Rousseau sagte einst:

Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten.

Wir kommen auf die Welt, fangen bald schon an, diese zu erkunden. Erst noch frei, werden wir Schritt für Schritt mit den Regeln unserer Zeit und Gesellschaft bekannt gemacht. Wir passen uns an, wir müssen – denn: Wer sich nicht anpasst, der passt nicht. Und so baut sich von aussen und bald auch von innen ein kleines Gefängnis von Regeln und Vorschriften, davon, was geht und was nicht. Nicht dass solche Regeln für das Miteinander nicht wichtig und richtig wären, nur gehen sie so weit, das eigene Ich zu unterdrücken, aus kreativen, eigenständigen die Welt erforschenden kleinen Wesen konforme Mitmenschen zu machen.

Und ja, der Mensch will dazu gehören. Er will geliebt sein, er will akzeptiert sein. Er schickt sich rein. Und leidet ab und an. An diesem und jenem. Und irgendwann fragt er sich: Ist es das wirklich? Ist das mein Leben? Teilweise ja, teilweise könnte man was ändern. Wenn man es wagt. Da setzt Udo Jürgens an:

Heute beginnt der Rest deines Lebens

Du hast jeden Tag die Chance, das Leben in die Richtung zu lenken, die du ihm geben willst. Du kannst es wagen, frei von Regeln zu sein, Heuchelei musst du nicht mehr ertragen und auch nicht mehr selber von dir geben. DU kannst dein Glück fassen, musst nicht nur suchen und dann doch wieder tun, was du immer tatest.

Es muss nicht alles perfekt sein, es darf auch mal aus der Norm fallen. Bleib einfach ehrlich. Tu, was du willst, will, was du tust, was kümmert dabei, wie alt du bist? Du hast heute die Chance, das zu tun, was du tun willst – Nutze sie!

Es geht nicht drum, was du hast, sondern darum, was du bist. Sein statt Schein. Wie befreiend. Steh zu deinen Gefühlen, verliere keine Zeit mit vagen Worten, mach! Wenn du Träume hast, verfolge sie, lass dich nicht brechen, steh zu dir. Verfall nicht in Trägheit, sondern pack es an. Heute. Und ja, zu zweit klappt es vielleicht besser. So oder so: Heute beginnt der Rest deines Lebens, drum:

Carpe diem!

Songtext

Von jetzt an Freiheit wagen,
Heuchelei nicht ertragen,
Das Glück erfassen,
Statt nur suchen nach mehr…

Fünf einmal g’rad sein lassen,
Nicht in Tabellen passen,
Und um die Wahrheit kämpfen…

Tun, was man will,
und woll’n, was man tut.
Ob jung oder alt,
Gilt uns’re Devise…

Heute beginnt – der Rest deines Lebens
Jetzt oder nie – und nicht irgendwann!
Schau‘ auf dein Ziel – kein Traum ist vergebens.
Heut‘ fängt die Zukunft an!

Von jetzt an Sein statt Haben,
Nicht das Gefühl vergraben,
Einander finden,
Anstatt Worte verlier’n…

Über die Trägheit siegen
Und nicht das Rückgrat biegen.
Nicht seinen Traum verraten

Seh’n mit dem Herz
Und nie resignier’n
Mit dir Hand in Hand
Alles erfühlen…
Refrain

Heute beginnt – der Rest deines Lebens
Heute fängt an – was du daraus machst!
Geh‘ durch die Nacht – dem Morgen entgegen,
Als ob du neu – erwachst…

Wenn zwei sich finden, wünschen sie sich, dass es klappt. Und sie wären zu vielem bereit, je das Ihre zu tun, dass es klappt. Welche Frau wünscht sich nicht ab und an den Mann, der einfach da wäre? Und ja, Frauen sind nicht ganz einfach, manchmal wechseln die Wünsche schneller, als Mann auf drei zählt. Wie schön wäre es, würde der Mann einfach immer dastehen und sagen:

Ich bin dein Mann!

