Helmut Böttiger: Wir sagen uns Dunkles

„Sie verbrachten nur sechs Wochen gemeinsam in Wien, (…) Aber diese sechs Wochen sind der rätselhafte Kern ihrer Beziehung, ihr privater Mythos und der Quell unzähliger späterer Zuschreibungen.

Beim ersten Treffen im Mai 1948 war Ingeborg Bachmann knapp 22, Paul Celan siebenundzwanzig. Ingeborg Bachmann war in der Literaturszene noch nicht mit eigenen Werken bekannt, Paul Celan war schon weiter, war es ihm doch gelungen, in kurzer Zeit in der literarischen Szene Wiens Fuss zu fassen. Schon wenige Tage nach dem ersten Treffen schwärmte Ingeborg Bachmann in Briefen von dem „bekannten Lyriker“, welcher ein Auge auf sie geworfen habe. Sechs Wochen später reiste Paul Celan weiter nach Paris und liess nicht nur Wien, sondern auch Ingeborg Bachmann hinter sich.

Helmut Böttiger erzählt die Liebesgeschichte von „zwei Königskindern, die nicht zueinander finden konnten“. Obwohl von Anfang an eine Anziehung da war, sie auch zeitlebens nicht wirklich voneinander loskamen, war ein Zusammenleben als Paar nicht möglich. Die Gründe dafür sind wohl vielfältig: Anfangs stand Paul Celans Opferrolle im Zweiten Weltkrieg und Ingeborg Bachmanns Herkunft als Tätertochter im Raum, Unsicherheiten auf verschiedenen Ebenen machten alles sicher nicht einfacher.

„Vielleicht täusche ich mich, vielleicht ist es so, dass wir einander gerade da ausweichen, wo wir einander so gerne begegnen möchten, vielleicht liegt die Schuld an uns beiden. (Paul Celan)

Dazu trafen hier zwei sehr sensible Menschen aufeinander, welche sich beide der Kunst verschrieben haben, und diese an oberste Stelle stellten. Die jeweilige Identifikation mit dieser Kunst machte jede kritische Äusserung zu dieser zu einem persönlichen Angriff.

„Ich liebe dich und ich will dich nicht lieben.“ (Ingeborg Bachmann)

Wirklich getroffen haben sich Ingeborg Bachmann und Paul Celan nicht oft. Nach der ersten Begegnung am 16. Mai 1948 und den Wochen in Wien sahen sie sich erst zwischen Oktober und Dezember 1950 wieder in Paris, sie übten das Zusammenleben, welches aber nicht klappt und beide frustriert zurück lässt. Ein nächstes Wiedersehen erfolgt Februar/März 51. Waren zwischen diesen Treffen noch sporadisch Briefe geflossen, kam es dann zu einem langen Schweigen.

„Du bist der Lebensgrund, auch deshalb, weil du die Rechtfertigung meines Sprechens bist und bleibst.“ (Paul Celan)

Erst im Oktober 1957 kam es zu einem erneuten Treffen – und Paul Celan, mittlerweile verheiratet und Vater, verliebte sich vorbehaltslos in Ingeborg Bachmann und wollte alles aufgeben für ein Leben zusammen. Dieses Mal machte Ingeborg Bachmann den Rückzieher – sie wollte keine Ehe und Familie auseinander reissen.

„Ich habe oft nachgedacht, ‚Corona‘ ist Dein schönstes Gedicht, es ist die vollkommene Vorwegnahme eines Augenblicks wo alles Marmor wird und für immer ist. Aber mir hier wird es nicht ‚Zeit‘. Ich hungre nach etwas, das ich nicht bekommen werde, alles ist falsch und schal, müde und verbraucht, ehe es gebraucht wurde.“

Wenn sie sich auch nicht oft sahen, sogar die Briefe zeitweise ausblieben, sie verloren sich nie wirklich, hielten gegenseitige Bezüge in ihren Werken aufrecht, webten so ein Band weiter, das sie aneinander knüpfte.

Am 2. Juli 1958 kam es zum definitiven Ende mit Paul Celan, am 3. Juli startete die Beziehung mit Max Frisch – und damit ein neues, ins Dunkle führendes Kapitel für Ingeborg Bachmann. Nicht nur stand die Beziehung immer unter dem Schatten Paul Celans, auch waren die unterschiedlichen Naturelle und Ingeborg Bachmanns Bestreben, verschiedene Lebensbereiche komplett voneinander zu trennen, einer Beziehung nicht förderlich. Als sich Max Frisch wegen einer anderen von ihr trennte, sah Ingeborg Bachmann dies als grösste Niederlage ihres Lebens. Ihre schon da angeschlagene Gesundheit leidet weiter, die psychischen Probleme häufen sich.

Es gelingt Helmut Böttiger, das Leben zweier Lyriker zu beschreiben, aufzuzeigen, wo sie sich kreuzten, wie sie sich gegenseitig beeinflussten. Nicht nur verortet er die beiden Menschen in ihrer Zeit, zeigt die gegenseitigen Lebensbezüge auf, er weist auch auf die Spuren in den beiden Werken hin. Dadurch entsteht ein umfassendes Bild einer nicht lebbaren Liebe, die so tief war, dass beide trotz der Unmöglichkeit des Zusammenseins nie voneinander loskamen.

Corona

Aus der Hand frißt der Herbst mir sein Blatt: wir sind Freunde.
Wir schälen die Zeit aus den Nüssen und lehren sie gehn:
die Zeit kehrt zurück in die Schale.

Im Spiegel ist Sonntag,
im Traum wird geschlafen,
der Mund redet wahr.

Mein Aug steigt hinab zum Geschlecht der Geliebten:
wir sehen uns an,
wir sagen uns Dunkles,
wir lieben einander wie Mohn und Gedächtnis,
wir schlafen wie Wein in den Muscheln,
wie das Meer im Blutstrahl des Mondes.

Wir stehen umschlungen im Fenster, sie sehen uns zu von der
                                                                Straße:
es ist Zeit, daß man weiß!
Es ist Zeit, daß der Stein sich zu blühen bequemt,
daß der Unrast ein Herz schlägt.
Es ist Zeit, daß es Zeit wird.

Es ist Zeit.

Fazit:
Eine echte, wirkliche Leseempfehlung für alle, die an Ingeborg Bachmann und Paul Celan, an ihrem Leben und Werk interessiert sind. Eine absolute Leseempfehlung.

Über den Autor
Helmut Böttiger, geboren 1956, ist einer der renommiertesten Literaturkritiker des Landes. Nach Studium und Promotion war er als Literaturredakteur u.a. bei der Frankfurter Rundschau tätig. Seit 2002 lebt er als freier Autor und Kritiker in Berlin und veröffentlichte u.a. »Nach den Utopien. Eine Geschichte der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur« (2004) und »Celan am Meer« (2006). Er war Kurator der Ausstellung »Doppelleben. Literarische Szenen aus Nachkriegsdeutschland« (2009) und Verfasser des Begleitbuchs. 1996 erhielt er den Ernst-Robert-Curtius-Förderpreis für Essayistik, 2012 den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik. Für sein zuletzt veröffentlichtes Buch »Die Gruppe 47« wurde er mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2013 ausgezeichnet.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt; 2. Edition (28. August 2017)
ISBN-13 : 978-3570554166
Preis: EUR  15 / CHF 23.90

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Andrea Stoll: Ingeborg Bachmann. Der dunkle Glanz der Freiheit

„Wer sich heute Person und Werk der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann zu nähern versucht, wird mit einem widersprüchlichen Bild konfrontiert. Eine moderne, selbständige Frau scheint uns da anzuschauen, weltgewandt und voller Lebensfreude. Doch die glanzvolle Erscheinung der österreichischen Autorin…war nur eine Seite ihrer Existenz. Die andere, von unauslöschlicher Angst und immer wiederkehrender Verzweiflung geprägte Seite gehörte ebenso dazu.“

1929 in Kärnten geboren, wird Ingeborg Bachmann schon bald mit dem Krieg und seinen Schrecken konfrontiert. Dieses Trauma wird sie ein Leben lang begleiten, immer wieder Thema ihres Werks sein. Andrea Stoll präsentiert uns in ihrer Biografie ein stimmiges Bild dieser spannenden Frau und ihres Schaffens. Sie zeigt die vielen Gesichter Ingeborg Bachmanns, beleuchtet die Hintergründe ihres Seins und Tuns.  

