Wie leicht gibt man
andern einen Rat.
Wie schwer lebt man
selber danach.
©Sandra Matteotti
Denkzeiten – Vom Lesen und Leben
Dr. Sandra von Siebenthal
Philosophische Gedanken zu Politik, zur Lage der Welt, zur gesellschaftlichen und menschlichen Situation
Wie leicht gibt man
andern einen Rat.
Wie schwer lebt man
selber danach.
©Sandra Matteotti
Wenn zwei sich finden, wünschen sie sich, dass es klappt. Und sie wären zu vielem bereit, je das Ihre zu tun, dass es klappt. Welche Frau wünscht sich nicht ab und an den Mann, der einfach da wäre? Und ja, Frauen sind nicht ganz einfach, manchmal wechseln die Wünsche schneller, als Mann auf drei zählt. Wie schön wäre es, würde der Mann einfach immer dastehen und sagen:
Ich bin dein Mann!
Heute ist ihr nach Zärtlichkeit, morgen will sie Pferde stehlen, übermorgen einfach mal in den Arm genommen werden. Und immer steht er da und sagt:
Ich bin dein Mann!
Er schafft es wohl nicht immer, es ist auch nicht einfach. Gewisse Wünsche sind nicht nachvollziehbar, einige nie ausgesprochen. Ab und an wird es schwer und vielleicht bricht alles auseinander. Doch: Er möchte es sein. Möchte es bleiben. Und er setzt sich ein. Geht gar auf die Knie und sagt:
Ich bin dein Mann!
Klar, es ist ein gar idyllisches Bild und man könnte sagen: He, Mann, steh mal denselben und steh hin! Sag auch, was du willst! Und zur Frau: Sei nicht nur Prinzessin, was bietest du? Aber doch… so ganz tief drin im Herzen, wünscht man sich diese unbedingte und bedingungslose Liebe, diesen Partner, der einfach da ist, egal, was einen grad reitet.
Liebe ist, wenn einem das Glück des anderen mehr am Herzen liegt als das eigene. Wenn das eigene Glück wächst, wenn der andere glücklich ist. Das sollte natürlich auf beiden Seiten so sein. Aber… bei aller Emanzipation und allem Streben nach Gleichheit, ein paar romantische Ideen haben sich gehalten. Sie sitzen tief und sie wärmen das Herz. Die holde Prinzessin, die auf den tapferen Ritter in der goldenen Rüstung auf dem Schimmel wartet ist ein Bild, das irgendwo in romantischen Seelen festsitzt. Und dem wird das Lied gerecht. Er kommt, der Ritter, und sagt:
Ich bin dein Mann!
Leonard Cohen: I’m your man
If you want a lover, i’ll do anything you ask me to.And if you want another kind of love, i’ll wear a mask for you.
If you want a partner, take my hand, or
If you want to strike me down in anger
Here I stand
I’m your manIf you want a boxer
I will step into the ring for you
And if you want a doctor
I’ll examine every inch of you
If you want a driver, climb inside
Or if you want to take me for a ride
You know you can
I’m your manAh, the moon’s too bright
The chain’s too tight
The beast won’t go to sleep
I’ve been running through
These promises to you
That I made and I could not keepAh, but a man never got a woman back
Not by begging on his knees
Or I’d crawl to you baby
And I’d fall at your feet
And I’d howl at your beauty
Like a dog in heat
And I’d claw at your heart
And I’d tear at your sheet
I’d say please, please
I’m your manAnd if you’ve got to sleep a moment on the road
I will steer for you
And if you want to work the street alone
I’ll disappear for you
If you want a father for your child
Or only want to walk with me a while
Across the sand
I’m your man
If you want a lover
I’ll do anything that you ask me to
And if you want another kind of love, I’ll wear a mask for you.
Meine Übersetzung
Wenn du einen Liebhaber willst, werde ich alles tun, worum du mich bittest.
Und wenn du eine andere Art der Liebe willst, werde ich eine Maske für dich tragen.
