Ingeborg Bachmann: Malina – eine erste Annährerung

«Seit ich diese Nummer wählen kann, nimmt mein Leben endlich keinen Verlauf mehr, ich gerate nicht mehr unter die Räder, ich komme in keine ausweglosen Schwierigkeiten, nicht mehr vorwärts und nicht vom Weg ab, da ich den Atem anhalte, die Zeit aufhalte und telefoniere und rauche und warte.»

Eine Frau lebt mit einem Mann zusammen, Malina, sie braucht ihn, da er ihr immer wieder den Boden unter die Füsse gibt, sie von der zu leidenschaftlichen, zu gefühlverlorenen, zu selbstvergessenden Ebene in die rationale Lebenswelt zurückholt. Die Frau liebt einen anderen Mann, Ivan, den sie als ihr Leben, als ihren Mittelpunkt, als Sonne ihres Seins begreift. Ohne ihn ist sie nicht, ihr Leben ist ein Warten auf seinen Anruf, ein Hoffen auf seine Zeit, ein Wissen um das Lebensende, wäre er nicht mehr.

«Es ist unmöglich, Ivan etwas von mir zu erzählen. Aber weitermachen, ohne mich ins Spiel zu bringen?»

Die Frau ist ein verwundetes Wesen, viel hat sie erlebt, viel hat sie geprägt. Sie lebt in ihren Ängsten und Unsicherheiten, sucht nach Worten, findet sie nicht, verliert sich in Gefühlen, und sucht den Halt im Aussen, bei Malina, welcher sie ins Leben holt, bei Ivan, welcher sie aus diesem Leben in einen diesem enthobenen Raum führt, wo die eigenen Unzulänglichkeiten durch die Ausrichtung auf ihn in den Hintergrund geraten. Und doch stehen sie immer wieder zwischen ihnen, lassen sich aber nicht in Worte fassen. Die Frau ist ein schreibender Mensch, einer der Worte. Damit etwas ist, muss es dafür Worte geben.

«Kopfsätze haben wir viele, haufenweise, wie die Telefonsätze, die Schachsätze, wie die Sätze über das ganze Leben. Es fehlen uns noch viele Satzgruppen, über Gefühle haben wir noch keinen einzigen Satz, weil Ivan keinen ausspricht, weil ich es nicht wage, den ersten Satz dieser Art zu machen, doch ich denke nach über diese ferne fehlende Satzgruppe, trotz aller guten Sätze, die wir schon machen können.»

Ingeborg Bachmann ist ihren Themen treu geblieben: Liebe, Tod, Angst, Mord – alles kommt vor. Bei „Malina“ handelt es sich um einen Liebesroman, wenn auch keinen im traditionellen Sinn. Generell ist nichts an diesem Roman traditionell. Das fängt bei der Dreierbeziehung an und hört bei der Sprache noch lange nicht auf. Diese ist, wie man es bei Bachmann gewohnt ist aus ihrer Lyrik, einer Suche nach einer neuen Sprache geschuldet, die mit dem bricht, was nicht mehr brauchbar ist durch die Benutzung für das grösste Grauen der Menschengeschichte, welches auf Bachmann einen tiefen und nie verschwindenden, traumatischen Einfluss hatte. Das Unsagbare liegt offen da, indem die Worte einfach ausgespart sind, sich nur aus dem Vorhandenen erahnen lassen – oder aber schlicht nicht greifbar sind, weder für den Autor noch für den Leser.

«Die Gesellschaft ist der allergrösste Mordschauplatz. In der leichtesten Art sind in ihr seit jeher die Keime zu den unglaublichsten Verbrechen gelegt worden, die den Gerichten dieser Welt für immer unbekannt bleiben.»

„Malina“ ist auch ein Buch, welches von Unsicherheiten, Angst und vor allem vom Tod handelt. Bachmanns Bild der Welt als Kriegsschauplatz, als Mörder am Menschen, dringt durch alle Zeilen, spricht aus der ganzen Geschichte heraus, zumal die Frau an sich ein durch diese Welt verletztes Wesen ist.

«Es gibt Worte, es gibt Blicke, die töten können, niemand bemerkt es, alle halten sich an die Fassade, an eine gefärbte Darstellung.»

Die Welt besteht aus viel Schein, aus einer Fassade, hinter der das Wahre verborgen bleibt. Die Frau leidet daran und hält sich aber zum Schutz auch selber verborgen, kann nicht preisgeben, was mit ihr ist, was mit ihr geschehen ist, dass sie wurde, wer sie ist.

Ingeborg Bachmann wurde oft darauf angesprochen, ob «Malina» eine Autobiografie sei. Sie verneinte dies nicht, stellte allerdings klar, dass es sich dabei nicht um eine erzählte Geschichte, sondern um einen geistigen Prozess handle. Dies zeigt sich deutlich in der Bruchstückhaftigkeit des Buches, welches aus einzelnen Szenen und gesuchten Wörtern bestehen. Ingeborg Bachmann ist es gelungen, die individuellen Erfahrungen in paradigmatisch und symbolisch erdichtete Konstellationen zu übertragen.

Während im ersten Kapitel des Buches Ivan eine tragende Rolle spielt, indem sich alles auf ihn ausrichtet, zeigt sich im zweiten Kapitel das erzählende Ich durch seine Träume klar in seiner Verletztheit. Nur durch das Mittel des Traumes war es Ingeborg Bachmann möglich, das noch nachhallende Trauma des Krieges zu thematisieren, die Träume wurden zum Schauplatz der ihr und dem erzählenden Ich innewohnenden Angst.

Im letzten Kapitel übernimmt Malina nach und nach die Oberhand, er steuert das Kapitel durch die Gespräche. Das Ich weicht nach und nach zurück, bis es in der Wand verschwindet.

«Es war Mord.»

Mit diesem Satz endet ein Roman, der eigentlich viel mehr als ein Roman ist, der so viele Ebenen hat, dass sich bei jedem erneuten Lesen eine neue offenbart, der so viele Lücken hat, dass man als Leser in sie fallen, sich in ihnen verlieren, den Anschluss wieder neu suchen muss. Er hat so viel Offenes, das man als Leser füllt. «Malina» ist geprägt durch eine poetische, durch eine mystische Sprache, die nichts einfach klar darlegt, sondern in einer fast lyrischen Form mit den Worten spielt. Worte, Symbole – alles hat eine Bedeutung und danach noch viele über die erste hinausgreifende. Es entsteht ein Netz aus Bezügen innerhalb des Werkes und darüber hinaus ins Leben der Autorin, in andere literarische Werke, zu Aussagen von Philosophen, zu geschichtlichen Ereignissen und gesellschaftsprägenden Mechanismen.

«Malina» ist kein einfacher Roman, es empfielt sich, ihn langsam zu lesen, in Bruchstücken, wie er auch geschrieben steht. Es empfiehlt sich, Pausen zu machen, nachzudenken, nochmals zu lesen. Nur so wird man als Leser wohl dem Roman gerecht. Er ist keine leichte Lektüre für nebenbei, aber eine lohnende.

Fazit:
Ein vielschichtiges, tiefgründiges, weit verzweigtes Werk, welches seine vielen Ebenen erst nach und nach preisgibt. Durch die verschiedenen möglichen Lesarten ein Buch, das man sicher mehrfach lesen kann und sogar sollte. Ganz grosse Leseempfehlung!

Zur Autorin
Ingeborg Bachmann wird am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren. Mit dem Einmarsch deutscher Truppen im Zweiten Weltkrieg endete nach Bachmanns Aussagen die Kindheit jä – ein Ereignis, das ihr späteres Schreiben immer wieder prägen wird. Erste Gedichte finden sich schon bei der 12-jährigen Ingeborg Bachmann. 1945 beginnt Ingeborg Bachmann ihr Studium in Literatur, Kunst und Jura in Insbruck, wechselt später nach Graz und dann nach Wien, wo sie mit Philosophie und Psychologie abschloss und 1950 eine Dissertation über Martin Heidegger schrieb. Es folgten journalistische Arbeiten, welche aber neben dem schon da dringenden Wunsch, Schriftstellerin zu sein, mehrheitlich eher als ungeliebter Brotjob anzusehen waren. Nach einer Einladung in die Gruppe 47 im Jahr 1952 konnte sie im Jahr 1953 deren Preis gewinnen, im gleichen Jahr erschien ihr erster Gedichtband «Die gestundete Zeit», 1956 der zweite mit dem Titel «Anrufung des Grossen Bären». Damit stand ihr Ruhm als eine der bedeutendsten Lyrikerinnen der literarischen Moderne fest, was aber leider finanziell zu wenig einträglich war, um davon zu überleben.

Es folgten mehrere Stellen, dem finanziellen Überleben geschuldet, sowie diverse Umzüge, welche wohl finanzielle und andere, der persönlichen Unrast und privatem Unglück geschuldete Gründe hatten. Über die Jahre finden sich verschiedene Liebschaften, denen allesamt wenig (und vor allem kein anhaltendes) Glück beschieden war. Irgendwann versiegten bei Ingeborg Bachmann die Gedichte, sie widmete sich Prosawerken, später einem gross gedachten Romanprojekt, von welchem aber nur ein Roman wirklich fertiggestellt wurde: 1971 erschien Malina.

Die zunehmenden psychischen Probleme, die sie immer wieder plagten, gepaart mit Alkoholexzessen und Tablettenabhängigkeiten verdüsterten das Leben der Dichterin zunehmend. Bei einem einem Feuer in ihrer Wohnung in Rom erlitt Ingeborg Bachmann starke Verbrennungen, weswegen sie ins Krankenhaus kam. Gestorben ist sie aber mutmasslich an den Entzugserscheinungen eines Medikaments, bei welchem bis zu spät nicht klar war, welches es ist. Ingeborg Bachmann starb am 17. Oktober 1973 in Rom.

Paul Celan (23. November 1920 – 20. April 1970)

Paul Celan wird am 23. November 1920 in Czernowitz, Grossrumänien als Paul Antschel geboren. Celan lernt schon als Kind Gedichte auswendig, er liebt die deutsche Literatur, allen voran Hölderlin, Heine und Kafka. Es dauert nicht lange, dass eigene Gedichte aus seiner Feder fliessen.

Nach seiner Schulzeit studiert er zuerst Medizin, später Romanistik, was er aber wegen der Massnahmen des Nazi-Regimes abbrechen muss. 1941 wird Czernowitz von den Deutschen besetzt, die jüdische Bevölkerung wird in Ghettos gezwungen, von wo Paul Celans Eltern deportiert werden. Kurz nach der Deportation stirbt sein Vater an Typhus und seine Mutter wird erschossen. Daraus entsteht für Paul Celan ein Schmerz, der ihn nie mehr loslässt. Zudem quält ihn die Überlebensschuld, wie sie viele Überlebende des Zweiten Weltkriegs fühlen. Paul Celan verarbeitet dies immer wieder in seinen Gedichten.

„Der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau“
(aus der Todesfuge)

1944 kann Celan sein Studium wieder aufnehmen, für den Lebensunterhalt arbeitet er als Lektor und Übersetzer. 1947 verlässt er seine Heimat und reist über Wien schliesslich 1948 nach Paris (er erhält 1950 die französische Staatsbürgerschaft). 1948 lernt Paul Celan Ingeborg Bachmann kennen, mit der ihn eine tiefe Liebe verbindet, die dreimal kurz gelebt werden kann, ansonsten nur in Briefen stattfindet. Das Band der beiden ist tief, gegenseitige Bezüge durchziehen beider Werk.

Dieses Gedicht widmet Paul Celan Ingeborg Bachmann im Mai 1948:

Ägypten

Du sollst zum Aug der Fremden sagen: Sei das Wasser.
Du sollst, die du im Wasser weißt, im Aug der Fremden suchen. 
Du sollst sie rufen aus dem Wasser: Ruth! Noemi! Mirjam!
Du sollst sie schmücken, wenn du bei der Fremden liegst. 
Du sollst sie schmücken mit dem Wolkenhaar der Fremden.
Du sollst zu Ruth und Mirjam und Noemi sagen: 
Seht, ich schlaf bei ihr!
Du sollst die Fremde neben dir am schönsten schmücken.
Du sollst sie schmücken mit dem Schmerz um Ruth, um Mirjam und Noemi.

