Goethe meinte mal, schreiben sei immer autobiographisch und Thomas Mann verwies darauf, als er bemerkte, dass sich in seinem Leben immer das ereignete, was mit seinem momentanen Schreiben zusammen passte, das Leben das Schreiben ergänzte (etwas, das ich auch schon bemerkt habe). Nun könnte man bei Manns Aussage fragen, was zuerst da war: Das Schreiben, das die Lebensumstände prägte oder die Sinne für diese schärfte, oder aber das Leben und die Umstände, die dann das Schreiben anstiessen.

Ich denke, es ist beides. Goethes Aussage so zu verstehen, dass jedes Schriftstück ein Abbild des Lebens des Schreibers böte, wäre zu kurz gegriffen. Allerdings entsteht Schreiben immer aus einem Kontext heraus. Ein Mensch schreibt aufgrund dessen, was er in seinem Leben erfahren hat. Sein Wesen hat sich so ausgebildet, wie es ist, weil er erfahren und erlebt hat, was er tat.

So gesehen formt die Autobiographie eines Menschen immer dessen Schreiben und diese Autobiographie wird im Schriftstück auf eine wie auch immer geartete Weise transportiert – vielleicht nicht in klaren Bildern, sondern in Gefühlen, Stimmungen, Gedanken, Einfällen. Auf eine Art könnte man das Schriftstück fast mit einem Freudschen Traumbild vergleichen, indem oft auch Unbewusstes transportiert und transzendiert wird. Dabei bilden sich im Schreiben nicht mal zwingend momentane Stimmungen ab, sondern Dinge, die tief im Menschen schlummern, die nun an die Oberfläche drängen, tauchen auf, werden zu Worten, werden zu Text.

Selbst wenn wir die Impulse von etwas aufgreifen, das ausserhalb unserer Person liegt, bringen wir uns in die von uns erzählte Geschichte ein, denn wir wählen die Aspekte, die wir erzählen und die nie das Ganze sind, sondern immer nur ein (von uns als relevant gewählter) Bereich des Ganzen.

Als Fazit (für mich selber) könnte man ziehen: Ich schreibe, also bin ich. In meinem Schreiben stecke immer ich drin, durch mein Schreiben drücke ich mich aus, kehre ich mein Inneres nach aussen, aber nie in dem Sinne, als es mein Leben darstellt, sondern eher mein Sein, Wesen, Denken.

Ich bin ich –
entstanden aus dem Nichts,
gewachsen aus Zellen,
konstruiert aus Gedanken.

Ich bin ich –
kreiert aus meinem Denken,
dargestellt durch mein Sprechen,
wahrgenommen durch dein Sehen.

Ich bin ich –
Geprägt durch Erfahrungen,
ausgestattet mit Erinnerungen,
angefüllt mit Gefühlen.

Ich bin ich –
Belastet mit Schmerzen
Verfolgt von Ängsten,
suchend nach Sicherheit.

Ich bin ich –
Hoffend auf Toleranz,
angewiesen auf Gnade
sehnend nach Liebe.