Wenn du einen Partner willst, nimm meine Hand, oder
wenn du mich niederschlagen willst im Zorn
stehe ich da
Ich bin dein MannWenn du einen Boxer willst
werde ich für dich in den Ring steigen
und wenn du einen Arzt willst
untersuche ich jeden Centimeter von dir
Wenn du einen Fahrer willst, steiug ein
oder wenn du mich mitnehmen willst
weißt du, du kannst
Ich bin dein MannOh, der Mond ist zu hell
die Ketten sind zu eng
der Dämon wird nicht schlafen gehen
Ich bin immer wieder hindurch gegangen
durch diese Versprechen an dich
die ich gemacht habe und nicht halten konnteOh, aber ein Mann kriegte nie eine Frau zurück
wenn er nicht auf Knien bat
Oder ich würde zu dir kriechen Baby
und mich dir zu Füssen legen
Ich würde deine Schönheit anheulen
wie ein räudiger Hund
Und ich würde nach deinem Herz greifen
und würde in dein Laken winen
Ich würde dich bitten, bitten
Ich bin dein MannUnd wenn du auf deinem Weg einen Moment schläfst
würde ich für dich steuern
und wenn du den Weg alleine gehen willst
würde ich für dich verschwinden
und wenn du für deine Kinder einen Vater möchtest
oder auch nur eine Weile mit mir gehen möchtest
durch den Sand
Ich bin dein Mann
Wenn du einen Liebhaber willst
Ich würde alles für dich tun, worum du mich bittest
Und wenn du eine andere Art der Liebe möchtest, würde ich für dich eine Maske tragen.
Es geht zu End’, und ich blicke zurück.
Wie war mein Leben? wie war mein Glück?Ich saß und machte meine Schuh’;
Unter Lob und Tadel sah man mir zu.„Du dichtest, das ist das Wichtigste…“
„‚Du dichtest, das ist das Nichtigste.‘“„Wenn Dichtung uns nicht zum Himmel trüge…“
„‚Phantastereien, Unsinn, Lüge.‘“„Göttlicher Funke, Prometheusfeuer…“
„‚Zirpende Grille, leere Scheuer.‘“Von hundert geliebt, von tausend mißacht’t,
So hab’ ich meine Tage verbracht.
1895 schreibt Theodor Fontane dieses Gedicht. Er blickt auf 76 Jahre zurück, davon 46 Jahre als Schriftsteller. 1849 hatte er beschlossen, den Apothekerberuf aufzugeben, um ganz als freier Schriftsteller zu leben. Es waren nicht nur einfache Jahre, vor allem am Anfang waren er und seine Familie von finanziellen Sorgen geplagt. Manch einer wird ihm wohl gesagt haben, er hätte den falschen Schritt gewagt, manch einer sein Schreiben belächelt haben – und auch er selber zweifelte ab und an, meinte gar, nicht wirklich schreiben zu können. Zum Glück hat er nicht auf die anderen und eigenen Stimmen gehört.
1892 erkrankte Fontane an einer Gehirnischämie, worauf ihm der Arzt riet, seine Kindheitserinnerungen aufzuschreiben. Auch entstanden in der Zeit einige seiner wundervollsten Werke, wie zum Beispiel Effi Briest, sowie auch die autobiografische Schrift Von Zwanzig bis Dreissig. Die Beschäftigung mit seiner Vergangenheit war also in diesen Jahren Programm.
So schaut das lyrische Ich also zurück, zieht quasi Bilanz. Es fragt nach seinem Leben, nach seinem Glück. Es sieht, wie es – ganz Schuster, der bei seinen Leisten blieb – tat, was ihm gegeben war. Es sieht auf die anderen, welche über es urteilten, mal positiv, mal negativ. Auch den Stellenwert der Dichtung bezieht es mit ein in seinen Rückblick: für die einen wichtig, für die anderen Unsinn. Und so kommt es zum Schluss, dass es wohl von weniger Menschen geliebt wurde als missachtet. Und doch: Wenn wir an den Anfang zurück gehen, sehen wir es: Da fragt das Ich nach dem Leben und nach dem Glück – es muss also ein solches gewesen sein.
