3 Inspirationen – Woche 26

Endlich Sommer und endlich wieder in Spanien. Fast ein Jahr ist vergangen seit meinem letzten Aufenthalt in meiner zweiten Heimat hier, umso grösser war erst die Sehnsucht und dann die Freude, wieder hier zu sein. Ich bin mit vielen Projekten im Kopf und Hoffnungen hierher gekommen und seit der Ankunft auch schon fleissig am Arbeiten. Das tut richtig gut! Ich merke, wie hier immer viel mehr Lebensfreude und Schaffenskraft in mir sind. Und ja, das Geniessen kommt auch nicht zu kurz, was aber leicht ist bei der Umgebung. Nur schon all die wunderbaren Farben, die Sonne und vor allem: Das Meer.

Was hat mich diese Woche inspiriert?

  • Als mich diese Woche eine Mail erreichte, ich müsse sofort sämtliche Gedichte von Erich Fried aus dem Blog nehmen, da diese rechtlich geschätzt seien, ich ansonsten eine Strafe erwarten müsse, hat mich das zuerst aus der Bahn geworfen. Erstens hatte ich gedacht, mit meinem Engagement der sonst eher stiefmütterlich behandelten Lyrik zu helfen und somit auch dem Verlag, und zweitens sah ich durch das Zitieren in einem Artikel, der oft durchaus literaturwissenschaftliche Ansätze trägt, die Rechte nicht verletzt. Nun denn – ich fügte mich, löschte auch Gedichte anderer nicht gemeinfreier Autoren und merkte, wie die Luft draussen war. Doch dann regte sich etwas und es kamen neue Ideen, solche auch, die schon lange im Kopf waren, aber noch nicht angepackt, obwohl sie mich reizten. Was soll ich sagen:

Manchmal wird aus einem vermeintlichen Übel etwas Gutes.

  • Mein Englisch war früher sehr gut, auch heute ist das Verständnis lesend und hörend gut, nur das Sprechen habe ich stark vernachlässigt und dadurch verloren geglaubt. Wenn ich in Situationen kam in der letzten Zeit, wo ich etwas sagen musste, wurde ich unsicher und durch diese Unsicherheit fiel mir alles schwer. Dann war ich kürzlich in einem Restaurant, auf dem Weg zur Toilette kam ich an einem Ehepaar mit Hund vorbei, die ich ansprach. Schon bald befand ich mich in einem angeregten Gespräch mit ihnen – auf Englisch. Es ging wunderbar. Dies vermutlich darum, weil ich nicht musste, weil ich mich gar nicht fragte, ob ich das kann, sondern einfach loslegte. Ich habe daraus dies gelernt:

Wenn ich mich nicht mit meinen eigenen Unsicherheiten lähme, kann ich mehr, als ich mir zutraue.

  • Ein Interview mit Adolf Muschg hat mich sehr inspiriert. Es ging um Grenzen und wie nur durch diese Freiheit überhaupt möglich ist – eine Sicht, die ich teile. Grenzenlose Freiheit ist nicht nur undenkbar, sondern auch nicht wirklich wünschenswert, wäre der Mensch doch eine Insel, wollte er sie irgendwie haben. Grenzen bringen auch Sinn und Kreativität. Wäre das Leben grenzenlos, wo läge der Sinn, es zu gestalten? Wären Möglichkeiten unendlich, was wollte man noch finden oder kreativ selber schaffen?

HIER das Video des Interviews.

3 Inspirationen – Woche 24

Der Sommer hat uns wieder – oder wir ihn. Richtig schön, endlich wieder Sonne und Wärme zu spüren, die Abende draussen geniessen zu können. Das ist doch nochmals ein Stück Lebensqualität mehr, wie ich finde. Ich habe beschlossen, aus den fünf Inspirationen drei zu machen – aller guten Dinge sind drei und das soll nun auch bei meinen Inspirationen so sein.

Was hat mich diese Woche inspiriert?

  • Ich habe ein Hörbuch gehört über Simone Beauvoir: C. Bernd Suchers Leidenschaften: Simone de Beauvoir. Auf eine locker, fundierte und gut nachvollzierbare Weise stellt Bernd Sucher Leben und Werk dieser spannenden Frau vor, immer durchsetzt von Zitaten. Der Podcast hat mich gleich dazu angeregt, ihre Bücher mal wieder in die Hand zu nehmen.

„Mein Unternehmen war mein Leben selbst.“

Eine interessante Aussage, verweist sie doch auf das Leben zurück als Zentrum, nicht auf das Streben im Aussen, dem so viele nachrennen, um da ihren Erfolg zu suchen.

  • Bald steht bei mir ein Tapetenwechsel an und das hat so viele Ideen freigesetzt, die ich dann umsetzen will, dass ich es kaum erwarten kann. Die Vorfreude ist also gross, auch wenn immer ein wenig Unsicherheit mitschwingt, da ich doch meine geregelten Abläufe schätze und auch brauche für mein Schreiben und Sein. Generell bin ich vor Neuem immer unsicher, versuche mir aber immer wieder zu sagen, dass es immer gut war, wenn es erst mal eingetreten ist. Fazit daraus:

Gelassen bleiben und die Dinge kommen lassen.

oder aber das Motto (als Mantra gesprochen):

Es kommt, wie es kommen muss

  • Ein Gedicht ist mir begegnet, welches ich wunderschön finde:

Josef von Eichendorff: Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

Wie schön, das Lied in den Dingen zu sehen – möge die Welt klingen.

5 Inspirationen – Woche 23

Es war eine schöne Woche, eine überraschende Woche, eine lehrreiche Woche, eine arbeitsame Woche. Es war eine Woche, in welcher ich durch viele Erlebnisse und auch durch meine Gedanken dazu Erkenntnisse gewann. Insofern fallen die heutigen Inspirationen vielleicht ein wenig anders aus als sonst.

Was hat mich diese Woche inspiriert, welche Erkenntnisse habe ich gewonnen?

Egal wie andere Menschen Dinge anpacken, ich muss für mich meinen eigenen Weg finden. Diese Erkenntnis klingt ziemlich banal und offensichtlich, und doch kam sie mir diese Woche wieder ganz bewusst in den Sinn. Ich habe seit vielen Jahren eine Schwäche für die Schreibprozesse anderer Autoren. Und immer wieder, wenn mich einer begeistert, denke ich, dass sein Schreibprozess «der Richtige» sei. Und bin dann erst mal blockiert für eine Weile. Bis ich wieder zu meinem eigenen zurück finde.

Es bringt nichts, über ungelegten Eiern zu brüten. Das fiel mir mal wieder auf, als ich etwas frustriert in die Woche startete, welche in der Agenda und in den Wetterprognosen eher nicht nach meinem Geschmack aussahen. Die Woche nahm ihren Lauf, einzelne Termine verflüchtigten sich, andere waren besser als gedacht, und das Wetter liess immer mal wieder die Sonne scheinen, so dass ich sogar draussen essen und schöne Spaziergänge unternehmen konnte.

Mach mal Pause – bewusst und mit Genuss. Ich neige dazu, viel zu wollen und auch zu tun. Und es fällt mir oft schwer, aus all den (teilweise auch selbst auferlegten) Pflichten auszubrechen und abzuschalten. Einfach mal ein Buch zum Spass lesen, wo ich noch so viele für einzelne Projekte zu lesen habe? Geht doch nicht… Doch dann machte ich es, ein dünnes Büchlein nur, ohne Ansprüche, ohne Ziel, ausser: Freude am Lesen. Es hat gut getan und ich war fast produktiver als sonst. Ich habe vermutlich nicht mal mehr pausiert als vorher, aber wohl bewusster und freudvoller, während ich vorher eher mal durchs Netz surfte, um ein wenig abzuschalten.

