Das Herz hat Gründe, die der Verstand nicht kennt

Heute stolperte ich über einen Spruch, den ich schon lange mit mir trage, der mir in vielen Situationen immer wieder begnet ist – und heute eben wieder. Es wird Zeit, ihn gründlicher anzuschauen. Da ich denke, dass der wirkliche Sinn sich nicht an einem Tag, in einem Augenblick erschliesst, werde ich das in Etappen tun.

Der erste Gedanke zu dem Spruch:

Höre auf dein Herz, denn es kennt Wahrheiten, die der Verstand nicht erfassen kann. In deinem Herzen ist vieles von dir drin, das du nicht benennen, nicht wirklich erkennen kannst, das aber dich und dein Fühlen, Denken, Handeln ausmacht. Dein Herz kennt Antworten, die du mit allen Argumenten nicht geben kannst. In dem Zusammenhang lässt sich auch der Fuchs im kleinen Prinzen zitieren: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Als Kopfmenschen, wie wir es heute oft sind, versuchen wir, die Welt mit dem Verstand zu erfassen. Wir versuchen alles, was uns begegnet, verstandesmässig einzuordnen, zu qualifizieren und danach zu handeln. Das ist durchaus sinnvoll, da wir so auch gewisse Lerneffekte nutzen können und nicht ständig dieselben Fallen neu beehren. Es gibt aber sicher auch Bereiche, in denen der Verstand mehr Unruhe stiftet als Klarheit bringt. Gerade in Liebesdingen ist dies der Fall. Nun wäre ich die letzte, die sagt, man solle den Verstand ausschalten, nie. Aber: zuerst muss das Herz sprechen. Sagt es ja, folge ihm. Der Verstand kann dann ab und an als Kontrollinstanz einspringen, grundsätzlich ist es aber nicht sein Bier (wundervolle Theorie).

Grundsätzlich denke ich – und lese aus dem Spruch wie aus der Aussage des Fuchses: Wenn dein Herz dir etwas sagt, folge ihm. Dein Herz hat Gründe und die liegen tief in dir, sind quasi deine Kernbedürfnisse. Ihnen zu widersprechen hiesse, dich in deinem Kern zu verneinen.

Fortsetzung folgt…

Wettrennen

Beim stöbern durch die Medienlandschaft (das klingt immer noch besser, als wenn ich schriebe: als ich den Blick las) stiess ich auf eine Nachricht, wonach in der Schweiz immer öfter Menschen Schlange stehen, um Läden als erste zu stürmen.

Früher hauptsächlich bei Appleshops (ok, einigermassen nachvollziehen, wenn denn) greift das Tun um sich und so sieht man bei Neueröffnungen oder bei Ankündigung bestimmter Aktionen Menschentrauben vor der Tür stehen und warten, bis diese sich öffnet.

Was hat es auf sich damit? Wieso will man als erster in einem neu eröffneten Laden stehen? Sieht der am ersten Tag zur ersten Minute anders aus als nachher? Damit man sagen kann: ich war vor dir drin? Hofft man, als erster Besucher in der Ortspresse zu erscheinen, am Besten noch mit Bild (Gott bewahre, Grund genug, das nicht sein zu wollen)? Vielleicht übt man auch für einen neuen Eintrag ins Guiness Buch: die meisten Läden als Erster gestürmt. Oder man hofft auf ein Willkommenspräsent?

Vielleicht hat das gemeinsame Anstehen auch etwas Verbindendes und man sucht so die Kontakte der Mitmenschen, indem man gemeinsam dastehen , ungeduldig warten , die Ungeduld mit ein paar spassigen Bemerkungen überdecken kann. Oder man war nur ganz zufällig da (so wie ich immer zufällig den Blick lese) und musste Kraft tanken, deswegen blieb man stehen – und just öffnete die Tür, so dass man dachte: „Wenn ich schon mal hier bin, kann ich auch gleich rein.“

Oder man denkt, wenn ich heute nicht rein gehe, ist er morgen weg und ich hätte die Chance meines Lebens verpasst? Könnte nicht sagen, dass man auch drin war, als er noch stand, was die nun verpasst hätten, die eben nicht drin waren?

Irgendwie scheint mir, dass das, was früher mal verpönt war, heute in wird. Früher machte man seine Spässchen über die Omas, die morgens um Viertel vor acht schon vor der Migros standen und wartete, dass die eine Viertelstunde später öffnet. Heute ist es cool, wenn man das macht. Oder ist Saturn cooler als Migros? (ok, Apple ist cooler….ich möchte aber betonen, ich stand auch da noch nie vor der Tür, um reinzustürmen).

Und nun – hier kommt die Antwort, wieso es so ist: Ich habe keine Ahnung. Ich begreife es schlicht nicht. Ich habe ohne Anstehen noch jede Aktion gekriegt, die ich wollte (oder will ich nur das, was niemand sonst haben will???), war noch in jedem Shop, den ich betreten wollte – nicht als Erste, aber der stand auch nach einem Tag noch genau da, wo er am ersten Tag stand.

