Ganz früher wurden Beziehungen aus strategischen Gründen eingegangen: um Familien zu vereinen, Gelder zu sicher, sonstige finanzielle Geschäfte zu tätigen. Auch später noch waren Beziehungen eher strategisch und gehörten wohl irgendwie auch zum guten Ton. Frauen waren Mütter, Familienfrau, der Mann sorgte für das Auskommen.
Die Frauen wurden im Zuge der Emanzipation immer selbständiger, die Familienmodelle sind längst überholt, denkt man. Ehen sind nur noch Kurzzeitprojekte, Partner werden auf Lebensabschnitte aufgeteilt. Wieso geht man heute überhaupt noch Beziehungen ein? Jeder trägt sich eh alleine. Ohne Mensch an der Seite ist man frei, kann tun und lassen, was man will. Kann flirten, den Stuhl kaufen, der einem gefällt. Die Ferien buchen, die man selber genau möchte. Hat seine Ruhe, wenn man sie will, hat Abwechslung, wenn man sie sucht. Wieso also eine Beziehung heutzutage? Der Ernährer ist überholt, den braucht man nicht mehr als Frau. Der Mann braucht keine Haushälterin mehr. Kinder wachsen eh oft in neumodischen Verhältnissen auf…
Wieso also? Statistisch ist erwiesen, dass Beziehungen öfter scheitern als halten, Ehen halten sich knapp die Waage. Und nicht alle Beziehungen sind glücklich, hört man so rum, hört man viel Geklage, Gejammere, Streitereien. Wieso tut man sich das an? Nur, um nicht alleine zu sein? Um der gesellschaftlichen Norm zu genügen, die den Menschen als Paarwesen sieht? Weil auf Einladungen steht „Partner mitbringen“ und man nicht alleine gehen will, weil man dann so aussähe, als ob man keinen abkriegte? Um nicht Mutters Kommentar zu hören „Kind, wieso hast du nie eine Beziehung?“? Um nicht die mitleidigen Blicke der Pärchen zu ertragen und das Mitleidsprogramm geliefert zu kriegen? Um nicht dazustehen am Sonntag, wenn alle Händchen haltend am Ufer des Sees promenieren und man selber alleine lang geht, nicht mal nen Hund zum knutschen dabei hat?
Was, wenn man gerne alleine ist? Was, wenn man eh nicht an Einladungen gehen will? Was, wenn man keinen See hat, an dem man promenieren könnte? Was bliebe noch als Grund? Es muss einen geben, sonst strebten nicht alle nach Beziehungen. Klar sind die Glücksmomente zusammen schön. Klar die Ideale hoch. Die romantischen Filme im TV geben das ihre dazu. Doch schon Tucholski wusste, dass da, wo der Ärger anfängt, die Filme enden…
Also, ihr Leute da draussen, sagt es mir: wieso haben wir Menschen Beziehungen, wieso wollen wir diese haben?