Es gibt im Leben immer andere, die sich herausnehmen, sich ein Urteil zu bilden und dieses als alleinige Wahrheit zu verkaufen. Da steht man dann und sieht sich auf sich selber zurückgeworfen, hinterfragt das eigene Tun, Zweifel kommen auf. Man es den anderen recht machen, nur: Wenn man das tut, kommen wieder andere, die wieder andere Wahrheiten verkünden. Allen wird man nie gerecht.
Es ist wohl richtig und wichtig, sich zu hinterfragen. Schlussendlich kann man nur seinen Weg gehen. Es gibt Menschen, die begleiten einen, andere ziehen weiter. Das ist das Leben. Und: Man stelle sich vor, Theodor Fontane hätte auf die kritischen und abwertenden Stimmen gehört und das Schreiben eingestellt. Nie hätten wir mit Effi Briest mitgelitten, nie seine Gedichte zu Gesicht bekommen. Auch dieses hier nicht.
Ich blicke nach links
und schaue nach rechts,
beim Fallen ins Nichts
durch Strassen der Stadt.
Sie zieht an mir durch
und leise geht mit
mir mein Leben – still.
©Sandra Matteotti
Zwei Menschen treffen sich, verlieben sich. Am Anfang ist alles neu. So viele Narben der Vergangenheit prägen das Verhalten, Fühlen, die Worte. Man hat sich eine Welt zurechtgelegt, die gut klingt, darunter brodelt oft ein ganzer Gefühlsvulkan. Man spricht von Freiheit, fühlt sich allein, man träumt eine Zukunft, will den Mut haben, dahinkommen. Man möchte fühlen, hat aber Angst. Und dann sagt der andere:
Gib mir deine Angst.
Auch er hat Angst. Er ist unsicher und hat Zweifel, ob er wirklich geliebt ist. Er bittet sie um ein Zeichen, möchte bei ihr zuhause sein. Doch dann, wenn sie bei ihm ist, dann will er alles geben, dass sie Hoffnung und Gewissheit hat, dass die Nacht zum Tag wird und der Traum nicht mehr nötig, da er Wahrheit bringt. Ein Leben gemeinsam. Wie beide es sich wohl wünschen.
Ein unglaublich tiefes Liebeslied, das die leise entstehende Liebe in all ihren Facetten und Ängsten ergreift und zeigt, wie es weiter gehen könnte. Und jeder hofft, dass es so sei. Dass es einen gemeinsamen Weg gibt.
Solang ich dich nicht verlier,
find ich auch einen Weg mit dir.
Mit dir.
Mit dir.
Der ganze Text
Du sagst, du bist frei,
und meinst dabei,
du bist alleine.
Du sagst, du bist stark,
und meinst, du hast
noch ein paar Träume.
Jeder Blick aus deinen Augen
ist ein stummer Hilfeschrei,
mir geht es genau wie dir,
du kannst ruhig ehrlich sein.Du sagst, dir geht’s gut,
jedoch, das klingt bei dir
so bitter.
Wenn ich dich berühr’,
ist mir, als spür ich, dass du zitterst.
Deine Seele ist voll Narben,
du hast Angst, sie brechen auf.
Vergrab dich in meinem Arm,
ich schütze dich
so gut ich kann.Gib mir deine Angst,
ich geb’ dir die Hoffnung dafür.
Gib mir deine Nacht,
ich geb’ dir den Morgen dafür.
Solang ich dich nicht verlier’,
find ich auch einen Weg mit dir.Schau mir ins Gesicht,
ich suche dich
in deinem Schweigen.
Noch fällt es uns schwer,
das, was wir fühlen,
auch zu zeigen.
Doch ich will in dir versinken,
bis uns beide nichts mehr trennt,
und wenn dich die Kraft verlässt,
vertrau auf mich
und halt dich fest.Gib mir deine Angst,
ich geb’ dir die Hoffnung dafür.
