ABC-Etüden: Ausbruch und Einkehr

Vor vier Jahren begann alles mit den ABC-Etüden. Damals schrieb ich meistens mit, irgedwann verlor ich das Ganze ein wenig aus den Augen. Pünktlich zum Jubiläum – happy Birthday und danke für die vielen unterhaltsamen Stunden – bin ich zurück und versuche es mal wieder. Ich schrieb schon damals mehrheitlich Gedichte, auch dieses Mal soll es eines sein:

Ausbruch und Einkehr

Mein Herz schlägt orange,
durchdringend als Hämmern,
das grundtief erschüttert
in mir die Welt.

Wie Lautsprecher dröhnt es,
von tief in mir drinnen,
und dringt mir durch Mark
und knochentief rein.

Ich sitze und frage
und weiss keine Antwort,
ich suche und haste
und stehe doch still.

Ich drehe im Kreis meiner
eignen Gedanken,
ich suche den Ausgang
und stecke doch fest.

Ein Beben, ein Schweben,
ein mich nicht erleben,
ein Tosen, ein Schlagen,
tief innen im Herz.

Ich möchte nur Ruhe,
ich lege mich nieder,
ich atme, ich presse,
ich krieg keine Luft.

Ich bin so verloren,
ich gehe mich suchen,
ich lege die Arme
zum Schutz um mich rum.

Und langsam fühl ich mich
tief in mir geborgen,
und finde den Atem und
damit auch mich.

©Sandra von Siebenthal

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Für die abc.etüden, Woche 30.18: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern. Die Wortspende für die Textwoche 3.4.21 kommt von Ulrike mit ihrem Blog Blaupause7

Sie lautet: Lautsprecher, orange, erschüttern

Der Ursprungspost:
https://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/01/17/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-03-04-21-wortspende-von-blaupause7/#like-10948

Gartengeschichten

Endlich war Frühling, die Vögel sangen, die Bienen summten, alles war Idylle pur – wenn nur die Blumen nicht getan hätten, was sie taten, denn die waren auf Krawall gebürstet. In täglichem Wettkampf streckten sie sich der Sonne entgegen, eine wollte schöner sein als die andere, jede besser gesehen werden als ihre Nachbarin. Kein Wunder, kam es dabei immer wieder zu einem Knospenkollisionskurs, bei dem die eine oder andere ein Blatt lassen musste. Das war es dann mit der eingebildeten Schönheit, zurück blieb nur ein gerupftes Blütengestrüpp.

Irgendwann merkten die Blüten selber, was sie sich gegenseitig antaten und wollten sich versöhnen. Sie hauchten sich durch die Luft Küsse zu, ganze Safranstaubkussspuren zogen von Blüte zu Blüte. Und da geschah das Wunder: Die besonders zerrupfte Iris erblühte plötzlich wieder in vollem Glanz. Als die Vögel das sahen, stimmten sie ihr Irisreinkarnationslied an.

Endlich war Frühling, die Vögel sangen, die Bienen summten, alles war Idylle pur.

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Illustration: ludwigzeidler.de

Dies ist eine neue Geschichte aus der Reihe „ABC.Etüden“ – dieses Mal für die Textwoche 17/17. Hier geht es zum Originalbeitrag: LINK

Regeln für die abc.etüden, Woche 17.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Frau Käthe (bittemito) und lauten:

Safranstaubkussspuren
Knospenkollisionskurs
Irisreinkarnationslied.