Eduard Mörike: Er ist’s

Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab’ ich vernommen!

Eduard Mörike schrieb dieses Gedicht 1829, es ist Teil des Werks Maler Nolten. Novelle in zwei Theilen (ein romantischer Künstlerroman). Mit diesem Gedicht ist Mörike eines der bekanntesten Frühlingsgedichte überhaupt gelungen, das seither in zahlreichen Anthologien erschienen ist.

Es ist ein kurzes Gedicht, umfasst nur neun Verszeilen, alle in einer Strophe. Sein Reimschema ist eher komplex (abbacdcxd), spiegelt aber den Inhalt in seiner Form auf. Die ersten vier Zeilen sind ein umarmender Reim, das Band und das Land nehmen die Lüfte und die Düfte in ihre Mitte. Danach wird es unruhiger. Ein Kreuzreim wird durch eine Waise unterbrochen. Während die ersten vier Zeilen eher Beobachtungen waren, wird es nun aktiv: Veilchen träumen, sie wollen sogar kommen. Dann ein Appell: Horch! Und nun wird der Frühling, um den es hier geht, direkt angesprochen. Er ist mit keinem anderen Vers durch einen Reim verbunden – er ist die Waise. Damit sticht er heraus aus all seinen Boten und steht dem lyrischen Ich personifiziert gegenüber.

Mörike erfasst den Frühling mit allen Sinnen. Er sieht die Farben, fühlt die Lüfte, die das Band flattern lassen. Er riecht süsse Düfte, hört die Harfen. Es fällt auf, dass der Frühling am Anfang personifiziert wird. Es ist ein erwarteter Freund, der endlich vor der Tür steht. Auch die Veilchen sind personifiziert, sie träumen von den Dingen, von denen wohl auch das lyrische Ich träumt. Dieses tritt erst in der letzten Zeile selber in Aktion, indem sich als den ausgibt, der all das, was die Frühlingsboten von sich gaben, vernommen hat.

Man fühlt den Frühling förmlich beim Lesen dieses Gedichts. Man sieht, wie das Blau des Bandes Farbe in die Welt bringt, die im Winter grau war. Während der Winter eher starr und kalt war, erwacht nun neues Leben. Es wird geträumt, Süsse liegt in der Luft, Blumen machen bald wieder die Welt bunt, bringen neues Leben. Und all das wird von einem leisen Harfenton begleitet.

Für einmal sind es nicht Vögel, die zwitschern, es ist eine Harfe, die klingt. In der Psychologie deutet man die Harfe als Instrument des Traumes, sie schafft Harmonie im Leben. Das würde zu den träumenden Veilchen passen. Spirituell führt die Harfe als Leiter in die kommende Welt. Das passt zum kommenden Frühling. Und so ruft denn auch das lyrische Ich nach dem Hören der Harfe aus:

Frühling, ja du bist’s!

Nun ist das Ich sicher, dass es alles richtig gedeutet hat.

Er ist’s ist ein hoffnungsvolles, optimistisches Gedicht. Es wiederspiegelt den Glauben an das Gute, das kommt. Der Frühling steht für Neuanfang, für neues Leben. Im Frühling erwachen die Dinge, die vorher schliefen. Frühling steht für den Auftrieb in der Welt. Das lyrische Ich freut sich auf den Frühling, es kann ihn kaum erwarten und man spürt wie Erleichterung, wenn es am Ende ausruft

Frühling, ja du bist’s!

Das Warten hat ein Ende, Freude herrscht..

Claudia Korthaus: Typografie und Layout (Rezension)

Schrift wirkt

Korthaus2Wenn ich an Layout und Typografie denke, geht meine Erinnerung weit zurück. Als Kind besuchte ich meinen Vater bei der Arbeit und lief dann zwischen seinen Bahnen Tischen durch, wo die einzelnen Seiten in Papierform lagen. Zu Hause hatten wir noch Bleisatz liegen. Seit da ist eine Menge passiert, die Arbeit passiert mehrheitlich am Bildschirm.

