Es war einmal die Liebe. Sie führte ein sehr einsames Leben, denn auch wenn alle sie eigentlich kennen lernen wollten, wurde sie doch immer wieder in Frage gestellt. Es wurden Theorien darüber entworfen, wer sie sei, wie sie sei, wie sie sich anfühle, wozu sie gut sei und sogar, ob sie überhaupt notwendig oder gar überflüssig sei. Die Liebe musste sich anhören, dass sie zwar schön, aber auch schmerzhaft sei, dass sie Menschen Leid zufüge, sie zu Hass, Rache und anderen negativen Gefühlen verleitete und auch Streit auslösen konnte. Dabei war das Ansinnen der Liebe das Gegenteil, sie wollte gut tun, dem Menschen das geben, wonach er sich so sehnt, das für ihn sein, was ihn ausmacht. Doch musste sie irgendwann erkennen, dass sie, vermutlich gerade weil sie so lebenswichtig war für alle, auch so viel Macht hatte und deswegen wohl auch ins Negative verkehrt werden konnte.

Wie also dieses Dilemma lösen? Wohl gibt es diese Lösung nicht, man kann nur das Schöne geniessen, im Wissen, dass je schöner etwas ist und sein kann, desto grösser auch die Gefahren sind, dass es eben irgendwann dreht.

Was ist die Liebe? Wer hier eine Antwort erwartet, will es wohl vermeiden, in sich selber hinein zu hören und dem, was er da hört, zu trauen. Denn nur, was wir selber erleben und in uns spüren, können wir in seinem ganzen Sein erfassen und nur das wird für uns fühlbar. Und Liebe kann man nur fühlen, man kann sie nicht erdenken, nicht aussprechen, nicht erklären. Liebe ist, wie sie ist, weil sie sich anfühlt, wie sie es tut. Sie ist, was sie ist, weil sie aus uns macht, was wir sind, wenn wir lieben. Ohne Liebe ist alles nichts, doch mit Liebe kann aus nichts alles werden.