Wieso will Mensch eine Beziehung leben?

Ganz früher wurden Beziehungen aus strategischen Gründen eingegangen: um Familien zu vereinen, Gelder zu sicher, sonstige finanzielle Geschäfte zu tätigen. Auch später noch waren Beziehungen eher strategisch und gehörten wohl irgendwie auch zum guten Ton. Frauen waren Mütter, Familienfrau, der Mann sorgte für das Auskommen.

Die Frauen wurden im Zuge der Emanzipation immer selbständiger, die Familienmodelle sind längst überholt, denkt man. Ehen sind nur noch Kurzzeitprojekte, Partner werden auf Lebensabschnitte aufgeteilt. Wieso geht man heute überhaupt noch Beziehungen ein? Jeder trägt sich eh alleine. Ohne Mensch an der Seite ist man frei, kann tun und lassen, was man will. Kann flirten, den Stuhl kaufen, der einem gefällt. Die Ferien buchen, die man selber genau möchte. Hat seine Ruhe, wenn man sie will, hat Abwechslung, wenn man sie sucht. Wieso also eine Beziehung heutzutage? Der Ernährer ist überholt, den braucht man nicht mehr als Frau. Der Mann braucht keine Haushälterin mehr. Kinder wachsen eh oft in neumodischen Verhältnissen auf…

Wieso also? Statistisch ist erwiesen, dass Beziehungen öfter scheitern als halten, Ehen halten sich knapp die Waage. Und nicht alle Beziehungen sind glücklich, hört man so rum, hört man viel Geklage, Gejammere, Streitereien. Wieso tut man sich das an? Nur, um nicht alleine zu sein? Um der gesellschaftlichen Norm zu genügen, die den Menschen als Paarwesen sieht? Weil auf Einladungen steht „Partner mitbringen“ und man nicht alleine gehen will, weil man dann so aussähe, als ob man keinen abkriegte? Um nicht Mutters Kommentar zu hören „Kind, wieso hast du nie eine Beziehung?“? Um nicht die mitleidigen Blicke der Pärchen zu ertragen und das Mitleidsprogramm geliefert zu kriegen? Um nicht dazustehen am Sonntag, wenn alle Händchen haltend am Ufer des Sees promenieren und man selber alleine lang geht, nicht mal nen Hund zum knutschen dabei hat?

Was, wenn man gerne alleine ist? Was, wenn man eh nicht an Einladungen gehen will? Was, wenn man keinen See hat, an dem man promenieren könnte? Was bliebe noch als Grund? Es muss einen geben, sonst strebten nicht alle nach Beziehungen. Klar sind die Glücksmomente zusammen schön. Klar die Ideale hoch. Die romantischen Filme im TV geben das ihre dazu. Doch schon Tucholski wusste, dass da, wo der Ärger anfängt, die Filme enden…

Also, ihr Leute da draussen, sagt es mir: wieso haben wir Menschen Beziehungen, wieso wollen wir diese haben?

Wendepunkt ist jetzt

Es gibt immer wieder Momente im Leben, in denen man nicht zufrieden ist. Etwas läuft nicht, wie es soll, man hat sich vielleicht (zum wiederholten Male) nicht so verhalten, wie man es gerne täte. Man findet sich an einem Punkt im Leben, an dem man nicht sein möchte oder aber man hatte so viele Zielte, hat sie noch, und alle scheinen so weit entfernt. Oft hadern wir dann mit uns, mit dem Leben, mit dem Schicksal, mit den Menschen um uns, mit den Fehlentscheiden, die wir irgendwann mal trafen. Wir denken, was alles besser wäre, hätte man anders entschieden, hätte man ein Ziel schon erreicht, wäre etwas anders, als es gerade ist. Man denkt, stünde man an einem anderen Punkt im Leben als am genau aktuellen, wäre alles besser, schöner, glücklicher.

Was hilft einem das? Es ist, wie es ist. Der jetzige Moment ist genau der, welcher er ist. Und alles, was passiert ist, ist vorbei. Wir können es nicht ändern. Wir können keinen andern Mann heriaten, können die Torte nicht ungegessen machen, können alle Fehler nicht ungeschehen machen. Wir können Fehlentscheide nicht rückgängig machen und wir können auch die unglückliche Kindheit, die dominanten Eltern, die unfairen Lehrer nicht ausradieren. Alles war genau so, wie es eben war. Und liess uns an den Punkt kommen, an dem wir stehen. Je mehr Gewicht wir auf alles legen, was einmal war und nicht gut war, desto mehr Einfluss wird es auf unsere Gegenwart haben und auch unsere Zukunft prägen. All die negativen Energien, die wir einerseits aus den Fehlern unserer Vergangenheit ziehen, werden weiter wachsen, noch genährt durch die negativen Energien der gegenwärtigen Gedanken dazu. Die Spirale wird so nie aufhören, sie dreht und dreht in einem Fort – abwärts.

Was also können wir tun? Wir können zuerst einmal annehmen, dass es eben ist, wie es ist. Nur schon in dieser Akzeptanz des Seins werden wir eine erste Erleichterung erleben. Schauen wir hin und sagen uns: Genau so ist es. Und es ist, wie es ist. Ich kann es nicht ändern, ich nehme es an, wie es ist. Das ist, was im Moment ist. Und es ist, weil war, was war. Wenn wir das mal setzen lassen, bewusst, werden wir auch merken, wie etwas Ruhe zurück kehrt.