Es liegt auf der Hand, dass mein Interesse an der Typografie geblieben ist, auch wenn ich mich mehrheitlich mit dem Inhalt und weniger mit der Form beschäftige, so ist mir das Bild, der ästhetische Eindruck eines Textes immer auch wichtig.

Bei allem Wechsel im Bereich Gestaltung, ist der Grundsatz geblieben, dass Schrift Wirkung hat und man diese einsetzen sollte, um Inhalte zu transportieren.

Die Unterschiede und Ansprüche, die ein Werk entstehen und typographisch wachsen lassen, kann man grob unterteilen in

  1. den Inhalt, den es zu transportieren gilt, und
  2. die Lesart, mit der das Werk vom Leser erfasst wird.

Die Information, die Art des Werkes, bedingt gleichzeitig eine Lesesituation […]

Claudia Korthaus legt mit dem vorliegenden Buch ein Standardwerk vor – es ist zum 10-jährigen Jubiläum eine Neuauflage ihres Klassikers in Farbe. Unterteilt ist das Buch in 8 Kapitel:

  1. Basiswissen Schrift: Hintergründe, Schriftfamilien und Einteilungen von Schriften
  2. Das Zeichen: Bleisatz, Grösse und Räume
  3. Wort und Zeile: Ausrichtung, Zeilenlänge und –abstand sowie gängige Fehler
  4. Anforderung und Wirkung: Leseformen und die Wirkung von Schriften
  5. Die Seite: Raumaufteilung, Format, Raster und mehr
  6. Die Gesamtkomposition: Bild und Text sowie schmückende Elemente
  7. Typografie im Web und mobil: Unterschiede zwischen Print und Web, webtaugliche Schriften und mehr
  8. Schrifttechnologien

Den Abschluss macht ein Glossar, das die wichtigen Fachbegriffe nochmals aufgreift.

Korthaus3

Dieser Grundkurs sollte in keinem Regal von Layoutinteressierten und auch –profis fehlen. Es ist umfassend, gut lesbar geschrieben und schön illustriert. Die Theorie ist so gut nachvollziehbar und es werden auch häufige Fehler thematisiert sowie deren Umgehung.

Das Buch selber ist bester Beweis, wie schönes Layout aussieht, das Papier ist hochwertig, die Leimung ist gut, so dass mit dem Buch wirklich gearbeitet werden kann, ohne dass das Buch auseinander fällt.

Fazit:
Ein informatives, schön gestaltetes Standardwerk im Bereich Typografie und Layout. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Claudia Korthaus
Claudia Korthaus ist mit Leib und Seele Gestalterin: Seit ihrer Ausbildung zur Schriftsetzerin arbeitet sie in verschiedenen Bereichen rund um das Thema Gestaltung. Seit 1994 unterrichtet sie in der Druckvorstufe und arbeitet als Promoterin für verschiedene Software-Firmen. Sie arbeitet als Redakteurin und Autorin für Fachzeitschriften, hat bereits Bücher zum Thema Gestaltung und Design veröffentlicht und lehrt an der Hochschule der populären Künste FH (Berlin).

Angaben zum Buch:
KorthausTypografieBroschiert: 344 Seiten
Verlag: Rheinwerk Verlag (28. Juli 2016)
ISBN-Nr.: 978-3836240857
Preis: EUR 29.80 / CHF 42.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Claire Fuller: Eine englische Ehe (Rezension)

Was bleibt, wenn jemand aus seinem Leben verschwindet

Inhalt

Was ich liebe: wie wir damals waren und wie wir hätten werden können.

FullerEheIngrid, eine junge Literaturstudentin aus London, weiss, was sie will: Unabhängig sein, die Welt bereisen, Schriftstellerin werden. Diese Pläne sind bald vergessen, als sie sich in den älteren, attraktiven und sehr umschwärmten Literaturprofessor Gil Coleman verliebt. Spätestens als Ingrid schwanger ist, weiss sie, dass ihr Leben eine andere Bahn einschlagen wird.