Es ist kein leichtes Unterfangen, eine Biografie von Ingeborg Bachmann zu schreiben, hielt sich diese doch zeitlebens eher bedeckt, was Privates anbelangte. Sie gab nicht nur nach aussen wenig preis, sie wusste sogar die einzelnen Bereiche ihres Lebens voneinander so abzugrenzen, dass die verschiedenen Kreise, in denen sie verkehrte, wenig bis nichts voneinander wussten und vor allem auch nie durchmischt wurden.

„Seit frühester Jugend hatte Ingeborg Bachmann davon geträumt, als freie Schriftstellerin leben und arbeiten zu dürfen, und mit dem ihr eigenen Ehrgeiz und unbedingten Willen alles darangesetzt, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Doch der Preis für ihre Freiheit war hoch, ja, er überstieg im Laufe der Jahre ihre Kraft – und doch hielt sie daran fest, auch dann, als sie längst krank und von den Anstrengungen ihrer freien Autorenexistenz körperlich und seelisch gezeichnet war.“

Leben und Schreiben ist bei Ingeborg Bachmann nicht zu trennen, da Schreiben für sie lebenswichtig, lebensfüllend war. Diesem ordnete sie alles unter. Auch ihre Sehnsucht nach Liebe, nach einer Familie. Sie selber war es oft, die auf Distanz ging, ihre Unabhängigkeit verteidigte, und somit Beziehungen schwierig bis unmöglich machte. Andrea Stoll ist ein offener Blick gelungen, der von offensichtlichem Verständnis für Ingeborg Bachmann geprägt ist. Insofern brauchte sie wohl einen anderen Schuldigen für deren Zerbrechen an einer gescheiterten Liebe. In Max Frisch hatte sie diesen gefunden (das ist nur ein Beispiel, es gäbe andere, da war es am deutlichsten). Dass er da sein wollte, ein Miteinander wollte, drang zwar ab und zu durch die Zeilen, aber dann war er doch der, welcher so viel Leid über Bachmann brachte. Was die Trennung durchaus tat. Aber nicht Frisch allein. Und doch bleibt die Sicht nachvollziehbar. Aus dem, was draus resultierte.

Es ist schlussendlich wohl schwierig, ein wirklich objektives Bild einer so diffusen und komplexen Persönlichkeit zu zeichnen. Andrea Stoll ist mit dieser Biografie eine grösstmögliche Annäherung gelungen. Ich möchte dieses Buch wirklich jedem ans Herz legen, der sich für Ingeborg Bachmann interessiert, der sich für Frauenexistenzen in einer von Männern gemachten Welt interessiert, der sich für Lyrik, Literatur, Geschichte und was sie mit Menschen macht interessiert. Ach, ein Buch, das man lesen sollte.

Fazit:
Eine echte, wirkliche Leseempfehlung für alle, die an Ingeborg Bachmann interessiert sind, die am Literaturbetrieb (gerade auch für Frauen) nach der Kriegszeit interessiert sind. Eine absolute Leseempfehlung.

Über die Autorin
Dr. phil. Andrea Stoll hat als Autorin und Dramaturgin zahlreiche Essays, Bücher und Filme geschrieben und war über fünfzehn Jahre als Dozentin für Literatur an der Salzburger Universität tätig. Sie gilt als ausgewiesene Bachmann-Kennerin und hat seit ihrer Dissertation „Erinnerung als ästhetische Kategorie des Widerstandes im Werk Ingeborg Bachmanns“ (1992) zum Werk der österreichischen Autorin mehrere Essays und Bücher vorgelegt, u.a. als Mitherausgeberin des zum internationalen Beststeller avancierten Ingeborg Bachmann–Paul Celan-Briefwechsels „Herzzeit“ (2008).

Angaben zum Buch:
Kindleversion, da leider vergriffen: 11809 KB
Seitenzahl der Printversion: 382 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag (9. September 2013)
ASIN : B00E7PVO4K
Preis: EUR  9.49 / CHF 12.90

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Volker Weidermann: Lichtjahre

«Es ist das subjektive Begeisterungsbuch eines echten Lesers, der Zusammenhänge entdeckt, dringend empfiehlt, einteilt, urteilt und verurteilt, wie es ihm gefällt. Keinen Professoren verpflichtet, keiner Schule und keiner Wissenschaft. Nur sich selbst.»

Das schreibt Volker Weidermann über das Buch „Deutsche Literaturgeschichte in einer Stunde“ des Dichters Klabund. Nach dem Lesen dieses Buches hat er sich gefragt, wieso es so etwas nicht auch für die Zeit nach 1945 gibt, eine Zeit, die politisch wie literarisch so interessant war. Eine Literaturgeschichte, die sich von den sonst üblichen germanistisch-trockenen Ausführungen abhebt, die Literatur wieder mit Leidenschaft und Freude behandelt statt mit ausufernden Analysen im Fachjargon. Und er beschloss, das selber zu schreiben. Das Resultat ist sein wunderbares Buch „Lichtjahre“.

«…es umfasst auch eine besonders interessante und aufregende Epoche, eine besonders vielfältige Zeit, in der in Deutschland, im Wesen wie im Osten, in Österreich und in der Schweiz so viele disparate Schreibstile, so viele interessante Lebens- und Schreibentwürfe nebeneinander existieren wie kaum in einer Epoche zuvor. Schreiben gegen die Zensur und auf dem Bitterfelder Weg. Schreiben als Neuerfindung, als politischer Akt, als Selbstbefreiung und Kampf und Wahn und Glück. Und Leben.»

In vielen kleinen Kapiteln, von welchen jedes zwischen zwei und fünf Schriftstellern behandelt, führt uns Volker Weidermann auf eine humorvolle, pointiert geschriebene und neben dem sehr hohen Unterhaltungsfaktor auch sehr fundierte, aus grossem Wissen schöpfende Reise durch die Literaturgeschichte nach 1945.

«Das Leben und das Schreiben. Wo kommt einer her? Wie entstehen die guten und also notwendigen Bücher? In welchen persönlichen, politischen, gesellschaftlichen Zusammenhängen? Was ging da für ein Kampf voraus? Was ist das für ein Mensch, der dieses Buch geschrieben hat?»

Nicht nur die Auswahl der behandelten Schriftsteller ist sehr persönlich, auch die Bewertung ihres Schaffens ist es. Eingebettet in eine kurze Beschreibung der Lebensumstände der einzelnen Autoren behandelt er deren Werke, lobt die einen, findet andere langweilig. Er gibt Anekdoten aus dem Leben zum Besten, urteilt in einer prägnanten und immer begründenden Weise, ist bei negativen Aussagen nie abwertend, aber ehrlich.

Volker Weidermann ist hier ein Buch gelungen, das bei einem an Literatur interessierten Leser keine Wünsche offen lässt. Die Leidenschaft dieses kompetenten Literaturliebhabers dringt aus allen Seiten, die Freude am Lesen, das Interesse an den Menschen hinter dem Schreiben ist ansteckend und inspiriert. Die einzige Gefahr, die von diesem Buch ausgeht, ist wohl die, dass die Wunschliste der Bücher, die man unbedingt lesen will, ins Unermessliche steigt.  

Fazit:
Ein grossartiges Buch über die Geschichte der deutschen Literatur nach 1945, humorvoll, unterhaltsam, kurzweilig, informativ, fundiert und inspirierend geschrieben.  Ganz grosse Leseempfehlung!

Zum Autor
Volker Weidermann, geboren 1969 in Darmstadt, Studium der Politikwissenschaft und Germanistik in Heidelberg und Berlin. Autor beim Spiegel und Leiter des »Literarischen Quartetts« im ZDF. Seine Bücher »Träumer. Als die Dichter die Macht übernahmen«, »Ostende. 1936, Sommer der Freundschaft«, »Max Frisch. Sein Leben, seine Bücher«, »Lichtjahre. Eine kurze Geschichte der deutschen Literatur von 1945 bis heute« und »Das Buch der verbrannten Bücher« begeisterten Leser und Kritiker.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: btb Verlag (6. August 2007)
ISBN: 978-3442736423
Preis: EUR 9.99 / CHF14.90

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Dr. med. Mirriam Prieß: Die Kraft des Dialogs

«Leben ist Beziehung. […] Gelingen unsere Beziehungen, gelingt unser Leben.»

