Lesemonat November – Ein Rückblick

Der November war grau zu mir – vor allem, was das Wetter anbelangte. Sonst schaue ich sehr dankbar auf einen Monat zurück, der gut tat, der von Zufriedenheit, Freude, Energie und schönen Momenten geprägt war. Zu den letzteren gehörten auch einige Lesemomente. Es war ein guter Monat, wenn auch ein paar Bücher nicht ganz dem entsprachen, was ich mir davon erhofft hatte.

Ich habe mich dem Osten zugewandt, hauptsächlich Yoga, Ayurveda und Buddhismus. Es waren Bücher, die nicht zwischen Buchdeckeln stecken bleiben wollen, sondern ins Leben greifen. Es waren Bücher, die dazu anregten, das Gelesene in der Praxis umzusetzen, Bücher, die zu mehr Bewusstsein für das eigene Sein und Tun aufriefen. Das meiste war zwar nicht neu für mich von den Gedanken her, aber manchmal helfen verschiedene Anläufe und Ansätze, Dinge besser zu verinnerlichen, so dass sie dann von innen heraus ins Leben wirken.

Hier die vollständige Leseliste:

Anna Trökes: Yoga der Verbundenheit. Die Kraft des Herzens wahrnehmen und entfaltenWenn wir von uns sprechen, sprechen wir von unserem Herzen, denn da sitzt unsere Essenz, das, was uns ausmacht. Oft haben wir diesen Zugang verloren, was sich im Leiden an uns selbst und im Umgang mit anderen Menschen zeigt. Anna Trökes zeigt Wege zurück an, hin zu einer Verbundenheit mit dem eigenen Herzen, mit sich und der Welt. Verschiedene, praktisch umsetzbare, teilweise auf einer CD angeleitete Übungen sollen dabei helfen. 5
Thich Nhat Hanh: Alles, was du tun kannst für dein GlückViele einfach zu praktizierende Übungen, die mehr Glück ins Leben bringen sollen. Glück entsteht dann, wenn der Geist im Körper präsent ist und so im Hier und Jetzt achtsam den Augenblick lebt, dann ist der Mensch lebendig und glücklich. Ein Buch, das aufruft, nach innen zu schauen, die eigenen Gefühle und Muster zu erkennen, das eigene Leid anzunehmen, und mit Liebe, Güte und Achtsamkeit anderen Lebewesen und der Welt zu begegnen. 4
Gertrud Hirschi: Yoga 7×7abgebrochen – zu oberflächlich und zu einfach, hat mich nicht angesprochen
Remo Rittiner: Im Einklang mit dem Herzenabgebrochen – zu esoterisch, der Schreibstil hat mir nicht entsprochen. Es wirkt noch zu wenig ausgegoren, er hätte wohl seinem Kopf folgen sollen und das Buch erst in einem Jahr schreiben
Marion Küstenmacher: Wo die Seele Atem holtZu oberflächlich, zu wenig Tiefgang, mit der Zeit wirkt es ein wenig beliebig
Elena Lustig: Pro Age Life. Das Yoga-Praxisbuch für gesundes ÄlterwerdenÄlter-Werden ist verbunden mit Einschränkungen, Abbau und vermehrt Krankheiten. Wir werden das nicht ganz beseitigen können, aber wir haben viel in der Hand, gesünder älter zu werden und dem Abbau etwas vorzubeugen. Mit vielen Tipps zu Ernährung, Lebenshaltung und Yogastellungen gelingt es, dem Älter-Werden auch positive Seiten abzugewinnen. Das Rad wurde nicht neu erfunden, vieles ist bekannt und auch banal, doch es ist ein informatives und schön gestaltetes Buch.4
Ryan Holiday: Mut. Das Glück ist mit dem Tapferenabgebrochen – zu viele und lange Erzählungen und Geschichten, zu wenig Substanz und Aussage. Die vereinzelten guten Sätze muss man förmlich suchen in all dem Text.2
Michael Stone: The Inner Tradition of YogaYoga wird heute häufig nur auf der Matte als Asanas praktiziert, doch ohne die zugrunde liegende Philosophie ist es kein Yoga, sondern Turnen. Michael Stone zeigt, wie elementar die philosophischen Quellen für die heutige Praxis sind, er beschreibt Yoga als einen Weg auf und neben der Matte, als Haltung von innen heraus mit dem Ziel, sich für die Verbundenheit mit sich, den Menschen und der Welt zu erfahren. 4
Eckard Wolz-Gottwald: Yoga-Weisheit leben. Philosophische Übungen für die PraxisEin Blick auf historische Hintergründe des Yoga, den Weg des Yoga an sich, die Philosophie, die hinter der Übungspraxis liegt und weitere Themen des Yoga. Jedes Thema wird mit einer Übung zur Selbstreflexion und der Hinterfragung der eigenen Praxis abgerundet. Ein inspirierendes Buch mit leider zu vielen Wiederholungen und sprachlichen Fehlern. 4
Dr. Andrea Klemmer: Die faszinierende Welt der Hormone. Wie winzige Botenstoffe unseren Körper steuern und was wir für unsere Hormonbalance tun könnenInformatives, umfassendes und verständliches Buch über unser Hormonsystem. Was sind Hormone, wo werden sie gebildet und wie wirken sie? Was passiert bei einer Störung und wie kann man eine solche vermeiden oder beheben? Diesen Fragen geht die Autorin nach. Das Buch eignet sich auch als Nachschlagewerk. Gefehlt haben veranschaulichende Bilder und Schemen.4
Anjali und R. Sriram: Yoga und Gefühle. Mit allen Sinnen lebenEin Aufruf, unsere Gefühle ernst zu nehmen und zu leben. Mit Hilfe von Atemübungen und Meditationen sollen Blockaden gelöst werden und der Zugang zu den eigenen Gefühlen geöffnet. Es gilt, sie anzunehmen und auszuleben, dies aber immer mit dem Bewusstsein, woher sie kommen und wie sie gut eingesetzt sind. Wichtig ist, dass es keine guten oder schlechten Gefühle sind, erst unser Umgang mit ihnen entscheidet, wie sie sich auswirken in unserem Leben. 4
Anna Trökes: Yoga der EnergieEin überblick über den Yogaweg, die philosophischen Schriften und Lehren, die tantrischen Hintergründe und darüber, was Yoga bewirken kann. Eine Einführung in den Yoga der Energie mit den wichtigen Übungsabfolgen, sowie die Erläuterung der verschiedenen Wirkungen auf den unterschiedlichen Ebenen des Seins bei ausgewählten Übungen. 5


Die Highlights des Monats waren die beiden Bücher von Anna Trökes. Zwar las ich in beiden nichts Neues, vieles vom Geschriebenen findet sich auch in anderen Büchern derselben Autorin, und doch finde ich es immer wieder schön, eine Autorin so aus dem Herzen, so fundiert und so verständlich schreibend zu lesen.

