Ein Gedicht wird von einer Hauswand gewischt (HIER) , Bilder in Museen werden abgehängt. (HIER ein Beispiel). Alles aus Gründen des Sexismus’.

Wir sind also so weit, Zensur an der Kunst zu üben, um eine Gesinnung zu schützen. Und ja, ich meine es, wie ich es schreibe. Heute scheint alles Sexismus zu sein, das in irgendeiner Form Frauen in Rollen zeigt, die man in den Kreisen, die ständig „Hier“ schreien, nicht haben will und zu Un-Rollen erklärt hat.

Ich bezweifle, dass solche Aktionen dem Anliegen von Frauen, gleiche Chancen und gleiche Behandlung zu erfahren, dient. Im Gegenteil. Ich denke erstens, dass man aufgrund solchen Irrsinns wirklich angebrachte Forderungen nicht mehr ernst nimmt. Ich denke zweitens, dass man dadurch so viel Energie von wichtigen Fragen abzieht, dass für diese – und damit eine Veränderung da, wo es Not täte – zu wenig bleibt.

Zensur an der Kunst hatten wir vor einigen Jahrzehnten. Und nein, ich will das hier nicht mit einem Holocaust vergleichen. Die Tragweite ist weit davon entfernt und die Grausamkeit von damals steht in keinem Vergleich. Aber: Die Mittel. Um etwas zu erreichen, eine eigene Sicht zu zementieren, geht man dahin und streicht, was nicht ins eigene Weltbild passt. Das allein lässt aufhorchen.

Es ist kunstfeindlich (und ohne Kunst und Kreativität wäre das Leben gar trist – wenn überhaupt noch lebbar auf Dauer), es ist undemokratisch, es ist unmenschlich (da ohne Kunst….man lese oben….). Die Kunst ist es doch erst, die uns immer wieder erinnert. Sie ist es, welche uns Dinge vor Augen führt. Sie ist es, die Freude bringt, Leben ins Leben bringt. Sie ist es, die ungehindert hinschauen können muss, da sie sonst keine Kunst, sondern Dekoration ist. Beschneiden wir sie, schneiden wir uns vom Leben ab.

Und drum nochmals hier. Nur für euch. Lesbar, auch wenn man es von Wänden wischt:

avenidas
avenidas y flores

flores
flores y mujeres

avenidas
avenidas y mujeres

avenidas y flores y mujeres y
un admirador

(Eugen Gomringer, Alice Salomon Poetik Preis 2011)

Es soll immerhin ein neues Zuhause kriegen: HIER

Auf Facebook gibt es immer wieder diese Aufrufe: Teile dieses Bild, um deine Solidarität mit den Hungernden in Afrika zu demonstrieren. Setze dein Bild auf schwarz, um dich für Frauen, die Gewalt erlebt haben, eingesetzt haben. Teile diesen Beitrag, wenn du dich für die einsetzen willst, die Krebs haben.

Und wenn nicht? Bin ich ignorant und schuld an Hungersnöten, Gewalt und Krebs? Und ja, es steht nicht nur so da, es kommt gleich noch hinterher – so von oben herab quasi: Ich weiss, dass viele es nicht tun. Und nein, man will nicht ignorieren, man will ja ein guter Mensch sein, man kann nicht einfach wegschauen.

Nur: Wenn ich das teile: Sind dann alle Erkrankten wieder gesund? Haben alle Hungernden Essen? Hört die Gewalt auf? Hat bisher nicht funktioniert und geteilt wurde fleissig. Ich denke auch, dass man was tun muss, wenn man was ändern will, aber mit solchen Methoden? Mach, was ich fordere, sonst soll dich dein Gewissen plagen? Ein Teilen sind zwei Klicks… Damit lässt sich ein Gewissen beruhigen?

Vielleicht liegt genau da das Problem….

Ich war nie der Witze-Erzähler. Ich kann mir Witze schlicht nie merken. Da gibt es nur den einen, den ich aber auch nicht erzählen kann, da ich schon während des Erzählens in Lachen ausbreche. ich finde ihn schlicht lustig. Ich bin damit die einzige, wie mir scheint. Wem ich ihn auch erzähle… kaum Reaktion… Ihr müsst da durch.

Mama wollte in die Stadt, eine Bank für den Garten kaufen. Sie geht zu Sohn Ernst und fragt: „Ernst, kommst du mit, ich muss in die Stadt, eine Bank kaufen.“

Ernst meint, er könne nicht, er sei beschäftigt. Also fragt sie Fritz: „Fritz, kommst du mit in die Stadt, ich muss eine Bank kaufen.“

Fritz will mit. Mama findet, er brauche ne Mütze, da es kalt sei, doch er hat keine. „Dann nimm Ernsts Mütze.“

Die beiden gehen in die Stadt. Da angekommen sieht die Mutter eine Bank und denkt, wo Bank drauf steht, kann man auch eine kaufen.Sie gehen rein, die Mutter sagt am Schalter: „Grüezi, ich würde gerne eine Bank kaufen.“ Der Schalterbeamte schaut sie gross an und fragt: „Ist das ihr Ernst?“

Sie: „Nein, das ist Fritz, er trägt nur die Mütze von Ernst.“

Was mich interessieren würde: Habt ihr Lieblingswitze? Welcher ist euer Lieblingswitz? Her damit!