Ich und mein Tun sind nicht der Nabel der Welt. Ich las schon immer viele Biographien, hauptsächlich solche von Schriftstellern, einige auch von Malern. Immer wieder fiel mir auf, dass diese in ihrem Schaffen so grossartigen Menschen persönlich mit sehr schwierigen Charakteren ausgestattet waren, dass sie von sich selber und ihrem eigenen Schaffen eingenommen, anderen Menschen kaum Raum neben sich liessen. Das fiel mir auch im persönlichen Umgang mit Künstlern manchmal auf: Für manche gibt es nur sie und ihre Kunst als Thema. Ob das mit der Kunst kommt oder kommt die Kunst aus dem Naturell? Vielleicht ist es gar nicht auf die Kunst und die Künstler zu beschränken, sondern es gibt grundsätzlich Menschen mit dieser Eigenart, es gibt Menschen, die sich nur für sich interessieren und davon reden, und andere, die an einem wirklichen Dialog interessiert sind. Ich hoffe, ich verliere das selber nie aus den Augen.

Ein Zitat aus meinem letzten gelesenen Buch Françoise Dorner: Die letzte Liebe des Monsieur Armand) fand ich wunderschön und so wahr:

«Die heitere Kraft derer, die begriffen haben, dass selbsterobertes Glück die einzige gültige Antwort auf das anfängliche Unglück ist.»

Den Gedanke, dass auch unter schwierigen Umständen die Möglichkeit besteht, sein eigenes Glück zu suchen, finde ich sehr ermutigend und hoffnungsfroh.

5 Inspirationen – Woche 22

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Ich hörte einen Podcast mit Remo Largo. Sein Lebenswerk ist beeindruckend genug und wohl den meisten bekannt, was mir von diesem Podcast speziell geblieben ist, sind zwei Dinge: Jeder Mensch ist einzigartig, es gab ihn nie vorher und wird ihn nicht mehr geben. Der Mensch ist bestimmt durch seine Anlagen, die er nicht verändern kann. Er kann seine Möglichkeiten aber ausschöpfen und genau das zu tun gibt dem Leben auch einen Sinn. Es geht also darum, sich selber kennenzulernen und zu sehen, wozu man in der Lage ist, was einem liegt, weil es in einem angelegt ist. Das Zweite war sein Spruch vom Getriebensein: Schöpferische Menschen seien immer getriebene, sie wollen nicht, sie müssen schaffen. Das kenne ich von mir, merke, dass ich innerlich unruhig und unzufrieden werde, wenn ich nicht kann, weil äussere Umstände dazwischen kommen. Wie oft hörte ich, ich solle gelassener sein, es käme ja ein neuer Tag. Aber nein, das geht nicht. Irgendwie spürte ich wie eine Bestätigung, so sein zu dürfen.
  • Ich las einen Artikel mit einem Interview mit Francis Fukuyama, Professor in Stanford, Politikwissenschaftler und politischer Ökonom. Er vertritt darin eine Sicht, die ich seit langem – leider oft auf verlorenem Posten – teile: Wir reiten unsere Demokratie zugrunde. Offene Dialoge finden kaum mehr statt, jeder versucht krampfhaft, die eigene Meinung als der eigenen Identiät geschuldete Maxime hochzuhalten, andere Argumente werden ausgeblendet, beschimpft, in den Sozialen Medien, welche praktisch der Totalersatz früherer Marktplätze und Stammtische sind, geblockt und damit unsichtbar gemacht. Genehm ist, was einem entspricht. So ist keine Demokratie möglich, die wirklich noch beinhaltet, was der Begriff verheisst.
  • Kürzlich sass ich beim Nachtessen und mir ging spontan durch den Kopf, wofür ich alles dankbar bin. Ich hatte – vor allem in schwierigen Zeiten – ein Ritual, mir jeden Abend drei Dinge zu notieren, für die ich an dem Tag dankbar war. Das half mir, den Blick vom Dunkel ins Licht zu heben, das half mir, einen klareren Blick zu bewahren. Es kam dann eine Zeit, in welcher sich die drei Punkte jeden Tag hätten wiederholen können. Nicht, dass nichts mehr schlecht war, aber das Gute war immer auch im Blick und half, die Waage im Gleichgewicht zu halten. Heute dachte ich an die Dankbarkeitsübungen zurück, war dankbar, sie in dunklen Zeiten zur Hand gehabt zu haben. Und ich spürte das wunderbare Gefühl, das Dankbarkeit in mir auslöste. Einfach mal wieder hinschauen. Dankbar sein. Danke sagen. Es tut so gut.
  • Manchmal ertappe ich mich dabei, zu viel zu wollen. Ich schreibe ganze Listen, was ich unbedingt an dem Tag reinbringen will, darunter auch ganz viele kreative Projekte. Und dann bleibt die Inspiration aus, die Schaffenskraft versiegt, ich sitze da und bin unzufrieden. Ich habe gemerkt, dass es oft mehr bringt, ohne Vorsätze, ohne Absichten an die Dinge heranzugehen. Vielleicht mich einfach mal ein wenig treiben lassen zuerst. Sehr oft springt mich dann etwas an, das mich inspiriert, das einen Gedanken auslöst, aus dem sich dann ganz viel entwickelt. Und einmal dran, läuft der Tag nachher wie von selber. Vielleicht ist dies dieses „In der Ruhe liegt die Kraft“?
  • Abschliessen möchte ich mit einem Gedicht. Zwar sind die Temperaturen schon sommerlich draussen, aber ich lasse Ludwig Uhland doch nochmals den Frühling preisen:

Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Ende.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muss sich alles, alles wenden

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiss nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun armes Herz, vergiss die Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Ein Gedicht, das Hoffnung macht, das nicht nur den Frühling lobt, sondern darauf hinweist, dass nach kargen, kühlen, düsteren Zeiten auch wieder andere kommen. Wie tröstlich, wenn man das in den schweren Zeiten im Sinn behalten kann.

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

5 Inspirationen – Woche 21

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Wenn man mich fragt, was ich so in meiner Freizeit mache (wobei sich bei mir Frei- und Arbeitszeit ziemlich deckungsgleich überscheiden), sage ich oft: Nichts. Und ich meine damit, dass ich nicht machte, was ich mir vorgenommen habe. Oft setzte ich mich hin, fing mit etwas an, wurde davon zu etwas inspiriert, ging ins Netz, recherchierte, und ich kam von einem zum anderen… und Zeit verging. Angefühlt hat es sich schlussendlich nach nichts. Aber: Ich habe gelernt. Das merkte ich kürzlich, als ein Thema aufkam. Und genau dem habe ich hinterhergeforscht. Ich habe unglaublich viel schon gelernt auf die Weise. Wenn ich schlicht bei Facebook hängen bleibe, ist das sicher nicht dasselbe, aber: Das Netz hat viel zu bieten. Wenn man mit einer Portion Neugier reinsticht, wird man immer mit einem Lerneffekt rauskommen.
  • Kürzlich brauchte ich ein Foto für einen Artikel, auf die Schnelle kam mir nichts anderes in den Sinn, als schnell das Gesicht eines Autors zu zeichnen und es dann abzulichten. Ich schimpfe ab und an mit mir, dass ich zu viel spannend finde und mich ab und an verzettle, weil ich vom Einen zum Anderen fliege… unter anderem flog ich auch mal zum Zeichnen und Malen. Ich wollte das unter den Teppich kehren, nie mehr erwähnt wissen, schliesslich bin ich ein schreibender Mensch. Und man muss sich ja auch mal entscheiden. Doch plötzlich war ich dankbar, konnte ich einfach mit ein paar Strichen ein Gesicht zeichnen… Alles, was in einem ist, gehört zu einem. Und es darf seinen Platz haben. Nur so wird man selber zu einem Ganzen.
  • Da war so dieser Lockdown. Und ja, mir fehlte wenig, einiges so ein bisschen, aber es ging gut. Und immer wieder kam der neue Entscheid, alles wurde weitergeführt, auch wenn gewisse Öffnungen wünschenswert gewesen wären. So rein persönlich. Das ohne Klagen, es ging auch so wirklich gut. Und dann… einmal hätte eine Nicht-Öffnung etwas Positives gebracht für mich. Just da wurde geöffnet. Und ich sass da und war ein wenig frustriert. Es wäre nicht nötig gewesen. Aber es war ein Lehrplatz: Es bringt nichts, sich über Dinge aufzuregen, die nicht in der eigenen Hand liegen. Es ist auch so gut. Wenn ich es selber als gut ansehe und etwas Gutes draus mache.