Heute ist ihr nach Zärtlichkeit, morgen will sie Pferde stehlen, übermorgen einfach mal in den Arm genommen werden. Und immer steht er da und sagt:

Ich bin dein Mann!

Er schafft es wohl nicht immer, es ist auch nicht einfach. Gewisse Wünsche sind nicht nachvollziehbar, einige nie ausgesprochen. Ab und an wird es schwer und vielleicht bricht alles auseinander. Doch: Er möchte es sein. Möchte es bleiben. Und er setzt sich ein. Geht gar auf die Knie und sagt:

Ich bin dein Mann!

Klar, es ist ein gar idyllisches Bild und man könnte sagen: He, Mann, steh mal denselben und steh hin! Sag auch, was du willst! Und zur Frau: Sei nicht nur Prinzessin, was bietest du? Aber doch… so ganz tief drin im Herzen, wünscht man sich diese unbedingte und bedingungslose Liebe, diesen Partner, der einfach da ist, egal, was einen grad reitet.

Liebe ist, wenn einem das Glück des anderen mehr am Herzen liegt als das eigene. Wenn das eigene Glück wächst, wenn der andere glücklich ist. Das sollte natürlich auf beiden Seiten so sein. Aber… bei aller Emanzipation und allem Streben nach Gleichheit, ein paar romantische Ideen haben sich gehalten. Sie sitzen tief und sie wärmen das Herz. Die holde Prinzessin, die auf den tapferen Ritter in der goldenen Rüstung auf dem Schimmel wartet ist ein Bild, das irgendwo in romantischen Seelen festsitzt. Und dem wird das Lied gerecht. Er kommt, der Ritter, und sagt:

Ich bin dein Mann!

Leonard Cohen: I’m your man
If you want a lover, i’ll do anything you ask me to.

And if you want another kind of love, i’ll wear a mask for you.

If you want a partner, take my hand, or
If you want to strike me down in anger
Here I stand
I’m your man

If you want a boxer
I will step into the ring for you
And if you want a doctor
I’ll examine every inch of you
If you want a driver, climb inside
Or if you want to take me for a ride
You know you can
I’m your man

Ah, the moon’s too bright
The chain’s too tight
The beast won’t go to sleep
I’ve been running through
These promises to you
That I made and I could not keep

Ah, but a man never got a woman back
Not by begging on his knees
Or I’d crawl to you baby
And I’d fall at your feet
And I’d howl at your beauty
Like a dog in heat
And I’d claw at your heart
And I’d tear at your sheet
I’d say please, please
I’m your man

And if you’ve got to sleep a moment on the road
I will steer for you
And if you want to work the street alone
I’ll disappear for you
If you want a father for your child
Or only want to walk with me a while
Across the sand
I’m your man
If you want a lover
I’ll do anything that you ask me to
And if you want another kind of love, I’ll wear a mask for you.

Meine Übersetzung

Wenn du einen Liebhaber willst, werde ich alles tun, worum du mich bittest.

Und wenn du eine andere Art der Liebe willst, werde ich eine Maske für dich tragen.

Wenn du einen Partner willst, nimm meine Hand, oder
wenn du mich niederschlagen willst im Zorn
stehe ich da
Ich bin dein Mann

Wenn du einen Boxer willst
werde ich für dich in den Ring steigen
und wenn du einen Arzt willst
untersuche ich jeden Centimeter von dir
Wenn du einen Fahrer willst, steiug ein
oder wenn du mich mitnehmen willst
weißt du, du kannst
Ich bin dein Mann

Oh, der Mond ist zu hell
die Ketten sind zu eng
der Dämon wird nicht schlafen gehen
Ich bin immer wieder hindurch gegangen
durch diese Versprechen an dich
die ich gemacht habe und nicht halten konnte

Oh, aber ein Mann kriegte nie eine Frau zurück
wenn er nicht auf Knien bat
Oder ich würde zu dir kriechen Baby
und mich dir zu Füssen legen
Ich würde deine Schönheit anheulen
wie ein räudiger Hund
Und ich würde nach deinem Herz greifen
und würde in dein Laken winen
Ich würde dich bitten, bitten
Ich bin dein Mann

Und wenn du auf deinem Weg einen Moment schläfst
würde ich für dich steuern
und wenn du den Weg alleine gehen willst
würde ich für dich verschwinden
und wenn du für deine Kinder einen Vater möchtest
oder auch nur eine Weile mit mir gehen möchtest
durch den Sand
Ich bin dein Mann
Wenn du einen Liebhaber willst
Ich würde alles für dich tun, worum du mich bittest
Und wenn du eine andere Art der Liebe möchtest, würde ich für dich eine Maske tragen.