Diese Ruhe kann eine Basis schaffen, zu sehen, was wir uns wünschen für die Zukunft. Wo wollen wir hin? Was wollen wir in der Zukunft anders haben als es war? Was können wir tun? Der jetzige Moment, den wir annehmen in seinem Sosein kann der Wendepunkt sein im Leben. Wir können heute losgehen und das Leben so gestalten, wie wir es haben wollen. Bewusst. Im Wissen, es ist, wie es ist und es ist mein Leben. Was war, kann ich nicht mehr ändern, was sein wird, liegt in meiner Hand. Ich kann es unter das Licht der Vergangenheit stellen oder aber ich kann es aktiv angehen und meinen Weg so gehen, wie er für mich stimmt. Mit Zuversicht, mit Mut, mit Bewusstsein.

Wenn wir unseren Weg bewusst gehen, jeden Schritt bewusst gehen, werden die Fehler weniger werden. Weil viele unserer Fehler aus unbewussten Entscheidungen heraus resultierten. Wir taten Dinge aus Impulsen hinaus, aus kurzfristigen Emotionen heraus, ohne zu bedenken, was sie bedeuten. Und merkten im Nachhinein, dass wir sie besser unterlassen hätten. Wenn wir es schaffen, etwas mehr Bewusstsein in unser Leben zu integrieren, werden auch die Fehler weniger werden.

Und auch wenn wir wieder einmal in eine Falle tappen, uns wieder einmal an einem Ort vorfinden, an dem wir nicht sein wollen, ist das kein Untergang. Wir wissen dann: wir haben die Möglichkeit, das zu ändern. Denn auch dann ist wieder der Moment, an dem der Rest des Lebens anfängt und man einen Wendepunkt setzen kann.

Jeder Moment ist ein Neuanfang und kann den Rest deines Lebens in neue Bahnen bringen.

Alles Wurst

Wurst steigert die Sterblichkeit um 20%. Ich bin erstaunt. Ich dachte bislang, es gäbe zwei Dinge, die wir alle zu 100% müssen: sterben und Steuern zahlen. Das sagte schon Benjamin Franklin und ich hatte dem eigentlich bislang nichts entgegenzusetzen. Was nun?

Sterben wir durch Wurst zu 120%? Wie soll das gehen? Oder sterben grundsätzlich 20% nicht? Ist das überhaupt korrekt gerechnet? Wenn die Sterblichkeit zunimmt um 20%, dann müsste sie vorher bei maximal 80% gelegen haben, könnte aber auch tiefer liegen? Was passiert mit dem Rest? Wo ist der? Was, wenn ich mal Wurst ass, nun nicht mehr? Ist das besser, als wenn ich keine ass, nun beginne? Speichert sich die Sterblichkeit, überlebe ich zu 20% und nur 80% gehen ein? Welche 20% werden überleben? Oder ist das generell so gemeint, dass bei Nichtwurstessern nur 80% sterben, 20% überleben? Was machen die Füsse ohne Restmenschen? Kopflos durch die Gegend laufen? Davon gibt es ja schon genug Ganzmenschen – sind die Nurfussmenschen dann die Steigerung davon? Oder sind die heute kopflosen Menschen die nur 80% gestorbenen Menschen, der Körper hängt noch über den Füssen, wird getragen als quasi Abschluss, um die noch ganz lebenden Menschen nicht zu irritieren durch die vielen kopflosen Füsse?

Ein Wurstesser wäre da besser dran, der stürbe dann ja zu 100%. Der nähme Kopf und Füsse mit, es wäre eine Ganze Sache. Insofern ein Hoch auf die Wurstesser, sie erlösen die Welt von der ganzen Kopflosigkeit?

Fragen über Fragen. Ob wohl der Journalist des Artikels die Antworten kennt? Oder ob der auch nur kopflos daher schrieb? Was wäre er dann gewesen? Ein Nichtwurstesser, der nun kopflos ist? Ein ein kopfloser Ganzmensch? Vielleicht hätte der vor dem Schreiben einen Wurstsalat essen sollen? Wobei, dann hätte er gar nicht mehr geschrieben… Oder hat er zuviel Wurst gegessen und nun sind schon 20% vorausgegangen und leider grad der Kopf?

Fazit: Wenn sie wiedermal auf einen kopflosen Zeitgenossen treffen, denken sie daran, ihm milde zu begegnen, er kann nichts dafür, er hat schlicht und ergreifend keine Wurst gegessen. Oder zuviel. Oder er ist einfach so.

?

Worauf baut man,
wenn die Erde wackelt?
Worauf zählt man,
wenn die Finger ausgehen?
Wohin geht man,
wenn die Wege enden?
Was weiss man,
wenn das Hirn leer ist?
Wie tief fällt man,
wenn der Boden aufgeht?
Wann verwelkt man,
wenn das Wasser fehlt?
Woran glaubt man,
wenn die Hoffnung stirbt?
Wonach strebt man,
wenn die Ziele schwinden?
Wie lang lebt man,
wenn das Herz erstarrt?