Wir alle streben nach Glück, wir alle wollen ein Leben führen, das wir als gelungenes Leben, als Leben, das für uns selber lebenswert erscheint, bezeichnen können. Nach Mirriam Prieß ist ein Leben dann ein gelingendes Leben, wenn wir erfüllte Beziehungen führen können, sei das in der Familie, in der Partnerschaft, bei der Arbeit und vor allem auch zu uns selber.

„Jede Beziehung, die wir führen, verlangt eine aktive Gestaltung und Zutun durch uns selbst. Vertrauen oder das Gefühl des Zuhauseseins – beides „fällt nicht vom Himmel“. Damit beides entstehen und wachsen kann und unsere Beziehungen gelingen, brauchen wir den Dialog.

Grundlegend für eine gelingende Beziehung sieht Mirriam Prieß den Dialog. Damit dieser gelingen kann, ist es wichtig, dass im sogenannten Dialogdreieck aus Du, Ich und Wir ein Gleichgewicht herrscht, keine der drei Partien dominiert, sondern alle den gleichen Stellenwert haben. Nur wenn mein Ich auf einem sicheren Fundament steht, kann ich dieses einem Du entgegenhalten. Nur wenn das Du seinen Platz hat, steht es dem Ich auf Augenhöhe gegenüber. Und nur wenn sowohl Ich als auch Du das Wir gleichermassen schätzen und beachten wie sowohl sich selber als auch das Gegenüber, entsteht ein Gleichgewicht, aus diesem heraus ein gelingender Dialog möglich ist und damit die Basis für eine gelingende Beziehung gelegt werden kann.

Wichtige Eigenschaften, die es braucht für einen gelingenden Dialog sind Interesse am anderen, Offenheit für dessen Ansichten und Meinungen, Empathie als ein Mit- und Hineinfühlen, Augenhöhe und Respekt, sowie Wertschätzung und Liebe.

Mirriam Prieß erläutert auf fundierte und gut lesbare Weise das Dialogprinzip, welches sie als grundlegend für ein erfülltes Beziehungsleben und damit für ein gelingendes Leben erachtet. Sie gibt dem Leser immer wieder Übungen an die Hand, mit denen dieser prüfen kann, wo er im Moment steht und wie er an einzelnen Punkten arbeiten kann. Zusätzlich führt Mirriam Prieß Beispiele aus der Praxis an, um an konkreten Fällen zu demonstrieren, wie sich eine fehlende Dialogstruktur auswirken kann und womit Verbesserungen herbeigeführt werden können.

Würde man die vielen Beispiele weglassen, schmölze das Buch wohl auf einen Drittel. Nun mag es durchaus Leser geben, die gerade die Beispiele wichtig finden für ein besseres Verständnis und das Gefühl, nicht blosser Theorie gegenüberzusitzen. Die Menge an Beispielen kann aber auch langatmig und eher den Informationsfluss behindernd wirken.

Das Thema ist alles andere als neu, alle von Mirriam Prieß vorgebrachten Theorien und Argumente finden sich in einer ganzen Flut von Literatur (ganz prominent sicher Martin Buber), auch auf Denkzeiten erschienen schon Artikel (Echte Dialoge, Achtsame Kommunikation: Was ist ein philosophischer Dialog, etc.), aber es ist gut lesbar aufbereitet und für jemanden, der noch nie etwas zu dem Thema gelesen hat, durchaus informativ.

Fazit:
Ein gut lesbares und fundiert geschriebenes Buch zur Praxis des Dialogs, welcher, so die Hypothese des Buches, Voraussetzung für eine gelingende Beziehung und damit für ein erfülltes Leben ist. Empfehlenswert!

Bewertung:
3***/5 – drei von fünf Sternen

Zur Autorin
Dr. med. Mirriam Prieß hat an der Universität Hamburg Medizin mit anschließender Promotion im Fachbereich Psychosomatik studiert. Sie war als Ärztin 8 Jahre in einer psychosomatischen Fachklinik tätig und unter anderem für die Behandlungsschwerpunkte Ängste, Depressionen und Burnout verantwortlich. Seit 2005 übernimmt sie beratende Tätigkeiten in der Wirtschaft mit Einzelcoaching von Führungskräften im Bereich Konflikt- und Stressmanagement. Ihre 2019 gegründete Stiftung „Dialogstark!“ hat sich dem Ziel verpflichtet, die Dialogfähigkeit von jungen Menschen zwischen 17 und 25 zu fördern.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 240
Verlag: Südwest Verlag (1. März 2021)
ISBN: 978-3517099620
Preis: EUR 20 / CHF 31.90

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David Hockney: A bigger Book

Ein Leben in Bildern

David Hockney beschloss schon im Alter von 11 Jahren, dass er Maler werden will:


„Ich glaube, jeder, der Bilder malt, liebt dieses Gefühl, mit einem Pinsel voller Farbe etwas zu bestreichen!“

Hockney gilt als einer der grössten Maler heutiger Zeit. Seine Bilder bestechen durch ihre bunte Farbigkeit, seien das die flächig gemalten Stilleben, Landschaftsgemälde, Porträts oder auch in jüngster Zeit iPad-Bilder. In seinen Bildern hält er alles fest, was er um sich herum sieht und was ihm irgendwie gefällt – von Keksdosen über Zahnpastatuben, Zimmern, Früchte, Blumen bis hin zu Landschaften ist alles dabei.

Beim vorliegenden Buch ist der Titel Programm: A bigger Book ist in der Tat grösser als andere Bücher. Im SUMO-Format (50x70cm) findet man auf 500 Seiten eine visuelle Autobiografie des Künstlers.


„Das ist ein Buch mit wenig Text. Alles, was es braucht, sind Bilder.“

Zeichnungen und Bilder aus der Zeit auf der Bradford School of Art machen den Anfang und es geht weiter bis hin zu seinen Porträtreihen und iPad-Zeichnungen.


„Die Leute verwenden das iPad für die unterschiedlichsten Dinge“, erklärte er vor rund 200 Zuhörern. „Meine Mutter hätte es für ihre Kreuzworträtsel geliebt – und ich benutze es zum Zeichnen. Die Vielfalt der Farben und Möglichkeiten ist schier unendlich.“

Hockney hat den Entstehungsprozess des Buches eng begleitet, so dass die über 450 Bilder wirklich eine von ihm präsentierte Autobiographie seines Schaffens darstellen. Eingeleitet wird das Ganze durch ein handschriftliches Vorwort des Künstlers. Dieser scheint bei der Arbeit an diesem Buch selber überwältigt gewesen zu sein ob seines Schaffens:


Ich neige nicht dazu, in der Vergangenheit zu leben. An diesem Buch zu arbeiten hat mir gezeigt, wie viel ich geschaffen habe. [Übersetzung SvS]

Da trotz alledem einige Erklärungen immer hilfreich und wünschenswert sind, wird der Bildband von einer illustrierten Chronologie von über 600 Seiten begleitet, welche die Bilder im jeweiligen Kontext verorten und die Gedanken des Künstlers sowie die zeitgenössische Rezeption zu Wort kommen lassen.

Ein wirklich wunderbarer Bildband, der leider nicht ganz günstig ist. Die limitierte Auflage von 10’000 Exemplaren teilt sich auf in 9000 signierte Bücher, jedes mit einem Marc Newson Buchständer, und 4 Kunstausgaben, welche signiert sind und von einer iPad-Zeichnung sowie dem Buchständer begleitet werden. Wer also spendable Freunde, Partner oder Eltern hat, soll schon mal seinen Wunschzettel für Weihnachten schreiben – oder sich selber etwas Gutes gönnen. Ansonsten kann ich nur empfehlen, sich das Werk dieses Künstlers mal anzuschauen – es lohnt sich.