Das Leben wird nicht leicht für Ingrid. Geldsorgen und ein untreuer Ehemann plagen sie. Meist ist sie mit zwei Kindern, Nan und Flora, allein in einem kleinen Ort an der englischen Küste. Weil der Schlaf ausbleibt, schreibt sie Gil Briefe, die sie in den Büchern der Bibliothek versteckt – und irgendwann verschwindet sie.

Die drei Zurückgebliebenen gehen unterschiedlich mit dem Verlust um. Nan, die ältere Tochter übernimmt tatkräftig die Mutterrolle, Flora und ihr Vater Gil pendeln zwischen der Hoffnung, dass Ingrid zurückkommt, und der Verzweiflung, dass sie tot sein könnte, hin und her.

Beurteilung
Eines der besten Bücher, das ich seit langem gelesen habe. Claire Fuller erzählt die Geschichte einer Familie einerseits aus der Sicht Ingrids durch ihre Briefe an Gil, andererseits aus Floras Sicht. So wird nach und nach das ganze Leben der vier aufgerollt und man sieht als Leser, wie alles kam, wie es heute, zum Zeitpunkt der aktuellen Handlung, ist.

Obwohl man wenig über die Äusserlichkeiten der einzelnen Figuren erfährt, werden sie durch ihre Handlungen, ihre Gedanken, plastisch und fast fühlbar. Man wird als Leser mehr und mehr in die Geschichte hineingezogen, lebt sie mit, will nicht mehr aus der Welt des Buches austreten, obwohl man zunehmend versteht, wieso Ingrid es durchaus wollte.

Eine englische Ehe ist die Geschichte einer Frau, die im falschen Leben gefangen ist und ausbrechen will. Es ist die Geschichte einer Liebe, die voller Hoffnung begann, wohl nie endete, und doch an einen Ort gelangte, an dem sie nie hätte ankommen sollen. Es ist die Geschichte zweier Mädchen, die mit der ganzen Situation überfordert waren und sind, und die ihren Weg, damit umzugehen, suchen mussten. Es ist aber auch eine Geschichte übers Schreiben

Geheime Wahrheiten[…] sind das Lebensblut des Schriftstellers. Eure Erinnerungen und eure eigenen Geheimnisse. Vergesst Handlungen, Charaktere, Struktur; wenn ihr euch Schriftsteller nennen wollt, müsst ihr die Hand bis zum Handgelenk ins Trübe stecken, bis zum Ellbogen, zur Schulter, und die dunkelsten, intimsten Wahrheiten hervorzerren.

und über Bücher:

Ein Buch wird erst lebendig, wenn es mit dem Leser kommuniziert. Was passiert denn eurer Meinung nach in den Lücken, mit den unausgesprochenen Dingen, mit dem, was ihr ausgelassen habt? Der Leser füllt all das mit seiner eigenen Fantasie.

Claire Fuller ist ein sehr lebendiges Buch gelungen. Es gelingt ihr, durch die verschiedenen Erzählperspektiven die Spannung hochzuhalten. Es gelingt ihr, Charaktere zu schaffen, mit denen man sich identifizieren kann, in die man sich hineinversetzen kann. Man sieht die Schauplätze vor sich, riecht das Gras, hört das Meer beim Lesen. Man lebt die Geschichte mit und wenn man die letzte Seite beendet hat, fällt der Abschied schwer.

Fazit:
Ein wunderbares Buch: Tief, lebendig, mitreissend, wunderbar erzählt. Ein Buch, das berührt und bereichert. Eine absolute Leseempfehlung.