Du sollst zur Fremden sagen: 
Sieh, ich schlief bei diesen!“ 

1951 lernt er Gisèle Lestrange kennen, die er ein Jahr später auch heiratet, 1955 kommt der gemeinsame Sohn Eric zur Welt. 1952 kann Paul Celan durch die Vermittlung von Ingeborg Bachmann bei der Tagung der Gruppe 47 lesen, was allerdings kein Erfolg wird, da die Art von Celans Vortrag bei den Anwesenden auf wenig Verständnis stösst, was diesen wiederum verletzt. Zwar hält sich der Kontakt zu einigen der Mitglieder, doch es fehlt ihm das wirkliche Vertrauen zu ihnen mehrheitlich.

Nicht leicht zu verstehen ist sicher Celans Interesse an und seine freundschaftliche Beziehung zu Martin Heidegger, den in der Tat herausragenden und tiefgründigen Denker mit NS-Vergangenheit. An Ingeborg Bachmann schreibt Paul Celan, dass er der Letzte sei, welcher über die «Freiburger Rektoratsrede und einiges andere hinwegsehen» könne. Trotzdem bevorzuge er einen, welcher «an seinen Verfehlungen würgt» als «patentierte Antinazis». Heideggers Würgen scheint allerdings sehr versteckt zu sein, da er sich nie von seinen Aussagen distanziert .

Ausschlaggebend für diese Beziehung ist für Celan wohl Heideggers Hochachtung der Dichtung, welche in seinem philosophischen Werk einen hohen Stellenwert hat. Zudem steht Heidegger neben Jünger, Hölderlin, Rilke und anderen für einen Ausdruck des Deutschen im Guten (als Gegensatz zur Tätersprache), welcher sich Celan verbunden und wodurch er eine Art Geistesverwandtschaft fühlt. Mit dem Land Deutschland und den Deutschen sonst gelingt ihm das nie, er fühlt sich nie wohl oder zuhause da.

Die dramatischen Erlebnisse durch den Krieg haben Paul Celans psychische Stabilität schon früh angegriffen, eine innere Zerrissenheit macht ihm zeitlebens zu schaffen. In den 60er-Jahren kommen mehrfache Depressionsschübe dazu, die oft auch von aggressiven Ausbrüchen begleitet sind. Dies führt zu mehreren Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken. Am 20. April 1970 nimmt sich Paul Celan das Leben, indem er sich am Pont Mirabeau in Paris in die Seine stürzt. Zwar findet sich nie ein Abschiedsbrief, doch Celan war ein guter Schwimmer, so dass ein Unfall fast auszuschliessen ist. Auf seinem Schreibtisch findet sich zudem eine aufgeschlagene Hölderlin-Biografie mit folgender unterstrichener Stelle:

«Manchmal wird dieser Genius dunkel und versinkt in den bitteren Brunnen seines Herzens.»

Werk
Paul Celans Werk zeigt eine deutliche Entwicklung von den frühen zu den späten Gedichten. Während die frühen noch eher traditionell erscheinen, verändert sich die Sprache immer stärker. Er steht damit nicht alleine, da viele Autoren der Nachkriegsliteratur damit befasst waren, die durch das Unrechtsregime und die damit einhergehenden Gräueltaten korrumpierte deutsche Sprache zu verlassen und eine neue Form zu finden. Paul Celans Weg war der, dass er die Worte zwar verwendete, sie aber in einer Weise setzte, dass sie sich dem Leser quasi wieder entziehen durch ihre kryptische Verwendung. So klingen die Verse zwar beim Lesen, verschliessen sich aber dem einfach zu erfassenden Sinn. Damit will Celan den Wörtern ihre Gewalt nehmen, die dadurch entsteht, dass sie den Leser durch den Akt des Verstehens unterwerfen. Daraus resultiert aber keine dem Sinn enthobene Sprache, denn dieser erschliesst sich durchaus beim näheren Betrachten, dies allerdings erst durch die eigene Auseinandersetzung mit den Wörtern, was den Leser zu einem Eroberer macht.

Eines der bekanntesten Gedichte Paul Celans ist wohl die Todesfuge:

Todesfuge

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland
dein goldenes Haar Margarete

er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne
er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland
dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith

wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr anderen spielt weiter zum Tanz auf

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen

Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus  Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus
Deutschland  
 
dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith

Kleine Deutungen – Erich Fried: Nachtgedicht

Erich Fried (1921 – 1988)

Dich bedecken
nicht mit Küssen
nur einfach
mit deiner Decke
(die dir von der Schulter geglitten ist)
dass du im Schlaf nicht frierst.

Später
wenn du erwacht bist
das Fenster zumachen
und dich umarmen
und dich bedecken
mit Küssen
und dich entdecken.*

Wenn man an Erich Fried denkt, fällt einem wohl zuerst seine politische Lyrik ein, welche im Einklang steht mit seinem politischen Engagement. Er war kein einfacher Zeitgenosse, er sagte seine Meinung und er tat dies klar und pointiert. Dass man ihn – vor allem in rechten und konservativen Kreisen – auch gerne als «Stören-Fried» bezeichnete, zollt dem Rechnung. Doch dies ist nur eine der vielen Seiten von Erich Fried.

Fried war auch ein Sprachakrobat, er wusste, die Sprache einzusetzen, damit zu spielen. Mit dieser Fähigkeit gelang es ihm, die Werke Shakespeare in einer diesen gebührenden Weise zu übersetzen, etwas, das vor ihm so noch keinem gelungen ist. Auch andere Dichter hatten das Glück, im deutschen Sprachraum durch seine Feder bekannt zu werden: Sylvia Plath, T. S. Eliot, Dylan Thomas, um nur einige zu nennen.

Und nicht zuletzt schrieb er Liebesgedichte. Er tat dies in der ihm eigenen Art:

Was ist Liebe? Ganze Regale könnten gefüllt werden mit Romanen und Abhandlungen zu dem Thema, es beschäftigt die Menschen wohl seit es sie gibt. Erich Fried braucht in diesem Gedicht nicht viele Worte, und doch ist alles da.

Liebe ist ein Ich, das ein Du hat. Sie ist ein Zusammensein, das Teilen von Tisch und Bett.

Liebe ist das Hinschauen, wie es dem anderen geht und das Hineinfühlen, was er braucht, was ihm gut tut. Liebe ist die Sorge um den anderen, der Wunsch, es möge ihm gut gehen. Und sie ist der Wunsch, das Mögliche dazu beizutragen.

Liebe ist, dem anderen den Raum zu geben, den er braucht, und doch dazusein. Liebe ist die Nähe, die man den anderen immer wieder spüren lässt, und ihm damit zu zeigen, er ist nicht allein.

Liebe ist Zärtlichkeit, sind die lieben Worte und Gesten, in welchen sie sich ausdrückt.

Liebe ist der immer wieder neue Wunsch, den anderen zu sehen, zu entdecken, ihn kennenzulernen.

Liebe ist die Lust, die sich am anderen entzündet.

Erich Fried gelingt es wie kaum einem anderen, Worte für eigentlich nicht Sagbares zu finden, durch die das Gefühl hindurch scheint. Man liest die Zeilen und findet zwischen ihnen ganze Geschichten. In kurzen Versen erschliesst sich so eine ganze Welt, die über sich hinausweist, die Gefühle sprechen lässt. Und als Leser sitzt man da, liest die Worte, erlebt die Geschichte und fühlt sie tief in sich mit.   

_______
*zit. nach Erich Fried: Liebesgedichte, S. 92, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2016.

Ingeborg Bachmann: Der gute Gott von Manhattan

Jan und Jennifer treffen sich zufällig am Bahnhof von New York. Nach anfänglichem Desinteresse von Jan beschliessen die beiden, essen zu gehen und beziehen später ein schäbiges Zimmer in einem Stundenhotel. Da Jan am nächsten Tag mit dem Schiff nach Europa fahren will, ist klar, dass diese Begegnung sich auf eine Nacht beschränken wird.

Als Jan am nächsten Morgen erfährt, dass sein Platz auf dem Schiff nicht sicher ist, beschliesst er, länger zu bleiben. War Jan am Abend zuvor noch eher kalt und abweisend zu Jennifer, entwickeln sich nun Gefühle, eine Liebe wächst heran.

«Sie gaben einem Verlangen, das von der Schöpfung nicht so gedacht sein kann, mit einer Laune nach, die ernsthafter war als jeder Ernst, und schwuren sich Gegenwart und sonst nichts, mit jedem Blick, jedem heftigen Atemzug und jedem Griff in das hinfälligste Material der Welt, dieses Fleisch, das vor Traurigkeit bitter schmeckte und in dem sie gefangen lagen, verurteilt zu lebenslänglich.»

Damit passiert genau das, was der gute Gott von Manhattan vermeiden will: Romantische Liebe hat in einer bürgerlichen Gesellschaft keinen Platz, sie bringt höchstens Unruhe und Verderben mit sich. Deswegen hat er es sich zur Aufgabe gemacht, diese Liebe auszulöschen, indem er die davon Betroffenen in die Luft sprengt.

„Jetzt war die Gefahr in Verzug, ich witterte, dass es wieder einmal angefangen hatte. Von diesem Augenblick an erst machte ich mich an die Verfolgung.“

Auch Jennifer wird dieses Schicksal erreichen, weswegen sich der gute Gott von Manhattan vor einem Richter verantworten muss.

«Ich glaube, dass die Liebe auf der Nachtseite der Welt ist, verderblicher als jedes Verbrechen, als alle Ketzereien.»

„Der gute Gott von Manhattan“ war Ingeborg Bachmanns fünftes veröffentlichtes Hörspiel, eine damals noch junge Gattung. Es ist ihr damit gelungen, die bürgerliche Ordnung als Gegenspieler menschlicher Figuren zu präsentieren, wobei die Ordnung durch den guten Gott von Manhattan als moralische Instanz verkörpert wird. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, in dieser Stadt für Ordnung zu sorgen, indem er die lauernden Gefahren sieht und auslöscht.

Die Moral findet sich im Gespräch mit dem Gesetz, verkörpert durch den Richter. Beide beleuchten die Geschichte zwischen Jennifer und Jan, welche einerseits eine sich entwickelnde Liebesgeschichte darstellt, andererseits aber auch verschiedene weitere Ebenen in sich trägt wie die Geschlechterverhältnisse zwischen Mann und Frau allgemein als auch die persönlichen Erfahrungen Ingeborg Bachmanns mit Männern einschliesslich ihrer Haltung diesen gegenüber, indem sie sich einerseits als ehrgeizige Künstlerin in einer damals noch männlich dominierten Welt behaupten will, andererseits sich aber Männern durchaus auch unterordnet und diese durch ihre fast schon Unterwerfung zu nennende Haltung zum Vorbild nimmt.

Das Thema der utopischen Liebe ist zudem gerade in ihrem Frühwerk oft zu finden. Neben „Briefe an Felician“, in welchen die Briefeschreiberin einen fiktiven Geliebten von ihrer euphorischen Liebe schreibt, behandeln auch viele von Bachmanns Gedichten diesen Topos.

Es finden sich in dem Stück die verschiedensten Bezüge, sowohl auf zeitgenössische Verbrechen, als auch auf die nordische Mythologie sowie die Welt der Märchen. Durch diverse literarische Verweise wird das Stück zudem in der Literaturgeschichte verankert und vernetzt.