Um Antworten wird gebeten, ich möchte doch auch verstehen…

Loslassen

„Wenn du etwas liebst, lass es los. Kehrt es zu dir zurück, gehört es zu dir.“

So oder ähnlich geht ein bekannter Spruch. Im ersten Moment ist man versucht, zu sagen: wieso geht es denn weg, wenn es zu mir gehört? Doch genau da liegt wohl das Problem. Wenn wir etwas lieben, versuchen wir es krampfhaft zu halten. Wir denken, ohne das (oder den) nicht leben zu können oder wollen, haben grosse Angst, genau das (oder den) zu verlieren.

Sehen wir die Liebe in Gefahr, kriegen wir Angst. Aus dieser Angst heraus klammern wir uns an das Geliebte. Wird die Angst grösser, fangen wir an, um uns zu schlagen, versuchen alles nur erdenklich mögliche, nur nicht das einzig rational Richtige: loslassen. Wir können nicht erzwingen, wer mit uns zusammen sein will. Wir können dessen Liebe weder erzwingen noch beeinflussen. Was wäre das für eine Liebe, wäre der andere nur da, weil wir es uns so wünschen?

Indem wir nun krampfhaft etwas zu halten versuchen, entfernen wir uns von uns selber, weil wir in einer Weise agieren, die uns gar nicht entspricht, einfach, weil wir aus einer Angst heraus um uns schlagen. Genau so werden wir aber das, was wir lieben, verlieren, weil dieses uns nicht mehr erkennt, plötzlich etwas gegenüber steht, das es so nie wollte.

Wenn das Geliebte weg ist, sehen wir uns in unserer Angst bestärkt. Wir denken, dass die Angst begründet war, wir nur zu wenig getan haben, es zu halten. Aber genau das Gegenteil ist der Fall: wir haben zu viel – und vor allem das Falsche – getan.

Leider ist man im Ernstfall selten kühl denkend und rational. Die Emotionen kochen hoch, die Gefühle schlagen Purzelbaum, das Innerste dreht sich einmal um die eigene Achse, um danach wie nach einer Achterbahnfahrt völlig zerzaust und durcheinander wieder runter zu kommen. In der Situation wäre es gut, erst durchzuatmen, tief Luft zu holen, alles wieder zur Ruhe kommen zu lassen – und dann nachzudenken.

Wir arbeiten daran – denn schliesslich: Selbsterkenntnis ist der beste Weg zur Besserung 🙂

Was aber trotzdem zu bedenken ist: niemand ist perfekt. Es sind gerade die kleinen Schwächen, die einen Menschen ausmachen. Und je besser man den Menschen kennt, desto besser kann man damit auch umgehen – wenn man ihn nur liebt. Und das eben auch will. Wenn man ihn an den Schwächen aufhängt, dann ist man wohl auch selber nicht bereit. Denn vielleicht fürchtet man dann auch die eigenen Schwächen – und daran aufgehängt zu werden. Das wäre dann aber keine Liebe, denn Liebe ist nachsichtig und verzeiht. Nicht alles, aber viel.

Des Schweizers Schweiz

Ich gebe zu, ich habe es wieder ganz per Zufall gefunden (ok, langsam glaubt das niemand mehr – also: lese Feindes Nachrichten, dann schätzt du die eigenen 😀 ). Und zu meiner Verteidigung, ich habe den Artikel nicht gelesen, nur den Titel…

Die Schweizer mögen die Schweiz nicht mehr

Was ist falsch an Parolen für das Land? Agieren die Schweizer frei nach dem Motto, dass der Prophet im eigenen Land nichts taugt und glauben nicht mehr an eine gute Zukunft? Stehen sie – SVPlern befürchten es – den ausländischen Hilfsprojekten näher als dem eigenen Leid? Wieso unterstützen die Schweizer keine die Schweiz unterstützenden (oder es zumindest sagenden) Parteien?

Vielleicht hat es sich irgendwann mal ausgeschweizt, wenn man sieht, wie die gegen Ausländer schimpfenden Politiker in ihren eigenen Betrieben viele solche engagieren? Wie diese ins Ausland expandieren und von dessen Konditionen profitieren?

Vielleicht vertreten einige dieser Parteien auch zu veraltete Werte, denen heute kaum mehr wer zustimmen kann? Selbst wenn Frau am Herd bleiben wollte, reicht oft das Geld nicht für diesen Stehplatz, sprich, die gute Hausfrau ist gezwungen, den Herd zu verlassen, um Brötchen auf den Tisch zu bringen.

Vielleicht ist eine Wirtschaftspartei in Zeiten der bröckelnden Wirtschaft auf verlorenem Posten und kann sich noch so für eine Schweiz einsetzen, wenn der Normalbürger in der Presse nur von Wirtschaftsuntergang und Bankenkrisen liest? Vermutlich will er dann die Vertreter derselben nicht noch unterstützen?

Und auch die christlichen Werte scheinen am bröckeln, was nach dem Kirchenbesetzersterben nicht verwundert. Wieso? Weil auch da nicht mit der Zeit gegangen wird?

Die Frage, die sich stellt: ist wo nicht Schweiz drauf steht nicht doch Schweiz drin? Ist „ich bin für die Schweiz“ für eine Schweizer Partei eine aussagekräftige Botschaft oder bräuchte es nicht vielleicht ein wenig mehr, um zu punkten? Wäre es italienischer Wahlkampf und einer schriebe: „Ich setze mich für eine leistungsstarke Schweiz ein“ wäre dem ganz klar zuzujubeln. Aber für eine Schweizer Partei wäre das ja eigentlich normal. Was sonst sollen unsere Politiker machen, als für den Erhalt unseres Landes dazusein?