Was waren eure Lesehighlights des Monats? Was hat euch generell im November gefreut?

Anna Trökes: Yoga der Verbundenheit. Die Kraft des Herzens wahrnehmen und entfalten

Erfüllung auf und neben der Yogamatte

Inhalt

„Sei offen und lass dich immer wieder überraschen, was geschehen will, sobald du die Matte betrittst. Sei wahrhaftig und ehrlich mit dir – und dann tu, was du kannst, so gut du es kannst! Und das ist gut so!“

Offen bleiben, sich nicht verhärten und schon gar keinen Dogmen folgen oder selbst welche aufstellen. Yoga heisst, mit offenem Blick die eigenen Meinungen und Ansichten (auch über sich selbst) zu hinterfragen und sich zu öffnen für das, was möglich ist, für neue Sicht- und Lebeweisen. Mit Yoga können wir einen Weg zu unserem Herzen öffnen, es von innen heraus stärken und aus dieser starken Mitte heraus in die Welt treten.

Anna Trökes zeigt in ihrem Buch, wie wir dahin kommen, mehr zu uns zu finden, in uns die Kraft zu entdecken und zu fördern, die hilft, in der Welt als die, die wir sind und sein wollen, zu bestehen – als aktiver und eingebundener Teil dieser Welt. Das bedeutet immer auch, uns selbst zu hinterfragen, hinzuschauen, was wir brauchen, und das ernst zu nehmen. Es geht darum,

„…dass wir unsere eigenen Anliegen und Ziele ernst nehmen und aus diesem Grund ein echtes, im Herzen gegründetes Interesse zeigen, unserem Anliegen – wie zum Beispiel unserer Yoga-Praxis – die Priorität und genügend Zeit einzuräumen.“

Anna Trökes beschreibt in ihrem Buch, wie wir mit Hilfe von Yoga wieder Verbindung mit unserem Herzen aufnehmen können, um aus dieser Qualität heraus zu handeln. Wenn sie beschreibt, was wichtig ist für die Yogapraxis, indem sie auf die Philosophie Patanjalis, dem Autor der Yoga Sutras, verweist, klingen schon die Anweisungen für die Übungen auf der Matte so, dass man sie auch aufs Leben neben der Matte anwenden kann:

„Um mehr Stabilität und Leichtigkeit zu finden, sollen wir das aktuell für uns angemessene Mass an Anstrengung (Prayatna) finden und alle dabei auftretenden überflüssigen Anspannungen erkennen und gleich wieder loslassen (shaithilya). Ob das gelingt, zeigt uns unser Atem.“

Yoga ist mehr als die blosse Übungspraxis auf der Matte, es ist eine Philosophie, die Jahrtausende alt ist. Ziel ist es, sich zu befreien von äusseren und inneren Beschränkungen, vom Abgetrennt-Sein (Entfremdung vom eigenen Sein und von der Welt). Es weist einen Weg der Verbundenheit, die im Herzen gründen soll. Den Weg zum Ziel beschreibt Patanjali als achtstufigen Pfad, an deren Anfang ethische Grundhaltungen und der sorgsame Umgang mit sich selbst stehen. Nur wenn wir uns diese zu Herzen nehmen, können wir darauf aufbauen und uns entfalten.

Mit praktischen Übungen führt uns Anna Trökes dahin, wie wir unser eigenes Leben in die Hand nehmen und aktiv gestalten können, wie wir uns in die Welt einbringen können. Sie beschreibt Wege hin zu mehr Verbundenheit mit unserem Körper und mit anderen Menschen. Mit einfachen Übungen kann jeder selbst ausprobieren, was es heisst, mehr Entspannung zu finden und in sich Raum für Zuflucht zu schaffen in schwierigen Zeiten.

Fazit
Ein schön gestaltetes, informatives und lebenspraktisches Buch für ein entspannteres und erfüllteres Leben auf und neben der Matte. Sehr empfehlenswert!

Zur Autorin
Anna Trökes ist eine Pionierin des deutschen Yoga. Sie unterrichtet seit 1974 und ist seit fast 40 Jahren eine Institution in der Yoga-Lehrer-Ausbildung des Berufsverbandes der Yoga-Lehrenden in Deutschland (BDYoga) und lehrt europaweit Yoga-Philosophie, Pranayama, Meditation und die fortgeschrittenen Aspekte der Hatha-Yoga-Praxis. Die bekannte Autorin hat mehr als 30 Bücher veröffentlicht.

Angaben zum Buch
Herausgeber : O.W. Barth; 1. Edition (3. April 2017)
Broschiert : 304 Seiten
ISBN-13 : 978-3426292648

Oktober – ein Rückblick in Büchern

Als ich heute das Start- und Enddatum auf ein gefülltes Noitzbuch schrieb, kam mir der spontane Gedanke: Bald wechseln wir zu 23 statt 22. Ich erinnere mich noch gut, wie ich am Anfang des Jahres immer 21 statt 22 schrieb, weil der Wechsel der Zahl im Kopf noch nicht angekommen war. Dass mir das so präsent ist, wiederspiegelt gut das Gefühl, das ich in letzter Zeit immer stärker habe: Die Zeit rast. Die Tage vergehen wie im Flug, ich komme kaum zu allem, was ich gerne möchte. Da ich nie wirklich viel Zeit in den sozialen Medien verbrachte (es schien nach aussen wohl anders), hat meine Pause da auch nicht viel Zeit frei gemacht – aber doch ein bisschen. Ich muss sagen, ich geniesse es ohne, es fehlt mir nichts, sondern es fühlt sich teilweise sogar befreit an. Ich werde sicher noch ein wenig länger pausieren, dann aber wohl zurückkehren, wenn auch reduziert.