Rezeption
Als das Hörspiel am 29. Mai 1958 gesendet wurde, stiess es bei den Kritikern mehrheitlich auf Unverständnis. Man bemängelte die teilweise unverständliche, zu lyrische Sprache, empfand die Figuren der Eichhörnchen als zu weit hergeholt, den guten Gott in seiner Argumentation zu wenig nachvollziehbar. Trotzdem wurde das Hörspiel 1959 mit dem rennomierten Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet, auch wenn sogar bei dieser Vergabe Zweifel im Raum standen, ob das doch sehr komplexe Werk, welches erst nach mehrfachem Hören – wenn überhaupt – verständlich sei, überhaupt noch zur Kategorie „Hörspiel“ zu zählen sei.

Die Diskussionen um das Werk rissen auch über die Jahre nicht ab, 1983 betitelte es der Österreichische Rundfunk als „bestes Hörspiel der Welt“, während andere Stimmen noch immer eine zu pessimistische Weltsicht und zu grosse Verzweiflung in einer zu komplexen Form und Struktur bemängelten. Bei der Sprache war man sich zwar mehrheitlich einig, dass diese Ausdruck von „Reichtum und Magie“ sei, was aber gerade bei einem Hörspiel auch zu Schwierigkeiten führen kann. Klar war aber das Eine: Ingeborg Bachmann war mit diesem Hörspiel etwas Neues gelungen, das sich vom bisher Dagewesenen abhebt.

„Der gute Gott von Manhattan“ wurde 1977 fürs Fernsehen verfilmt.

Fazit:
Ein vielschichtiges, tiefgründiges, weit verzweigtes Werk, welches seine vielen Ebenen erst nach und nach preisgibt. Durch die verschiedenen möglichen Lesarten ein Buch, das man sicher mehrfach lesen kann und sogar sollte. Sehr empfehlenswert!

Zur Autorin
Ingeborg Bachmann wird am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren. Mit dem Einmarsch deutscher Truppen im Zweiten Weltkrieg endete nach Bachmanns Aussagen die Kindheit jä – ein Ereignis, das ihr späteres Schreiben immer wieder prägen wird. Erste Gedichte finden sich schon bei der 12-jährigen Ingeborg Bachmann. 1945 beginnt Ingeborg Bachmann ihr Studium in Literatur, Kunst und Jura in Insbruck, wechselt später nach Graz und dann nach Wien, wo sie mit Philosophie und Psychologie abschloss und 1950 eine Dissertation über Martin Heidegger schrieb. Es folgten journalistische Arbeiten, welche aber neben dem schon da dringenden Wunsch, Schriftstellerin zu sein, mehrheitlich eher als ungeliebter Brotjob anzusehen waren. Nach einer Einladung in die Gruppe 47 im Jahr 1952 konnte sie im Jahr 1953 deren Preis gewinnen, im gleichen Jahr erschien ihr erster Gedichtband «Die gestundete Zeit», 1956 der zweite mit dem Titel «Anrufung des Grossen Bären». Damit stand ihr Ruhm als eine der bedeutendsten Lyrikerinnen der literarischen Moderne fest, was aber leider finanziell zu wenig einträglich war, um davon zu überleben.

Es folgten mehrere Stellen, dem finanziellen Überleben geschuldet, sowie diverse Umzüge, welche wohl finanzielle und andere, der persönlichen Unrast und privatem Unglück geschuldete Gründe hatten. Über die Jahre finden sich verschiedene Liebschaften, denen allesamt wenig (und vor allem kein anhaltendes) Glück beschieden war. Irgendwann versiegten bei Ingeborg Bachmann die Gedichte, sie widmete sich Prosawerken, später einem gross gedachten Romanprojekt, von welchem aber nur ein Roman wirklich fertiggestellt wurde: 1971 erschien Malina.

Die zunehmenden psychischen Probleme, die sie immer wieder plagten, gepaart mit Alkoholexzessen und Tablettenabhängigkeiten verdüsterten das Leben der Dichterin zunehmend. Bei einem einem Feuer in ihrer Wohnung in Rom erlitt Ingeborg Bachmann starke Verbrennungen, weswegen sie ins Krankenhaus kam. Gestorben ist sie aber mutmasslich an den Entzugserscheinungen eines Medikaments, bei welchem bis zu spät nicht klar war, welches es ist. Ingeborg Bachmann starb am 17. Oktober 1973 in Rom.

Bücher 2021 – März

Gelesene Bücher

  1. Patricia Highsmith: Suspense oder Wie man einen Thriller schreibt
    Patricia Highsmith beschreibt auf eine sehr offene und persönliche Art ihre Herangehensweise ans Schreiben. Sie beleuchtet den Schreibprozess mit allen Höhen und Tiefen, mit den wichtigen Zutaten wie Disziplin, Emotion, Freude und Spass am Schreiben. Sie zeigt die Schwierigkeiten des Daseins als Schriftsteller sowie auch dessen schönen Seiten. Ein Buch, das genauso viel über Patricia Highsmith selber aussagt wie über ihr Schreiben und ein Bild von einer am Boden gebliebenen, authentischen und äusserst sympathischen Frau zeichnet.
  2. Ilka Piepgras (Hrsg.): Schreibtisch mit Aussicht
    Das Buch umfasst 24 Texte von Schriftstellerinnen, in welchen diese offenlegen, was Schreiben für sie bedeutet, wie ihr Schreiballtag aussieht, womit sie kämpfen, worüber sie sich freuen und wo sie ihre Kraft herholen. Entstanden ist ein offenes und ehrliches Buch, das von Ängsten und Nöten spricht, vom Spagat zwischen Familie und Schreibtisch, von Schuldgefühlen und Zweifeln.
  3. Bernhard Schlink: Sommerlügen
    Bernhard Schlink geht den menschlichen Beziehungen nach, erzählt sieben Geschichten von Menschen, die lieben, geliebt werden, geliebt haben, mit der Liebe hadern oder sich mit ihr arrangiert haben. Er erzählt von den Schwierigkeiten des Anfangens mit all seinen Ängsten und Zweifeln, von den Herausforderungen des Beziehungsalltags und auch von den Komplikationen, wenn zwei Menschen mit unterschiedlichen Wünschen und Zielen aufeinandertreffen.
  4. Richard David Precht: Jäger, Hirten, Kritiker
    Richard David Precht zeichnet ein sehr realistisches Bild der aktuellen Situation, der vierten industriellen Revolution, welche in vollem Gange mit noch offenem Ausgang ist. Er ruft dazu auf, sich nicht hinter Fortschrittglauben und Ängsten zu verstecken, sondern aktiv die Idee einer wünschenswerten Welt zu schaffen, in welcher Maschinen nicht zur Optimierung oder zum Ersatz von Menschen werden, sondern diese unterstützen.
  5. Lily King: Writers & Lovers
    Lily King schreibt mit viel Feingefühl, aber auch mit der nötigen Leichtigkeit und Humor die Geschichte einer verletzlichen und doch mutigen jungen Frau, die sich ihrer Vergangenheit, ihren Ängsten und Selbstzweifeln stellen muss, um den eigenen Weg als Schriftstellerin zu gehen. Obwohl die Lebensgeschichte von Casey durchaus mit vielen Tiefen und Schwierigkeiten gepflastert ist, wird das Buch nie schwermütig, nie erdrückend, sondern schafft es, immer wieder auch eine Spur Hoffnung zu bewahren. Entstanden ist ein wunderbar menschliches Buch über eine junge Frau, die trotz allen Hindernissen an ihre Träume glaubt und diese verfolgt.
  6. Ingrid Noll: Hab und Gier
    Ein reicher Witwer bittet seine ehemalige Arbeitskollegin Karla um Hilfe bei seinem eigenen Tod, im Gegenzug soll sie sein Vermögen erben. Da Karla nicht alles alleine regeln kann, sucht sie sich eine Komplizin, welche wiederum einen Kleinkriminellen mit ins Boot holt. Eine WG, bei der nächste Tote nur eine Frage der Zeit ist. Eine rabenschwarze Komödie, die von der ersten bis zur letzten Seite Lesespass bietet.
  7. Peter Bieri: Wie wollen wir leben?
    Peter Bieri gelingt in diesem dünnen Band ein Bogen von der Frage nach dem Ich aus sich selber heraus, dessen Auseinandersetzung mit dem Du hin zur Identitätsbildung in Abhängigkeit von der umgebenden Kultur. Dabei arbeitet er mit einer klar verständlichen Sprache, einer logischen Abfolge von Begriffen, die sich schlüssig auseinander entwickeln, und zeichnet so einen Weg auf, das Ich als der, der man sein möchte, zu erkennen, zu verstehen, umzusetzen.
  8. Ferdinand von Schirach: Kaffee und Zigaretten
    Ferdinand von Schirach hat mit „Kaffee und Zigaretten“ sein wohl persönlichstes Buch geschrieben. In 48 Kapiteln, jedes eine knappe Zigarette oder einen Kaffee lang, erinnert er sich an Geschichten aus seinem Leben, wirft dem Leser kleine Informationshäppchen zu, die dieser zur Kenntnis nehmen oder zum Anstoss weiteren Nachdenkens machen kann, oder er lässt uns an den unterschiedlichsten Beobachtungen und Gedanken teilhaben.
  9. Katja Kulin: Der andere Mann
    Anlässlich einer Reise nach Amerika lernt Simone de Beauvoir den Schriftsteller Nelson Algren kennen, der sie ein wenig durch die Stadt führen soll. Die gegenseitige Anziehung lässt die Stadtbesichtigung in Algrens Wohnung enden, nach einer leidenschaftlichen Nacht heisst es jedoch schon wieder Abschied nehmen. Doch es sollte keine Affäre bleiben.
  10. Ferdinand von Schirach: Gott: Ein Theaterstück
    Ferdinand von Schirach beleuchtet in seinem Buch „Gott“ die Frage, wem das Leben gehört, von verschiedenen Standpunkten, wobei er für jeden davon überzeugende Argumente liefert. Verschiedene Sachverständige werden nach ihrer Meinung befragt und diese wird in der Folge hinterfragt. Als Leser tritt man automatisch in diesen Dialog ein.
  11. Volker Hage: Kritik für Leser
    Ein Überblick über die verschiedenen Arten, sich als Journalist/Autor mit Literatur zu beschäftigen mit Beispielen aus der jahrzehntelangen eigenen Praxis von Volker Hage.
  12. Marcel Reich-Ranicki: Über Literaturkritik
    Deutschland blickt auf eine lange Tradition der Literaturkritik zurück, schon 1750 versuchte sich Lessing daran. Ebenso lang hält die Diskussion um die Literaturkritik an, darüber, ob sie überhaupt nötig und ob nicht jeder Kritiker ein frustrierter Scheiterer im eigenen Schreiben sei, der es nun den Erfolgreichen Schriftstellern heimzahlen möchte. Was soll Kritik, welche Aufgabe hat sie? Dieser Frage geht Marcel Reich-Ranicki in diesem kleinen Bändchen nach.
  13. Isabel Bogdan: Laufen
    Durch den Verlust ihres Lebenspartners aus der Bahn des Lebens geworfen, fängt sie zu laufen an und lässt neben den Füssen auch die Gedanken laufen. In einem endlosen inneren Monolog erzählt sie sich von ihrem Verlust, von ihren Gefühlen, von ihrer Verzweiflungen, immer wieder unterbrochen durch die eigene Aufforderung, die Gedanken zu stoppen, im Körper zu bleiben, auf das eigene Atmen zu achten – und um dann wieder weiter in den Fluss der Gedanken einzutauchen.
  14. Felix Kucher: Sie haben mich nicht gekriegt
    Der Roman verbindet zwei Frauenschicksale, welche sich eigenständig und mit grossem Willen gegen die politische Unterdrückung damaliger Zeit auflehnen. Im schnellen Wechsel blendet Felix Kucher zwischen den beiden Erzählsträngen hin und her, verbunden werden die Übergänge oft durch ähnliche Worte, welche eine sprachliche Verbindung zwischen den einzelnen Lebenswegen symbolisieren. „Sie haben mich nicht gekriegt“ ist ein Zeugnis davon, dass man auch unter den widrigsten Umständen für seine Überzeugungen und Wünsche einstehen muss und kann, dass man auch gegen Widerstände ankommen und für sich Wege finden kann.
  15. Charles Lewinsky: Sind Sie das?
    Charles Lewinsky hangelt sich entlang seiner Bücher anhand von Zitaten durch sein Leben, erzählt von den Inspirationsquellen, die Einzug hielten in sein Schreiben. Er geht dabei nicht zimperlich mit sich selber um, erzählt auch von den eigenen Verfehlungen und Missgeschicken. Aber er weist auch nochmals in aller Deutlichkeit Absichten und Gründe für einzelne Werke. Entstanden ist so ein Buch voller Erinnerungen, das sowohl durch das Erzählte wie auch die Sprache das Bild eines Menschen voller Humor, Ironie, Selbstreflexion und klarem Blick lebendig werden lässt.
  16. Joachim Höll: Ingeborg Bachmann (Hörbuch)
    Joachim Höll schafft es in einer Art Montagetechnik aus Zitaten und Beziehungs- Lebensbeschreibungen, ein stimmiges Bild einer grossartigen Schriftstellerin zu zeichnen, welches er immer wieder mit deren Werk verknüpft. Entstanden ist ein Buch über eine in sich zerrissene, tiefgründige, nachdenkliche, verletzliche Frau, die immer wieder auf Beziehungen hoffte, sich von diesen oft verraten fühlte im Nachhinein, und sich tief drin allein gefühlt haben muss. Gelesen wird das Hörbuch von der österreichischen Schauspielerin Sophie Rois, welche es neben dem authentisch klingenden Akzent schafft, dem Buch das nötige Gefühl, die passende Stimmung zu verleihen. Ein wirklicher Hörgenuss!