Vielleicht können wir das Wahlergebnis als gute Nachricht sehen: die leeren Worte verlieren Wirkung, Inhalte sind gefagt – wirkliche Inhalte.

Und dann haben sich die Schweizer wieder lieb und wählen auch die Politker, die die besten Inhalte präsentieren. (Ich enthalte mich hier der Meinungsäusserung, wer das sein soll – denn deren Freiheit beinhaltet auch deren Enthaltung 🙂 )

Das Leben – im Innen und im Aussen

Thomas Mann sagte einmal, dass er, wenn er schreibt, überall auf Dinge und Themen stösst, die mit seinem Schreiben zu tun haben. Das Thema seines Schreibens wiederholt sich im Aussen. Oft erkennen wir im Aussen etwas wieder, das uns im Innern umtreibt. Heute gefunden: ein Lied von Udo Jürgens:

http://www.youtube.com/watch?v=N3r2MBtIUgI

Der Text dazu:
Du sagst, du bist frei
und meinst dabei
du bist alleine.
Du sagt, du bist stark
und meinst, du hast
noch ein paar Träume.
Jeder Blick aus deinen Augen
ist ein stummer Hilfeschrei –
mir geht es genau wie dir,
du kannst ruhig ehrlich sein.

Du sagst, dir geht’s gut,
jedoch das klingt
bei dir so bitter.
Wenn ich dich berühr‘,
ist mir als spür‘
ich, daß du zitterst.
Deine Seele ist voll Narben,
du hast Angst, sie brechen auf.
Vergrab‘ dich in meinem Arm,
ich schütze dich
so gut ich kann.

Gib‘ mir deine Angst,
ich geb‘ dir die Hoffnung dafür.
Gib‘ mir deine Nacht,
ich geb‘ dir den Morgen dafür.
Solang‘ ich dich nicht verlier‘,
find‘ ich auch einen Weg mit dir.

Schau‘ mir ins Gesicht,
ich suche dich
in deinem Schweigen.
Noch fällt es uns schwer,
das was wir fühlen,
auch zu glauben.
Doch ich will mit dir versinken,
bis uns beide nichts mehr trennt.
Und wenn dich die Kraft verläßt,
vertrau‘ auf mich
und halt‘ dich fest.

Gib‘ mir deine Angst,
ich geb‘ dir die Hoffnung dafür.
Gib‘ mir deine Nacht,
ich geb‘ dir den Morgen dafür.

Gib‘ mir deine Angst,
ich geb‘ dir Gewißheit dafür.
Gib‘ mir deinen Traum,
ich geb‘ dir die Wahrheit dafür.
Solang‘ ich dich nicht verlier,
find‘ ich auch einen Weg mit dir.

Gib‘ mir Zuversicht,
die all meine Zweifel besiegt.
Gib‘ mir das Gefühl,
daß es ein Zuhaus für mich gibt.

Gib‘ mir deine Angst,
ich geb‘ dir die Hoffnung dafür.
Gib mir deine Nacht,
ich geb‘ dir den Morgen dafür.

Solang‘ ich dich nicht verlier,
find‘ ich auch einen Weg mit dir
mit dir
mit dir
mit dir

Eigentlich wäre der Blog dazu da, meine eigenen Gedanken niederzuschreiben, allerdings: wenn er es schon so perfekt getan hat? Was soll ich noch? Wiederholen, dass ich oft Angst habe? Meine Freiheit liebe und sie sich doch oft so einsam anfühlt? Von Träumen fasle und doch oft Leere spüre? Nach Halt mich sehne und doch immer stark sein muss? Und überhaupt: wenn ich all das zugäbe, wären da nicht all die, welche sich freuen würden über die Schwäche, über das Versagen? Muss man nicht ständig stark sein, Haltung bewahren, lächeln, sagen: es geht mir gut… Und wenn einem wer ans Bein pinkelt, das zweite Bein hinhalten? Um ihm ja keinen Triumph zu gewähren, sondern Oberhand zu behalten.

Und dann? Kommt man heim. Ist allein. Die Haltung fällt. In sich zusammen. Zurück bleiben Leere, Einsamkeit, Schwäche. Und ein nasses Bein. Wie gut klangen Freiheit, Träume und Haltung.

Und dann möchte man aufspringen, sagen: lasst mich alle in Ruhe, ihr Beinpisser, verpisst euch und entleert euch wo anders. Bleibt mir vom Leib und kommt nie mehr wieder. Und man hofft, durch diesen Rundumschlag zur Ruhe zu kommen. Für sich, im Leben. Man hofft, dass dann Erleichterung eintritt. Und kurz kommt auch ein Triumph auf, man fühlt sich stark, man hat etwas bewegt. Hat sich behauptet. Man war so frei…

Udo singt von einer Seele voller Narben, bei denen man fürchtet, sie brechen auf. Leider tun sie das meist durch die Menschen, die einem nahe gehen. Und genau die sind es ja, in deren Arme man sich vergraben möchte. Und genau die sind es, die einen am tiefsten treffen können. Und damit neue Wunden kreieren, aus denen wieder Narben werden. Und irgendwann wird die Angst so gross, dass man von vornherein mauert, um ja keine Wunden zulassen zu müssen. Und wenn man nur die Möglichkeit einer Wunde sieht, geht man zum Mauerbau über, macht zu. Und verbaut sich wohl damit die Arme…

…ich bin so frei…

Der Sünder und das Opfer – oder: was ist fair?