Hier soll es aber heute um Bücher gehen, nämlich um die Bücher, die ich im Oktober gelesen habe. Ich habe generell beschlossen, dass ich wieder mehr Bücher hier vorstellen möchte. Vielleicht keine Rezension im üblichen Sinne, aber Gedanken zu Büchern, die mir begegnet sind, die ich empfehlen möchte, die mich inspiriert oder genährt haben.

Mein Oktober stand in allen Bereichen unter dem Stern des Yoga. Nachdem das ja über viele Jahre, bald Jahrzehnte, mein Lebensweg und auch -beruf(ung) war, fand er die letzten Monate/Jahre nur noch im Privaten statt. Das ändert nun wieder, ich gehe wieder raus damit, trage ihn quasi nicht nur von der Matte in mein Leben, sondern gerne auch in die Welt hinaus – auch in Buchempfehlungen. Mein Lesemonat war ein bereichernder, tiefgründiger, vielschichtiger. Die Bücher haben mir grosse Freude bereitet und mich einmal mehr bestärkt, wie sehr ich mich in der Thematik zuhause fühle. Habt ihr auch solche Lebensthemen?

Hier meine Leseliste:

Harald Homberger: Samyama. Integrale Yogameditation. Ein spiritueller Übungsweg, der in die tiefe Erfahrung von Körper, Atem, Geist und Herz führt. Samyama als der Weg nach innen durch Dharana, Dhyana, Samadhi. Yogaphilosophie als Erfahrungsweg hin zu einer tiefen Erkenntnis des Seins. 4
Kerstin Rosenberg: Ayurveda kompakt. Heilkunst und Rezepte für Körper und SeeleEine kompetente, kurze und doch umfassende Einführung in die alte Gesundheitslehre des Ayurveda.4
Deepak Chopra: Die sieben geistigen Gesetze des YogaEine Einweisung in die Praktik des Yogas, verbunden mit geistigen Haltungen und der Schulung des Bewusstseins. Eine Anleitung, durch Yoga die Kommunikation zwischen Körper und Geist zu fördern und so zu einem bewussteren und selbstbestimmteren Leben zu gelangen, das die Möglichkeiten desselben greifbar macht. 5
Edelmann/Wittmann: LernpsychologieVon den neurobiologischen Grundlagen über Lern-Modelle und Handlungsmodelle hin zu Problemlösungsmethoden – eine fundierte Einführung in die Lerntheorie sowie den Weg hin zur Praxis. 5
Luvvie Ajayi Jones: Handbuch für Unruhestifterinnen. Feier deine Stärken – und zwar laut!Ein Aufruf, das eigene Leben in die Hände zu nehmen, zu dem Menschen zu werden, der man sein kann und will. Ein Buch, das Mut zuspricht, trotz Ängsten eigene Grenzen zu wahren, Veränderungen zuzulassen, eigene Wege zu gehen. Die Sprache und einige Ausführungen waren nicht meins, aber das Buch im Grossen und Ganzen eine Leseempfehlung. 4
Stephen McKenzie: Heartfulness. Die Achtsamkeit des HerzensWie können wir uns wieder mit unserem Herzen verbinden? Was brauchen wir, um ein Leben aus dem Vollen zu leben, in dem wir uns mit allem verbunden und uns wohl fühlen? Achtsamkeit muss immer mit einer Herzensweisheit einhergehen, denn nur da findet sich die Lösung für ein gelingendes Leben. 3
Eckard Wolz-Gottwald: Die Yoga-Sutras im Alltag leben. Die philosophische Praxis des PatanjaliAufbauend auf einer Übersetzung und einer Einbettung ins Ganze wird im Kommentar herausgearbeitet, was Yoga wirklich in der Tiefe ist, welche Wirkungen und Ziele es hat, und wie der Weg aussieht hin zum höchsten Ziel, der umfassenden Freiheit. 5
Shunmyo Masuno: Don’t worry. 90 Prozent deiner Befürchtungen treten gar nicht ein. 48 kurze Denkanstösse zu einem gelasseneren Leben. Schauen, was wirklich ist, statt sich in diffuse Ängste zu verstricken hilft, das Leben bewusster zu leben, freier von willkürlichen Affekten. 4
Aloka Wunderwald: WOW Woman Yoga. Charismatisch und kraftvoll in der LebensmitteBestärkungen und Übungen für einen gelasseneren, selbstbewussten Umgang mit den Wechseljahren, ein Weg hin zu einem guten Körpergefühl und mehr innerer Stärke für Frauen im Umbruch. Der Begriff WOW Woman ständig nervte zunehmend. 4
Claire Ragazzino: Living Ayurveda. Mit Rezepten, Ritualen und Yoga Kraft aus dem Rhythmus der Jahreszeiten schöpfenEin informatives, auf Praxis angelegtes, wunderschön gestaltetes Buch über Ayurveda. Es vereint Erklärungen zu den Jahreszeiten und Mondzyklen, Rituale, Rezepte und pasende Yogaübungen. 5
Sandra von Zabiensky: Tantra – Der Weg des mutigen herzens. Die sinnlich-transformierende Praxis für eine neue WeiblichkeitEine sehr persönliche Einführung ins Tantra in leichter Abänderung. Eine Inspiration, Götter und die Prinzipien, für die sie stehen, ins Leben zu lassen und mit ihnen eine neue Form der sehr persönlichen, den eigenen Werten und Bedürfnissen angepasste Weiblichkeit zu leben. 4
Dinah Rodrigues: Hormon-Yoga. Das Standardwerk zur hormonellen Balance in den WechseljahrenFachkundige Einführung in die Welt der weiblichen Hormone, ihre Aufgaben und Wirkungen sowie den Erhalt derselben für eine gute Gesundheit auch in den Wechseljahren. Dazu eine auf die Hormonbalance der Frau in den Wechseljahren ausgerichtete Übungspraxis bestehend aus Asanas, Pranayama und Mudras. 5

Was waren eure Lesehighlights im Oktober?

