TurgenjewVäterSöhneIm Frühling 1859 reist Arkadi, der an der Universität in Petersburg soeben den Grad eines Kandidaten erworben hat, nach Hause in den Süden aufs väterliche Gut. Begleitet wird er vom Nihilisten Basarow, einem Medizinstudenten aus ärmlichen Verhältnissen, der sich durch einen strebsamen und streitbaren Charakter auszeichnet: immer auf Konfrontationskurs. An allem und jedem findet er etwas auszusetzen, Arkadis Onkel, der auch auf dem Gut lebt, ist zu nobel, sein Vater zu romantisch, die Gesinnungen der beiden älteren Herren sind nicht mehr Zeitgemäss  – eigentlich die der ganzen Welt.

“diese alten Romantiker! Entwickeln ihr Nervensystem zu äusserster Sensibilität… tja, und dann ist das Gleichgewicht dahin.“

Es erschüttert den sich in seiner Ablehnung von allem und jedem gefallenden Basarow in den Grundfesten, als er sich in die schöne Wittwe Anna verliebt, die seine Liebe noch dazu nicht erwidert. Dass sich Arkadi ebenfalls in dieselbe Frau verliebt hat, treibt zudem einen Keil in die Freundschaft der beiden Männer.

Turgenjew ist es gelungen, in einer leichten und lockeren Erzählweise, die immer mit einer Prise Humor und philosophischem Gespür versehen ist, ein Abbild der Zeit zu zeichnen. Ohne den Moralfinger zu heben, weist er auf die Missstände in Russland in der Mitte des 19. Jahrhunderts hin, beleuchtet die Sorgen und Ängste der Menschen, den Konflikt der Generationen. Turgenjew überzeugt des Weiteren durch plastische Figuren mit stimmigen Charakteren. Er versteht es, die Beweggründe ihres Handelns, Fühlens und Denkens offenzulegen, ohne zu psychologisieren.

Ganna-Maria Braungardt ist es zu verdanken, dass dieser wunderbare Roman in einer neuen, zeitgemässen Übersetzung erscheint. Ein ausführlicher Anhang rundet das Buch ab. Ein Personenverzeichnis mit den –oft verwirrenden und vor allem vielen – Namen der im Roman vorkommenden Figuren und deren Beziehungen untereinander erleichtert das Verständnis, ein informatives Nachwort liefert Hintergründe und Erklärungen zum Roman.

Fazit:
Grosse Literatur: Ein flüssiger und lockerer Erzählstil, der mit Humor und philosophischem Feingefühl ein Abbild der Gesellschaft Russlands im 19. Jahrhundert zeichnet – Genuss pur und absolut empfehlenswert.

Zum Autor
Iwan Turgenjew
Iwan S. Turgenjew, geb. 1818 in Orel, gest. 883 in Bougival bei Paris gestorben, stammt aus altem Adelsgeschlecht. Nach dem Studium der Literatur und der Philosophie in Moskau, St. Petersburg und Berlin war er für zwei Jahre im Staatsdienst tätig. Danach lebte er als freier Schriftsteller und verfasste Erzählungen, Lyrik, Dramen, Komödien und Romane. Turgenjew gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des russischen Realismus und zählt zu den großen europäischen Novellendichtern. Seine Novellistik bedeutet einen Höhepunkt der Gattung in der russischen Literatur.

Angaben zum Buch:
Gebundenes Buch: 336 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (8. Dezember 2017)
Übersetzung: Ganna-Maria Braungardt
ISBN-Nr.: 978-3-423-28138-6
Preis: EUR  26 / CHF 36.90

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Wer sich vom Roman überzeugen will, findet HIER eine Leseprobe.

Im Sommer 1840 reist Sanin, ein junger russischer Gutsbesitzer durch Europa, um das Leben noch zu geniessen, bevor er in Russland in den Staatsdienst eintritt. Am letzten Ort seiner Reise, in Frankfurt, kurz vor seiner Rückreise nach Russland, für die er gerade noch so viel Geld hat, wie er eben braucht, trifft er Gemma. Die junge Konditorstochter ist das wohl Schönste, was er je gesehen hat.