Manchmal tut man was im Leben, unbedacht vielleicht, aus einer Laune heraus, ohne wirklichen Hintergrund und tritt damit jemandem auf die Füsse. Sobald man es merkt, tut es einem leid, man würde, könnte man die Zeit zurück drehen, es rückgängig machen, hat aber keine Chance, passiert ist passiert.

Nun könnte man es dabei bewenden lassen, sagen, es tut mir leid, sagen, es war keine Absicht, hatte nichts zu bedeuten (je nachdem, was es war, es gibt ganz klar Dinge, die nicht entschuldbar sind, so die richtig grossen). Der andere könnte einsehen, dass es nur eine blöde Laune war. Er kann aber auch all seine Ängste reinlegen, all seine Verschwörungstheorien, kann in die kleine Tat viel grossen Hintergrund, gegen sich gerichtet, interpretieren und sich fortan als armes Opfer fühlen. Und leiden. Und in dem Leiden den anderen als bösen Sünder deklarieren, der nichts mehr tun kann, um Abbitte zu leisten. Jeder Versuch wird im Keim erstickt: Nein, ich leide.

Der Sünder fühlt sich immer schlechter, fühlt sich unverstanden, fühlt sich schuldig, jemanden verletzt zu haben, fühlt sich mehr und mehr auch wütend, weil er gar keine Gelegenheit hat, sich zu rechtfertigen. Er wird abgestempelt ohne Recht an seinem Unrecht, welches so gross gar nicht war meistens, sondern nur instrumentalisiert wird, um Fronten zu schaffen. Um eigenes Drama ausleben zu können. Und selbst wenn man wirklich leidet, so wird das Leiden, das ja selbst geschaffen ist, nicht besser dadurch, in dem man es im eigenen Kopf die Spirale raufklettern lässt.

Aber: Das Opfer sieht das anders. Es ist Opfer – es hat alle Rechte. Der andere ist Sünder und hat damit seine Rechte verspielt. Der soll sich nun schön schuldig fühlen, in seinem Sumpf suhlen und warten, ob und wann die Welt wieder dreht für das Opfer. Wann das Opfer sich gnädig zeigt und grosszügig verzeiht. Natürlich nicht ohne noch viel Dankbarkeit für diese grosszügige Geste zu erwarten, schliesslich springt es ja grad ganz gehörig über seinen Schatten.

Ist das fair? Nun, was ist schon fair. Grundsätzlich wohl, wenn zwei Menschen dieselben Rechte haben und die Möglichkeit, sie auszuleben. Wenn der eine ein Recht auf sein Leiden hat, so sollte dies auch dem andern zugestanden sein. Vor allem sollte jeder das Recht haben, gehört zu werden. Das ist auch die Basis jeglicher Kommunikation und Auseinandersetzung sonst – im Guten wie im Schlechten. Nur wenn beide hinhören, was der andere sagt, denkt, fühlt, meint, kann man wirklich DARAUF antworten. Sonst dreht man sich in der eigenen Spirale von Meinungen und Gedanken, die oft mit dem, worum es geht, wenig zu tun haben. Man legt all seine Muster, seine vergangenen Verletzungen, seine Erfahrungen der Vergangenheit in eine kleine Sache und bläst sie damit auf zu einem allumspannenden Etwas, das zu umgehen kaum mehr möglich ist. Und man setzt sich mitten rein und sieht die Welt in diesem Licht – nicht mehr erstrahlen, sondern man geht darin unter.

Ab und an würde es helfen, einen Schritt hinaus zu treten, hinzusehen, sich zu fragen: Was ist eigentlich wirklich passiert? Was hat der andere wirklich gemacht? Und was habe ich mit Gedanken und Gefühlen hineingelegt? Wenn das mal passiert ist, kann man weiter gehen und den andern fragen (wichtig, denn nur er weiss es), was er sich dabei gedacht hat. Klar sind die eigenen Gedanken nicht mundtot gemacht, sie werden gegen die des andern antreten, diese umzustossen versuchen. Aber: hat der andere nicht doch mehr Ahnung von dem, was er selber tut, als man es selber hat? Und wenn man es nicht mal schafft, ihm seine Motivationen und Hintergründe zu glauben: was bleibt dann noch? Und vor allem: mit welchem Recht schiebt man sich selber alle Wahrheit und dem andern alle Lüge zu? Wie wäre es im umgekehrten Fall? Wie würde ich mich im umgekehrten Fall fühlen, wären die Vorzeichen vertauscht?

Darauf baut Rawls „Gerechtigkeit als Fairness“ auf: unter einem Schleier des Nichtwissens, wenn man nicht weiss, wo man steht in einem Gefüge, muss man entscheiden, was für alle davon Betroffenen fair und gerecht wäre. Denn wenn man nicht weiss, welche Position man einnimmt, wird Gerechtigkeit etwas sein, das für alle da ist, nicht nur für die einen. Es wäre schön, wenn dieser Gedanke auch im Alltag bewusster gelebt würde, man auch mal aus seiner Warte heraustreten könnte und dem andern seinen Raum zugestehen würde.