Die Autorin
Claire Fuller lebt mit ihrem Mann in Winchester, England, und hat zwei erwachsene Kinder. Für ihren späten Debütroman „Our Endless Numbered Days“ erhielt sie viel Kritikerlob und wurde mit dem Desmond Elliot Award ausgezeichnet. „Eine englische Ehe“ ist ihr zweiter Roman und wurde in mehr als 10 Sprachen lizensiert.

Susanne Höbel übersetzt seit gut zwanzig Jahren aus dem Englischen und Amerikanischen, darunter Werke von John Updike, Thomas Wolfe, Graham Swift und Nicholson Baker. Sie lebt in Hamburg und Südengland.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Piper Verlag (1. März 2017)
Übersetzung: Susanne Höbel
ISBN-Nr: 978-3492057912
Preis: EUR 22 / CHF 31.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Ein ganz normaler Abend

Sie sah ihn nur an. Sie sagte nichts. Er wurde verlegen unter ihrem Blick, schwieg aber auch. Sein Blick schweifte umher. Mit dem Zeigfinger fuhr er sich über die Lippen, als ob er Krümel wegwischen wollte, die nicht da sein konnten. Er hatte nichts gegessen. Sie kannte diese Geste gut. Er machte sie oft. In ähnlichen Situationen. Man konnte aus der Geste ablesen, wie er sich fühlte. Sie konnte es ablesen. Aus allen seinen Gesten. Es fühlte sich vertraut an, von jemandem zu wissen, wie er sich verhält bei bestimmten Gefühlen. Ein Gefühl der Nähe kam in ihr auf. Sie wollte das nicht. Sie war wütend. Oder wollte sie es nur sein?

Er hatte ein liebes Gesicht. Sie kam nicht umhin, das zu denken, als sie ihn so ansah. Immer noch schweigend. Über die Jahre waren mehr weisse Haare zu seinen dunklen gekommen. Zeichen der Zeit, die gesehen werden wollen. Er hatte grosse runde Augen. Sie verliehen ihm immer etwas Hilfloses, Verlorenes. Rette mich. Ich brauche dich. Das stand irgendwie auch jetzt in seinem Blick. Oder las sie es nur hinein? Über die Jahre hatte er zugelegt. Alles war rund an ihm. Weich. Er auch mit sich selber. Nur mit ihr war er hart. Manchmal. Und es erschloss sich ihr nicht, wie jemand so Weiches so hart sein konnte. Sie mochte das Weiche nicht. Das Harte noch weniger. Manchmal dachte sie, sie wisse selber nicht, was sie mag.

Sie fühlte eine Trauer aufsteigen. Dachte zurück. An Momente, Augenblicke, Situationen. Sie dachte an Liebe, an ihren Beginn. Sie dachte, wie alles mal war und was hätte sein können. Sollen. Sie dachte daran, was sie sich erträumt hatten, was sie sich gewünscht hatten. Hatte sie es nur gewünscht? Oder nur er? War einer mitgezogen? Es erschien so bunt, so erreichbar, so realistisch damals. Wo waren sie gelandet?

Sie sassen an diesem Tisch in dieser Wohnung und schwiegen. Sie hatten sich viel zu sagen und hatten sich schon viel zu viel gesagt. Sie hatten sich Dinge gesagt, die sie nie hätten sagen wollen, nie hätten sagen sollen – und doch waren sie gesagt. Sie hingen in der Luft und klangen nach. Sie klangen aus allen Poren. Sie klangen aus seinen Gesten, aus seinem Blick, der in die Ferne ging. Und sie hingen ihr in der Brust.

Wie sollte es weiter gehen? Konnte es weiter gehen? Müsste es weiter gehen? Was würde es helfen, wenn dies nun das Ende wäre? Was käme danach? Was kommt nach dem Ende? Wo geht man dann hin? Sie sass da und schaute ihn an. Sie wünschte sich, er würde was sagen. Sie wünschte, er hätte eine Lösung, die er ihr präsentieren könnte. Und sie wusste, was immer er auch sagte, sie würde es zurück schmettern, würde ihn einen Besserwisser nennen, würde wütend sein, weil er Lösungen präsentierte, während sie keine mehr sah. Und weil sie wütend sein wollte. Auf sich. Auf ihn. Aufs Leben.

