Er: „Was machst du denn so Anstrengendes, dass du schon zum dritten Mal laut stöhnst?“

Sie: „Du weisst doch, dass ich mir ein neues Hobby zulegen wollte, weil ich finde, dass jeder Mensch etwas haben sollte, mit dem er sich vom Alltag erholen kann, mit dem er ein bisschen mehr zu sich selber findet und ausgeglichener ist.“

Er: „Also ich habe nichts solches.“

Sie: „Das merkt man gut, darum bist du so unausgeglichen.“

Er: „Wenn du das sagst – aber was machst du denn nun zur Selbstfindung?“

Sie: „Ich klöpple, muss aber feststellen, dass es extrem langwierig ist, mit diesem Geklöppel eine einigermassen grosse Decke zu bekommen – das ist fast wie wenn ein dünnes Rinnsal durch ein Flussbett strömt und das Meer füllen sollte.“

Er: „Und du willst nun mit Klöppeln das Meer füllen?“

Sie: „Du verstehst mal wieder gar nichts.“

Er: „Du hast vom Meer gesprochen, aber was auch immer du füllen willst, Selbstfindung braucht halt Zeit.“

Er hatte kaum war das letzte Wort ausgesprochen, da wurde er auch schon von einem Klöppelhagel getroffen.

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Für die abc.etüden, Woche 48.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für Textwoche 46.17 kommt von Frau Myriade vom Blog la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée, die Wörter lauten: Flussbett, langwierig, klöppeln.

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Da sass sie nun.
Sie hatte schon so viel geschrieben, nichts schien den anvisierten Empfänger erreicht zu haben.
In allen Farben hatte sie es ausgemalt, herbstfarbenbunt.
Ab und an dachte sie, sie sollte einfach loslassen.
Es war vorbei, unwiederbringlich.
Doch dann – kam es über sie…
Sie wünschte sich die Laterne, die den Strahl zündete, hin zu ihm, der nichts mehr hören oder sehen zu wollen schien, für den sie aber allein schrieb.
Und so schrieb sie Tag für Tag über ihr Leben, ihr Befinden, in der Hoffnung, er würde es lesen – wohl wissend, dass das wohl eine Illusion war, allein, sie konnte nicht anders, da sie nur an ihn dachte, Tag und Nacht; und schlussendlich hätte das ganze Leben keinen Sinn mehr, würde es gewiss sein, dass er sie nie erhören würde.
Sie wusste um die Gefahr der Illusion, nur hiess es doch schlussendlich doch, dass die Hoffnung zuletzt stürbe, und genau die hatte sie sich bewahrt, weswegen sie tagtäglich betete – und nein, sie glaubte nicht an Gott -, er möge sich doch melden, damit sie ihm sagen könnte, dass nun alles anders wäre, sie einen Weg sähe, einen, den sie bislang nie gesehen hätte, aber nun wirklich plastisch erkenne und gehen möchte.
Und während sie nach mehrfachem Lesen nicht mehr wusste, ob die Sätze nun korrekt seien oder noch einer Korrektur bedurften, wartete sie noch immer auf sein Zeichen, auf das Zeichen, das sagte, dass nun der Punkt da sei, alles Alte loszulassen, die Laterne zu greifen und ein Leben anzugehen, das in herbstfarbenbunten Farben leuchtet.

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Für die abc.etüden, Woche 43.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von mir und lauten: Laterne, herbstfarbenbunt, loslassen.

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Sie hatten sich schon lange nichts mehr zu sagen.
Und was sie sich sagten, war alles andere als schön.
Oft dachte sie, es wäre Zeit, loszulassen, Zeit, weiterzugehen.
Sie wünschte sich eine Laterne, die den Weg leuchte, eine Laterne, die ihr Licht im Dunkel wäre.
Eine Laterne, die all das Grau wieder herbstfarbenbunt erstrahlen liesse.
Und doch war da nur Dunkel.
Und keiner sagte was.
Und wenn, hätte sie es lieber nicht gehört.
Und sie knipste das Licht aus, damit das Dunkel im Innern dem draussen entspricht.
Und vielleicht träumte sie von einer Welt in allen Farben, von einer Welt voller Licht, einer Welt voller schöner Worte oder aber gemeinsamen Schweigens, von einer Welt, wie sie ihr gefällt, einer Welt, die möglich wäre, liesse sie los und nähme die Laterne, zündete auf den Weg und ginge – aber dann wachte sie auf und blieb.

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Für die abc.etüden, Woche 43.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von mir und lauten: Laterne, herbstfarbenbunt, loslassen.

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Ich bin die, welche so laut schreit, wenn sie eine Spinne sieht, dass das ganze Quartier – was sag ich, die ganze Stadt mit zu Berge stehenden Haaren aus den Sesseln springt. Sogar wenn man mich warnt und sagt: Achtung Sandra, nicht umdrehen, nicht hinschauen, hinter dir ist eine grosse Spinne – ich kann nicht anders als mich umzudrehen und beim Anblick loszuschreien. Ich bin darauf nicht stolz, im Gegenteil, ich finde es sehr peinlich.

Ich wollte mir meine Spinnenphobie schon abgewöhnen. So im Stil einer Desensibilisierung. Ich dachte, wenn ich mir eine kleine (also so wirklich klein, kaum stecknadelkopfgross) tapfer über die Hand spazieren lasse, dann bin ich nachher gut Freund mit Spinnen. Denn:

Size doesn’t matter

Oder so. Er mattert offensichtlich doch. Das Experiment mit dem Kleinsteil ging erstaunlich gut, beim Anblick der nächsten unwesentlich grösseren Spinne hüpfte ich schon wieder im Dreieck und stiess schrille Laute aus.