Ich kann nicht die Welt ändern, ich habe es nur in der Hand, wie ich auf diese reagiere.

  • Ich nehme mir gerne Projekte vor. Weil sie mich anspringen und begeistern. Und dann merke ich über die Zeit, dass sie doch schwierig werden. Und ich frage mich: Soll ich daran festhalten, da ich es mir schlicht vorgenommen habe? Oder darf ich auch Anpassungen vornehmen? Oder gar mal ein Projekt beerdigen, weil es schlicht seine Zeit hatte und für mehr nicht genug da war – wovon auch immer. Ein solches Projekt sind diese Inspirationen. Ich schaue und höre und lese viel in der Woche. Und denke drüber nach. Vieles ist inspirierend. Und bei vielem denke ich dann, dass das aber zu wenig allgemein relevant wäre, es reinzustellen. Und vermutlich ist auch das, was ich schlussendlich wähle, eher subjektiv und einer persönlichen Momentaufnahme geschuldet. Es stellt sich die Frage: Zieh ich es so weiter? Höre ich auf? Lockere ich die Vorgaben an Menge und Regelmässigkeit? Ich habe noch keine Antwort.
  • Zum Abschluss möchte ich ein Gedicht von Hilde Domin zitieren, einer Lyrikerin, die mich mit ihrer Lebensgeschichte, ihrer Haltung zu ihrem Schicksal und ihrem Einsatz für die Lyrik immer wieder beeindruckt:

«Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.»

Mögen wir an die Wunder dieser Welt und dieses Lebens glauben, egal, was uns begegnet.

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

5 Inspirationen – Woche 20

Das Wetter war diese Woche eher uninspirierend, das ewige Grau in Grau konnte doch ganz schön aufs Gemüt schlagen. Immerhin drang zwischendurch die Sonne durch, ein kleiner Lichtblick dann und wann – im wahrsten Sinne des Wortes.

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Ich hörte einen Podcast eins zu eins des Bayern Rundfunks mit Matze Hielscher. Ich mag ihn selber vom Podcast Hotel Matze, den ich auch schon oft erwähnte. Spannend hier war seine Betonung der Neugier. Wenn er eine Idee hat, so Hilscher, dann will er die umsetzen. Und das tut er dann auch. Geht nicht? Scheint’s nicht zu geben. Und auch wenn mal was nicht klappt, ist das kein Untergang.

  • Etwas ähnliches hörte ich bei einem weiteren Podcast, derselbe Sender, Gast dieses Mal Herlinde Koelbl, eine deutsche Fotografin. Nach Büchern über deutsche Wohnzimmer und Gesichter der Macht kam ihr neuster Band „Faszination Wissenschaft“ heraus. Ihr Herangehen an Menschen, an Geschichten hat mich fasziniert. Gefragt, was sie von den Wissenschaftlern gelernt hätte, kam die Aussage: Dass es kein Scheitern gibt, dass alles Schritte hin zum Erfolg, zum Ziel sind.
  • Ich kam erst spät zur Lyrik, doch dann kam sie über mich. Und ich liebe sie bis heute sehr. War ich früher ein intensiver Romanleser, finde ich die heute oft so geschwätzig. Ich mag die konzentrierte Form, die Reduktion auf das Nötige. Und so habe ich beschlossen, fortan noch mehr Gewicht auf die Lyrik zu legen, mich noch tiefer reinzubegeben und der Lyrik auch mehr Gehör und Gewicht zu verschaffen. Ein für mich sinnvolles, sinnstiftendes und bereicherndes Projekt, von dem ich überzeugt bin, dass es auch denen, die ich erreiche, viel Schönes und viel Freude bringen kann. Ich habe es schon ein wenig zu spüren bekommen durch das, was ich schon mache, und ich merke, wie gerade diese bereitete Freude so unbezahlbar ist.
  • Im Zuge dieses Vorhabens dachte ich, mal wieder in die Tiefen der Gedichtanalyse zu steigen und die Schulbücher zu konsultieren. Es gibt immer Neues zu lernen. Zwar rauchte der Kopf, doch hatte dieses Lernen auch viel Bereicherndes. Lernen ist wunderbar. Wir sollten nie damit aufhören. Leider werden wir im Leben oft auch lernmüde, vor allem dann, wenn wir mit zu Lernendem konfrontiert werden, das fürs weitere Leben schlicht unbrauchbar scheint – das wusste schon Friedrich Rückert:

Was in der Schule du gelernt, ist’s wohl vergebens,
Weil du gebrauchen es nicht kannst im Lauf des Lebens?

O nein, den Acker hat zum Anbau es entwildert,
Zum Wesentlichen hat’s dich förmlich vorgebildet.

So was im Leben selbst, der großen Schule, du
Gelernt hast, bringst du nicht umsonst dem Himmel zu.

Du mußt die irdischen Aufgaben recht nur treiben,
Und ewig wird davon die Segenswirkung bleiben.

Schön, wenn man sich den Lernhunger wieder zurückholen kann.

  • Kürzlich kam mir mein altes Buch von Wilhelm Busch wieder in die Hände. Es ist beinahe so alt wie ich und begleitet mich seit Kindertagen. Ich mochte ihn da schon wegen seiner Zeichnungen und seiner kleinen und witzigen Verse. Daran hat sich nichts geändert. Dass in diesem so oberflächlich klingenden Witz durchaus auch eine tiefgründige Spitze steckt, macht die Verse heute umso grossartiger. Drum zum Abschluss ein kleines Gedicht:

Glückspilz

Geboren ward er ohne Wehen
Bei Leuten, die mit Geld versehen.
Er schwänzt die Schule, lernt nicht viel,
Hat Glück bei Weibern und im Spiel,
Nimmt eine Frau sich, eine schöne,
Erzeugt mit ihr zwei kluge Söhne,
Hat Appetit, kriegt einen Bauch,
Und einen Orden kriegt er auch,
Und stirbt, nachdem er aufgespeichert
Ein paar Milliönchen, hochbetagt;
Obgleich ein jeder weiß und sagt:
Er war mit Dummerjahn geräuchert!
(Busch, Gedichte, Schein und Sein, 1909)

Frei nach dem Motto: Lass die anderen reden, leb dein Leben und sei glücklich damit!

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

5 Inspirationen – Woche 19

Eine schöne Woche liegt hinter mir, das Highlight war sicher der Muttertag mit einer wunderschönen Überraschung und dem Brunch mit meiner Mutter. Trotz miserabler Wetterprognosen schien dann und wann die Sonne, die ich sehr genossen habe, was will man mehr?

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

Dürrenmatt schwankte am Anfang, ob er Maler oder Schriftsteller werden solle, entschied sich dann fürs Schreiben, da er sich nicht aufraffen konnte, in eine Kunstschule zu gehen. Er war ein Autodidakt und wollte das auch bleiben, wollte seine eigene Vorstellung als Massstab haben. Das allein fand ich schon eine eindrückliche Sichtweise, aber noch mehr hat mich angesprochen, dass er sein Leben lang zeichnete und malte, dies aber nur für sich tat, ohne es an die Öffentlichkeit zu bringen. Das sei sein Schonraum gewesen, der Raum, wo er bei sich war und keiner Kritik ausgesetzt. Das Bild eines Schonraums als Raum, in dem man sicher ist, sich selber sein kann, seine Ideen und sein Wesen ausleben kann, das fand ich schön und irgendwie wichtig.