Ich bin wertvoll

Heute bin ich – natürlich ganz zufällig, da ich nie bewusst Blick lesen würde, ich doch nicht, nein nein nein – über eine Meldung gestossen: John Lennons Backenzahn, kariös ist er noch dazu, wird für 10’000 Pfund versteigert.

Beweis: http://www.blick.ch/people/international/wer-will-fohn-lennonf-fahn-185168

Erste Reaktion: ungläubiges Lachen
Zweite Reaktion: ich lache immer noch
Dritte Reaktion: WTF??

Wer will einen Zahn eines anderen haben? Schon genug, dass man all die Zähne seiner Sprösse aufbewahren muss, will man eine gute und interessierte Mutter sein, aber fremde Zähne? Und dann nicht mal wiederverwendbar, nein, der Zahn ist kariös. Was will ich damit? In der (nicht vorhandenen) Vitrine im Wohnzimmer ausstellen? Dazu wäre er wohl zu wertvoll. Im Glas neben dem Gebiss einlagern, damit niemand Lunte riecht? Ihn trotz Karies einpflanzen und hoffen, dass ein wenig der Genialität des Originalträgers auf mich überschwappt? Vielleicht ist die aber auch durchs kariöse Loch entwichen – oder noch schlimmer: sie war gar nie im Zahn..

Vierte Reaktion: ich habe auch Zähne…

Ob die wer haben will? Pro Backenzahn 10’000 Pfund – ok, weil ich es bin nur 5000 Pfund – macht (Mist, wieso habe ich mir die Weisheitszähne gezogen??? Der Schuft von Zahnarzt, der hat sie wohl nun versteigert und bei mir noch fürs Ziehen abkassiert – schlechte Welt)… bis wohin sind es Backenzähne und ab wo fangen die andern an? Und würden die andern mehr bringen? So ne schöne Frontschaufel ist doch was Nettes.

Nun, ich denke, die will wohl niemand haben, nicht so wie John Lennons. Auch wenn ich trotz all meinen Gedanken noch immer nicht weiss, wozu fremde Zähne gut sein sollen. Aber man muss ja nicht alles verstehen auf dieser Welt.

Du musst eim Schwein sein…

…in dieser Welt. So singen sie in einem bekannten Lied und ab und an scheint es, sie haben recht. Wenn ein anderes Lied behauptet, Männer seien Schweine, die nur das eine wollen, dann könnte man sagen, auch das hat was Wahres, wobei natürlich niemals alle so sind. Aber es soll sie geben, diese Schweine. Die Schwierigkeit dürfte dann wohl darin bestehen, herauszufinden, wer denn nun das Schwein ist und wer es ehrlich meint. Wobei: auch Schweine meinen es wohl ehrlich – für sich selber, nicht für die andern. So oder so: darauf angesprochen wird dir jeder mit grossen Augen und beleidigter Stimme sagen, dass ER ganz bestimmt kein solches sei, dass er tief getroffen sei. Das kehrt den Spiess und man fühlt sich schuldig. Wobei, umkehren tut es den Spiess wohl nicht, denn sonst müssten sich die Schweine auch schuldig fühlen. Das tun sie wohl kaum, im Gegenteil, sie feiern einen Triumph.

Worin nun besteht dieser Triumph? Sie haben gekriegt, was sie wollten, der Zweck heiligt – sagte schon Macchiavelli – die Mittel und ergo: sie haben alles richtig gemacht. Wieso also fühlt man sich als vom Schwein schweinisch behandelter Mensch schlecht? Weil man selber unterlag? Etwas anderes wollte? Jemandem traute, der andere Interessen hatte, als eben die, welche er behauptet hat? Wie fühlt sich wohl so ein Triumph an? Andauern kann er nicht, denn sonst könnte man aufhören mit dem Spiel. Aber man wiederholt es ja – immer und immer wieder, wohl mit abnehmender Befriedigung. Oder fühlt man sich noch besser? Schweinekönig quasi durch steigenden Erfolg?

Und nun? Was macht man damit? Zurück zahlen? Denjenigen, andere auch schweinisch behandeln, selber zum Schwein mutieren? Nein, es gibt eine ganz andere Methode: weiter so leben und ehrlich bleiben, dann wird man im Falle einer Wiedergeburt in der Kette aufsteigen, während die anderen zu Schweinen mutieren – und dann hauen wir die alle in die Pfanne!

Ich habe noch Schweinsgeschnetzeltes im Kühlschrank 🙂 Was kochen wir denn heute???

http://www.youtube.com/watch?v=BWwhz4hPkSk

Der Böse und der Tod

Momentan steht ein Video von Gaddafis letzten Augenblicken im Netz. Man sieht ihn lebend, erst wenig, dann stark Blut überströmt, sieht, wie er von Pistolen bedroht wird und schlussendlich wird er wohl regelrecht hingerichtet. Das Gesicht verzerrt, das Blut überall.

Gaddafi ist tot. Erschossen. Hingerichtet.