Lesemonat September

Der September ist verflogen wie im Flug und ich hatte gefühlt wenig Zeit zum Lesen. Trotzdem habe ich ein paar wirklich gute Bücher lesen dürfen. Ich bin in den Osten gegangen, habe mich mit Thich Nhat Hanhs Achtsamkeitslehre befasst, die er anhand erinnerter Beispiele aus seinem Leben erfahrbar macht. Ein kurzer Zwischenstopp in der westlichen Philosophie liess mich mit Bertrand Russell das Glück suchen – wir haben es nicht gefunden. Eine Zusammenstellung von Aussagen des Dalai Lama war da schon glückbringender, weil so mancher Satz ein kleines Licht anzündete. Danach las ich nach langer Zeit erneut das grosse Yogabuch von Anna Trökes, eine grossartige Mischung aus Theorie und Praxisanleitung, die ich jedem interessierten Yogi ans Herz legen kann. Es ging noch weiter in die philosophischen Tiefen des Yoga mit dem Yoga-Philosophie-Atlas und einer Ausgabe der Yoga Sutras, dem Urtext des Yoga.

Dass Yoga nicht nur auf der Matte, sondern im Leben stattfinden sollte, behandelte das Buch über die soziale Verantwortung und was Yoga dazu beitragen kann. Ein wichtiges Thema, wie ich finde, denn ich bin der Überzeugung, dass Yoga nur dann seinen tiefen Sinn erfüllt, wenn es dazu führt, in einem Miteinander wohlmeinend und friedlich zusammenzuleben, was nur erreichbar ist, wenn jeder bei sich selbst ansetzt und die eigene Haltung dazu schafft.

Mit Krishnamurti habe ich mich schliesslich noch der Freiheit gewidmet, Fazit: Folge niemandem blind, suche deinen eigenen Weg, bilde dir deine eigene Meinung.

Es war ein guter Lesemonat, der Oktober wird sich wohl thematisch in ähnlichen Bereichen bewegen.

Hier die vollständige Liste

Thich Nhat Hanh: Mein Leben ist meine Lehre. Autobiographische Geschichten und Weisheiten eines MönchesThich Nhat Hanh nimmt den Leser mit auf eine Reise in seine Kindheit und durch sein ganzes Leben. Anhand von kurzen Episoden und Geschichten bringt er so die Weisheit des buddhistischen Denkens zur Ansicht, da er der Ansicht ist. Er verkündet keine Weisheiten, er lebt sie. 5
Bertrand Russell: Eroberung des Glücks. Neue Wege zu einer besseren LebensgestaltungSehr theoretische Abhandlung der Gründe von Glück und Unglück, mit einer auf der Hand liegenden Konklusion: Wenn der Mensch im Einklang mit sich und dem Leben lebt, ist er glücklich. 3
Dalai Lama: Das kleine Buch der Harmonie: Durch Meditation zur innersten ErkenntnisIn kurzen, prägnanten Absätzen und einen längeren Text führt uns der Dalai Lama hin zur Erkenntnis der wahren Natur der Dinge und zeigt uns einen Weg auf hin zu mehr Weisheit, weniger Täuschung und damit der Befreiung. 4
Anna Trökes: Das grosse YogabuchEine fundierte, breite Einführung in den Yoga, eine gute Mischung aus Hintergrundwissen, Asanapraxis und Philosophie5
Eckard Wolz-Gottwald: Yoga-Philosophie-AtlasEin breiter und fundierter Überblick über die Yoga-Philosophie.5
Jiddu Krishnamurti: Einbruch in die FreiheitPhilosophische Gedanken zur Freiheit, wie wir sie erreichen, wo wir fehl gehen, was wir tun können und müssen, um wirklich frei zu sein. 3
Alexandra Eichenauer-Knoll: Yoga und soziale Verantwortung. Sich gründen im Aussen und Innen mit Yama und NiyamaEine Auseinandersetzung mit den Yamas und Niyamas, was sie in der heutigen Welt bedeuten können und wie man sie für sich innerlich wie auch im sozialen Miteinander leben kann. 5
Patanjali: Das Yogasutra. Von der Erkenntnis zur Befreiung. Einführung, Übersetzung und Erläuterung von R. SriramEine kommentierte Ausgabe des yogischen Urtextes, die von tiefer Kenntnis der Materie zeugt. 5

Lebenskunst: Befreiung von selbstgemachtem Leid

«Unser wahrer Feind ist nicht ausserhalb von uns, sondern sitzt in uns selbst.» Dalai Lama

Wie oft stehen wir uns im Leben selbst im Weg. Wir sehen die Dinge, wie wir sie sehen und bilden uns ein, sie zu erkennen, zu wissen, wie sie sind. Doch ist unser Sehen immer geprägt von unseren Gedanken, die wiederum verschiedene Herkünfte haben, allesamt dazu da die wahre Sicht zu verstellen und die Dinge im Licht unserer Prägungen zu sehen.

«Das Nichtwissen, also das Glauben, dass die Dinge, wie sie erscheinen, nämlich als unabhängig und autonom, ohne von Ursachen abzuhängen, ist die Wurzel aller irrtümlicher Vorstellungen.» Dalai Lama

Aus den Vorstellungen, wie die Dinge also seien, bilden sich dann in uns neue Gedanken, oft solche, die uns mehr behindern als fördern. Wir sehen Hindernisse auf dem Weg hin zur Erfüllung von Wünschen oder Erreichung von Zielen. Wir bilden Abneigungen aufgrund von erfahrenen Verletzungen und gefühlten Risiken, oder Abhängigkeiten und Begehren aufgrund von positiven Zuschreibungen: Ich muss etwas unbedingt haben, denn es wird mich glücklich machen. Damit fördern wir sicher kein Glück, sondern im Gegenteil eher Leid. So ist denn im Buddhismus auch die Sicht vertreten, dass es im Leben viel um Leiden geht, dass wir leiden, weil wir falschen Vorstellungen anhängen, die uns auf unserem Weg raus aus dem Rad der Wiedergeburt (Samsara) behindern und damit der inneren Harmonie im Wege stehen.