  • Ich schaute den Film „Die Luftbrücke – Nur der Himmel war frei“ – die Verfilmung der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, als die Sowietunion den Westteil Berlins von der Versorgung abschnitten und die Amerikaner die Bevölkerung nur über eine Luftbrücke mit dem Nötigsten versorgen konnten. Erstens fand ich es spannend, ein historisches Ereignis so verbildlicht zu sehen, zweitens regte der Film auch sehr zum Nachdenken an. Ich kann ihn nur empfehlen.
  • Mein Lebensmotto seit Jahren stammt aus einem Rilke-Gedicht: „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“. Diese Vertonung kenne ich schon lange, stiess kürzlich wieder drauf und möchte sie gerne mit euch teilen, weil sie so wundervoll ist:
  • Nicht neu, aber es gibt immer wieder Anlässe, mir dessen bewusst zu werden: Dankbarkeit ist so wichtig. Und sie tut so gut. Einfach mal beim durchs Leben treiben Lassen innehalten und hinschauen, was alles gut ist, was wir für selbstverständlich nehmen, obwohl es das eigentlich nicht ist. Und dankbar sein dafür.
  • Ab und an inspiriere ich mich selber. Ich habe bei Twitter seit langem einen angehefteten Text.

„Notiz an mich: Ich muss nicht alles können. Ich muss nicht jedem gefallen. Ich muss nicht alles wissen. Ich muss nicht jeden mögen.“

Ab und an lese ich ihn wieder und frage mich: Habe ich es schon ganz verinnerlicht oder arbeite ich noch dran? Ich denke, es geht immer besser, aber ab und an tappe ich noch in Fallen und hadere doch mit Dingen, die ich nicht weiss, Menschen, von denen ich mich nicht akzeptiert fühle. Es ist ein Prozess…

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

5 Inspirationen – Woche 18

Es war eine nachdenkliche Woche, eine Woche mit viel Einkehr, mich Hinterfragen. Das sind nicht immer einfache Wochen, oft aber sehr bereichernde, da ich am Schluss meinem Motto gemäss (Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen) finde, eine neue Stufe erreicht zu haben, gewachsen zu sein, indem ich mich tiefer ergründet habe. Nun freue ich mich aber auf ein erholsames Wochenende, hoffe auf wenig Fragen, viel Ruhe und Genuss.

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Diese Woche stiess ich auf den Ausspruch „Freiheit ist nur innerhalb von Grenzen möglich“. Und ich stimmte dem spontan zu, wusste aber bei näherem Nachdenken nicht gleich, wieso. Kurz darauf stand eine Entscheidung an. Ich hörte, ich hätte freie Hand, es sei alles gut. Und irgendwie… wäre das ja die totale Freiheit. Und doch: Ich fühlte mich nicht frei, ich fühlte mich irgendwo verloren. Da die Entscheidung nicht nur mich beträfe, wollte ich sie für alle stimmig machen. Und sah mich nun in der Pflicht, das selber in der Waagschale zu wägen. Die Aussage, das müsste ich nicht, half wenig, denn MEIN Bedürfnis war, dass es gemeinsam entschieden und für alle gut wäre. So gut halt möglich. Insofern war diese grenzenlose Freiheit mehr Haltlosigkeit denn freiheitliches Glücksgefühl. Der Mensch ist immer nur innerhalb von Grenzen Mensch, da er als soziales Wesen Freiheiten nur bis zu den Freiheiten des nächsten ausreizen darf. Das ist wohl irgendwo tief in uns, da auch so wichtig, um ein Miteinander überhaupt friedlich lebbar zu machen. Dies mein aktueller Stand der Überlegungen. Was denkt ihr?
  • Ich bin im Moment an einem grossen Projekt, da noch ganz am Anfang. Als generell vielseitig interessierter Mensch, mag ich Einschränkungen kaum, in der Vergangenheit scheiterte einiges daran, weil mir zu viel fehlte. Ich überlegte mir dann, wie ich die Offenheit behalten kann und doch an meinem Projekt dran bleiben kann. Und ich fand Nebenprojekte, die alle kurz waren und mir so eine gewisse Bandbreite ermöglichten. Das beruhigte mich, ich musste mich nicht beschränken, nichts Interessantes aufgeben. Und merkte plötzlich: Das eigentliche Projekt zieht mich so an, dass ich mich fast dazu zwingen muss, die anderen Projekte zu verfolgen. Mein Schluss für mich ist: Wenn etwas wirklich meins ist, reicht es. Wenn ich das noch nicht gefunden habe, kann aber die Vielfalt durchaus wertvoll sein. Und es muss ja auch nichts in Stein gemeisselt sein. Sollte mich die Freude an etwas nebenher anspringen, kann ich ihr durchaus nachgeben. Oft ergibt sich durch solche Nebenprojekte sogar noch etwas für das Hauptprojekt. Das habe ich bei früheren grossen Projekten oft erlebt. Wie ist das bei euch? Gerne etwas, das richtig, oder aber lieber viele kleine Dinge und Abwechslung im Tun?
  • Ich stiess auf Gottfried Benns Gedicht „Wer allein ist“:

Wer allein ist, ist auch im Geheimnis,
immer steht er in der Bilder Flut,
ihrer Zeugung, ihrer Keimnis,
selbst die Schatten tragen ihre Glut.

Trächtig ist er jeder Schichtung
denkerisch erfüllt und aufgespart,
mächtig ist er der Vernichtung
allem Menschlichen, das nährt und paart.

Ohne Rührung sieht er, wie die Erde
eine andere ward, als ihm begann,
nicht mehr Stirb und nicht mehr Werde:
formstill sieht ihn die Vollendung an.

Es hat mich sehr berührt. Benn zeigt den Einzelnen in seinem Alleinsein, wie er auf sich selber zurückgeworfen wird. Er hat keinen, mit dem er sich über die Welt austauschen kann, insofern ist all sein Erkennen ein Geheimnis, es bleibt bei ihm. Alles, was bewegt, was anregt und anrührt, stellt sich ein, da es nicht teilbar ist und dadurch wird er ein stiller Beobachter – ohne Bewertung, ohne Zuschreibung von Bedeutung. Das wäre zu einem Teil das Ideal des Buddhismus, das nicht bewerten, das nur beobachten dessen, was ist. Doch fangen wir damit wohl an, sobald wir einen haben, mit dem wir uns austauschen können. Ansonsten könnten wir uns nicht gegenseitig verorten.

  • Vor meinem Fenster stehen Kirschenbäume. Noch vor kurzem waren sie wunderbar in rosa Blüte gewandet. Fast möchte ich sagen «über Nacht» waren die Blüten alle weg, die Bäume standen grün vor mir. Ich spürte ein Bedauern. Vergessen war, dass die Bäume noch vor nicht allzu langer Zeit ganz kahl waren. Vergessen war auch, dass es ohne das Verblühen keine Früchte gäbe. Für einen Moment war da nur Bedauern. Bis ich merkte, dass auch dieses Grün wunderschön ist. Und: Nicht nur hat alles seinen Sinn und Zweck, durch das Festhalten an Zuständen verpassen wir oft, was Neues Gutes bringen könnte.
  • Als ich kürzlich mal mit dem Auto unterwegs war, spielten sie am Radio die Mondscheinsonate. Und irgendwie hat mich diese Musik berührt, fast kam es mir vor, als schwebe mein Auto durch die Gegend, getragen durch die Musik. Und drum möchte ich dieses Stück mit euch teilen – hier gespielt vom wunderbaren Igor Levit, von dem übrigens gerade eine Biografie erschienen ist:

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

5 Inspirationen – Woche 17

Diese Woche durften hier die Terrassen der Restaurants wieder öffnen. Das Wetter spielte mit und es war, wann immer ich vorbeifuhr, alles voll, Lebensfreude sprudelte regelrecht von den Tischen. Das unbeschwerte Miteinander ist wohl für viele das, was wirklich fehlt. Ich bin dankbar, konnte ich das diese Woche dreimal im privaten Rahmen geniessen. Der persönliche Austausch, das Hinaustreten aus dem eigenen Denk-Universum und das Erleben von Freundschaften, von Austausch, von Miteinander ist auch für einen eher introvertierten Menschen wie mich immer wieder wertvoll.