Gaddafi war kein Engel, wahrlich nicht, er ist mit seinem Umfeld und vor allem seinen Widersachern hart ins Gericht gegangen, hat ein ganzes Volk unterdrückt und drangsaliert. Das werfen wir ihm vor. Nun hat man mit ihm quasi im Namen der humanitären Hilfe dasselbe gemacht? Ist das legitim? Heiligt der Zweck (welcher war es denn nun genau???) alle Mittel?

Einigen westlichen Machthabern kam Gaddafis Tod sehr gelegen, denn seine Einvernahme vor dem internationalen Gerichtshof hätte einige in ein schlechtes Licht gerückt. Stecken sie hinter der Hinrichtung? Wäre das legitim? Oder eine erweiterte Form von Selbstjustiz? Wer hat Dreck am Stecken, wer wäscht mit Persil? Ich denke, die Wahrheit ist komplizierter als dass er der Böse und seine HInrichter die Guten waren…. Für eine wirkliche Aufklärung wäre eine Gerichtsverhandlung gut gewesen, denn nun wird er in gewissen Kreisen Märtyrer sein, für andere das Böse schlechthin verkörpern. Und beides wird der Sachlage nicht gerecht.

Die Zeitungen sind voll mit Bildern des toten Gaddafi. Das Gesicht verzerrt, Blut überall. Darf man solche Bilder so öffentlich zeigen? Ist das pietätlos? Hätte auch ein Mann vom Format Gaddafis ein wenig Zurückhaltung verdient? Nehmen unsere Kinder Schaden an solchen Bildern? Zeugen sie von Gaddafis Tod und sind wichtig, um den Tod zu glauben? (Mein erster Gedanke: ist er wirklich tot oder ist das nur ein geschickter Schachzug?). Die Meinungen gehen auseinander. Die Bilder zu zeigen ist in meinen Augen nicht das Verbrechen, sie dokumentieren die Abgründe der menschlichen Seele (nicht nur Gaddafis….) – die leider realistisch sind. Klar würden wir unsere Kinder gerne von solchen Bildern fernhalten, sie vor der Grausamkeit der Welt beschützen. Leider ist das im heutigen Zeitalter der allumfassenden Medien kaum möglich. Wir können sie nur tragen auf dem Weg, die Realität zu erfassen mit all ihren Schrecknissen.

Zaudern, zögern und nicht trauen

Oft wagen wir nicht, uns zu öffnen, das zu sagen, was wir denken, fühlen, wollen, aus Angst, zurück gewiesen zu werden, das Gesicht zu verlieren, sich bloss zu stellen. Wir halten hinterm Berg mit dem, was in uns vorgeht, lassen es brodeln, wälzen in Gedanken die Worte, die wir so gern sagen möchten, halten die Hände im Zaum, dass sie das nicht tun, was sie gerne täten, nur um nicht die Blösse einer Abfuhr zu erhalten.

Was, wenn das, was ich denke, fühle, will, nicht erwidert wird? Was, wenn ich ausgelacht werde für das, was in mir vorgeht? Was, wenn ich falsch liege und mich zum Gespött mache? Oder schlimmer noch: was, wenn meine Gefühle ausgenutzt werden? Wenn ich zum Spielball werde und in der Folge leide, weil ich mein innerstes nach aussen gekehrt habe und es gegen mich verwendet wurde?

Die Gefahr besteht wohl immer, aber ein weiser Mensch sagte mir mal: wenn du etwas willst, dann sag es, steh dafür ein, nur so kriegst du es auch. Ich fand das sehr weise, nur fällt es mir immer wieder schwer, weil die Ängste tiefer eingebrannt sind als das Wissen um die Richtigkeit dieser Aussage. Wenn ich dann Lieder wie das:

http://www.youtube.com/watch?v=Vjw1t8xa1Cg&feature=related

oder

http://www.youtube.com/watch?v=XcP-mQdxAr8

höre, dann denke ich wieder: es ist eben doch so. Und selbst wenn ich gegen Mauern rennen würde, selbst wenn es weh tun würde: meine Gefühle waren echt und meine Gedanken die, welche ich hatte. Was daran soll falsch sein? Was ist so falsch daran, zu sich zu stehen? Wieso soll man Zurückhaltung üben, wenn doch alles in einem schreit „gogogo“? Entweder es passt oder es passt nicht, die Zurückhaltung wird es wohl kaum passender machen, ebensowenig das Zeigen unpassender.

Work in progress…

Von Gefühlen und anderen Wahrheiten

„Höre auf deinen Bauch, er wird dir sagen, was richtig ist!“ sagt eine altbekannte Weisheit. Doch: was sagt mein Bauch? Wie sagt er es? Wie höre ich es? Und wie weiss ich, dass es mein Bauch ist, der spricht, dass es nicht die Leber, Niere oder gar eine verinnerlichte Stimme einer Angst, eines andern ist? Was kann ich trauen? Was soll ich folgen?

Und: wenn ich schon solche Probleme habe, mir selber zu trauen, wie kann ich das einem andern? Wie weiss ich, ob er wirklich meint, was er sagt oder nur sagt, was er denkt, dass ich es hören will? Wann ist eine Aussage seine Bauchstimme und wann nur leeres Gerede? Und selbst wenn er sagt, was er fühlt, wer sagt, dass es andauert? Nicht eine Stimme des Moments ist? Was, wenn was heute noch wahr ist, morgen schon Schnee von gestern ist? Eine schöne Erinnerung, etwas, das mal war, nicht mehr ist?