Gib mir deine Nacht,
ich geb’ dir den Morgen dafür.
Gib mir deine Angst,
ich geb’ dir Gewissheit dafür.
Gib dir deinen Traum,
ich geb’ dir die Wahrheit dafür.Solang ich dich nicht verlier’,
find’ ich auch einen Weg mit dir.Gib mir das Gefühl,
dass es ein Zuhaus’
für mich gibt.
Gib mir Zuversicht,
die all meine Zweifel besiegt.
Gib mir deine Angst,
ich geb’ dir die Hoffnung dafür,
gib mir deine Nacht,
ich geb’ dir den Morgen dafür.Solang ich dich nicht verlier,
find ich auch einen Weg mit dir.
Mit dir.
Mit dir.
Im Jardin des Plantes, Paris
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.6.11.1902, Paris
Der Panther ist wohl eines der bekanntesten Dinggedichte Rilkes. Bei Dingggedichten werden leblose oder lebendige Objekte zum Sujet des Gedichts, sie tragen die Botschaft. Rilke gilt als Schöpfer der Dinggedichte, sie sind bei ihm vor allem in den Neuen Gedichten (1907/08) zu finden.
Der Panther hat drei Strophen mit je vier Versen, die als Reimschema jeweils den Kreuzreim aufweisen. Auffällig ist auch der Binnenreim in der dritten Zeile, des Weiteren die Häufung des Umlauts ä, welche dem Gedicht einen eigenen Klang geben. Der Rhythmus mit dem stets gleich bleibenden jambischen Metrum nimmt den Inhalt auf, er wirkt träge. Indem man das Gedicht laut liest, spürt man die Bewegung des Panthers förmlich. Man sieht und hört, wie er hinter Stäben hin und her geht, wie er ganz auf sich zurückgeworfen ist, weil da ausser tausend Stäben keine Welt mehr zu sein scheint.
Indem Rilke den Panther von aussen beschreibt, in der ersten Strophe den Blick, dann den Gang, schliesslich das Auge, von wo er im Herzen landet, legt er gleichzeitig die Innensicht des Panthers offen. Wie der Blick scheint auch der Panther müde, er läuft nur in dem ewig gleichen Rhythmus hin und her. Zwar sieht man noch die Kraft, die in ihm steckte, allein sie ist betäubt – wie es auch sein Wille ist.
Und doch gibt es Momente, da wird er wach, da sieht er ein Stück Welt, die ihm ins Herz dringt, wo alles wieder endet. Danach könnte das Gedicht wieder von vorne beginnen.
Der Erfolg des Gedichts kommt wohl unter anderem daher, dass man sich selbst erkennt in diesem Panther. Auch als Mensch ist man oft müde von all den Alltäglichkeiten des Seins, von (von aussen und innen gebildeten) Gefängnissen und Einschränkungen. Man folgt ewig gleichen Pfaden über Tage Wochen, Jahre, glaubt kaum mehr, dass es irgendwann anders sein könnte – ausser vielleicht dann, wenn ein kleiner Hoffnungsschimmer ins Herz sticht, ausgelöst durch ein Bild, ein Wort, einen Gedanken.
Danach nimmt das Leben wieder seinen Lauf. Und man geht ihn mit, Schritt für Schritt in all den Schranken, die um einen sind.
Meist pochen
die auf ihre Rechte,
die sie gegen einen
anwenden.
Eigentlich
wurden sie geschaffen,
für jemanden.
Zu sein.
@Sandra Matteotti
Gefangen
im Gestern
vergisst du
zu leben.
©Sandra Matteotti
Anstatt der üblichen Statistik
Gönnt der Autorin etwas Mystik!
Die ganz privaten Lebensdaten
Wird euch ihr Grabstein einst verraten.
[…]
Mascha Kaléko wird 1907 in Galizien als Kind jüdischer Eltern geboren. Mit ihren Eltern zieht sie schon in jungen Jahren mehrfach um, zuerst nach Frankfurt, danach nach Marburg, schliesslich nach Berlin. Die Eindrücke dieser Ortswechsel prägen Mascha Kaléko ein Leben lang, Themen wie Heimatslosigkeit, Verlassenheit, auch Einsamkeit durchziehen ihre Gedichte.