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Im Zusammenhang mit einem der drei oben genannten Treffen erreichte mich dieses Zitat von Viktor Frankl, den ich schon lange thematisch studiere und als gedanklich wertvoll erachte:

„Wir sind nicht verantwortlich für die Zeit, in der wir leben, aber wir sind verantwortlich dafür, wieweit wir diese Zeitströmungen mitprägen oder ihnen auch gegenhalten.“

Wir können die Zeiten nicht ändern, in denen wir leben, wir können auch gewisse Einflüsse von aussen nicht ändern, aber wir können doch bestimmen, wofür wir in unserem eigenen Leben verantwortlich sein wollen. Wir können Grenzen setzen für uns persönlich (nicht für die ganze Welt und missionarisch), müssen aber dann bereit sein, den Preis zu zahlen. Ich wünsche mir manchmal ein beherzteres «Nein» zu Dingen, die mir wirklich widersprechen. Aber: Das liegt dann allein in meiner Macht. Ich muss ja nicht jeden Trend mitmachen, muss nicht jeder Mode entsprechen, muss auch nicht mit dem Mainstream schwimmen – aber es wird etwas mit sich bringen.

  • Ich hörte einen Podcast. Ich habe überhaupt keine Lehre draus gezogen. Wobei. Das stimmt nicht, wohl ganz viele. Aber hauptsächlich war ich unterhalten, habe laut gelacht, war begeistert, die Zeit flog förmlich beim Hören. Das allein ist schon so wertvoll. Ich kann ihn nur ans Herz legen: Der Podcast vom Spiegel mit Joachim Meyerhoff. Hinsetzen, reinhören, geniessen. Danach ist alle schlechte Laune verflogen – und ja… so ein paar Gedanken zu sich selber macht man sich durchaus auch. 
  • Ich schaute am Wochenende die Regenprognosen an: Nur Regen… über Tage. Grau in Grau. Und ich fand das keine wirklich erbauliche Aussicht. Am Montag war der Tag dann doch etas sonnig, der Regen blieb aus, am Dienstag ebenso. Am Mittwoch hiess es, er käme, kam aber nicht, am Donnerstag war er dann da… die weiteren Prognosen verheissen immer noch nichts Gutes. Was mich daran inspiriert? Oft wird alles nicht so schlimm, wie es scheint, und: Ich mag das leise Prasseln am Fenster irgendwie auch. Sicher nicht über Tage, aber so im Moment ist es durchaus schön.
  • Vor ungefähr vier Jahren gab es einen grossen Bruch in meinem Leben – alles, was mal war, brach weg…Vor etwa drei Jahren trat ich in ein ziemlich neues Leben ein. Ich hatte wunderbares Neues gefunden, manche Dinge mit viel Schmerz und Tränen verloren, einiges suchte ich. Und ich musste mich in diesem Neuen einrichten und ich war unsicher. Und wenn ich heute zurück blicke, sehe ich ganz viel Schönes, sehe eine Veränderung auch bei mir selber, sehe, dass ich an all den Herausforderungen gewachsen bin. Ich habe seit Jahren, Jahrzehnten schon ein Lebensmotto, das ich einer Gedichtzeile von Rainer Maria Rilke entnahm:

«Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen…»

Ich nehme aus allem etwas mit, auch aus dem Schweren. Und ich wachse daran. Und nur so geht es weiter.

  • Ich sitze ganz oft am Donnerstag da und denke an meinen Vorsatz, jeden Freitag fünf Dinge zu haben, die mich in der Woche inspirierten. Anfangs hatte ich alle beisammen, das nahm dann ab, in letzter Zeit habe ich am Donnerstag wenig bis nichts. Und jedes Mal denke ich, es dieses Mal nicht zu schaffen. Und dann setze ich mich doch hin und überlege. Ich lasse die Woche Revue passieren und eines nach dem anderen stellt sich ein. Und ich habe gemerkt, dass mir auch dieser Prozess wirklich gut tut, weil ich mir nochmals bewusst vor Augen führe, was ich alles Wunderbares hatte diese Woche. Es wäre sonst einfach verpufft. So freute ich mich nochmals drüber. Vielleicht sollten wir das öfters tun: Wenn wir denken, dass die Zeit sinn- und nutzlos verstrichen ist, einfach mal zurückschauen. Hinschauen. Und merken, dass da ganz viele Dinge waren, die schön waren, bereichernd, sinnstiftend. (Und wer weiss… vielleicht gibt es irgendwann einen Freitag, an welchem nichts mehr kommt… aber das dürfte dann nach so vielen bereichernden Wochen auch mal sein. Irgendwie)

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

5 Inspirationen – Woche 16

Schon wieder ist eine Woche um, zwar verändert sich in meinem Leben ja selten viel, da ich darum bemüht bin, es möglichst gleichförmig zu halten – und aktuell ist auch wenig drüber hinaus möglich. Das Highlight der Woche war sicher, dass meine Mutter in meine Nähe zog. Wir waren über Jahrzehnte lokal weit gestreut, der Kontakt war eher wenig. Ich freue mich auf hoffentlich noch ganz viele wunderbare gemeinsame Zeiten. Ansonsten bin ich dankbar für alles, was gut ist, stosse ab und zu an eigene Grenzen, nehme sie wahr, hadere weiter und versöhne mich. Leben halt.  

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Diese Woche wurde mir etwas bewusst, das ich zwar schon wusste, das ich mir aber wohl immer wieder neu vor Augen führen muss: Ich bin in meiner Art des Seins wohl eher eigen. Ich bin ein Mensch, der viel Zeit für sich, für seine Projekte braucht, ein Mensch, der schnell an Grenzen stösst, wenn zu viele Menschen etwas wollen oder schlicht da sind, wenn zu viele Termine in der Agenda stehen. Für andere Menschen mag das anders sein, doch hilft mir das nichts. Ich bin, wie ich bin. Es tat mir gut, in einem Podcast eine Schriftstellerin sagen zu hören:

„Mir ging es in dieser Coronazeit sehr gut, endlich hatte ich Ruhe, endlich wollte keiner mehr was von mir, endlich musste ich das Haus nicht mehr verlassen.“

Und auch sie hat sich diese Pandemie nicht gewünscht, auch sie hatte grosses Mitgefühl für all diejenigen, die auf ganz verschiedenen Ebenen leiden darunter. Aber sie empfand für sich selber so. Und das tue ich auch. Ich nenne diese Erkenntnis „Mut, ich selber zu sein und dazu zu stehen“.

  •  Ich hörte den Podcast „Hotel Matze“, dieses Mal mit dem Philosophen Markus Gabriel zur Frage, wie Philosophen über die Zeit nachdenken. Es ging darin um Themen wie die Schere zwischen Arm und Reich und was man dagegen tun könnte, um das Aufräumen mit Feindbildern durch eine klarere Sicht auf sich selber, um das Lernen und den Umgang mit Fehlern – und vieles mehr. Ein schönes Zitat aus dem Podcast:


Moralischer Fortschritt geschieht dann, wenn wir neue Erkenntnisse darüber gewinnen, was wir tun und was wir lassen sollten.“

Und noch ein Podcast hat mich diese Woche inspiriert und bewegt, da er ein Thema behandelt, das mir auch am Herzen liegt: Der Bücher-Podcast der FAZ zum Buch «Lesen macht stark». (Die Rezension zum Buch wird noch folgen). Darin wurde das Thema «Leseförderung» angesprochen, ein Feld, in dem ich mich auch noch mehr engagieren möchte. Wenn man weiss, dass (in Deutschland – in der Schweiz sind die Zahlen wohl ähnlich und sie stammen von vor Corona… eventuell gab es da noch eine Verschiebung) 18% der Kinder in der 4. Klasse nicht sinnentnehmend lesen können (sie kennen zwar die Buchstaben, verstehen aber den Sinn dessen, was sie lesen nicht), dass es in der 1. Sekundarstufe schon 21% sind und insgesamt 1/3 der nichtgymnasialen Abgänger ebenso strukturelle Analphabeten sind, dann zeigt sich da ein Handlungsbedarf. Dabei denke ich nicht an Lesezwang oder ähnliche Unsinnigkeiten, sondern daran, Kindern Freude am Lesen zu vermitteln durch das Einbinden von Lesen in gemeinsame Erlebnisse. Und so einiges mehr. (Mehr würde diesen Rahmen sprengen, aber auch darüber werde ich noch genauer schreiben).

  • Prokrastination ist etwas, das ich fast in Perfektion beherrsche. Ich setze mich am Morgen – eigentlich guten Mutes – an meinen Schreibtisch und verzettle mich dann völlig. Lese meine Mails, statt mit meiner Arbeit zu beginnen, bleibe bei einem hängen, dieses führt zum nächsten, und so finde ich mich schon bald dabei kreuz und quer durchs Netz zu lesen, durchaus spannende und interessante Artikel, aber halt nicht das, was ich mir vorgenommen habe. Ab und an geschieht das unbewusst, ab und an schiebe ich wirklich bewusst auf, weil ich irgendwie eine Ladehemmung habe. Die Frustration über das Liegengebliebene ist verständlicherweise gross, zumal es eigentlich Herzensprojekte sind, die ich aufschiebe. Diese Woche war ich wieder einmal dabei und sagte dann „stopp“. Und ich „zwang mich, alles auszuschalten und mich an meine Arbeit zu setzen. Und siehe da. Sobald ich angefangen hatte, lief es wie von selber, es machte Spass, ich kam voran und war danach richtig erfüllt. Ab und an muss man seinen eigenen inneren Schweinehund in die Schranken weisen – das ist im Moment schwierig, danach aber so bereichernd.
  • Kürzlich machte ich mir Sorgen um einen lieben Menschen. Da ich mir das nicht anmerken lassen wollte, überspielte ich diese Sorge mit gut gemeinten (kennt ihr den Ausspruch *gut gemeint ist der kleine Bruder von scheisse gemacht“ oder habe ich den erfunden? Ist zumindest meine Überzeugung) Sprüchen, die Fürsorge zeigen sollten, aber wohl davon ziemlich weit entfernt waren. Nicht, weil ich diese nicht haben wollte, im Gegenteil, aber ich wollte dem Betroffenen nicht mit meiner besorgten Haltung zur Last fallen. Und ich habe wohl genau damit alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Weil: Ich war nicht mehr verständlich. Zumindest nicht für einen Menschen, der hinsieht, mich kennt, „mit dem Herzen sieht“. Ich wäre es wohl auch für den Rest nicht gewesen, was bleibt: Sich verstellen bringt wenig – und wenn, dann nur bei Menschen, die eigentlich nicht zählen sollten, da sie so weit weg sind, dass weder sie mich noch ich sie betreffe. So wirklich.

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

5 Inspirationen – Woche 15

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Ferdinand Schirach denkt schon eine Weile über eine Europäische Verfassung nach, welche für den Menschen in Zukunft wichtige Grundrechte beinhalten soll. Dabei möchte er auf die Utopie einer wünschenswerten Umwelt setzen, nicht auf nach heutiger Sicht mögliche Forderungen – dass dies gelingen kann, zeigt er an historischen Beispielen. Dazu hörte ich kürzlich einen Podcast ( hier auf Video oder auf Spotify und anderen Kanälen als Podcast), dazu gibt es neben seinem Buch „Jeder Mensch“ eine Petition, die man unterschreiben kann: HIER
  • Ein weiterer Podcast, den ich hörte, stammt aus dem letzten Jahr, es war der Literaturpodcast der FAZ, ich weiss leider nicht, welche Folge. Aber: Es drehte sich um das Beethoven-Jahr und die damit zusammenhängenden Neuerscheinungen zum Leben und Wirken Beethovens. Nun mag ich zwar seine Musik, aber ich habe ich nie weiter mit ihm befasst. Ich habe in den wohl 20 Minuten so viel gelernt und gehört, fand einen Zugang zu einem mir neuen Feld, dass ich mir dachte, dass es ab und an wertvoll ist, einfach mal mit offenem Blick in neue Gebiete hineinzuschauen… klar sollten sie wohl einen Bezug zu einem selber haben, sonst schweben sie gar im luftleeren Raum. Aber mit einem Minibezug lassen sich ganz schnell neue Gebiete ertasten, die so wertvoll sind.
  • Mein dritter Punkt ist ähnlich: Ich habe das schon mehrfach in meinem Leben erlebt, nun gerade neu: Ich bin an einem Projekt, das ziemlich fokussiert ist. Und doch habe ich – zwar verwandt, aber eher weitverzweigt – Interessen und Wissensdurst, so dass ich mir Bücher bestelle, Artikel suche. Ich schelte mich im ersten Moment innerlich, dass ich mich wieder verzettle, finde beim nähere Hinschauen Bezüge, auf die ich rein rational nie gestossen wäre. Manchmal denke ich, dass wir, wenn wir unseren Weg haben, wie von Zauberhand auf Passendes stossen. Synergien zeigen sich, wenn man genug in die Tiefe geht und aus sich heraus arbeitet. Es klingt esoterisch, ist aber nicht so gemeint, denn daran glaube ich nicht. So wie Schwangere plötzlich nur noch andere Schwangere sehen, öffnen sich plötzlich Bezugsmomente.
  • Ich schaue in letzter Zeit wieder vermehrt Filme, die mit der Kriegs- oder Nachkriegszeit in Verbindung stehen. Das war über Jahre mein Thema, wissenschaftlich und durch die grosse Präsenz davon auch im Leben. Es war nicht immer leicht, mit all dem Leid, mit all der Schwierigkeit so nah konfrontiert zu sein (und immer noch unglaublich privilegiert durch die zeitliche Distanz). Heute rückt es mir ab und an die Relationen zurecht. Wenn ich höre, wie schwer die Zeiten heute doch seien… und sehe, was mal war… fühle ich mich unglaublich glücklich, heute und nicht damals zu leben. Zumal ich nicht wüsste, wer ich damals gewesen wäre und welches Schicksal mich ereilt hätte…
  • Diese Woche ertappte ich mich beim Gedanken, gerne zu einer Gruppe zu gehören, zu der ich offensichtlich nicht gehöre. Zwar ist sie im nächsten Umfeld und doch bin ich aussen vor. Zuerst kam der Schmerz des Ausgeschlossenseins. Dann das Nachdenken, was ein Eingeschlossensein bedeuten würde. Ich müsste etwas mir sehr Wichtiges aufgeben. Etwas, das in meinem Leben oberste Priorität hat. Auch die zweitoberste Priorität müsste ich aufgeben. Aber dann… wäre es eventuell möglich. Ohne dieses Nachdenken war ich im Schmerz des Ausgeschlossenseins gefangen. Danach merkte ich, dass ein Teil auch bei mir liegt. Wie möchte ich leben? Welche Konsequenzen hat das? Will ich die tragen oder gebe ich was auf? Es ist zumindest teilweise auch meine Entscheidung. Und ich muss sie bewusst fällen.

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

5 Inspirationen – Woche 14

Es war eine kurze Woche durch das Osterwochenende. Ich war sehr vertieft in mein neues Projekt und merkte, wie viel Spass es mir macht, mich endlich mal wieder in die Tiefe zu begeben, zu wühlen, zu forschen. Einmal Wissenschaftler, immer Wissenschaftler wohl… die Leidenschaft am Stöbern ist ungebrochen und sie hat diese Woche mit viel Energie befeuert. Es bleibt nicht aus, dass dabei so einiges auf der Strecke blieb – aber ich habe schlussendlich alles noch reingepackt. Auch reingepackt habe ich die erste von zwei Impfungen gegen (für/wegen?) Corona… der Arm schmerzte am ersten Tag doch ziemlich, ein Ponstan später war besser, der zweite Tag war noch spürbar, aber ich bin ja hart im Nehmen. Oder so. Oder aber der Zahnarzttermin gleich am nächsten Tag hat die Aufmerksamkeit schlicht abgezogen.