Fazit
Eine alle Masse und Rahmen sprengende visuelle Autobiographie eines der grössten Künstler unserer Zeit.

Angaben zum Buch:
Hardcover: 498 Seiten, 13 Ausklappseiten, 50 x 70 cm, mit Buchständer (Marc Newson) und illustriertem 640-seitigem Begleitbuch
Verlag: Taschen Verlag (25. September 2016)
ISBN: 978-3836508759
Limitierte Collector’s Edition von 9’000 signierten Exemplaren: Preis: EUR: 2000
Ebenfalls erhältlich: 4 Art Editionen von jeweils 250 Exemplaren plus iPad-Zeichnung

Erhältlich direkt beim Taschen Verlag: HIER

Rembrandt: Sämtliche Zeichnungen und Radierungen

Rembrandt van Rijn wurde 1606 in Leiden (NL) geboren. Nach dem Besuch der Lateinschule und einem abgebrochenen Studium beschloss er, Maler zu werden. Was für ein Glück. Superlative sind in der Kunst immer so eine Sache, doch gehört Rembrandt wohl durchaus zu einem der grössten Maler aller Zeiten. Dass nicht nur seine Malereien, sondern auch die Zeichnungen grossartig sind, davon kann man sich im vorliegenden Buch überzeugen. Pünktlich zum 350. Todestag 2019 brachte der Taschenverlag diesen monumentalen Band mit 700 Zeichnungen und 313 Radierungen auf den Markt.

Durch die hohe Bildqualität sieht man die Meisterschaft von Rembrandts Zeichnungen deutlich: Sein Spiel mit Licht und Schatten, das er mit gekonnten Schraffuren umsetzt und damit auch eine emotionale Botschaft vermittelt. In seinen Porträts schafft er es, mit gezielten Strichen die Mimik herausarbeiten, welche oft auch Hinweis auf die inneren Vorgänge des Porträtierten ist.

Zwar lagen Rembrandts Schwerpunkte bei biblischen und historischen Motiven, doch finden sich unter seinen Zeichnungen und Radierungen auch wunderbare Landschaften, Porträts und Tiere. Es ist schwer, bei diesem Buch bescheidenere Worte zu verwenden, da das Können dieses Künstlers aus allen Seiten sticht. Zudem ist das Buch so hochwertig gestaltet, dass man wohl kaum näher an den Genuss der Betrachtung eines Originals käme als auf diese Weise. Für einen Bewunderer grosser Zeichenkunst eine wahre Freude.

Das Buch ist nicht nur haptisch und vom Design her hochwertig gestaltet, es ist mit 36,2 x 8,8 x 42,4 cm auch nicht wirklich klein.

Fazit
Ein wunderschönes, sehr hochwertig gestaltetes Buch, das die Zeichnungen und Radierungen Rembrandts eindrücklich präsentiert. Absolut empfehlenswert.

Zu den Autoren:
Peter Schatborn war Leiter des Rijksprentenkabinet im Amsterdamer Rijksmuseum und Gastdozent am Getty Research Institute in Los Angeles. Er kuratierte unter anderem Ausstellungen der Frick Collection in New York und der Fondation Custodia in Paris. Den Schwerpunkt seiner Forschung bilden die niederländischen Zeichnungen des 17. Jahrhunderts.Erik Hinterding studierte Kunstgeschichte an der Universität Utrecht und promovierte über Rembrandt als Radierer. Er wirkte an zahlreichen Publikationen und Ausstellungen mit, unter anderem für die Fondation Custodia in Paris, die Scuderie del Quirinale in Rom, die Klassik Stiftung Weimar und das National Museum of Western Art in Tokio. Er ist einer der beiden Verfasser des New Hollstein Werkverzeichnisses der Radierungen Rembrandts aus dem Jahr 2013. Seit 2012 ist er Kurator im Amsterdamer Rijksmuseum, wo er die Sammlung frühneuzeitlicher Drucke betreut.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 756 Seiten
Verlag: Taschen Verlag (19. Mai 2019)
Autoren: Peter Schatborn und Erik Hinterding
ISBN: 978-3836575423
Preis: EUR: 150 ; CHF 204
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Patricia Highsmisth: Suspense oder Wie man einen Thriller schreibt

Die Meisterin lässt sich in die Karten blicken

„Suspense fängt mit den Grundlagen an und wendet sich vor allem an junge Schriftsteller – obwohl natürlcih ein Anfänger fortgeschrittenen Alters ebenfalls ‚jung’ ist, was die Schriftstellerei betrifft, und die ersten Schritte für alle die gleichen sind. In meinen Augen sind auch angehende Schriftsteller oder Anfänger schon Schriftsteller, da sie willentlich das Risiko auf sich nehmen, ihre Gefühle, ihre Schrullen und ihre Weltanschauungen den prüfenden Blicken der Öffentlichkeit preiszugeben.“

Patricia Highsmith lässt sich in diesem Buch beim Schreiben über die Schulter blicken und zeigt auf, wie sie von der ersten Idee bis hin zum fertigen Manuskript voranschreitet. Sie zeigt dies anhand ihrer bekannten Bücher, leuchtet im Detail aus, wie viele Anläufe es ab und an brauchte, bis das fertige Buch in seiner endgültigen Fassung stand, welche oft von der ersten völlig abweichen konnte. Sie schildert dabei ihre Stolpersteine beim Schreiben, Punkte, über die sie kaum hinweg kam und erzählt auch von diversen Ablehnungen von Verlagen, von unveröffentlichten Manuskripten und fehlgeleiteten Geschichtsverläufen.

„Wenn man ein Buch schreibt, sollte es in erster Linie dem Autor gefallen. Hat man selbst während der Dauer des Schreibprozesses Spass daran, dann kann und wird es Verlegern und Lesern später ebenso gehen.“

Am Anfang steht eine Idee. Zwar gibt es viele Ideen, doch es existiert durchaus auch das Gefühl, keine Ideen mehr zu haben, welches oft dann eintritt, wenn zu viel Druck, zu wenig Raum, zu grosse Erschöpfung herrscht. Auch Gesellschaft kann hinderlich werden, vor allem, wenn es die falsche ist. Hat man die packende Idee aber erst gefunden, geht es darum, sie auszubauen, eine Geschichte darum zu spinnen, diese durch Handlungen und Nebenhandlungen zu erweitern, bis man einen Plot entwickelt, der schliesslich zu einer ersten Fassung führt.

„Ein Autor muss jederzeit ein Gefühl für die Wirkung haben, die er auf dem Papier schafft, für die Plausibilität dessen, was er schreibt. Er muss spüren, wenn da etwas schiefläuft, genauso schnell wie ein Mechaniker ein falsches Geräusch im Motor wahrnimmt, und er muss es korrigieren, bevor es schlimmer wird.“

An diesem Punkt fängt das Überarbeiten an, das Umschreiben, Verwerfen, Streichen – alles ab und an schmerzhafte Prozesse, die auch viel von einem Schriftsteller verlangen. Nicht selten heisst es, Passagen zu streichen, die einem eigentlich am Herz liegen.

Patricia Highsmith beschreibt auf eine sehr offene und persönliche Art ihre Herangehensweise ans Schreiben. Sie beleuchtet den Schreibprozess mit allen Höhen und Tiefen, mit den wichtigen Zutaten wie Disziplin, Emotion, Freude und Spass am Schreiben. Sie zeigt die Schwierigkeiten des Daseins als Schriftsteller sowie auch dessen schönen Seiten. Ein Buch, das genausoviel über Patricia Highsmith selber aussagt wie über ihr Schreiben und ein Bild von einer am Boden gebliebenen, authentischen und äusserst sympathischen Frau zeichnet.

Fazit:
Ein Werkstattbericht, der nicht Ratgeber sein will, sondern einen tiefen Einblick in das Schreiben und Wesen der Meisterin der Spannungsliteratur gewährt. Sehr empfehlenswert.