Er fragte nur leise: „Worum geht es hier eigentlich?“

Sie hatte keine Ahnung.

Gotthold Ephraim Lessing: Lied aus dem Spanischen

Gestern liebt‘ ich,
Heute leid‘ ich,
Morgen sterb‘ ich:
Dennoch denk‘ ich
Heut und morgen
Gern an gestern.

Gotthold Ephraim Lessing hat dieses Gedicht geschrieben. Zwar trägt es den Titel „Lied aus dem Spanischen“, allerdings findet sich trotz Suchen kein spanisches Original, das diesem Gedicht auch nur ähnlich sähe. Dazu kommt, dass es zu gut in die Biographie des Dichters passt: Kurz zuvor war seine Frau gestorben, der kleine Sohn wurde kaum einen Tag alt. Das deutet darauf hin, dass er mit dem Nachsatz von sich ablenken, dem Gedicht einen allgemeinen Anstrich geben wollte.

Liebe gilt als höchstes der Gefühle. Wir alle streben danach, suchen sie, brauchen sie gar zum Überleben. So gewünscht und gewollt sie ist, so schwer kann sie auch sein. Die Liebe ist ein Wagnis. Sich darauf einzulassen bedeutet immer ein Risiko, denn nichts macht verletzlicher als zu lieben und diesem Gefühl freien Lauf zu lassen. Der Geliebte besitzt eine Macht und eine Kraft, die alles übertrifft. Kaum einer litt nicht an der Liebe, und doch: Wir sehnen uns immer wieder danach. Wir nehmen das Leiden in Kauf, nehmen sehr viel in Kauf, nur um diese Liebe spüren und erleben zu können.

Das lyrische Ich (Lessing?) spricht nur von sich. Die Geliebte ist kein Thema. Das Gefühl des Liebens ist an sich schon Glück bringend. Ob die Liebe gegenseitig war, ist kein Thema im Gedicht. Das Ich steht im Zentrum, es erscheint vier Mal in sechs Zeilen.

Das Gedicht spiegelt die Innensicht eines einst Liebenden wieder, der diese Liebe verloren hat, leidet, gar sterben wird, aber trotzdem zurück denkt. Damit geht er auf die rationale Ebene. Er denkt. Das Fühlen hat aufgehört, es ist nur noch Erinnerung, nun denkt er daran zurück. Das Ich ist das Bleibende, alles andere verändert sich. Während die Welt im Wandel ist, erlebt das Ich diese Welt, bleibt aber bestehen als (wenn auch sich veränderndes, aber trotzdem im Kern bleibendes) Ich. Es setzt dem Ausgeliefertsein an den Wandel ein „dennoch“ entgegen, das auf dem Verstand gründet. Hier drückt klar die Aufklärung der Zeit des Verfassers durch.

Selbst beim Denken erscheint das Fühlen richtig. Trotz des Wissens, wie es endete. Der Verstand rechtfertigt das Gefühl – das vergangene Gefühl. Es rechtfertigt ein Gefühl, das zum Leid führte. Damit sagt der hier Sprechende, dass das Fühlen der Liebe das Leid, das resultieren kann, übertrifft. Das ist wohl der Grund, wieso man das Risiko immer und immer wieder eingeht. Weil man weiss, dass dieses Gefühl alles übertrifft und jedes Leid wert ist. Selbst wenn man beim Scheitern schwört, nie mehr lieben zu wollen, nie mehr vertrauen zu wollen. Schlussendlich siegt die Sehnsucht nach der Liebe.

Weil:

Ohne Liebe ist alles nichts.