Abgebrochene Bücher

  1. Lukas Linder: Der Unvollendete
    Ein Roman über die menschlichen Schwächen und die Suche nach einem besseren Leben sollte es sein, angefangen hat es mit Sex, der dann doch doch keiner war für den Protagonisten, haben sich doch zwei Frauen ohne ihn vergnügt, und die Festmachung des eigenen Erfolgs und Werts an solchen Misserfolgen. Nun mag das eventuell eine männliche Sicht auf Glück sein, mich hat es (lesend) abgeturnt.

Friedrich Hölderlin (20. März 1770 – 7. Juni 1843)

Am 20. März 1770 wird Johann Christian Friedrich Hölderlin in Lauffen am Neckar geboren. Als er zwei Jahre alt ist, stirbt sein Vater, 7 Jahre später auch sein Stiefvater. Er durchläuft die übliche Schule mit mässigem Erfolg, beginnt ein Studium, wobei er. nicht wie von der Mutter gewünscht die theologische Laufbahn einschlagen will. Im Jahr 1791 veröffentlicht er die ersten Gedichte.

Um seiner Mutter nicht zur Last zu fallen, sucht er sich immer wieder Anstellungen als Hauslehrer, sieht diese aber nach anfänglicher Euphorie stets als untragbar, gar seiner eigenen geistigen Gesundheit abträglich. Um diese ist es dann auch wirklich nicht gut bestellt, bricht bei ihm doch 1806 eine geistige Krankeit aus, deretwegen gegen den eigenen Widerstand in eine Klinik eingeliefert wird, wo er 1807 als unheilbar krank wieder entlassen wird und fortan auf Pflege angewiesen ist. Er verbringt seine letzten Jahre in einem Turmzimmer. Schon in der Klinik begann er wieder mit dem Dichten, muss aber immer wieder aufhören, weil er zu erregt ist. Er ist sich seiner Situation bewusst und leidet auch darunter, worauf dieses Gedicht aus dem Jahr 1811 hindeutet:

„Das Angenehme dieser Welt hab ich genossen,
Die Jugendstunden sind, wie lang! wie lang! verflossen,
April und Mai und Julius sind ferne
Ich bin nichts mehr; ich lebe nicht mehr gerne!

Sowohl Hölderlins Leben wie auch sein Dichten waren nicht gradlinig und schon gar nicht einfach zu deuten. Zu viele Widersprüche, zu viele Brüche weisen beide auf. Zuerst ein braver Zögling auf dem Weg zum Pfarramt, Befürworter der Französischen Revolution, dann wieder Rebell und dem Politischen sich entziehend durch die Poesie. Sein (geistiger) Zusammenbruch 1806 ist wohl nur äusseres Zeichen einer schon lange dauernden inneren Zerrissenheit. Sein Rückzug ins Turmzimmer nur letztendliche Konsequenz eines schon lange herrschenden Gefühls einer ihn erdrückenden Gesellschaft.

„Im heiligsten der Stürme falle
Zusammen meine Kerkerwand,
Und herrlicher und freier walle
Mein Geist ins unbekannte Land!“

In der Poesie lässt er das Einengende hinter sich, seine Gedichte fliessen förmlich aufs Papier und von da in die Weite. Selten sind sie irgendwie unterbrochen, immer fügt sich Eines ins Andere, soll doch die Poesie als Einheit, als Ganzes bestehen neben der Zerrissenheit der Welt, wie Hölderlin sie empfand. Auch wenn (oder gerade weil?) Hölderlins Gedichte alles andere als einfach gestrickt sind, werden sie auch heute noch gerne gelesen. Aus jeder Zeile tropft der Dichter, an seiner Zeit leidend, immer versuchend, im Denken frei zu bleiben. Hölderlin erwartete viel von der Poesie. Zusammen mit Hegel und Schelling formulierte er folgendes:

„Die Poesie wird am Ende wieder, was sie am Anfang war – Lehrerin der Menschheit.“

Man würde sich oft wünschen, die drei hätten recht.

Wenige von Hölderlins Texten werden zu Lebzeiten veröffentlicht, trotzdem bildet sich schon damals ein romantischer Kult um den Dichter im Turmzimmer. Erst anfangs des 20. Jahrhundert wird Hölderlins Dichtung wieder entdeckt. Es erstaunt deswegen, dass im Jahr 1861 ein junger Gymnasiast just Hölderlins (damals praktisch unbekanntes) Werk wählt für einen Schulaufsatz, und dieses feurig gegen Anschuldigungen verteidigte. An einen imaginären Brieffreund schreibt er er:

„…ich fühle mich bewogen, für diesen meinen Lieblingsdichter gegen dich in die Schranken zu treten.“

Und er fährt fort:

„Dies Verse (um nur von der äusseren Form zu reden) entquollen dem reinsten, weichsten Gemüt, diese Verse, in ihrer Natürlichkeit und Ursprünglichkeit die Kunst und Formgewandtheit Platens verdunkelnd, diese Verse, bald im erhabenen Odenschwung einherwogend, bald in den rartesten Klänge der Wehmut sich verlierend…“

Und fügt ein Gedicht an, in welchem sich „die tiefste Melancholie und Sehnsucht nach Ruhe ausspricht“:

Am Abendhimmel blühet ein Frühling auf;
Unzählig blühn die Rosen, und ruhig scheint
Die goldne Welt; o dorthin nehmt mich,
Purpurne Wolken! und mögen droben

In Licht und Luft zerrinnen mit Lieb und Leid! –
Doch, wie verscheucht von törichter Bitte, flieht
Der Zauber. Dunkel wird’s, und einsam
Unter dem Himmel, wie immer, bin ich.

Komm du nun, sanfter Schlummer! Zu viel begehrt
Das Herz, doch endlich, Jugend, verglühst du ja!
Du ruhelose, träumerische!
Friedlich und heiter ist dann mein Alter.

Der Gymnasiast heisst Friedrich Nietzsche.

1936 wird die historisch-kritische Hölderlin-Ausgabe aufgelegt, welche bei den Nazis grossen Anklang findet. Heidegger, ausgerechnet, kann mit seiner Deutung des Werkes diesen Fluch abwenden, so dass Hölderlin wieder über alle braunen Zweifel erhaben in die Zukunft strahlte. Ein

„Glaube und Liebe und Hoffnung sollen nie aus meinem Herzen weichen. Dann gehe ich, wohin es soll, und werde gewiß am Ende sagen: „Ich habe gelebt.“ Und wenn es kein Stolz und keine Täuschung ist, so darf ich wohl sagen, daß ich in jenen Stunden nach und nach, durch die Prüfungen meines Lebens, fester und sicherer geworden bin.“

Möge es ihm wirklich und genau so gelungen sein. Friedrich Hölderlin stirbt am 7. Juni 1843 in Tübingen.

Werke

  • 1791 Erste Gedichte
  • 1797 Hyperion, Roman
  • 1826/1846 Der Tod des Empedokles, Drama
  • Verschiedene theoretische Schriften

Christa Wolf (18. März 1929 – 1. Dez. 2011)

„Unverhüllt autobiographisches Schreiben ist unter den vielfältigen Schreibmöglichkeiten zugleich die leichteste und die schwerste: leicht, weil der oder die Schreibende sich im Stoff bewegt wie der Fisch im Wasser; weil alles bekannt, vertraut ist, nichts erfunden muss (oder darf) – vielleicht, dass, um des lieben Friedens willen, einige Namen verändert, einige Handlungsorte verschleiert werden. Aber man schöpft aus der Fülle.Das schwerste ist es, weil es, soll es gelingen, bekennendes Schreiben sein muss, was meistens heisst: Es muss weh tun.“

Dies schreibt Christa Wolf in ihrem Essay „Autobiographisch schreiben“ zu Günter Grass’ „Beim Häuten der Zwiebel“, aber man könnte es genauso als Selbstbeschreibung sehen, behandelt Christa Wolf in ihren Büchern doch immer auch ihre eigene Biografie, verwebt diese in die erzählten Geschichten.

Christa Wolf wird am 18. März 1929 in Landsberg an der Warthe geboren, wo sie auch bis kurz vor Kriegsende die Schule besucht. Als die Truppen der Roten Armee anrücken, flieht die Familie 1945 nach Mecklenburg. 1946 setzt Christa Wolf die Schule in Schwerin fort und studiert später in Leipzig Germanistik. Danach arbeitet sie zuerst als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Deutschen Schriftstellerverband, später als Lektorin und als Redakteurin. 1961 erfolgt ihre erste literarische Veröffentlichung „Moskauer Novelle“ (allerdings nur in der DDR, in der BRD erschien das Buch nicht) und ab 1962 arbeitet Christa Wolf ganz als freiberufliche Schriftstellerin, kann auch gleich mit dem Roman „Der geteilte Himmel“ einen Erfolg verzeichnen, wird das Buch doch mit dem Heinrich-Mann-Preis ausgezeichnet und 1964 verfilmt.

Christa Wolf ist als Mitglied der SED politisch engagiert und lässt dieses Engagement auch immer in ihre literarischen Texte einfliessen. Immer wieder behandelt sie aktuelle Themen wie den Mauerbau (verarbeitet in „Der geteilte Himmel), das Reaktorunglück in Tschernobyl (verarbeitet in „Störfall“)oder auch feministische Fragen, in der Hoffnung, diese Themen einer breiten Leserschaft zugänglich zu machen. Auch die Auseinandersetzung mit sich selber und das Einfliessen lassen der eigenen Vergangenheit in ihr Schreiben war typisch für ihre Werke, wie oben bereits erwähnt.

„Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen. Wir trennen es von uns ab und stellen uns fremd.“ (zit. nach Schulz, Christa Wolf)

Mit diesem Satz fängt Wolfs Buch „Kindheitsmuster“ an und zeigt deutlich ihr Verständnis vom Leben in der Gegenwart, welches (oft unterbewusst) geprägt ist von der Vergangenheit. Nur wenn man sich dieser Vergangenheit stellt, könne man bewusst gelebte Gegenwart erreichen, dessen ist sich Wolf sicher. Dabei ist das Erinnern oft trügerisch, erfinden wir doch nicht selten die Vergangenheit mehr, als dass wir sie wirklich erinnern:

„In die Erinnerung drängt sich die Gegenwart ein.“ (ebd.)