Zur Autorin
Patricia Highsmith wurde am 19. Januar 1921 in Fort Worth, Texas geboren. Ihre Eltern trennten sich schon vor ihrer Geburt, Patricia Highsmith wuchs die ersten Jahre bei ihrer Grossmutter auf. 1934 zog sie mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater nach New York, wo sie nach der High School am renommierten Barnard College Englische Literaturwissenschaft mit dem Nebenfach Latein studierte. Es folgten diverse Jobs und 1943 eine Stelle als Comic-Texterin und Geschichtenentwicklerin beim Verlag Fawcett in New York. Schon während der Schulzeit hat Patricia Highsmith erste Geschichten und Gedichte geschrieben, in der Studienzeit Erzählungen in der Studentenzeitschrift „Barnard Quarterly“ veröffentlicht. Ihr erster Romanversuch blieb unvollendet und unveröffentlicht. Einen ersten Erfolg erzielte sie mit ihrer Kurzgeschichte The Heroine, es folgte ein Stipendium für die Künstlerkolonie Yaddo, wo sie in Ruhe arbeiten konnte und erste Teile ihres grossen Erfolges Zwei Fremde im Zug schrieb. Patricia Highsmith starb am 4. Februar 1995 in Locarno, Schweiz. Sie hat 22 Romane und eine Vielzahl von Kurzgeschichten, unter anderem Zwei Fremde im Zug (1950; dt. 1967), Der Stümper (1954; dt. 1974), Der talentierte Mr. Ripley (1955; dt. 1961/1979), Suspense oder Wie man einen Thriller schreibt (1966; dt. 1990/2013), Ripley under Ground ((1970; dt. 1972), Ripley’s Game (1974; dt. 1976), Ediths Tagebuch (1977; dt. 1980), Elsies Lebenslust (1986; dt. 1986).

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 168 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag (23. April 2013)
ISBN: 978-3257242034
Preis: EUR 9.99/ CHF 15.90

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Colum McCann: Briefe an junge Autoren

„Niemand kann Ihnen raten und helfen, niemand“, sagte Rilke vor über einem Jahrhundert in Briefe an einen jungen Dichter. „Es gibt nur ein einziges Mittel. Gehen Sie in sich.“

Mit diesem Zitat eröffnet Colum McCann sein Buch und er stimmt Rilke zu. Nun mag man sich als Leser fragen, wieso er dann dieses Buch geschrieben hat. Er gesteht sogar kurz nach dieser Einführung ein, dass er mit der vorliegenden Zusammenstellung von Ratschlägen elend gescheitert sei, was aber nicht so tragisch ist, da er es „liebe, zu scheitern“.

Damit drückt er vielleicht etwas vom Wichtigsten aus, was ein (angehender) Autor wissen muss: Schreiben ist schwierig und nur dann, wenn man trotzdem immer wieder hinsitzt und schreibt, wird man ein Autor sein. Das Autorendasein ergibt sich nicht durch das Reden übers Schreiben, nur das Schreiben macht den Menschen zum Autoren. Und: In diesem kann er immer wieder scheitern.

„Verzweifeln Sie nicht. Schreiben Sie weiter. Bleiben Sie mit dem Hintern auf dem Stuhl sitzen. Bringen Sie Wörter auf die Seite. Tun Sie, was Sie lieben. Kämpfen Sie. Seien Sie beharrlich.“

In kurzen Absätzen schreibt McCann über die erste Zeile, den Schrecken der weissen Seite, die Erschaffung von Figuren und Dialogen – und vieles mehr. Und immer wieder die Aufforderung, zu schreiben. Viel zu schreiben. Und zu lesen, viel und Verschiedenes zu lesen, um dann wieder zu schreiben. Und beim Schreiben solle man mutig sein, nicht zu sehr an den Dingen hängen, wenn man merkt, dass sie nicht funktionieren. Es könne sein, dass man nach einem Jahr Arbeit und mehreren hundert Seiten merkt, man muss alles löschen und neu anfangen. Der Autor hat eine ganz grosse Aufgabe:

„Die Fähigkeit aufzubringen, an das Schwierige zu glauben. Zäh um die Erkenntnis zu ringen, dass Erfolg Zeit und Geduld braucht.“

Briefe an junge Autoren ist kein Schreibratgeber im üblichen Sinne. Column McCann sieht sich eher als Begleiter, als einer, der schreibt, dabei das ein oder andere über die Jahre gelernt hat und nun ein bisschen davon weitergeben will. Entstanden sind leicht lesbare, mit viel Humor und Selbstironie gewürzte kurze Texte rund ums Schreiben, Texte, die anregen, die Mut machen wollen, die dem verzweifelt vor dem leeren Blatt sitzenden jungen Autor sagen wollen: Wir waren alle an dem Punkt, wir kommen wieder an den Punkt, es gibt nur eines: Weiter schreiben.

Fazit:
Ein wunderbares Buch eines grossartigen Geschichtenerzählers über das Schreiben, – humorvoll, unterhaltsam, inspirierend. Sehr empfehlenswert.

Über den Autor
Colum McCann wurde 1965 in Dublin geboren. Er arbeitete als Journalist, Farmarbeiter und Lehrer und unternahm lange Reisen durch Asien, Europa und Amerika. Für seine Romane und Erzählungen erhielt McCann zahlreiche Literaturpreise, unter anderem den Hennessy Award und den Rooney Prize for Irish Literature. Zum internationalen Bestsellerautor wurde er mit den Romanen «Der Tänzer» und «Zoli». Für den Roman «Die große Welt» erhielt er 2009 den National Book Award. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in New York.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch; 1. Edition (19. Mai 2017)
ISBN-Nr.: 978-3499291401
Preis: EUR 12 / CHF 17.90

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Anselm Grün: Das kleine Buch vom guten Leben


„Gut ist, was mir gut tut. Aber was tut mir wirklich gut? Und was ist gut – für mich und für andere? Was ist es wert, dass ich mein Leben danach ausrichte? Welche Haltungen braucht es dazu?

Anselm Grün geht in diesem kleinen Buch der Frage nach, was ein gutes Leben ist und wie wir dieses leben können. Er beruft sich dabei auf die Religionen und Philosophien aus aller Welt, zitiert literarische Werke und alte Weisheiten. Für ein gutes Leben, so Anselm Grün, braucht es nicht viel, ausschlaggebend ist die innere Haltung, das, wonach wir unser Leben ausrichten.

„Ob unser Leben gelingt, hängt davon ab, dass wir den richtigen Werten folgen. […] Werte sind Quellen, aus denen wir schöpfen können, damit unser Leben erblüht und gelingt.“

Am Anfang von allem steht die Achtsamkeit. Wenn wir nicht achtsam mit uns und dem Leben umgehen, wird es an uns vorbeiziehen, wir verlieren uns selber. Achtsamkeit bedingt den klaren Blick auf das, was ist. Wo stecke ich fest, in welchen Abhängigkeiten bin ich gefangen? Was tue ich täglich und wie tue ich es? Wonach richte ich mich aus und tut mir das gut? Danach geht die Reise durch die verschiedenen wichtigen Werte weiter, Themen wie Alter, Alleinsein, Dankbarkeit, Freundschaft, Genuss, Loslassen und Gesundheit werden auf eine kurze und doch eindrückliche Weise behandelt.

Als Leser wird man immer wieder dazu angeregt, nachzudenken, das eigene Leben zu hinterfragen. Wo halte ich mich krankhaft fest? Womit stehe ich mir und meinem Glück im Weg? Was könnte ich ändern? Wo bräuchte ich mehr Mut und wo mehr Nachsicht?

Anselm Grün überzeugt durch eine tiefe Weisheit, durch eine Belesenheit und einen offenen Blick ohne religiöse, philosophische oder lokale Grenzen. Das gute Leben wohnt dem Menschen inne, unabhängig von seiner Zugehörigkeit zu einer wie auch immer gearteten Gruppierung. Und jeder hat es selber in der Hand, sein Leben in bestmöglicher Weise zu einem guten Leben zu machen.

Fazit:
„Das kleine Buch vom guten Leben“ ist ein Kleinod an kurzen Texten, die zur Selbsthinterfragung anregen und so dabei helfen, das eigene Leben in die Hand zu nehmen. Klug, weise und sehr empfehlenswert.