Heute scheine ich es mit einem Beitrag mal wieder geschafft zu haben. Ich bin keinem auf die Füsse getreten. In der letzten Zeit fragte ich mich: Was kann ich noch bringen, ohne dass gleich jemand „AUAAAA“ schreit. Hilfsaufrufe für arme und geplagte Tiere gehen nicht, das Leid ist zu grausam, man kann nimmer schlafen. Harmlose Tierbilder gehen nicht, man möchte keine so zuckersüsse Welt sehen. Politische Themen gehen nicht, sagen, dass man die nun nimmer bringt aber auch nicht, da man dann ja ignorant ist.

Eigene Gedichte gehen nicht, da kommen Fragen wie „wovon lebst du eigentlich?“, bei Bildern ebenfalls, noch dazu kommt „Was jammerst du eigentlich, deine Bilder zeigen, dir geht es ach so gut! Hab dich nicht so!“

Nur kann man mit den fröhlichen Bilder dann auch nicht aufhören, denn dann heisst es „Die kannst du uns nicht nehmen, die machen uns froh“.

Musikvideos sind zu seicht oder zu anspruchsvoll, Philosophie zu hochgestochen oder banal, Yoga zu esoterisch, Religion eh für Dumme. Gott gibt es nicht und ohne Gott will man nicht mehr mit mir befreundet sein. Trotzdem ist Religionsfreiheit hochzuachten, aber nur so lange es nicht um den Islam geht. Da müsste ich mich dann doch wieder distanzieren.

Bei profanen FB-Testchen fühlen sich die einen ignoriert, weil der Test sie nicht in die Freundesliste wählte, die anderen, die drin sind, wehren sich als Revoluzzer der ersten Stunde, sie hätten nie irgendwo dazu gehören wollen.

Nur heute, heute hatte ich was, das keine Einwände brachte:

In Zukunft nur noch so bei mir!

Kürzlich lief ich mit dem Hund durch die Pampa und liess mich über Kopfhörer willkürlich beschallen. Eine Mischung aus allem lief, es war wunderbar. Ab und an kamen langjährige Lieblinge, dann und wann Dinge, die ich nicht mehr auf dem Radar hatte oder aber gar nicht kannte. Und dann kam das:

Ich dachte, ich höre nicht recht. Ich versuchte bislang, Rap etwas abzugewinnen. Sprachkönnen war da, oft auch Tiefgang. Eine Botschaft. Es war nie mein Gebiet, aber es war eines. Das hier ist aber nur noch destruktiv und abwertend. Und es hat Erfolg. Es ist unsere Jugend, die das hört. Und sie nimmt es sich zum Vorbild.

Wir hatten Jahrhunderte, in denen nur Männer was waren. Frauen gab es natürlich, doch sie waren mehrheitlich untergeben und weniger wert, die unbequemen wurden gar verbrannt. Dann standen ein paar auf und fingen zu kämpfen an. Einige Nachfolgerinnen haben es übertrieben, sie wollten den Spiess umkehren statt für ein Miteinander einzustehen. Ich denke, dem schulden wir das hier unter anderem…

Wann wird der Mensch endlich lernen, dass es nicht geht, wenn einer nur für sich und Seinesgleichen einsteht, alle anderen bekämpft? Es wird nur klappen, wenn wir miteinander in die Welt gehen. Die ist schon schwer genug, wir sollten die Kräfte bündeln.

Was aber machen wir nun mit solchem Schrott? Darf man das verbieten? Ich meine, es ist ein Aufruf, Mütter (das sind alle Frauen, die ein Kind haben) einfach von hinten zu nehmen, egal ob sie wollen. Damit wäre doch der Tatbestand des Aufrufs zu einer Straftat gegeben? Kann oder muss man es einfach laufen lassen? Ich weiss es nicht, aber: Solche Texte sind mehr als grenzwertig.

Kürzlich hat unser Bundesrat entschieden, Vaterschaftsurlaub gebe es nicht. Zu teuer wohl. Die Enttäuschung in vielen Kreisen war gross. Einige meinten dann, man sollte statt dessen Elternzeit gewähren. Auch dagegen kamen gleich Stimmen, da ja doch die Frau das Kind kriege.

Ich persönlich finde die Bezeichnung Elternzeit gut. Schlussendlich werden zwei Menschen Eltern. Klar muss sich die Frau körperlich erholen, aber dann? Soll der da sein dürfen, der es will und kann im individuell gelebten System. Gesichert sollte in meinen Augen vor allem eines sein: Einer der Elternteile ist für das Kind voll da.

Was mich viel mehr erstaunt und befremdet: Man nennt das Vaterschafts- oder Mutterschaftsurlaub. Urlaub? Kinderbetreuung ist Urlaub? Ich bin wahrlich kein Fan der Goldwaage, aber da wird ein Bild zementiert, das schlicht nicht akzeptabel ist.

Ja, wir leben in einer Welt, in der nur Arbeit zählt, die man für Geld ausser Haus erledigt. Wir leben in einer Welt, die ohne Gratis-Arbeit von vielen Frauen in der Betreuung von Familienmitgliedern – die Bandbreite reicht von kinderbetreuenden Müttern über ebensolche Grossmütter hin zur Altenpflege von bedürftigen Anverwandten – nicht auskommen könnte. Aber:

Nicht nur, dass man sie nicht wertet, wenn es darum geht, zu belegen, was man geleistet hat, man benennt es als Urlaub. Wir haben noch viel zu tun. Nicht nur in Sachen Gleichberechtigung, sondern auch darin, Leistung von monetären Gegenleistungen zu trennen und den Wert für die Gesellschaft, den Wert an sich zu sehen. Und anzuerkennen.