 

Zwei Menschen treffen sich, verlieben sich. Am Anfang ist alles neu. So viele Narben der Vergangenheit prägen das Verhalten, Fühlen, die Worte. Man hat sich eine Welt zurechtgelegt, die gut klingt, darunter brodelt oft ein ganzer Gefühlsvulkan. Man spricht von Freiheit, fühlt sich allein, man träumt eine Zukunft, will den Mut haben, dahinkommen. Man möchte fühlen, hat aber Angst. Und dann sagt der andere:

Gib mir deine Angst.

Auch er hat Angst. Er ist unsicher und hat Zweifel, ob er wirklich geliebt ist. Er bittet sie um ein Zeichen, möchte bei ihr zuhause sein. Doch dann, wenn sie bei ihm ist, dann will er alles geben, dass sie Hoffnung und Gewissheit hat, dass die Nacht zum Tag wird und der Traum nicht mehr nötig, da er Wahrheit bringt. Ein Leben gemeinsam. Wie beide es sich wohl wünschen.

Ein unglaublich tiefes Liebeslied, das die leise entstehende Liebe in all ihren Facetten und Ängsten ergreift und zeigt, wie es weiter gehen könnte. Und jeder hofft, dass es so sei. Dass es einen gemeinsamen Weg gibt.

Solang ich dich nicht verlier,
find ich auch einen Weg mit dir.
Mit dir.
Mit dir.

 

Der ganze Text

Du sagst, du bist frei,
und meinst dabei,
du bist alleine.
Du sagst, du bist stark,
und meinst, du hast
noch ein paar Träume.
Jeder Blick aus deinen Augen
ist ein stummer Hilfeschrei,
mir geht es genau wie dir,
du kannst ruhig ehrlich sein.

Du sagst, dir geht’s gut,
jedoch, das klingt bei dir
so bitter.
Wenn ich dich berühr’,
ist mir, als spür ich, dass du zitterst.
Deine Seele ist voll Narben,
du hast Angst, sie brechen auf.
Vergrab dich in meinem Arm,
ich schütze dich
so gut ich kann.

Gib mir deine Angst,
ich geb’ dir die Hoffnung dafür.
Gib mir deine Nacht,
ich geb’ dir den Morgen dafür.
Solang ich dich nicht verlier’,
find ich auch einen Weg mit dir.

Schau mir ins Gesicht,
ich suche dich
in deinem Schweigen.
Noch fällt es uns schwer,
das, was wir fühlen,
auch zu zeigen.
Doch ich will in dir versinken,
bis uns beide nichts mehr trennt,
und wenn dich die Kraft verlässt,
vertrau auf mich
und halt dich fest.

Gib mir deine Angst,
ich geb’ dir die Hoffnung dafür.
Gib mir deine Nacht,
ich geb’ dir den Morgen dafür.
Gib mir deine Angst,
ich geb’ dir Gewissheit dafür.
Gib dir deinen Traum,
ich geb’ dir die Wahrheit dafür.

Solang ich dich nicht verlier’,
find’ ich auch einen Weg mit dir.

Gib mir das Gefühl,
dass es ein Zuhaus’
für mich gibt.
Gib mir Zuversicht,
die all meine Zweifel besiegt.
Gib mir deine Angst,
ich geb’ dir die Hoffnung dafür,
gib mir deine Nacht,
ich geb’ dir den Morgen dafür.

Solang ich dich nicht verlier,
find ich auch einen Weg mit dir.
Mit dir.
Mit dir.