Wahl-Freiheit

Wollte frei sein
stiess an Stäbe,
wollte fliehen,
sah die Tür.

Konnte rütteln,
konnte schreien,
kein Entkommen,
alles zu.

Bei dem Sehnen,
all dem Langen,
vergass ich eines,
sah es nicht.

Was ich hatte,
was auch gut war,
wär vergangen,
wär ich weg.

Frei von Ketten,
frei von Schönem,
kommt das Eine,
folgt der Rest.

Einen Preis,
muss ich wohl zahlen,
was mir bleibt,
ist meine Wahl.

Wir

Keine Worte
Nur noch Fühlen.

Schreibe nieder,
streiche durch.

Fliege hoch
und tauche nieder.

Frage viel
und weiss doch nichts.

Wo führt es hin,
was wird es werden?

Es fehlt die Antwort,
fehlt das Ziel.

Gib mir ein Zeichen,
zeig’mir Wege.

Ich möcht’ sie sehen,
werde sie geh’n.

Was wirklich zählt?
Das ist nur eines:

Wir geh’n zusammen,
geh’n als wir.

Schaumbad

Ich stelle mir vor,
das Wasser wäre deine Hand,
die mich zärtlich berührt,
sanft über meine Haut gleitet,
jeden Winkel erkundet.

Ich stelle mir vor,
der Schaum wäre dein Kuss,
der prickelt auf meiner Haut,
mir einen Schauer über den Rücken jagt,
indem er über meinen Körper perlt.

Ich stelle mir vor,
die Hitze, die mich durchdringt,
käme von dir,
weil deine Hände
und deine Küsse
tun, was sie tun.

Farben

Ich denke mir
das Leben bunt,
ertrinke doch
im Grau.

Ich töte Herz,
vernicht’ Verstand,
schliesse Ohren,
mache zu.

Es dröhnen Stimmen,
Dunkles drückt,
immer enger
wird die Welt.

Da wär so viel,
es muss so sein,
allein es dringt nicht
zu mir durch.

Die Decke kommt
bedenklich nah,
von unten drückt
der Boden.

Ich bin dazwischen,
wie bei Stühlen,
fall durch Maschen,
unter Grund.

Keine Netze,
doppelt Boden,
fangen mich
noch auf.

Ich liege da
die Augen zu,
und halt mich
an den Farben.

Der Käfig

Sie sass hinter Gittern,
und sah all die Stäbe,
dahinter nichts wäre,
wie einst in Paris.

Sie suchte die Lücken,
und sah doch nur Stäbe,
der Blick wurde trübe
und sie ach so müd’.

Sie suchte den Ausweg,
flog hoch und fiel nieder,
die Flügel, sie brachen,
das Herz gleich damit.

So lag sie darnieder,
mit Dreck im Gefieder,
die Augen ganz schwer,
sie hoffte kaum mehr.

Nur ab und an drang noch,
ein Sonnenstrahl nieder,
fiel zwischen die Stäbe,
und brachte ihr Ruh’.

Luftleer

Suche nach Liebe,
die nirgends ich fühle.

Fülle die Leere,
die mich sonst verschlingt.

Träume die Zukunft,
die unerreicht daliegt.

Sehe die Bilder,
die keiner gemalt.

Vermisse den Halt,
ich lasse mich fallen.

Stosse auf Grund
und seh’ doch kein Ziel.

Lebe auf Zeit nur,
die manchmal zu lang scheint.

Fürchte das Ende
und weiss nicht wieso.

©Sandra Matteotti