Es ist also die Gegenwart, die immer auch die Sicht auf die Vergangenheit manipuliert, wogegen Christa Wolf mit ihrem Schreiben angeht. Christa Wolfs Schreiben ist ein sehr bewusstes, welches sie selber oft in Essays, Briefen und Reden thematisiert. Daraus wird klar, dass Christa Wolf den Menschen als ein in seine politische Umwelt verflochtenes Wesen sieht, welches durch diese Umwelt in seinem Sein und Tun geprägt wird. Ihre Tagebücher legen über diese Verflochtenheit in ihrem eigenen Leben Zeugnis ab.

1988 erkrankt Christa Wolf schwer, in der Folge kommt es immer wieder zu gesundheitlichen Problemen. Sie stirbt am 1. Dezember 2011 nach einer schweren Krankheit mit 82 Jahren.

Ausgewählte Werke

  • 1961 Moskauer Novelle
  • 1963 Der geteilte Himmel, Erzählung
  • 1968 Nachdenken über Christa T., Roman
  • 1979 Kein Ort. Nirgends., Erzählung
  • 1983 Kassandra, Erzählung
  • 1990 Was bleibt, Erzählung
  • 1996 Medea. Stimmen, Roman

Briefwechsel

  • Sarah Kirsch,Christa Wolf: „Wir haben uns wirklich an allerhand gewöhnt.“ Der Briefwechsel
  • Man steht sehr bequem zwischen allen Fronten. Briefe 1952 – 2011

Sammelbände

  • Lesen und Schreiben. Aufsätze und Betrachtungen
  • Fortgesetzter Versuch. Aufsätze, Gespräche, Essays
  • Geschlechtertausch. 3 Geschichten über die Umwandlung der Verhältnisse. Mit Sarah Kirsch und Irmtraud Morgner
  • Die Dimension des Autors. Essays und Aufsätze, Reden und Gespräche 1959 – 1985
  • Rede, dass ich dich sehe: Essays, Reden, Gespräche

Siegfried Lenz (17. März 1926 – 7. Okt. 2014)

Siegfried Lenz wurde am 17. März 1926 in Lyck, Ostpreussen, als Sohn eines Zollbeamten geboren. Selber beschrieb er diesen Umstand später so:

„Ich wurde am 17. März 1926 in Lyck geboren, einer Kleinstadt zwischen zwei Seen, von der die Lycker behaupten, sie sei die „Perle Masurens“. Die Gesellschaft, die sich an dieser Perle erfreute, bestand aus Arbeitern, Handwerkern, kleinen Geschäftsleuten, Fischern, geschickten Besenbindern und geduldigen Beamten.“ (Lenz, Autobiographische Skizze)

Der Vater starb früh, die Mutter liess den Sohn bei der Grossmutter zurück, als sie wegzog. Dieser kam später in ein Internat, von wo er nach einem Notabitur in die Kriegsmarine eingezogen wurde. Nach seiner Desertation kurz vor Kriegsende kam er in britische Kriegsgefangenschaft, wo er als Dolmetscher eingesetzt wurde. Die Jahre waren von einer emotionalen Berg- und Talfahrt begleitet, erlebte Lenz schon nach kurzer Kriegseuphorie eine grosse Ernüchterung.

Nach einem abgebrochenen Studium begann er bei einer Tageszeitung, wo er sich um Redaktor hocharbeitete, seine Frau kennenlernte und heiratete. Nach seiner ersten Roman-Veröffentlichung in der Zeitung setzte er ganz auf den Beruf Schriftsteller, anfangs allerdings mit mässigem Erfolg, stiess sein Erstling „Es waren Habichte in der Luft“ doch auch wenig Beachtung. Davon liess sich Siegfried Lenz nicht irritieren, beharrlich schrieb er weiter und durfte schon bald den ersten grossen Erfolg verzeichnen mit seinen Masurischen Geschichten „So zärtlich war Suleyken“. Zu seinem Schreiben sagte er einst:

„Was sind Geschichten? Man kann sagen, zierliche Nötigungen der Wirklichkeit, Farbe zu bekennen. Man kann aber auch sagen: Versuche, die Wirklichkeit da zu verstehen, wo sie nichts preisgeben möchte.“ (Siegfried Lenz, zit. nach Siegfried Lenz. 1926 – 2014. Eine Hommage)

Dieser Zweifel an der Wirklichkeit, an der Wahrheit, sowie auch eine latente Traurigkeit prägen denn auch sein Schreiben. Er schreibt über Menschen, die sich irren, die ausserhalb der Norm stehen. Vielleicht hat Goethe recht, wenn er sagt, dass alles Schreiben autobiographisch sei. Lenz sagte das gar selber mal:

„Man schreibt eigentlich nur von sich selbst.“ (zit. nach Siegfried Lenz. 1926 – 2014)

Lenz selber sah sich selber als Fremdling in der Welt, da er nur aus dieser Fremdheit heraus glaubte schaffen zu können. Er schreibt aber auch über Menschen wie die, welche nach eigener Aussage seinen Geburtsort besiedelten.
Bei den Kritikern schaffte es Lenz selten auf eine Stufe mit Grass oder Walser, beim Publikum indes war er beliebt und galt als einer der grossen Erzähler, auf gleicher Stufe mit den vorgenannten. Er galt als Volksschriftsteller, wohl auch darum, weil er über dieses schrieb durch seine Figuren. Zudem war er anders als viele seiner Kollegen nie in Debatten verstrickt oder und stets freundlich und herzlich, was ihm viele Sympathien einbrachte. Bei all seinem Erfolg blieb er immer bescheiden:

„Als Schriftsteller habe ich erfahren, wie wenig Literatur vermag, wie dürftig und unkalkulierbar ihre Wirkung war und immer noch ist.“

Dies sagte er anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, den er 1988 erhielt. Man möchte ihm in Bezug auf seine eigene Literatur widersprechen.

Siegfried Lenz war später regelmässiger Gast bei der Gruppe 47, engagierte sich daneben in der Politik, war Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und Gastprofessor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Er schrieb insgesamt 15 Romane, über hundert Erzählungen, Theaterstücke, Essays und einiges mehr.

Siegfried Lenz starb am 7. Oktober 2014 in Hamburg.


Ausgewählte Werke

Romane

  • 1951 Es waren Habichte in der Luft
  • 1968 Deutschstunde
  • 1973 Das Vorbild
  • 1990 Die Klangprobe
  • 1994 Die Auflehnung

Erzählungen und Novellen

  • 1955 So zärtlich war Suleyken, Masurische Geschichten, Kurzgeschichten
  • 1957 Risiken für Weihnachtsmänner
  • 1960 Das Feuerschiff, Erzählungen
  • 1960 Verzicht, Erzählungen
  • 1973 Wie bei Gogol, Erzählung
  • 1984 Ein Kriegsende, Erzählung
  • 2008 Schweigeminute, Novelle


Diverses

  • 1953 Lotte soll nicht sterben, Kinderbuch
  • 1970 beziehungen, Essay
  • 1971 Verlorenes Land – Gewonnene Nachbarschaft, Rede
  • 1998 Über den Schmerz, Essay
  • 2006 Selbstversetzung, Über Schreiben und Leben