James Patterson: Das 10. Gebot (Rezension)

Angriffe auf Frauen und ein verschwundenes Baby

Inhalt

Mit nichts als einem neongrünen Plastikumhang bekleidet stolperte das Mädchen eine dunkle Strasse entlang. Sie hatte Todesangst und grässliche Schmerzen, Krämpfe, die wie ständig wiederkehrende Schläge auf ihre Eingeweide einprasselten und immer schlimmer wurden.

Patterson10Lindsay Boxer hat endlich geheiratet, doch schon bald holt sie der grausame Alltag wieder ein: Ein junges Mädchen irrt blutüberströmt durch die Strassen, sie hat gerade entbunden und ihr Baby ist verschwunden. Sie kann sich an nichts erinnern. Zur gleichen Zeit häufen sich auch Fälle von Angriffen auf Frauen, welche vergewaltigt und halb bewusstlos liegengelassen werden.

Wird Lindsay das Baby noch lebend finden? Wer ist überhaupt der Vater und was ist mit dem Mädchen wirklich passiert? Hängt der Fall mit den Vergewaltigungen zusammen? Die Polizei tappt im Dunkeln und hat auch genügend andere offene Fälle, so dass Lindsays Chef wenig erfreut ist, dass Lindsay einem eigentlich abgeschlossenen Fall nachforscht und damit auch noch Yuki, ihrer Freundin und stellvertretenden Bezirksstaatsanwältin in die Quere kommt, die neuerdings die Freundin desselben Chefs ist.

Beurteilung
Es geht mal wieder hoch her beim Women’s Murder Club. Der zehnte Fall ist an Spannung kaum zu überbieten, die gewohnt kurzen Kapitel erhöhen noch zusätzlich das Tempo, so dass man kaum zum atmen kommt während des Lesens – von weglegen ganz zu schweigen.

Patterson hält den Spannungsbogen geschickt hoch durch die Wechsel zwischen den Fällen, die geschickt gesetzten Cliffhanger ziehen den Leser förmlich durch die Geschichte. Die privaten Geschichten der vier Frauen entwickeln sich kontinuierlich weiter, so dass ein roter Faden durch die ganze Reihe ersichtlich ist. Trotzdem ist auch dieser Fall unabhängig von den anderen 9 Fällen gut zu lesen und zu verstehen.

Fazit:
Ein Pageturner durch und durch: Geschickt gesetzte Cliffhanger in einem tempo- und spannungsreichen Thriller. Absolute Leseempfehlung.

Der Autor
James Patterson, geboren 1947, sagt von sich selbst: „Ich bin schnell. Ich bin ein Ja-Nein-Typ, ich hasse Vielleichts.“ Und er ist tatsächlich so schnell, dass er an mehreren Romanen gleichzeitig arbeitet und pro Jahr mitunter fünf Titel auf Platz 1 der Bestsellerlisten landet. Begonnen hat seine Karriere, als er mit 27 Jahren den „Edgar Allan Poe Award“ für seinen ersten Roman „Die Toten wissen gar nichts“ bekam. Seitdem arbeitet er pausenlos an den Thrillern der „Alex-Cross“-Reihe oder schreibt über Detektiv Lindsay Boxer und den „Women’s Murder Club“ (siehe auch Der 1. Mord, Die 2. Chance, Der 3. Grad, Die 4. Frau, Die 5. Plage, Die 6. Geisel, Die 7 Sünden, Das 8. Geständnis, Das 9. Urteil, Das 10. Gebot, Die 11. Stunde und Die Tote Nr. 12). Hinzu kommen weitere Romane sowie Sach- und Kinderbücher. Patterson hat Englische Literatur studiert und war einige Jahre Chef einer Werbeagentur. Heute lebt er mit seiner Familie in Palm Beach City, Florida.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (9. Mai 2014)
Übersetzung: Leo Strohm
ISBN-Nr: 978-3442383597
Preis: EUR 8.99 / CHF 13.90
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