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Ich hörte den FAZ Bücher-Podcast mit Helga Schubert. Mit 80 Jahren gewann sie den Ingeborg-Bachmann-Preis und hat nach nun 60 Jahren des Schreibens noch mehr Mut gefasst, Neues zu versuchen. Was sicher bleibt, so Schubert, ist das Schreiben an sich, sei es doch ihre Art des Ausdrucks. Die Frau hat mich in ihrer Lebensfreude, in ihrer Erzählenergie, in ihrem Mut und Witz, ihrem Umgang auch mit schwierigen Themen sehr beeindruckt.
  • Eine eMail von brainpickings in meiner Inbox hat mich dazu gebracht, wieder einmal meinen Gedichtband von Emily Dickinsen hervorzuholen und darin zu lesen. Sie hat es wohl wie keine andere geschafft, die Natur in klingende Bilder zu verpacken. In fast immer gleichem Rhythmus singt sie ihre kleinen Lieder. Hier das Gedicht:

A Light exists in Spring
Not present on the Year
At any other period —
When March is scarcely here

A Color stands abroad
On Solitary Fields
That Science cannot overtake
But Human Nature feels.

It waits upon the Lawn,
It shows the furthest Tree
Upon the furthest Slope you know
It almost speaks to you.

Then as Horizons step
Or Noons report away
Without the Formula of sound
It passes and we stay —

A quality of loss
Affecting our Content
As Trade had suddenly encroached
Upon a Sacrament.

  • Ich schaute im Fernsehen die Verfilmung von Ferdinand Schirachs «Schuld». Schirach zeigt auf eindrückliche Weise, wie schwer es ab und an ist, Schuld von Unschuld zu trennen, ein Urteil zu fällen. Die Verfilmung wie das Buch kann ich nur ans Herz legen, beide laden – wie bei Ferdinand von Schirach üblich – zum Nachdenken ein.
  •  Es gab Zeiten, da hatte ich einen hohen Anspruch an mein Zeichnen und Malen. Und ich setzte mich selber unter Druck. Als Kind spielte ich Klavier und hörte ständig, ich müsste mehr üben. Und verlor die Freude. Irgendwann kaufte ich mir ein Keyboard, das machte unsinnig Spass, doch es erfüllte keinen Anspruch. Ich verkaufte es und ersetzte es durch ein Klavier. Der Spass war raus und es stand bis zum Wiederverkauf rum. Kürzlich setzte ich mich hin und fing an, Mandalas zu zeichnen. Grund? Mir war grad danach. Dann setzte ich mich an mein Keyboard (ich hatte mir in Erinnerung an die frühere Freude eines angeschafft, ohne Anspruch auf irgendwas). Und ich sass da und spielte und freute mich. Wohl länger als gezwungen je geschafft. Und ich merkte: Es gibt im Leben sicher Dinge, die man muss. Wo es aber keinen Grund für einen Zwang gibt, bringt ein solcher gar nichts ausser den Verlust an jeglicher Lust und Freude. Ich geniesse es, einen Ausgleich zu haben beim Zeichnen und beim Klimpern (Musik möchte ich das gar nicht nennen). Ein freudvoller Ausgleich tut gut – und was ich lange vernachlässigte: Er raubt keine Zeit, er bringt neue Energie. Nicht alles muss einem Anspruch genügen.
  • Und irgendwie in Anlehnung daran, hier mein fünfter Punkt: Ich lass mal fünfe grad sein. Es könnten auch mal vier Punkte sein, wieso müssen es fünf sein? Zwar habe ich damit nun einen fünften und sogar einen, den ich für ganz wichtig erachte… aber die Botschaft dahinter liegt mir am Herzen: Wie oft setzen wir uns selber unter Druck? Wie oft wollen wir etwas/jemandem genügen? Wie oft gehen wir sogar über unsere Grenzen, um dies zu tun? Wozu?

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

5 Inspirationen – Woche 13

Der April ist angebrochen, Ostern steht vor der Tür. Es war eine anstrengende Woche, ich hoffe auf ein paar ruhige Tage. Diese Woche fiel mir plötzlich auf, dass ich viel zu wenig auf alles achtete, was mich inspiriert hat – es zog alles an mir vorbei. So setzte ich mich hin und dachte nach. Und fand Stück für Stück die Dinge wieder, die diese Woche auf mich Eindruck machten. Ab und an glaube ich, dass vieles zu unbeachtet an uns vorbei zieht. Eine bewusste Rückschau kann die Lichtblicke des Alltags wieder in den Blick bringen.

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Als es mir diese Woche mal nicht so besonders ging, wollte ich mir keine Schwäche anmerken lassen und gab mich betont stark. Ich dachte, das sei wichtig und nötig, ich wollte mir und nach aussen etwas beweisen, wollte auch nicht zur Last fallen – und tat es wohl gerade drum umso mehr. Das zeigte mir mal wieder deutlich:

„Immer stark sein wollen, um zu merken, dass ich am stärksten dann bin, wenn ich die eigene Schwäche zulasse.“ (SvS)

  • Rundherum blühen die Kirschbäume und es ist eine wahre Pracht, das zu sehen. Auch wenn die Welt gerade aus den Fugen ist durch diese ganze Corona-Geschichte, gibt es ganz viel Schönes. Es ist wohltuend, dies mit offenem Blick und Dankbarkeit zu sehen.
  • Diese Woche las ich mal wieder ein Gedicht einer meiner liebsten Lyrikerinnen, Mascha Kaleko, weil es mir so direkt aus dem Herzen spricht – immer wieder:

Memento

Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang
Und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;
– Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der anderen muß man leben.

  • Interessant fand ich den Podcast von Radio 1, Roger Schawinski im Gespräch mit Esther Vilar. Anlass war das Jubiläum ihres Bestsellers „Der dressierte Mann“. Ein spannendes Buch, das mal eine andere Sicht einnimmt zu den gemeinhin verbreiteten Sichtweisen. Spannend fand ich aber auch ihre Sicht auf die Freiheit, die sie in ihrem Buch „Die Angst vor der Freiheit“ thematisierte:

„..die Sehnsucht, alle persönliche Verantwortung in die Hände eines anderen zu legen, sich aus freien Stücken dessen Befehlen zu beugen – war von jeher das Thema meiner schriftstellerischen Arbeit und wird wohl bis zuletzt irgendwie bestimmend für sie bleiben.“

Eine Sicht, die ich durchaus teile. So sehr wir uns alle Freiheit wünschen, oft begeben wir uns freiwillig in Situationen, in denen wir nicht mehr wirklich frei sind. Und die Frage ist: Wie frei können wir überhaupt wirklich sein als soziale Wesen?

  • Nach einem wirklich traumhaft schönen Sonnentag sass ich abends am Schreibtisch und hörte plötzlich, wie der Regen gegen die Fenster prasselte, der Himmel grollte, graue Wolken am selben standen. Und ich fand es wunderschön. Das Geräusch des Regens hatte eine versöhnlich-beruhigende Wirkung, ein kühler Luftzug kam durch das geöffnete Fenster und ich dachte plötzlich bei mir: Nichts ist nur gut oder schlecht. Alles hat zwei Seiten. Wichtig ist, beide immer zu sehen.

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

5 Inspirationen – Woche 12

Diese Woche hat der Frühling leise an die Tür geklopft. Nun hoffe ich, dass er bleibt, dass die Tage hier schön werden. Ich habe diese Woche viel gelesen, recherchiert, Pläne geschmiedet, war aber auch oft einfach sehr müde – die Erschöpfung begleitet mich nun doch schon eine Weile und es wäre schön, wenn ich sie mit dem Winter ablegen könnte.