Bücher 2021 – Februar

Gelesene Bücher

  1. Natascha Lusenti: Die Welt in meinen Farben
    „Die Welt in meinen Farben“ ist die Geschichte einer jungen Frau, die ihren Platz im Leben erst finden muss, weil sie ihn durch zu viele Verluste verloren hat. Die Geschichte fängt sehr langatmig, wird dann aber immer einnehmender, bis sie den Leser vollends in den Bann zieht. Emilia wirkt als Charakter so glaubwürdig, so authentisch in ihrem Denken, Fühlen, Tun, das sich in einer grossen Verletzlichkeit äussert, dass man sie als Leser ins Herz schliesst und weiter begleiten will.Alles in allem ist Natascha Lusenti eine kleine, feine Geschichte voller Zärtlichkeit, Nachdenklichkeit, Mit-Menschlichkeit gelungen, die von der Suche nach sich selbst, von Zugehörigkeit, von Liebe, Angst und Glück handelt. Wären der unbefriedigende Anfang und ein paar zu ausführliche Ausschweifungen später nicht, könnte man sie rundum wunderbar nennen. (Rezension)
  2. Dorothea Brande: Schriftsteller werden
    Dorothea Brande schrieb das vorliegende Buch 1934 und seit da gilt es als Klassiker. Wichtig ist, was einen Schriftsteller überhaupt zum Schriftsteller macht, die Antwort lautet: Er schreibt. Was so einfach klingt, ist es in Tat und Wahrheit aber nicht. Wie viel hält Schreibwillige oft von dem ab, was sie eigentlich tun wollen? Ganz verschiedene Ängste treten plötzlich auf und lassen zögern, blockieren gar. Schriftsteller werden“ ist keine strukturierte Anleitung hin zu einem Roman, es ist ein Buch über die Entwicklung des Menschen hin zu dem, was er sein will: Schriftsteller. Brande schöpft dabei aus ihrer Erfahrung als Autorin und Lehrerin für Kreatives Schreiben. (Rezension)
  3. Anselm Grün: Das kleine Buch vom guten Leben
    Anselm Grün geht in diesem kleinen Buch der Frage nach, was ein gutes Leben ist und wie wir dieses leben können. Er beruft sich dabei auf die Religionen und Philosophien aus aller Welt, zitiert literarische Werke und alte Weisheiten. Für ein gutes Leben, so Anselm Grün, braucht es nicht viel, ausschlaggebend ist die innere Haltung, das, wonach wir unser Leben ausrichten.Anselm Grün überzeugt durch eine tiefe Weisheit, durch eine Belesenheit und einen offenen Blick ohne religiöse, philosophische oder lokale Grenzen. (Rezension)
  4. Doris Dörrie: Alles inklusive
    „Alles inklusive“ ist die Geschichte verschiedener Menschen, die alle mit ihrem Leben hadern, daran verzweifeln, falsche Entscheidungen treffen, sich selber ins Unglück reiten. Alle wirklichen sie auf ihre Weise verrückt und doch auch wie Menschen mit ihren Abgründen und Hoffnungen. Es ist die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung, die nie eine wirklich gelebte und gefühlte war und doch Boden für viele Anschuldigungen mit sich bringt. Doris Dörrie gelingt es, ohne Moralkeule und hochgehobenen Zeigefinger menschliche Schwächen zu erzählen, trotz vieler Tiefschläge und auch verkorkster Lebensentwürfe driftet das Buch nie ins Schwere ab. Es ist wohl gerade die Leichtigkeit des Erzählens, die einen immer weiter lesen lässt, auch wenn die Geschichte ab und an etwas langatmig und gar abstrus wird. (Rezension)
  5. Steven King: Vom Leben und vom Schreiben
    Einer der erfolgreichsten Schriftsteller erzählt aus seinem Leben, das immer auch sein Schreiben mitbeinhaltet, macht es doch einen Grossteil seines Lebens aus. In diesem Buch lässt Steven King den Leser hinter die Kulissen schauen, zeichnet seinen Lebensweg nach und erläutert, was er für grundlegend wichtig hält, wenn jemand schreiben will: Ein Zimmer mit einer Tür, die man abschliessen kann, einen geregelten Tagesablauf mit festen Schreibzeiten, festgesetzte Tagesziele gehören ganz oben auf die Liste. (Rezension)
  6. Marco Missiroli: Treue
    Carlo und Margherita sind ein schönes und ein glückliches Paar, er Dozent für Literatur, sie Inhaberin einer Immobilienagentur. Als Carlo eines Tages auf der Universitätstoilette mit einer jungen Studentin erwischt wird, behauptet er, dieser nur nach einem Schwächeanfall geholfen zu haben. Der Vorfall bleibt als Stachel in der Beziehung. War wirklich alles nur ein Missverständnis? Oder ist entgegen der Behauptungen mehr passiert? Carlo und Margherita gehen unterschiedlich mit dieser Geschichte um, doch auf ihre Weise wird sie für beide eine Obsession. (Rezension)
  7. Jesse Falzoi: Creative Writing
    Ein Schreibkurs in 16 Lektionen, der sich damit befasst, das Handwerk des Autors zu vermitteln. Wie müssen Charaktere gestaltet sein, damit sich ein Leser mit ihm identifizieren kann, wo fängt eine Geschichte an und wie endet sie, was ist ein Thema der Geschichte und worauf baut der Plot auf? Welchen Stellenwert hat der Dialog, und womit beginnt man beim Schreiben einer Geschichte? Wann ist diese fertig? Diese und weitere Fragen behandelt Jesse Falzio und gibt immer auch Übungen vor, an denen man das Gelesene ausprobieren kann.
  8. Maxim Leo: Wo wir zu Hause sind
    Maxim Leos Berliner Familie ist sehr überschaubar, das, was man landläufig sonst als Familie bezeichnet, ist über den ganzen Erdenball verteilt, an spannenden Orten, wie Maxim als Junge denkt, während er im langweiligen Deutschland sitzt. Die Verteilung hatte ernste und tragische Gründe, die Machtübernahme der Nationalsozialisten liess der Familie keine andere Wahl, wollte sie überleben. Ein gelungenes Buch, ein Buch über Menschen, denen das Leben viel genommen hat, ein Buch über Menschen, die Opfer eines Unrechtsregimes wurden, ein Buch, das von den Sehnsüchten und Wünschen von Menschen handelt, welche ein Leben weit weg vom ursprünglichen Lebensentwurf suchen mussten, und ein Buch über Menschen, die dieses Leben fanden und lebten. (Rezension)
  9. Colum McCann: Briefe an junge Autoren
    Briefe an junge Autoren ist kein Schreibratgeber im üblichen Sinne. Column McCann sieht sich eher als Begleiter, als einer, der schreibt, dabei das ein oder andere über die Jahre gelernt hat und nun ein bisschen davon weitergeben will. Entstanden sind leicht lesbare, mit viel Humor und Selbstironie gewürzte kurze Texte rund ums Schreiben, Texte, die anregen, die Mut machen wollen, die dem verzweifelt vor dem leeren Blatt sitzenden jungen Autor sagen wollen: Wir waren alle an dem Punkt, wir kommen wieder an den Punkt, es gibt nur eines: Weiter schreiben. (Rezension)
  10. Ronald B. Tobias: 20 Masterplots
    Nach welchen Mustern ist eine Geschichte aufgebaut? Was steht im Zentrum der Geschichte? Figur oder Handlung? Wie muss ich meine Geschichte aufbauen, dass sie für einen Leser spannend ist? Ronald B. Tobias skizziert 20 verschiedene Möglichkeiten von Plots, ob es eine Liebesgeschichte, eine Suche nach Rache, eine Rettung oder eine Flucht sein soll, in allen Varianten zeigt er auf, wie und wieso sich ein Protagonist verändert und worauf das Augenmerk liegen muss, damit der Plot funktioniert.
  11. Doris Dörrie: Diebe und Vampire
    Diebe und Vampire ist ein Roman über das Schreiben, ein Roman über das Leben einer jungen Frau, die vom Traum, Schriftstellerin besessen ist, aber mehr Gründe dafür findet, nicht zu schreiben, als zu schreiben. Es ist ein Buch, das von den Ängsten und Nöten des Schreibens handelt, ein Buch, das auch autobiographische Züge trägt zumindest, was den Schreibprozess, den Akt des Schreibens betrifft. Es ist aber auch ein Buch über das Scheitern, das Älterwerden – schonungslos, offen, teilweise etwas abstrus, teilweise verwirrend, weil nicht klar ist, was real und was Phantasie der Protagonistin ist, dabei aber unterhaltsam und flüssig zu lesen. (Rezension)
  12. Clara Maria Bagus: Die Farbe von Glück
    Antoine ist sechs, als ihn seine Mutter verlässt. Verzweifelt und tieftraurig bleibt er im Haus zurück, wo ihn Charlotte findet und bei sich aufnimmt. Mit viel Liebe und Geduld schafft sie es, anstelle von Trauer und Verlassenheit durch Zuversicht und Lebensfreude zu ersetzen. Sie haben nicht viel, aber sie haben einander und das ist für beide das wichtigste. Und genau das gerät in Gefahr, als eines Tages Jules auf Charlotte bei ihrer Arbeit im Krankenhaus zukommt und von ihr verlangt, sein gerade geborenes kränkliches Kind mit einem gesunden zu tauschen. Sonst nähme er ihr Antoine. Ein Buch über Schuld, Verlust und Trauer, aber auch über Liebe, Vertrauen und Selbstverantwortung. Wenn auch teilweise langatmig und zu esoterisch, so doch empfehlenswert. (Rezension)
  13. Elisabeth Jacquet: Wir zwei
    Elisabeth Jacquet denkt sich in kleinen Häppchen durch das Leben zu zweit, auf das gefühlte und geteilte Miteinander. Sie zeigt, wie aus Dingen plötzlich gemeinsame Dinge werden, sogar die Welt wird zu einer geteilten. (Rezension)
  14. Inka Piepgras: Schreibtisch mit Aussicht. Schriftstellerinnen über ihr Schreiben
    Schriftstellerinnen über die Schulter geschaut: Was bedeutet es, zu schreiben? Wie sieht der Weg vom Gedanken hin zum Buch aus? Womit hat man dabei zu kämpfen? Vor allem als Frau? Das Buch konzentriert sich auf Frauen, da diese auch heute noch wenig präsent sind im Literaturbetrieb. Entstanden ist ein offenes und ehrliches Buch, das von Ängsten und Nöten spricht, vom Spagat zwischen Familie und Schreibtisch, von Schuldgefühlen und Zweifeln. (Rezension)

Abgebrochene Bücher:

  1. Julian Barnes: Der Mann im roten Rock
    „Die Kunst überdauert persönliche Launen, Familienstolz, gesellschaftliche Dogmen; die Kunst hat immer die Zeit auf ihrer Seite.“
    Ein schöner Satz aus einem sonst sehr schwierigen Buch für mich. Ich habe mit Julian Barnes’ „Der Mann im roten Rock“ begonnen und von Anfang an gekämpft. Ich liebe Barnes, vor allem „Vom Ende einer Geschichte“ war wunderbar, aber hier? Erzählt wird das Leben eines zu seiner Zeit bekannten Arztes (Gynäkologen). In Bruchstücken werden Beziehungen vorgestellt, Lebensabschnitte beleuchtet, wird das Bild eines Menschen und seiner Zeit gemalt. Das Buch ist wahrlich gut recherchiert, aus einem reichen Fundus von Hintergrundwissen heraus geschrieben, aber es spricht mich in seiner Form und Sprache gar nicht an. Mir fehlt die Geschichte, mir fehlt das wirklich erzählende Element. So ist es für mich zu wenig strukturiert, Sachbuch zu sein, zu wenig erzählt, um Roman zu sein.
  2. Carole Fives: Kleine Fluchten
    Eine alleinerziehende Mutter, ein bildschöner, kleiner Junge, und doch zu viel alles. Sie hadert, sie leidet, sie sucht Fluchten, denkt daran, ihn mit einer Weste zu ersticken, obwohl sie ihn liebt. Ein wichtiges Thema ein reales Problem. Und doch… es war zu viel. Zuviel an Dramatik, zu viel an Deprimierendem. Ich weiss wahrlich aus eigener Erfahrung, wie viel es sein kann… in einer Geschichte wäre weniger mehr gewesen. Für mich. Ich konnte nicht weiter lesen. Vielleicht war ich auch zu nah dran – wer weiss.
  3. Thea Dorn: Trost. Briefe an Max
    Eine Postkarte ihres alten Lehrers löst bei Johanna einiges aus. Die ganze Verzweiflung über Corona, den Tod ihrer Mutter, den Schmerz des Verlustes und vieles mehr bricht aus ihr heraus. Ich hatte vom Buch mehr Philosophie erhofft, in dieser Form und vor allem mit dem Inhalt sprach es mich leider gar nicht an. Gut möglich, dass es auch damit zusammen hängt, dass Corona aktuell schon zu viel Thema ist, ich möchte es wohl nicht auch noch lesen.
  4. Christine Girard: Mademoiselle Edith. Hymne an die Liebe
    Die Geschichte einer grossen Sängerin und einer Frau, die ihr Leben lang die Liebe sucht und viele Enttäuschungen erleben muss – bis sie auf den Einen trifft. Das Buch wechselt sprunghaft zwischen den Zeiten (etwas, das ich generell nicht mag, wenn es nicht dringend nötig ist), gewisse Rückblenden bringen dem Fortgang der Geschichte wenig. Auch sonst vermisste ich das Tempo in der Geschichte, zu viele Dialoge mit Geplänkel und Beschreibungen liessen den Lesefluss kaum in Gang kommen.
  5. Gillian Best: Martha und das Meer
    Martha braucht das Meer wie andere Menschen die Luft zum atmen. Als sie John kennenlernt und sie eine Familie gründen, steigt sie für 10 Jahre nicht mehr ins Meer, bis ihr bewusst wird, dass sie sich damit selber verloren hat – und sich wieder finden muss. Sie weiss, wenn sie nicht wieder ins Meer steigt, wenn sie nicht wieder schwimmt, wird sie dieses Leben so nicht weiter führen können…
    Das Buch klang so vielversprechend, doch es schleppte sich dahin, die Figuren waren zu schwach, als dass sie die fehlende Handlung hätten ausgleichen können.
  6. Moritz Heger: Aus der Mitte des Sees
    Als sein Freund aus der Abtei austritt und eine Familie gründet, sieht sich Lukas vielen Fragen ausgeliefert: Ist sein Weg wirklich noch der richtige? Als dann auch noch eine Frau in sein Leben tritt, steht er vor einer Entscheidung.
    Auch hier wäre das Thema wirklich spannend, doch ich fand nicht in die Erzählung rein. Die Figuren blieben unfassbar, es war für mich alles zu abgehackt und mir fehlte ein wirklicher Erzählfluss. Dem Buch gebe ich aber noch eine Chance.

Erich Kästner (23.2.1899 – 29.7.1974)

Erich Kästner wurde am 23. Februar1899 in Dresden geboren und wuchs in kleinbürgerlichen Verhältnissen auf. Schon als Kind hatte er eine sehr enge Beziehung zu seiner Mutter, welche das ganze Leben anhalten sollte, oft Thema seiner Schriften war und auch Grund, dass Kästner nicht ins Ausland floh bei der Machtübernahme der Nationalsozialisten.

Nach der Schule trat Kästner ins Lehrerseminar ein, brachte zwar keinen Abschluss als Lehrer heraus, aber immerhin genügend Stoff als Inspiration für sein fliegendes Klassenzimmer. Später studierte Kästner in Leipzig Geschichte, Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft und promovierte in Germanistik. Schon während des Studiums arbeitete er journalistisch. Dies behielt er auch nach dem Studium – auch unter vielen Pseudonymen – bei. Daneben veröffentlichte er Geschichten, Gedichte, Romane und auch Kinderbücher

„Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen.
Mich läßt die Heimat nicht fort.
Ich bin wie ein Baum, der – in Deutschland gewachsen –
wenn’s sein muss, in Deutschland verdorrt.“

1933 wurde Erich Kästner von den Nationalsozialisten als Autor verboten. Trotzdem blieb er als einer der wenigen prominenten und intellektuellen Gegner des Systems in Deutschland, sicherte sich sein finanzielles Überleben durch schreiben unter Pseudonym, entstanden sind in der Zeit einige Drehbücher zu unterhaltsamen Komödien. Das wurde ihm – vor allem in späterer Zeit – immer wieder zum Vorwurf gemacht. Zu seicht sei er gewesen, zu wenig auflehnend und kämpferisch. Ganz böse Zungen nannten ihn gar Profiteur, habe er doch mit seichtem und dem Regime genehmem Stoff ein Auskommen gehabt.