Mascha fängt früh an zu schreiben, anfänglich noch neben ihrem Brotberuf im Büro, welcher ihr immer auch Inspirationsquelle ist, weil sie da am Puls des Berliner Grossstadtlebens sitzt und hautnah mitkriegt, was die Menschen bewegt. Der Erfolg stellt sich bald ein, ihr erstes Buch verkauft sich gut, die Menschen erkennen sich in den Gedichten wieder, Mascha Kaléko schreibt ihnen aus der Seele.
[…]
Doch nun, als Mensch, im Hauptberuf Poet,
erleb ich, was kein Vogelhirn versteht,
So völlig unbekannt in der Natur
Ist jener Käfig, den man nennt „Zensur“
[…]
Das Regime der Nationalsozialisten und damit einhergehend ein Publikationsverbot bereiten dem Erfolg ein jähes Ende. Mascha muss mit ihrer Familie nach New York emigrieren, wo sie anfänglich sehr unter Heimweh leidet und auch ihr deutschsprachiges Publikum vermisst. Nach dem Krieg kann Mascha Kaléko an ihre früheren Erfolge anknüpfen, sie unternimmt lange Lesereisen durch Europa und findet langsam wieder zu ihrer gewohnten Sprache zurück, einer Mischung aus Melancholie, Satire und Scharfzüngigkeit. Ihr weiterer Weg führt sie nach Jerusalem, wo sie und ihr Mann immer mehr unter ihren – schon viele Jahre immer wieder beschwerlichen – Krankheiten leiden. Mascha klagt ist müde und ihre lyrische Stimme verstummt immer mehr.
Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?
[…]
Der Tod des Sohnes und später auch des Mannes nimmt Mascha fast gänzlich den Lebensmut. Es entstehen noch ein paar späte Gedichte, doch die Leichtigkeit von früher findet man nicht mehr. Mascha Kaléko stirbt 1975 in Zürich.
Jutta Rosenkranz legt hier eine sehr informative, gut recherchierte, warmherzige Biografie einer lange viel zu wenig beachteten Dichterin vor. Oft lässt sie Mascha Kaléko selber durch ihre Gedichte sprechen, so dass eine sehr aufschlussreiche Verknüpfung von Lebensgeschichte und dichterischem Werk entsteht. Das Buch ist trotz vieler Fakten und historischer Hintergründe gut lesbar. Man könnte der Biographin vielleicht vorwerfen, dass sie Kaléko etwas zu unkritisch sieht und das Bild der Dichterin und ihres Werkes dadurch sehr positiv gezeichnet ist, was man ihr aber nicht wirklich übel nehmen kann.
Fazit:
Ein wunderbares, gut recherchiertes und informatives Buch über eine grossartige Dichterin und ihr Werk. Sehr empfehlenswert.
Zum Autor
Jutta Rosenkranz
Jutta Rosenkranz, geboren in Berlin, studierte Germanistik und Romanistik und lebt als freie Autorin und Journalistin in Berlin. Sie hat Gedichte, Prosa und literarische Essays veröffentlicht, zahlreiche Autoren-Porträts und Features für den Hörfunk geschrieben und ist Herausgeberin mehrerer Lyrik-Anthologien. Sie ist Herausgeberin der Gesamtausgabe der Werke und Briefe von Mascha Kaléko und Autorin der ersten umfassenden Biografie über die Dichterin.
Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (1. März 2012)
ISBN-Nr.: 978-3423346719
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH
Endlich war Frühling, die Vögel sangen, die Bienen summten, alles war Idylle pur – wenn nur die Blumen nicht getan hätten, was sie taten, denn die waren auf Krawall gebürstet. In täglichem Wettkampf streckten sie sich der Sonne entgegen, eine wollte schöner sein als die andere, jede besser gesehen werden als ihre Nachbarin. Kein Wunder, kam es dabei immer wieder zu einem Knospenkollisionskurs, bei dem die eine oder andere ein Blatt lassen musste. Das war es dann mit der eingebildeten Schönheit, zurück blieb nur ein gerupftes Blütengestrüpp.