Er sass seitwärts, etwas hinter ihr, und dachte bei sich, dass keine Palme, selbst nicht in den Gedichten Benediktows, der damals Mode war – es mit der Schönheit ihres schlanken Wuchses aufnehmen könne; und wenn sie bei gefühlvollen Stellen den Blick erhob, so schien es ihm, als gäbe es keinen Himmel, der sich vor diesem Blick nicht öffnen müsste.

Sanin ist hin und weg, was dem Leser mehr aufzufallen scheint als ihm selber. Dass er erfahren muss, dass die schöne Angebetete bereits einem anderen versprochen ist, betrifft ihn zwar, stürzt ihn jedoch nicht ins Elend.

Auf einem Ausflug, den die jungen Leute, Gemma, deren Bruder, ihr Bräutigam und Sanin, gemeinsam machen, wird Gemma von einem Offizier ungebührlich angesprochen, worauf Sanin ihre Ehre verteidigt – was deren Bräutigam sträflich vernachlässigt (wie so vieles mehr, was sich für einen aufmerksamen und zugewandten Bräutigam gehörte) –, worauf sich Sanin mit einem Duell konfrontiert sieht und der Bräutigam mit der Entlobung. Es kommt, wie es kommen muss, Gemma und Sanin finden zusammen, der Liebesbeschreibungen sind die wohl schönsten zu lesen, die man sich nur vorstellen kann.

…was ich Ihnen jetzt sagen muss – das ist: Ich liebe Sie! Ich liebe Sie mit der ganzen Leidenschaft eines Herzens, das zum ersten Mal liebt! Dieses Feuer hat sich plötzlich in mir entzündet, aber mit einer solchen Macht, dass ich keine Worte dafür finde!

Man ist geneigt zu sagen, dass er sie zum Glück hier doch gefunden hat.

Dass man als mittelloser Russe nicht einfach eine ebenfalls nicht auf Rosen gebettete Konditorstochter heiraten kann, die gerade einen vermögenden Kaufmann in den Wind geschlagen hat, versteht sich von selber. Hilfe naht in Form einer schönen, reichen Frau, die Sanins Gut abkaufen und ihm damit das nötige Geld verschaffen will. Allerdings ist dieses Ansinnen nicht ganz uneigennützig. Die Geschichte nimmt ihren Lauf, sie ist zum Glück nicht ganz so tragisch, wie sie romantisch war, überleben immerhin alle. Nur wie, das ist die Frage, die hier nicht beantwortet wird.

Turgenjew zieht alle Register des Gefühls, der Beschreibung der Liebe, er legt die Hintergründe der Charaktere, deren Beweggründe ihres Handelns, Fühlens, Denkens offen. Frühlingsfluten ist pure Poesie in Novellenform.

 

Fazit:
Wunderschöne Literatur, poetisch, blumig, wunderbar zu lesen – Genuss pur und absolut empfehlenswert.

 

Zum Autor
Iwan Turgenjew
Iwan S. Turgenjew, geb. 1818 in Orel, gest. 1883 in Bougival bei Paris gestorben, stammt aus altem Adelsgeschlecht. Nach dem Studium der Literatur und der Philosophie in Moskau, St. Petersburg und Berlin war er für zwei Jahre im Staatsdienst tätig. Danach lebte er als freier Schriftsteller und verfasste Erzählungen, Lyrik, Dramen, Komödien und Romane. Turgenjew gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des russischen Realismus und zählt zu den großen europäischen Novellendichtern. Seine Novellistik bedeutet einen Höhepunkt der Gattung in der russischen Literatur.

 

Angaben zum Buch:
TurgenjewFrühlingsflutenTaschenbuch: 185 Seiten
Verlag: Insel Taschenbuch Verlag (24. Januar 2000)
ISBN-Nr.: 978-3-458-34304-2
Preis: EUR 9.95 / CHF 4.40

 

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