Macht in einem sitzt, der all diese Versuche unterbinden will..und auch kann.
    Ich denke, jeder von uns kann einen ganzen Korb an nicht angegangener Veränderung, an abgebrochener Veränderung oder Schlimmeres anführen – aber der Korb der Möglichkeiten an Freiheit, der wird hochgehalten, so als könnte man hineinlangen wie in einen Korb Früchte.

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  2. Der/den Interpretation(en) mag ich nicht folgen. Absolute Freiheit ist wohl recht abstrakt und auch eine Wortkombination, die der Begriff Freiheit ebenso wenig benötigt wie eingeschränkte Freiheit. Freiheit ist und bleibt das höchste Gut des Menschen und meint nicht, dass man sich nicht bindet und nicht verbindlich ist.

    Eine Gesellschaft wie unsere, in der Freiheit heute als Modewort verstanden wird, es emotional nicht mehr berührt, ja es sogar in Teilen als bedrohlich erachtet wird, beginnt ihre Geschichte zu vergessen. Millionen von Menschen, zig Generation vor uns haben dafür gekämpft und häufig ihr Leben gelassen, um diese Freiheit zu sichern, die wir heute geniessen.

    Freiheit heißt, sich entscheiden zu können, sich nicht Zwängen unfreiwillig beugen zu müssen. Freiheit bedeutet, seine Meinung äußern und diskutieren lassen zu können, ohne Diskriminierung oder gar Bedrohungen zu fürchten. Diese Freiheit wird derzeit in den Netzwerken häufig mit Füssen getreten.

    Das Wort „Freiheit“ sollte unser Herz immer höher schlagen lassen, uns einen angenehmen Schauer bereiten und uns glücklich stimmen, dass wir sie heute fast vollständig geniessen können.

    Freiheit ist Luxus: https://thomasbrasch.wordpress.com/2014/03/25/vom-luxus-der-freiheit/

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    • Ich denke eben, wichtig ist immer der Zusatz: Freiheit wovon, Freiheit wozu. Freiheit als Absolutum, ohne eine Richtung, ohne einen Inhalt ist grundsätzlich leer. Aber es ist so – und genau darauf kam es mir an in meinem Spruch: Es ist zum Modewort verkommen. Man will nicht mehr abhängig sein und nimmt Freiheit als Grundwert per se, indem man einfach das löst, was grad unangenehm erscheint, ohne zu sehen, dass man eben nie total frei ist. Was wäre totale Freiheit? Sobald man nur eine Beziehung eingeht, ist man nicht mehr völlig frei, weil in Regeln (von denen man klar frei wählen konnte, ob man sie will, die aber nicht immer und in jedem Augenblick eine absolute Freiheit von allem bedeuten). Wenn man arbeitet, ist man nicht unabhängig, sondern sehr wohl vom Arbeitgeber abhängig. Klar kann man sagen, man sei ja frei, zu gehen, wenn es nicht passt, aber ist man wirklich so frei? Der Preis für eine aboslute Freiheit wäre die totale Abgeschiedenheit, das Eremitenleben fern aller Zivilisation. Und selbst da ist man gewissen Dingen unterworfen.

      Freiheit ist – dies mein Fazit immer noch – absolut nicht lebbar. Sie hat aber in gewissen Bereichen ihren Wert, ihre Berechtigung, sogar ihre Notwendigkeit (die von dir angebrachten historischen Hinweise zeigen diese).

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    • Erst einmal, Danke an Gerhard und Sandra, ich empfinde den Begriff „Freiheit“ auch in diesem Sinne. Für mich ist es ebenso schwierig „Liebe“ nicht als nur so dahingesagt zu wahrzunehmen. Freiheit sollte für alle Menschen eine Grundbedeutung haben, auch was Thomas darüber sagt, aber wir haben die Freiheit der Entscheidung nicht mehr, und was ist eine öffentliche Meinung wert, wenn sie zwar gehört, aber nicht mehr gezählt wird? Egal ob TTIP, Griechenland, Kriege, Bankenspekulationen, Folter, usw – Millionen, sogar Milliarden Menschen sind dagegen, stehen auf, wehren sich, aber am Ende bestimmen nur eine handvoll Menschen was gemacht wird. Da kommt einem die Freiheit am Arbeitsplatz banal vor, aber das ist sie nicht, denn es ist der Anfang vom Entzug der Freiheit, nicht so pompös wie die großen Siege der hsitorischen Befreiungen, aber was ist aus dieser geschichtlichen Befreiung denn geworden? Ist die Sklaverei tatsächlich abgeschafft worden? Werden Menschen gleich behandelt, ohne Ansehen der Person? Ist jeder seines Glückes Schmied? Heute leben wir alle in einem pervertierten System, das uns Freiheit nur geschickt vorgaukelt, wie ein Zauberer, der immer eine Karte in der Hand hält. Wir sehen alle diese Karte der Freiheit, aber sie ist nur eine flüchtige Illusion.

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  3. „Heute leben wir alle in einem pervertierten System, das uns Freiheit nur geschickt vorgaukelt, wie ein Zauberer, der immer eine Karte in der Hand hält. “

    Schön formuliert!
    Ich erinnere mich an einen Manager, der mal als Lebensziel ausgab: „Gut leben!“. Er bekannte sich offenbar zur Maloche, aber dafür wollte er als Gegenwert Güter! Gute exclusive Kleidung, tolles und gepflegtes Haus und Auto, Geld, besondere Freunde, gutes Essen, exclusive Urlaube und und und.

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  4. Es gibt so etwas wie Entscheidungsfreiheit, das ist aber genau genommen die Freiheit, zwischen verschiedenen Bindungen zu entscheiden. Im Augenblick der Entscheidung ist man zwar frei, aber wenn man entswchieden hat, kann jeder Psychologe nachweisen, aus welchen Gründen (also determiniert), die in der Kindheit oder sonstwo liegen, man entschieden hat. Hätte man anders entschieden, könnte der Psychologie wieder die Grunde (und Determination) nachweisenm, warum man so entscheiden musste. Freiheit liegt somit darin, dass es verschiedene Kausalketten gibt, für die ich mich mehr oder weniger frei entscheiden kann.

    Ein anderer Fakt ist: Ich kann mich frei entscheiden, aber ich kann mich nicht mehr frei entscheiden, ob ich die Konsequenzen tragen will oder nicht. Die sind obligatorisch, ob ich es will oder nicht.

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