Wenn wir es schaffen, das zu erkennen, steht dem eigenen Weiterkommen nichts mehr im Weg. Dann können wir eine Weisheit entwickeln, die immer bedeutet: Erkennen, was wirklich ist, die wahre Natur allen Seins und aller Dinge zu erkennen und aus diesem Erkennen heraus zu handeln. Dies führt zu einer Befreiung und damit auch hin zum obersten Ziel: Nirvana. Wir können dies selbst fördern, indem wir uns in den sechs Vollkommenheiten üben:

«Buddha erläuterte den vollkommenen Weg auf der Grundlage der Erfahrung des erwachenden Geistes und der sechs Vollkommenheiten: Grossherzigkeit, Disziplin, Geduld, Bemühen, Konzentration und Weisheit.» Dalai Lama

Was dabei ganz wichtig ist: Geduld. Der Dalai Lama, ein weiser Mensch, sagt von sich selbst, dass er sich nun seit über 70 Jahren der Meditation widmet und noch immer nennt er seine Einsichten armselig. Daran zu verzweifeln und aufzuhören, wäre aber der falsche Weg: Geduld ist das Zauberwort und die Disziplin des weiteren Übens der Weg. Und mit dem Bewusstsein können auch wir uns auf den Weg machen. Vielleicht erreichen wir nicht das Nirvana, aber ein wenig mehr wirkliche Freiheit, Freude und die Zuversicht, dass unsere Ziele erreichbar sind – wenn wir uns nicht selbst ein Feind sind und uns im Weg stehen.

____

Buchtipp:
Dalai Lama: Das kleine Buch der Harmonie: Durch Meditation zur innersten Erkenntnis
In kurzen, prägnanten Absätzen und einen längeren Text führt uns der Dalai Lama hin zur Erkenntnis der wahren Natur der Dinge und zeigt uns einen Weg auf hin zu mehr Weisheit, weniger Täuschung und damit der Befreiung.

Angaben zum Buch:
Verlag: Herder Verlag (8. März 2021)
Taschenbuch: 176 Seiten

Mitgefühl

„Was ist das Eine, das alle anderen Tugenden in sich fasst? Mitgefühl.“ (Buddha)

Mitgefühl. Was bedeutet das eigentlich? Es ist ein Gefühl. Eines, das mitgeht. Mitgeht mit dem Gefühl eines anderen. Es ist nicht Mitleid. Wenn der andere leidet, leide ich mitfühlend nicht mit. Aber ich verstehe ihn in seinem Leid. Ich kann „nachfühlen“, verstehe ihn in seinem Fühlen, in seinem Sein. Dieses Verstehen kommt von tief drinnen, es ist eine Verbindung von mir zum anderen.

Im Buddhismus ist das Mitgefühl zentral, es ist die eigentliche Essenz des Buddhismus. Im Mitgefühl drückt sich die Verbindung der lebenden Wesen untereinander aus. Mitgefühl basiert auf Wertschätzung, auf dem Wunsch, dass alle Lebewesen frei von Leid sein mögen. Und wenn wir uns das wünschen, werden wir uns auch hüten, anderen Leid zuzufügen, im Gegenteil: Wir würden alles daran setzen, dem Leiden ein Ende zu bereiten, läge es in unserer Macht.

Umfassendes Mitgefühl wertet nicht. Es sortiert nicht aus. Jeder Mensch will glücklich sein. Jeder Mensch will frei von Leid sein. Egal, wo er geboren wurde, welche Sprache er spricht, welche Religion er zu seiner erklärt oder welche Hautfarbe er hat. Auch der unliebsame Nachbar hat tief drin die gleichen Sehnsüchte wie wir. Ebenso der grantige Chef. Keiner steht wohl am Morgen auf und denkt: „Ich will heute mal ein Ekel sein, egal, ob mich die Menschen mögen.“ Wenn wir uns dieses vor Augen halten, gelingt es vielleicht, unser Mitgefühl auch auf die auszuweiten, denen wir im ersten Moment eigentlich zürnen wollten.

Und: Das kommt nicht zuletzt auch uns selber zu Gute, denn: Mitgefühl hat heilende Wirkung und es führt zu Frieden, Glück und Zufriedenheit.

Liebende Güte

Der Wunder grösstes ist die Liebe. (August Heinrich Hoffmann von Fallersleben)

Dass etwas so schön ist, so wertvoll, so licht- und freudvoll, ist ein Wunder. Dass etwas so viel Kraft und Macht hat, dass es Berge versetzen und Menschen glücklich machen kann, ist ein Wunder. Dass etwas so grundlegend ist und doch so erhebend, ist ein Wunder.

Das Wunder leben zu dürfen, das Wunder erfahren zu dürfen, sollte drum nie gering geschätzt werden, sondern täglich mit Dankbarkeit und auch Demut erfüllen.

Im Buddhismus gibt es eine wunderbare Meditation:

Die Metta Meditation
(Metta heisst so viel wie liebende Güte, Liebe)

Zuerst wendet man sich an sich selber:

Möge ich glücklich sein.
Möge ich mich sicher und geborgen fühlen.
Möge ich gesund sein.
Möge ich unbeschwert leben.
Dann an einen lieben Menschen:

Mögest du glücklich sein.
Mögest du dich sicher und geborgen fühlen.
Mögest du gesund sein.
Mögest du unbeschwert leben.

Dann an alle lebenden Wesen:

Mögen alle Wesen glücklich sein.
Mögen sich alle Wesen sicher und geborgen fühlen.
Mögen alle Wesen gesund sein.
Mögen alle Wesen unbeschwert sein.

Anleitung zur Meditation:
Einen aufrechten Sitz einnehmen, die Augen schliessen, tief und bewusst in den Bauch atmen, zur Ruhe kommen. Dann ganz bewusst diese Worte sprechen. Es gibt auch Anleitungen im Netz, so dass man die Worte nachsprechen kann. Oder aber man nimmt sie auf und hört sie dann zur eigenen Meditation an.

______
Die erste Liebe ist immer die zu sich selber. Wie soll ich andere Menschen wirklich lieben, wenn ich mich selber nicht liebe? Wie mich um andere sorgen, wenn ich es an der Sorge für mich selber mangeln lasse? Nur wenn ich mich selber liebe, zu mir stehe, kann ich als Ich authentisch nach aussen gehen und in Beziehung treten, andere Menschen als die, die sie sind, annehmen und lieben.