Freiheit

Bin ich ein Vogel,
lass mich fliegen,
bis hoch in alle Lüfte.

Bin ich ein Pferd,
lass mich rennen,
über Wiesen und Felder.

Bin ich ein Fisch,
lass mich abtauchen,
in die Tiefen des Meeres.

Bin ich ein Schwan,
lass mich schwimmen,
auf den offenen See hinaus.

Bin ich eine Maulwurf,
lass mich eingraben,
tief in die Erde hinein.

Bin ich ich,
lass mich ziehen,
in die Weite des Lebens.

Gehöre ich zu dir,
komme ich zurück,
wann immer ich will.

Von Urteilen und Selbstsicht

Anusara Gründer John Friend steht unter Beschuss. Er soll Verhältnisse mit verheirateten Frauen gehabt haben. Dazu noch ein paar andere Vorwürfe, welche alle nicht belegt sind, nur ins Betz gestellt, öffentlich gemacht, um den Yogi zu diffamieren, blosszustellen. Und die Menschen reagieren prompt und distanzieren sich, sind empört, verstehen die (Yoga-)Welt nicht mehr. Über Jahre war er der umschwärmte, der verehrte, der grosse Yogalehrer, welcher ein wirklich durchdachtes, Herz öffnendes und gesundes Yogasystem begründet hatte und nun mit viel Humor, Wissen, Charme und wirtschaftlichem Denken vertrieb. Der Sockel wurde immer höher, der jähe Fall für alle Seiten umso härter.

Die Frage, die sich stellt, ist: Was ist so schlimm daran? Sind wir wirklich der Meinung, wer Yoga macht, ist von allen Lastern frei, ist unfehlbar und ein Mensch, der nur noch auf tugendhaften Pfaden wandelt? Haben wir selber keine dunklen Seiten mehr, keine Wut, keine Gier, keine Eifersucht, keine negativen Gefühle und kein Verlangen nach Dingen, die wir besser nicht hätten? Yoga als Radiergummi für unsere Schatten? Gehören die nicht genau so zu uns wie die guten Seiten? Geht es nicht einfach darum, mit unseren Schatten umgehen zu lernen?

Keiner sagt, es sei gut, was er tat (sofern er alles tat, was ihm vorgeworfen wurde). Beziehungen, die andere Beziehungen stören, sind nie schön und ich bin die letzte, die diese toll findet. Nur: wer sind wir, über ihn zu richten? Und was hat das mit seinem Yoga zu tun? Ist er nun der schlechtere Mensch als vorher, als er noch auf dem von vielen gebauten Sockel stand? Ist Anusara nun weniger wert? Wo sehen wir uns bedroht, dass wir ihn stürzen müssen – in unseren Köpfen und im Yogaleben? John Friend ist zurückgetreten von seinen Ämtern, geht in sich und will geläutert wieder raus kommen. Er will aus seinen Fehlern lernen und steht dazu, welche gemacht zu haben. Grossartig. Was kann er mehr tun? Was ist nun unser Zutun zu der Sache?

Vielleicht haben wir mitgebastelt an dem Fall, indem wir den Sockel überhaupt bildeten? Wie oft stellen wir Menschen auf Podeste, erachten sie höher, schauen zu ihnen auf und ermöglichen ihnen so erst den Fall. Auf dieser erhöhten Position sind sie unter ständiger Beobachtung, was einen Druck erzeugt. Druck erzeugt auch Gegendruck. Zudem ist die Aussicht besser und man sieht viele Versuchungen deutlicher, die man unten im Feld der anderen gar nicht wahrgenommen hätte und vielleicht auch nicht gehabt hätte? Wie manche Frau fand es nicht toll, den berühtmen John Friend als Verehrer zu haben? Wäre er nur irgendwer gewesen, wären sicher ein paar der Verfehlungen weggefallen. Ist nun nur er schuld? Weil er schlicht mehr Gelegenheiten hatte? Hätten alle, die nun ausrufen, diesen allen widerstanden? Es richtet sich gut aus dem ruhigen Sofa, das keine Versuchung ausstrahlt ausser der des eigenen Müssiggangs, welchen niemand richtet, da ihn niemand sieht.

Vielleicht sind solche Situationen auch immer gut, die eigene Position zu überdenken. Hinzuschauen, wieso sie einen so erschüttern, hinzuschauen, wieso man überhaupt solche Sockel baute. Und hinzuschauen, wie man mit Urteilen und Verurteilungen nicht zurückhält.

Jesus sprach gut, als er sagte, dass wer ohne Sünde sei, den ersten Stein werfen soll. Wir alle haben unsere dunklen Seiten, wir alle sind nicht immer über jeden Zweifel erhaben. Wir alle hätten wohl noch viel mehr davon, hätten wir mehr Gelegenheit dazu. Daher wohl auch der Spruch „und führe mich nicht in Versuchung“, denn wir wüssten nicht, ob wir ihr widerstehen könnten. Diese Aussprüche sind so tief, so wahr, gehen über die Grenzen der sie beinhaltenden Religion hinaus, so dass sie in meinen Augen viel aufzeigen. Darum stehen sie da. Und ab und an hilft es vielleicht, wenn wir wieder dabei sind, ein Urteil über jemanden zu fällen, kurz innezuhalten und zu sehen, woher unser Urteil kommt, ob es angebracht ist und wem es etwas bringt.