Über den Autor
Anselm Grün studierte zunächst Philosophie und Theologie und danach BWL. Er ist Mönch der Benediktinerabtei Münsterschwarzach, geistlicher Begleiter und Kursleiter in Meditation, Fasten, Kontemplation und tiefenpsychologischer Auslegung von Träumen.
Seine erfolgreichen Bücher zu Spiritualität und Lebenskunst sind weltweit in über 30 Sprachen übersetzt. In ihnen vereint sich die tiefe Religiosität des Benediktinerpaters mit der reichen Lebenserfahrung eines besonderen Menschen.
Sein einfach-leben-Brief begeistert monatlich zahlreiche Leser (www.einfachlebenbrief.de)

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Verlag Herder (11. Mai 2005)
ISBN-Nr.: 978-3451070440
Preis: EUR 8 / CHF 12.90

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Dorothea Brande: Schriftsteller werden

Der Klassiker über das Schreiben und die Entwicklung zum Schriftsteller

„Ich bin der Überzeugung, dass das Schreiben von erzählender Literatur wichtig ist: Romane und Kurzgeschichten haben grosse Bedeutung in unserer Gesellschaft. Literatur ist für viele Leser die Quelle ihrer Weltanschauung – sie setzt ethische, soziale und materielle Normen Sie bestätigt Vorurteile des Lesers, oder sie öffnet seinen Geist und erweitert seine Welt.“

Dorothea Brande schrieb das vorliegende Buch 1934 und seit da gilt es als Klassiker. Es gibt viele Ratgeber, wie man den perfekten Roman schreiben könne, einige versprechen sogar, mit der Anleitung könne man das in einem Monat bewerkstelligen. Dorothe Brande sagt selber, dass sie in ihrer Zeit als Autorin viele solche Ratgeber gelesen habe, darüber, wie man Plots erstellt, Charaktere erfindet und vieles mehr. Sie geht mit ihrem Buch einen anderen Weg.

Wichtig ist, was einen Schriftsteller überhaupt zum Schriftsteller macht, die Antwort lautet: Er schreibt. Was so einfach klingt, ist es in Tat und Wahrheit aber nicht. Wie viel hält Schreibwillige oft von dem ab, was sie eigentlich tun wollen? Ganz verschiedene Ängste treten plötzlich auf und lassen zögern, blockieren gar. So sagt denn Brande auch:

„Zunächst einmal ist es schwer, überhaupt zu schreiben. Der unversiegbare Gedankenfluss, der erforderlich ist, wenn der Name eines Schriftstellers je bekannt werden soll, will einfach nicht in Ganz kommen. Die Schlussfolgerung, jemand, der nicht mit Leichtigkeit schreiben kann, habe seinen Beruf verfehlt, ist schlicht und einfach Unsinn.“

Die erste Aufgabe, die es also zu bewältigen gibt, ist, den eigenen Schreibfluss in Gang zu bringen. Brande gibt dazu Übungen an die Hand, welche helfen, die nötige Selbstdisziplin auf das eigene Schreiben zu entwickeln. Als weitere nötige Zugaben für ein gelingendes Leben als Schriftsteller nennt sie das Bewahren kindlicher Spontaneität und einen unschuldigen Blick, die Wahrnehmung, dass in allem, was uns begegnet, eine Geschichte liegt. Des Weiteren legt sie das Augenmerk auf das Zusammenspiel von Unbewusstem und Bewusstem im Schreibprozess, den Wert gezielter und analytischer Leseerfahrungen sowie das richtige Sehen im Alltag.

„Schriftsteller werden“ ist keine strukturierte Anleitung hin zu einem Roman, es ist ein Buch über die Entwicklung des Menschen hin zu dem, was er sein will: Schriftsteller. Brande schöpft dabei aus ihrer Erfahrung als Autorin und Lehrerin für Kreatives Schreiben, etwas, das es in den USA seit vielen Jahrzehnten gibt und was auch viele später erfolgreiche Autoren so gelernt haben, was in unseren Breitengraden noch immer eher stiefmütterlich behandelt wird und meist nur privat gelernt werden kann – von wenigen Ausnahmen mal abgesehen.

Fazit:
„Schriftsteller werden“ ist keine strukturierte Anleitung hin zu einem Roman, es ist ein Buch über die Entwicklung des Menschen hin zu dem, was er sein will: Schriftsteller. Inspirierend, gut lesbar und sehr empfehlenswert.

Über die Autorin
Dorothea Brande war ein bekannte Schriftstellerin und Redakteurin in New York. Sie studierte an der Universität in Chicago und an der University of Michigan. Ihr Buch Wake Up and Live erschien 1936 und verkaufte sich mehr als zwei Millionen Mal. Twentieth Century Fox machte 1937 ein Musical daraus.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 140 Seiten
Verlag: Autorenhaus Verlag GmbH(30. August 2009)
ISBN-Nr.: 978-3866710696
Preis: EUR 12.90 / CHF 16.90

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Staatsgalerie Stuttgart, Ina Conzen (Hrsg.): Francis Bacon. Unsichtbare Räume

Dem Paradoxen einen Raum geben
Francis Bacon gilt als einer der grössten, figurativ malenden Künstler heutiger Zeit. Trotz horrender Verkaufspreise im zwei- und dreifachen Millionenbereich für seine Bilder ist er aber alles andere als unumstritten.
Deformiert, zerfliessend, sich windend, sind es ohne Zweifel höchst vitale Wesen, deren Intaktheit allerdings prekär infrage steht. Bacon lotet existentielle Grenzsituationen aus – Grenzsituationen zwischen Leben und Tod, physischer Präsenz und Auflösung, Mensch und Tier, Lust und Schmerz.

Geschäftsleute, Päpste, Menschenaffen werden in nicht zu entschlüsselnden Käfigen zur Schau gestellt. Meist winden sie sich in abstrusen Posen, sind in ihrer Identität oft nur durch Symbole oder künstlerische Kniffe erkennbar. Es beginnt bei der Betrachtung ein Diskurs zwischen Bild und Betrachter, bei dem nicht sicher ist, wer Objekt, wer Subjekt ist, wer spricht, wer antwortet.

Gewalt, Religion, Tod – das sind die immer wiederkehrenden Themen von Francis Bacons Malerei. Margrit Thatcher nannte seine Kunst verstörend und so mancher kann sich wohl dem Urteil auch nicht entziehen. Trotzdem geht von dem Künstler eine Faszination aus, ist sein Leben und Werken Gegenstand vieler Bücher, Dokumentationen und Filme. Man weiss um die verschiedenen Einflüsse aus Anatomie, dem Studium alter Meister und anderem mehr. Was also gäbe es noch Neues zu sagen?

Das vorliegende Buch (als Katalog zur Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart) hat sich dem Thema der (unsichtbaren) Räume in Francis Bacons Werk angenommen. So offensichtlich sie eigentlich sind, betrachtet man seine Bilder, so wenig beleuchtet wurde dieser Aspekt. Es legt Francis Bacons Sicht auf seine Kunst offen, seine Abneigung gegen Abstraktion ebenso:
Abstrakte Kunst bedeutet freies Fantasieren über nichts. Von nichts kommt nichts. Man benötigt also konkrete Bilder, um die tief liegenden Gefühle und das Mysterium von Zufall und Intuition, das Besondere zu realisieren.

Wie seine Ablehnung von Narration in seinen Bildern. Es wendet sich zudem in Artikeln und auch in den ausgewählten Bildern den Bildräumen und den Räumen in diesen Räumen zu. Es behandelt auf fundierte, tiefgründige und erklärende Weise den Körper im Raum, wie er in Bacons Bildern präsentiert wird. Bei den Räumen wird – wie bei seinen Gestalten – offensichtlich, dass er auch diese verzerrte in Perspektive und Anordnung, so dass sie zu paradoxen Räumen werden, die zwischen Bühne und Käfig schwanken, die Figuren einerseits im Inneren einschliessen, sie andererseits doch dem Publikum präsentieren. Die hochwertige Gestaltung rundet das Buch ab.

Fazit
Ein informatives, tiefgründiges und hochwertig gestaltetes Buch, das sich fundiert mit Bacons Bildern auseinandersetzt und vor allem die Räume innerhalb der Bilder auf gut verständliche Weise erläutert. Absolut empfehlenswert.