Liebe ist ein Geschenk, ein Wunder. Schön daran ist auch, dass sie nicht abnimmt, wenn man sie verschenkt, sondern im Gegenteil noch wächst.

Abt Muho: Das Meer weist keinen Fluss zurück

Ein Weg zu Liebe und Gelassenheit

Liebe ist für den anderen da. Sie darf nicht, wie es leider allzu oft im Alltag der Fall ist, vergiftet sein von Eifersucht und Obsession. Liebe braucht Gelassenheit. Um gelassen zu sein, muss ich mich selbst wie auch den anderen annehmen können, ihn sein lassen. Nur wer sich und den andere in seinem Sein annehmen kann, erfährt Gelassenheit.

muhoWas ist Liebe? Eine Frage, die sich wohl jeder schon mal gestellt hat, sogar Lieder wurden darüber gesungen. Abt Muho widmet sich dieser Frage und unterscheidet dabei zwischen den vier klassischen Liebesbegriffen storge, eros, philia und agape. Kommend aus einer christlichen Kultur nun im Buddhismus zu Hause verbindet er diese Begriffe mit der buddhistischen Lehre, bringt die Liebe mit Gelassenheit in Beziehung

Muho belässt es aber nicht bei der Erklärung der Begriffe, er erzählt auch seine Geschichte, die Geschichte eines eher unsicheren deutschen Jungen, der nach dem Studium beschliesst, nach Japan zu gehen und schlussendlich Abt des grössten Zen-Klosters da wird. Er erzählt von seinen Liebeserfahrungen, stellt dabei immer auch sein eigenes Verhalten in Frage. Heute lebt er mit seiner Frau und drei Kindern im Kloster, sieht sich dabei immer auch in Situationen, in denen er sich entscheiden muss, wem er seine Aufmerksamkeit nun schenken muss: Seiner Familie oder seiner Gemeinde. Nicht immer leicht zu fällen, die Entscheidung, und nicht immer gelingt es, die richtige zu treffen.

Gerade die persönliche Geschichte zeigt viel über das Thema des Buches: Liebe ist vielfältig und vielschichtig, sie muss im Alltag gelebt werden, denn da bewährt sie sich. Und: Ohne eine Spur Gelassenheit geht es nicht. Erst durch sie gelingt es in der Liebe, dass auch schwierige Zeiten, persönliche Macken und falsche Entscheidungen nicht zum Abbruch führen.

Die theoretischen Kapitel sind mitunter etwas gar abstrakt und teilweise zu kurz gehalten geschrieben, was vor allem durch den Vergleich mit den persönlichen Kapiteln noch stärker ins Auge fällt. Sie weisen aber auch auf die grosse Belesenheit und das Hintergrundwissen des Autors hin, so dass man ihm das gerne nachsieht.

Fazit
Ein sehr offenes, eingängiges, persönliches Buch zum Thema Liebe und Gelassenheit, das einen von der ersten Seite an in den Bann zieht. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Muhô ist Abt von Antaiji, einem tief in den japanischen Bergen gelegenen Zen-Kloster. Er wurde 1968 in Berlin geboren und kam mit 16 Jahren mit Zazen in Kontakt. 1993 wurde er zum Mönch ordiniert und 2001 von seinem Lehrer als eigenständigen Zenmeister anerkannt. Er beschloss, als Obdachloser in Ôsaka zu leben, wo er eine Zengruppe leitete. Am 14. Februar 2002 erreichte ihn die Nachricht vom Tod seines Lehrers, und er wurde als dessen Nachfolger zum Abt von Antaiji berufen.

Muhô ist der Autor von „Ein Regentropfen kehrt ins Meer zurück“, „Das Meer weist keinen Fluss zurück“ (beide im Berlin-Verlag), „Futter für Pferd und Esel“ (Angkor Verlag) und „Zazen oder der Weg zum Glück“ (Rowohlt Taschenbuch-Verlag) und hat die Bücher „An dich“, „Zen ist die größte Lüge aller Zeiten“ und „Tag für Tag ein guter Tag“ von Sawaki Kôdô ins Deutsche übersetzt. Homepage: http://www.antaiji.org

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Berlin Verlag (4. September 2018)
ISBN-Nr.: 978-3827013804
Preis: 18 Euro /28.90 CHF

 

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Haemin Sunim: Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst

Ist unser Geist fröhlich und mitfühlend, ist es auch die Welt; ist er voller negativer Gedanken, wirkt auch die Welt negativ. Wenn du also überlastet und hektisch bist, ruf dir in Erinnerung, dass du nicht machtlos bist. Wenn dein Geist innehält, kommt auch die Welt zur Ruhe.

SunimDingeDer ehemalige Professor und nun als Zen-Mönch wurde Haemin Sunim oft nach seinem Rat gebeten bei Lebensfragen. Bald ging er dazu über, diese Ratschläge nicht nur in Mails oder persönlichen Gesprächen zu geben, sondern auch in den sozialen Medien verschiedene Aspekte des Lebens und seiner Sicht darauf zu vermitteln. Die Themen waren vielfältig, sie reichten von der Entschleunigung in der heutigen hektischen Welt über die Möglichkeiten, gute Beziehungen zu führen bis hin zu Achtsamkeit und Mitgefühl im Umgang mit sich und anderen.

Mit seinen Gedanken traf er viele Menschen mitten ins Herz, und so wurde bald auch ein Verlag auf ihn aufmerksam, der seine Gedanken in Buchform zusammenfassen wollte. Was für ein Glück! „Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst“ ist ein Geschenk. In einführenden Texten und nachfolgenden kurzen Gedanken werden verschiedene Themen aufgegriffen. Es ist kein Buch, das man schnell so nebenbei liest, sondern eines, das einen immer wieder zum Innehalten und Nachdenken aufruft.

Liebe kann das Leben der Menschen ändern.

Das Buch ist sehr liebevoll illustriert, so dass es nicht nur ein wunderbarer Begleiter und Ratgeber, sondern auch eine Freude zum Anschauen ist.

Fazit
Ein wunderbar inspirierendes, liebevoll illustriertes Buch, das zum Nachdenken anregt. Prädikat: Absolut empfehlenswert.