Lebe im Jetzt, schau nicht zurück und nicht nach vorne. Nur das jetzt ist, alles andere ist blosse Illusion. So oder ähnlich sagt es die östliche Philosophie. Das klingt schön und einleuchtend. Ist es die Wahrheit? Oder gilt diese Wahrheit nur im Osten? Vielleicht geboren aus der Not, dass man da aus Gründen von Krieg, Armut, Knappheit an Gütern besser nicht nach vorne schaut, da dieser Blick Unglück verheisst? Oder ist es aber das einzig Richtige, da wir sowieso nur das Jetzt erfahren können, das Morgen nie so sein wird, wie wir es uns ausmalen, da das Ausmalen nur eine Wahrscheinlichkeitsrechnung, keine wirkliche Prophezeihung ist. Nun ist in der Philosophie alles Wissen Wahrscheinlichkeit, da wirkliches Wissen kaum möglich ist. Selbst in den genausten Wissenschaften wird gestriges Wissen immer wieder überworfen und heute gilt ein anderes. Also war das gestrige Wissen, das, was gestern als wahr und richtig erschien, kein Wissen, sondern eine Annahme mit grösstmöglicher Wahrscheinlichkeit – aufgrund des Standes von damals. Und genau so ist das, was ich heute höre von jemandem, das, was dieser heute denkt, dass es wahr ist – im besten Falle, von Lügen wollen wir ein anderes Mal sprechen. Was aber, wenn morgen eine andere Wahrheit wahr ist? Klar kann ich das nicht ändern, selbst wenn ich heute daran denke, dass es so sein könnte und mir damit schon das Heute kaputt mache. Vielleicht denke ich auch daran, um im glücklichen Heute nicht zu sehr abzuheben – dann wäre der Fall im anderen Morgen nicht so gross. Vielleicht habe ich auch nur Angst? Aufgrund von vergangenen Erfahrungen? Vielleicht hoffe ich so sehr, dass das wahr ist, was ich höre, weil ich will, dass es wahr ist, weil ich das, was ich höre, so gerne hören wollte und nun, da ich es höre, nicht mehr loslassen möchte?

Nun könnten wir den Bogen weiter spannen zur Aussage, dass man alles loslassen soll, weil nur dann das Leiden ein Ende hat und alles Verhaftetsein ins Leiden führe. Das wäre dann eine Yogaphilosophie. Und so fliegen wir von Philosophie zu Philosophie, hören in uns hinein und wieder hinaus in die weite Welt der Philosophien, bilden unsere eigenen Philosophien, um sie wieder zu verwerfen, hören wieder in uns hinein, was wir denn nun denken, glauben, hoffen. Und sind am Schluss wieder da, wo wir vorher waren, weil wissen tun wir nichts – wir können nur warten und hoffen und sehen, was da kommen möge – und wie es sich anfühlt. Und: dann auf unseren Bauch hören, was der dazu sagt. Und vermutlich – oder sehr wahrscheinlich – wird der Kopf auch noch was dazu sagen und schon haben wir sie wieder, die Stimmen, die wild durcheinander sprechen. Allerdings scheine ich nicht alleine damit, diese Stimmen hörten schon andere und haben sie sogar in Gedichte verpackt. Danke Herr Fried, für das wohl wahrste Liebesgedicht, das ich kenne.

Es weihnachtet sehr

Seit ein paar Wochen erhalte ich täglich die korrigierten Weihnachtswunschlisten meines Sohnes. Auf den Hinweis, dass es bis Weihnachten noch eine Weile hin sei und sich die Wünsche noch oft ändern könnten, kommt wenig bis nichts, höchstens ein verächtliches Schnauben ob so viel Unwissenheit und Weltfremdheit einer Mutter. Netterweise räumt der wünschende Bub die veralteten Zettel jeweils selber ab – wohl mehr zum Schutz seiner aktuellen Liste, als aus Ordnugnsbewusstsein und Tischkulturschutz meinereiner. So oder so, ich bin nun im Besitz des Zettels Nummer (gefühlt) 1845, vollgekritzelt (vollgeschrieben würde das Bild nicht treffen) mit irgendwelchen abstrus klingenden StarWars-Artikeln von Lego. Den Ausführungen des Heranwaschsenden, was es mit den StarWars-Figuren und -Schiffen und -Welten auf sich hat, bin ich schon lange nicht mehr gefolgt, ich weiss nur so viel, dass es Gute und Böse gibt und er die Bösen cooler findet. Ich weiss nicht, ob das gut ist. Wohl eher böse? Will ich ein böses Kind? Nein, mein Kind ist gut, das ist wohl der Gegenpol.

So weit so gut, Weihnachten wird kommen – und damit eine Invasion von StarWars-Raumschiffen inklusive böse Männchen (können Legomännchen böse sein? Und wenn ja, was machen sie dann? Mit mir?) Ein paar dieser Objekte haben wir ja schon, ein Schiff in voller Pracht, eines in Einzelteilen, weil das begeisterte Kind in seiner ungestümen Begeisterung drüber stolperte, was das gute (oder böse) Teil nicht verkraftet hat. Wie das Schiff dann im Weltall fliegen soll, wenn es schon solchen Kräften nicht standhält, konnte ich mir verkneifen zu fragen.