Ich sage nicht, man soll jedem seine Fehler durchgehen lassen. Aber oft hilft ein liebevolles Begleiten aus den Fehlern mehr als ein hartes Veruruteilen. Einem selber und dem andern.

Von Herzenswegen und Engeln

Heute kriegte ich ein Angebot. Eines, über welches ich mich vor ein paar Jahren unsinnig gefreut hätte, weil es genau das war, wovon ich damals träumte. Damals wollte es nie klappen, ich suchte, wurde ab und an fündig, doch geklappt hat es nie. Über all die Jahre blieb das Ganze als unerfüllter Traum im Kopf. Ich habe unterzwischen neue Wege eingeschlagen, mich anders entwickelt, neue Träume geträumt und ins Leben geholt. Doch der eine – das war das, was ich ja eigentlich gewollt hatte.

Und heute war also der Tag: sie können es haben, hiess es. Und da stand ich nun. Freute ich mich? Mässig. Weil: mit dem Traum wäre das Aufgeben des aktuell gelebten Traumes einhergegangen. Und doch war ich im Geiste immer noch dem alten Traum nachgehangen, hatte ihn als den unerreichbaren, aber so sehr gewollten gesehen. Und nun stand ich da und wusste nicht, wie mir geschah. In mir drehten die Gedanken im Kreise: Soll ich, soll ich nicht? Müsste ich nicht fast? Kann ich sagen, ich will nicht mehr? Nachdem ich doch so lange gewollt hatte? Was aber würde mit meinem aktuellen Leben? Ich müsste alles umkrempeln. Mich von allem verabschieden, was mir teuer war. Zelte abbrechen, neu aufschlagen. Und so ganz war der Traum auch nicht mehr Traum, sondern eher aus der Notwendigkeit gewünscht. Aber als solche doch gut. Und vor allem eine „normalere“ Schiene als mein aktuell gelebtes Leben, das wirklich Herzensweg, als solcher aber steinig, selbst gebastelt, aber umso inniger geliebt ist.

Manchmal ändern sich Träume. Was früher mal hoch stand, tut es heute nicht mehr. Und manchmal merken wir gar nicht, dass sich vieles geändert hat, wir hängen den alten Träumen fast aus Gewohnheit noch nach. Wir sehen sehnsüchtig hin und denken: ja, das hätte ich auch gewollt, aber ich konnte nicht. Und merken nicht mal, dass wir gar nicht mehr wollten. Weil wir weiter gingen. Wobei weiter nicht heisst, dass es nun besser ist, aber anders. Weiter weg vom Traum eben, hin zu einem neuen. Schön, wenn das Leben ab und an die Zügel in die Hand nimmt und einem aufzeigt, wo man alten Träumen nachhängt, ganz zu unrecht. Schön auch, dass man dann bewusst sieht, was einem aktuell am Herzen liegt. Was wirklich Herzensweg ist. Und nur diese Wege sind die, welche ins Glück führen. Man mus nur an sie glauben und sie gehen.

Das wurde mir heute mal wieder so richtig deutlich bewusst. Ab und an ist es gut, von aussen einen Stoss zu kriegen, um wieder mal hinzuschauen. Oft plätschert das Leben dahin, wir gehen es, leben es, aber sehen nicht hin. Wenn einem dann die Augen geöffnet werden, tun sich oft Welten auf. Somit danke ich den Augenöffnern von heute, danke den Zuhörern und Ratgebern und danke „meinem Engel“, der mich ermuntert hat, meinem Herzen weiter zu folgen.

Solche Situationen nagen immer stark an mir. Ich bin gezwungen, eine Entscheidung zu treffen, oft zwischen Herz und Verstand. Da mein Verstand nicht wirklich schnell klein bei gibt, das Herz aber auch nicht leicht überhört werden kann, gibt das ein ziemliches Hin und Her. Was ich aber wieder einmal gemerkt habe:

Oft sind es die schwierigen Zeiten, die einem den besten Proviant fürs Leben mit auf die Reise geben.

Der Schritt zurück

Oft rasen wir durchs Leben, von einem Punkt zum nächsten, ohne anzuhalten, ohne uns umzuschauen, Blick gerade aus und los geht’s. Wenn wir dann an eine Hürde kommen, fühlt sich das nicht gut an. Gewohnt, im Eilzugtempo zu leben, ist Stillstand eine Plage. Stillstand heisst Stagation, heisst, nicht weiter zu kommen, bedeutet Verlust an Tempo, an Neuem, an Erreichen von Dingen. Und eines ist tief in uns drin: Es muss weiter gehen und immer weiter. Denn irgendwo dahinten wartet noch etwas, das wir haben wollen. Ziele, Träume, Wünsche.