Haemin Sunim
Haemin Sunim, geboren in Korea, ging in die USA, um in Berkeley, Harvard und Princeton Film zu studieren, nur um zu erkennen, dass er sein Leben dem Buddhismus und spirituellen Leben widmen möchte. Er kehrte nach Korea zurück, wurde Mönch und wurde einer der meistgelesenen spirituellen Autoren. Sein Buch „Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst“ verkaufte sich mehr als drei Millionen Mal, und er hat über eine Million Follower auf Twitter und Facebook. Wenn Hamin Sunim nicht auf Reisen ist, um Vorträge in der ganzen Welt zu halten, lebt er in Seoul.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: Scorpio Verlag (4. August 2017)
Übersetzung: Claudia Seele-Nyima
ISBN: 978-3958031340
Preis: EUR: 18 ; CHF 28.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Matthieu Ricard: Glück

Glück als Geisteshaltung

RicardGlückWas Glück ist und wie man es finden kann, darüber haben die Menschen über Jahrtausende nachgedacht, Thesen aufgestellt, Definitionen verfasst. Dass die Fragen nach dem Glück nicht leicht zu beantworten seien, glaubt man darin zu sehen, dass die Literatur ganze Regale füllt und doch nicht alle Menschen glücklich sind. Die Anleitungen scheinen also nicht zu fruchten – oder die Menschen halten sich nicht an die Anleitungen.

Auch Matthieu Ricard beschäftigt sich im vorliegenden Buch mit dem Glück. Aus buddhistischer Sicht versucht er darzulegen, was Glück ist und wie man es nach buddhistischer Auffassung erlangt. Das Fazit ist eigentlich ein einfaches:

Glück ist in uns allen angelegt, wir erlangen es nicht, indem wir den Dingen im Aussen nachrennen.

Glück ist ein Zustand innerer Erfüllung, nicht die Befriedigung des unerschöpflichen Verlangens nach äusseren Dingen.

Will man sich also auf die Suche nach dem Glück machen, gilt es, die Sicht von aussen nach innen zu verlagern und den eigenen Geist zu schulen. Wir müssen erkennen, wie der Geist funktioniert und vor allem, was uns gut tut und was nicht. Das klingt einfach, ist aber eine langwierige Angelegenheit.

Eine Lebensweise zu pflegen, durch die man dauerhaftes Glück erreicht, ist eine Kunst. Es erfordert ständiges Bemühen, eine unablässige Schulung des Geistes und die Entwicklung einer Reihe von menschlichen Qualitäten wie etwa Geistesruhe, Achtsamkeit und selbstlose Liebe.

Ricard greift bei seinen Darlegungen auf ein immenses Wissen westlicher und östlicher Philosophie zurück, er zitiert die neue wissenschaftliche Forschung und legt die buddhistische Sicht dar, die sich in vielen Punkten mit wissenschaftlichen Erkenntnissen deckt. Dabei bleibt er nicht in der trockenen Theorie, sondern erläutert diese mit anschaulichen persönlichen Erlebnissen.

Neben den theoretischen Erklärungen finden sich auch Anleitungen für die eigene Meditation zu Hause, so dass man sich gleich hier und jetzt auf den Weg zum eigenen Glück machen kann. Ricard versteht es, ein grosses Thema auf eine verständliche, tiefgründige und gut lesbare Art zu vermitteln. Ein wahrlich wunderbares Buch, das in keinem Regal fehlen sollte!

Fazit
Ein wunderbares, reiches und inspirierendes Buch, das ich nur ans Herz legen kann. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor
Matthieu Ricard
Matthieu Ricard arbeitete als Forscher auf dem Gebiet der Molekularbiologie, ehe er seine Berufung zum Buddhismus erkannte. Seit 25 Jahren lebt er als buddhistischer Mönch in den tibetischen Klöstern des Himalaya. Er übersetzt Werke aus dem Tibetischen und ist der offizielle Französischübersetzer des Dalai Lama.

 
Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Knaur MensSana TB (1. Februar 2009)
ISBN-Nr.: 978-3426874134
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Thich Nhat Hanh: Mein Leben ist meine Lehre

Gelehrt wird nicht nur mit Worten. gelehrt wird durch die Art, wie man sein Leben lebt. Mein Leben ist meine Lehre. Mein Leben ist meine Botschaft.

ThichNhatHanhLeben
Das vorliegende Buch ist das wohl persönlichste von Thich Nhat Hanh. Er nimmt uns mit auf eine Reise durch sein Leben, erzählt von verschiedenen Stationen wie der Kindheit in Vietnam, dem Eintritt ins Kloster, dem Leben im Exil und vielem mehr. In vielen kleinen Episoden zeichnet er so eine Lebensgeschichte. Jedem Teil der Geschichte liegt eine Botschaft zugrunde, eine Lehre aus dem Leben fürs Leben.

Der Schwerpunkt bei allem liegt immer in einem achtsam gelebten Leben. Nur wenn wir im Hier und Jetzt leben, können wir das Leben überhaupt wahrnehmen, leben wir. Alles andere sind Verstrickungen, Illusionen, nicht gelebtes Leben. Immer wieder sind achtsames Gehen und achtsames Atmen Thema. Es geht nicht darum, sich aus dem Leben zurückzuziehen, sondern im Gegenteil: Das Leben will aktiv gelebt werden. Die Achtsamkeit kann aber immer stattfinden, beim Essen, Abwaschen, Putzen – im Leben.

Achtsamkeit muss engagiert sein. Sobald wir erkennen, dass etwas getan werden muss, müssen wir handeln. Sehen und Erkennen müssen zusammengehen. Was ist sonst der Sinn des Erkennens?

Indem wir Achtsamkeit praktizieren, lernen, unseren Körper und Geist wahrzunehmen, damit umzugehen und positive energien wie Mitgefühl und Liebe zu entwickeln, finden wir zu Ruhe und Frieden. Diese strahlen wir in die Welt hinaus. Das ist die Überzeugung von Thich Nhat Hanh, über die er in vielen kleinen Beispielen erzählt.

Fazit
Ein persönliches Buch, ein stilles und lehrreiches Buch, eines der Bücher, die man liest und viel für sich mitnimmt. Prädikat: Absolut empfehlenswert.