Link zur Staatsgalerie Stuttgart: HIER http://www.staatsgalerie.de

Zum Herausgeber:
Die Staatsgalerie Stuttgart gehört mit ihrem reichen Bestand an Gemälden und Plastiken vom 14. bis 21. Jahrhundert zu den meistbesuchten Museen Deutschlands.

Ina Conzen ist Kuratorin für die Kunst der Klassischen Moderne und stellvertretende wissenschaftliche Direktorin der Staatsgalerie Stuttgart..

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Prestel Verlag (12. Oktober 2016)
ISBN: 978-3791355764
Preis: EUR: 39.95 ; CHF 52
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Ray Bradbury: Zen in der Kunst des Schreibens


Kreativtechniken eines Schriftstellers von Weltrang

„Schreiben heisst Überleben. Jede Kunst, jede gute Arbeit, bedeutet das natürlich.“

Ray Bradbury schrieb Kurzgeschichten, Romane, Gedichte, Drehbücher und vieles mehr. Erfolge und Auszeichnungen pflastern seinen Weg. Was aber treibt ihn an? Wie entstehen seine Bücher? In diesem Buch gibt er Einblicke in sein Schreiben, zeigt, was ihn antreibt, beschreibt seine Freude an seinem Tun auch nach so vielen Jahren.

Das Buch versammelt 11 zu unterschiedlichen Zeiten geschriebene Essays, welche sich mit verschiedenen Aspekten von Bradburys Schreiben befassen. Dabei kann der erste als grundlegend für die anderen gelten, heisst er doch „Die Freude am Schreiben“. Diese Freude dringt nicht nur aus den Zeilen der Essays, Bradbury nennt sie auch als Basis für das Tun generell. Wer nicht mit Leidenschaft und Gusto schreibt, so ist er überzeugt, ist kein Schriftsteller. Den Schriftsteller, so Bradbury, treibt die Freude, Neues zu gestalten, an. Er will schreiben, muss schreiben, kann nicht nicht schreiben.

„Wenn Sie nicht jeden Tag schreiben, sammelt sich das Gift der Wirklichkeit in Ihnen und Sie beginnen zu sterben oder durchzudrehen – oder beides. Bleiben Sie berauscht vom Schreiben, damit die Realität Sie nicht vernichten kann.“

Der Untertitel des Buches ist etwas verwirrend gewählt, da man in diesem Buch vergeblich Schreibtipps, Anleitungen oder gar Übungen sucht. Natürlich kann man dadurch, dass man mehr über Ray Bradburys eigenen Prozess erfährt und er diesen Menschen, die schreiben wollen, auch ans Herz legt, etwas für das eigene Schreiben herausziehen. Sucht man aber einen Schreibratgeber, ist man mit diesem Buch schlecht bedient. Aber: Interessiert man sich dafür, wie einer, der seit so vielen Jahren schreibt und das noch mit Freude tut, sich das Schreiben und die Freude daran bewahrt hat, der trotz all seiner Erfolge selbstkritisch und sich selber nicht zu ernst nehmend, durchs Leben geht, dann wird man an diesem Buch viel Freude haben. Und ein wenig spürt man in sich den Drang, das doch alles auch mal auszuprobieren. Von so viel Freude und Spass zu lesen, weckt schlicht die eigene Freude und den Wunsch, diese auch noch weiter auszuleben.

Fazit:
Einblicke in das Schreiben eines Autoren, auf humorvolle und unterhaltsame Weise vermittelt. Kein Schreibratgeber im üblichen Sinne, aber ein Buch, bei der die Freude am Schreiben aus allen Zeilen tropft. Sehr empfehlenswert.

Über den Autor
Ray Bradbury gehört zu den großen Science-Fiction-Autoren Amerikas. Geboren 1920 in Waukegan, Illinois, begann Bradbury unmittelbar nach der Highschool mit dem Schreiben fantastischer Geschichten. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich anfangs noch als Zeitungsverkäufer, bald aber konnte er seine Erzählungen in diversen Zeitschriften veröffentlichen. 1953 wurde Bradbury mit seinem Roman „Fahrenheit 451“ schlagartig weltberühmt, nicht zuletzt auch dank der Verfilmung durch François Truffaut. Mehr als 600 Geschichten und über 30 Bücher hat der Vater von vier Töchtern seither publiziert. Aber auch außerhalb der Literatur ist Bradbury immer wieder gefragt: U. a. engagierte er sich als Experte für das Fantastische bei Disneyland Paris. Heute lebt Bradbury in Los Angeles.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 184 Seiten
Verlag: Autorenhaus Verlag GmbH(28. April 2016)
ISBN-Nr.: 978-3866711358
Preis: EUR 16.99 / CHF 24.90

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Blake Gopnik: Warhol. Ein Leben als Kunst

Die Biographie

„Er konnte der Nation ihre eigene Kultur auf eine Art erklären, wie es nur ein Beobachter von aussen konnte, und zugleich formte er sie aus ihr heraus aktiv um.“

Kaum jemand, der Andy Warhols Siebdrucke von Stars, Konservendosen und anderen Gegenständen nicht kennt. Doch wer war der Mensch, der hinter all dem stand? Wie lebte er, was machte ihn aus? Andy Warhol selber konnte man da kaum fragen, hielt dieser sich doch äusserst bedeckt, was sein Privatleben anging. Die widersprüchlichen Antworten auf private Belange fangen beim Geburtsdatum an und ziehen sich durch alle Bereiche des persönlichen Lebens.

Blake Gopnik hat sich der Aufgabe angenommen, Licht ins Dunkel zu bringen. Nach eigenen Angaben arbeitete er sieben Jahre an dem Buch, interviewte fast 300 Menschen. Er schafft es dabei, Warhol sowohl als Menschen mit Fehlern und Schwächen zu porträtieren, als auch seinem Schaffen den geschuldeten Respekt zu zollen, den es im Rahmen der Kunstgeschichte verdient.

Angefangen bei seiner Kindheit in Pittsburgh als Sohn einer armen Bauernfamilie erzählt Gopnik auf mitreissende und nie langweilig anmutende Weise Warhols Lebensweg, lässt den Leser daran teilhaben, wie die einzelnen Etappen Warhols späteres Schaffen beeinflusst haben könnten. Nach einem sehr erfolgreichen Start in der Werbe- und Textilindustrie entschied sich Warhol für ein Leben als Künstler, nahm dabei aber viel seiner früheren Arbeit mit.

„Warhol überbrückte den Graben zwischen unterschiedlichen Medien (Fotografie, Malerei, Druck) ebenso wie den zwischen „geringwertigen“ und „hochwertigen“ Kunstdisziplinen (Illustration und bildende Kunst), und die Konzeption hatte bei ihm stets Vorrang vor der technischen Umsetzung.“

Überhaupt war Warhol ein Meister des Grenzen Abtragens. Auch die Grenze zwischen Leben und Kunst schwand mehr und mehr, Warhol erschuf sich quasi als sein eigenes Kunstwerk, als welcher er durchs Leben ging.

Ab den 1960er Jahren konzentrierte sich Andy Warhol hauptsächlich auf seine zweite Leidenschaft: Filme. Dabei bewegte er sich aber weit ab von Hollywood- Filmen. Mit einer Filmkamera hielt er das Leben und die Menschen um sich fest. So filmte er zum Beispiel John Giorno über vier Stunden beim Schlafen. Nach dem Film und der Malerei weitete Warhol nach und nach sein Experimentierfeld aus, stiess in den Bereich der Musik vor, nahm einen Anlauf, Buchautor zu werden, auch ein Theaterstück entstand aus seiner Feder.

Ein Leben wie ein Kunstwerk – darauf deutet der Untertitel des Buches hin, der Inhalt belegt es auf eindrückliche Weise. Entstanden ist ein sehr umfassendes Buch über einen seine Zeit (und auch die kunstgeschichtliche Nachwelt) prägenden Künstler sowie ein Zeitdokument in sozialer, kunsthistorischer und auch politischer Hinsicht. Gopnik hat sich einer grossen Herausforderung gestellt, ein so umfassendes und vielschichtiges Leben mit seinen unzähligen Tiefen und Geheimnissen zusammengetragen. Durch seinen flüssigen und mitreissenden Erzählstil gelingt es ihm, den Leser von der ersten Seite an in den Bann zu ziehen und ihn nicht mehr loszulassen.