Nun ist es nicht schlecht, sich von Motiven antreiben zu lassen. Sie sind der Motor des Lebens und sie führen uns in der Tat weiter. Was wir dabei oft vergessen ist, dass auch das Heute wertvoll ist, auch es war mal ein Morgen, auf das wir zustrebten. Also sollten wir es entsprechend geniessen, denn sonst können wir davon ausgehen, dass wir auch das nun angestrebte Morgen nicht geniessen werden, da wir bereits das Übermorgen im Blick haben. Was weiter dazu kommt ist, dass wir nicht wissen können, ob das Morgen wirklich besser ist als das Heute. Wie schade wäre es, das Heute ignoriert zu haben, achtlos dran vorbei gegangen zu sein, wenn das Morgen nicht schön wäre. Vielleicht sogar grausam, unheilvoll? Oder vielleicht erreichen wir das Morgen gar nicht…

Ab und an ist das Heute nicht schön, nicht so, wie wir es uns wünschen. Dann laufen wir schnell weiter, versuchen, das Heute weit hinter uns zu lassen. Wir versuchen, es zu vergessen, zu verdrängen, den Blick nach vorne zu richten und hoffen, im Morgen Erlösung zu finden. Wir hadern mit dem Heute und wollen darum nichts, als weiter kommen. Auf dem Weg ins Morgen, im Morgen selber, das nun Heute ist, merken wir dann irgendwann, dass das vormalige Heute, nun Gestern, immer noch präsent ist. Vielleicht unter Schichten, vielleicht verschleiert, aber doch präsent. In Gedanken, in Handlungen, in Wiederkanntem. Und irgendwann schreit das Gestern immer lauter in einem drin, aus einem Heraus. Man merkt: es wird kein Morgen geben, wenn das Gestern nicht nochmals angeschaut wird.

Verdrängen führt nie zum Ziel. Vielleicht mittelfristig zum Vergessen, aber nie langfristig zur Heilung. Und alles, was unterschwellig gärt, wird irgendwann wieder herausbrechen. Wenn man das merkt, hilft es ab und an, nochmals einen Schritt zurück zu machen. Nochmals genau hinzusehen, was war, wie war es, wie es dazu kam und was ich für mich heute damit machen kann – für ein befreites Heute und Morgen. Freud sagte, man muss die Vergangenheit nochmals wiedererleben, um sie danach wirklich abschliessen zu können. Darin steckt viel Wahres. Klar macht das auch Angst. Man hatte Gründe, es hinter sich zu lassen. Man weiss nicht, was es heute auslöst, wenn man es nochmals in die Gegenwart holt. Und doch ist es wohl der einzige Weg, mit sich ins Reine zu kommen, vor allem dann, wenn es sich immer wieder meldet. Schliesslich und endlich hat es ja auch Gründe, dass es nicht einfach weg ist, eben nicht vergehen will, eben nicht vergessen werden will oder kann.

Manchmal muss man einen Schritt zurück gehen, um vorwärts zu kommen.

Grenzen und die persönliche Freiheit

Eine 66jährige Frau kriegt Zwillinge. Wenn die 20 sind, ist die Mutter (sofern die Natur es gut mit ihnen meint) 86.Darf sie das? Was treibt sie? Kinderliebe? Nächstenliebe? Geht hin und pflanzet euch fort (die Gute war auch noch Pfarrerin)? Egoismus?

Ist ein Mensch frei, das zu tun, was er will, was ihm im Sinn steht? Hat er nicht auch die Pflicht, die eigene Freiheit dann zu beschränken, wenn das Wohl anderer davon abhängt? Doch: weiss man um das Wohl der anderen wirklich? Kann man das abschätzen oder ist es nur eine spekulative Grösse, die man in die Waagschale wirft beim Abwägen der eigenen Freiheit? Hat diese Grösse dann genug Gewicht, dem Drang und Hang nach Freiheit entgegenzustehen? Geht sie nicht unter, klang und sanglos? Ohne grosses Gewicht, als leiser Einwurf nur?

Wo fängt meine Freiheit an und wo hört sie auf? Ist ein Recht auf alles wirklich ein Recht auf nichts, wie Hobbes schon sagte? Kant stimmte ihm dabei zu. Hobbes sah die so rechtlos gewordene Gemeinschaft als Krieg aller gegen alle, weil keiner sich mehr sicher fühlt, weil jeder die Gefahr der Rechte des andern ist. In der östlichen Philosophie ist der Mensch von Natur gut, in gewissen Philosophien wie dem Tantra gibt es gar nur Gutes, alles ist Gut im Ursprung. Woher kommt dann das Böse? Aus unserer Wahl, wie wir agieren? Wer bestimmt die Verhaltensgrundsätze? Sie sind doch vom Menschen gemacht. Und das meist aus Gründen heraus. Seien sie der Gemeinschaft zu dienen oder aber dem eigenen Wohl – welches immer im Zusammenspiel mit dem Wohl anderer steht. Insofern ist der andere immer die Grenze meiner eigenen Freiheit. Da ich ohne den andern auch nicht glücklich lebe, vor allem, wenn ich denken muss, dass ich eben auch nicht die Grenze seiner Freiheit bin.

Jeder braucht seinen Raum und hat ein Recht darauf. Dieser Raum fängt in einem selber an und dehnt sich aus bis zum Raum des nächsten. Ab und an können sich zwei Räume überschneiden, ohne Probleme, weil beide dasselbe wollen, sich in dem Miteinander im Raum wohl fühlen. Wenn dem nicht so ist, gilt es, die eigenen Grenzen zu respektieren und auch die des nächsten. Dem anderen seine Grenzen aufzuzeigen, wenn er die eigenen durchdringt sowie auf die des andern Rücksicht zu nehmen und sie nicht achtlos zu überschreiten.

Das klingt in sich logisch, ist aber oft nicht so einfach, da mit all den Räumen auch Gefühle einhergehen. Einer möchte näher zum andern, als der das erträgt. Der fühlt sich bedrängt und hat nun drei Möglichkeiten: Die Bedrängnis still auszuhalten, sich in sich selber zurückzuziehen und die Grenzen näher zu nehmen oder aber dem andern die Grenzen aufzuzeigen. Beim letzten hat er Angst, den andern zu verletzen, im wahrsten Sinne des Wortes zurückzustossen, im ersten Fall hat er Angst, sich selber zu verlieren und im mittleren wird es immer enger und enger, bis man ausbrechen will.

Es führt also wohl doch nichts daran vorbei, die eigenen Grenzen zu achten und dazu zu stehen. Sich auch zu fragen, wieso andere verletzt sind, wenn sie auf solche Grenzen hingewiesen werden und woher die Angst vor dem eigenen Feiheitsverlust rührt. Wieso klingt es ab un an bedrohlich, nicht einfach alles zu können und zu erreichen, was man will? Wieso fühlt man sich zurückgestossen, wenn der andere seine eigenen Grenzen nennt und diese eingehalten wissen möchte? Und wieso sind die nicht erreichbaren Freiheiten oft verlockender als all das, was erreichbar ist? Was hängt am Wörtchen Freiheit dran, dass es so verlockend scheint, unbedacht, dass eine Freiheit auf alles eigentlich gar keine Freiheit, sondern Gefahr bedeutet? Der lockende Geruch der grossen weiten Welt. Alles ist möglich und ich kann es haben. Das klingt toll, das klingt gross. Allerdings ist der Klang noch nicht das Leben und die Realität besteht aus mehr als Tönen.

Wenn man lernt, die Grenzen zu achten, tun sich innerhalb dieser Grenzen ungeahnte Freiheiten auf, die geschützt und sicher sind, Glück bringen. Grenzen kann man ausloten, abtasten, ab und an ausweiten, ab und an auch wieder zurück nehmen. Jeden Tag von neuem. Ganz bei sich, ganz mit sich. Und im Respekt zu sich, seinem Umfeld und das Leben.

Wo bin ich?

Ich bin denn mal weg – gehe mich selber suchen. Doch wo finde ich mich? In mir drin? Wo da? Im Kopf, im Herzen, im Bauch? Überall? Und wie komme ich in mich hinein? Reinhören? Ist es eine Stimme? Reinfühlen? Ein Gefühl? Am einfachsten wäre reinsehen mit Hilfe eines… CT? MRI? Einfach röntgen? Ultraschall? Das klappte ja schon mal…

Alles nicht so einfach, vermutlich suchen viele deswegen so lange und immer wieder. Und verwerfen irgendwann wieder, was sie gefunden haben, um wieder neu zu starten auf der Suche nach dem innersten Ich.

Im Yoga ist die Antwort eigentlich einfach: Ich bin… Ende. Ich bin nichts ausser Sein, Existenz. Da müsste man gar nicht mehr suchen gehen, da wäre man schon da. Quasi angekommen. Aber irgendwie strebt man ja auch im Yoga weiter – nach Erleuchtung. Die dann erreicht ist, wenn das Sein als solches absolut erkannt ist, man einsieht, fühlt, glaubt, denkt, zu sein und dass genau das das eigene Ich ist?! In dem Wissen könnte man dann ja aufhören, doch: wieso suchen dann so viele doch noch weiter? Was suchen sie? Krampfhaft den Punkt, der sie eben doch unterscheidet vom Alleinssein, von der Masse? Streben nach Individualität, koste es, was es wolle? Vielleicht sind wir wirklich alle gleich und es ist wirklich nur unser Geist, der uns von den andern separiert.

Konkret gesprochen sind wir wohl wirklich gleich, ein definierbarer Klumpen von Zellen, der nach meistens gleich aufgebauten Mustern funktioniert. Die Individualität kommt dann durch die Prägung und Eigenarten, die man sich im Laufe eines Lebens so aneignet. Und die möchte man ab und an ergründen, vielleicht, weil man nicht ganz zufrieden ist mit sich und seinem Leben, vielleicht, weil man merkt, dass gewisse Dinge immer wieder ähnlich laufen. Vielleicht auch, weil man sich irgendwie noch mehr erhofft im Leben und denkt, sich zuerst kennen zu müssen, um überhaupt herauszufinden, was es denn sein könnte.