Thich Nhat Hanh
Thich Nhat Hanh, 1926 in Vietnam geboren, gehört als sozial engagierter buddhistischer Mönch und Zen-Meister zu den bedeutendsten spirituellen Lehrern der Gegenwart. Die schmerzhaften Erfahrungen des Vietnamkriegs haben sein Bewusstsein dafür gestärkt, wie die buddhistische Lehre und insbesondere die Entwicklung von Achtsamkeit dazu beitragen können, Konflikte zu lösen oder erst gar nicht entstehen zu lassen. Thich Nhat Hanh lebt im Exil, seit ihm anlässlich einer Reise in die Vereinigten Staaten 1966 die Regierung von Südvietnam die Rückkehr in seine Heimat verweigerte. Er ist Autor zahlreicher Bücher und engagiert sich in der Friedensarbeit und Flüchtlingsbetreuung.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 240 Seiten
Verlag: O. W. Barth Verlag (2. Oktober 2017)
Übersetzung: Ursula Richard
ISBN: 978-3426292778
Preis: EUR: 18 ; CHF 29.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Dalai Lama, Desmond Tutu: Das Buch der Freude

Nicht düsteres Schicksal bestimmt unsere Zukunft – wir bestimmen sie selbst. Tag für Tag, in jedem Augenblick können wir nicht nur unser eigenes Leben, sondern auch die Lebensqualität anderer Menschen auf unserem Planeten formen und erneuern. Wir verfügen über diese Macht.

41HR9WsIoGL._SX311_BO1,204,203,200_Dalai Lama und Desmond Tutu trafen sich anlässlich des 80. Geburtstags des Dalai Lama in dessen Exilheimat Indien und sprachen eine Woche lang über die Freude. Begleitet wurden sie dabei vom Journalisten Douglas Abrams, der die Gespräche schlussendlich zu diesem fertigen Text zusammentrug und das Thema mit Erkenntnissen aus der Neurobiologie wie durch persönliche Beobachtungen aus seinem Leben sowie aus dem Zusammentreffen der beiden alten Freunde anreicherte.

Wie kann man in Anbetracht auf das viele Leid auf dieser Welt Freude bewahren? Diese Frage stand immer wieder im Zentrum. Es ist eine Frage, die man auch dem Dalai Lama immer wieder stellt, welcher als Kind schon Verantwortung übernehmen musste und schlussendlich aus seiner Heimat vertrieben wurde, so dass er seit 50 Jahren im Exil lebt. Auch Desmond Tutu blickt auf turbulente Zeiten zurück, wenn man bedenkt, welchen Kampf er gegen das ehemalige Apartheid-Regime in Südafrika führte. Und strahlen beide Männer eine tiefe Freude und Gutmütigkeit aus. Züge der Verbitterung oder Worte des Hasses sucht man vergebens.

Freude und Glück lassen sich nicht erlangen, indem man eigenen Zielen und Erfolgen nachläuft […] sondern nur im Geist und Herz des Menschen, und wir hoffen, dass jeder dort Freude und Glück findet.

Worauf also gründet die Freude? Wir begegnen in diesem Buch den acht Säulen der Freude:

  1. Blickwinkel: Es gibt verschiedene Sichtweisen
  2. Bescheidenheit
  3. Humor
  4. Akzeptanz
  5. Vergebung
  6. Dankbarkeit
  7. Mitgefühl
  8. Grosszügigkeit

Jede dieser Säulen wird näher erläutert und es werden Übungen genannt, wie man sie aufbauen kann, so dass sie tragend werden.

„Das Buch der Freude“ ist ein inspirierendes Buch, ein lehrreiches Buch, ein Buch, das zum Nachdenken anregt und Freude macht beim Lesen. Durch die Beschreibungen der Hintergründe des Treffens ist es auch ein Buch, das Einblicke in das Wesen einer Freundschaft gibt. Fast hat man ab und an das Gefühl, dabei zu sitzen, den beiden beeindruckenden Männern zuzuschauen und mit ihnen eine Tasse Tee zu trinken.

Fazit
Ein wunderbares Buch: inspirierend, lehrreich, zum Nachdanken anregend – ein Buch, das zeigt, was Freude ist, wie man sie erlangen kann, und das beim Lesen Freude macht. Prädikat: Absolut empfehlenswert.

Über die Autoren
31HEYd66JuL._UX250_Tenzin Gyatso, Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama, bezeichnet sich selbst als einfachen buddhistischen Mönch. Geboren 1935, floh er nach der Besetzung Tibets 1959 nach Indien, wo er seitdem im Exil lebt. Das geistliche und (bis zu seinem freiwilligen Rückzug 2011) weltliche Oberhaupt der Tibeter wurde 1989 mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Seine spirituelle Arbeit, seine Bemühungen um die politische, religiöse und kulturelle Identität Tibets sowie sein Einsatz für den Weltfrieden finden Anerkennung in der ganzen Welt.

21rkvg0J7cL._UX250_Desmond Mpilo Tutu, geboren 1931, ist emeritierter Erzbischof der Anglikanischen Kirche in Südafrika. Als wichtigste Symbolfigur neben Nelson Mandela im Kampf gegen die Apartheid erhielt er 1984 den Friedensnobelpreis. Ab 1995 war er Vorsitzender der Wahrheits- und Versöhnungskommission in Südafrika, die nach den Prinzipien von Mahatma Gandhi arbeitete. Seine Politik der Vergebung und Aussöhnung wurde zum leuchtenden Beispiel für gewaltfreie Konfliktlösung. Auch im Alter von 84 Jahren setzt sich Bischof Tutu unermüdlich weltweit für Frieden und Menschlichkeit ein.

Douglas Abrams ist Lektor, Autor mehrerer erfolgreicher Romane und Sachbücher und seit mehr als zehn Jahren Koautor von Desmond Tutu. Als Gründer der Literaturagentur Idea Architects engagiert er sich besonders für Projekte, die das Ziel verfolgen, mehr Weisheit, Gesundheit und Gerechtigkeit in die Welt zu bringen.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: Lotos Verlag, Auflage 9 (26. September 2016)
Übersetzung: Helmut Dierlamm, Friedrich Pflüger
ISBN: 978-3778782651
Preis: EUR: 22.99 ; CHF 38.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH