Halt ist wichtig, Halt gibt (innere Stärke). Ab und an denkt man, man hätte jeglichen Halt im Leben verloren, man fühlt sich aufgeschmissen, haltlos, ziellos, allein. Dann wünscht man sich etwas, woran man sich halten, wonach man sich richten könnte. Man wünscht sich, nicht alleine zu sein im Leben, auf seinem Weg durch selbiges. Und man wünscht sich eine Stimme, die einem sagt, was richtig und was falsch ist.

Oft braucht es auch Durchhaltewillen im Leben. Muss an etwas dran bleiben , auch wenn alles grad steil und unwegsam erscheint. Dann heisst es, nicht die Haftung verlieren. Sei es Bodenhaftung, welche einem hilft, nicht einfach ziel- und haltlos umherzuschwirren, sei es die Haftung in sich selber, um sich nicht zu verlieren.

Und irgendwann merkt man, dass das Leben immer weiter geht und man gut dran tut, mit ihm zu gehen. Langsam, stetig. voran preschen bringt nichts, die nächste Bremse kommt bestimmt. Stehen bleiben bringt auch nichts, irgendwann findet man sonst den Anschluss nicht mehr. Einfach Schritt für Schritt, Zug um Zug, beständig. Das ist wohl der sicherste und einzige Weg, Ziele zu erreichen. Indem man im Vertrauen auf sich und auf das Leben seinen Weg geht.

Oft streben wir nach Extremen. Die heutige Zeit ist geprägt vom Wettkampf, alles muss besser, höher, schneller werden, weniger als das Maximum erscheint als Versagen schon, als nicht mehr erstrebenswert. Diese Haltung durchdringt sämtliche Bereiche unseres Lebens. Beruflich werden Höchstleistungen erwartet, im Privatleben greift es auch schon um sich.

Aristoteles plädierte für das Mittelmass. Wahre Glückseligkeit sah er im Mittelweg zwischen zwei Extremen. Ich denke, er hat das gut erkannt, denn Extreme bringen immer einen hohen Preis mit sich, sie blenden ganz viel links und rechts aus, um eben als Extrem stehen zu bleiben. Grautöne werden eliminiert, Farben gibt es nicht mehr, schwarz oder weiss, gut oder schlecht.

Doch das ist nicht das Leben und im ständigen Streben nach den Extremen werden wir das Leben verpassen. Wir werden gefangen sein in der Suche nach den Extremen, die wir aber doch nie erreichen – zumindest nie dauerhaft und vor allem nicht in allen Bereichen. Dieses Nichterreichen wird uns als Versagen gewertet und wir streben noch mehr, dieses Versagen zu überwinden. Eine Spirale von Unzufriedenheit, die immer grösser wird, immer tiefer geht, wird die Folge sein.

Das Streben nach Perfektion ist eigentlich ein Ausdruck der Verweigerung. Indem ich Perfektion anstrebe, verweigere ich mich dem Leben, verweigere ich mich dem, was das Leben ausmacht. Suche ich nach der perfekten Beziehung, werde ich sie nie finden, denn immer wird sich ein Mangel zeigen, immer wird etwas fehlen. Wenn nur das gut genug ist, was perfekt ist, wird nie etwas genug sein, denn niemand ist perfekt, nicht ich, nicht die anderen. Was wäre zudem perfekt? Ja auch nur ein von Menschen individuell zugeschnittener Massstab, der oft sogar noch momentanen Befindlichkeiten unterliegt.

Vielleicht sollten wir es mit Aristoteles halten und das Mittelmass suchen? Uns zufrieden geben mit dem, was erreichbar ist, uns zufrieden geben mit dem, was uns gut tut, ohne in allen Belangen Höchstleistungen suchen zu müssen, an denen wir nur scheitern werden?

Wenn etwas zerbricht, denkt man oft, man müsste es wieder flicken. Man möchte nicht zur Wegwerfgesellschaft gehören, sondern eben kitten, was zu kitten ist. Vor allem, wenn das, was bricht, einem lieb ist, einem teuer ist, versucht man es mit allen Mitteln, zu bewahren. Ist das immer sinnvoll? Ist es vor allem immer möglich? Wohl kaum. Vor allem dann, wenn das zu Kittende menschliche Beziehungen sind.

Wenn eine Scherbe aus etwas rausbricht, kann man sie wieder befestigen mit Leim. Von aussen sieht das Ganze wieder intakt aus, doch diese Stelle wird immer schwächer sein als andere. Brechen aber ganz viele Scherben ab, entsteht ein wahrer Scherbenhaufen, wird das wieder zusammen geklebte Stück nie mehr wirklich stabil sein, zu viele Schwachstellen existieren. Vor allem gehen bei solchen Bruchwerken oft kleine Partikelchen verloren, die für den wirklichen Halt wichtig wären, nun aber für immer fehlen. Die Gefahr eines erneuten Scherbenhaufens ist mehr als nur präsent.

Beziehungen bestehen aus zwei Menschen und ganz vielen kleinen und grossen, verästelten und komplizierten Verbindungen zwischen ihnen. Diese zwei Menschen bringen alle ihre Eigenarten mit sich, kaum je passen zwei Menschen vollkommen, es ist immer Anpassung. Die Frage, die sich stellt ist: wie weit will und kann ich mich anpassen, wo fängt die Selbstaufgabe an? Was ist die Beziehung wert, aufzugeben, wo ist der Preis zu hoch? Und: wie viel kann ich vom anderen ertragen, was übersteigt mein Mass an Toleranz?

Beziehungen haben dann Bestand, wenn zwei Menschen sich entscheiden (können), diese Beziehung leben zu wollen und gemeinsam den Weg gehen zu wollen. Wenn das nur einer tut, der andere nicht will, hat die Beziehung keine Chance. Wenn nur einer will, der andere einfach mal mitmacht, hat sie genau so wenig Chancen. Selbst wenn beide wollen, ist der Weg mit Steinen und Schwierigkeiten gepflastert – doch dann kann man ihn gehen. Gemeinsam. Indem man sich gegenseitig stützt, einander hilft, sich miteinander freut. Kommt aber einer mal vom Weg ab, fehlt die Stütze, wo man sich darauf verlassen hat und deswegen fällt, geht Stück für Stück Vertrauen verloren in den Weg, in den Partner, in die Beziehung. Scherben springen von der Vase. Und irgendwann lassen die sich nicht mehr wieder ankleben. Dann kann man die Vase noch so gerne bewahren wollen, sie wird nicht mehr dicht sein, wenn man sie mit Wasser füllt.

„The proof of the pudding is in the eating“

Ich liebe diesen Spruch. Dass er durchaus seine wahren Aspekte hat, ist dabei zweitrangig, er klingt einfach witzig.

Was er sagen will? Man sollte nicht über etwas urteilen,bevor man nicht seine Erfahrungen selber gemacht hat. Bevor ich in den Pudding reinbeisse, weiss ich nicht, ob es wirklich Pudding ist. Ich gehe davon aus, denke, wie er auf der Zunge zergeht, nicht gekaut werden muss, sämig, kühl, schleimig, was auch immer ist. Aber ob das stimmt, weiss ich erst, wenn ich ihn probiere. Erst dann erfahre ich wirklich, ob er weich und sämig oder aber klumpig, weil zu wenig gerührt, hart, weil zu stark gefroren oder gar aus Gips, ist.

Aber all das ist eigentlich irrelevant, der Grund für diesen Beitrag ist schlicht und einfach, dass ich über den Spruch – wieder einmal – lachen musste 🙂

Was sind Gefühle
in einer kalten Welt,
in der man bloss
den Schein noch sucht.
Sich zu offenbaren,
als Schwäche gilt,
sich zu öffnen,
zum Angriff ruft.

Was sind Gefühle
in einer harten Welt,
in der man stark sein
und bestehen muss,
um nicht unterzugehen.
Wo als Schwäche gilt,
wenn man offen
fühlt.

Was sind Gefühle
in einer schnellen Welt,
die antreibt nur
zu Höchstleistung.
Wo Romantik als Geplänkel scheint,
Geld nur herrscht
und Macht
gesucht.

Was sind Gefühle
in einer toten Welt,
wo jedes Fühlen
abgewürgt
und der der fühlt
in Ketten darbt,
als Idealist beschimpft
und ruhig gestellt,
auf dass er schweige.

Was sind Gefühle
in dieser heut’gen Welt
wenn Fühlen uns so schwer gemacht.
Traut man sich,
zu fühlen noch
oder gibt man auf und lässt sich treiben
im Strom der Ratio,
die das Herz lässt aussen vor.

…und man trotzdem fliegen soll

Wie oft fällt man, wird enttäuscht und muss doch wieder aufstehen und weiter gehen. Man fühlt sich wie ein Vogel, dessen Flügel gebrochen ist, der flattert, um vom Boden wegzukommen. Und irgendwie muss es gelingen, denn am Boden sind die Gefahren gross, ebenso die Trauer. Der Flug ist erst hölzig, wackelig, der Vogel droht ab und an wieder abzustürzen, aber irgendwann gewinnt er Sicherheit, der Flügel heilt und der Vogel fliegt – hin zu neuen Zielen.