Dass ein kritischer Geist wie Kästner aber nicht einfach zuschaute, ohne sich Gedanken zu machen, liegt aber auf der Hand. Zwar konnte er diese nicht mehr schriftlich unter die Leute bringen, aber er hielt sie in einem blauen Buch fest.

„Der Entschluss ist gefasst. Ich werde ab heute wichtige Einzelheiten des Kriegsalltags aufzeichnen. Ich will es tun, damit ich sie nicht vergesse, und bevor sie, je nachdem wie dieser Krieg ausgehen wird, mit Absicht und auch absichtslos allgemein vergessen, verändert, gedeutet oder umgedeutet sein werden.“


Nach dem Krieg zog Kästner nach München, wo er erst das Feuilleton der Neuen Zeitung leitete, sich dann immer mehr dem literarischen Kabarett zuwandte. Die anfängliche Nachkriegseuphorie wich schnell einer Resignation, er sah unter anderem die Pressefreiheit durch zu viele staatlichen Massnahmen gefährdet. Zwar war Kästner auch nach dem Krieg noch erfolgreich, allerdings nahm seine Produktivität ab und gleichzeitig der Alkoholkonsum zu.
Auch in der Liebe war ihm das Glück nicht hold, blieb er doch ein Leben lang unverheiratet, wenige etwas längere Beziehungen waren eher kompliziert als glücklich.
1965 zog sich Kästner von allem zurück, er starb am 29. Juli 1974 in München an Speiseröhrenkrebs.

Bekannt wurde Erich Kästner vor allem durch seine Kindergeschichten „Das doppelte Lottchen“, „Das fliegende Klassenzimmer“, „Emil und die Detektive“ und einige mehr, die alle auch verfilmt wurden. Aber auch seine Gedichte waren sehr erfolgreich. In all seinen Schriften zeigt sich der Satiriker, der Mensch, der hinter die Fassaden schaut, der seine Zeitgenossen kritisiert und ihre (fehlende) Moral anprangert. Er tut dies nicht analytisch, aber mit klarem Blick, immer als vorgehaltenen Spiegel, verpackt in einen feinen (ab und an auch beissenden) Humor.

Marcel Reich-Ranicki hat den Menschen und Denker Kästner schön beschrieben:

»Erich Kästner war ein wehmütiger Satiriker und ein augenzwinkernder Skeptiker. Er war Deutschlands hoffnungsvollster Pessimist und der deutschen Literatur positivster Negationsrat. War er ein Schulmeister? Aber ja doch, nur eben Deutschlands amüsantester und geistreichster. Er war ein Prediger, der stolz die Narrenkappe trug.«


Einige ausgewählte Gedichte:

Apropos Einsamkeit
Man kann mitunter scheußlich einsam sein!
Da hilft es nichts, den Kragen hochzuschlagen
und vor Geschäften zu sich selbst zu sagen:
Der Hut da drin ist hübsch, nur etwas klein …

Da hilft es nichts, in ein Café zu gehn
und aufzupassen, wie die andren lachen.
da hilft es nichts, ihr Lachen nachzumachen.
Es hilft auch nicht, gleich wieder aufzustehn.

Da schaut man seinen eignen Schatten an.
Der springt und eilt, um sich nicht zu verspäten,
und Leute kommen, die ihn kühl zertreten.
Da hilft es nichts, wenn man nicht weinen kann.

Da hilft es nichts, mit sich nach Haus zu fliehn
und, falls man Brom zu Haus hat, Brom zu nehmen.
Da nützt es nichts, sich vor sich selbst zu schämen
und die Gardinen hastig vorzuziehn.

Da spürt man, wie es wäre: Klein zu sein.
So klein, wie nagelneue Kinder sind!
Dann schließt man beide Augen und wird blind.
Und liegt allein.

Ich bin die Zeit
Mein Reich ist klein und unabschreitbar weit.
Ich bin die Zeit.
Ich bin die Zeit, die schleicht und eilt,
die Wunden schlägt und Wunden heilt.
Hab weder Herz noch Augenlicht.
Ich kenn die Gut‘ und Bösen nicht.
Ich trenn die Gut‘ und Bösen nicht.
Ich hasse keinen, keiner tut mir leid.
Ich bin die Zeit.

Da ist nur eins, – das sei euch anvertraut:
Ihr seid zu laut!
Ich höre die Sekunden nicht,
Ich hör‘ den Schritt der Stunden nicht.
Ich hör‘ euch beten, fluchen schrei’n,
Ich höre Schüsse zwischendrein;
Ich hör‘ nur Euch, nur Euch allein …
Gebt acht, ihr Menschen, was ich sagen will:
Seid endlich still!

Ihr seid ein Stäubchen am Gewand der Zeit, –
Lasst euren Streit!
Klein wie ein Punkt ist der Planet,
Der sich samt euch im Weltall dreht.
Mikroben pflegen nicht zu schrei’n.
Und wollt ihr schon nicht weise sein,
Könnt ihr zumindest leise sein.
Schweigt vor dem Ticken der Unendlichkeit!
Hört auf die Zeit!

Kleines Solo
Einsam bist du sehr alleine.
Aus der Wanduhr tropft die Zeit.
Stehst am Fenster. Starrst auf Steine.
Träumst von Liebe. Glaubst an keine. Kennst das Leben.
Weißt Bescheid. Einsam bist du sehr alleine –                           
und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

Wünsche gehen auf die Freite.
Glück ist ein verhexter Ort.
Kommt dir nahe. Weicht zur Seite.
Sucht vor Suchenden das Weite.
Ist nie hier. Ist immer dort.
Stehst am Fenster. Starrst auf Steine.
Sehnsucht krallt sich in dein Kleid.Einsam bist du sehr alleine –                          
und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

Schenkst dich hin. Mit Haut und Haaren.
Magst nicht bleiben, wer du bist.
Liebe treibt die Welt zu Paaren.
Wirst getrieben. Musst erfahren,
dass es nicht die Liebe ist …
Bist sogar im Kuss alleine.
Aus der Wanduhr tropft die Zeit.
Gehst ans Fenster. Starrst auf Steine.
Brauchtest Liebe. Findest keine.
Träumst vom Glück. Und lebst im Leid.
Einsam bist du sehr alleine –                          
und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

Er weiss nicht, ob er sie liebt
Soll man sein Herz bestürmen: »Herz, sprich lauter!«
da es auf einmal leise mit uns spricht?
Einst sprach es laut zu uns. Das klang vertrauter.
Nun flüstert’s nur. Und man versteht es nicht.

Was will das Herz? Man denkt: wenn es das wüßte,
dann wär es laut, damit man es versteht.
Dann riefe es, bis man ihm folgen müßte!
Was will das Herz, daß es so leise geht?

Das Allerschönste, was sich Kinder wünschen,
das wagt sich kaum aus ihrem Mund hervor.
Das Allerschönste, was sich Kinder wünschen,
das flüstern sie der Mutter bloß ins Ohr.

Ist so das Herz, daß es sich schämt zu rufen?
Will es das Schönste haben? Ruft es Nein?
Man soll den Mächten, die das Herz erschufen,
nicht dankbar sein.

Bücher 2021 – Januar

Meine Lesereise im Januar auf einen Blick – Eine Liste der Bücher, die ich im Januar 2021 gelesen habe:

  1. Blake Gopnik. Andy Warhol
    Angefangen bei seiner Kindheit in Pittsburgh als Sohn einer armen Bauernfamilie erzählt Gopnik auf mitreissende und nie langweilig anmutende Weise Warhols Lebensweg, lässt den Leser daran teilhaben, wie die einzelnen Etappen Warhols späteres Schaffen beeinflusst haben könnten. Nach einem sehr erfolgreichen Start in der Werbe- und Textilindustrie entschied sich Warhol für ein Leben als Künstler, nahm dabei aber viel seiner früheren Arbeit mit.
  2. Doris Dörrie: Leben, schreiben, atmen – eine Einladung zum Schreiben
    Doris Dörrie schreibt mit diesem Buch wohl eines der persönlichsten, das sie bislang geschrieben hat. Es ist ein Buch über ihr Leben, über ihre Erinnerungen an einzelne Momente dieses Lebens. Ein wunderbares Buch, das zum nachdenken, weiterdenken, sich erinnern und schreiben animiert.
  3. Santiago Amigorena: Kein Ort ist fern genug
    Die Geschichte eines polnschen Auswanderers, der im fernen Argentinien mit dem Leid seiner zurück gebliebenen Mutter im Krieg konfrontiert ist und sich Fragen nach Identität, Schuld und Verantwortung stellt. Ein tiefes, bewegendes, mitreissendes Buch, das zum nachdenken, weiterdenken, sich und das Leben hinterfragen anregt.
  4. Bas Kast: Das Buch eines Sommers
    Bas Kast erzählt sehr fein und leise die Geschichte eines Mannes, der sich selber wieder finden muss, weil er sich vor Jahren von sich entfernt hat – ohne dies selber zu merken. Es ist eine Geschichte einer Liebe, die Geschichte vom Erfolg, aber auch eine Geschichte über Verlust und Aufgabe. Ein wunderbares Buch, das einen an die Hand nimmt und auf eine Reise mitnimmt, die im besten Fall zu einem selber führt.
  5. Ilona Hartmann: Land in Sicht
    Ilona Hartmann schreibt mit „Land in Sicht“ die Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach ihren Wurzeln. Sie begibt sich auf eine Reise, wo sie ihren Vater trifft, ohne den sie aufgewachsen ist. Jana trifft auf dieser Reise nicht nur ihren Vater, sie wird auch mit vielen eigenen Vorurteilen, Vorstellungen konfrontiert, die sie revidieren muss. Und sie wird immer wieder auf sich selber zurück geworfen, erkennt, was sie nicht wahrhaben wollte.
  6. Hera Lind: Die Frau zwischen den Welten
    Als Kind einer Deutschen und eines Tschechen erfährt Ella schon als kleines Kind, wie es ist, zwischen den Stühlen zu sitzen. Das Schicksal will es, dass ihre Familie immer auf der falschen Seite steht und das machthabende Regime gegen sich hat. Die Frau zwischen den Welten ist ein bewegendes Buch über eine Frau, die vom Schicksal mehr als auf die Probe gestellt wurde. Als sie auf die Liebe ihres Lebens trifft, scheint endlich alles gut zu werden – doch hält das Glück an?
  7. Ray Bradbury: Zen in der Kunst des Schreibens
    Das Buch versammelt 11 zu unterschiedlichen Zeiten geschriebene Essays, welche sich mit verschiedenen Aspekten von Bradburys Schreiben befassen. Dabei kann der erste als grundlegend für die anderen gelten, heisst er doch „Die Freude am Schreiben“. Einblicke in das Schreiben eines Autoren, auf humorvolle und unterhaltsame Weise vermittelt. Kein Schreibratgeber im üblichen Sinne, aber ein Buch, bei der die Freude am Schreiben aus allen Zeilen tropft.
  8. Delphine de Vigan: Dankbarkeiten
    Früher unabhängig und stolz auf ihre Fähigkeit, mit Sprache umzugehen, verliert Michka nach und ach, was ihr mal wichtig war: Wörter. Eins ums andere lässt sich nicht mehr finden, sie taucht vergeblich danach oder ersetzt es durch ein anderes, ähnlich klingendes. Delphine de Vegan erzählt auf stille und fast zärtliche Weise die Geschichte einer Frau, die damit konfrontiert ist, immer mehr zu verlieren. Dankbarkeit ist ein Buch über das Altern, über den Verlust, aber auch ein Buch über das Leben, die Dankbarkeit und die Kraft des Mitgefühls, des Mit- und Füreinanders.