Fazit:
Ein Standardwerk – Genauer und detaillierter kann man das Leben und Schaffen eines Künstlers nicht erzählen. Sehr empfehlenswert.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 1232 Seiten
Verlag: Bertelsmann Verlag (9. November 2020)
ISBN-Nr.: 978-3570102077
Preis: EUR 48 / CHF 65.90

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Rezension – Aljoscha Blau: Multitalent Gouache

Klassische Technik neu entdeckt: Upgrade für Design und Illustration

Es war einmal ein kleines Mädchen, das beklagte sich so sehr, dass sein grosser Bruder alle Anerkennung abkriegt, während es im stillen Kämmerchen sein Dasein fristet und völlig unterschätzt wird. So etwa könnte das Märchen über die Protagonistin des Buches klingen, von dem diese Rezension handeln soll: Gouache.

Während Aquarell/Wasserfarben sich ihren Platz am Künstlertisch erkämpft haben und sich einer grossen Anhängerschaft erfreuen, fristet Gouache ein noch immer eher stiefmütterliches Ansehen. Ob dies darauf zurück zu führen ist, dass man kaum Anleitungen findet, wie man mit dem Medium umgehen soll, oder aber die mangelnden Anleitungen zum unterschätzten Stellenwert führen, ist so klar zu beantworten wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei. Langer Rede kurzer Sinn: Es gibt Abhilfe. Aljoscha Blau hat sich der Gouache angenommen und ein Buch geschrieben. Er selber hat ein solches Buch in seiner Ausbildung vermisst, nun schenkt er es uns. Dabei ist er sich bewusst:
Es mag für einen Autor paradox klingen, aber ich glaube, dass man aus einem Buch nur ansatzweise lernt. Aber woran ich fest glaube ist, dass Lernen mit dem Buch und einem Stift (oder Pinsel) in der Hand im Gegenteil wunderbar funktionieren kann. […] Lassen sie sich von dem, was Sie in diesem Buch entdecken, inspirieren und wenn eine bestimmte Technik Sie anspricht, probieren Sie sie aus.
Aljoscha Blau geht zuerst auf die Geschichte der Gouache ein und erläutert dann das Material von der Farbe über die Pinsel zum Papier sowie Zubehör. Es folgen verschiedene Techniken und Anwendungsbeispiele. Alles – wie könnte es bei dem Autoren anders sein – wunderbar illustriert, so dass man immer mal wieder versucht ist, den eigenen Pinsel wegzulegen und die Bilder zu geniessen. Dies soll aber keine Abzugspunkte geben, dies ist die Sahnehaube, denn: An gut erklärten Beispielen zeigt Aljoscha Blau die Herangehensweise an ein Bild, die verschiedenen Schritte mit den nötigen Materialien. Wer also – wie empfohlen – mit Stift oder Pinsel dasitzt und loslegt, der findet in dem Buch wunderbare Anleitungen und Inspirationen.

Ein wunderbares Buch, das grossartig illustriert, mit einem stilvollen Layout und hochwertiger Gestaltung daher kommt.

Fazit:
Ein grossartiges Buch, das sowohl vom Inhalt als auch von der Aufmachung her überzeugt. Alles, was man zum Thema Gouache wissen muss, wird in lesbarer und fundierter Weise vorgestellt und wunderbar illustriert. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor
Aljoscha Blau
Aljoscha Blau, geboren 1972 in St. Petersburg, wuchs dort in einer Künstlerfamilie auf und kam ein halbes Jahr nach dem Mauerfall 1990 nach Deutschland. Er studierte an der FH für Gestaltung Illustration und freie Grafik und veröffentlichte bereits als Student seine ersten Bücher. Heute lebt Aljoscha Blau in Berlin und arbeitet als Illustrator für deutsche und internationale Verlage. Er hat über 60 Bücher illustriert, viele davon wurden mit wichtigsten deutschen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Darunter zählen der Deutsche Jugendliteraturpreis, German Design Award Gold, Bologna Ragazzi Award, Österreichischer Staatspreis u.a. Neben seiner künstlerischen Arbeit unterrichtet Aljoscha Blau als Gastprofessor an den Kunsthochschulen in Deutschland, Dänemark, Schweiz, Italien.

Buchtipp: Das Dschungelbuch

Videoporträt: Bösner Kunstportal

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Verlag Hermann Schmidt (23. Januar 2020)
ISBN-Nr.: 978-3874399166
Preis: EUR 32 / CHF 43.90

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Peter Jenny: Kreative Interventionen

Kreativität erschafft. Creare, schaffen. Etwas zu erschaffen heisst aber nicht, dass vorher nicht schon etwas da ist. Schliesslich leben wir nicht im luftleeren Raum, sind selten die Ersten irgendwo.

Peter Jenny KreativePeter Jenny bringt mit „Kreative Interventionen“ bereits das zehnte Buch in seiner Reihe „Schule des Sehens“ auf den Markt. Die Botschaft lautet: Nichts ist je fertig, nichts beginnt je bei null. Er will anregen, weiterzudenken, will anregen, zu erforschen. Nicht einfach bei der Wahrnehmung stehen bleiben, sondern neue Wege gehen. Eigene Visionen entwickeln, eigene Botschaften verkünden aufbauend auf dem, was da ist.

Peter Jenny plädiert für Neugier und Motivation, zu lernen. Er wendet sich an Autodidakten, die selber die Bildwelt erkunden wollen, ohne Lehrer, ohne vorgefertigte Meinungen, sondern mit offenem Blick.

Den Blick auf Altbekanntes wagen, mit der Absicht, Unbekanntes dabei zu entdecken, ist ein wichtiger Ansporn…

Schon bestehende Bilder zu übermalen oder überkritzeln sei, so Jenny, schon immer gemacht worden. Es zeuge nicht von Respektlosigkeit, sondern vom Weiterdenken und auch oft von Humor. Er fordert darum auf, schon Bestehendes genau anzusehen, darin Neues zu entdecken und diesem Ausdruck zu geben.

Das Geniale ist ja, dass wir nicht immer alles selbst erfinden müssen, um unseren Einfallsreichtum anzustacheln. Auch das bereits Gedachte ist Kreditwürdig für Neues.

Auch in diesem Buch setzt sich Peter Jenny wieder ein für den Mut. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Es gibt nur einen Weg des Ausdrucks, den man für sich finden kann. Dabei helfen ein offener Blick und die Bereitschaft, drauflos zu kritzeln. Wir sind alle (an)schauende Wesen, Bilder sind Tag und Nacht präsent. Peter Jenny möchte dazu einladen, mit den Bildern zu spielen, neue Welten zu entdecken, indem man alte erkundet, anschaut, weiterentwickelt, Neues kreiert.

Wie sagte schon Schiller:

Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.

Mit seinem Buch „Kreative Interventionen“ liefert er einen wunderbaren Spielplatz. verschiedene Übungen laden dazu ein, die eigene Kreativität zu leben, Zusammenhänge zu finden, die vorher so nicht da waren, Neues in bereits Bestehendes zu zeichnen.

Fazit

Ein wunderbar lebendiges Buch, ein wunderbar anregendes Buch, eine Spielwiese für alle die, welche sich und der Welt wieder neu und kreativ begegnen wollen, ausgerüstet mit Stift und Papier. Absolut empfehlenswert.

Der Autor
peter-jenny-300x300Peter Jenny hat in 30 Jahren als Professor an der renommierten ETH Zürich Generationen von Gestaltern geprägt. Seine »Schule des Sehens« ist die ideale Grundlage gestalterischer Tätigkeit und künstlerischer Aktivität und umfasst inzwischen 10 handliche Büchlein, die weltweit auf begeisterte Resonanz treffen.

Angaben zum Buch:

Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Verlag Hermann Schmidt (24. September 2019)
ISBN: 978-3874399357
Preis: EUR: 12.80 ; CHF 19.90

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