Nur, gesetzt den Fall, ich finde mich: was mach ich dann mit mir? Dann sind wir ja zu zweit und meine Wohnung ist jetzt schon eng genug. Wir sässen dann gemeinsam auf dem Sofa, jeder in ein Buch vertieft. Das gefundene Ich in das, welches mir entspricht, weil ich ja endlich ich bin, ich selber in eines, das ich einfach aus der Unwissenheit gewählt habe. Und überall im Alltag müsste es dann ja so ablaufen: das wahre Ich macht das, was mir ganz entspricht während ich selber meine alten Muster weiter abtrample. Oder: verschwinde ich dann und nur noch das wahre Ich bleibt? Wo geh ich dann hin? Sterbe ich? Oder lebe ich erst richtig? Ist das nun nur existieren, leben kommt dann? Existierst du noch oder lebst du schon? Wobei: IKEA ist out. Ich nehme den Satz zurück. Ich könnte auch mit dem Rotstift durch mein Leben, das alte Ich ausradieren und das neue stünde da (wobei bei Möbelpfister passiert dann immer ein Abschreiber, was hier ja eigentlich umgekehrt wäre…). Und wenn ich weg bin, was machen dann alle die, welche mich so kannten? Haben die nun zwei Freunde oder gar keinen mehr – oder einen neuen?

Diese Suche nach dem Ich scheint eine schwierige Sache zu sein. Erstens ist der Weg dahin nicht ganz einfach und zweitens weiss man auch nicht, was einen wirklich erwartet… und vielleicht… vielleicht bin ich ja ich – genau so, wie ich bin, mit all den Schwächen, Ungereimtheiten, Fehlern, Unsicherheiten, auch Unentdecktheiten (schönes Wort, grad erfunden). Vielleicht bin ich genau so und liege offen da in meiner ganzen Unperfektheit, aber gerade darum gut so? Vielleicht ist der beste Weg zu sich selber, sich eben genau so anzunehmen, wie man ist, heute, jetzt. Und sich lieben zu lernen, mitfühlend, nachgiebig, aber auch kritisch. Sein eigener liebevoller Kritiker. Nicht der böse, der alles verdammt, verurteilt, beschimpft, sondern der, welcher umarmt, hinweist und hilft? Ich glaube, das fühlt sich gut an.

Ich, mir und mich sind zufrieden (wo kommt eigentlich der Dritte her?? Bis hier hin waren wir ja nur zwei…nun: aller guten Dinge sind drei)

Offene Augen

Die Vergangenheit ist längst vorbei, sie lässt sich nicht mehr beeinflussen, die Zukunft noch nicht da, auch sie können wir nicht aktiv leben, lebbar ist nur die Gegenwart. Drum lebe im Jetzt, es ist das einzige, was wirklich ist. So und ähnlich klingen die östlichen (und neu auch westliche) Lebensanweisungen zum Glücklichsein. Die Wahrheit darin ist augenscheinlich, keine Frage. Die Vergangenheit ist unweigerlich vorbei, wir werden sie nicht nochmals leben können, wir können nichts ungeschehen machen, nichts nochmals durchleben oder gar vermeiden, was wir taten oder erlebten. Es ist vorbei. Aber es hinterlässt seine Spuren in uns. Wir tragen die Vergangenheit in uns mit, in jeder unserer Zellen steckt ein Stück Vergangenheit, die die Zelle, uns als Ganzes, so werden liess. Wir wuchsen aus der Vergangenheit ins heute. Und wir werden weiter wachsen in eine Zukunft.

Alles, was wir heute tun, wird unsere Zukunft mitprägen, legt den Grundstein zu dem, was wir in der Zukunft sind. Zwar können wir die Zukunft heute nicht leben, aber wir können das Fundament dafür legen (und wenn man weiter denkt, legen wir auch das Fundament für unsere Nachkommen). Klar kann man sagen, die Zukunft sei noch nicht da und man wisse nicht, was sie wirklich bringe. Trotzdem wird sie (sehr wahrscheinlich, wenn nicht etwas schlimmes passiert) kommen und sie will dann vorbereitet sein, dass sie auch lebbar ist – so, wie man sie eben leben möchte. Man hat immer Pläne im Leben, Ziele im Leben, möchte Wege einschlagen, die zum Ziel führen, das man sich in seinen Träumen und Wünschen vorstellt. Und dazu ist das Heute: diesen Weg auch zu gehen.

Ich denke, die Essenz des Vorsatzes im Heute zu leben, ist nicht, die Zukunft und die Vergangenheit auszuklammern, sie zu negieren, sondern sich bewusst zu sein, dass wir heute nur dieses Heute haben und dieses auch schätzen sollen. Die Vergangenheits- und Zukunftsgedanken sollten nicht das ganze Heute eliminieren im Kopf und die ganze Aufmerksamkeit abziehen. Das Heute soll bewusst und achtsam gelebt werden, mit Genuss, präsent. Trotzdem gilt es, auch nach vorne zu schauen, um zu sehen, wo man hin will und wie man dahin kommen kann. Und es gilt nach hinten zu schauen, um zu sehen, wieso wir sind, was wir sind. Und auch gewisse Fehler, die wir machten, in der Gegenwart vermeiden zu können – oder zumindest als solche erkennen zu können.

Vergangenheit vergeht nie – wir tragen sie mit. Aber wir können ihr den Platz zuweisen, der ihr zukommt: Sie ist Teil unseres Lebens und unseres Seins, aber sie ist vorbei und damit abgeschlossen. Mit diesem Bewusstsein die Gegenwart angehend, die Zukunft im Blick, werden wir den Weg gehen – bewusst, präsent, aber nicht blind – weder nach hinten noch nach vorne – und schon gar nicht im Jetzt.