E. T. A. Hoffmann (24.1.1776 – 25. Juni 1822)

Geboren am 24. Januar 1776 in Königsberg schlug E. T. A. Hoffmann, ganz der Familientradition folgend, nach seiner Schulzeit die juristische Laufbahn ein. Schon damals war er den Künsten zugewandt, schrieb, zeichnete und musizierte, gab auch Musikunterricht. Trotz seines schon damals ausgeprägten Interesses an Kunst und Kultur, zog er die Juristerei bis zum dritten Staatsexamen durch, bekleidete danach diverse Ämter, doch die Kunst liess ihn nie los. Er schrieb, komponierte, entschied sich ganz für die Künstlerlaufbahn und kehrte doch wieder in den Staatsdienst zurück – nicht ganz glücklich, worauf verschiedene Bewerbungen im Musikbereich deuten, welche leider nur zu Absagen führten.

In E. T. A. Hoffmanns Schreiben zeigt sich eine Welt, die zwischen Realität und Märchen angesiedelt ist. Einerseits durchleuchtet und präsentiert er den Menschen in seinem Sein auf sehr entlarvende Weise, andererseits werden seine Charaktere immer auch mit Wundersamem und Wunderbarem konfrontiert. Geheime und dunkle Mächte haben nicht selten ihre Wirkungen auf den Helden in Hoffmanns Erzählungen, drohen, ihn ins Verderben zu stürzen.

Bei anderen Dichtern seiner Zeit polarisierte Hoffmann: Goethe, Eichendorff und Jean Paul konnten wenig mit ihm anfangen, Grimm mit der Ausnahme des Nussknackers ebenso (Er befand Hoffmann in einer Aussage sogar als widerwärtig seines Geistes und Witzes wegen). Anders aber Heine, Chamisso oder Balzac. Vielleicht war er mit seiner Reise in die Phantasiewelt seiner Zeit voraus, denn spätere Generationen liessen sich von ihm durchaus inspirieren.

E. T. A. Hofmann starb am 25. Juni 1822 in Berlin.

Bekannte literarische Werke Hoffmanns:

  • Der Sandmann
  • Lebensansichten des Katers Murr
  • Der Nussknacker
  • Das steinerne Herz
  • Der goldene Topf
  • Rat Krespel
  • etc

Was ist gute Literatur?


Kürzlich stellte ich ein Bild meiner aktuellen Lektüre ins Netz. Und ich erntete prompt Naserümpfen, hochgezogene Augenbrauen (nicht gesehen, nur aus jedem Buchstaben tropfend) und Nachfragen:

„Du liest DIE Autorin????“

Das „wie kann man nur!!!!!!!“ klang förmlich mit. Ja, mir war sie auch von früher als eher seicht bekannt, doch: Als ich im Regal im Laden stöberte, fiel mir das Buch auf, der Klappentext überzeugte der Geschichte wegen – ich habe es gekauft und das nicht bereut.

Es wäre wohl alles anders gelaufen. Hätte ich gelesen, wer die Autorin ist. Die fiel mir schon mal negativ auf, die les ich nicht. Die schreibt eh nur Schund, das ist unter meinem Niveau. Etwa so klangen ja auch die Kommentare. Ich dachte: Die Geschichte klingt gut, die interessiert mich, ich gebe dem Buch eine Chance. Und mir damit eine auf unterhaltsame Zeit.

Und: Ich wurde belohnt. Das Buch hat mich gepackt, ergriffen, mitgerissen. Ich bin nun knapp über der Hälfte und ich kann es kaum erwarten, weiter zu lesen. Jeder, der hier liest, hat irgendwie Glück, denn: ich könnte nun lesen, aber ich schreibe….wieso?

Weil es mir am Herzen liegt. Ich habe Literaturwissenschaften studiert. Alte und neue Literatur. Und ja, ich habe alles mit „summa cum laude“, Note 6 (in der Schweiz das höchste) abgeschlossen. Schreibe ich das, um mich irgendwie gross zu machen? Nö. Es bringt mir im Leben nichts. Aber so ganz und gar gar nichts. Ausser: Ich beherrsche das Fach. Das wurde mir mehrfach bestätigt.

Ich wurde oft gefragt, wieso ich keine Verrisse schriebe. Ich schreibe Rezensionen nur dann, wenn mir das Buch gefiel. Denn: Nur dann lese ich es zu Ende. Und mich kümmert dabei überhaupt nicht, wer der Autor war. Ich könnte klar sagen, wieso mir etwas nicht gefiel. Vielleicht fange ich damit doch mal noch an. Aber zu sagen: Lest das ja nicht??? So viel, das ich nicht lesen konnte/wollte, gefiel andern. Und das ist doch wunderbar. Und so ein Buch zu schreiben ist unglaublich viel Aufwand, Zeit und Herzblut. Schon das achte ich als Leistung. Auch ich bin der Meinung, dass ganz viel Müll da draussen zwischen Buchdeckeln rumgeistert. Aber: Das ist meine bescheidene Meinung. Wenn jemand das toll findet, darum liest, sich darum besser fühlt? Wunderbar.

Und so bleibe ich dabei: Ich werde keine Verrisse schreiben. Vielleicht fange ich an, zu schreiben, wieso ich Bücher nicht weiter lesen konnte. Das waren dann meine Gründe. Ganz persönlich. Wenn ich aber eine Rezension schreibe, kann man davon ausgehen: Ich habe das Buch gelesen und das ist meine Meinung. Auch ganz persönlich! Was ich dabei spannend fände – immer: Wie sieht das ein anderer?

Ich bin überzeugt: Nicht nur der Autor macht das Buch, der Leser hat auch einen Anteil. Und der interessiert mich immer auch.

Literatur im Netz – 9. September 2017

Es ist wieder Samstag und ich möchte weitere 10 Artikel vorstellen, über die ich die Woche durch im Netz gestolpert bin. Allen gemeinsam ist, dass sie sich um Literatur im weitesten Sinne drehen.

Was Vielleser nicht gelesen haben

5000 Bücher seien das Maximum an Büchern, die man im Leben lesen kann. Dies das Ergebnis einer Untersuchung. 10 Vielleser gestehen hier, welche Werke sie bislang NICHT gelesen haben – und das aus verschiedenen Gründen.

Der Artikel: HIER

Frauenkrimis fördern

Die Mörderischen Schwestern finden, Frauenliteratur kriege zu wenig Aufmerksamkeit, weil die Jurys so zusammengesetzt seien, dass Männer besser portiert würden. Sie haben darum acht Frauenkrimis gewählt und stellen sie vor.

Der Artikel: HIER

Digitales versus analoges Lesen

Wie verändern die digitalen Möglichkeiten das Leseverhalten?

Der Artikel: HIER

Oskar Maria Graf

Seit 50 Jahren ist Oskar Maria Graf tot. In München findet noch bis am 5. November eine Ausstellung zu seinen Ehren statt.

Der Artikel: HIER

Augen auf bei der Verlagssuche

Da sitzt man nun und hat sein Buch geschrieben, nun bräuchte man nur noch einen Verlag. Gar nicht so einfach, den zu finden, zumal es in der Verlagsbranche durchaus schwarze Schafe gibt.

Der Artikel: HIER

Lesen macht süchtig

Früher galt Lesen als gefährlich, aber wenn ich von Rausch, Sucht und Schlafverzicht lese, scheint es in der Tat seine Tücken zu haben. Aber lest selber:

Der Artikel: HIER

Bachmann und Celan – eine nicht lebbare Liebe

Zwei Grössen der Literatur, zwei, die sich liebten, sich schrieben, ihre Liebe aber nicht leben konnten. Helmut Böttiger studierte ihre Briefe und kommt zum Schluss, dass die Liebe nicht alltagstauchlich gewesen sei.

Der Artikel: HIER

150 Bücher, die man gelesen haben muss

Ich bin ja grundsätzlich der Meinung, dass es kein Buch gibt, das man gelesen haben MUSS, aber natürlich ganz viel wunderbare, die ich als lesenswert und Bereicherung empfinde. Trotzdem finde ich Listen immer wieder spannend, da sie inspirieren und man sich dazu Gedanken machen kann.

Der Artikel: HIER

Iris Radisch zum Deutschen Buchhandlungspreis

„Der Buchhandlungspreis ist es eine Mischung aus Anerkennung und Förderung“ – und weil Buchhandlungen wunderbar sind und nicht genügend gewürdigt werden können, hier nochmals ein Artikel dazu.

Der Artikel: HIER

John Ashbery ist tot – ein Nachruf

Am 3. September starb der Lyriker John Ashbery.
«Wenn mir ein Gedicht gefällt, dann empfinde ich es. Es kümmert mich nicht sonderlich, was es bedeutet».
Ein schöner Nachruf in der NZZ.

Der Artikel: HIER

Ich setze auch diese Woche einen drauf:

Alex Capus über die Historie – und sein Schreiben

Ich habe ihn bei einer Lesung erlebt, die ich moderieren durfte. Ein spannender Mensch, ein offener Mensch, ein Mensch, der sich Gedanken macht. Wieso er kaum über Frauen schreibt? Wie genau er es mit der Geschichte nimmt?

Der Artikel: HIER

Literatur im Netz – 26. August 2017

Es ist wieder Samstag und ich möchte weitere 10 Artikel vorstellen, über die ich die Woche durch im Netz gestolpert bin. Allen gemeinsam ist, dass sie sich um Literatur im weitesten Sinne drehen.

Bücher im Café

Der Kaffeehaussitzer liest gerne in Kaffees – der Name verrät es schon –, liest Bücher und bloggt darüber. Er hat Karla Paul ein Interview dazu gegeben

Der Artikel: HIER

Mit Adam Zagajewski durch Krakau

Der wohl wichtigste polnische Lyriker zeigt seine Heimat Krakau.

Der Artikel: HIER

Äsops Fabeln

Tierfabeln, die unterhalten, dabei aber eine tiefere Botschaft mit sich bringen – Weisheiten in Geschichten verpackt, damit der Leser etwas fürs Leben lernt.

Der Artikel: HIER

Ägypten in Zeiten des Umbruchs – eine Schriftstellerin erzählt

Die Autorin Mansura Eseddin erzählt über Ihre Heimat, die politische Situation und die Funktion von Literatur für sie.

Der Artikel: HIER

Wenn Literatur Brücken baut

Das Literaturfest »Poetische Quellen« in Bad Oeynhausen und Löhne sowie die »Sarajevoer Poesietage« wollen in Zukunft zusammenarbeiten. Der Autor Dzevad Karahasan hat daran massgeblichen Anteil und er spricht darüber.

Der Artikel: HIER

Sketchnotes – Notizen aufgepeppt

Wer genug hat von den ewig gleichen langweiligen Notizen, für den gibt es Sketchnotes. Man muss dafür nicht Picasso sein, und: Man kann es lernen. Zum Beispiel mit dem Buch hier.

Der Artikel: HIER

Die Interior-Design-Welt der Buchblogger

Buchbloggern scheint es nicht mehr so sehr um Literatur zu gehen, sondern um die ästhetische Präsentation des Leseerlebnisses.. Habe ich bei Instagram genauso gefühlt und bewege mich drum ein wenig weg da. Was denkt ihr dazu??

Der Artikel: HIER

Buchblog-Award

Welcher Buchblog hätte einen Award verdient? Es winken Preise.

Der Artikel: HIER

Kindern Lesefreude vermitteln

In Wien gibt es im Wiener Allerhgeiligenpark eine Leseaktion. Unter dem Motto „Wer sich auf die Decke setzt, ist willkommen“ soll Kindern Freude am Lesen vermittelt werden.

Ein Projekt, das man vielleicht auch an anderen Orten starten könnte?!

Der Artikel: HIER

Der Zeichner und Autor Hans Traxler im Gespräch

Jeder kennt sie wohl, die Zeichnung, die aus Helmut Kohl eine Birne machte. Ihr Schöpfer erzählt, wie er auf die Idee kam.

Der Artikel: HIER

Auch heute wieder eine Zugabe:

Max und Moritz – wer kennt sie nicht?

Ein Artikel über die Geschichte des Comics, die natürlich auch Max Buschs „Max und Moritz“ ins Visier nimmt.

Der Artikel: HIER