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Ich hörte den Podcast „Doppepunkt“ von Radio 1, Roger Schawinski im Gespräch mit Martin Suter. Die Themen waren vielfältig, sie reichten vom Menschen Martin Suter über dessen Lebensstationen in anderen Ländern, sein Schreiben sowie auch seinen Lebensstil und weitere Gedanken zum Leben. Ein Punkt, den ich (neben anderen) für mich mitnehme, ist Martin Suters Abneigung gegen den Spruch (und die Haltung dahinter) „Geiz ist geil“. Wieso? „Wenn ich etwas für weniger kaufen kann, als es kosten müsste, kommt irgendwo jemand zu kurz.“

Wie wahr. Und meist sind das die schwächsten Glieder in der Kette der Gesellschaft. Bewusstes Einkaufen wäre ein erster Schritt hin zu einer bewussteren Konsumkultur, welche so viel hinter sich trägt. Und jeder kann ihn für sich tun.

  • Diese Woche bin ich über das Zitat von Robert Musil gestolpert:

„Was bleibt von der Kunst? Wir als Veränderte bleiben.“

  • Ich bin der Überzeugung, dass es für jede Lebenslage ein passendes Gedicht gibt. Aus diesem Grund habe ich vor einigen Jahren eine lyrische Hausapotheke begonnen, in welche ich Gedichte stellte, die zu einzelnen Lebenslagen passen. Ich denke aber, das gibt es auch bei Romanen. Bücher verändern uns. Wir haben nach einem Buch etwas dazu gelernt, das wir vorher noch nicht wussten. Robert Musil hat das in seinem Zitat schön ausgedrückt.
  • Manchmal merke ich schlagartig, dass schon wieder Donnerstag ist, was bedeutet, dass der Freitag vor der Tür steht und mit ihm meine fünf Inspirationen der Woche stehen müssten. Und dann sitze ich da und frage mich. Und ja, es gab so viel, das inspiriert hat: Der Blick eines Menschen, ein kurzes Gespräch mit der Frau an der Kasse beim Einkauf, ein Buchstabe, ein Graffiti unterwegs, eine Blume, die mich erfreute, die Sonne, die unter- oder wieder aufging. Oft ist es schlicht der ganz normale Alltag, der mich inspiriert. Man muss nur hinschauen.
  • Ich suchte ein Lied von Etta James, weil ich es irgendwo gehört hatte und ihre Lieder früher so geliebt habe. Dabei stiess ich auf diese Playllist auf Spotify: A Sunday Kind of Love Radio Einfach mal wieder da sitzen, zuhören, mitschwingen…. Musik war mir im Leben immer wichtig. In letzter Zeit wurde es weniger… ich hoffe, das kommt wieder mehr.
  • Eine Mücke flog mir um den Kopf. Rundherum und immer wieder, sass kurz ab, kitzelte, flog weiter. Ich habe ihr natürlich was zu Essen und zu Trinken offeriert und mit ihr angestossen – oder so… aber für mich war es ein Zeichen für den nahenden Frühling. Und nur schon der Gedanke an mehr Sonne, Wärme, Farben hat mich froh gemacht. Und im Hintergrund singt Nat King Cole „Unforgettable“ im Andenken an die kleine Mücke… so schliesst sich der Kreis der heutigen Inspirationen.

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

5 Inspirationen – Woche 11

Noch immer ist es ungewiss, wie alles weiter geht, noch immer scheint die Welt in einem Ausnahmezustand, der irgendwie doch langsam auch so etwas wie normal wird… und noch immer hört man Stimmen, die sich das alte Normal wieder wünschen. Und mir stellt sich ein wenig die Frage, was genau eigentlich „normal“ bedeutet. Nicht immer das, was man sich als Einzelner oder Gesellschaft eigentlich wünscht? Die Frage ist dann: Wie einheitlich ist das? Ich habe keine Ahnung, ich frage nur, bin dabei sehr dankbar, dass ich auch jetzt tun kann, was ich tue. Und ja, mir kommt aktuell mein Naturell als Leseratte und zurückgezogener Schreibtischarbeiter wohl entgegen.

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Der Podcast „Eins zu Eins. Der Talk“ mit Brigitte Riebe hat mich diese Woche begeistert. Besprochen werden Themen wie die Kriegs- und Nachkriegszeit, das Schreiben unter Pseudonymen, und Bücher, die zum passenden Leser finden.
  • Einmal mehr hat mich dir Verfilmung von Marcel Reich-Ranickis Autobiografie „Mein Leben“ sehr beeindruckt. Die Lebensgeschichte zeigt die Gräuel unserer Vergangenheit und der Verbrechen an den Juden auf, seine Liebe zur Kultur und zur Literatur dringt aus jeder Szene, jedem Buchstaben. Ich kann sowohl das Buch wie auch den Film sehr empfehlen, was oft nicht so ist, enttäuscht doch die Verfilmung eines geliebten Buches häufig. Was Marcel Reich-Ranicki selber zu der Verfilmung dachte, findet man HIER
  • Der Film „Mut zum Leben“ hat mich sehr berührt, bewegt, zum Nachdenken gebracht. Überlebende des Holocaust kamen zu Wort, Menschen, die in Auschwitz waren und die wohl schlimmsten Gräuel erleben mussten, die man sich vorstellen kann, denen man alles nahm: Familie, Freunde, Hab und Gut. Menschen, denen man die Menschenwürde wegnehmen wollte, die sie aber doch bewahrten, sogar im Kleinsten. Menschen, die überlebten und sich nicht als Opfer der Geschichte sahen (die sie durchaus waren), sondern hin standen und sich nicht kleinkriegen liessen. Die sagten, dass dieses Überleben ein Leben sein soll, das sie in den Händen haben und welche die Chance nutzen wollten. Ich wünsche uns allen ein wenig von diesem Mut. Der Film liess mich mit ganz viel Dankbarkeit für das, was ich habe, zurück.
  • Ich las im Netz von einem eigentlich gebildeten, durchaus intelligenten Menschen den Begriff „Coronanazis“. Ich habe mich in meinem ganzen Studium, sehr intensiv während meiner Dissertation mit der Zeit des Nationalsozialismus, mit dem Holocaust, mit dem Regime der Nazis beschäftigt und damit, was diese Zeit den Opfern antat. Corona mag eine Herausforderung sein, das teilweise hilflose Versuchen, damit umzugehen auf politischer Ebene mag unbefriedigend sein, Verbote und Gebote mögen einschneidend und teilweise zumindest im finanziellen, sicher aber auch im psychischen Bereich mögen ans Lebendige gehen. Und doch würde ich mir wünschen, wenn wir die Relationen bewahren würden, wenn wir den Sprachgebracht prüfen und sehen würden, wo wir wirklich stehen mit all dem. Ich schaue im Moment gerade den Vierteiler „Holocaust“. Die fiktive (aber durchaus realistische) Geschichte der Familie Weiss. Ich würde jedem, der die heutige Politik mit damals vergleichen will, diese ans Herz legen. Wer es noch realistischer mag, soll Claude Lanzmanns Dokumentation „Shoah“ empfohlen… Es gibt zudem sehr viele Bücher von Zeugnissen Überlebenden. Bei Interesse gebe ich gerne Tipps.
  • Friedrich Hölderlin schrieb einst:
    „Glaube und Liebe und Hoffnung sollen nie aus meinem Herzen weichen. Dann gehe ich, wohin es soll, und werde gewiß am Ende sagen: „Ich habe gelebt.“ Und wenn es kein Stolz und keine Täuschung ist, so darf ich wohl sagen, daß ich in jenen Stunden nach und nach, durch die Prüfungen meines Lebens, fester und sicherer geworden bin.“
    Das wünsche ich uns allen. Hölderlin würde übrigens am 20. März 2021 251 Jahre alt. Vielleicht ein schöner Anlass, ein wenig in seinen Gedichten zu stöbern. Sein Porträt erscheint dann auf meinem Blog,

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!