Sicherheit

Sicherheit – gibt es sie?
Nur ein Schein?
Placebo?
Sehnsucht?
Halt im Haltlosen?
Rückendeckung beim Angriff?
Ritter in der Rüstung?
In mir selber?
Nur da?
Kein Verlass?
Nie im Aussen?
Nur tief drin?

Unsicherheit – übermannt sie?
Zerstört?
vernichtet?
Wo ist die Rettung?
Nirgens?
Keine Ritter mehr?
In mir drin?
Nirgends sonst?
Versinken?
Selbstschutz?

Im Moment habe ich mehr Fragen als Antworten – das spiegelt sich wohl auch sehr deutlich in meinem Blog nieder. Wobei ab und an zu sagen ist, dass Fragen mehr aussagen als Antworten, da sie das aufzeigen, was eben hinterfragt wird. Und das Hinterfragen geschieht oft aus Gründen – die man sich vielleicht nicht mal bewusst ist, aber irgendwo in der Tiefe etwas spürt, eine Frage halt, die aufsteigt. Und diese Fragen suchen das Licht, wollen gestellt werden, um dann auf Antworten zu treffen. Ab und an gibt es vielleicht auch keine Antworten, weil die Frage falsch gestellt ist, weil die Frage nur suggestiv ist – oder aber, weil niemand die Antwort wissen kann – man sie erfahren muss – oder auch nicht.

Und dann bleiben die Fragen im Raum stehen, als unbeantwortete Fragen. Harren der Dinge, lassen den Fragenden harren und kommen nicht weiter. Sie versinken im Nirwana der Fragen, unbeantwortet, vielleicht unreflektiert. Ab und an drehen sie auch. Im Kopf. Im Herzen. Lösen Widersprüche aus. Lösen sie wieder auf. Um neue entstehen zu lassen. Und man wäre dankbar um Antwort. Um selber Klarheit zu finden. Aber alles schweigt.

Oder doch nicht?

Luft oder Unsinn – oder beides

Ich atme ein
Ich atme aus.
Mal schneller,
mal langsamer.

Stimmt das?
Was mache ich?
Nichts.
Oder doch?

Es atmet in mich,
es atmet aus mir raus.
Still.
Und stetig.

Wer atmet?
Wer ist es?
Und wie um Gottes Willen,
kam es in mich rein?

Um Gottes Willen?
Was hat der schon wieder hier zu suchen?
Der verfolgt mich.
Ich will hier weg.

Wohin?
Er sei überall.
Big Brother.
Wir brauchen gar keine Kameras.

Es atmet noch immer.
In mir.
Aus mir.
Durch mich.

Wohin?
In die Luft.
Da kam es auch her.
Oder Sie?

Was ist es?
Luft?
Nichts?
Alles?

Ich könnte aufhören zu atmen.
Wobei, ich atme nicht.
Ich bin ausgeliefert.
Opfer.

Wovon?
Von wem?
Keine Ahnung.
Egal.

Gott ist tot

Wer ist Gott? Wann starb er?
Wer hat ihn gekannt?
Kommt er wieder?
Wie kann er ewig sein, wenn er tot ist?
Ist sein Tod eine Lüge?
Wo ist er also?
Überall?
Wie kann ich ihn sehen?
Kann ich ihn fühlen?
Was ist Glaube?
Wo hört die Hoffnung auf?
Da wo der Glaube anfängt?
Wo hört der Glaube auf?
Wieso kann man nicht wissen?
Gibt er Zeichen?
Wie höre ich sie?
Wo finde ich sie?
Bin ich hoffnungslos?
Könnte ich dann glauben?
Wer weiss es?

Alles im Fluss

Ist das Leben ein Fluss?
Fliesst er von selber oder ist das Bachbett Bahn gebend?
Kann ich den Fluss lenken oder werde ich von ihm mitgerissen, mit ihm mitgeführt?
Ist, woran ich mal vorbei geflossen bin, für immer verloren oder kann es mich wieder einholen – ich zurück schwimmen?
Wenn ich zurückschwimme, ist dann noch da, was mal da war oder floss das auch weiter?
Für immer verloren?
Kreuzen sich Flüsse?
Und wenn, mischt sich dann das Wasser oder fliesst jeder mit seinem Wasser weiter?
Was passiert, wenn ein Fluss überfliesst?
Ist es sinnvoll, gegen den Strom zu schwimmen oder soll man sich dem Fluss fügen, mit ihm mitgehen?
Ist man beim Schwimmen immer alleine oder schwimmt es sich zu zweit leichter?
Bin ich ein Rückenschwimmer oder eher ein (Ab)Taucher?
Bin ich der ganze Fluss oder nur ein Teil davon?
Wann kommt das Meer?
Und wo war meine Quelle?
Bleibt die Sehnsucht nach der Quelle oder ist das Sehnen Todessehnsucht?
Was ist mit mir, wenn ich im Meer lande? Fliesse ich dann weiter?
Was ist das Meer?
Bin ich Meer schon wenn ich (im) Fluss bin?