Irgendwann merkten die Blüten selber, was sie sich gegenseitig antaten und wollten sich versöhnen. Sie hauchten sich durch die Luft Küsse zu, ganze Safranstaubkussspuren zogen von Blüte zu Blüte. Und da geschah das Wunder: Die besonders zerrupfte Iris erblühte plötzlich wieder in vollem Glanz. Als die Vögel das sahen, stimmten sie ihr Irisreinkarnationslied an.
Endlich war Frühling, die Vögel sangen, die Bienen summten, alles war Idylle pur.
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Dies ist eine neue Geschichte aus der Reihe „ABC.Etüden“ – dieses Mal für die Textwoche 17/17. Hier geht es zum Originalbeitrag: LINK
Regeln für die abc.etüden, Woche 17.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Frau Käthe (bittemito) und lauten:
Safranstaubkussspuren
Knospenkollisionskurs
Irisreinkarnationslied.
Heute stiess ich über sieben Ecken (besser über sieben Blogs) auf ein Schreibprojekt, das ich witzig fand: Aus drei Wörtern soll eine Kurzgeschichte mit maximal 10 Sätzen entstehen. (Hier geht es zum Originalbeitrag: LINK)
Die Wörter dieser Woche sind:
Duschvorhang
Leichenschmaus
Frühlingsgefühle
Gespendet hat dieses bunte Potpurri an Wörtern die Betreiberin des Blogs Ruhrköpfe
Frei aus dem Bauchheraus – los geht’s:
Als ich heute Morgen den Duschvorhang zur Seite schob, sass sie da, dick und fett mit langen, haarigen Beinen, und blickte mich aus grossen, dunklen, unheilversprechenden Augen an. Ich konnte den lauten Schrei nicht zurückhalten, auch wenn es mir für die wohl noch schlafenden Nachbarn leid tat, die nun wohl senkrecht im Bett standen, aber schliesslich kam es nicht jeden Tag vor, dass eine Spinne in Grösse eines Pfennigstücks in meiner Badewanne sitzt. (Hatte ich schon von meiner Spinnenphobie erzählt?)
Von meinem Schrei angelockt, kam sogleich mein todesmutiger Kater hinzu, schaute mich aus seinen runden Augen an. Er stürzte sich, quasi als Ritter ohne Furcht und Tadel, auf die Spinne, was sich als nicht ganz einfach herausstellte, war diese doch eher flink, ganz im Gegensatz zu meiner eher gemächlichen Fellnase. Am Ende siegte das Gute, der Kater leckte sich genüsslich die Barthaare – was für ein Leichenschmaus.
Draussen zwitscherten fröhlich die Vögel, so langsam kamen auch bei mir wieder Frühlingsgefühle auf.
Was ich heut denke,
bin ich morgen.
Was ich heut tue,
formt mein Sein.
©Sandra Matteotti
Als Blume auf Stein
fühle ich mich
im Sein.
Finde kaum Grund,
stehe nur hier.
Allein.
Schwanke im Wind.
Leise Musik
dringt ein.
Das Wort und der Klang,
setzen sich fest
– erst fein,
dann weiter bis tief
in mein Herz,
ins Sein.
Da endet sie still,
ich bleibe zurück.
Allein.
©Sandra Matteotti
Meine Gedichte sind zukünftig auf www.sandramatteotti.com zu finden
Es war einmal ein dünnes Buch,
das jammerte: „Was für ein Fluch!“
Es wollte gerne dicker sein,
denn dann passten mehr Sätze rein.
(©Sandra Matteotti)
Es war mal eine Kerze,
die brannte nur zum Scherze,
Bei Feiern, da auf Torten,
zu spass-gereimten Worten.
©Sandra Matteotti