Mein Hund hat seinen Fressnapf direkt neben einem Bücherregal. Immer morgens und abends gehe ich dahin und gebe ihm Futter. In den Napf. ich knie mich nieder (der Napf ist relativ klein, da der Hund ebenso ist – wobei der Hund durchaus einen grösseren Napf haben wollte, so ist es nicht. Eines Abends bei diesem Vorgang sah ich sie. Eine Spinne. Nicht sehr gross, aber doch grösser als mein Handlaufexperiment. Kaum hatte ich mich hingekniet, verschwand sie hinter dem Regal. Ich dachte noch so bei mir:

Wart du nur, dich erwische ich.

Es ging nun jeden Morgen und Abend so. Die kleine Spinne sass, wenn ich kam, an der Wand, immer an derselben Stelle. Kaum ging ich in die Knie, verschwand sie hinter dem Regal. Irgendwann nannte ich sie Fritz. Das war der Anfang vom Ende. Nun gehörte sie quasi zu uns. Sie hatte einen Namen. Mittlerweile finde ich Fritz süss, wie er schnell hinters Regal huscht.

Irgendwie tut er mir aber auch ein wenig leid. Ich vermute, er leidet an einer Menschenphobie. Ich hoffe, er wird eines Tages lernen, damit umzugehen. Und wer weiss: Vielleicht gibt er mir dann auch einen Namen. Und irgendwann schauen wir uns in die Augen und sagen hallo.

„Ist das schon ein Monat her? Die Zeit ist ja wirklich gerast, es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, aber ich bin so unendlich glücklich, haben wir uns entschlossen den Weg zu gehen, denn ich bin überzeugt, es ist der einzig richtige, selbst wenn es einen gäbe, der auf den ersten Blick einfacher oder geregelter oder schlicht stimmiger erschiene – nicht immer ist das, was man auf den ersten Blick befürwortet dann auch das, was man wirklich gerne hätte, da man nur immer sieht, was offensichtlich ist, nie aber die Konsequenzen, die das Gehen eines Weges mit sich bringt.“

„Wovon sprichst du eigentlich?“

Dass du mich das fragst, finde ich nun ja echt fragwürdig, aber ich will mich gar nicht aufregen, da es ja eh immer dasselbe ist mit dir, da du nie verstehst, was ich meine, und das, obwohl du behauptest, du liebst mich und wir seien füreinander bestimmt, was ich ja eh merkwürdig finde, da ich nicht wüsste, wer das bestimmen hätte sollen und wieso und wozu. Drum, ruhig bleiben, du wirst dich nie ändern, du wirst mich nie verstehen, du wirst immer nachfragen, obwohl alles klar wäre, würdest du nur mal nachdenken und nicht gleich fragen, was aber wohl zu anstrengend wäre, obwohl ich dir ja wirklich alles gesagt habe, was es zu wissen gäbe, würde man nur ein wenig dabei sein, wirklich da sein, ähnlich denken und mich vor allem verstehen. Ich fühle mich so alleine, nein, noch schlimmer, ich muss mich noch ärgern.“

„Wenn ich so schlimm bin, kann ich ja gehen.“

„Das ist ja mal wieder typisch für dich: Kaum habe ich ein Problem und bräuchte Unterstützung, gehst du.“

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Für die abc.etüden, Woche 41.17: 3 Worte, maximal (!!!) 10 Sätze (ich habe extra Endlossätze gemacht… zählen soll ja nicht zu leicht sein). Die Worte stammen in dieser Woche von Red Skies Over Paradise (redskiesoverparadise.wordpress.com) und lauten: Monat, fragwürdig, gehen

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Sabine beim Abendessen plötzlich: „Wir brauchen mehr Achtsamkeit in unserer Welt!“

Klaus: „Wie meinst du das nun?“

Sabine: „Du isst hier, was ich heute gekocht habe, und ich wette, du könntest nicht sagen, was da alles drin war. DU hast es schlicht nicht wahrgenommen.“

Klaus: „Was weiss ich, was du verwurschtelt hast, ich esse doch aber mit Appetit, also schmeckt es?! Aber jetzt wo du es sagst: Was ist das Rosa-Grüne hier?“

Sabine: „Siehst du, das meine ich. Du schmeckst nicht mal mehr, man muss dir sagen, was du isst. Ist doch klar: Broccoli mit Lebensmittelfarbe.“

Klaus: „Wieso tut man Lebensmittelfarbe an Broccoli?“

Sabine: „Das ist Kunst am Essen.“

Klaus: „Aha… Kunst liegt ja auch immer im Auge des Betrachters….“

Nachbemerkung: Klaus hat das Rosa-Grüne nun in den Haaren, der Teller liegt in Scherben am Boden neben Klaus.

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2017_38-17_3_dreiFür die abc.etüden, Woche 38.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Herbert von HTR Knife http://htr-knife.de und lauten: Achtsamkeit, verwurschteln, rosa-grün.

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Es war einmal ein Scheinheiliger, der trug zum Schein einen Heiligenschein. Er dachte, wenn er diesen nur offensichtlich genug trüge, glaubten alle dem Schein und hielten ihn für einen Heiligen. So ging er durchs Leben und schien heilig, bis er merkte, dass selbst die grösste Frequenz derer, die dem Schein auf dem Leim gingen, ihm kein Glück verschafften.

So nahm er den Heiligenschein ab und siehe da: Er realisierte, dass dieser Schein, so heilig er erschienen, nur Last gewesen war. Plötzlich fühlte er sich frei. Nun musste er nicht mehr heilig scheinen, nun konnte er sein, was und wer er war.

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2017_36-17_eins

Für die abc.etüden, Woche 36.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Christiane von „365tageasatzaday“ (https://365tageasatzaday.wordpress.com) und lauten: Heiligenschein, Frequenz, erleichtert.

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