Michael Stavarič: Böse Spiele

Ein Mann liebt eine verheiratete Frau. Mit ihr könnte er sich alles vorstellen, was er sich sonst im Leben nicht vorstellen kann. Sie ist die richtige Frau für ihn, nur: Sie ist nicht frei. Eine Frau liebt diesen Mann, sie könnte sich mit ihm alles vorstellen, weil er für sie der Mann überhaupt ist. Allein: Er ist nicht frei. Der Mann wartet, weil er ein Mann ist, der warten kann, die Frau wartet, weil sie eine Frau ist, die warten kann. Das Ganze unter Plastikpalmen mit verschiedenen Farben, je nach Situation und Stimmung.

Am nächsten Tag stehen wir unter einer schwarzen Plastikpalme, sie trägt ihr Herz links, wo es hingehört, und ich spinne meines in Trauerflor, trage schwer daran, dass sie eine vollkommene Frau ist und ich nur ein passabler Mann.

Michael Stavarič erzählt die komplizierte Geschichte von menschlichen Beziehungen. Gefühle, die hochschlagen und tief fallen, Menschen mit Träumen, Hoffnungen, Phantasien und Zwängen. Liebe, die gelebt werden will und scheitert, Betrug, der schön geredet wird, schmerzt und doch bittersüss ist. Es ist eine Geschichte direkt aus dem Leben, erzählt, wie sie passiert, mit allen Wirrnissen, Hindernissen, Verstrickungen und Verzweiflung, die doch voller Hoffnung steckt. Eine Geschichte, in der alle dasselbe wollen, sich allerdings in ihrem Wollen nicht finden, weil immer etwas im Weg steht.

Dass sie die Vollkommenheit liebe und ich meine Freiheit, dass ich aufhören müsse zu glauben, ich könne noch etwas zum Besseren wenden.

In einer teilweise lyrisch anmutenden Sprache beleuchtet Michael Stavarič die menschlichen Abgründe, die Lebenslügen und Spiele mit Gefühlen. Leitmotive führen durch den Roman, verleihen ihm eine innere Kohärenz, die auf allen anderen Ebenen zu fehlen scheint. Erzählerperspektive, Realitätsebene, Zeitstruktur – alles ändert, sprungartig, augenblicklich. Der Leser pendelt zwischen Innensichten und Dialogen, zwischen Erzählung und Wünschen hin und her und sieht sich immer wieder denselben Motiven ausgesetzt.

Böse Spiele besticht durch eine plastische Sprache, durch eine Lebendigkeit in Form und Stil. Bildhaftigkeit ersetzt blosse Beschreibung, Farben drücken Stimmungen aus, wiederkehrende Refrains erzeugen eine Melodie. Literatur erscheint hier als Komposition aus Tönen, Bildern und Stimmungen.

Fazit:
Lyrische Prosa voller Brüche und Widersprüche, verwirrend und doch lebensnah. Eine lohnende Herausforderung.

Zum Autor
Michael Stavarič
Michael Stavarič wurde am 7. Januar 1972 in Brünn geboren und kam mit 7 Jahren aus der damaligen Tschechoslowakei nach Österreich. Er studierte an der Universität Wien Bohemistik und Publizistik. Neben vielfältigen anderen Anstellungen arbeitete er auch als Rezensent für Die Presse sowie das Wiener Stadtmagazin Falter sowie als Gutachter für tschechische Literatur bei verschiedenen Verlagen. Michael Stavarič lebt heute als freier Schriftsteller in Wien. Er schreibt neben Romanen auch Gedichte, Essays und Kinderbücher, besticht dabei immer durch eine sehr kreative Sprache. Von ihm erschienen sind u. a.  Flüggellos (Gedichte, 2000), Böse Spiele (Roman, 2009), Brenntage (Roman, 2011), Gloria nach Adam Riese (Kinderbuch, 2012).

StavaricSpieleAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 155 Seiten
Verlag: C.H.Beck (21. Januar 2009)
Preis: EUR  16.90 / CHF 25.10

 

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Eduard Habsburg: Lena in Waldersbach

Lena wandert auf den Spuren von Büchners Lenz durch die Vogesen. Sie irrt durch die Täler und auf Berge, auf der Suche nach den beschriebenen Örtlichkeiten und durchlebt dabei Lenzens Wahnsinn, dessen Wahnzustände.

Kreuz und quer durch das Steintal, durch all die Orte, die sie kannte und doch nicht kannte, hinauf auf das Gebirg und kreuz und quer über das Gebirg, mit wenig Ruhepausen. Kein Wunder, dass sie zum Umfallen erschöpft war und eigentlich nur noch weinen wollte, aber die grösste Prüfung stand ihr ja noch bevor.

Lena findet Unterschlupf bei einem Pastorenpaar, erfährt da eine Geborgenheit, die sie im Leben vermisste, der sie aber nicht trauen kann. Ein Durcheinander von Realität und Einbildung treibt sie immer mehr in die Enge einer Verstörung, die sie gegen alles und jeden misstrauisch werden lässt..

Alles in Lena revoltierte. Sie musste den Deckel fest geschlossen halten, konnte keinen Augenblick die Kontrolle verlieren, durfte sich keine Blösse geben.

Eduard Habsburg erzählt die Geschichte eines Mädchens, das sich in ihrem wahren Leben nicht mehr geborgen fühlt und sich aufmacht, ein anderes Leben zu ergründen, das von Büchners Lenz. Sie taucht so sehr in dieses Leben ein, dass sie die Welt durch dessen Augen sieht und schliesslich Wahrheit und Schein nicht mehr auseinander halten kann. Natürlich hat das Ganze einen Auslöser, welcher im Laufe der Geschichte immer mal vage erwähnt wird, dann aber immer klarer ans Tageslicht tritt.

Habsburg versucht, durch die Figur der Lena den Lenz in die heutige Zeit zu holen. Einige moderne Attribute wie SMS, Facebook und Google Maps helfen dabei. Dazwischen blickt der Leser auf Sätze und Bilder aus Büchners Original. Lenas Hang zum Wahnsinn wird in der Erzählung von Habsburg auf einen Bruch in ihrem Leben zurückgeführt, die Hinwendung zu Lenz resultiert aus diesem. Das hebt Lena von Lenz ab, bei welchem der Ursprung für seine Krankheit im Dunkeln bleibt. Es bleibt ein gewisses Fragezeichen ob der Plausibilität des Ganzen zurück. Zwar versteht man schlussendlich die Besessenheit von Lena in Bezug auf Büchners Lenz, die gemeinsamen Wahnvorstellungen wirken fragwürdig und im vergleich zu Büchners Lenz bei Lena eher farblos.

Fazit:
Ein verwirrendes Buch über Verirrungen und Verwirrungen. Abgründig, geheimnisvoll und ausgefallen.

Zum Autor
Eduard Habsburg
Eduard Habsburg wurde 1967 geboren und studierte und promovierte an der KUL Eichstätt Danach schrieb er Drehbücher für Film und Fernsehen sowie Romane. 2006 lehrte er an der Hochschule Gaming und war 2007 Lehrbeauftragter für Philosophie an der theologischen Fakultät der Universität Lugano. Seit 2009 ist Eduard Habsburg Medienreferent von Bischof Klaus Küng in der Diözese St. Pölten. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Wien. Werke von Eduard Habsburg sind Die Reise mit Nela (2008) und Lena in Waldersbach (2013).

HabsburgLenaAngaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 123 Seiten
Verlag: C.H.Beck Verlag (22. Januar 2013)
Preis: EUR  14.95 / CHF 22.40

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