Immer noch gut so weit. Doch: wenn seine Weihnachten kommen, dann kommen meine ja auch… was wünsche ich mir denn? Darauf wurde ich gestern so ganz deutlich gestossen, als – Wunder über Wunder – just mein Lieblingslied lief:

http://www.youtube.com/watch?v=yXQViqx6GMY&ob=av2e

Ob ich nun meinem Sohn meinen Weihnachtswunschzettel bringen soll? Ich weiss es nämlich. Ganz genau. Es kam so über mich. Aber Wünsche soll man ja nicht verraten, sonst gehen sie nicht in Erfüllung. Ob das mit Weihnachtswünschen auch so ist? Und irgendwie ist Weihnachten sehr weit weg. So lange warten? Ich glaube, nun haben mein Sohn und ich etwas gemeinsam: wir warten nicht gerne. Weihnachten soll kommen. Jetzt. Sofort. Und wenn nicht? Dann höre ich nochmals das Lied… und nochmals… und nochmals…

Merry Christmas!

Was wäre wenn und hätte ich doch

Was wäre wenn traf auf hätte ich doch und fragte was hätte ich doch, was gewesen wäre, wenn was hätte ich doch getan hätte, was hätte ich doch hatte tun wollen, aber nicht getan hat. Hätte ich doch sagte darauf, dass es nicht wisse, wieso es nicht getan hat, was es hätte tun wollen, doch dass es immer daran denke, dass es hätte tun sollen, was es hatte tun wollen, weil es sich nun immer frage, was nun wäre, wenn es eben getan hätte, was es hätte tun wollen. Und so fragte hätte ich doch was wäre wenn, was denn nun wäre, wenn hätte ich doch getan hätte, was es hätte tun wollen, aber nicht getan hat. Was wäre wenn überlegte und sagte dann, dass es nicht wisse, was wäre, wenn hätte ich doch getan hätte, was hätte ich doch hatte tun wollen, da es nicht wisse, was hätte ich doch überhaupt hätte tun wollen. Zudem war sich was wäre wenn nicht sicher, ob hätte ich doch überhaupt hätte tun können, was hätte ich doch hätte tun wollen, denn schliesslich musste es ja Gründe gehabt haben, dass hätte ich doch getan hat, was es getan hat oder eben nicht getan hat, was hätte ich doch hätte tun wollen. Hätte ich doch wurde nachdenklich und sagte, dass was wäre wenn eigentlich recht hätte, dass man eben nie wissen könne, was wäre wenn, wenn man nicht getan hätte, was man hätte tun wollen, da man nicht mal wisse, ob man hätte tun können, was man hätte tun sollen oder wollen. Insofern sei die Frage, was wäre wenn, eine überflüssige, da da man nie sagen könne, was wäre wenn, hätte man getan. Was wäre wenn und hätte ich doch umarmten sich als überflüssig und lösten sich in Luft auf.

Wer bin ich?

„Das ist cool!“ sagt das Ich.
„Das ist doof!“ sagt das Ich.
„Pass bloss auf, das ist gefährlich!“ sagt das Ich.
„Nun stell dich nicht so an, das ist ganz leicht!“ sagt das Ich.
„Streng dich ein wenig an, so klappt das nie!“ sagt das Ich.

Wer bin ich? Und wer sind die anderen? Wenn ich mich entscheiden soll zwischen all den Stimmen, welches ist dann meine? Und welches ist das Ich, das darüber entscheidet? Und wenn ich entscheide und ich eine Meinung habe und noch andere Meinungen da sind, wo kommen die her? Oder bin ich viele und alles ist Ich – wer sind dann die anderen? Sind das die Geister, die ich rief, um eine ausgereifte Entscheidung treffen zu können? Und nun werde ich sie nicht mehr los, weil sie in meinem Kopf ihre Besenreitstunden vollführen? Sind das die Überbleibsel einer Wissenschaftsanhänglichkeit, die alles zu bedenken auferlegt hatte? Postscientificale Relikte – um es mit einem selbsterfundenen gut klingenden Wort zu benennen, wie es in ebendiesen Kreisen so gerne üblich ist? Klang vor Inhalt, Schein vor Sein. Wie so oft in dieser Welt.

Was ist eigentlich so schlecht am Schein? Kann nicht, was gut scheint, auch gut sein? Dann wäre ja Schein gleich Sein und insofern echt? Und irgendwo scheint ja das Sein immer, da erst durch den Schein das Sein sichtbar, scheinbar gesehen wird. Gäbe es also ohne Schein gar kein Sein? Oder würde es nicht gesehen, trotz seiner Existenz? Denn wenn es kein Sein gäbe, wäre ja nichts. Und auch das Nichts wäre nicht sichtbar. Die Frage, was Nichts wäre, sparen wir auf für einen nächsten Text, da dieser schon zu chaotisch ist. Wer sagt das eigentlich?
„Er ist chaotisch!“ sagt das Ich.
„Er ist kreativ!“ sagt das Ich.
„Er regt zum nachdenken an, also ist er!“ sagt das Ich.
„Er soll gelöscht werden, da er Unsinn ist!“ sagt das Ich.
„Er soll stehen bleiben, da er schon geschrieben ist!“ sagt das Ich.

„RUHE!!“ sage ich